4. $Das Ueberführen der aufgelösten Körper in wägbare Formen.$

Um einen Körper aus seiner Lösung in eine zur Gewichtsbestimmung

geeignete Form überzuführen, dienen zwei Operationen: das Abdampfen,

oder die Fällung. Die erstere kann man nur dann anwenden, wenn der

Körper, dessen Gewicht man bestimmen will, bereits in dem Zustande, in

welchem er sich zur Gewichtsbestimmung eignet, in Lösung ist oder durch

Abdampfen mit einem oder dem anderen Reagens in denselben versetzt

werden kann. Als weitere Bedingung der Anwendbarkeit derselben ist zu

bemerken, dass der Körper sich allein in Lösung befinden muss oder

doch nur mit solchen Substanzen, welche beim Abdampfen oder Glühen

entweichen. So würde schwefelsaures Natron in wässeriger Lösung durch

ganz einfaches Abdampfen zu bestimmen sein, während man kohlensaures

Kali besser durch Abdampfen mit Salmiaklösung in Chlorkalium

verwandelte. -- Der Fällung kann man sich immer bedienen, wenn sich ein

Körper durch irgend ein Mittel aus seinem gelösten Zustande in einen im

vorhandenen Lösungsmittel unlöslichen überführen lässt.

§. 24.

a. $Abdampfen.$

Beim Abdampfen als pharmaceutisch- oder technisch-chemische Operation

kommt vor Allem Ersparniss an Zeit und Brennmaterial in Betracht; beim

Abdampfen zum Behufe quantitativer Analysen sind diese Gesichtspunkte

untergeordnet und dafür treten zwei andere hervor, nämlich Vermeidung

allen Verlustes und Schützen gegen jede Verunreinigung.

Der einfachste Fall des Abdampfens ist der, $wenn eine klare Flüssigkeit

concentrirt, aber nicht zur Trockne gebracht werden soll$. Man bringt

alsdann die Flüssigkeit sehr zweckmässig in eine Schale, welche davon

höchstens zu zwei Drittel angefüllt werden darf, und erhitzt dieselbe

so, dass die Flüssigkeit nicht zum wallenden Kochen kommt, indem bei

solchem fortwährend und unvermeidlich kleine Tröpfchen verloren gehen.

Es geschieht dies entweder auf dem Wasserbade, auf dem Sandbade, auf

einem Stubenofen oder auch direct über einer Gas- oder Weingeistlampe.

Die letztere Art des Erhitzens ist bei gehöriger Vorsicht eine

fördernde, sehr reinliche und daher für viele Fälle sehr zu empfehlende.

Will man im Wasserbade abdampfen und ist man im Besitze eines

$Beindorff$'schen oder eines ähnlich construirten Dampfapparates,

so stellt man die Schale ohne Weiteres in einen seiner Grösse

entsprechenden Ausschnitt, im anderen Falle bedient man sich des in

Fig. 20 abgebildeten Wasserbades.

[Illustration: Fig. 20.]

Es besteht aus starkem Kupferblech, wird beim Gebrauch zur Hälfte

mit Wasser gefüllt, und dieses durch eine Gas-, Weingeist- oder

Oel-Lampe im Kochen erhalten. Um auf demselben in Schalen und Tiegeln

von verschiedener Grösse abdampfen zu können, dienen Ringe mit

entsprechenden Ausschnitten, welche geradezu aufgelegt werden. Man giebt

dem Gefäss von _a_ nach _b_ eine Ausdehnung von 4-6 Zoll.

Hat man Gelegenheit, in einem Raume abzudampfen, in den während des

Abdampfens Niemand kommt, und in welchem auch keine andere Ursache

vorhanden ist, wodurch Staub in der Luft suspendirt wird, so ist dies

eine Annehmlichkeit von grossem Belang, denn in dem Falle ist es ein

Leichtes, die Flüssigkeit rein zu erhalten; es ist alsdann am besten,

die Schalen gar nicht zu bedecken[3]. Arbeitet man aber in einem

Laboratorium mit Anderen zusammen, hat man mit Zugluft zu kämpfen,

befinden sich Kohlenfeuer in dem Raume, so kann man nicht sorgfältig

genug sein, um die abdampfenden Flüssigkeiten gegen Staub, Asche und

Schmutz zu sichern.

[3] In meinem Laboratorium dienen zum Abdampfen bei quantitativen

Analysen besondere Abdampfschränke. Dieselben bestehen ganz aus

nicht angestrichenem Holze und haben vorn Glasfenster, welche sich

entweder hinaufschieben oder nach Art gewöhnlicher Fenster öffnen

lassen. Das von drei Seiten schief zulaufende Holzdach geht in

einen hölzernen Canal über, welcher in den Schornstein führt. Etwa

1/2 Fuss unter der unteren Oeffnung dieses Canales befindet sich

auf einem hölzernen Träger eine Schale, welche die Bestimmung hat,

Flüssigkeit aufzufangen, die sich etwa in dem Canal verdichtet und

die sonst heruntertropfen würde.

Zu dem Behufe dreht man entweder die Schale mit Fliesspapier zu, oder

man legt ein aus einem Glasstabe gebogenes Dreieck auf dieselbe,

breitet darüber ein Blatt Fliesspapier und beschwert dieses durch einen

Glasstab, welcher quer darüber gelegt und durch die etwas aufgebogenen

Enden des Dreiecks _a_ und _b_ am Herabfallen gehindert wird. -- Als die

zweckmässigste Methode jedoch hat sich folgende bewährt.

[Illustration: Fig. 21.]

Man lässt sich von einem Siebmacher zwei dünne Holzreifchen (Fig. 22)

anfertigen, von denen das eine locker in das andere passt, legt über

das kleinere ein Blatt Fliesspapier und schiebt das andere darüber. Man

bekommt auf diese Art einen Deckel, der allen Anforderungen entspricht.

Er schützt vollkommen gegen Staub, er lässt sich leicht abnehmen, das

Papier kann nicht in die Flüssigkeit eintauchen, es hält lange, kann

überaus leicht erneuert werden, und das Abdampfen geht ungehindert von

Statten.

[Illustration: Fig. 22.]

