Das Kupfer wird in der Regel als $Oxyd$ gewogen. In diese Verbindung
führt man es entweder geradezu über, oder man fällt es zuerst als
$Schwefelkupfer$. Ausser diesen Formen müssen wir noch das metallische
Kupfer und das Kupferoxydul genauer ins Auge lassen.
a. _Kupferoxyd._ Versetzt man eine verdünnte, kalte wässerige Lösung
eines Kupfersalzes mit überschüssigem Kali oder Natron, so entsteht ein
hellblauer, schwer auszuwaschender Niederschlag von Kupferoxydhydrat,
welcher mit der Flüssigkeit, aus der er gefällt wurde, in Berührung,
schon bei Sommerwärme allmälig braunschwarz wird, indem er sein
Hydratwasser fast vollständig verliert. Dass diese Veränderung sogleich
vor sich geht, wenn man die Flüssigkeit bis fast zum Sieden erhitzt, ist
bekannt. -- Die von dem schwarzen Niederschlage abfiltrirte Flüssigkeit
ist frei von Kupfer. -- Mischt man die oben genannten Lösungen im
concentrirten Zustande, so erhält man ausser einem blauen Niederschlage
eine blaue Flüssigkeit, welche ihre Farbe sehr fein suspendirtem Hydrat,
verdankt. Aus einer solchen lässt sich auch durch anhaltendes Kochen
nicht alles Kupfer fällen, wohl aber nach vorhergegangener Verdünnung
mit Wasser. -- Enthält eine Kupferlösung nichtflüchtige organische
Substanzen, so wird durch überschüssiges Alkali auch beim Kochen niemals
alles Kupfer als Oxyd gefällt. -- Das durch Fällung mit Kali oder
Natron aus heisser verdünnter Lösung erhaltene Oxyd hält einen Antheil
Alkali mit Hartnäckigkeit zurück. Durch Auswaschen mit kochendem Wasser
kann es jedoch vollständig davon befreit werden. -- Nach dem Glühen
stellt das durch Fällung erhaltene Oxyd wie auch das durch Zersetzung
von kohlensaurem oder salpetersaurem Salz in der Hitze dargestellte,
ein braunschwarzes bis schwarzes Pulver dar, welches selbst bei
heftigem Glühen über der Weingeistlampe an Gewicht weder ab- noch
zunimmt (Vers. Nr. 52). Bei einer dem Schmelzpunkte des Kupfers nahe
liegenden Temperatur jedoch schmilzt es, verliert Sauerstoff und geht in
Cu_{5}O_{3} über ($Favre$ und $Maumené$). -- Mit Kohle geglüht, wird es
überaus leicht reducirt. An der Luft erhitzt, verbrennt das entstandene
metallische Kupfer wieder zu Oxyd. -- In Berührung mit der Atmosphäre
zieht das Kupferoxyd Wasser an, und zwar schwach geglühtes schneller
als heftig geglühtes (Vers. Nr. 53). -- In Wasser ist das Kupferoxyd
so gut wie unlöslich, von Salzsäure, Salpetersäure etc. wird es leicht
aufgenommen, weniger leicht von Ammon. -- Gegen Pflanzenfarben ist das
Kupferoxyd indifferent.
Zusammensetzung:
Cu 396,00 31,68 79,84
O 100,00 8,00 20,16
---------------------
496,00 39,68 100,00
b. Das auf nassem Wege dargestellte _Schwefelkupfer_ stellt einen
braunschwarzen bis schwarzen, in Wasser so gut wie völlig unlöslichen
Niederschlag dar. Im feuchten Zustande der Luft ausgesetzt, wird
er grünlich und lackmusröthend, allmälig verwandelt er sich völlig
in schwefelsaures Kupferoxyd. Das Schwefelkupfer löst sich unter
Abscheidung von Schwefel leicht in kochender Salpetersäure, von
Salzsäure wird es schwierig gelöst. Von Kali- und Schwefelkaliumlösung,
namentlich kochender, wird es nicht, von Schwefelammonium merklich, von
Cyankalium leicht aufgenommen.
c. Das _metallische Kupfer_ stellt, wie bekannt, in reinem Zustande ein
eigenthümlich gefärbtes Metall dar, welches erst in der Weissglühhitze
schmilzt. An trockner oder feuchter kohlensäurefreier Luft verändert
sich das Kupfer nicht, an feuchter kohlensäurehaltiger Luft läuft es
allmälig, zuerst schwarzgrau, dann blaugrün an. -- An der Luft geglüht,
überzieht es sich mit einer schwarzen Oxydschicht. -- In Salzsäure
löst es sich, bei Luftabschluss, weder in der Kälte noch beim Kochen,
bei Gegenwart von Luft langsam. Von Salpetersäure wird es leicht
aufgenommen, von Ammon bei Luftabschluss nicht, bei Gegenwart von Luft
langsam. -- Bei Abschluss der Luft mit einer Lösung von Kupferchlorid in
Salzsäure oder mit einer ammoniakalischen Kupferoxydlösung in Berührung,
verwandelt es das Chlorid in Chlorür, das Oxyd in Oxydul, indem für je 1
Aeq. Chlorid oder Oxyd 1 Aeq. Metall gelöst wird.
d. Versetzt man die blaue Lösung, welche man erhält, wenn man zu
Kupferoxydlösung Weinsäure, dann Natronlauge im Ueberschuss bringt,
mit Trauben- oder Milchzuckerlösung und erwärmt, so entsteht ein
pomeranzengelber Niederschlag von Kupferoxydulhydrat, welcher alles in
der Lösung vorhanden gewesene Kupfer enthält und bald, namentlich bei
stärkerem Erhitzen, roth wird, indem das Hydrat in Oxydul (Cu_{2}O)
übergeht. Der in Wasser unlösliche Niederschlag hält hartnäckig Alkali
zurück. Mit verdünnter Schwefelsäure behandelt, liefert er sich lösendes
schwefelsaures Kupferoxyd und sich ausscheidendes Metall.
§. 65.