9. Blanke und reine Kupferdrehspäne.

[Illustration: Fig. 83.]

Man bringt in den hinteren Theil des Verbrennungsrohres eine 6 Ctm.

lange Schicht Kupferoxyd, mischt alsdann etwa 0,500 Grm. der höchst

fein gepulverten Substanz, deren Gewicht man nicht genauer zu kennen

braucht, aufs Innigste mit einer die Röhre etwa zur Hälfte anfüllenden

Menge Kupferoxyd, giebt die Mischung in die Röhre, bringt eine Schicht

reines Oxyd darüber und füllt endlich den noch leeren Theil derselben

mit Kupferdrehspänen an, so dass wenigstens ein 12 Ctm. langes Stück

mit solchen erfüllt ist. -- Man verbindet die beschickte Röhre mit

dem Gasleitungsrohr, legt sie in den Verbrennungsofen und umgiebt

zuerst den vorderen Theil mit glühenden Kohlen, während man den, an

welchem die Mischung liegt, durch einen Schirm schützt, dann schreitet

man mit dem Erhitzen zur Mischung vor, indem man den Schirm je um 3

Ctm. zurücksetzt. Wenn etwa 1/4 derselben zerlegt, und somit durch

die entstandenen Verbrennungsproducte die atmosphärische Luft fast

vollständig aus der Röhre getrieben ist, stürzt man über den Ausgang

des unter Quecksilber mündenden Gasleitungsrohres eine von den mit

Quecksilber ganz[80] gefüllten graduirten Röhren, lässt dieselbe sich

zu 3/4 mit Gas füllen, hebt sie dann heraus, so dass der Rest des

Quecksilbers ausfliesst, und schaut der Länge nach durch dieselbe.

Ist nicht die geringste rothe Färbung des Gasinhaltes zu bemerken, so

kann man sicher sein, dass den Gasen kein Stickoxydgas beigemengt war.

(Diese Probe muss in der Mitte und gegen Ende der Operation wiederholt

werden, wenn man volle Sicherheit über die Abwesenheit des Stickoxyds

in allen Röhren haben will.) Nach diesem vorläufigen Versuche füllt man

nun eine von den graduirten Röhren nach der anderen (Fig. 83), indem man

die Erhitzung langsam und gleichmässig fortführt. Man muss zu dieser

Arbeit entweder einen Apparat haben, der das gleichzeitige Aufstellen

von 6-8 Röhren gestattet[81], oder man muss sich von einem Gehülfen die

gefüllten Röhren einstweilen halten lassen. Man merke sich, welche Röhre

die erste, zweite, dritte u. s. w. bei der Füllung war. -- Der vordere

Theil des Verbrennungsrohres ist während der ganzen Operation in starkem

Glühen zu erhalten.

[80] Um eine Röhre mit Quecksilber so zu füllen, dass keine Luftblasen

darin bleiben, füllt man sie erst fast voll, verschliesst sie mit

dem Finger und dreht um, indem man Sorge trägt, dass sich die

kleinen, an den Wänden haftenden Luftblasen allmälig alle mit der

grossen vereinigen. Man dreht die Röhre alsdann wieder herum und

füllt sie langsam mit Quecksilber voll.

[81] Ein solcher ist beschrieben und abgebildet in "Das chem.

Laboratorium zu Giessen" von J. P. $Hofmann$. Heidelberg, 1842.

[Illustration: Fig. 84.]

