3. $Das Ueberführen in gelösten Zustand.$

Ehe die Analyse weiter verfolgt werden kann, ist es in den meisten

Fällen erforderlich, die Substanz zuerst in Lösung überzuführen.

Der einfachere Fall ist hierbei der, dass der Körper durch directes

Behandeln mit Wasser, mit einer Säure oder einem Alkali u. s. w. gelöst

werden kann, umständlicher ist die Auflösung, wenn dieselbe durch

vorhergehende Aufschliessung vorbereitet werden muss.

Hat man Substanzen zu analysiren, deren Bestandtheile zu Lösungsmitteln

sich ganz verschieden verhalten, so ist es keineswegs nothwendig,

die Substanz erst ganz zu lösen; im Gegentheil erreicht man die

Trennung dann meistens am einfachsten und schnellsten durch die

Lösungsmittel selbst. Hätte man z. B. ein Gemenge von salpetersaurem

Kali, kohlensaurem Kalk und schwefelsaurem Baryt, so würde man diese

Substanzen auf eine ganz genaue Weise trennen können, wenn man zuerst

durch Wasser den Salpeter, dann durch Salzsäure den kohlensauren Kalk

entfernte, der unlösliche schwefelsaure Baryt bliebe alsdann rein

zurück.

§. 21.

a. $Directe Auflösung.$

Man nimmt sie je nach Umständen in Bechergläsern, Kolben oder Schalen

vor und unterstützt die Einwirkung, wenn nöthig, durch Erwärmen. Das

letztere geschieht am sichersten im Wasserbade. Nimmt man es über

freiem Feuer oder im Sandbade vor, so hat man sich zu hüten, dass

die Flüssigkeiten nicht in wallendes Kochen kommen, in welchem Falle

ein Verlust durch Verspritzen fast unvermeidlich ist. Flüssigkeiten,

in welchen sich ein unlöslicher oder noch nicht gelöster Bodensatz

befindet, stossen und spritzen, über der Lampe erhitzt, oft bei einer

vom Siedepunkte noch weit entfernten Temperatur.

Ist eine Auflösung von Gasentwicklung begleitet, so nimmt man sie

in einem schief zu stellenden Kolben vor, damit die aufspritzenden

Tröpfchen an die Wandung des Gefässes geworfen und nicht durch den

Gasstrom herausgerissen werden; oder auch in einem Becherglase, welches

mit einem grossen Uhrglase bedeckt wird. Ist die Auflösung erfolgt und

hat man das Gas durch Erwärmen auf dem Wasserbade ausgetrieben, so

spritzt man das Uhrglas vollständig mittelst der Spritzflasche ab.

§. 22.

b. $Auflösung vermittelt durch Aufschliessung.$

Je nach der Art und den Bestandtheilen der aufzuschliessenden Substanz

wählt man als Aufschliessungsmittel kohlensaures Natron oder auch

kohlensaures Natron-Kali, kohlensauren Baryt oder Barythydrat, saures

schwefelsaures Kali oder auch noch andere Zersetzungsmittel.

Will man allgemeine Regeln aufstellen, so kann man sagen, dass das

kohlensaure Natron oder kohlensaure Natronkali angewendet wird,

wenn Schwerspath, Cölestin oder Gyps, sowie wenn kieselsäurehaltige

Mineralien, welche frei von Alkali sind, oder in denen man das

Alkali nicht bestimmen will, aufgeschlossen werden sollen; --

kohlensaurer Baryt oder Barythydrat dient zum Zerlegen alkalihaltiger

Kieselsäureverbindungen auf trocknem Wege, behufs der Bestimmung der

Alkalien, -- und das saure schwefelsaure Kali endlich ist geeignet zur

Aufschliessung gewisser in Salzsäure unlöslicher Thonerdeverbindungen.

-- Bedingung bei fast allen Aufschliessungen ist, dass die Substanz

aufs Feinste gepulvert sei, im anderen Falle kann man nie hoffen, eine

vollständige Zersetzung zu Stande zu bringen.

[Greek: a]. $Aufschliessung mit kohlensaurem Natron.$

Man mengt die aufzuschliessende gepulverte Substanz je nach ihrer Natur

mit der 3- bis 4fachen Gewichtsmenge zerfallenen, völlig wasserfreien

kohlensauren Natrons mittelst eines unten rund geschmolzenen Glasstabes

in demselben Platintiegel, in welchem die Schmelzung vorgenommen

werden soll, streicht den Glasstab an einer kleinen Menge auf einem

Kartenblatte befindlichen kohlensauren Natrons ab und giebt dieses

ebenfalls in den Tiegel. Derselbe wird alsdann wohlbedeckt je nach

seiner Grösse entweder über der Gas- oder Weingeistlampe mit doppeltem

Luftzug oder, eingesetzt in einen mit gebrannter Magnesia fest gefüllten

hessischen Tiegel, im Kohlenfeuer, einer anfangs gelinden, allmälig

gesteigerten, zuletzt möglichst heftigen Glühhitze eine halbe bis ganze

Stunde lang ausgesetzt, so dass die Mischung entweder geschmolzen oder

zum wenigsten ganz zusammengesintert ist.