Trotzdem muss man auch bei dieser besten Art des Bedeckens sehr

vorsichtig sein, dass nicht durch das Papier selbst die abdampfende

Flüssigkeit verunreinigt werde. -- Dampft man nämlich eine Flüssigkeit

ab, welche saure Dämpfe entlässt, so lösen diese rasch die in dem

gewöhnlichen Fliess- und Filtrirpapier nie fehlenden Mengen von Kalk,

Eisenoxyd etc. auf, und da die so entstehende Lösung bald in die

Abdampfschale heruntertropft, so ist die Ursache der Verunreinigung

leicht ersichtlich. -- Ist man daher durch die örtlichen Verhältnisse

gezwungen, die Schale zu bedecken, so darf dies nur mit Papier

geschehen, welches von den in Säuren löslichen Substanzen durch

geeignetes Auswaschen befreit ist.

Statt in Porzellanschalen kann der vorliegende Zweck des Abdampfens auch

in Glaskolben erreicht werden. Man füllt dieselben nur zur Hälfte an

und stellt sie schief. Die Erhitzung kann im Sandbade über einer Gas-

oder Weingeistlampe oder auch recht gut über glühenden Kohlen ausgeführt

werden. -- Die Flüssigkeit darf in gelindes Kochen kommen, indem bei der

schiefen Lage des Kolbens die Tröpfchen, welche beim Sieden aufspritzen,

nicht verloren gehen.

$Befindet sich in der abzudampfenden Flüssigkeit ein Niederschlag$, so

ist es stets am besten, das Abdampfen im Wasserbade vorzunehmen, indem

beim Abdampfen über freier Lampe oder im Sandbade gar leicht durch

Stossen Verlust entsteht. Das Stossen rührt von kleinen Dampfexplosionen

her, welche dadurch entstehen, dass sich, gehemmt durch den Bodensatz,

die Wärme nicht gleichförmig vertheilt.

Diesem Uebelstande beugt man mit ziemlichem Erfolge auch dadurch vor,

dass man das Abdampfen in einem schief stehenden Tiegel vornimmt, wie

Fig. 23 zeigt.

[Illustration: Fig. 23.]

Man leitet dabei die Flamme immer so, dass sie den Tiegel über dem

Niveau der Flüssigkeit trifft. Doch ist die Anwendung des Wasserbades

jedenfalls sicherer.

$Soll eine Flüssigkeit ganz zur Trockne gebracht werden$, wie dies so

oft geschehen muss, so beendigt man das Abdampfen stets im Wasserbade,

wenn es irgend möglich ist. Kann dies jedoch wegen der Beschaffenheit

der aufgelösten Substanz nicht geschehen, so erreicht man oft seinen

Zweck am besten, wenn man den Inhalt der Schale von oben erhitzt, indem

man dieselbe in einem Trockenschranke, dessen obere Platte durch eine

darüber gehende Flamme (etwa die des Wasser- oder Sandbades) geheizt

wird, auf geeignete Art aufstellt.

Soll die Schale von unten erhitzt werden, so muss man eine Methode

wählen, bei der die Hitze gleichmässig wirkt und leicht gemässigt werden

kann. Ganz gut eignet sich zu diesem Zwecke ein Luftbad, als welches der

Fig. 20 abgebildete Apparat benutzt werden kann (wenngleich er dadurch

mit der Zeit schadhaft wird). Will man über der freien Lampe erhitzen,

so stelle man die Schale hoch über die Flamme und zwar am besten auf ein

Drahtnetz, welches zur gleichmässigen Vertheilung der Hitze beiträgt.

-- Das Erhitzen im Sandbade ist weniger zu empfehlen, da sich bei einem

solchen die Hitze nicht so rasch mässigen lässt.

Mag man nun eine oder die andere Methode wählen, so darf man, sobald

der Rückstand anfängt sich zu verdicken, die Schale nicht mehr aus den

Augen lassen, damit man dem dann drohenden Spritzen durch Mässigung der

Hitze und durch Zertheilung der sich bildenden Krusten mittelst eines

Glasstabes oder Platindrahtes gehörig entgegenwirken kann.

Hat eine Salzlösung die Eigenschaft, $sich beim Abdampfen an den

Wänden des Gefässes hinaufzuziehen$ und diese dann zu übersteigen,

wodurch natürlich sehr leicht Verlust herbeigeführt wird, so erhitzt

man zweckmässig nach der zuvor besprochenen Weise von oben. Es werden

alsdann die Gefässwände so heiss, dass die sich heraufziehende

Flüssigkeit gleich verdampft, das aufgelöste Salz hinterlassend. -- Beim

Abdampfen auf gewöhnliche Art lässt sich dem Uebelstande in der Regel

schon dadurch einigermaassen vorbeugen, dass man den Rand der Schale

und den obersten Theil ihrer inneren Wandung mit einer überaus dünnen

Talgschicht durch Bestreichen mit dem fettig gemachten Finger überzieht

und so die Adhäsion zwischen Flüssigkeit und Gefäss verringert.

$Entwickelt sich aus einer Flüssigkeit beim Abdampfen ein Gas in

Blasen$, so ist besondere Vorsicht nöthig, dass nicht durch Spritzen

Verlust entstehe. Am sichersten erhitzt man eine solche in einem schief

stehenden Kolben, oder auch in einem Becherglase, welches man, so lange

noch Gas entweicht, mit einem grossen Uhrglase bedeckt, das zuletzt gut

abgespritzt wird. -- Muss das Abdampfen in einer Schale geschehen, so

wähle man eine ziemlich geräumige und erhitze am Anfang und bis das Gas

grösstentheils entwichen, sehr gelinde.

Soll eine Flüssigkeit $bei Abschluss der Luft$ abgedampft werden, so

bringt man sie unter die Glocke der Luftpumpe über ein Gefäss mit

Schwefelsäure und evacuirt rasch; oder man bringt sie in eine tubulirte

Retorte, durch deren Tubulus Wasserstoffgas oder Kohlensäure mittelst

einer Röhre eingeleitet wird, die nicht ganz bis zum Spiegel der

Flüssigkeit reicht.

Von viel grösserem Einflusse, als man gewöhnlich glaubt, ist $das

Material der Abdampfgefässe$. Sehr viele Erscheinungen, die bei der

Analyse befremdend entgegentreten, können Folge einer Verunreinigung der

abgedampften Flüssigkeit durch den Stoff des Gefässes sein, wie denn

auch ganz grobe Irrthümer dieser Quelle entstammen können.

Ich habe diesen Gegenstand seiner Wichtigkeit halber einer neuen und

sorgfältigen Prüfung unterworfen (vergl. Belege 1-4).

