3. $Verbrennung mit Kupferoxyd und gasförmigem Sauerstoff.$

§. 147.

Viele Chemiker sind gegenwärtig bei der Analyse organischer Körper

von den im Vorhergehenden beschriebenen Verfahrungsweisen abgewichen

und verbrennen mit Kupferoxyd und Sauerstoffgas, welches aus einem

Gasometer zugeleitet wird. $Hess$, $Dumas$ und $Stass$, $Erdmann$ und

$Marchand$, $Wöhler$ und Andere haben Verfahrungsweisen beschrieben,

welche sich auf dieses Princip gründen. Sie wenden dieselben nicht nur

zur Verbrennung schwer verbrennlicher Substanzen, sondern ganz allgemein

zur Kohlenstoff- und Wasserstoffbestimmung in organischen Substanzen an.

Da diese Methoden ausser dem mit Sauerstoff gefüllten Gasometer,

Vorrichtungen erfordern, um das Sauerstoffgas vollkommen zu trocknen und

von Kohlensäure zu befreien, so ersieht man leicht, dass ihr Apparat

complicirter ist als der so einfache $Liebig$'sche oder $Bunsen$'sche.

Sie empfehlen sich daher hauptsächlich dann, wenn grössere Reihen

organischer Elementaranalysen nach einander ausgeführt werden sollen,

sowie insbesondere bei der Analyse von Substanzen, die, weil sie nicht

pulverisirbar sind, mit dem Kupferoxyd nicht innig gemischt werden

können.

Zur Erhitzung des Verbrennungsrohres bedienen sich $Hess$, sowie

$Erdmann$ und $Marchand$ des Weingeistes. Man kann dazu auch eine

geeignete Gasfeuerung anwenden (wie solches in den englischen

Laboratorien geschieht)[77] oder sich glühender Kohlen bedienen. Die

Fig. 78 stellt einen Apparat mit Kohlenfeuerung dar.

[77] W. $Hoffmann$ beschrieb eine solche bei der Versammlung der

Naturforscher und Aerzte 1852.

_A_ ist ein Gasometer mit Sauerstoff, der Hahn _i_ ist durch ein

Messingrohr mit dem Kugelapparate _h_ verbunden, der concentrirte

Schwefelsäure enthält. In dem genannten Messingrohr befindet sich ein

seitlicher Ansatz, welcher mittelst eines Schlauches von vulcanisirtem

Kautchuk mit einem atmosphärische Luft enthaltenden Gasometer in

Verbindung steht (diese Einrichtung ist in der Figur weggelassen). Die

Röhre _g_ enthält festes Kalihydrat. -- _a b_ stellt die an beiden

Enden offene etwa 60 Ctm. lange Verbrennungsröhre dar. Dieselbe ist

mittelst durchbohrter Korkstopfen hinten mit dem Kalirohr, vorn mit dem

Chlorcalciumrohr _c_ verbunden. _d_ ist ein Kaliapparat (dessen kleinere

Kugel, da hier ein Zurücksteigen der Kalilauge nie vorkommen kann, am

besten mit dem Chlorcalciumrohr verbunden wird), _e_ enthält festes

Kalihydrat.

[Illustration: Fig. 78.]

Das Ausglühen des Kupferoxyds geschieht in der Röhre selbst. Man

versieht dieselbe am Ende _b_ mit einem ziemlich dichten Stopfen von

Kupferdrehspänen, füllt sie darauf bis zu zwei Drittel ihrer Länge

mit Kupferoxyd, verbindet die Mündung _a_ mit _g_ und _h_, wie es die

Zeichnung angiebt, und erhitzt das Rohr seiner ganzen Länge nach zum

gelinden Glühen, während man einen langsamen Strom von atmosphärischer

Luft hindurchleitet. Nach vollständigem Ausglühen entfernt man die

Kohlen, verbindet das vorher offen gelassene Ende _b_ mit einem kleinen

Chlorcalciumrohr und lässt in langsamem Luftstrome erkalten. Man öffnet

jetzt die kalte Röhre, am hinteren Ende, bringt die Substanz mit Hülfe

eines langen Röhrchens hinein (vergl. §. 144), mischt mittelst des in

Fig. 77 S. 359 abgebildeten Drahtes rasch, füllt den hinteren Raum mit

ausgeglühtem und in dem Rohre Fig. 75 S. 358 erkalteten Kupferoxyd an

(doch nur so, dass noch einige Zoll leer bleiben), klopft die Röhre

etwas, damit sich ein Canal bildet, setzt alsdann _a_ mit _g_ wieder in

fest schliessende Verbindung, nimmt das während des Erkaltens angesetzte

Chlorcalciumrohr weg, ersetzt es durch das gewogene _c_[78] und fügt

auch die gewogenen Apparate _d_ und _e_ an.

