I. Bestimmung.

a. Die Chlorwasserstoffsäure wird fast immer als Chlorsilber bestimmt.

-- Man versetzt die Lösung mit salpetersaurer Silberoxydlösung, welcher

man etwas Salpetersäure zugemischt hat, im Ueberschuss, wäscht den

entstandenen, durch Erwärmen und Schütteln vereinigten Niederschlag

durch Decantation aus, trocknet und glüht das Chlorsilber. Die

Einzelnheiten des Verfahrens siehe §. 91. 1. a. [Greek: a]. -- Man

hüte sich, die mit Salpetersäure versetzte Lösung zu erhitzen, ehe

man überschüssige Silberlösung zugesetzt hat. -- Sobald letztere im

Ueberschuss vorhanden ist, scheidet sich das Chlorsilber beim Schütteln

sogleich vollständig ab, und die Flüssigkeit wird bei einigem Stehen

in der Wärme ganz klar, daher die Bestimmung der Salzsäure mit Silber

leichter auszuführen ist, als die des Silbers mit Salzsäure. -- Bei

kleineren Mengen von Chlorsilber sammelt man häufig den Niederschlag auf

einem Filter, s. §. 91. 1. [Greek: a]. [Greek: b]. -- Auch lassen sich

beide Methoden in der Art vereinigen, dass man zwar die Hauptmenge des

Niederschlags durch Decantiren auswäscht, im Porzellantiegel trocknet

und glüht, die abgegossene Flüssigkeit aber durch ein Filter giesst,

um so sicher zu sein, kein Theilchen des Chlorsilbers zu verlieren. --

Das Filter verbrennt man, nach dem Trocknen, an einem Platindraht über

dem umgekehrten Deckel des Porzellantiegels, behandelt die Asche mit

einigen Tropfen Salpetersäure, fügt etwas Salzsäure zu, verdampft, glüht

gelinde, deckt den Deckel auf den Tiegel, in welchem das Chlorsilber

bis zum beginnenden Schmelzen gebracht wurde, erhitzt nochmals gelinde,

lässt unter dem Exsiccator erkalten und wägt.

b. Will man die Salzsäure in wässeriger Lösung bei Abwesenheit aller

sonstigen Substanzen bestimmen, so gelangt man auch durch Abdampfen

einer gewogenen Menge mit überschüssigem Ammon, Trocknen des Rückstandes

im Wasserbade und Wägen des Salmiaks zu befriedigenden Resultaten.

Vergl. Vers. Nr. 14.

c. Auch durch $Maassanalyse$ lässt sich die Chlorwasserstoffsäure aufs

Genaueste bestimmen.

[Greek: a]. Man setzt eine Silberlösung von bekanntem Gehalte zu, so

lange noch ein Niederschlag entsteht, vergl. §. 91. 5 ($Pelouze$ hat

diese Methode zur Bestimmung mehrerer Aequivalentzahlen benutzt).

$Levol$ hat eine kleine Modification vorgeschlagen, welche den Punkt

der Ausfällung leichter erkennen lassen soll. Er setzt nämlich zu

der $neutralen$ Flüssigkeit 1/10 Vol. einer gesättigten Lösung von

phosphorsaurem Natron. Sobald alles Chlor vom Silber gefällt ist, bildet

sich beim Zusatz des ersten weiteren Tropfens der Silberlösung ein

gelber Niederschlag, der beim Schütteln nicht wieder verschwindet (J. f.

prakt. Chem. 60. 384).

[Greek: b]. Methode von $Liebig$[16] (hauptsächlich zur Bestimmung des

Chlors der im Harn enthaltenen Chlormetalle empfohlen, aber auch sonst

sehr gut anwendbar).

[16] Ann. der Chem. und Pharm. 85. 297.

aa. $Princip$: Salpetersaures Quecksilberoxyd bringt in einer

Harnstofflösung sogleich einen dicken weissen Niederschlag

hervor; diese Fällung findet nicht statt durch eine

Quecksilberchloridlösung. -- Mischt man eine Lösung von

salpetersaurem Quecksilberoxyd mit Chloralkalimetall, so bildet

sich Quecksilberchlorid und salpetersaures Alkali. -- Versetzt

man daher eine Harnstofflösung mit Chlornatrium und tröpfelt

eine verdünnte Lösung von salpetersaurem Quecksilberoxyd hinzu,

so entsteht an den Berührungspunkten eine weisse Trübung, die

aber beim Umschütteln sogleich wieder verschwindet, so lange das

salpetersaure Quecksilberoxyd sich noch mit dem Chlornatrium in

obiger Weise umsetzt; über diese Grenze hinaus bringt ein einziger

Tropfen des Quecksilbersalzes eine bleibende weisse Trübung

hervor. Kennt man daher Maass und Gehalt der Quecksilberlösung,

welche bis zur Erreichung dieses Punktes zugesetzt werden muss, so

kennt man auch den Chlorgehalt der Lösung; denn 1 Aeq. Quecksilber

in der verbrauchten Quecksilberlösung entspricht 1 Aeq. Chlor.

