I. $Die Scheidung der Basen von einander.$

$Erste Gruppe.$

$Kali, Natron, Ammon.$

§. 120.

$Uebersicht$: Kali von Natron 1. a,-3, von Ammon 2.

Natron von Kali 1. a,-3, von Ammon 1. b,-2.

Ammon von Kali 2, von Natron 1. b,-2.

1. _Methoden, welche auf der verschiedenen Löslichkeit der

Platinchlorid-Chloralkalimetalle in Weingeist beruhen._

a. $Kali von Natron.$

Eine unerlässliche Bedingung dieser Methode ist, dass man die beiden

Alkalien als Chlormetalle habe. -- Sind sie nicht in diesem Zustande, so

müssen sie demzufolge erst in denselben übergeführt werden. -- In den

meisten Fällen reicht ein blosses Abdampfen mit überschüssiger Salzsäure

hin, diesen Zweck zu erreichen; bei Gegenwart von Schwefelsäure,

Phosphorsäure und Borsäure gelingt dies nicht. Die Methoden, welche

dazu dienen, die Alkalien von den beiden letzten Säuren zu trennen und

in Chlormetalle überzuführen, siehe §§. 106 und 107. -- Wie man bei

Gegenwart von Schwefelsäure verfährt, soll -- weil dieser Fall oft

vorkommt -- unten besprochen werden.

Man bestimmt die Summe des Chlornatriums und Chlorkaliums[32] (§§. 76.

77), löst sie in wenig Wasser auf, setzt eine wässerige Lösung von

Platinchlorid im Ueberschusse zu, verdampft im Wasserbade bis fast

zur Trockne, übergiesst den Rückstand mit Weingeist von 76-80 Proc.,

bedeckt das Becherglas oder die Schale mit einer Glasplatte und lässt

einige Stunden stehen, während welchen man von Zeit zu Zeit umrührt.

Erscheint die über dem Niederschlage stehende Flüssigkeit tief gelb, so

war die Menge des Platinchlorids genügend; anderenfalls muss solches

noch zugefügt werden. -- Nachdem sich alles Natriumplatinchlorid gelöst

hat, und das Kaliumplatinchlorid auf dem Boden des Gefässes als schweres

gelbes Pulver rein und frei von allen grösseren krystallinischen

Plättchen erscheint, filtrirt man ab und behandelt den Niederschlag

nach §. 76. -- Die Quantität des Natrons bestimmt man in der Regel,

indem man von der Summe des Chlornatriums und Chlorkaliums die aus dem

Kaliumplatinchlorid gefundene Menge des letzteren abzieht.

[32] Ich will hier nicht versäumen, auf eine Sache aufmerksam zu

machen, die sich zwar ganz von selbst versteht, aber doch oft

nicht hinlänglich beachtet wird; es ist die, dass man

Chloralkalimetalle nie als rein und zum Wägen geeignet betrachten

darf, wenn man sich nicht überzeugt hat, dass sie sich klar in

Wasser lösen, und dass ihre Lösung durch Ammon und kohlensaures

Ammon nicht gefällt wird.

Um sicher zu sein, dass wirklich alles Kali abgeschieden worden ist,

verdampft man zweckmässig das Filtrat unter Zusatz von etwas weiterem

Platinchlorid im Wasserbade zur Trockne und behandelt den Rückstand wie

eben angegeben. Bleibt hierbei nochmals Kaliumplatinchlorid ungelöst,

so lässt man die Schale ruhig stehen, giesst die gelbe Flüssigkeit von

der kleinen Menge des Niederschlags klar ab, wäscht denselben mehrmals

mit wenig Weingeist durch Decantiren aus, bringt ihn endlich auf das die

Hauptmenge des Niederschlags enthaltende Filter und wäscht dieses, wenn

nöthig, noch ein- oder zwei Mal mit kleinen Mengen von Weingeist aus.

Ich halte mehr darauf, das Filtrat dieser Prüfung zu unterwerfen,

als es zur Trockne zu bringen, den Rückstand unter Zusatz von etwas

Oxalsäure zu glühen, mit Wasser auszuziehen und das in Lösung

übergegangene Chlornatrium zu bestimmen, denn diese Bestimmung des

Natrons ist doch nur scheinbar eine directe; war das Chlorkalium nicht

gehörig abgeschieden, so erhält man die nicht abgeschiedene Menge

jetzt natürlicher Weise bei dem Chlornatrium. Letzteres Verfahren

liefert daher nur eine Controle darüber, ob bei der Arbeit kein Verlust

stattgefunden hat.

Enthält die Lösung Schwefelsäure, etwa neben Chlor oder überhaupt

neben flüchtigen Säuren, so führt man die Alkalien zuerst vollständig

in neutrale schwefelsaure Salze über (§. 76 und 77) und wägt sie als

solche. Dann löst man sie in wenig Wasser und fügt eine alkoholische

Lösung von Chlorstrontium mit der Vorsicht zu, das letzteres nur wenig

vorwaltet. (Der Weingeistgehalt der Flüssigkeit darf nicht so hoch

steigen, dass sich Chlornatrium oder Chlorkalium ausscheiden könnten.)