[78] Anstatt den, das Chlorcalciumrohr _c_ mit der Verbrennungsröhre

verbindenden Kork zu trocknen, überziehen ihn $Erdmann$ und

$Marchand$ mit Bleifolie auf folgende Weise: Die untere Fläche

des durchbohrten Korkes wird mit einer runden Scheibe der

Bleifolie von geeigneter Grösse bedeckt und die überstehenden

Ränder gegen die Seiten des Korkes fest angedrückt. Man

durchbricht alsdann die Folie an der Stelle, wo sie die

Durchbohrung des Korkes bedeckt, mit der engen Röhre des

Chlorcalciumrohrs, indem man diese vorsichtig eindreht, zieht sie

dann wieder heraus und dreht sie nun von der entgegengesetzten

Seite ein. Es gelingt alsdann meist, sie durchzuschieben, ohne

dass die Bleifolie wieder losgestossen wird.

Man dreht nun den Hahn _i_ (des Sauerstoffgasometers) ein wenig auf[79],

so dass das Gas in ganz langsamem Strome durch den Apparat geht,

schliesst dann plötzlich den Hahn und überzeugt sich vom vollkommenen

Schliessen des Apparates, indem man beobachtet, ob der Stand der

Flüssigkeiten in den Kugelapparaten sich längere Zeit gleich bleibt.

[79] Damit man dies ganz nach Belieben thun kann, bringt man an dem

drehbaren Theil nach $Erdmann$'s und $Marchand$'s Vorschlag,

einen langen Hebelarm an. $H. Rose$ hat dafür folgende einfache

Vorrichtung angegeben (Fig. 79). _a_ ist ein Korkstopfen, der

auf den Hahn gesetzt wird, _b_ (etwa ein dicker Strickdraht) der

Hebel.

[Illustration: Fig. 79.]

Ist dies geschehen, so erhitzt man zuerst den vorderen Theil der

Röhre, soweit das reine Kupferoxyd liegt, zum Glühen, sodann auch

das hintere, nur Kupferoxyd enthaltende Ende, während man den die

Mischung enthaltenden Theil zweckmässig durch zwei Schirme schützt. Das

Sauerstoffgas leitet man dabei fortwährend, aber im langsamsten Strome,

durch den Apparat.

Nunmehr fängt man an auch den Theil zu erhitzen, welcher die Mischung

enthält, indem man von vorn nach hinten langsam vorschreitet. Man

verstärkt allmälig den Sauerstoffstrom etwas, doch nie soweit, dass

Sauerstoffgas durch den Kaliapparat _d_ hindurchgeht. Wenn endlich die

Röhre ihrer ganzen Länge nach glüht, und keine Gasentwickelung mehr

stattfindet, öffnet man den Hahn etwas weiter, bis zuletzt (wenn alles

reducirte Kupferoxyd wieder oxydirt ist) das Gas unabsorbirt durch den

Kaliapparat zu gehen anfängt. Man schliesst jetzt den Sauerstoffhahn,

öffnet dagegen den Hahn des Luftgasometers ein wenig, entfernt die

Kohlen, soweit möglich, lässt das Ganze im langsamen Luftstrome erkalten

und wägt dann das Chlorcalciumrohr, den Kaliapparat und das dazu

gehörige Kalirohr.

Ein ungemeiner Vortheil dieser Methode liegt darin, dass die

Verbrennungsröhre nach Beendigung der ersten Analyse für die zweite

vollkommen vorbereitet ist.

[Greek: c]. $Flüchtige Körper, oder solche, die bei 100° eine

Veränderung erleiden, z. B. Wasser verlieren.$

§. 148.

Würde man mit denselben so verfahren, wie §. 143 angegeben, so entwiche,

bei dem Mischen mit warmem Kupferoxyd und beim Auspumpen der mit heissem

Sand umgebenen Röhre, ein Theil der Substanz oder des Wassers, und die

Resultate könnten somit unmöglich genau werden. Würde man hingegen auf

dieselbe Art kalt mischen, so zöge die Mischung eine erhebliche Menge

Wasser an.

