a. _Die Substanz ist in Wasser löslich._
[Greek: a]. Enthält sie $relativ viel$ Fluor, so dass eine Bestimmung
desselben aus der Differenz zulässig erscheint, so fällt man die Lösung
durch Chlorcalcium, wäscht den Niederschlag aus, trocknet, glüht und
wägt ihn. Er besteht aus phosphorsaurem Kalk und Fluorcalcium. Man
erwärmt ihn mit Schwefelsäure in einem Platingefässe, bis alles Fluor
als Fluorwasserstoff entwichen ist (die Erhitzung werde nicht so
gesteigert, dass Schwefelsäurehydrat sich verflüchtigt), und bestimmt
dann Kalk und Phosphorsäure nach §. 106. II. c. Zieht man Phosphorsäure
und Kalk von dem Gesammtgewicht des Niederschlages ab, so findet man das
Fluor, indem man ansetzt: Aeq. des Fluors -- Aeq. des Sauerstoffs : Aeq.
des Fluors = der gefundene Gewichtsverlust: dem gesuchten Fluor.
[Greek: b]. Enthält die Substanz $relativ wenig$ Fluor, so versetzt
man die Auflösung mit basisch salpetersaurem Quecksilberoxydul. Es
entsteht dadurch ein gelber Niederschlag von basisch phosphorsaurem
Quecksilberoxydul, während alles Fluorquecksilber gelöst bleibt. Man
bestimmt im Niederschlage die Phosphorsäure nach §. 106. I. b. [Greek:
c]., das Filtrat neutralisirt man mit kohlensaurem Natron, leitet --
ohne zuvor abzufiltriren -- Schwefelwasserstoff ein, filtrirt und
bestimmt das Fluor nach §. 109. I. (H. $Rose$).
b. _Ist die Substanz nicht in Wasser löslich, aber durch Säuren
zerlegbar_, so lässt sich das Verfahren a. [Greek: a]. ebenfalls
anwenden. Man löst erst in Salzsäure und verdampft dann mit
Schwefelsäure.
c. _Ist die Substanz nicht durch Säuren zersetzbar_, so schmelzt man sie
mit kohlensaurem Natron und Kieselsäure (siehe §. 134. 8.).
7. $Fluormetalle von Kieselsäure und Silicaten.$ -- Sehr viele
natürliche Silicate enthalten Fluormetalle; man hat daher bei
Mineraluntersuchungen wohl darauf zu achten, dass man letztere nicht
übersieht. --
Sind die Fluormetall enthaltenden Silicate durch Säuren zersetzbar (was
nur selten der Fall ist) und scheidet man die Kieselsäure nach üblicher
Art durch Abdampfen ab, so kann sich alles Fluor verflüchtigen.
[Greek: a]. _Methode von_ $Berzelius$. Man schmelzt die fein
geschlämmte Substanz mit 4 Thln. kohlensaurem Natron ziemlich lange
bei starker Rothglühhitze, weicht die Masse mit Wasser auf, kocht sie
damit, filtrirt und wäscht erst mit siedendem Wasser, dann mit einer
Auflösung von kohlensaurem Ammon aus. Man hat in Lösung alles Fluor als
Fluornatrium, ferner kohlensaures, kieselsaures und Thonerdenatron. Man
versetzt dieselbe mit kohlensaurem Ammon und erhitzt sie damit unter
Ersatz des verdunstenden kohlensauren Ammons. Den hierdurch entstehenden
Niederschlag von Kieselsäure- und Thonerdehydrat filtrirt man ab und
wäscht ihn mit kohlensaurem Ammon aus. Das Filtrat erhitzt man, bis
alles kohlensaures Ammon entwichen, und bestimmt das Fluor nach §. 109.
-- Die beiden Niederschläge zerlegt man, zur Abscheidung der Kieselsäure
mit Salzsäure, nach §. 111. II. a.[64].
[64] Durch die Behandlung mit kohlensaurem Ammon lässt sich alle
Kieselsäure aus dem Filtrate entfernen, so dass ein Zusatz von
kohlensaurem Zinkoxydammon, wie ihn $Berzelius$ und später
$Regnault$ vorschlugen, als überflüssig erscheint (H. $Rose$).
[Greek: b]. Methode von $Wöhler$. (Dieselbe ist nur anwendbar, wenn
die Substanz durch Schwefelsäure leicht zerlegt wird, und wenn die
Menge des Fluors gross ist.) Man bringt die Verbindung im höchst fein
gepulverten Zustande in einen kleinen Kolben, übergiesst sie mit
reinem Schwefelsäurehydrat, verschliesst den Kolben rasch mit einem
Kork, in den eine kleine Chlorcalciumröhre eingepasst ist, wägt den
ganzen Apparat möglichst schnell, erwärmt ihn dann bis keine Dämpfe von
Fluorkiesel mehr entweichen, entfernt die letzten Antheile des noch im
Kölbchen befindlichen Gases mit Hülfe der Luftpumpe, lässt erkalten und
wägt. Der Gewichtsverlust des Apparates giebt die Menge des entwichenen
Fluorkiesels genau an. Man berechnet daraus einmal die Menge des Fluors
und dann die Menge des entwichenen Siliciums, damit man dessen Menge,
auf Kieselsäure berechnet, der im Rückstande gefundenen zuzählen kann.
8. $Fluormetalle, Silicate und phosphorsaure Salze neben einander.$ --
Derartige Verbindungen, welche in der Natur nicht selten vorkommen,
werden nach 7. [Greek: a]. zerlegt. Hierbei ist auf eine vollständige
Zerlegung der Phosphate nicht immer zu rechnen, indem z. B.
phosphorsaurer Kalk durch schmelzende Soda nur partiell zerlegt wird.
-- Die Auflösung, welche man nach Abscheidung der Kieselsäure und nach
Verflüchtigung des kohlensauren Ammons bekommt, enthält -- bei Gegenwart
von Phosphaten -- neben Fluornatrium und kohlensaurem Natron auch
phosphorsaures Natron.
Man neutralisirt fast mit Salzsäure, fällt mit Chlorcalcium, filtrirt,
trocknet und glüht den aus Fluorcalcium, phosphorsaurem Kalk und
kohlensaurem Kalk bestehenden Niederschlag, behandelt ihn mit
überschüssiger Essigsäure, verdampft damit im Wasserbade ganz zur
Trockne, bis alle Essigsäure entfernt ist, zieht mit Wasser den aus dem
kohlensauren Kalk entstandenen essigsauren Kalk aus und wägt den aus
phosphorsaurem Kalk und Fluorcalcium bestehenden und nach 6. weiter zu
zerlegenden Rückstand. -- In dem ursprünglich gebliebenen Rückstande,
sowie in dem durch kohlensaures Ammon entstandenen Niederschlage
bestimmt man die Kieselsäure, den Rest der Phosphorsäure und die Basen.