II. Trennung der Oxyde der sechsten Gruppe von einander.

§. 133.

$Uebersicht$: $Platin$ von Gold: 1, -- von Antimon, Zinn, Arsen: 2.

$Gold$ von Platin: 1, -- von Antimon, Zinn, Arsen: 2.

$Antimon$ von Gold und Platin: 2, -- von Zinn: 4. a, 6.

a, -- von Arsen: 3. b, 4. a u. b, 5. a.

$Zinn$ von Gold und Platin: 2, von Antimon: 4. a, 6. a,

-- von Arsen: 3. a, 6. a. Zinnoxydul von Zinnoxyd: 7. a,

8. a.

$Arsen$ von Gold und Platin: 2, -- von Antimon: 3. b, 4.

a u. b, 5. a, -- von Zinn: 3. a, 6. a. Arsenige Säure

von Arsensäure: 5. b, 7. b, 8. b.

1. _Methode, welche sich auf die Ausfällung des Platins durch

Chlorkalium gründet._

$Platin von Gold.$ -- Man fällt aus der Lösung der Chlorverbindungen das

Platin nach §. 99. b. und im Filtrate das Gold nach §. 98. b.

2. _Methoden, welche sich auf die Flüchtigkeit der Chlorverbindungen der

unedlen Metalle gründen._

$Platin und Gold von Zinn, Antimon, Arsen.$ -- Man erhitzt die fein

zertheilten Legirungen oder die Schwefelmetalle in einem Strome von

Chlorgas. Gold und Platin bleiben zurück, die Chloride der anderen

Metalle verflüchtigen sich (vergl. §. 132. B. 5. a.).

3. _Methoden, welche auf der Flüchtigkeit des Arsens und Schwefelarsens

beruhen._

a. $Arsen von Zinn$ (nach H. $Rose$). -- Man verwandelt in

Schwefelmetalle oder in Oxyde, trocknet bei 100° und erhitzt eine

abgewogene Menge derselben anfangs gelinde, allmälig stärker in einer

Kugelröhre, durch welche trockenes Schwefelwasserstoffgas streicht.

Es verflüchtigt sich Schwefelarsen und Schwefel, während Schwefelzinn

zurückbleibt. Um das Schwefelarsen aufzufangen, verbindet man die

Kugelröhre in der in §. 131. 6. a. beschriebenen Weise mit vorgelegten

Kölbchen, in welchen sich verdünnte Ammonflüssigkeit befindet. -- Wenn

auch bei weiterer Erhitzung sich kein Anflug in dem kälteren Theile

der Röhre mehr zeigt, treibt man den Anflug von der Kugel weg, lässt

erkalten und schneidet dann die Röhre oberhalb des Anflugs ab. Das

abgeschnittene Ende zerschneidet man in Stücke, erwärmt diese mit etwas

Natronlauge, bis sich der Anflug gelöst hat, vereinigt diese Lösung

mit der vorgeschlagenen ammoniakalischen Flüssigkeit, setzt Salzsäure,

dann, ohne abzufiltriren, chlorsaures Kali zu und erwärmt gelinde, bis

alles Schwefelarsen gelöst ist. Man filtrirt nun von dem Schwefel ab

und bestimmt die Arsensäure nach §. 102. 2. Das in der Kugel enthaltene

schwarzbraune Schwefelzinn kann, da es mehr Schwefel enthält, als der

Formel SnS entspricht, nicht geradezu gewogen werden. Man wägt es daher

und bestimmt in einem abgewogenen Theile das Zinn, indem man denselben

durch Befeuchten mit Salpetersäure und Rösten in Zinnoxyd überführt

(§. 101. 1. c.).

Hat man Zinn und Arsen als Legirung, so führt man sie am bequemsten

durch vorsichtiges Behandeln mit Salpetersäure in Oxyde über. Will man

sie in Schwefelmetalle verwandeln, so kann dies geschehen, indem man 1

Theil der fein zertheilten Legirung mit 5 Theilen Soda und 5 Theilen

Schwefel in einem bedeckten Porzellantiegel schmelzt, bis zum ruhigen

Fluss. Man löst dann in Wasser, filtrirt etwaiges Schwefeleisen oder

dergleichen ab und fällt die Lösung mit Salzsäure.

b. $Arsen von Antimon$, wenn beide legirt sind. -- Man erhitzt die

abgewogene Probe mit 2 Thln. Soda und 2 Thln. Cyankalium in einer

Kugelröhre, durch welche man trockene Kohlensäure leitet, anfangs

gelinde, allmälig heftig, bis sich kein Arsen mehr verflüchtigt. (Man

hüte sich, die entweichenden Dämpfe einzuathmen. Zweckmässig steckt

man den hinteren Theil der Kugelröhre in einen Kolben, in welchem sich

alsdann das Arsen sublimirt.) Nach dem Erkalten behandelt man den

Inhalt der Kugel erst mit einer Mischung von gleichen Theilen Weingeist

und Wasser, dann mit Wasser und wägt das zurückbleibende Antimon. Das

Arsen ergiebt sich aus dem Verlust. -- Man erhält durch dies Verfahren

nur annähernde Resultate. Wollte man die Legirung geradezu, nicht unter

einer Schlacke, in kohlensaurem oder Wasserstoffgas schmelzen, so würde

man höchst unrichtige Resultate erhalten, indem sich in solchem Falle

sehr viel Antimon verflüchtigte.

4. _Methoden, welche auf der Unlöslichkeit des antimonsauren Natrons

beruhen._

a. $Antimon von Zinn und Arsen$ (nach H. $Rose$). -- Hat man die

Metalle im regulinischen Zustande, so oxydirt man die wohl zerkleinerte

abgewogene Probe in einem Porzellantiegel mit allmälig zuzusetzender

Salpetersäure von 1,4 specif. Gewicht, bringt die Masse im Wasserbade

zur Trockne, schüttet sie in einen Silbertiegel, spült die im

Porzellantiegel noch haftenden Portionen mit Natronlauge in den

Silbertiegel, bringt zur Trockne, setzt die achtfache Menge festes

Natronhydrat zu und schmelzt längere Zeit. Die erkaltete Masse behandelt

man mit heissem Wasser, bis das Ungelöste feinpulverig erscheint,

verdünnt etwas mit Wasser und setzt so viel Alkohol von 0,83 specif.

Gewicht zu, dass das Volumenverhältniss desselben zum Wasser wie

1 : 3 ist. Nachdem man unter öfterem Umrühren 24 Stunden lang hat stehen

lassen, filtrirt man, spült mit wässerigem Weingeist (1 Vol. Alkohol:

3 Vol. Wasser) nach und wäscht den Niederschlag auf dem Filter zuerst

mit Weingeist, der auf 2 Vol. Wasser 1 Vol. Alkohol enthält, dann mit

aus gleichen Raumtheilen gemischtem und endlich mit solchem aus, der

auf 1 Vol. Wasser 3 Vol. Alkohol enthält. Den sämmtlichen weingeistigen

Waschflüssigkeiten setzt man einige Tropfen kohlensaure Natronlösung

zu. Das Auswaschen wird fortgesetzt, bis eine Probe, mit Salzsäure

angesäuert und mit Schwefelwasserstoffwasser versetzt, sich nicht mehr

färbt.

Das antimonsaure Natron spült man vom Filter ab, löst es in einer

Mischung von Salzsäure und Weinsteinsäure, mit der man zuvor das Filter

ausgewaschen hat, fällt mit Schwefelwasserstoff und bestimmt das Antimon

überhaupt nach §. 100. 1. b.

Zu dem das Zinn und Arsen enthaltenden Filtrate fügt man Salzsäure,

wodurch ein Niederschlag von arsensaurem Zinnoxyd entsteht, leitet,

ohne vorher abzufiltriren, längere Zeit Schwefelwasserstoff ein, lässt

stehen, bis der Geruch danach fast verschwunden, und trennt dann die

gewogenen Schwefelmetalle nach 3. a.

Enthält die Substanz nur $Antimon und Arsen$, so erhitzt man das

alkoholische Filtrat unter öfterem Zusatz von Wasser, bis es kaum mehr

nach Weingeist riecht, setzt Salzsäure zu und bestimmt die Arsensäure

als arsensaure Ammon-Magnesia (§. 102. 2.).

b. $Bestimmung des Schwefelarsens, im käuflichen Schwefelantimon$

(nach $Wackenroder$). -- Man verpufft 20 Grm. des fein zerriebenen

Schwefelantimons mit 40 Grm. Salpeter und 20 Grm. kohlensaurem Natron,

indem man das Gemenge nach und nach in einen rothglühenden hessischen

Tiegel einträgt, zieht die stark geglühte Masse wiederholt mit Wasser

aus, fällt aus dem mit Salzsäure angesäuerten und mit schwefliger

Säure behandelten Filtrate das Arsen nebst einem kleinen Theile des

Antimons mit Schwefelwasserstoff, digerirt den feuchten Niederschlag

mit kohlensaurem Ammon, filtrirt, säuert das Filtrat an, leitet

Schwefelwasserstoff ein und bestimmt das Arsen als Schwefelarsen nach

§. 102. 4.

5. _Methoden, welche auf der Ausfällung des Arsens als arsensaure

Ammon-Magnesia beruhen._

a. $Arsen von Antimon.$ -- Man oxydirt die Metalle oder

Schwefelverbindungen mit Königswasser oder Salzsäure und chlorsaurem

Kali, fügt Weinsteinsäure, viel Chlorammonium, dann überschüssiges Ammon

zu. (Hierdurch darf keine Fällung entstehen; wäre es der Fall, so war

die Menge des Salmiaks oder der Weinsteinsäure nicht genügend.) Man

fällt alsdann die Arsensäure nach §. 102. 2. und bestimmt im Filtrate

das Antimon nach §. 100. 1. b.

b. $Arsensäure von arseniger Säure.$ Man versetzt die Lösung mit $viel$

Salmiak, fällt dann die Arsensäure nach §. 102. 2. und bestimmt im

Filtrate die arsenige Säure durch Fällung mit Schwefelwasserstoff

(§. 102. 4.).

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 401 / 749 题