Man verfährt daher entweder nach §. 144 oder nach §. 147. -- Auch

mit chromsaurem Kali lassen sich solche Substanzen recht gut

verbrennen; doch hat man die Vorsicht zu gebrauchen, dasselbe in einem

verschlossenen Rohre erkalten zu lassen.

b. $Flüssige Körper.$

[Greek: a]. $Flüchtige$ (z. B. ätherische Oele, Alkohol etc.).

§. 149.

1. Zur Analyse flüchtiger Körper bedarf man der sämmtlichen in §. 142

angeführten Gegenstände mit Ausnahme der zum Abwägen, Mischen und

Auspumpen dienenden. Dafür hat man erstens ein Rohr zur Aufnahme des

Kupferoxyds nöthig, wie in §. 144, und ferner kleine Glaskugeln zur

Aufnahme der zu verbrennenden Flüssigkeit. Diese Kugeln verfertigt man

in folgender Art:

[Illustration: Fig. 80.]

[Illustration: Fig. 81.]

Man zieht eine stark federkieldicke Glasröhre von leicht schmelzbarem

Glas mit mässig dicken Wänden, in der Art aus, wie es Fig. 80 zeigt

(die Enden denke man sich jedes einen Fuss länger), schmelzt die Röhre

bei _b_ ab, bläst den verdickten Theil, wenn nöthig, ein wenig auf,

und schneidet alsdann bei _c_ ab. Auf diese Art macht man sich 2-3

Kugeln von der Gestalt, wie sie Fig. 81 zeigt. -- Dass das Ende der

Glasröhre beim Aufblasen noch lang sei, ist deswegen nothwendig, weil

sonst die Kugeln innen feucht werden. -- Man wägt von diesen Kugeln

zwei zuerst leer, füllt sie alsdann mit Flüssigkeit, schmelzt sie zu

und wägt wieder. Das Füllen vollbringt man, indem man das Kügelchen

über der Lampe ein wenig erwärmt und alsdann seine Spitze in die

zu untersuchende Flüssigkeit taucht. Beim Erkalten tritt ein Theil

derselben hinein. Ist nun die Flüssigkeit sehr flüchtiger Natur, so

verwandelt sich die in das noch warme Kügelchen eindringende Portion in

Dampf, welcher die Flüssigkeit wieder hinaustreibt; sobald sich aber

der Dampf verdichtet, füllt sich die Kugel jetzt um so vollständiger

an. -- Ist die Flüssigkeit minder flüchtig, so dringt zuerst nur ein

wenig ein. Man erhitzt die Kugel neuerdings, so dass der eingedrungene

Tropfen in Dampf verwandelt wird, und steckt jetzt die Spitze wiederum

in die Flüssigkeit. Bei dem Abkühlen füllt sich alsdann die Kugel

völlig an. Man bewirkt jetzt durch eine schnellende Bewegung, dass

die in dem Halse des Kugelröhrchens etwa befindliche Flüssigkeit

vollständig herausgeworfen wird, und schmelzt alsdann die Spitze zu.

-- Die Beschickung der Röhre geschieht in der Weise, dass man aus dem

Rohre, in welchem das Kupferoxyd erkaltete, zuerst eine 6 Ctm. lange

Schicht Kupferoxyd in das Verbrennungsrohr bringt. Alsdann versieht man

eins der gefüllten Kügelchen in der Mitte des Halses mit einem feinen

Feilstriche, bricht die Spitze rasch ab und lässt Kugel und Spitze in

die Röhre fallen. Man bringt nun eine 6-9 Ctm. hohe Schicht Kupferoxyd,

alsdann in gleicher Art die zweite Kugel hinein, füllt endlich das Rohr

mit Kupferoxyd fast voll, klopft auf und schreitet zur Verbrennung. (Es

ist zweckmässig, in die vordere Hälfte des Rohres etwas gröberes, aus

kleinen Stückchen bestehendes Kupferoxyd (vergl. §. 45. 1.) oder auch

aussen oxydirte Kupferdrehspäne zu bringen, so dass die Gase ungehindert

passiren können, auch wenn nur ein enger Canal vorhanden; denn ist

derselbe weit, so streicht etwas Dampf unverbrannt durch die Röhre.)

