1. _Bestimmung des Zinns als Oxyd._

a. Durch Behandeln mit Salpetersäure.

Diese Methode ist hauptsächlich üblich, um metallisches Zinn in

Oxyd überzuführen. -- Man übergiesst das fein zertheilte Metall in

einem geräumigen Kolben nach und nach mit ziemlich starker reiner

Salpetersäure (1,3 specif. Gew. etwa), den Kolben bedeckt man mit einem

Uhrglase. -- Nachdem die heftigste Einwirkung vorüber, erhitzt man

den Kolben längere Zeit gelinde, bis das entstandene Oxyd rein weiss

erscheint und keine weitere Einwirkung der Säure mehr zu bemerken ist.

Man fügt Wasser zu, filtrirt, wäscht aus, trocknet, glüht und wägt. Das

Glühen vollbringt man am besten in einem kleinen Porzellantiegel nach

§. 35. Doch lassen sich auch Platintiegel anwenden. -- Zinnverbindungen,

welche frei von fixen Substanzen sind, lassen sich auch in der Art in

Oxyd überführen, dass man sie in einem Porzellantiegel mit Salpetersäure

übergiesst, zur Trockne verdampft und den Rückstand glüht. Bei

Anwesenheit von Schwefelsäure unterstützt man zuletzt deren Entfernung

durch kohlensaures Ammon wie bei saurem schwefelsaurem Kali (vergl.

§. 76). -- Eigenschaften des Rückstandes §. 70. Fehlerquellen keine.

b. Durch Fällung als Oxydhydrat.

Diese Methode setzt voraus, dass alles Zinn als Chlorid oder Oxyd

vorhanden ist. Enthält daher eine Lösung Oxydul, so versetzt man sie

mit Chlorwasser, leitet Chlor ein oder erwärmt gelinde mit chlorsaurem

Kali, bis das Oxydul in Oxyd übergeführt ist. -- Man fügt nunmehr Ammon

zu, bis eben ein bleibender Niederschlag entsteht, dann tropfenweise

Salzsäure, bis er sich wieder klar gelöst hat, und sorgt so, dass die

Lösung nur eine kleine Menge überschüssiger Salzsäure enthält. Zu der

so vorbereiteten Flüssigkeit bringt man eine concentrirte Auflösung von

schwefelsaurem Natron (oder auch von salpetersaurem Kali, Natron oder

Ammon) und erhitzt einige Zeit. Es schlägt sich hierdurch alles Zinn als

Oxydhydrat nieder. Man filtrirt ab, wäscht aus (§. 31), trocknet und

glüht. -- Um gewiss zu sein, dass die Ausscheidung des Zinns vollendet

ist, kann man vor dem Abfiltriren ein Paar Tropfen der über dem

Niederschlag stehenden klaren Flüssigkeit in erwärmte Glaubersalzlösung

bringen. Entsteht hierdurch kein Niederschlag mehr, so ist die

Zersetzung beendigt.

Dieses Verfahren, welches von J. $Löwenthal$ herrührt, ist von demselben

in meinem Laboratorium wiederholt geprüft worden (Journ. f. prakt.

Chem. 56, 366). Es liefert sehr genaue Resultate. Die Ausführung ist

leicht und bequem. Die Zersetzung wird ausgedrückt durch die Gleichung:

SnCl_{2} + 4NaO, SO_{3} + 4HO = SnO_{2}, 2HO + 2NaCl + 2(NaO, HO,

2SO_{3}).

c. Durch Fällen als Schwefelzinn.

Man fällt die verdünnte neutrale oder saure Lösung mit

Schwefelwasserstoff-Wasser oder Gas. War Oxydulsalz in der Lösung, ist

der Niederschlag demnach braunes Zinnsulfür, so stellt man die mit

Schwefelwasserstoff übersättigte Lösung eine halbe Stunde an einen

mässig warmen Ort und filtrirt dann; war hingegen Oxydsalz zugegen,

ist der Niederschlag somit gelbes Zinnsulfid, so stellt man nach dem

Fällen die Flüssigkeit so lange leicht bedeckt in gelinde Wärme, bis

der Geruch nach Schwefelwasserstoff verschwunden, und filtrirt dann. --

Den noch nicht ganz trockenen Niederschlag bringt man mit dem Filter

in einen Porzellantiegel und erhitzt bei Luftzutritt lange Zeit ganz

gelinde, bis kein Geruch nach schwefliger Säure mehr wahrzunehmen ist;

dann erhitzt man stärker, endlich stark und behandelt -- um etwaige

Schwefelsäure zu entfernen -- den Rückstand wiederholt mit etwas

kohlensaurem Ammon (siehe a.). -- Erhitzt man im Anfange sehr stark, so

entweicht Zinnsulfid, dessen Dämpfe zu Oxyd verbrennen (H. $Rose$). --

Eigenschaften der Niederschläge §. 70. Resultate genau.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 306 / 749 题