C. $Analyse von schwefelhaltigen organischen Verbindungen.$

§. 156.

Wollte man versuchen, den Kohlenstoffgehalt derselben auf gewöhnliche

Weise durch Verbrennen mit Kupferoxyd oder chromsaurem Bleioxyd zu

bestimmen, so fiele derselbe zu hoch aus, indem -- namentlich bei

Anwendung von Kupferoxyd -- ein Theil des Schwefels zu schwefliger

Säure verbrannt, und diese mit der Kohlensäure im Kaliapparat

absorbirt würde. Um diesen Fehler zu vermeiden, bringt man daher

zwischen dem Chlorcalciumrohr und dem Kaliapparat ein 10-12 Ctm.

langes, mit vollkommen trockenem Bleisuperoxyd angefülltes Rohr an.

Das Bleisuperoxyd absorbirt die schweflige Säure, indem es sich mit

derselben in schwefelsaures Bleioxyd umsetzt, vollständig (PbO_{2} +

SO_{2} = PbO, SO_{3}), und in den Kaliapparat gelangt demnach nur die

Kohlensäure. -- In dem Chlorcalciumrohr bleibt keine schweflige Säure,

wenn man dasselbe liegen lässt, bis sich das Wasser mit dem Chlorcalcium

zu krystallisirtem Chlorcalcium verbunden hat. Es ist gut, dann noch

etwas getrocknete Luft hindurchzusaugen. -- Für die §. 153, 154 und

155 angeführten Methoden der Stickstoffbestimmung ist die Gegenwart

von Schwefel ohne Einfluss. -- Was die Bestimmung des Schwefels selbst

betrifft, so wird derselbe stets als schwefelsaurer Baryt gewogen. Die

Ueberführung des Schwefels in diese Verbindung geschieht entweder auf

trockenem oder auf nassem Wege. Das erste Verfahren führt am sichersten

zum Ziel.

Enthält die schwefelhaltige Substanz auch Sauerstoff, so wird dieser aus

dem Verluste gefunden.

a. $Methoden auf trockenem Wege.$

1. _Methode, welche sich namentlich zur Bestimmung des Schwefels in

schwefelarmen, nicht flüchtigen Substanzen, z. B. in den sogenannten

Proteinkörpern eignet; nach_ $Liebig$.

Man bringt einige Stücke schwefelsäurefreies Kalihydrat[85] in eine

geräumige Silberschale, fügt 1/8 reinen Salpeter zu und schmelzt beide

unter Zusatz von einigen Tropfen Wasser zusammen. Nach dem Erkalten

bringt man die abgewogene Menge der fein gepulverten Substanz hinzu,

schmelzt über der Lampe, rührt mit einem Silberspatel um und setzt das

Schmelzen bei verstärkter Hitze fort, bis die Masse weiss geworden,

d. h. bis die anfangs ausgeschiedene Kohle verbrannt ist. Sollte dies

nicht bald geschehen, so fügt man noch etwas Salpeter in kleinen

Portionen zu. Die erkaltete Masse löst man in Wasser, übersättigt die

Lösung in einem geräumigen, mit einer Glasschale bedeckten Becherglase

mit Salzsäure und fällt mit Chlorbaryum. Der Niederschlag ist mit

siedendem Wasser anfangs durch Decantiren, dann auf dem Filter aufs

Beste auszuwaschen. Nach dem Glühen muss der schwefelsaure Baryt

jedenfalls so behandelt werden, wie dies Seite 219, oben, angegeben ist.

Unterlässt man dies, so wird das Resultat fast immer zu hoch ausfallen.

[85] Dasselbe wird dargestellt, indem man das gewöhnliche mit Alkohol

übergiesst, die sich bildende obere Schicht -- die alkoholische

Lösung des Kalihydrats -- in einer Silberschale zur Trockne

verdampft und den Rückstand schmelzt.

2. _Methode, welche sich namentlich zur Analyse von nicht flüchtigen

oder schwer flüchtigen Substanzen eignet, welche mehr als 5 Proc.

Schwefel enthalten; nach_ $Kolbe$[86].