bb. $Bereitung der salpetersauren Quecksilberoxydlösung.$ Man reinigt

käufliches Quecksilber aufs Beste (z. B. nach der Methode von

$Ulex$[17], übergiesst 10 Grm. mit 50 Grm. Salpetersäure von

1,425 specif. Gew. in einem Becherglase, erhitzt dieses in

einem Wasserbade unter häufigem Zusatz von einigen Tropfen

Salpetersäure, bis keine rothen Dämpfe mehr entweichen und 1

Tropfen mit Kochsalzlösung sich nicht mehr trübt, dampft dann zur

Syrupconsistenz ein und verdünnt mit Wasser auf 550 C.C.

cc. $Diese Lösung titrirt man jetzt$ mit Hülfe einer Kochsalzlösung

von bekanntem Gehalte, welche $Liebig$ in der Art bereitet, dass

er 20 C.C. einer bei gewöhnlicher Temperatur $gesättigten$ Lösung

von reinem Steinsalz oder chemisch reinem Chlornatrium mit 298,4

C.C. Wasser mischt. Jeder C.C. der so erhaltenen Lösung enthält 20

Milligr. Kochsalz.

Von dieser Kochsalzlösung misst man 10 C.C. ab, bringt dieselben in

ein kleines Becherglas und setzt 3 C.C. einer Harnstofflösung zu,

die in 100 C.C. 4 Grm. Harnstoff enthält.

Man tröpfelt nun unter Umschütteln von der zu titrirenden

Quecksilberlösung aus der Bürette oder Quetschhahnpipette so lange

zu, bis eben ein deutlicher, auch beim Umschütteln bleibender

Niederschlag entsteht[18].

dd. Hat man so festgestellt, wieviel C.C. der Quecksilberlösung

10 C.C. Kochsalzlösung = 0,2 Grm. Chlornatrium entsprechen, so

ist sie zur $Anwendung$ direct geeignet, wenn man eine kleine

Rechnung nicht scheut. Will man diese umgehen, so verdünnt man die

Quecksilberlösung in der Art, dass jeder Cubikcentimeter einer

ganzen Zahl von Milligrammen Kochsalz oder Chlor entspricht.

$Liebig$ verdünnt sie so, dass 1 C.C. 0,010 Chlornatrium

entspricht. --

ee. Soll die genannte Probeflüssigkeit zur Prüfung von Lösungen

angewendet werden, welche viel fremde Salze oder Harnstoff im

Ueberschuss enthalten, so versetzt man die abgemessenen 10 C.C.

Chlornatriumlösung nicht nur mit 3 C.C. Harnstofflösung, sondern

auch mit 5 C.C. kalt gesättigter Glaubersalzlösung[19], ehe man die

Quecksilberlösung zutröpfelt. Resultate genau.

[17] Man zerreibt 1 Pfund Quecksilber mit 1/2 Loth Eisenchloridlösung

von 1,48 specif. Gew. und 1/2 Loth Wasser 10 Minuten lang in

einer Reibschale, digerirt damit unter Umschütteln einige Tage,

entfernt dann die entstandene Eisenchlorürlösung, welche die

fremden Metalle enthält, sowie das Quecksilberchlorid durch

wiederholtes Abspülen mit Wasser, kocht das Quecksilber mit

Salzsäure, wäscht es nochmals aus und trocknet es durch Erwärmen.

[18] Ein Opalisiren der Flüssigkeit darf man nicht berücksichtigen, es

rührt von einer Spur von fremden Metallen her; es wird als nicht

zur Probe gehörig leicht daran erkannt, dass sich die Trübung bei

weiterem Zusatz der Quecksilberlösung nicht vermehrt.

[19] Der Grund dieses Zusatzes ist der, dass der salpetersaure

Quecksilberoxyd-Harnstoff in reinem Wasser leichter löslich ist,

als in salzhaltigem, und dass man daher das Lösungsvermögen der

Flüssigkeiten beim Titriren und bei der Anwendung möglichst

gleich machen muss, wenn genaue Resultate erzielt werden sollen.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 344 / 749 题