a. _Methoden, welche sich auf die Schwerlöslichkeit der Magnesia in
Wasser gründen._
[Greek: a]. Man stellt eine möglichst neutrale, von Ammonsalzen freie
Lösung der Basen dar (ob die Säure Schwefelsaure, Salzsäure oder
Salpetersäure ist, kommt nicht in Betracht), fügt Barytwasser zu, so
lange ein Niederschlag entsteht, erhitzt zum Kochen, filtrirt ab und
wäscht mit siedendem Wasser aus. Der Niederschlag enthält die Magnesia
als Oxydhydrat. Man bestimmt sie entweder nach §. 82. 1. b., oder man
löst sie in Salzsäure, fällt den Baryt mit Schwefelsäure aus und schlägt
sie als phosphorsaure Ammonmagnesia nieder (§. 82. 2.). Die Alkalien,
welche sich je nach Umständen als Chlormetalle, salpetersaure Salze
oder Aetzalkalien in Lösung befinden, trennt man vom Baryt nach A.
oder B. 1. $Liebig$, welcher diese Methode zuerst anwandte, schlug zur
Fällung krystallisirtes Schwefelbaryum vor. -- Die Methode liefert gute
Resultate, ist aber etwas umständlich.
[Greek: b]. Man fällt die Lösung mit ein wenig reiner Kalkmilch, kocht,
filtrirt, wäscht aus. Im Niederschlag trennt man Kalk und Magnesia nach
§. 122, im Filtrat Kalk und Alkalien nach A. oder B. 3. -- Diese Methode
wendet man mit Vortheil an, wenn es sich darum handelt, aus einer Kalk
und Alkalien enthaltenden Flüssigkeit die Magnesia zu entfernen, sofern
nur die Alkalien bestimmt werden sollen.
b. _Methoden, welche sich auf die Schwerlöslichkeit der kohlensauren
Magnesia gründen._
[Greek: a]. Man verwandelt in Chloride, glüht schwach, löst in Wasser
auf und kocht mit aufgeschlämmtem kohlensauren Silberoxyd (durch Fällung
von salpetersaurem Silberoxyd mit kohlensaurem Ammon und Auswaschen
erhalten), bis die überstehende Flüssigkeit stark alkalisch reagirt.
Aus der heiss abfiltrirten Flüssigkeit entfernt man eine Spur gelösten
Silbersalzes mit Salzsäure, welche bis zu schwach saurer Reaction
zugesetzt wird, filtrirt und bestimmt die Alkalien nach §. 120. --
Den Niederschlag behandelt man mit erwärmter Salzsäure und fällt die
Magnesia nach §. 82. 2. ($Sonnenschein$)[34].
[34] $Pogg.$ Ann. 74. 313. -- $Liebig$ und $Kopp$ Jahresb. 1847 und
1848. 961.
[Greek: b]. Man verwandelt in salpetersaure Salze, glüht dieselben in
einer Platinschale gelinde, setzt etwas Wasser, dann überschüssige,
krystallisirte, reine Oxalsäure zu und verdampft. Während des
Verdampfens entwickelt sich Salpetersäure und zuletzt sublimirt an den
Wänden der Schale Oxalsäurehydrat. Die oxalsauren Salze zersetzt man
durch Glühen und trennt die reine und kohlensaure Magnesia von den
kohlensauren Alkalien durch siedendes Wasser ($Deville$)[35].
[35] Journ. f. prakt. Chem. 1853. 60. 17.
c. _Methode, welche sich auf die Ausfällung der Magnesia durch
phosphorsaures_ (_beziehungsweise arsensaures_) _Ammon gründet._
Man setzt zu der Lösung, welche Magnesia, Kali und Natron enthält,
überschüssiges Ammon und, wenn solcher nicht schon vorhanden ist,
etwas Salmiak und fällt die Magnesia mit (natronfreiem) phosphorsaurem
Ammon, von dem nur ein geringer Ueberschuss zugesetzt wird. Aus dem
durch Verdampfen von freiem Ammon befreiten Filtrat schlägt man
die Phosphorsäure mit essigsaurem Bleioxyd als eine Verbindung von
phosphorsaurem Bleioxyd und Chlorblei nieder. Das überschüssige
Bleioxyd entfernt man mit Ammon und kohlensaurem Ammon aus der noch
heissen Flüssigkeit und bestimmt im Filtrat Kali und Natron nach
§. 76. 77. (O. L. $Erdmann$[36] -- $Heintz$)[37]. Ich kann dieser
Methode einen eigentlichen Vorzug vor der in a. angeführten
$Berzelius$'schen nicht einräumen. Ungleich einfacher würde folgendes
Verfahren sein: Man fällt die Magnesia statt mit phosphorsaurem Ammon
mit arsensaurem Ammon und bestimmt sie als arsensaure Ammonmagnesia
nach §. 102. 2. Das Filtrat verdampft man zur Trockne und erhitzt den
Rückstand in einem Porzellantiegel. Sollte die Masse noch nicht genug
Salmiak enthalten haben, so glüht man den Rückstand nochmals nach Zusatz
von solchem. Da sich die Arsensäure hierdurch leicht und vollständig
verflüchtigt, so bleiben die Alkalien rein -- als Chlormetalle --
zurück. Dass man das Glühen unter einem guten Dunstabzuge vorzunehmen
habe, erhellt leicht.
[36] Journ. f. prakt. Chem. 41. 89.
[37] $Pogg.$ 73. 119. -- Jahresbericht von $Liebig$ u. $Kopp$ 1847 u.
1848 S. 961.