8. $Chlorcalcium.$

a. $Rohes geschmolzenes.$

_Bereitung._ Man digerirt den bei der Darstellung des Ammoniaks

erhaltenen, aus Chlorcalcium und Kalk bestehenden Rückstand mit warmem

Wasser, filtrirt, verdampft die Lösung in einem eisernen Kessel zur

Trockne, schmilzt den Rückstand in einem hessischen Tiegel, giesst die

geschmolzene Masse aus, zerschlägt dieselbe und bewahrt sie in gut

schliessenden Gläsern.

b. $Gereinigtes abgedampftes.$

_Bereitung._ Man löst das in a. beschriebene rohe Chlorcalcium in

Wasser, filtrirt die Lösung, sättigt sie, sofern sie alkalisch reagirt,

mit ein paar Tropfen Salzsäure, verdampft sie in einer Porzellanschale

zur Trockne und setzt den Rückstand einige Stunden lang im Sandbade

einer ziemlich starken Hitze (von etwa 200°) aus. Die weisse poröse

Masse, welche man auf diese Art erhält, ist CaCl + 2 aq. --

_Anwendung._ Das rohe geschmolzene Chlorcalcium dient zum Trocknen

feuchter Gase, das gereinigte wendet man bei der Elementaranalyse zur

Absorption und Bestimmung des aus dem Wasserstoff entstandenen Wassers

an. Seine Lösung darf nicht alkalisch reagiren.

* * * * *

$Dritter Abschnitt.$

Die Formen und Verbindungen der Körper,

$in welchen sie von anderen abgeschieden, oder ihrem Gewichte nach

bestimmt werden.$

§. 46.

So wie qualitative Analysen nicht unternommen werden können, ehe

man das Verhalten der Körper zu den Reagentien kennt, so können

quantitative Analysen nicht mit Erfolg ausgeführt werden, wenn man

nicht mit den Verbindungen genau bekannt ist, in welche man die

einzelnen Bestandtheile bringen will, um sie von anderen zu trennen

und ihrem Gewichte nach zu bestimmen. Eine solche genaue Bekanntschaft

erfordert aber, dass man erstens die Eigenschaften und zweitens die

Zusammensetzung der Verbindungen kennt. Unter den Eigenschaften sind

besonders ins Auge zu fassen: das Verhalten zu Lösungsmitteln, das

Verhalten an der Luft und das Verhalten beim Glühen. -- Im Allgemeinen

kann angenommen werden, dass eine Verbindung sich um so besser zur

Gewichtsbestimmung eignet, je unlöslicher sie ist und je weniger sie

sich an der Luft oder in höherer Temperatur verändert. --

Die Zusammensetzung eines Körpers wird entweder in Procenten oder in

stöchiometrischen Formeln ausgedrückt; die letzteren machen es möglich,

die Zusammensetzung der häufiger vorkommenden Verbindungen auf eine

leichte Weise im Gedächtnisse zu behalten. Im folgenden Abschnitte ist

die Zusammensetzung in der ersten Columne in Zeichen, in der zweiten in

Aequivalenten (O = 100), in der dritten in Aequivalenten (H = 1), in

der vierten in Procenten angegeben. -- Eine Verbindung eignet sich in

Betracht ihrer Zusammensetzung um so besser zur Gewichtsbestimmung eines

Körpers, je geringer die relative Menge des zu bestimmenden Körpers in

der Verbindung ist, weil alsdann jeder Operationsfehler, jeder Verlust,

jede Ungenauigkeit beim Wägen sich auf eine grössere Masse vertheilt,

und so der auf den zu bestimmenden Bestandtheil fallende Fehler um

so geringer wird. Es eignet sich also, abgesehen von allen sonstigen

Verhältnissen, Platinsalmiak besser zur Bestimmung des Stickstoffs,

als Salmiak, weil in 100 Theilen des ersteren nur 6,27, in 100 Theilen

Salmiak aber 26,2 Theile Stickstoff enthalten sind.

Denken wir uns eine stickstoffhaltige Substanz. Wir analysiren sie

und bekommen bei absolut genauer Arbeit aus 0,300 Grm. 1,000 Grm.

Platinsalmiak. -- 100 Platinsalmiak enthalten 6,27 Theile Stickstoff,

1,000 demnach 0,0627 Theile. Diese sind geliefert von 0,300 Substanz,

also enthalten 100 Theile derselben 20,90 Stickstoff.

Wir analysiren jetzt die Verbindung noch einmal und führen den

Stickstoff in die Form von Salmiak über. Bei absolut genauer Arbeit

erhalten wir von 0,300 Substanz 0,2394 Salmiak, entsprechend 0,0627

Stickstoff oder 20,90 Procent. -- Nehmen wir jetzt an, wir hätten bei

jeder der beiden Operationen einen Verlust von 10 Milligrammen gehabt,

so werden wir im ersten Falle nicht 1,000 sondern 0,990 Platinsalmiak

bekommen = 0,062073 Stickstoff. Hieraus berechnet sich der Procentgehalt

der Substanz zu 20,69. Der Verlust beträgt sonach 20,90 weniger 20,69

= 0,21. Anstatt der oben angeführten 0,2394 Salmiak werden wir nach

unserer Annahme nunmehr nur 0,2294 bekommen, entsprechend 0,0601

Stickstoff. Hieraus ergiebt sich als Procentgehalt der Substanz 20,03

und sonach als Verlust 0,87.

Der gleiche Fehler verursacht also in Bezug auf den Stickstoffgehalt im

einen Fall einen Verlust von 21/100; im anderen aber von 87/100 Procent.

Nachdem wir so allgemeinhin die Erfordernisse besprochen haben, welche

eine Verbindung haben muss, wenn sie sich zur Gewichtsbestimmung eignen

soll, gehen wir zu den betreffenden Verbindungen der einzelnen Körper

über, führen aber, wie natürlich, nicht alle und jede an, die möglicher

Weise zur Gewichtsbestimmung dienen könnten, sondern nur diejenigen,

welche dazu die geeignetsten sind, und die sonach in der Praxis allein

in Anwendung kommen. -- Der Natur der Sache nach werden die Verbindungen

bei der Beschreibung der äusseren Form besonders in dem Zustande

ins Auge gefasst, in welchem man sie bei der Analyse erhält. Bei

Aufzählung der Eigenschaften wird auf die zu unserem besonderen Zwecke

wissenswürdigen und wichtigen ausschliessliche Rücksicht genommen.

A. $Die Formen und Verbindungen der Basen, in welchen sie von

anderen abgeschieden oder ihrem Gewichte nach bestimmt

werden.$

$Basen der ersten Gruppe.$

§. 47.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 140 / 749 题