[Greek: a]. _In durch Salzsäure aufschliessbaren Verbindungen._
Man zersetzt die Substanz durch mehr oder weniger lang fortgesetzte
Digestion mit Salzsäure oder Salpetersäure, verdampft damit im
Wasserbade (nicht bei höherer Temperatur) zur Trockne (§. 111. II. a.),
übergiesst den Rückstand je nach Umständen mit Wasser, Salzsäure oder
Salpetersäure, filtrirt die ausgeschiedene Kieselsäure ab und bestimmt
die übrigen Säuren im Filtrat. -- Bei Gegenwart von Borsäure nimmt
man das Abdampfen in einem Kolben vor und leitet die entweichenden
Dämpfe in Wasser, damit man keinen Verlust erleide. Bei Gegenwart von
kohlensauren Salzen bestimmt man die Kohlensäure in einer besonderen
Portion.
[Greek: b]. _In durch Salzsäure nicht aufschliessbaren Verbindungen._
Man schliesst die Substanz durch Glühen mit kohlensaurem Natron-Kali
auf (§. 111. II. b. [Greek: a].) und behandelt den Rückstand entweder
geradezu vorsichtig mit verdünnter Salzsäure oder Salpetersäure, um
mit der Lösung nach [Greek: a]. zu verfahren, oder man fällt aus der
beim Behandeln des Rückstandes mit Wasser erhaltenen Flüssigkeit die in
Lösung übergegangene Kieselsäure durch Erwärmen mit doppelt kohlensaurem
Ammon, filtrirt, bestimmt die anderen Säuren im Filtrat, die Kieselsäure
in dem mit dem Rückstande vereinigten Niederschlag, indem man ihn mit
Salzsäure behandelt und nach §. 111. II. a. verfährt. -- Welche von
diesen Methoden die passendere ist, hängt von der Natur der Basen und
dem Verhältniss, in dem die Kieselsäure zu denselben steht, ab.
10. $Kohlensäure von allen anderen Säuren.$ -- Da die Kohlensäure beim
Erwärmen ihrer Salze mit stärkeren Säuren ausgetrieben und entfernt
wird, so hat die Gegenwart von kohlensauren Salzen auf die Bestimmung
der meisten übrigen Säuren keinen Einfluss, und da die Bestimmung der
Kohlensäure am einfachsten aus dem Gewichtsverlust geschieht, so ist
andererseits die Anwesenheit der Salze nichtflüchtiger Säuren dabei ohne
Belang. -- Hat man demnach Verbindungen, die kohlensaure, schwefelsaure,
phosphorsaure etc. Salze neben einander enthalten, so bestimmt man in
einer Portion die Kohlensäure, in einer zweiten die übrigen Säuren.
-- Hat man Fluorverbindungen neben kohlensauren Salzen, so muss man
darauf achten, dass man in solchem Falle die Kohlensäure nicht durch
Schwefelsäure oder Salzsäure austreiben darf, weil sonst ein Theil der
in Freiheit gesetzten Flusssäure mit der Kohlensäure entweichen würde,
sondern dass man zu diesem Behufe eine schwache nichtflüchtige Säure,
etwa Weinsteinsäure oder Citronensäure, anwenden muss. -- Hat man, wie
dies bei Analysen zuweilen vorkommt, Fluorcalcium und kohlensauren
Kalk in einem Niederschlage, so trennt man beide in der Weise, dass
man das Gemenge mit Essigsäure zur Trockne verdampft und den Rückstand
mit Wasser auszieht. Der aus dem kohlensauren Kalk entstandene und ihm
entsprechende essigsaure Kalk löst sich, das Fluorcalcium bleibt zurück.
$Zweite Gruppe.$
$Chlorwasserstoffsäure, Bromwasserstoffsäure, Jodwasserstoffsäure,
Cyanwasserstoffsäure, Schwefelwasserstoffsäure.$