Es ergiebt sich daraus, dass schon destillirtes Wasser, andauernd in

Glas (Kolben von böhmischem Glas) gekocht, sehr wägbare Spuren daraus

aufnimmt; in viel höherem Grade ist dies der Fall, wenn das Wasser

etwas kaustisches oder kohlensaures Alkali enthält; auch kochende

Salmiaklösung greift das Glas stark an; kochende verdünnte Säuren lösen

weniger als reines Wasser. -- Porzellan (Berliner Schalen) wird im

Ganzen weniger angegriffen, als Glas. -- Man ersieht hieraus, dass man

sich bei sehr genauen Analysen zum Abdampfen hauptsächlich der Platin-

und Silberschalen bedienen muss.

§. 25.

Es bleibt jetzt noch übrig, $vom Wägen der durch Abdampfen erhaltenen

Rückstände$ zu sprechen. Wir meinen darunter nur die in Wasser

löslichen, denn von den anderen, welche durch Filtration getrennt

werden, wird bei der Fällung die Rede sein. -- Das Wägen geschieht in

der Regel in dem Gefässe, in welchem das Abdampfen zu Ende geführt

wurde, am besten in einer Platinschale von 2-3 Zoll Durchmesser, oder

in einem grossen Platintiegel, weil diese bei gleichem Inhalte leichter

sind als Porzellangefässe.

Meistens beträgt die Menge der Flüssigkeit so viel, dass es allzu lange

aufhalten würde, dieselbe nach und nach in einer so kleinen Schale

abzudampfen. Man concentrirt sie in dem Falle in einer grösseren und

beendet das Abdampfen in der zum Wägen bestimmten kleineren. Beim

Ueberfüllen bestreicht man den Ausguss der Schale ein wenig mit Talg und

lässt die Flüssigkeit an einem Glasstabe herablaufen (Fig. 24).

[Illustration: Fig. 24.]

Zuletzt spült man die Schale vorsichtig mit Hülfe einer Spritzflasche

aus, bis eine Probe des letzten Waschwassers auf Platinblech verdampft

keinen Rückstand mehr hinterlässt.

Hat man das Salz nunmehr in der Schale, in welcher es gewogen werden

soll, und ist es soweit abgedampft, als dies im Wasserbade zu erreichen

ist, so hat man zu unterscheiden, ob das Salz geglüht werden kann oder

nicht. Ist das Erstere der Fall, so bedeckt man die Schale am besten

mit einem Deckel von dünnem Platinblech, in Ermangelung eines solchen

wohl auch mit einer dünnen Glasplatte, und erhitzt hoch über der Lampe

so lange ganz gelinde, bis alles in der Substanz etwa noch enthaltene

Wasser ausgetrieben ist, alsdann stärker bis zum Glühen der Schale.

(Eine Glasplatte muss dabei natürlich entfernt werden.) Nach dem

Erkalten (was man bei Wasser anziehenden Substanzen unter einer Glocke

neben Schwefelsäure, Fig. 9, geschehen lässt) wird sie nebst ihrem

Inhalte bedeckt gewogen. Bei Substanzen, welche, wie z. B. Kochsalz,

Decrepitationswasser enthalten, ist es sehr zweckmässig, dieselben nach

dem Wegnehmen vom Wasserbade und vor dem Erhitzen auf der Lampe der

etwas über 100° zu erhaltenden Hitze eines Luft- oder Sandbades oder

eines Stubenofens auszusetzen. --

Kann der Rückstand nicht geglüht werden, wie z. B. eine organische

Substanz, ein Ammoniaksalz etc., so wird er in dem Schälchen bei einer

seiner Natur entsprechenden Hitze getrocknet. In manchem Falle reicht

demnach schon die des Wasserbades hin, z. B. bei Salmiak, in anderen

muss man ein Oel- oder Luftbad anwenden (siehe oben §. 15). Unter allen

Umständen muss das Trocknen so lange fortgesetzt werden, bis die zwei

letzten Wägungen der Substanz, zwischen welchen dieselbe eine viertel

bis halbe Stunde der Trockenhitze ausgesetzt war, völlig übereinstimmen.

Das Schälchen beim Wägen zu bedecken, ist dringend anzurathen.

Hat man, wie dies bei Analysen so häufig vorkommt, eine Flüssigkeit,

welche eine kleine Menge eines zu wägenden Kali- oder Natronsalzes

enthält, neben einer verhältnissmässig grossen eines Ammonsalzes,

welches bei der Analyse hinzugekommen ist, so ziehe ich dem oben

angegebenen Verfahren das nachstehende vor. Man bringt die Salzmasse in

einer grösseren Schale im Wasserbade, zuletzt auch wohl bei einer 100°

etwas übersteigenden Temperatur völlig zur Trockne und bringt dieselbe

mit Hülfe eines Platinspatels in eine kleine Glasschale, welche man dann

einstweilen unter die Glocke des Exsiccators stellt. Man spült nun die

letzten Reste des Salzes mit etwas Wasser aus der grossen in die zum

Wägen bestimmte kleine Schale oder den grossen Tiegel, und verdampft

zur Trockne. Jetzt bringt man die in der Glasschale befindliche Masse

portionenweise oder auf einmal hinzu, verjagt die Ammonsalze durch

Glühen und wägt die zurückbleibenden fixen Salze. Sollten in der

Glasschale kleine Reste der Masse hängen bleiben, so nimmt man diese am

besten mit einer geringen Menge gepulverten Salmiaks oder eines anderen

Ammonsalzes auf und bringt sie so ebenfalls in das zum Wägen bestimmte

Gefäss; denn würde man die Salzmasse wieder mit Wasser benetzen, so wäre

Verlust nur schwer zu vermeiden.

§. 26.

b. $Fällung.$

Weit häufiger noch als das Abdampfen kommt bei quantitativen Analysen

die Fällung vor, indem sie nicht nur dazu dient, Substanzen in wägbare

Formen zu bringen, sondern namentlich auch dazu, sie von einander

zu scheiden. -- Bei allen durch Fällung vermittelten quantitativen

Bestimmungen ist die leitende Idee die, einen unlöslichen Niederschlag

von einer Flüssigkeit zu trennen. Bei im Uebrigen gleich bleibenden

Umständen müssen demnach die Resultate um so genauer ausfallen, je

mehr die gefällte Substanz den Namen unlöslich verdient, und bei

gleichem Grade der Löslichkeit wird bei dem Niederschlage der kleinste

Verlust stattfinden, welcher mit der geringsten Menge Lösungsmittel

zusammenkommt.

