ClO + ClH + 2KJ = 2KCl + HO + 2J

und

ClO_{3} + 3ClH + 4KJ = 4KCl + 3HO + 4J.

Somit entsprechen 2 Aeq. Jod = 3172 einem Aeq. unterchloriger Säure =

543,28, und 4 Aeq. Jod = 6344 einem Aeq. chloriger Säure = 743,28.

* * * * *

$Fünfter Abschnitt.$

$Die Trennung der Körper.$

§. 119.

Wir haben im vierten Abschnitte die Methoden betrachtet, nach welchen

Basen und Säuren bestimmt werden, wenn nur eine Base oder eine Säure in

einer Verbindung enthalten ist. Dieser Abschnitt war die Vorbereitung zu

dem gegenwärtigen, in welchem wir von der Trennung der Körper handeln,

d. h. von der Gewichtsbestimmung der Basen und Säuren in Verbindungen,

in welchen mehrere oder viele Basen oder Säuren neben einander enthalten

sind.

Der genannte Zweck kann auf zweierlei Weise erreicht werden, nämlich a.

durch $directe$, -- b. durch $indirecte$ Analyse. -- Unter der ersteren

versteht man eine solche, bei welcher die Basen oder Säuren wirklich

von einander geschieden werden. So trennen wir Kali und Natron durch

Platinchlorid, -- Kupfer und Wismuth durch Cyankalium, -- Arsen und

Eisen durch Schwefelwasserstoff, -- Jod und Chlor durch salpetersaures

Palladiumoxydul, -- Phosphorsäure und Schwefelsäure durch Baryt, --

Kohle und Salpeter durch Wasser etc. etc. In allen diesen Fällen bringt

man demnach einen der Körper in unlöslichen Zustand unter Umständen, bei

denen der andere in Lösung kommt, oder umgekehrt. Diese Art der Analyse

ist die am häufigsten angewendete. Sie verdient bei freigestellter Wahl

den Vorzug. --

Indirect hingegen nennt man eine Analyse dann, wenn bei derselben keine

wirkliche Scheidung erzielt wird, sondern wenn anderweitige Umstände

herbeigeführt werden, aus denen man die Quantität der neben einander

befindlichen Basen oder Säuren berechnen kann. -- So lässt sich die

Quantität des Kalis und Natrons in einer beide Basen enthaltenden

Verbindung bestimmen, wenn man sie in schwefelsaure Salze verwandelt,

diese wägt und die Schwefelsäure darin bestimmt (§. 120. 3.), -- so

lässt sich Eisenoxyd neben Thonerde bestimmen, indem man beide wägt,

dann das Eisen maassanalytisch bestimmt und die Thonerde aus der

Differenz berechnet etc. -- Die indirecte Analyse lässt sich in überaus

vielen Fällen anwenden; mit wahrem Vortheil wird sie übrigens in der

Regel nur da gebraucht, wo es an guten eigentlichen Scheidungsmethoden

fehlt. Die speciellen Fälle, in denen sie directer Analyse vorzuziehen

ist, lassen sich unmöglich alle vorhersehen; ich habe daher im Folgenden

nur diejenigen bezeichnet, welche häufig in Anwendung kommen. Was die

bei indirecten Analysen vorkommenden Berechnungen betrifft, so habe ich

dieselben im Allgemeinen in der zweiten Unterabtheilung "Berechnung der

Analysen" gegeben; wo es übrigens zweckmässiger erschien, ist gleich bei

der Methode das Nöthige angeführt.

Ich hatte bei der Bearbeitung des folgenden Abschnittes zwei Zwecke

vor Augen; erstens sollte derselbe ein sicherer Führer bei praktischen

Arbeiten sein, zweitens sollte er eine möglichst übersichtliche

Belehrung, einen möglichst klaren Blick in das ganze Gebiet verschaffen.

