9. $Kieselsäure von allen anderen Säuren$ (ausgenommen Flusssäure).

[Greek: a]. _In durch Salzsäure aufschliessbaren Verbindungen._

Man zersetzt die Substanz durch mehr oder weniger lang fortgesetzte

Digestion mit Salzsäure oder Salpetersäure, verdampft damit im

Wasserbade (nicht bei höherer Temperatur) zur Trockne (§. 111. II. a.),

übergiesst den Rückstand je nach Umständen mit Wasser, Salzsäure oder

Salpetersäure, filtrirt die ausgeschiedene Kieselsäure ab und bestimmt

die übrigen Säuren im Filtrat. -- Bei Gegenwart von Borsäure nimmt

man das Abdampfen in einem Kolben vor und leitet die entweichenden

Dämpfe in Wasser, damit man keinen Verlust erleide. Bei Gegenwart von

kohlensauren Salzen bestimmt man die Kohlensäure in einer besonderen

Portion.

[Greek: b]. _In durch Salzsäure nicht aufschliessbaren Verbindungen._

Man schliesst die Substanz durch Glühen mit kohlensaurem Natron-Kali

auf (§. 111. II. b. [Greek: a].) und behandelt den Rückstand entweder

geradezu vorsichtig mit verdünnter Salzsäure oder Salpetersäure, um

mit der Lösung nach [Greek: a]. zu verfahren, oder man fällt aus der

beim Behandeln des Rückstandes mit Wasser erhaltenen Flüssigkeit die in

Lösung übergegangene Kieselsäure durch Erwärmen mit doppelt kohlensaurem

Ammon, filtrirt, bestimmt die anderen Säuren im Filtrat, die Kieselsäure

in dem mit dem Rückstande vereinigten Niederschlag, indem man ihn mit

Salzsäure behandelt und nach §. 111. II. a. verfährt. -- Welche von

diesen Methoden die passendere ist, hängt von der Natur der Basen und

dem Verhältniss, in dem die Kieselsäure zu denselben steht, ab.

10. $Kohlensäure von allen anderen Säuren.$ -- Da die Kohlensäure beim

Erwärmen ihrer Salze mit stärkeren Säuren ausgetrieben und entfernt

wird, so hat die Gegenwart von kohlensauren Salzen auf die Bestimmung

der meisten übrigen Säuren keinen Einfluss, und da die Bestimmung der

Kohlensäure am einfachsten aus dem Gewichtsverlust geschieht, so ist

andererseits die Anwesenheit der Salze nichtflüchtiger Säuren dabei ohne

Belang. -- Hat man demnach Verbindungen, die kohlensaure, schwefelsaure,

phosphorsaure etc. Salze neben einander enthalten, so bestimmt man in

einer Portion die Kohlensäure, in einer zweiten die übrigen Säuren.

-- Hat man Fluorverbindungen neben kohlensauren Salzen, so muss man

darauf achten, dass man in solchem Falle die Kohlensäure nicht durch

Schwefelsäure oder Salzsäure austreiben darf, weil sonst ein Theil der

in Freiheit gesetzten Flusssäure mit der Kohlensäure entweichen würde,

sondern dass man zu diesem Behufe eine schwache nichtflüchtige Säure,

etwa Weinsteinsäure oder Citronensäure, anwenden muss. -- Hat man, wie

dies bei Analysen zuweilen vorkommt, Fluorcalcium und kohlensauren

Kalk in einem Niederschlage, so trennt man beide in der Weise, dass

man das Gemenge mit Essigsäure zur Trockne verdampft und den Rückstand

mit Wasser auszieht. Der aus dem kohlensauren Kalk entstandene und ihm

entsprechende essigsaure Kalk löst sich, das Fluorcalcium bleibt zurück.

$Zweite Gruppe.$

$Chlorwasserstoffsäure, Bromwasserstoffsäure, Jodwasserstoffsäure,

Cyanwasserstoffsäure, Schwefelwasserstoffsäure.$

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 409 / 749 题