a. $Rohes geschmolzenes.$
_Bereitung._ Man digerirt den bei der Darstellung des Ammoniaks
erhaltenen, aus Chlorcalcium und Kalk bestehenden Rückstand mit warmem
Wasser, filtrirt, verdampft die Lösung in einem eisernen Kessel zur
Trockne, schmilzt den Rückstand in einem hessischen Tiegel, giesst die
geschmolzene Masse aus, zerschlägt dieselbe und bewahrt sie in gut
schliessenden Gläsern.
b. $Gereinigtes abgedampftes.$
_Bereitung._ Man löst das in a. beschriebene rohe Chlorcalcium in
Wasser, filtrirt die Lösung, sättigt sie, sofern sie alkalisch reagirt,
mit ein paar Tropfen Salzsäure, verdampft sie in einer Porzellanschale
zur Trockne und setzt den Rückstand einige Stunden lang im Sandbade
einer ziemlich starken Hitze (von etwa 200°) aus. Die weisse poröse
Masse, welche man auf diese Art erhält, ist CaCl + 2 aq. --
_Anwendung._ Das rohe geschmolzene Chlorcalcium dient zum Trocknen
feuchter Gase, das gereinigte wendet man bei der Elementaranalyse zur
Absorption und Bestimmung des aus dem Wasserstoff entstandenen Wassers
an. Seine Lösung darf nicht alkalisch reagiren.
* * * * *
$Dritter Abschnitt.$
Die Formen und Verbindungen der Körper,
$in welchen sie von anderen abgeschieden, oder ihrem Gewichte nach
bestimmt werden.$
§. 46.
So wie qualitative Analysen nicht unternommen werden können, ehe
man das Verhalten der Körper zu den Reagentien kennt, so können
quantitative Analysen nicht mit Erfolg ausgeführt werden, wenn man
nicht mit den Verbindungen genau bekannt ist, in welche man die
einzelnen Bestandtheile bringen will, um sie von anderen zu trennen
und ihrem Gewichte nach zu bestimmen. Eine solche genaue Bekanntschaft
erfordert aber, dass man erstens die Eigenschaften und zweitens die
Zusammensetzung der Verbindungen kennt. Unter den Eigenschaften sind
besonders ins Auge zu fassen: das Verhalten zu Lösungsmitteln, das
Verhalten an der Luft und das Verhalten beim Glühen. -- Im Allgemeinen
kann angenommen werden, dass eine Verbindung sich um so besser zur
Gewichtsbestimmung eignet, je unlöslicher sie ist und je weniger sie
sich an der Luft oder in höherer Temperatur verändert. --
Die Zusammensetzung eines Körpers wird entweder in Procenten oder in
stöchiometrischen Formeln ausgedrückt; die letzteren machen es möglich,
die Zusammensetzung der häufiger vorkommenden Verbindungen auf eine
leichte Weise im Gedächtnisse zu behalten. Im folgenden Abschnitte ist
die Zusammensetzung in der ersten Columne in Zeichen, in der zweiten in
Aequivalenten (O = 100), in der dritten in Aequivalenten (H = 1), in
der vierten in Procenten angegeben. -- Eine Verbindung eignet sich in
Betracht ihrer Zusammensetzung um so besser zur Gewichtsbestimmung eines
Körpers, je geringer die relative Menge des zu bestimmenden Körpers in
der Verbindung ist, weil alsdann jeder Operationsfehler, jeder Verlust,
jede Ungenauigkeit beim Wägen sich auf eine grössere Masse vertheilt,
und so der auf den zu bestimmenden Bestandtheil fallende Fehler um
so geringer wird. Es eignet sich also, abgesehen von allen sonstigen
Verhältnissen, Platinsalmiak besser zur Bestimmung des Stickstoffs,
als Salmiak, weil in 100 Theilen des ersteren nur 6,27, in 100 Theilen
Salmiak aber 26,2 Theile Stickstoff enthalten sind.
Denken wir uns eine stickstoffhaltige Substanz. Wir analysiren sie
und bekommen bei absolut genauer Arbeit aus 0,300 Grm. 1,000 Grm.
Platinsalmiak. -- 100 Platinsalmiak enthalten 6,27 Theile Stickstoff,
1,000 demnach 0,0627 Theile. Diese sind geliefert von 0,300 Substanz,
also enthalten 100 Theile derselben 20,90 Stickstoff.
Wir analysiren jetzt die Verbindung noch einmal und führen den
Stickstoff in die Form von Salmiak über. Bei absolut genauer Arbeit
erhalten wir von 0,300 Substanz 0,2394 Salmiak, entsprechend 0,0627
Stickstoff oder 20,90 Procent. -- Nehmen wir jetzt an, wir hätten bei
jeder der beiden Operationen einen Verlust von 10 Milligrammen gehabt,
so werden wir im ersten Falle nicht 1,000 sondern 0,990 Platinsalmiak
bekommen = 0,062073 Stickstoff. Hieraus berechnet sich der Procentgehalt
der Substanz zu 20,69. Der Verlust beträgt sonach 20,90 weniger 20,69
= 0,21. Anstatt der oben angeführten 0,2394 Salmiak werden wir nach
unserer Annahme nunmehr nur 0,2294 bekommen, entsprechend 0,0601
Stickstoff. Hieraus ergiebt sich als Procentgehalt der Substanz 20,03
und sonach als Verlust 0,87.
Der gleiche Fehler verursacht also in Bezug auf den Stickstoffgehalt im
einen Fall einen Verlust von 21/100; im anderen aber von 87/100 Procent.
Nachdem wir so allgemeinhin die Erfordernisse besprochen haben, welche
eine Verbindung haben muss, wenn sie sich zur Gewichtsbestimmung eignen
soll, gehen wir zu den betreffenden Verbindungen der einzelnen Körper
über, führen aber, wie natürlich, nicht alle und jede an, die möglicher
Weise zur Gewichtsbestimmung dienen könnten, sondern nur diejenigen,
welche dazu die geeignetsten sind, und die sonach in der Praxis allein
in Anwendung kommen. -- Der Natur der Sache nach werden die Verbindungen
bei der Beschreibung der äusseren Form besonders in dem Zustande
ins Auge gefasst, in welchem man sie bei der Analyse erhält. Bei
Aufzählung der Eigenschaften wird auf die zu unserem besonderen Zwecke
wissenswürdigen und wichtigen ausschliessliche Rücksicht genommen.
A. $Die Formen und Verbindungen der Basen, in welchen sie von
anderen abgeschieden oder ihrem Gewichte nach bestimmt
werden.$
$Basen der ersten Gruppe.$
§. 47.