1. $Methoden auf trockenem Wege.$

a. _In sämmtlichen Schwefelverbindungen, welche beim Erhitzen keinen

Schwefel verlieren._ Man mengt die abgewogene, gepulverte Substanz mit

3 Thln. wasserfreiem kohlensauren Natron und 4 Thln. Salpeter mit Hülfe

eines alsdann mit kohlensaurem Natron abzuspülenden runden Glasstabes,

erhitzt das Gemenge in einem Platin- oder auch Porzellantiegel (der

aber etwas angegriffen wird) bei allmälig gesteigerter Hitze bis zum

Schmelzen, erhält es eine Zeit lang darin, lässt erkalten, erwärmt den

Rückstand mit Wasser, filtrirt und bestimmt im Filtrat, welches allen

Schwefel als schwefelsaures Alkali enthält, die Schwefelsäure nach

§. 105. Das ungelöst gebliebene Metall, Metalloxyd oder kohlensaure Salz

bestimmt man je nach Umständen entweder durch directe Wägung oder auf

eine sonstige geeignete Weise.

b. _In Schwefelmetallen, welche beim Erhitzen Schwefel verlieren._ Man

mengt die fein gepulverte Verbindung mit 4 Theilen kohlensaurem Natron,

8 Salpeter und 16 reinem, völlig trockenem Kochsalz und verfährt wie in

a., -- oder man mischt die sehr fein zerriebene Substanz mit 3 Thln.

reinem kohlensauren Natron und 3 Thln. reinem chlorsauren Kali, bringt

das Gemenge in ein hinten zugeschmolzenes Rohr von schwer schmelzbarem

Glase, füllt den vorderen Theil des Rohres mit kohlensaurem Natron,

dem nur wenig chlorsaures Kali beigemischt ist, und erhitzt das Rohr

in einem Verbrennungsofen nach Art einer Elementaranalyse. Mit der

geglühten Salzmasse verfährt man nach a.; dass sich in der Lösung

Kieselsäure aus dem Glase befinden muss, liegt auf der Hand ($Kemp$).

c. _In Sulfosalzen von complicirterer Zusammensetzung_ (nach $Berzelius$

und H. $Rose$).

Man bedient sich des folgenden oder eines ähnlich construirten Apparates:

[Illustration: Fig. 51.]

_a_ ist ein Kolben, aus welchem Chlor in langsamem Strome entwickelt

wird; durch _b_ kann man Salzsäure nachfliessen lassen. _c_ enthält

concentrirte Schwefelsäure, _d_ Chlorcalcium. Beide dienen, um das

Chlorgas zu trocknen. _e_ ist die zur Aufnahme der Substanz bestimmte

Kugelröhre, sie taucht bis beinahe auf die Oberfläche des in _f_

enthaltenen Wassers (bei Anwesenheit von Antimon schlägt man statt des

Wassers eine Auflösung von Weinsäure in verdünnter Salzsäure vor), _f_

verbindet man endlich mit _h_ und lässt das Verbindungsrohr bis auf den

Boden der in letzterem vorgeschlagenen Flüssigkeit reichen; das aus _h_

austretende Chlorgas leitet man in Kalkmilch, Alkohol oder zum Fenster

hinaus.

[Illustration: Fig. 52.]