Beim Aufschliessen kieselsäurehaltiger Mineralien giebt man längere

Zeit eine nur mässige Hitze, so dass die Masse nur zusammensintert. Es

entweicht alsdann die Kohlensäure aus der porösen Masse leicht und ohne

ein Spritzen zu verursachen. Später giebt man alsdann eine stärkere und

zuletzt eine recht starke Hitze und beendigt das Schmelzen erst, wenn

die schmelzende Masse ruhig fliesst und keine Blasen mehr giebt.

Der Platintiegel, in welchem man die Aufschliessung vornimmt, darf nicht

zu klein sein; gut ist es, wenn die Mischung ihn nur halb füllt. Je

grösser er ist, um so weniger leicht erleidet man Verlust. Damit man

während des Schmelzens den Gang gehörig beobachten kann, muss der Deckel

leicht abgenommen werden können, weshalb die concaven nur aufliegenden

Deckel den übergreifenden weit vorzuziehen sind.

Beabsichtigt man, über der Gas- oder Weingeistlampe aufzuschliessen,

so ist das kohlensaure Natronkali dem kohlensauren Natron vorzuziehen,

weil jenes weit leichter schmilzt. -- Der Glühring, welcher zum Halten

des Tiegels bestimmt ist, habe einen Durchmesser von 8 Centimeter und

bestehe aus Eisendraht von 2 bis 3 MM. Stärke. Auf denselben legt

man ein Dreieck von Platindraht. Derselbe habe die Stärke dicken

Haarnadeldrahtes. Man beachte, dass die Oeffnung des Dreiecks so

beschaffen sei, dass der Tiegel bis stark zum Drittel darin steht, aber

auch dann nicht hindurchfallen kann, wenn der Draht zum heftigen Glühen

kommt. -- Soll die Hitze möglichst gesteigert werden, so stellt man den

Tiegel so, dass sein Boden etwas höher liegt als der obere Rand des ja

nicht zu engen Schornsteines und stülpt alsdann über den Tiegel einen

zweiten konischen Schornstein von dünnem Eisenblech, der unten so weit

ist als der Glühring und auf diesem oder vielmehr auf den drei Enden des

Drahtdreiecks ruht. Die Höhe dieses Schornsteines betrage 12 bis 14 Cm.,

seine obere Oeffnung kann etwa 4 Cm. Durchmesser haben. Mit Hülfe dieser

einfachen Vorrichtung kann man so hohe Temperaturen hervorbringen, dass

man nur selten genöthigt sein wird, seine Zuflucht zum Kohlenfeuer zu

nehmen.

Nach dem Erkalten wird der Inhalt des Tiegels mit Wasser (bei

schwefelsauren alkalischen Erden) oder mit verdünnter Salzsäure

oder Salpetersäure (bei Silicaten) behandelt. Häufig kann man durch

gelindes Drücken des Tiegels bewirken, dass der geschmolzene Kuchen

sich von dem Tiegel ablöst. Hat man mit Silicaten zu thun, so bringt

man die geschmolzene Masse (oder auch den Tiegel sammt Inhalt) in ein

Becherglas, übergiesst mit der 10- bis 15fachen Menge Wasser, und

setzt alsdann nach und nach Salzsäure zu, indem man das Becherglas mit

einer Glasplatte, weit besser mit einem grossen Uhrglase oder auch

einem aussen ganz reinen Porzellanschälchen bedeckt, damit die durch

die entweichende Kohlensäure hinaufgerissenen Tropfen nicht verloren

gehen, sondern zuletzt ins Glas gespült werden können. Den Tiegel spült

man ebenfalls mit verdünnter Salzsäure aus und vereinigt die erhaltene

Lösung mit der Hauptlösung.

Die Auflösung wird durch gelinde Wärme unterstützt. Auch wenn sie ganz

erfolgt ist, setzt man das Erwärmen noch eine Zeit lang fort, damit

die Kohlensäure vollständig ausgetrieben wird; im anderen Falle würde

ihr Entweichen beim Abdampfen durch Spritzen Verlust veranlassen. --

Setzt sich beim Behandeln mit Salzsäure ein Salzpulver (Chlornatrium

oder Chlorkalium) ab, so ist dies ein Zeichen, dass man zu wenig Wasser

genommen hat und demnach noch welches zusetzen muss.