Die Ausführung der Verbrennung erfordert bei sehr flüchtigen Körpern

viele Aufmerksamkeit und macht einige Modificationen nöthig. Zuerst

erhitzt man die kleinere, durch einen Schirm geschiedene vordere

Hälfte der Röhre zum Glühen (bei sehr flüchtigen Substanzen bringt man

statt eines Schirmes zwei an), legt dann eine glühende Kohle hinter

die Röhre, damit der Schnabel heiss werde und sich kein Dampf darin

verdichten kann, und nähert alsdann der ersten Kugel eine glühende

Kohle. Man bewirkt dadurch ein Ausfliessen und Verdampfen des Inhalts.

Der Dampf streicht über das Kupferoxyd, verbrennt, und somit beginnt

die Gasentwickelung. Durch sehr allmäliges Erwärmen der ersten, dann

der zweiten Kugel, erhält man sie im Gange und zwar zweckmässiger in

etwas zu langsamem, als zu schnellem. -- Erhitzt man nicht allmälig,

sondern plötzlich, so wird die Kalilauge ohne Weiteres aus dem Apparat

geschleudert. -- Zuletzt umgiebt man die ganze Röhre mit Kohlen und

verfährt wie gewöhnlich. -- Schmeckt die durchgesaugte Luft nach dem

verbrannten Körper, so war die Verbrennung unvollständig.

Da sich bei Flüssigkeiten von hohem Siedepunkte und grossem

Kohlenstoffgehalt, z. B. bei ätherischen Oelen, auf das in der Umgebung

derselben vollständig reducirte Kupfer leicht etwas Kohlenstoff

absetzt, so vertheilt man die zur Analyse erforderliche Quantität,

welche etwa 0,4 Grm. beträgt, besser in drei Kügelchen, die durch

Kupferoxydschichten zu trennen sind.

2. Fürchtet man, dass die Verbrennung des Kohlenstoffs durch das

Kupferoxyd nicht vollständig geschehen möchte, so beendet man das

Verbrennen im Sauerstoffstrome, den man aus im hinteren Theil der Röhre

liegendem chlorsauren oder überchlorsauren Kali entwickelt (vergl.

§. 146).

3. Soll die Verbrennung in dem in §. 147 beschriebenen Apparate

(im Sauerstoffstrom) ausgeführt werden, so müssen die Kügelchen in

eine feine lange Spitze ausgezogen und fast ganz mit der Flüssigkeit

angefüllt werden. Man schmelzt alsdann die Spitze zu und bringt die

Kügelchen, ohne sie zu öffnen, in das Verbrennungsrohr. Sobald der

vordere und hinterste Theil des Rohres im Glühen ist, nähert man der

Stelle, an welcher das erste Kügelchen liegt, eine glühende Kohle

und bewirkt so, dass es durch die Ausdehnung der Flüssigkeit platzt.

Nachdem der Inhalt des ersten verbrannt ist, erhitzt man das zweite etc.

-- Diese Methode für ganz flüchtige Flüssigkeiten, wie z. B. Aether,

anzuwenden, ist jedoch nicht wohl möglich, da bei solchen Explosionen

nicht zu vermeiden sind.

[Greek: b]. $Flüssige$, nicht flüchtige Körper (z. B. fette Oele).

§. 150.

Zu ihrer Verbrennung wendet man stets entweder 1) chromsaures Bleioxyd

oder Kupferoxyd mit chlorsaurem, beziehungsweise überchlorsaurem Kali

an, oder man vollführt sie 2) in dem in §. 147 beschriebenen Apparate.