Hieraus ergiebt sich erstens, dass man bei durch sonstige Umstände

nicht gehinderter Wahl einen Körper am besten in seiner unlöslichsten

Verbindung fällt, -- so schlägt man Baryt besser als schwefelsaures

denn als kohlensaures Salz nieder; -- zweitens, dass, wenn man mit

Niederschlägen zu thun hat, die in der vorhandenen Flüssigkeit nicht

unlöslich sind, man darnach trachten muss, diese durch Abdampfen erst

so viel als thunlich zu entfernen, -- so engt man eine verdünnte

Strontianlösung erst ein, ehe man den Strontian durch Schwefelsäure

fällt; -- drittens, dass, wenn es sich um Niederschläge handelt,

die zwar in der vorhandenen Flüssigkeit etwas auflöslich, in einer

anderen aber, in welche sich die vorhandene durch irgend einen Zusatz

verwandeln lässt, unlöslich sind, man darnach strebe, diese Veränderung

herbeizuführen, -- so verwandelt man Wasser durch Zusatz von Alkohol in

Weingeist, wenn man Platinsalmiak, Chlorblei, schwefelsauren Kalk etc.

vollständig fällen will, so setzt man dem Wasser Ammon zu, um basisch

phosphorsaures Bittererdeammon darin unlöslich zu machen etc. --

Zum Fällen bedient man sich meistens der Bechergläser. Muss jedoch

kochend gefällt oder der Niederschlag mit der Flüssigkeit eine Zeit lang

im Sieden erhalten werden, so wendet man Kolben oder Schalen an.

Je nach der Beschaffenheit der entstandenen Niederschläge werden

dieselben von der Flüssigkeit, in welcher sie suspendirt sind, entweder

durch Decantation, durch Filtration, oder aber durch mit Decantation

verbundene Filtration geschieden.

Ehe man jedoch zu einer solchen Abscheidung schreitet, ist vor Allem ins

Auge zu fassen, ob sich der Niederschlag auch schon vollständig gebildet

hat. -- Zur Entscheidung dieser Frage befähigt nur eine genaue Kenntniss

der Eigenschaften der Niederschläge, zu deren Erwerbung im dritten

Abschnitte die Mittel geboten werden sollen.

In der Regel trennt man die Niederschläge von der Flüssigkeit nicht

sogleich, sondern erst nach mehrstündigem Stehen; namentlich ist dies

bei krystallinischen, pulverigen und gelatinösen Niederschlägen der

Fall, während käsige und flockige Niederschläge, zumal wenn die Fällung

kochend geschah, oft sogleich abfiltrirt werden können. Doch haben in

dieser Beziehung alle allgemeinen Regeln nur eine sehr bedingte Geltung.

§. 27.

[Greek: a]. $Fällung mit darauf folgender Decantation.$

Setzt sich ein Niederschlag in einer Flüssigkeit so gut ab, dass

dieselbe völlig klar abgegossen werden kann, und geschieht dieses so

schnell, dass zu dem Auswaschen nicht allzu lange Zeit erfordert wird,

so wählt man, wie z. B. bei Chlorsilber, metallischem Quecksilber etc.,

zur Abscheidung und Aussüssung derselben die Decantation.

Will man diese, bei gehöriger Vorsicht ebenso fördernde als genaue,

Abscheidungsmethode mit Erfolg ausführen, so ist es in den meisten

Fällen nothwendig, gewisse Regeln zu beobachten, um zu bewirken,

dass sich die Niederschläge vollständig und schnell absetzen. Als

allgemeinen Satz kann man aufstellen, dass Erhitzen des Niederschlages

mit der Flüssigkeit ersterem die gewünschten Eigenschaften verleihe;

in mehreren Fällen genügt aber zu diesem Behufe Erhitzen allein nicht,

in manchen muss geschüttelt werden, wie bei Chlorsilber, in anderen

ist Zusatz irgend eines Reagens nothwendig, so der Salzsäure bei

Quecksilberfällungen etc. Von diesen Regeln wird unten in dem vierten

Abschnitte ausführlich die Rede sein, ebenso von den Gefässen, welche

sich zu dieser Art der Fällung bei den verschiedenen Substanzen am

besten eignen.

Ist der Niederschlag so oft mit erneuerten Mengen der geeigneten

Flüssigkeit ausgewaschen, dass in den letzt abfliessenden Portionen

keine Spur einer aufgelösten Substanz mehr zu entdecken ist, so bringt

man ihn, wenn er sich noch nicht darin befindet, in einen geeigneten

Tiegel oder ein Schälchen, giesst die Flüssigkeit so weit als möglich ab

und trocknet oder glüht alsdann den Inhalt, je nachdem es seine Natur

verlangt. -- Da man bei der angeführten Art des Auswaschens eine viel

grössere Menge Wasser braucht, als beim Aussüssen auf Filtern, so kann

man mittelst Decantation nur dann genaue Resultate erhalten, wenn die

Niederschläge ganz unlöslich sind. Aus demselben Grunde wendet man diese

Operation nicht gern an, wenn in den abgegossenen Flüssigkeiten noch

sonstige Bestandtheile bestimmt werden sollen.

Um sicher zu sein, dass in den Waschwassern keine Theilchen des

Niederschlages mehr enthalten sind, ist es zweckmässig, diese 12 bis 24

Stunden ruhig stehen zu lassen und erst dann wegzugiessen, wenn sich

nach dieser Zeit auf dem Boden kein Niederschlag zeigt. Sollte dies

der Fall sein, so ist es in der Regel am besten, dessen geringe Menge

für sich zu bestimmen, sei es nun, dass man ihn von der anwesenden

Flüssigkeit durch Abgiessen oder Filtriren trennt.

§. 28.

[Greek: b]. $Fällung mit darauf folgender Filtration.$

In den Fällen, in welchen die Decantation nicht anwendbar ist, also bei

Weitem in den meisten, wendet man zur Trennung der Niederschläge von

Flüssigkeiten die Filtration an, sofern man hoffen kann, durch blosses

Auswaschen auf dem Filter den Niederschlag von anhängenden Substanzen

vollkommen reinigen zu können. -- Ist dies nicht der Fall, so verbindet

man die Filtration mit der Decantation (§. 31).

aa. $Filtrirapparat.$ Das Filtriren geschieht mit sehr wenigen Ausnahmen

bei quantitativen Bestimmungen ausschliesslich durch Papier.

Man wählt immer kreisrunde, glatte, nie faltige Filter. Auf die

Beschaffenheit des Filtrirpapiers kommt sehr viel an. Es muss, wenn es

vorzüglich sein soll, 3 Eigenschaften vereinigen; nämlich erstens auch

feine Niederschläge völlig zurückhalten, zweitens schnell filtriren

und drittens möglichst wenig unorganische Bestandtheile enthalten,

namentlich aber keine in alkalischen oder sauren Flüssigkeiten lösliche.

