1 Aeq. J = 1586 entspricht 1 Aeq. SH = 212,5. Es ist dies aber, nach
$Bunsen$, nur dann sicher der Fall, wenn der Gehalt einer Flüssigkeit
an Schwefelwasserstoff 0,04 Proc. nicht übersteigt, weshalb jede, die
einen grösseren Gehalt hat, erst mit ausgekochtem und bei Luftabschluss
erkaltetem Wasser so zu verdünnen ist, dass sie den angegebenen
Concentrationsgrad nicht übersteigt.
Wendet man die $Bunsen$'sche Lösung von Jod in Jodkalium an, so
entsprechen 100° = 50 C.C. (sofern solche genau 0,2500 Jod enthalten)
0,0335 SH oder 0,0315 S. -- Will man die Rechnung vereinfachen, so
bereitet man eine Jodlösung, welche im Liter 7,463 Grm. Jod enthält;
alsdann entspricht jeder C.C. (= 2°) 0,001 Grm. SH.
Die Ausführung des Versuchs ist höchst einfach. Man bringt eine
abgemessene oder gewogene Menge des Schwefelwasserstoff enthaltenden
Wassers[28] in einen geräumigen Kolben, verdünnt erforderlichen Falls
nach Angabe, setzt etwas dünnen Stärkekleister und dann unter stetem
Umschwenken so lange von der Jodlösung zu, bis eben bleibende Bläuung
eintritt.
[28] Ueber die Art, wie man von einem grösseren Quantum
schwefelwasserstoffhaltigen Wassers eine bestimmte Menge abmisst,
vergl. unten Mineralwasseranalyse.
Ganz auf dieselbe Weise wird auch freie schweflige Säure bestimmt
(vergl. §. 114, Anhang).
b. Man versetzt die abgewogene oder abgemessene Schwefelwasserstoff
enthaltende Flüssigkeit in einem Stöpselglase mit Kupferchloridlösung
oder mit einer salzsauren Lösung von arseniger Säure, welche man in
mässigem Ueberschusse zufügt, verstopft, schüttelt, lässt absitzen,
filtrirt, wäscht wenig oder nicht aus, trocknet den Niederschlag und
bestimmt darin den Schwefel nach II.
Bei Mineralwassern, welche nur wenig Schwefelwasserstoff enthalten, ist
die Methode a. stets vorzuziehen.
c. Entwickelt sich Schwefelwasserstoff in gasförmigem Zustande, so
leitet man denselben in verdünnte Natronlauge und bestimmt in dem
entstandenen Schwefelnatrium den Schwefel nach II. 2. b. [Greek:
a]. -- Zuletzt giesst man in die noch viel freie Säure enthaltende
Entbindungsflasche portionenweise eine concentrirte Lösung von
doppeltkohlensaurem Ammon, um das Schwefelwasserstoffgas vollständig zu
verdrängen.
[Illustration: Fig 50.]
Zur Absorption des Gases kann man sich des in Fig. 50 abgebildeten
Apparates bedienen, dessen Einrichtung ohne Weiteres verständlich
ist. Die Röhre _c_ ist unten schief abgeschnitten und taucht kaum in
die Natronlauge. Der Trichter _c_ enthält mit solcher befeuchteten
Asbest. -- Entwickelt sich Schwefelwasserstoffgas mit einer grösseren
Menge eines anderen unabsorbirbaren Gases, z. B. mit Wasserstoff, so
ersetzt man den Trichter auf der Röhre _c_ durch ein schief stehendes
langes und weites Rohr, welches mit Natronlauge befeuchtete Glas- oder
Porzellanscherben enthält. -- Nach Beendigung des Versuches werden alle
Flüssigkeiten vereinigt und die Kolben wie die Röhre mit ausgekochtem
und bei Luftabschluss erkaltetem Wasser ausgespült.
II. Abscheidung und Bestimmung des Schwefels in seinen Verbindungen
mit Metallen.