Das Quecksilber wird im $regulinischen Zustande$, als
$Quecksilberchlorür$ oder als $Quecksilbersulfid$, zuweilen auch als
$Oxyd$ gewogen.
a. Das _regulinische Quecksilber_ stellt, wie bekannt, ein bei
gewöhnlicher Temperatur flüssiges, zinnweisses Metall dar. Im reinen
Zustande zeigt es vollkommen blanke Oberfläche, an der Luft ist es bei
gewöhnlicher Temperatur völlig unveränderlich. Es siedet bei 360°,
verdampft auch schon bei mittlerer Sommertemperatur, jedoch höchst
langsam. Kocht man es mit Wasser anhaltend, so verwandelt sich ebenfalls
ein wenig in Dampf, von welchem Spuren mit den Wasserdämpfen entweichen,
während eine höchst geringe Menge im Wasser vertheilt (nicht gelöst)
bleibt (vergl. Vers. Nr. 50). Aus dieser Flüssigkeit schlägt sich bei
sehr langem Stehen allmälig die Spur darin suspendirten Quecksilbers
vollständig nieder. Wird Quecksilber aus einer Flüssigkeit in fein
zertheilter Form niedergeschlagen, so vereinigen sich die kleinen
Kügelchen leicht zu einer grösseren, wenn das Quecksilber vollkommen
rein ist; hängen demselben aber fremde Materien, wenn auch in geringster
Menge, an, z. B. Spuren von Fett, so wird das Zusammenfliessen des
Quecksilbers dadurch verhindert. -- Das Quecksilber löst sich in
Salzsäure, selbst in concentrirter, nicht auf, in verdünnter kalter
Schwefelsäure kaum, von Salpetersäure oder kochender concentrirter
Schwefelsäure hingegen wird es leicht gelöst.
b. Das _Quecksilberchlorür_ stellt, auf nassem Wege erhalten, ein
schweres, weisses Pulver dar. In kaltem Wasser ist es fast absolut
unlöslich, von kochendem wird es allmälig zersetzt, die Lösung enthält
Chlor und Quecksilber, der Rückstand wird bei andauerndem Kochen
grau. -- Sehr verdünnte Salzsäure löst das Quecksilberchlorür bei
gewöhnlicher Temperatur nicht, bei erhöhter langsam, in der Siedehitze,
unter Mitwirkung der Luft, allmälig vollständig; die Lösung enthält
Quecksilberchlorid (Hg_{2}Cl + ClH + O = 2HgCl + HO). Kochende
concentrirte Salzsäure zersetzt das Quecksilberchlorür ziemlich schnell
in zurückbleibendes Quecksilber und sich lösendes Chlorid. -- Kochende
Salpetersäure löst es zu Chlorid und salpetersaurem Oxyd, Chlorwasser
und Königswasser lösen es schon in der Kälte zu Chlorid. -- Lösungen
von Salmiak, Chlornatrium und Chlorammonium zersetzen es, wenig in der
Kälte, mehr in der Hitze, in Metall und sich lösendes Chlorid. -- Das
Quecksilberchlorür verändert Pflanzenfarben nicht, an der Luft ist
es unveränderlich, bei 100° kann es ohne Gewichtsverlust getrocknet
werden, bei stärkerem Erhitzen (noch unter der Glühhitze) verdampft es
vollständig, ohne vorher zu schmelzen.
Zusammensetzung:
2Hg 2501,20 200,10 84,95
Cl 443,28 35,46 15,05
-----------------------
2944,48 235,56 100,00
c. Das _Quecksilbersulfid_ stellt, auf nassem Wege erhalten, ein
schwarzes, in Wasser unlösliches Pulver dar. Salzsäure und Salpetersäure
lösen es im verdünnten Zustande nicht, heisse concentrirte Salpetersäure
greift es kaum, kochende Salzsäure nicht an. Von Königswasser wird
es leicht gelöst. Kalilauge, selbst kochende, nimmt es nicht auf,
Schwefelkalium löst es leicht (Vers. Nr. 51), Schwefelammonium sowie
Cyankalium nicht. An der Luft ist es (auch im feuchten Zustande)
unveränderlich, bei 100° erleidet es keine Veränderung. In höherer
Temperatur verdampft es vollständig ohne Zersetzung.
Zusammensetzung:
Hg 1250,6 100,05 86,21
S 200,0 16,00 13,79
----------------------
1450,6 116,05 100,00
d. Das _Quecksilberoxyd_ stellt ein krystallinisches, ziegelrothes
Pulver dar, welches bei jedesmaligem Erhitzen zinnoberroth, dann
violettschwarz wird. Es erträgt ziemlich starke Hitze, ohne zersetzt zu
werden; bei anfangender Glühhitze aber zerfällt es in Quecksilber und
Sauerstoff. War es rein, so bleibt zuletzt kein fixer Rückstand.
Zusammensetzung:
Hg 1250,6 100,05 92,59
O 100,0 8,00 7,41
----------------------
1350,6 108,05 100,00
§. 64.