Man bringt in den hinteren Theil einer rund zugeschmolzenen 40-45 Ctm.

langen Verbrennungsröhre eine 7-8 Ctm. lange Schicht eines innigen

Gemenges von 8 Thln. reinem, wasserfreiem kohlensauren Natron und 1

Theil reinem chlorsauren Kali, hierauf die abgewogene schwefelhaltige

Substanz, dann wieder eine 7-8 Ctm. lange Schicht desselben Gemenges,

mischt die organische Verbindung mittelst des Mischdrahtes (Fig. 77,

S. 359) innig mit dem Salzgemenge, so dass sie sich auf die ganze

Masse gleichförmig vertheilt, und füllt zuletzt den noch übrigen Theil

der Röhre mit wasserfreiem kohlensauren Kali oder Natron, dem nur

wenig chlorsaures Kali zugesetzt ist, stellt dann durch geeignetes

Aufklopfen der Röhre einen $weiten$ Canal her, legt die Röhre in

einen Verbrennungsofen, erhitzt den vorderen Theil derselben zum

Glühen und umgiebt alsdann, langsam nach hinten fortschreitend, auch

den mit glühenden Kohlen, welcher die Mischung enthält. -- Bei sehr

kohlehaltigen Substanzen ist es zweckmässig, in den hinteren Theil der

Röhre noch einige Stückchen reines chlorsaures Kali zu bringen, damit

alle Kohle verbrennt und die etwa gebildeten Verbindungen des Kalis mit

niederen Oxydationsstufen des Schwefels vollkommen in schwefelsaures

Salz verwandelt werden. Im Inhalte des Rohres bestimmt man die

Schwefelsäure wie in 1.

[86] Supplemente zum Handwörterb. S. 205.

3. _Methode, welche sich sowohl für nicht flüchtige, als namentlich

auch für flüchtige Substanzen eignet; von_ $Debus$[87].

Man löst 1 Aeq. (149 Thle.) durch Umkrystallisiren gereinigtes saures

chromsaures Kali mit 2 Aeq. kohlensaurem Natron (106 Thle.) in Wasser,

verdampft zur Trockne, pulvert die citronengelbe Salzmasse (KO, CrO_{3}

+ NaO, CrO_{3} + NaOCO_{2}), glüht sie scharf in einem hessischen

Tiegel und bringt sie noch warm in ein Rohr, wie es Fig. 75, S. 358

darstellt[88]. Von dem erkalteten Pulver bringt man eine 7-10 Ctm.

lange Lage in ein gewöhnliches Verbrennungsrohr, schüttet darauf die

Substanz und dann wieder 7-10 Ctm. des Salzgemenges. Man mischt mit

dem Mischdrahte (Fig. 77, S. 359), füllt den noch leeren Theil des

Rohres mit dem Salzgemenge und erhitzt dann die Röhre wie bei einer

gewöhnlichen Elementaranalyse. Wenn das Ganze glüht, leitet man 1/2 bis

1 Stunde lang einen langsamen Strom von trockenem Sauerstoffgas darüber.

Nach dem Erkalten reinigt man die Röhre von Asche, zerschneidet sie

über einem Bogen Papier in mehrere Stücke und übergiesst diese in einem

Becherglase mit einer zur Lösung der Salzmasse genügenden Menge Wasser.

Man setzt jetzt Salzsäure in ziemlichem Ueberschuss, dann etwas Alkohol

zu, erwärmt gelinde, bis die Auflösung schön grün geworden ist, filtrirt

das durch die Verbrennung entstandene (schwefelsäurehaltige) Chromoxyd

ab, wäscht es erst mit salzsäurehaltigem Wasser, dann mit Alkohol aus,

trocknet es, bringt es in einen Platintiegel, fügt die Filterasche

hinzu, mischt mit 1 Thl. chlorsaurem und 2 Thln. kohlensaurem Kali

(oder Natron) und glüht bis zur vollkommenen Verwandlung des Chromoxyds

in chromsaures Kali. Die geschmolzene Masse löst man in verdünnter

Salzsäure, reducirt durch Erwärmen mit Alkohol, fügt diese Lösung zu

der vom Chromoxyd abfiltrirten Hauptlösung und fällt aus der zum Sieden

erhitzten Flüssigkeit die Schwefelsäure durch Chlorbaryum. $Debus$

erhielt bei Anwendung dieser Methode auf Substanzen von bekanntem

Schwefelgehalt sehr befriedigende Resultate, so statt 100 Schwefel 99,76

und 99,50, -- so statt 30,4 Schwefel im Xanthogenamid 30,2 etc.

