§. 153.
Dieselbe ist bei allen organischen Stickstoffverbindungen anwendbar.
-- Zu ihrer Ausführung ist, ausser den §. 152 sub 4-9 angeführten
Gegenständen und den §. 142 genannten zum Abwägen und Mischen
dienenden, ein graduirter Glascylinder von etwa 200 Cubikcentimeter
Inhalt erforderlich, der unten durch eine mattgeschliffene Glasplatte
verschlossen werden kann; ferner ein Barometer und ein Thermometer.
[Illustration: Fig. 85.]
Man bringt in die etwa 70-80 Centimeter lange, hinten rund
zugeschmolzene Röhre eine 12-15 Centimeter lange Schicht trockenes
doppelt-kohlensaures Natron, darauf eine 4 Centimeter lange Schicht
Kupferoxyd, dann das höchst innige Gemenge der gewogenen Substanz
(0,300-0,600 Grm., oder bei stickstoffarmen Substanzen mehr) mit
Kupferoxyd, sodann das zum Nachspülen verwendete und eine Schicht reines
Oxyd, und endlich eine etwa 15 Centimeter lange Lage Kupferdrehspäne.
Die Röhre verbindet man sodann mit dem Gasleitungsrohr _a_ (Fig. 85
a.f.S.), legt sie in den Verbrennungsofen und erhitzt allmälig, während
man die Hitze durch einen Schirm von allen anderen Theilen der Röhre
abhält, das hinterste Ende (etwa 6 Centimeter) derselben zum Glühen.
Das doppelt-kohlensaure Natron wird hierdurch zerlegt, die entweichende
Kohlensäure treibt die in der Röhre befindliche Luft vor sich her und
entfernt sie aus der Röhre. Wenn die Gasentwickelung eine Zeit lang
im Gange ist, taucht man das Ende der Gasentwickelungsröhre unter
Quecksilber, stürzt einen mit Kalilauge gefüllten Probecylinder darüber
und rückt mit den glühenden Kohlen ein wenig vor. Werden die kommenden
Gasblasen vollständig absorbirt, so ist alle Luft ausgetrieben, und
man schreitet zur eigentlichen Verbrennung; im anderen Falle muss
man das Entwickeln von Kohlensäure noch so lange fortsetzen, bis der
genannte Punkt erreicht ist. -- Man lässt alsdann das Gas in den
graduirten Cylinder treten, welcher zu 2/3 mit Quecksilber, zu 1/3 mit
starker Kalilauge angefüllt und in die Quecksilberwanne (mit Hülfe der
mattgeschliffenen Glasplatte) umgestürzt ist[82] (Fig. 85), erhitzt,
wie bei einer gewöhnlichen Verbrennung, zuerst den vordersten Theil der
Röhre zum Glühen und schreitet alsdann langsam nach hinten vor. Zuletzt
zersetzt man die andere Hälfte des doppelt-kohlensauren Salzes, so dass
durch die entweichende Kohlensäure alles noch in der Röhre befindliche
Stickgas in den Cylinder getrieben wird. Man wartet nunmehr, bis das
Gasvolum, auch wenn man den Cylinder bewegt, nicht mehr abnimmt (bis
demnach alle Kohlensäure absorbirt ist), und bringt denselben in ein
grosses und hohes mit Wasser gefülltes Glasgefäss, indem man ihn bei
dem Transport mit einem mit Quecksilber gefüllten Schälchen schliesst.
Quecksilber und Kalilauge sinken im Wasser zu Boden und werden durch
Wasser ersetzt. Man taucht die Glocke unter, bringt dann das Wasser
innen und aussen ins Niveau, notirt das Gasvolum, die Temperatur des
Wassers und den Barometerstand, und berechnet nach vorhergegangener
Reduction auf 0° und Normalbarometerstand und unter Berücksichtigung
der Tension des Wasserdampfes aus dem erhaltenen Volum Stickgas dessen
Gewicht (vergl. unten "Berechnung der Analysen"). -- Die Resultate
fallen in der Regel etwas zu hoch aus, und zwar etwa um 0,2 bis 0,5
Proc., was daher rührt, dass die Kohlensäure die dem Kupferoxyd
adhärirende Luft auch bei langem Durchströmen durch die Röhre nicht
absolut entfernt.
[82] Das Füllen und Umstürzen des Cylinders vollbringt man also am
besten: Man schüttet zuerst das Quecksilber hinein, entfernt
die Luftblasen, die an den Wandungen hängen, wie gewöhnlich,
giesst alsdann die Kalilauge ein, so dass noch ein etwa 2 Linien
langes Stück frei bleibt, füllt dies mit reinem Wasser bis zum
Ueberlaufen behutsam an, schiebt alsdann die matt geschliffene
Glasplatte darüber, dreht um, taucht die Mündung unter das
Quecksilber und schiebt die Glasplatte weg. Auf diese Art lässt
sich die Operation leicht ausführen, ohne dass man sich die Hände
mit der Lauge beschmutzt.
[Greek: b]. $Bestimmung des Stickstoffs aus dem Gewichte, nach
Varrentrapp und Will.$
§. 154.
Die zu beschreibende Methode ist bei allen Stickstoffverbindungen
anwendbar, welche den Stickstoff nicht in Form von Salpetersäure,
Untersalpetersäure etc. enthalten; sie beruht auf demselben
Princip, auf welches die Prüfung organischer Körper auf Stickstoff
(§. 140. 1. a.) gegründet ist, nämlich darauf, dass beim Glühen
stickstoffhaltiger Körper mit dem Hydrat eines Alkalimetalls das
Hydratwasser dieses letzteren in der Art zerlegt wird, dass sein
Sauerstoff mit dem Kohlenstoff Kohlensäure bildet, welche sich mit dem
Alkali verbindet, während sein Wasserstoff im Moment des Freiwerdens
sich mit allem vorhandenen Stickstoff zu Ammoniak vereinigt. -- Bei
sehr stickstoffreichen Materien, wie bei Harnsäure, Mellon etc., wird
zu Anfang der Zersetzung nicht aller Stickstoff zur Ammoniakbildung
verwendet. Ein Theil desselben tritt mit einer Portion des Kohlenstoffs
der Materie zu Cyan zusammen, welches sich als solches, wohl auch als
Cyansäure, mit dem Alkalimetall oder, im letzteren Falle, mit dem Alkali
selbst verbindet. Als Endproduct erhält man jedoch, wie directe Versuche
gezeigt haben, bei Ueberschuss von Alkalihydrat und hinlänglichem
Erhitzen auch in diesen Fällen allen Stickstoff als Ammoniak.
Da in allen organischen stickstoffhaltigen Körpern der Kohlenstoff im
Verhältniss zum Stickstoff vorherrscht, so wird, wenn derselbe sich
auf Kosten des Wassers oxydirt, immer eine Quantität Wasserstoff frei
werden, die mehr als hinreichend ist, den Stickstoff in Ammoniak zu
verwandeln, z. B.: