2. $Methoden auf nassem Wege.$

a. _In allen festen Schwefelmetallen, ausgenommen Schwefel-Blei,

-Baryum, -Strontium und -Calcium_[29].

[Greek: a]. Man wägt dieselben im fein gepulverten Zustande in einem

kleinen auf einer Seite zugeschmolzenen Glasröhrchen ab und wirft

dasselbe in eine starke, ziemlich geräumige, mit einem Glasstopfen

verschliessbare Flasche, welche eine zur Zersetzung mehr als

hinreichende Menge von rother, rauchender (von Schwefelsäure vollkommen

freier) Salpetersäure enthält. Unmittelbar nach dem Hineinwerfen

verschliesst man die Flasche fest. Wenn die am Anfang stürmische

Einwirkung nachgelassen hat, schüttelt man ein wenig um, und wenn

hierdurch keine neue Reaction entsteht, und die Dämpfe in der Flasche

sich verdichtet haben, nimmt man den Stopfen weg, spült ihn mit etwas

Salpetersäure in die Flasche ab und erwärmt diese gelinde.

[29] Die Analyse des ersteren ist bereits in §. 92. 6. beschrieben, bei

der Analyse der anderen kann man auf ähnliche Weise verfahren,

besser zerlegt man sie aber auf trockenem Wege.

aa. $Aller Schwefel ist oxydirt worden, die Flüssigkeit ist

vollkommen klar.$

Man verdünnt mit viel Wasser und bestimmt die gebildete Schwefelsäure

nach §. 105. (Man versäume nicht, den Niederschlag vollständig mit

heissem Wasser auszuwaschen und nach dem Wägen zu prüfen, ob durch

verdünnte Salzsäure nichts aus dem Niederschlag aufgenommen wird.) Die

im Filtrat befindlichen Basen trennt man vom überschüssigen Barytsalz

nach den im fünften Abschnitte anzugebenden Methoden.

bb. $Es schwimmt noch ungelöster Schwefel in der Flüssigkeit herum.$

Man fügt in kleinen Portionen chlorsaures Kali oder auch starke

Salzsäure zu und digerirt längere Zeit im Wasserbade. Hierdurch gelingt

es häufig, den Schwefel ganz zu lösen. Sollte dies nicht eintreten, und

zeigt sich der abgeschiedene Schwefel rein gelb, so verdünnt man mit

Wasser, sammelt den Schwefel auf einem gewogenen Filter, wäscht ihn

sorgfältig aus, trocknet und wägt ihn. Nachdem er gewogen, glüht man

die ganze Menge desselben oder eine Probe, um beurtheilen zu können, ob

derselbe rein war. Bleibt ein fixer Rückstand (gewöhnlich eingesprengter

Quarz, Gangart etc.), so ist dessen Gewicht von dem des unreinen

Schwefels abzuziehen. In der von dem Schwefel abfiltrirten Flüssigkeit

bestimmt man die gebildete Schwefelsäure wie in aa. und addirt die

daraus berechnete Schwefelmenge zu der direct gewogenen.

Bei Anwesenheit von Wismuth ist das Zufügen von chlorsaurem Kali oder

von Chlorwasserstoffsäure nicht räthlich, da Gegenwart von Chlor dessen

Bestimmung erschwert.

[Greek: b]. Man mengt das fein gepulverte Schwefelmetall durch

Umschütteln in einem trockenen Kolben mit schwefelsäurefreiem

chlorsauren Kali und fügt concentrirte Salzsäure in kleinen Portionen

zu. Den Kolben bedeckt man mit einem Uhrglase oder umgestülpten

Kölbchen. Wenn alles chlorsaure Kali zersetzt ist, erwärmt man auf dem

Wasserbade gelinde, bis die Flüssigkeit nicht mehr nach Chlor riecht. Je

nachdem aller Schwefel gelöst ist oder nicht, verfährt man sodann nach

[Greek: a]. aa. oder bb. Dass man im letzten Falle sogleich verdünnt und

abfiltrirt, bedarf kaum besonderer Erwähnung. -- Auch durch Erwärmen mit

gewöhnlicher Salpetersäure und chlorsaurem Kali lässt sich die Oxydation

des Schwefels bewirken.

[Greek: c]. Statt der in [Greek: a]. und [Greek: b]. genannten

Oxydationsmittel wendet man öfters auch nur starkes Königswasser an,

doch gelingt dann eine vollständige Ueberführung des Schwefels in

Schwefelsäure seltener.

b. _In gelösten Schwefelmetallen der Alkalien und alkalischen Erden._

(Schwefelmetalle, welche unterschwefligsaures oder schwefelsaures Salz

enthalten, werden nach §. 136 analysirt.)

[Greek: a]. $Die Schwefelmetalle enthalten keinen Ueberschuss an

Schwefel.$

aa. Man verdünnt die Lösung stark, so dass die Flüssigkeit nur noch etwa

0,04 Proc. Schwefel enthält, und verfährt dann genau nach §. 116. I. a.

(KS + J = KJ + S). --

Sollte die Lösung neben dem Schwefelmetall ein ätzendes Alkali

enthalten, so muss die verdünnte Lösung zuvor schwach angesäuert werden;

enthält sie ein kohlensaures Alkali, so kann man statt einer freien

Säure auch Chlorbaryum zufügen ($Filhol$).

bb. Man setzt zu der Auflösung eine überschüssige Menge einer mit Ammon

übersättigten Lösung von arseniger Säure in Salzsäure oder von mit Ammon

übersättigtem Kupferchlorid, fügt alsdann Salzsäure zu und verfährt im

Uebrigen nach I. b.

[Greek: b]. $Die Schwefelmetalle enthalten überschüssigen Schwefel.$

Man zerlegt sie in dem in I. c. beschriebenen Apparate mit Salzsäure und

verfährt genau wie dort angegeben. Nachdem alles Schwefelwasserstoffgas

entbunden und ausgetrieben ist, und nachdem sich der ausgeschiedene

Schwefel abgesetzt hat, filtrirt man denselben auf einem gewogenen

Filter ab, trocknet und wägt ihn. Im Filtrat finden sich die

Chlorverbindungen der Metalle.

$Dritte Gruppe.$

$Salpetersäure, Chlorsäure.$

§. 117.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 364 / 749 题