Die Bestimmung des Chlors im freien Zustande, welche früher zu den
schwierigeren Aufgaben gehörte, ist jetzt eine der leichteren.
Man bringt das Chlor -- gasförmig, oder in Wasser gelöst -- mit einer
überschüssigen Lösung von Jodkalium in Wasser zusammen (vergl. §. 104.
d. [Greek: b].). Jedes Aeq. Chlor setzt 1 Aeq. Jod in Freiheit. Bestimmt
man dieses nach der in §. 114 beschriebenen $Bunsen$'schen Methode, so
kennt man somit auch die Menge des Chlors und zwar mit der grössten
Genauigkeit.
$Ist in einer Flüssigkeit Salzsäure oder ein Chlormetall und freies
Chlor$ enthalten, so lässt sich das gebundene Chlor neben dem freien
in folgender Weise bestimmen. Man versetzt einen gewogenen Theil der
Flüssigkeit mit überschüssigem Ammon. Es entweicht Stickgas und die
Auflösung enthält alles frei vorhanden gewesene Chlor als Chlorammonium
(3Cl + 4NH_{3} = N + 3[NH_{4}. Cl]). Durch Fällung mit Silberlösung
erfährt man daher die Gesammtmenge des Chlors. Bestimmt man jetzt in
einer zweiten gewogenen Portion die Menge des freien Chlors mittelst
Jodkaliums, so ergiebt die Differenz die Quantität des gebundenen.
Ausser der $Bunsen$'schen Methode lassen sich zur Bestimmung des
freien Chlors auch die im speciellen Theil unter der Ueberschrift
$Chlorimetrie$ angeführten Verfahrungsweisen anwenden.
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Nachdem wir gesehen haben, wie einfach sich mit Hülfe der $Bunsen$'schen
Methode die Menge freien Chlors bestimmen lässt, ergiebt sich leicht,
dass alle Oxyde und Superoxyde, welche beim Erwärmen mit Salzsäure
Chlor liefern, in der Art analysirt werden können, dass man sie mit
concentrirter Salzsäure erhitzt und das entwickelte Chlor bestimmt. Die
Ausführung geschieht wie bei Chromsäure (§. 104. d. [Greek: b].).
§. 113.