Es hält ziemlich schwer, sich Filtrirpapier zu verschaffen, welches

diesen Anforderungen genügend entspricht. -- Für das beste wird das

unter dem Namen "schwedisches Filtrirpapier" mit dem Wasserzeichen

J. H. $Munktell$ versehene gehalten und demgemäss am theuersten

bezahlt. Doch entspricht auch dies nur den beiden ersten Bedingungen,

genügt aber bei feinen Arbeiten keineswegs in Betreff der dritten,

indem es etwa 0,3 Proc. Asche hinterlässt und an Säuren merkliche

Spuren von Eisenoxyd, Kalk und Magnesia abgiebt. Zu genauen Versuchen

ist es deshalb erforderlich, dasselbe zuerst mit verdünnter Salzsäure

auszuziehen, dann die Säure mit Wasser vollständig auszuwaschen und das

Papier wieder zu trocknen. -- Bei Filtern von feinem Papier geschieht

dies am besten bei den fertigen Filtern, indem man sie, gerade wie

beim Filtriren, fest in einen Trichter setzt; recht gut können dabei

mehrere in einander gelegt werden. -- Man tränkt dieselben zuerst durch

Betröpfeln mit einer Mischung von 1 Thl. gewöhnlicher reiner Salzsäure

mit etwa 2 Thln. Wasser, lässt 10 Minuten stehen, wäscht alsdann durch

wiederholtes Aufgiessen von Wasser, am besten warmem, aus, bis jede Spur

saurer Reaction verschwunden ist, dreht den Trichter mit Papier zu und

stellt ihn sammt seinem Inhalte zum Trocknen an einen warmen Ort.

In jeder Beziehung anzurathen ist es, geschnittene Filtra von

verschiedener Grösse vorräthig zu halten. Man schneidet sie entweder

nach kreisrunden Stücken Pappe oder Blech, oder noch zweckmässiger mit

Hülfe der $Mohr$'schen Schablonen, Fig. 25, welche man von Blech in

verschiedenen Grössen anfertigen lässt. Das Papierblatt, aus welchem das

Filter geschnitten werden soll, wird doppelt zusammengefaltet, so dass

die Kanten einen rechten Winkel bilden, alsdann in die Schablone _A_

eingelegt, das Blech _B_, dessen Schenkel etwas weniges kürzer sind, als

die der Grundfläche _A_, darüber geschoben und das überstehende Papier

mit einer Scheere abgeschnitten. Auf diese Art gemachte Filtra sind

völlig rund und einander ganz gleich.

[Illustration: Fig. 25.]

Den Filtern (und somit auch den Schablonen) giebt man zweckmässig

folgende Ausdehnungen im Radius: 3, 4, 5, 6,5 und 8 Decimeter, und wählt

sie beim Gebrauche in der Art aus, dass sie von dem Niederschlage, nach

dem Abtropfen der Flüssigkeit, nicht mehr als halb gefüllt werden.

Was die Trichter betrifft, welche man am besten von Glas nimmt, so ist

es, wenn sie zu quantitativen Analysen geschickt sein sollen, ganz

besonders wichtig, dass sie im geeigneten Winkel (60°) geneigt und nicht

bauchig sind.

Die Filtra dürfen nicht über den Rand des Trichters herausragen; am

besten ist es, wenn ihre Radien eine oder zwei Linien kleiner sind, als

die der Trichter. Sie werden fest in diese eingedrückt, so dass das

Papier an den Wänden überall anliegt, alsdann mit Wasser angefeuchtet

und dieses abtröpfeln gelassen, nicht oben ausgegossen.

Die Trichter werden beim Filtriren auf ein Filtrirgestell gesetzt,

welches ihnen nicht gestattet, ihre Lage zu verändern. Die Form und

Einrichtung der Gestelle, welche mir von allen als die einfachste und

praktischste erscheint, ist in Fig. 26 und 27 abgebildet.

Das Gestell, welches Fig. 26 darstellt, eignet sich besonders für

grössere Trichter und wird deshalb etwas massiver gemacht, als das zur

Aufnahme kleinerer Trichter bestimmte, in Fig. 27 abgebildete.

[Illustration: Fig. 26.]

[Illustration: Fig. 27.]

Die Gestelle werden von festem Holze gemacht. Der den oder die Trichter

tragende Arm muss sich ohne alle Mühe auf- und abschieben und mittelst

der Schraube ganz feststellen lassen. Die Ausschnitte für die Trichter

müssen, damit diese festsitzen, nach unten conisch verlaufen. Als eine

grosse Bequemlichkeit dieser Gestelle ist zu rühmen, dass man die

ganze Einrichtung mit grösster Leichtigkeit und ohne irgend etwas zu

verändern, hin- und hertragen kann. Der Arm _b_, welcher für gewöhnlich

weggenommen wird, dient zum Befestigen einer Auswaschflasche.

§. 29.

bb. $Regeln beim Filtriren.$

In Bezug auf die abzufiltrirenden Niederschläge ist ebenfalls Mancherlei

zu beobachten. -- Sind dieselben käsig, flockig, gelatinös oder

krystallinisch, so hat man nicht zu fürchten, dass die Flüssigkeit trüb

durch's Filter gehe. -- Bei feinpulverigen Niederschlägen hingegen

ist es in der Regel nothwendig, immer aber rathsam, den Niederschlag

sich setzen zu lassen, alsdann zuerst die überstehende Flüssigkeit

durchzufiltriren und zuletzt den Niederschlag aufs Filter zu bringen.

Wenn Nichts entgegensteht, ist es zweckmässig, heiss gefällte

Niederschläge vor dem Erkalten abzufiltriren, denn heisse Flüssigkeiten

filtriren schneller als kalte. -- Dem sehr unangenehmen Umstande,

dass Niederschläge mit durch die Filtra gehen, beugt man öfters mit

Erfolg durch Abänderung der Flüssigkeit vor; so geht schwefelsaurer

Baryt mit Wasser leicht durch's Filter, weit weniger leicht aber nach

Zusatz von Salmiak. Findet man beim Filtriren, dass das Filter von dem

Niederschlage viel mehr als halb voll werden würde, so nimmt man noch

ein zweites; denn würde man das erste zu sehr anfüllen, so liesse sich

der Niederschlag nicht gehörig auswaschen.