1. Im Falle 1. verfährt man im Allgemeinen nach §. 145 oder 146. Die

Substanz wägt man in einem kleinen Röhrchen ab und verfährt beim Mischen

also: Zuerst bringt man in die Röhre eine 6 Ctm. lange Lage Kupferoxyd

mit chlorsaurem Kali, oder aber chromsaures Bleioxyd, alsdann wirft man

das Röhrchen mit der Substanz hinein und lässt das Oel in die Röhre

vollständig ausfliessen. Durch geeignetes Neigen bewirkt man, dass es

in der Röhre herumfliesse, und zwar in der Art, dass das erste 1/4 bis

1/3 der Röhre rein bleibt und ebenso die obere für den Canal bestimmte

Seite derselben. Man füllt sie alsdann mit -- in einer Röhre erkaltetem

-- Kupferoxyd oder chromsaurem Bleioxyd fast voll, trägt Sorge, dass

das Röhrchen mit diesen Verbrennungsmitteln völlig angefüllt werde,

legt zwischen heissen Sand, damit das hierdurch dünnflüssig werdende

Oel vollständig von dem Verbrennungsmittel aufgesaugt werde, pumpt,

wenn nöthig, aus und schreitet zur Verbrennung. Es ist zweckmässig,

eine ziemlich lange Röhre zu nehmen. Chromsaures Bleioxyd ist in der

Regel vorzuziehen. Bei seiner Anwendung giebt man zuletzt vorsichtig

ganz starke Hitze, so dass der Inhalt der Röhre schmilzt. Hat man

feste Fette, oder wachsartige Körper, die sich nicht pulvern und

demzufolge nicht auf die gewöhnliche Art mischen lassen, so verfährt

man in ähnlicher Weise, wie bei fetten Oelen. Zum Abwägen bringt man

dieselben in einen kleinen gewogenen Glasnachen, welchen man aus einer

der Länge nach gespaltenen Röhre darstellt, Fig. 82, schmelzt sie darin,

wägt wieder und lässt diesen dann in die 6 Ctm. weit mit chromsaurem

Bleioxyd oder (mit chlorsaurem Kali gemischtem) Kupferoxyd gefüllte

Röhre gleiten. Man bringt alsdann die Substanz zum Schmelzen, verbreitet

sie ebenso wie die Oele in der Röhre und verfährt im Uebrigen überhaupt,

wie bei diesen angegeben.

[Illustration: Fig. 82.]

2. Sollen Fette oder ähnliche Körper im Sauerstoffstrom in dem in §. 147

beschriebenen Apparate verbrannt werden, so wägt man sie in einem Glas-

oder Platinschiffchen, schiebt sie darin in die Röhre ein und füllt

den hinteren Theil der Röhre, wie oben angegeben, mit Kupferoxyd. Die

Verbrennung muss sehr sorgfältig geleitet werden. Sobald das im vorderen

und hintersten Theil der Röhre befindliche Kupferoxyd glüht, nähert man

der Substanz eine Kohle. Die bei der trockenen Destillation entstehenden

flüchtigen Producte verbrennen auf Kosten des Kupferoxyds. Wenn man

merkt, dass dieses an der Oberfläche reducirt ist, lässt man mit dem

Erhitzen der Substanz nach und fährt erst dann wieder fort, wenn sich

das Kupfer im Sauerstoffstrom wieder oxydirt hat. Zuletzt sorgt man,

dass alle im Schiffchen gebliebene Kohle im Sauerstoffgase verbrenne.

B. $Analyse von Verbindungen, die aus Kohlenstoff, Wasserstoff,

Sauerstoff und Stickstoff bestehen.$

Das Princip des bei solchen Verbindungen einzuschlagenden Verfahrens ist

im Allgemeinen folgendes: Man bestimmt in $einer$ Portion der Substanz

den Kohlenstoff als Kohlensäure, den Wasserstoff als Wasser, -- in einer

$zweiten$ den Stickstoff im gasförmigen Zustande, als Platinsalmiak,

oder durch Neutralisation des aus dem Stickstoff entstandenen Ammons,

und findet den Sauerstoff aus dem Verlust.

Da die Gegenwart des Stickstoffs auf die Bestimmung des Kohlenstoffs und

Wasserstoffs einen Einfluss ausübt, so haben wir in diesem Abschnitte

nicht allein die Methode der Stickstoffbestimmung, sondern auch die

Abänderungen zu betrachten, welche durch die Gegenwart des Stickstoffs

bei der Bestimmung des Kohlenstoffs und Wasserstoffs nöthig werden.

a. $Bestimmung des Kohlenstoffs und Wasserstoffs in

stickstoffhaltigen Körpern.$

§. 151.