Man lässt absitzen, filtrirt, wäscht den schwefelsauren Strontian (der

gewogen werden kann und dann eine genaue Controle der Analyse liefert,

vergl. §. 120. 3.) mit schwachem Weingeist aus, so lange dieser, auf

einem Uhrglase verdampft, noch einen Rückstand lässt, verdampft das

Filtrat, zuletzt unter Zusatz von überschüssigem Platinchlorid, fast zur

Trockne und verfährt wie eben angegeben. Die kleine Menge überschüssig

zugesetzten Chlorstrontiums löst sich so oder als Strontiumplatinchlorid

mit dem Natriumplatinchlorid in Weingeist.

Statt dieser Methode lässt sich auch folgende anwenden. Man löst die

gewogenen schwefelsauren Alkalien in Wasser, fügt gelösten essigsauren

Baryt (der frei von Chlorbaryum sein muss) in möglichst geringem

Ueberschuss zu, lässt absitzen, filtrirt, verdampft das Filtrat zur

Trockne, glüht den Rückstand, zieht ihn mit Wasser aus, sättigt

vorsichtig mit Salzsäure und verfährt mit der so erhaltenen Lösung der

Chloralkalimetalle nach obiger Angabe. Statt des essigsauren Baryts

kann man auch essigsaures Bleioxyd nehmen, den Bleiüberschuss durch

Schwefelwasserstoff entfernen und das Filtrat mit Salzsäure zur Trockne

verdampfen (L. $Smith$). -- Oder man mengt die schwefelsauren Salze

mit Salmiakpulver in einem Tiegel, glüht, fügt einige Tropfen Wasser

und neuerdings Salmiak zu, glüht wieder und wiederholt dies, bis keine

Gewichtsdifferenz mehr stattfindet (H. $Rose$). --

Das Verfahren zur Trennung des Kalis und Natrons, wie ich es oben

angegeben habe, liefert nach öfters wiederholten Versuchen immer

etwas weniger Kali als wirklich vorhanden ist. Der Verlust beträgt

bei gut ausgeführter Trennung etwa ein Proc. des Kalis. Versetzt man

die concentrirte Lösung der Chlormetalle mit Platinchlorid und dann

mit ziemlich viel Alkohol, so ist der Verlust nach meinen Erfahrungen

gewöhnlich grösser.

b. $Ammon von Natron.$

Man verfährt genau wie in a. Siehe auch §. 78. 2.

2. _Methoden, welche auf der Flüchtigkeit der Ammonsalze oder des

Ammoniaks beruhen._

$Ammon von Natron und Kali.$

a. _Die Salze der zu trennenden Alkalien enthalten die nämliche und

zwar eine flüchtige Säure und lassen sich durch Trocknen bei 100°

von allem Wasser befreien, ohne Ammoniak zu verlieren_

(z. B. die Chlormetalle).

Man wägt die Totalmenge der Salze in einem Platintiegel ab, erhitzt bei

aufgelegtem Deckel anfangs gelinde, zuletzt längere Zeit zum schwachen

Glühen, lässt erkalten und wägt. Die Abnahme des Gewichts giebt die

Menge des Ammonsalzes an. -- Ist die vorhandene Säure Schwefelsäure,

so ist erstens zu berücksichtigen, dass das Erhitzen sehr allmälig

geschehen muss, indem sonst durch Decrepitiren des schwefelsauren Ammons

Verlust entsteht, -- und zweitens, dass bei den fixen schwefelsauren

Alkalien ein Theil der Schwefelsäure des schwefelsauren Ammons

zurückbleibt, so dass sie zuvor durch Glühen in einer Atmosphäre von

kohlensaurem Ammon in neutrale Salze verwandelt werden müssen, ehe ihr

Gewicht bestimmt werden kann (vergl. §. 76. 77). Chlorammonium kann nach

dieser Methode nicht von schwefelsauren fixen Alkalien getrennt werden,

indem es -- mit letzteren geglüht -- diese theilweise oder ganz in

Chlormetalle verwandelt.

b. _Bei den zu trennenden Salzen ist eine oder die andere der in a.

angegebenen Bedingungen nicht erfüllt._

Lassen sich die Umstände nicht in einfacher Weise in der Art abändern,

dass die Methode a. anwendbar wird, so müssen die fixen Alkalien und

das Ammon in verschiedenen Portionen der zu untersuchenden Verbindung

bestimmt werden. -- Die zur Bestimmung des Natrons und Kalis zu

verwendende wird geglüht, bis alles Ammon entfernt ist. Die fixen

Alkalien werden je nach Umständen in Chlormetalle oder schwefelsaure

Salze verwandelt und nach §. 120. 1. behandelt. -- Die Bestimmung des

Ammons geschieht in einer anderen Portion nach §. 78. 3.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 370 / 749 题