[87] Ann. der Chem. und Pharm. 76. 90.

[88] Die Salzmasse ist vor Allem zu prüfen, ob sie ganz frei von

Schwefel ist. Man reducirt zu dem Behufe eine Probe mit Salzsäure

und Alkohol, setzt Chlorbaryum zu, lässt 12 Stunden stehen und

beobachtet alsdann genau, ob sich keine Spur eines Niederschlages

zeigt.

4. Die Methode von $Heinz$, welcher bei schwefelarmen Substanzen mit

überschüssigem Kupferoxyd verbrennt, die Gase durch Kalilauge leitet,

nach der Verbrennung sowohl das Kupferoxyd als die Kalilauge mit

Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelt und die Lösung mit Chlorbaryum

fällt, dürfte vor der $Debus$'schen Methode schwerlich Vorzüge haben.

Sie findet sich, ebenso wie die, welche er bei schwefelreichen

Substanzen anwendet, in $Pogg.$ Ann. 85. 424; auch Pharm. Centralbl.

1852, s. 536.

b. $Methode auf nassem Wege.$

1. Man erhitzt die Substanz mit rother rauchender Salpetersäure,

oder mit einer Mischung von Salpetersäure und chlorsaurem Kali und

unterstützt die Einwirkung nöthigenfalls zuletzt durch Wärme, bis die

ganze Substanz oxydirt ist. -- Flüchtige Schwefelverbindungen wägt man

in einer kleinen Glaskugel (§. 149), bricht deren Spitze ab und lässt

beide Theile in einen hohen Kolben mit engem Halse gleiten, in welchem

sich stärkste rothe rauchende Salpetersäure befindet. Die Einwirkung

geht in diesem Falle, weil sie durch die enge Spitze des Kügelchens

stattfinden muss, langsam vor sich und kann, wenn man den Kolben schief

legt und seinen Hals abkühlt, ohne Verlust ausgeführt werden. -- Mit

der die gebildete Schwefelsäure enthaltenden Salpetersäure verfährt man

nach §. 105. I. Bei Anwendung dieser Methode muss man $sehr$ vorsichtig

sein, indem es bei vielen organischen Substanzen nicht gelingt, ihren

Schwefelgehalt auf diesem Wege vollständig zu oxydiren. ($Sorby$ hat

sich des Kochens mit Salpetersäure zur Bestimmung des Schwefels in

vielen Pflanzen und Pflanzentheilen bedient.)

2. Nach $Beudant$, $Daguin$ und $Rivot$ lässt sich der Schwefel in

organischen Substanzen leicht bestimmen, indem man sie mit Kalilauge

erhitzt und Chlor einleitet. Nach geschehener Oxydation fällt man die

angesäuerte, durch Erhitzen von Chlorüberschuss befreite und filtrirte

Lösung mit Chlorbaryum (Pharm. Centralbl. 1854, S. 41). Ich habe über

diese Methode noch kein Urtheil.)

* * * * *

Substanzen, welche Asche hinterlassen, in denen somit schwefelsaure

Salze vermuthet werden können, muss man mit Salzsäure kochen und die

filtrirte Lösung mit Chlorbaryum prüfen. Entsteht ein Niederschlag

von schwefelsaurem Baryt, so muss der darin enthaltene Schwefel von

dem abgezogen werden, welchen man nach einer der angegebenen Methoden

gefunden hat; die Differenz bezeichnet alsdann die Menge, welche sich in

organischer Verbindung befindet.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 441 / 749 题