a. _In löslichen Chlormetallen._
Man verfährt genau wie in I. a. Im Filtrat trennt man die zu
bestimmenden Metalle vom überschüssigen Silbersalz nach den im fünften
Abschnitte anzugebenden Methoden.
Dieses Verfahren erleidet beim Zinnchlorid und Quecksilberchlorid,
bei den Chlorverbindungen des Antimons und beim grünen Chromchlorür
Ausnahmen.
[Greek: a]. Aus $Zinnchlorid$lösung würde salpetersaures Silberoxyd
neben Chlorsilber Zinnoxyd-Silberoxyd niederschlagen. Man versetzt daher
eine solche zur Ausfällung des Zinns mit einer concentrirten Lösung
von schwefelsaurem Natron oder salpetersaurem Ammon, lässt absitzen,
decantirt und filtrirt (vergl. §. 101. 1. b.) und fällt im Filtrat
das Chlor durch Silberlösung. $Löwenthal$, von welchem diese Methode
herrührt, hat ihre Genauigkeit bewiesen (Journ. f. prakt. Chem. 56. 371).
[Greek: b]. Aus $Quecksilberchlorid$lösung fällt bei Zusatz von
salpetersaurem Silberoxyd quecksilberhaltiges Chlorsilber nieder. Man
fällt daher zunächst das Quecksilber durch Schwefelwasserstoff, der in
gehörigem Ueberschuss anzuwenden ist, und bestimmt das Chlor im Filtrat
nach §. 137. 5.
[Greek: c]. Auf die in [Greek: b]. angegebene Art zerlegt man auch die
$Chlorverbindungen des Antimons$. Die Ausscheidung basischen Salzes bei
Zusatz von Wasser lässt sich durch Zusatz von etwas Weinsäure vermeiden.
[Greek: d]. Aus der Lösung des $grünen Chromchlorürs$ wird durch
Silberlösung nicht alles Chlor ausgefällt ($Péligot$). Man schlägt daher
zuerst das Chrom durch Ammon nieder, filtrirt und fällt im Filtrat das
Chlor nach I. a.
b. _In unlöslichen Chlormetallen._
[Greek: a]. $In solchen, welche sich in Salpetersäure lösen.$ Man bringt
durch die genannte Säure ohne Anwendung von Wärme in Lösung und verfährt
nach I. a.
[Greek: b]. $In solchen, welche sich in Salpetersäure nicht lösen$
(Chlorblei, Chlorsilber, Quecksilberchlorür).
aa. Chlorblei und Chlorsilber analysirt man in der Regel, indem man
sie durch Wasserstoffgas in Metall verwandelt (siehe §. 91. 4.
und 92) und das Chlor aus dem Verlust bestimmt. Chlorsilber kann
man auch in einem Porzellantiegel mit 3 Theilen kohlensaurem
Natron-Kali bis zum Zusammensintern glühen. Beim Behandeln mit
Wasser bleibt das metallische Silber ungelöst, in Lösung hat man
Chloralkalimetall, mit welchem nach II. a. zu verfahren.
bb. Quecksilberchlorür zerlegt man durch Digestion mit Natron- oder
Kalilauge. Im Filtrat bestimmt man die Salzsäure nach II. a. Das
Oxydul löst man in Königswasser und bestimmt das Quecksilber nach
§. 94.
c. _Die löslichen Chlorverbindungen der Metalle der vierten, fünften
und sechsten Gruppe_ können alle auch durch Schwefelwasserstoff,
beziehungsweise Schwefelammonium zerlegt werden. Die Salzsäure bestimmt
man alsdann im Filtrate nach §. 137. 5.
d. In vielen Chlormetallen (z. B. denen der ersten und zweiten
Gruppe) kann das Chlor auch aus dem Verluste bestimmt werden, indem man
die Basis durch Abdampfen mit Schwefelsäure und Glühen in schwefelsaures
Salz verwandelt und als solches wägt. (Diese Methode ist unzulässig bei
Chlorsilber und Chlorblei, welche nur schwierig und unvollkommen, sowie
bei Quecksilberchlorid und Zinnchlorid, welche nicht oder fast nicht
durch Schwefelsäure zerlegt werden.)