Beim Filtriren giesst man niemals eine Flüssigkeit direct, sondern

immer mit Hülfe eines Glasstabes (siehe Fig. 24) aus und versäumt nie,

den Rand des Gefässes, aus dem man ausgiesst, mit einer ganz dünnen

Talgschicht zu überziehen. Den erforderlichen Talg giesst man am besten

in eine kleine auf beiden Seiten offene Glasröhre. In dem Maasse, als er

verbraucht wird, drückt man ihn mittelst eines kleinen Stempels nach.

Das Anfetten selbst geschieht am einfachsten mit dem ein wenig am Talg

geriebenen Finger. -- Soll die Flüssigkeit abfiltrirt werden, ohne den

Niederschlag aufzurühren, so darf man den Glasstab nicht in das Gefäss

stellen, in welchem sich die abzufiltrirende Flüssigkeit befindet.

Man stellt ihn daher zwischen dem Aufgiessen zweckmässig in einen

feststehenden Reagirkelch und spült diesen zuletzt mit dem Waschwasser

aus.

Den Strahl der aufzugiessenden Flüssigkeit richtet man immer an

die Seite und nie in die Mitte des Filters, widrigenfalls durch

Herausspritzen leicht Verlust entsteht. -- Die durchlaufende Flüssigkeit

wird, je nach dem Zwecke, zu dem sie bestimmt ist, in Kolben,

Bechergläsern oder Schalen aufgefangen. Man hat streng darauf zu

achten, dass die Tropfen am Rande heruntergleiten und nicht mitten in

die Flüssigkeit fallen, wodurch leicht etwas herausgespritzt würde. Am

besten legt man die Röhre des Trichters an den oberen Theil der inneren

Wandung des Gefässes, wie es die Fig. 26 zeigt, an.

Filtrirt man an völlig staubfreien Orten, so ist es nicht nothwendig,

den Trichter und das zur Aufnahme des Filtrats dienende Gefäss zu

bedecken; in der Regel aber ist dies unerlässlich. Man bedient sich

dazu runder Scheiben von Fensterglas. An denen, die das eben genannte

Gefäss bedecken sollen, bringt man mit Hülfe eines Schlüssels, dessen

Bart einen zum Herausbrechen geeigneten Einschnitt hat, an der Seite

einen Ausschnitt an von der Weite der Trichterröhre. In der Mitte

durchlöcherte Scheiben taugen zu diesem Behufe nichts.

Hat man Flüssigkeit und Niederschlag auf das Filter gebracht und das

Gefäss, in dem sie enthalten waren, wiederholt mit Wasser ausgespült, so

ist es doch in der Regel der Fall, dass noch kleine, mit dem Glasstab

nicht herauszubringende Antheile des Niederschlages an den Wänden

haften. Dieselben bringt man, sofern sie sich in einem Becherglase oder

einer Schale befinden, vermittelst einer Feder, welcher man nur einen

kleinen Rest ihrer Fahne gelassen und diesen gerade abgeschnitten hat,

in der Regel leicht heraus. -- Befindet sich hingegen der kleine Rest

des Niederschlages in einem Kolben, wie dies bei kochend gefällten

Substanzen, z. B. Eisenoxyd, der Fall sein kann, oder lässt er sich

überhaupt auf mechanische Weise nicht herausbringen, so löst man ihn

in einer geeigneten Flüssigkeit und fällt die Lösung neuerdings. Man

kann daraus entnehmen, dass man bei Körpern, für welche man keine

Lösungsmittel hat, z. B. bei schwefelsaurem Baryt, diesen Umstand

vermeiden muss.

§. 30.

cc. $Auswaschen.$ Nachdem der Niederschlag nunmehr vollständig auf dem

Filter ist, hat man sein Augenmerk darauf zu richten, dass er gehörig

ausgewaschen werde.

Das Auswaschen geschieht mittelst einer der bekannten Spritzflaschen,

von welchen ich die in Fig. 29 dargestellte in jeder Hinsicht vorziehe.

-- Man sehe darauf, dass man nicht durch einen zu heftigen Wasserstrahl

Verlust veranlasse. -- Zu recht vorsichtigem Auswaschen kann auch der

in Fig. 30 abgebildete Apparat mit gutem Erfolge benutzt werden, dessen

Construction keiner weiteren Erläuterung bedarf. Die Spitze _a_ ist an

ihrem Ende ausgezogen und abgekneipt. Dreht man den Kolben um, so läuft

aus derselben von selbst ein continuirlicher feiner Strahl aus.

[Illustration: Fig. 28.]

[Illustration: Fig. 29.]

[Illustration: Fig. 30.]

Werden Niederschläge mit Wasser ausgewaschen, so bedient man sich, wenn

sonst Nichts im Wege steht, am besten des heissen. Die Arbeit wird

dadurch wesentlich gefördert. -- Zum Auswaschen mit siedendem Wasser

eignet sich besonders die Spritzflasche Fig. 29. Um das Anfassen zu

erleichtern, dient die mit Draht an die Flasche befestigte hölzerne

Handhabe.

Muss das Auswaschen von Niederschlägen sehr lange fortgesetzt werden, so

wendet man zuweilen Waschflaschen an, welche die Mühe des wiederholten

Aufgiessens ersparen. Fig. 31 und Fig. 32 zeigen solche.

[Illustration: Fig. 31.]

[Illustration: Fig. 32.]

Das Princip beider ist, wie leicht zu ersehen, dasselbe. In Fig. 31

ist nur die Ausflussröhre nebst der, durch welche die den Raum des

ausfliessenden Wassers ersetzende Luft eindringt, in einem Stücke, in

Fig. 32 sind es getrennte Röhren. Die Einrichtung der Fig. 31 ist etwas

schwieriger darzustellen, als die der Fig. 32. Es kommt nämlich bei

diesen Vorrichtungen darauf an, dass aus den gefüllten und mit den die

Röhren enthaltenden Stopfen verschlossenen Flaschen beim Umdrehen kein

Wasser auslaufe, während dies sogleich vor sich gehen muss, wenn man den

Finger oder ein Stückchen Papier etc. mit dem in der Spitze _c_ (Figur

33) stehenden Wasser in Berührung bringt. Alsdann fliesst dasselbe

unausgesetzt aus, während durch _ab_ Luft in die Flasche dringt; wird

der Finger oder das Papier wieder weggenommen, so hört das Ausfliessen

wieder auf. --

[Illustration: Fig. 33.]

