1. $Verbrennung mit chromsaurem Bleioxyd.$

§. 145.

Von den §. 142 genannten Gegenständen braucht man 1-13., 14-17. nicht.

Dagegen hat man chromsaures Bleioxyd (§. 45. 2.) nöthig. Man erhitzt

eine zur Füllung der Röhre, welche man (da das chromsaure Bleioxyd

bei gleichem Volumen eine viel grössere Menge verwendbaren Sauerstoff

enthält, als das Kupferoxyd) ziemlich eng wählen kann, mehr als

hinreichende Menge in einer Platin- oder Porzellanschale über der

$Berzelius$'schen Lampe bis zum Braunwerden und sorgt, dass dasselbe bis

zum Gebrauch auf etwa 100° oder auch noch weiter abgekühlt ist. -- Das

Verfahren ist dem in §. 143 beschriebenen vollkommen gleich, mit der

einzigen Ausnahme, dass man die Röhre nicht auspumpt. Diese Operation

ist nämlich bei Anwendung von chromsaurem Bleioxyd völlig überflüssig,

da dieses nicht hygroskopisch ist wie das Kupferoxyd. --

Da das chromsaure Bleioxyd hauptsächlich dadurch vollständiger oxydirend

wirkt als das Kupferoxyd, dass es bei gehöriger Hitze schmilzt, so

hat man zuletzt die Temperatur durch Anfachen der Kohlen etc. so zu

steigern, dass der ganze Inhalt der Röhre -- soweit die Substanz gelegen

hat -- zum völligen Schmelzen kommt. Den $vorderen$ Theil der Röhre

so stark zu erhitzen, ist unzweckmässig, da hierdurch das chromsaure

Bleioxyd alle Porosität verliert und etwa entwichene noch unverbrannte

Zersetzungsproducte nicht mehr gehörig zu verbrennen vermag.

Weil auch das nicht geschmolzene chromsaure Bleioxyd in letzterer

Beziehung vermöge seiner schweren Beschaffenheit Manches zu wünschen

übrig lässt, so füllt man den vorderen Theil der Röhre statt mit solchem

zweckmässiger mit grob gepulvertem Kupferoxyd, welches durch sehr

starkes Glühen seine hygroskopischen Eigenschaften verloren hat, oder

auch mit Kupferdrehspänen, welche man durch Glühen in einem Tiegel, bei

Luftzutritt, oberflächlich oxydirt hat.

Bei sehr schwer verbrennlichen Substanzen ist es wünschenswerth, dass

die Masse nicht allein leicht zusammenbacke, sondern auch zuletzt etwas

mehr Sauerstoff ausgebe, als dies bei dem chromsauren Bleioxyd der

Fall ist. Man setzt daher in solchen Fällen dem chromsauren Bleioxyd

zweckmässig 1/10 seines Gewichtes nach dem Schmelzen gepulvertes saures

chromsaures Kali zu. Mit Hülfe dieses Zusatzes gelingt es, auch ganz

schwierig verbrennende Körper vollständig zu oxydiren ($Liebig$).

2. $Verbrennung mit Kupferoxyd und chlorsaurem oder überchlorsaurem

Kali.$

§. 146.

Man bedarf hierzu aller der in §. 142, beziehungsweise §. 144 genannten

Gegenstände und ausserdem einer kleinen Menge chlorsauren Kalis. Um es

von Wasser zu befreien, erhitzt man dasselbe, bis es eben schmilzt,

zerstösst es nach dem Erkalten zu grobem Pulver und bewahrt es an einem

warmen Ort bis zum Gebrauche auf. --

Das Verfahren ist dasselbe wie in §. 143 oder 144 mit dem Unterschiede,

dass man die Schicht Kupferoxyd im hintersten Theil der Röhre etwas

gross (5 Ctm. lang) macht und durch Umschütteln mit etwa 1/8 (3-4 Grm.)

chlorsauren Kalis mischt. Man füllt dann 2 Ctm. reines Kupferoxyd und

sodann die Mischung ein. -- Wenn man beim Erhitzen sich der Stelle

nähert, an der das chlorsaure Kali liegt, so muss man beim Auflegen der

Kohlen ausserordentlich vorsichtig sein, so dass sich das chlorsaure

Kali nur ganz allmälig zersetzt; im anderen Falle wird durch den zu

heftigen Gasstrom ein Theilchen der Kalilauge herausgeworfen und die

Analyse ist verloren.

Das aus dem chlorsauren Kali entwickelte Sauerstoffgas treibt die die

Röhre erfüllende Kohlensäure vor sich her, verbrennt alle unverbrannten

Kohletheilchen und oxydirt das reducirte Kupfer. Es kann daher erst dann

Sauerstoffgas durch den Kaliapparat austreten, wenn alles Oxydirbare

oxydirt worden ist.

Ist in dieser Weise zuletzt viel Gas unabsorbirt durch den Kaliapparat

hindurchgegangen, so ist es unnöthig, die Spitze der Röhre abzukneipen

und Luft durch dieselbe zu saugen, da in derselben nur Sauerstoff,

aber keine Kohlensäure und kein Wasserdampf mehr enthalten ist.

Durch das Chlorcalciumrohr und den Kaliapparat muss aber jedenfalls

Luft durchgesaugt werden (am besten getrocknete und von Kohlensäure

befreite), da ja sonst diese Apparate mit Sauerstoffgas erfüllt gewogen

werden würden.

Das chlorsaure Kali zersetzt sich, wie bekannt, etwas stürmisch. Man

kann daher statt desselben auch das ruhigerer Zersetzung unterliegende,

durch Erhitzen des chlorsauren Kalis dargestellte, überchlorsaure Kali

anwenden, wie dies $Bunsen$ zuerst vorgeschlagen hat. Man bringt es

im geschmolzenen Zustande und noch heiss in den hintersten Theil der

Röhre, setzt einen lockeren Pfropf frisch ausgeglühten Asbestes darauf

und füllt dann wie gewöhnlich. Befolgt man die in §. 144 angegebene

$Bunsen$'sche Mischungsmethode, so muss stets nach dieser Angabe

verfahren werden.

Da das den Kaliapparat durchstreichende trockene Sauerstoffgas

etwas Wasserdampf aus der Kalilauge wegführt, so verbindet man die

Ausgangsröhre des Kaliapparates zweckmässig mit einer kleinen,

mitzuwägenden, mit Kalihydrat gefüllten Röhre und zwar entweder

mittelst eines Korkes oder durch ein kleines Röhrchen von vulcanisirtem

Kautschuk. Die Gewichtszunahme des Kaliapparates sammt der dieses

Röhrchens, ist gleich der aufgenommenen Kohlensäure.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 432 / 749 题