Ist die Aufschliessung vollständig gewesen, so ist die durch Salzsäure

erhaltene Lösung entweder ganz klar oder es schwimmen darin leichte

Flocken von Kieselsäure umher. Setzt sich am Boden ein schweres,

beim Reiben mit einem Glasstabe sandig anzufühlendes Pulver ab

(unaufgeschlossenes Mineral), so rührt dies in der Regel davon her,

dass dasselbe nicht fein genug gepulvert war. Man kann in dem Falle

das Unaufgeschlossene noch einmal mit kohlensaurem Alkali schmelzen;

einfacher ist es aber in der Regel, die ganze Aufschliessung mit feiner

geschlämmtem Mineralpulver noch einmal zu machen.

[Greek: b]. $Aufschliessung mit Barythydrat oder kohlensaurem Baryt.$

Um mit kohlensaurem Baryt allein aufzuschliessen, bedarf es einer sehr

hohen, nur in einem $Sefström$'schen Ofen zu erreichenden Temperatur;

denn selbst in der stärksten Hitze, die ein Windofen zu geben im Stande

ist, schmilzt derselbe nicht und nur im schmelzenden Zustande bewirkt

er vollständige Aufschliessung. Dieselbe ist jedoch alsdann auch so

energisch, dass selbst die am schwierigsten zu zerlegenden Fossilien

leicht und vollständig zersetzt werden. Auf 1 Theil des Minerals

nimmt man 4 bis 6 Theile kohlensauren Baryt. Die Schmelzung geschieht

in einem Platintiegel, der in einen anderen, mit Magnesia gefüllten

von feuerfestem Thon eingesetzt wird. Den Tiegel lässt man eine

Viertelstunde im Feuer.

Bei leichter zerlegbaren Mineralien erreicht man denselben Zweck

auf eine leichtere Art durch Anwendung von Barythydrat, welches von

seinem Krystallwasser befreit ist. Man nimmt auf 1 Theil des Minerals

4 bis 5 Theile desselben und überdeckt das recht innig zu machende

Gemenge zweckmässig mit einer Lage von kohlensaurem Baryt. Das

Aufschliessen kann über einer guten Weingeistlampe ausgeführt werden;

am besten geschieht es in Silbertiegeln; Platintiegel werden ein wenig

angegriffen. Die Masse kommt entweder ganz in Fluss, oder sie sintert

wenigstens völlig zusammen.

Gleichgültig, ob man mit kohlensaurem Baryt oder mit Barythydrat

aufgeschlossen hat, nach dem Erkalten reinigt man die Aussenseite des

Tiegels, übergiesst ihn dann in einem Becherglase mit 10 bis 15 Theilen

Wasser, setzt Salzsäure oder Salpetersäure zu und verfährt überhaupt

wie zuvor bei den Aufschliessungen mit kohlensaurem Alkali angegeben

wurde. Man hat sich zu hüten, dass man nicht auf einmal zuviel Salzsäure

zusetzt, weil das gebildete Chlorbaryum darin schwer löslich ist und

demnach, indem es die noch unangegriffenen Theile als eine in der

vorhandenen Flüssigkeit unlösliche Hülle umgiebt, die weitere Auflösung

hemmt.

[Greek: c]. $Aufschliessung mit saurem schwefelsaurem Kali.$

Man mengt 1 Theil des gepulverten und geschlämmten Minerals mit 5-6

Theilen zerriebenen sauren schwefelsauren Kalis in einem Platintiegel,

bedeckt denselben, um das zu rasche Verdampfen des Säureüberschusses zu

verhüten, mit seinem Deckel, erhitzt ihn über der Spiritusflamme bis

zum Schmelzen seines Inhaltes und erhält ihn bei dieser Temperatur, bis

Alles zu einer durchsichtigen Masse gelöst ist. Nach dem Erkalten wird

dieselbe mit Wasser zum Kochen erhitzt, wobei sie sich je nach der Art

des Minerals entweder ganz oder mit Hinterlassung eines Rückstandes

löst. -- Saures schwefelsaures Kali zum Aufschliessen von Silicaten

anzuwenden, ist nicht zu empfehlen, da die Zersetzung weniger gut

erreicht wird, als durch kohlensaures Alkali und die Kieselsäure nicht

leicht rein zu erhalten ist.

Verschiedene anderweitige Methoden des Aufschliessens, -- so das der

Silicate durch Fluorwasserstoffsäure oder Fluorverbindungen, das der

Chromerze durch oxydirende Mittel etc., sollen später beschrieben werden.

§. 23.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 66 / 749 题