Es ist sowohl zur Anfertigung wie zum Gebrauche dieser Vorrichtungen

wichtig, von der Ursache der angeführten Erscheinungen eine völlig klare

Vorstellung zu haben. Zu dem Behufe ist erstens ins Auge zu fassen,

dass das Nichtausfliessen aus _c_ dadurch bedingt wird, dass der Druck

der Wassersäule, welche zwischen den Linien _ef_ und _gh_ liegt, nicht,

aber beinahe, hinreichend ist, die Capillaranziehung zu überwinden,

welche die Röhre _ab_ auf die Flüssigkeit ausübt; und zweitens, dass

das Ausfliessen bei Berührung des in _c_ enthaltenen Wassers mit einer

Substanz, welche davon benetzt wird, daher rührt, dass nunmehr die

Zugkraft der Wassersäule _fh_ plus der Adhäsionskraft des benetzt

werdenden Körpers die Capillaranziehung in _ab_ überwindet. Wird die

Spitze _c_ unter Wasser getaucht, so hört das Ausfliessen auf, weil

hierdurch die wirkende Wassersäule verkürzt wird. Rückt man die Röhre

_dc_ herunter, so dass _c_ unter _gh_ zu liegen kommt, so fliesst das

Wasser ohne Aufhören aus, weil die Zugkraft der dadurch vergrösserten

Wassersäule die Capillarattraction in _ab_ übersteigt; rückt man

hingegen _cd_ hinauf, so genügt die hinzukommende Adhäsionskraft nicht

zur Herstellung eines Uebergewichtes, und es fliesst gar kein Wasser

aus. -- Bei Darstellung eines Auswaschröhrchens zu Fig. 31 ist es also,

wie ohne Mühe einzusehen, nicht ganz leicht, die Ausflussstelle gerade

in der entsprechenden Entfernung unter der Anlöthungsstelle der Röhre

_a_ anzubringen, während man bei der anderen Vorrichtung die Röhre _dc_

so lange hinein- oder herausdreht, bis der geeignete Punkt erreicht ist.

Bei der Anfertigung der letzteren hat man darauf Rücksicht zu nehmen,

dass die Oeffnung _a_ der Röhre _ab_ etwas höher liegen muss als _b_, im

anderen Falle wird bei jedem Glucken Wasser herausgeworfen; ferner, dass

_d_ etwas höher liegen muss als _b_, sonst läuft zuletzt, sobald die

Oberfläche des Wassers _b_ nicht mehr schliesst, der Rest des Wassers

ohne Aufhören aus.

Beim Gebrauche werden die Auswaschflaschen in den neben offenen

Ausschnitt des an dem Filtrirgestelle befindlichen oberen Armes so

über den Trichter gehängt, dass _c_ eben unter den Wasserspiegel

kommt. Bei gehöriger Einrichtung fliesst alsdann das Wasser aus der

Waschflasche in demselben Maasse nach, als es aus dem Trichter abläuft.

-- Einen enghalsigen Kolben geradezu in den Trichter umzustürzen, ist

beim Auswaschen zu wägender Niederschläge unzulässig, weil bei dieser

Einrichtung immer Antheile des Niederschlages durch die Luftblasen mit

in den Kolben hinaufgerissen werden. --

Bei dem Auswaschen hat man, gleichgültig ob es ohne oder mit einem

Waschapparate geschieht, darauf zu sehen, dass sich in dem Niederschlage

keine Canäle bilden, durch die die aufgegossene Flüssigkeit abläuft,

ohne den ganzen Niederschlag zu durchsickern. Sollten solche entstanden

sein, so rührt man den Niederschlag vorsichtig mit einem kleinen Glas-

oder Platinspatel um.

Das Auswaschen ist beendigt, wenn alle zu entfernenden löslichen Stoffe

weggewaschen sind. Wer der Beendigung des Auswaschens die gehörige

Aufmerksamkeit zuwendet, vermeidet eine der Klippen, an welchen

Anfänger, zum Nachtheil der Genauigkeit zu erhaltender Resultate,

am häufigsten anstossen. -- In der Regel genügt es, einen Tropfen

des letztablaufenden Waschwassers auf einem reinen Platinbleche

langsam verdampfen zu lassen und sich hierdurch zu überzeugen, ob

noch ein Rückstand bleibt oder nicht. Sind jedoch die auszuwaschenden

Niederschläge im Waschwasser nicht ganz unlöslich, wie z. B.

schwefelsaurer Strontian, so muss man zu specielleren Erkennungsmitteln,

die unten angegeben werden sollen, seine Zuflucht nehmen. Niemals sollte

man das Auswaschen nach blossem Dafürhalten und Meinen einstellen, --

Gewissheit giebt nur die Prüfung.

§. 31.

[Greek: c]. $Fällung mit darauf folgender Decantation und Filtration.$

Hat man mit Niederschlägen zu thun, welche sich vermöge ihrer

gelatinösen Beschaffenheit oder weil ihnen mitgerissene Salze fest

anhaften, auf dem Filter nicht vollständig oder nur mit Mühe würden

auswaschen lassen, so lässt man den Niederschlag sich so gut als möglich

absetzen, giesst die fast klare Flüssigkeit durch das Filter, rührt den

Niederschlag mit der zum Auswaschen bestimmten Flüssigkeit auf, erhitzt

damit wohl auch in geeigneten Fällen zum Sieden, lässt wieder absitzen

und wiederholt dies, bis der Niederschlag fast ganz ausgewaschen ist.

Man bringt ihn jetzt erst aufs Filter und vollendet das Auswaschen

mit der Spritzflasche (vergl. §. 28). Diese Methode verdient häufiger

angewendet zu werden, als es gewöhnlich geschieht; nur mit ihrer Hülfe

lassen sich viele Niederschläge völlig auswaschen.

§. 32.

$Weitere Behandlung der Niederschläge.$

Ehe man nun zum Wägen der Niederschläge übergehen kann, hat man als

letzte Bedingung noch die zu erfüllen, sie in eine ihrer Zusammensetzung

nach völlig bekannte Form überzuführen. Es geschieht dies entweder

durch Glühen oder durch Trocknen. Das letztere ist umständlicher und

giebt leicht weniger genaue Resultate, als das erstere; daher man es

in der Regel nur bei Niederschlägen anwendet, die ohne vollständige

oder theilweise Verflüchtigung nicht geglüht werden können, und deren

im letzteren Falle restirende Rückstände keine einen Rückschluss

gestattende Zusammensetzung zeigen, -- so bestimmt man z. B.