Wenn sämmtliche Röhren gefüllt sind, bestimmt man das darin enthaltene

Gasgemenge in einer nach der anderen auf folgende Art. Man taucht

zuerst die Röhre einige Zeit in den mit Quecksilber gefüllten Cylinder

(Fig. 84) ganz ein, damit ihre Temperatur gleichförmig und mit der des

Quecksilbers übereinstimmend werde, hebt sie alsdann so weit heraus,

dass das Quecksilber innen und aussen in gleichem Niveau steht, liest

ab (§. 11) und bemerkt das Volum. -- Man lässt alsdann eine kleine

Quantität Kalilauge aus der damit fast ganz angefüllten Pipette

[Greek: b] in die Röhre treten, indem man vorsichtig in jene bläst,

befördert die Absorption der Kohlensäure, indem man, nach Entfernung

der Pipette, die festgefasste Röhre in der Weise im Quecksilber auf-

und abbewegt, dass man ihre Mündung an eine Seite des Cylinders fest

anlegt, taucht zuletzt die Röhre wieder ganz unter, bringt alsdann

wie oben das Quecksilber innen und aussen ins Niveau und liest ab. --

(Den Druck, den die kleine Flüssigkeitssäule der Kalilauge ausübt,

kann man ohne Weiteres vernachlässigen.) Wenn man die bei der zweiten

Messung gefundene Zahl (das Stickgas) von der bei der ersten notirten

(dem Stickgas + dem Kohlensäuregas) abzieht, so bekommt man das Volum

der Kohlensäure. -- Wenn man auf diese Art den Inhalt der einen Röhre

bestimmt hat, reinigt man das Quecksilber durch Waschen mit ein wenig

salzsäurehaltigem Wasser, dann mit reinem Wasser und Fliesspapier

und geht zur zweiten Röhre über. -- Man findet in der Regel, dass

die Resultate der einzelnen Röhren ziemlich nahe übereinstimmen; in

manchen Fällen jedoch, wenn nämlich die stickstoffhaltige Substanz vor

der völligen Verbrennung in verschieden flüchtige Zersetzungsproducte

zerfällt, erhält man bei den einzelnen Röhren nicht unbedeutende

Differenzen. In der Regel nimmt man das arithmetische Mittel als das

richtige Resultat an, und es ist für um so zuverlässiger zu betrachten,

je weniger die Resultate der einzelnen Röhren von demselben abweichen.

-- Zeigen jedoch die ersteren Röhren einen auffallend grösseren

Stickstoffgehalt, als die späteren, so ist anzunehmen, dass die Luft

noch nicht vollständig ausgetrieben war, und man nimmt in dem Falle

dieselben nicht mit in Rechnung.

Das relative Verhältniss der Kohlensäure zum Stickgas drückt unmittelbar

und ohne weitere Rechnung das Verhältniss der Aequivalente des

Kohlenstoffs zu denen des Stickstoffs aus, denn 1 Aeq. Kohlenstoff

verbrennt ja in 2 Aeq. Sauerstoff, ohne dessen Volum zu verändern, und

liefert demnach 2 Volumina Kohlensäure, -- 1 Aeq. Stickstoff liefert

aber ebenfalls 2 Volumina (also die gleiche Anzahl) Stickgas.

Gesetzt, wir hätten das Verhältniss der Kohlensäure zum Stickgas

gefunden, wie 4 : 1, so enthält die Verbindung auf 4 Aeq. Kohlenstoff =

4 × 75 = 300, 1 Aeq. Stickstoff = 175. Hätten wir demnach in 100 Theilen

26 Theile Kohlenstoff gefunden, so enthielte die Verbindung 15,17

Stickstoff, denn 300 : 175 = 26 : x; x = 15,17.

Die eben besprochene Stickstoffbestimmung hat, weil die Luft nicht

vollständig aus der Röhre entfernt wird, eine unvermeidliche

Fehlerquelle, welche veranlasst, dass der Stickstoffgehalt immer ein

wenig zu hoch ausfällt. Dieser Fehler lässt jedoch über das richtige

Verhältniss nicht in Zweifel, wenn die Stickstoffmenge bedeutend ist; so

sieht man auf der Stelle, wenn man gefunden hat 1 : 4,1, dass das wahre

Verhältniss 1 : 4 ist. Bei verhältnissmässig geringem Stickstoffgehalt

jedoch werden die Resultate durch diesen Fehler trüglich, und die

Erfahrung hat gezeigt, dass die Methode sich bei Substanzen nicht mehr

anwenden lässt, die weniger als 1 Aeq. Stickstoff auf 8 Aeq. Kohlenstoff

enthalten.

$Bunsen$ hat diese Methode in einer Weise abgeändert, dass sie noch

schärfere Resultate liefert. Sein Verfahren ist jedoch minder einfach

und erfordert grössere experimentelle Gewandtheit. Es findet sich

beschrieben im Handwörterbuche der Chemie, Supplemente, S. 200, von

$Kolbe$, ferner in $Liebig$'s Anleitung zur Analyse organischer Körper,

II. Auflage Seite 72.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 438 / 749 题