Wenn der Apparat zugerichtet ist, wägt man die Substanz in einem

engen, an einem Ende zugeschmolzenen Glasröhrchen und bringt sie aus

diesem mit der Vorsicht in die Kugel _e_, dass die Röhrenansätze rein

bleiben (siehe Fig. 52). Wenn der Apparat mit Chlor gefüllt ist,

verbindet man _e_ mit _d_ mittelst eines vulcanisirten Kautschukrohres

und lässt nun das Chlor erst in der Kälte auf das Schwefelmetall

einwirken. Sobald keine Veränderung mehr stattfindet, erhitzt man

die Kugel ganz gelinde und sorgt auch, indem man die Röhre _g_ warm

hält, dass sie sich nicht etwa durch den Sublimat eines flüchtigen

Chlormetalles verstopft. -- Die Schwefelverbindung wird durch das

Chlor völlig zerlegt, die Metalle gehen in Chlormetalle über, welche

theils in der Kugel zurückbleiben, theils -- sofern sie flüchtig sind,

wie Chlorantimon, Chlorarsen, Quecksilberchlorid -- in die Vorlage

übergehen, der Schwefel verbindet sich mit dem Chlor zu Chlorschwefel,

welcher in die Flasche _f_ fliesst. Mit dem Wasser in Berührung

kommend, zerlegt er sich anfänglich in Salzsäure und unterschweflige

Säure, unter Abscheidung von Schwefel. Die unterschweflige Säure

verfällt ihrerseits in Schwefel und in schweflige Säure, und diese

geht durch Einwirkung des Chlorwassers in _f_ in Schwefelsäure über.

Das Endresultat der Zersetzung ist demnach Schwefelsäure und mehr oder

weniger abgeschiedener Schwefel. Die Operation ist beendigt, wenn aus

der Kugel nichts mehr -- als etwa Eisenchlorid, dessen vollständige

Abtreibung man nicht abzuwarten braucht -- abdestillirt. Man erwärmt

alsdann die Röhre _e_ von der Kugel nach dem gebogenen Ende zu und

bewirkt so, dass aller Chlorschwefel nach _f_ übergeht, lässt den

Apparat noch eine kurze Weile zusammen, schneidet alsdann die Röhre _e_

unter der Biegung bei _g_ ab und verschliesst das abgeschnittene, einen

Theil der flüchtigen Chlorverbindungen enthaltende Ende mit einer hinten

zugeschmolzenen, innen befeuchteten Glasröhre, indem man diese darüber

stülpt. Man lässt Alles 24 Stunden stehen, damit während dieser Zeit die

flüchtigen Chlormetalle Feuchtigkeit anziehen und sich dann in Wasser

ohne Erhitzung lösen, löst die in der Röhre enthaltenen Chlormetalle in

verdünnter Salzsäure, spült die Röhre aus, vereinigt diese Lösung mit

dem Inhalte der Kolben _f_ und _h_, erwärmt sehr gelinde, bis das freie

Chlor verjagt ist, und lässt noch so lange stehen, bis der abgeschiedene

Schwefel, welcher anfangs flüssig erscheint, erhärtet ist. Man filtrirt

denselben auf einem gewogenen Filter ab, wäscht ihn aus, trocknet und

wägt ihn. Das Filtrat fällt man mit Chlorbaryum (§. 105) und erfährt

so auch die Menge des zu Schwefelsäure oxydirten Schwefels. -- In der

vom schwefelsauren Baryt abfiltrirten Flüssigkeit, welche ausser dem

Chlorbaryumüberschuss die flüchtigen Chlormetalle enthält, scheidet und

bestimmt man diese nach den im fünften Abschnitte angegebenen Methoden.

Die in der Kugelröhre zurückgebliebene Chlorverbindung wird entweder

als solche gewogen (Chlorsilber, Chlorblei) oder man löst sie, im

Falle dies nicht zulässig ist (wie bei Kupfer, welches zum Theil als

Chlorür, zum Theil als Chlorid zurückbleibt) in Wasser, Salzsäure,

Königswasser oder einem anderen geeigneten Mittel und bestimmt das

Metall, beziehungsweise die Metalle, nach den bereits angegebenen oder

im fünften Abschnitte enthaltenen Methoden. Um die Chlorsilber oder

Chlorblei enthaltende Kugelröhre zurückwägen zu können, reducirt man die

Chlormetalle zweckmässig durch Wasserstoffgas und löst dann die Metalle

in Salpetersäure.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 363 / 749 题