Schwefelquecksilber, Schwefelblei und andere Schwefelmetalle durch

Trocknen, ferner Cyansilber, Kaliumplatinchlorid etc. Ist zwischen

Trocknen und Glühen der Niederschläge die Wahl gestattet, wie z. B.

bei schwefelsaurem Baryt, schwefelsaurem Bleioxyd und vielen anderen

Verbindungen, so zieht man das letztere dem ersteren fast immer vor.

§. 33.

aa. $Trocknen der Niederschläge.$

Wenn ein Niederschlag auf einem Filter gesammelt, ausgewaschen und

getrocknet worden ist, so hängen kleine Theile desselben dem Papiere

so fest an, dass sie nicht vollständig von demselben entfernt werden

können. Das Wägen getrockneter Niederschläge setzt demnach bei allen

genaueren Bestimmungen ein Mittrocknen und Mitwägen der Filtra

voraus. Man bediente sich früher häufig zum Aufsammeln zu trocknender

Niederschläge zweier gleich grosser, in einander liegender Filtra, nahm

nach dem Trocknen das äussere weg und legte es als Gegengewicht des

den Niederschlag enthaltenden auf die andere Wagschale. Man ging dabei

von der Voraussetzung aus, gleich grosse Filtra seien gleich schwer.

Diese Annahme darf jedoch bei genauen Analysen nicht gestattet werden,

denn jeder Versuch zeigt, dass 2 auf diese Art für gleich gerechnete

Filtra selbst bei geringem Durchmesser um 20, 30 oder mehr Milligramme

differiren. -- Zur Erlangung genauer Resultate muss dasselbe Filter,

in dem der Niederschlag gesammelt werden soll, vor dem Abfiltriren

getrocknet und gewogen werden. Die Temperatur, bei der es getrocknet

wird, muss jener gleich sein, welcher man später den Niederschlag

aussetzen will. Eine weitere Bedingung ist die, dass das Papier des

Filters keine Substanzen enthalten darf, welche von der zu filtrirenden

Flüssigkeit gelöst werden würden.

Das Trocknen geschieht je nach der erforderlichen Temperatur im Wasser-,

Luft- oder Oelbade, das Wägen immer in einem verschliessbaren Gefässe,

meistens zwischen zwei durch eine Klammer zusammengepressten Uhrgläsern

(§. 15) oder in einem Platintiegel. Ist das Filter dem Anscheine nach

trocken, so bringt man es zwischen die erwärmten Uhrgläser, oder in den

erwärmten Tiegel, lässt unter einer Glocke neben Schwefelsäure erkalten,

wägt, setzt die Uhrgläser oder den Tiegel mit dem Filter nochmals eine

Zeit lang der Trockenhitze aus und wägt nach dem Erkalten wieder.

Ist das Gewicht constant geblieben, so ist das Trocknen des Filters

beendigt. Man hat sich nichts weiter zu notiren, als das Gewicht der

durch die Klammer gehaltenen Uhrgläser oder des Tiegels und des trocknen

Filters zusammen.

Nach dem Auswaschen des Niederschlages und nachdem das Waschwasser

möglichst abgetropft ist, nimmt man das Filter mit dem Niederschlage vom

Trichter, legt es zusammengefaltet auf Fliesspapier, lässt es vor Staub

geschützt an einem mässig warmen Orte ziemlich trocken werden, bringt

es zuletzt in eins der anfangs mitgewogenen Uhrgläser oder den nicht

bedeckten Platintiegel und trocknet es bei der geeigneten Temperatur

im Wasser-, Luft- oder Oelbade. Hält man das Trocknen für beendigt, so

legt man das zweite Uhrglas oder den Deckel des Tiegels auf, schiebt bei

Anwendung von Uhrgläsern die Klammer darüber, lässt unter dem Exsiccator

erkalten und wägt. Man setzt alsdann das Filter mit dem Niederschlage

aufs Neue der zum Trocknen bestimmten Temperatur aus und beendigt

den Versuch erst, wenn die beiden Wägungen ganz genau, oder bis auf

wenige Decimilligramme übereinstimmen. -- Zieht man von dem gefundenen

Gesammtgewichte das oben notirte ab, so bleibt das des getrockneten

Niederschlages.

Füllt der Niederschlag das Filter ziemlich an, hält er viel Wasser

zurück, oder ist das Papier sehr dünn, so dass man das Abnehmen des

Filters vom Trichter nicht ohne Gefahr, ersteres zu zerreissen,

bewerkstelligen kann, so lässt man es in dem Trichter fast trocken

werden, indem man denselben, mit Fliesspapier zugedreht, in einem

zerbrochenen Becherglase (Fig. 34) oder dergleichen auf das Sandbad oder

den Ofen stellt. Sehr gut dienen zu diesem Zwecke unten und oben offene

Kegel von Weissblech. Die kleineren lasse ich 10 Cm., die grösseren 12

Cm. hoch anfertigen. Der untere Durchmesser beträgt 7-8, der obere 4-6

Cm. (Fig. 35).

[Illustration: Fig. 34.]

[Illustration: Fig. 35.]

§. 34.

bb. $Glühen der Niederschläge.$

Es war in früheren Zeiten üblich, Niederschläge, deren Gewicht man nach

dem Glühen bestimmen wollte, mit dem Filter zu trocknen, alsdann in

einen Tiegel zu schütten, das Filter rein abzuschaben und den so von

letzterem getrennten Niederschlag zu glühen. Man gab auf diese Weise

die, trotz des Abschabens, am Papier immer noch haftenden Theilchen

verloren. Die Erfahrung hat gelehrt, dass man genauere Resultate erhält,

wenn man das Filter beim Glühen des Niederschlages verbrennen lässt und

das Gewicht der Filterasche in Rechnung bringt.

Wenn man, dem in §. 28 gegebenen Rathe folgend, immer Filtra von

derselben Grösse verwendet, so hat man, so lange man dasselbe Papier

benutzt, nur einmal nothwendig, die Quantität der Asche für jede

Filtergrösse zu bestimmen. Man nimmt zu dem Behufe 10 Filtra (oder ein

gleiches Gewicht von Abfällen desselben Papiers) und lässt sie in einem

schief zu stellenden Platintiegel oder in einer Platinschale verbrennen,

glüht bis jede Spur Kohle verbrannt ist, bestimmt die Menge der Asche

und findet so, indem man das erhaltene Gewicht mit 10 dividirt, die

Aschenquantität, welche ein Filter durchschnittlich hinterlässt, mit

hinreichender Genauigkeit.

Bei dem Glühen der Niederschläge selbst hat man folgende Punkte

besonders zu beachten:

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 67 / 749 题