1. Glüht man stickstoffhaltige Substanzen mit Kupferoxyd oder

chromsaurem Bleioxyd, so entweicht mit der Kohlensäure und dem

Wasserdampf ein Theil des Stickstoffs als Gas, ein anderer, sehr

geringer, bei sehr sauerstoffreichen Körpern aber doch nicht

unbedeutender Theil verwandelt sich in Stickoxydgas, welches von der im

Apparate befindlichen Luft ganz oder theilweise in salpetrige Säure

übergeführt wird. Würde man demnach bei stickstoffhaltigen Substanzen

die oben (§. 143 etc.) beschriebenen Verfahrungsweisen ohne Weiteres

beibehalten, so bekäme man einen zu hohen Gehalt an Kohlenstoff, indem

im Kaliapparat nicht allein die Kohlensäure, sondern auch die gebildete

salpetrige Säure und ein Theil des Stickoxyds (welches sich mit Kali

langsam in salpetrige Säure und Stickoxydul umsetzt) zurückgehalten

würde. Man beseitigt diesen Uebelstand einerseits, indem man recht

innig mischt, langsam verbrennt und chromsaures Bleioxyd, sowie die

Mitanwendung chlorsauren Kalis vermeidet, denn bei ihrem Gebrauch

und raschem Verbrennen ist die Stickoxydentwickelung bedeutender als

bei der Anwendung reinen Kupferoxyds und bei langsamem Erhitzen des

innigen Gemenges, andererseits, indem man eine um 12-15 Ctm. längere

Verbrennungsröhre anwendet, dieselbe wie gewöhnlich füllt und alsdann

eine 9-12 Ctm. lange, lockere Schicht blanker und feiner Kupferdrehspäne

(§. 45. 6.) hineinbringt. Bei der Verbrennung erhitzt man dieselben

zuerst zum Glühen und erhält sie darin während der ganzen Operation.

In allen übrigen Stücken bleiben sich die oben beschriebenen Methoden

gleich. -- Die Wirkung des Kupfers beruht darauf, dass es im glühenden

Zustande alle Oxydationsstufen des Stickstoffs zerlegt in Sauerstoff,

mit dem es sich zu Oxyd verbindet, und in reines Stickgas. -- Da diese

Wirkung nur von ganz glühendem Kupfer ausgeübt wird, so hat man Sorge

zu tragen, dass der vordere Theil der Röhre immer gehörig im Glühen

bleibe. -- Da das metallische Kupfer, frisch reducirt, Wasserstoffgas,

nach längerem Aufbewahren, Wasserdampf an seiner Oberfläche verdichtet

zurückhält, so muss dasselbe heiss -- wie es aus dem auf 100° erhitzten

Trockenschranke kommt -- in die Röhre gebracht werden. $Liebig$

empfiehlt, den Kupferdrehspänen durch Einpressen in eine Röhre

cylindrische Form zu geben. Sie können so leicht und rasch in die

Verbrennungsröhre gebracht werden.

2. Sollen stickstoffhaltige Körper in dem in §. 147 beschriebenen

Apparate verbrannt werden, so müssen Röhren von etwa 75 Ctm. Länge

angewendet werden. Der vordere Theil derselben wird alsdann ebenfalls

mit einer 9-12 Ctm. langen Schicht blanker Kupferdrehspäne gefüllt.

Man hat Sorge zu tragen, dass wenigstens der vordere Theil derselben

sowohl während des Ausglühens im Luftstrom, als auch bei der Verbrennung

unoxydirt bleibt. -- Ist die Operation beendigt, so schliesst man

den Sauerstoffhahn, sobald eine sichtbar fortschreitende Oxydation

des metallischen Kupfers eintritt, und öffnet statt dessen den des

Luftgasometers ein wenig, so dass die Röhre im langsamen Luftstrome

erkaltet.

b. $Bestimmung des Stickstoffs in organischen Verbindungen.$

Zur Bestimmung des Stickstoffs sind, wie oben bereits angedeutet, zwei

wesentlich verschiedene Methoden im Gebrauch. Nach der einen wird der

Stickstoff im reinen Zustande abgeschieden, und sein Volum gemessen,

-- nach der anderen wird er in Ammoniak verwandelt, und dieses als

Platinsalmiak oder durch Neutralisation bestimmt.

[Greek: a]. $Bestimmung des Stickstoffs aus dem Volum.$

Die vielen Methoden, welche zur Erreichung des in Rede stehenden

Zweckes in Vorschlag gekommen sind, lassen sich alle unter zwei

Rubriken zusammenfassen. Die einen bezwecken das Auffangen der ganzen

in einer gewogenen Portion der Substanz enthaltenen Stickstoffmenge,

-- die anderen bestimmen bloss das relative Verhältniss zwischen dem

entwickelten Kohlensäure- und Stickgas und lassen aus diesem die Menge

des Stickstoffs berechnen, wozu also unter allen Umständen erfordert

wird, dass man zuvor die Menge des Kohlenstoffs in der Substanz

kenne. -- Die auf das erstere Princip gegründeten Methoden nennt man

_quantitative_, die anderen _qualitative_. Ich hebe von beiden Arten

je eine heraus, und zwar diejenigen, die sich am leichtesten ausführen

lassen und die genauesten Resultate liefern.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 433 / 749 题