-- In Folge dessen habe ich die uns bekannte Gruppeneintheilung

beibehalten und nach systematischer Weise, so weit es durchführbar war,

erst die Trennung aller in eine Gruppe gehörenden Körper von denen der

anderen (vorhergehenden), sodann die Trennung einzelner Körper von

allen oder von einzelnen der früheren Gruppen, und endlich die Trennung

der in eine Gruppe gehörenden Körper von einander behandelt; denn so

glaubte ich meine Absicht am sichersten zu erreichen. -- Es versteht

sich von selbst, dass die Methoden, welche zur Scheidung aller Körper

einer Gruppe von denen einer anderen angeführt sind, auch zur Scheidung

eines in die Gruppe gehörenden Körpers von einem oder mehreren der

anderen Gruppe anwendbar sind. Auch soll durch Anführung speciellerer

Methoden keineswegs gesagt sein, dass diese immer den allgemeineren

vorzuziehen sind. Die Entscheidung, welche die bessere sei, muss in

der Regel bei jedem speciellen Falle dem Einzelnen überlassen bleiben,

indem sie von den Umständen abhängt. -- In Bezug auf die allgemeinen

Scheidungsmethoden der Körper einer Gruppe von denen einer anderen

bemerke ich, dass die angeführten mir vor anderen zweckmässig erschienen

sind. Ich möchte aber der Meinung vorbeugen, als ob andere passend und

rationell angeordnete nicht ebenfalls, in speciellen Fällen vielleicht

noch besser, zum Ziele führen könnten. Dem Scharfsinn der Einzelnen

bleibt hier ein weites Feld eingeräumt.

Bei den Basen, wie auch bei den Säuren, liegt im Allgemeinen die Annahme

zu Grunde, dass man sie im freien Zustande oder in Form eines in Wasser

löslichen Salzes habe. Wo von dieser Annahme abgewichen werden musste,

ist jedesmal speciell darauf aufmerksam gemacht.

Von der Masse von Methoden, welche sich zu allgemeinen oder speciellen

Scheidungen angeführt finden, habe ich -- soweit dies thunlich war --

die ausgewählt, welche durch die Erfahrung bestätigt und durch genaue

Resultate ausgezeichnet sind. -- Fanden sich zwei, welche in Bezug auf

die beiden genannten Punkte sich gleich stehen, so führte ich entweder

beide an, oder ich gab der einfacheren den Vorzug. -- Methoden, die in

Vorschlag gekommen sind, aber später begründete Widerlegung erfahren

oder sich bei eigenen Versuchen als unhaltbar bewiesen haben, wurden

geradezu weggelassen. -- So weit es möglich war, habe ich mich bemüht,

die Fälle genau zu charakterisiren, in denen von mehreren Methoden die

eine oder die andere vorzugsweise anwendbar ist. --

Wo die Genauigkeit der Scheidung sich bereits aus dem im vierten

Abschnitte Gesagten ergiebt, sind nähere desfallsige Angaben

weggelassen. -- Wo Paragraphe früherer Abschnitte besondere

Berücksichtigung verdienen, sind dieselben in Parenthese beigefügt.

Da bei der gegenwärtigen Ausbreitung der Chemie fast jeden Tag neue

Scheidungsmethoden aller Art angewandt oder vorgeschlagen und bald mit

Recht bald mit Unrecht älteren Methoden vorgezogen werden, so erscheint

die jetzige Zeit auch in dieser Hinsicht, wie in so mancher anderen, als

eine Uebergangsperiode, in der das Neue mit dem Alten, mehr als sonst,

kämpft und ringt. Ich führe dies hier an, einmal um die Unmöglichkeit

darzuthun, der Angabe dieser Methoden immer schon ein Urtheil über ihre

Brauchbarkeit und Genauigkeit beifügen zu können, sodann um darauf

aufmerksam zu machen, wie wichtig es gerade in solchen Perioden ist,

den Ueberblick nicht zu verlieren. Um letzteren zu erleichtern, habe

ich im folgenden Abschnitte die Trennungsmethoden meistens nach ihren

wissenschaftlichen Grundlagen geordnet, in der festen Ueberzeugung,

dass hierdurch das Studium der Trennungsmethoden wesentlich erleichtert

und manche Anregung gegeben werden wird, bereits bekannte Principien

auch auf andere Körper anzuwenden oder neue Grundlagen zu erforschen,

wo aus den alten nur mangelhafte Methoden hervorgegangen sind. -- Um

nun durch diese Darstellungsweise den praktischen Gesichtspunkt nicht

zu beeinträchtigen, welcher verlangt, dass man leicht und schnell

die Methoden zu finden vermag, die sich zur Trennung zweier Körper

darbieten, habe ich den einzelnen Paragraphen, wo es mir nöthig schien,

Uebersichten vorausgeschickt, welche diesem Bedürfnisse, wie ich glaube,

vollkommen entsprechen werden.

Ich schliesse diese Einleitung mit dem wichtigen Satze, dass man eine

Trennung niemals als gelungen betrachten darf, bevor man sich überzeugt

hat, dass die gewogenen Substanzen rein und frei von denen sind, von

welchen sie getrennt werden sollten.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 369 / 749 题