III. $Allgemeines Verfahren bei quantitativen Analysen.$

§. 16.

Wenn man eine allgemeine analytische Methode mit einiger Schärfe

aufstellen will, so muss der Kreis der Körper, für welche sie passend

sein soll, ein wenigstens in seinen äusseren Umrissen begrenzter sein;

denn wenn man einen Weg machen will, so muss man die Punkte kennen, die

er berühren soll. Um uns in dieser Hinsicht sicher zu stellen, schicken

wir voraus, dass wir bei Aufstellung des jetzt folgenden allgemeinen

analytischen Verfahrens nur die Trennung und Gewichtsbestimmung der

Metalle und ihrer Verbindungen mit Metalloiden, ferner der Säuren

und salzartigen Verbindungen unorganischer Natur im Auge haben. Für

andere Verbindungen lässt sich nicht gut eine allgemein gültige Methode

entwerfen, man müsste denn das anführen wollen, dass ihre Bestandtheile

in der Regel erst in Säuren oder Basen verwandelt werden müssen, ehe

man zu ihrer Trennung und Gewichtsbestimmung übergehen kann, so bei

Schwefelphosphor, Chlorschwefel, Chlorjod, Schwefelstickstoff etc.

Von den zu untersuchenden Substanzen wird vorausgesetzt, dass sie

ihren Eigenschaften nach und nach der Qualität ihrer Bestandtheile

genau bekannt sind. Aus diesen Daten lässt sich alsdann ersehen, ob

die Bestimmung aller Bestandteile auf directe Weise nothwendig ist,

ob dieselbe in einer und derselben Menge der Substanz vorgenommen

werden kann, oder ob es zweckmässiger ist, zur Bestimmung der einzelnen

Bestandtheile verschiedene Quantitäten der Substanz in Arbeit zu

nehmen. Man hat z. B. ein Gemenge von Chlornatrium und wasserfreiem

schwefelsauren Natron; das Verhältniss, in dem sie gemengt sind, soll

gefunden werden. Es wäre hier gewiss überflüssig, jeden einzelnen

Bestandtheil direct zu bestimmen, eine einfache Betrachtung zeigt uns,

dass die Kenntniss der Chlor- oder Schwefelsäure-Menge schon hinreicht,

die gestellte Frage zu beantworten, -- sie lehrt uns ferner, dass,

sofern wir Chlor und Schwefelsäure bestimmen, wir sogar eine untrügliche

Controle für die Richtigkeit der Analyse haben, indem beide sammt den

ihnen äquivalenten Mengen Natrium und Natron, zusammen gleich sein

müssen dem Gewichte der genommenen Mischung.

Diese Bestimmungen könnte man nun entweder mit einer und derselben

Menge Substanz ausführen, indem man zuerst die Schwefelsäure mit

salpetersaurem Baryt, dann im Filtrat die Salzsäure durch Silberlösung

fällte, oder man könnte zu jeder der Bestimmungen eine besondere

Quantität des Gemenges verwenden. -- Hat man keinen Mangel an Substanz,

so ist die letztere Verfahrungsweise, im Falle man mit völlig homogenen

Substanzen zu thun hat, und sofern sie überhaupt angeht, bequemer und

meist auch von genauerem Resultat, weil man bei der ersteren durch das

bei Trennungen unvermeidliche Auswaschen immer so beträchtliche Mengen

Flüssigkeit erhält, dass die Analyse dadurch verzögert und ein Verlust

weniger leicht vermieden wird.

Wir gehen jetzt zu den einzelnen immer oder meist bei der eigentlichen

Analyse vorkommenden Operationen über.

§. 17.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 63 / 749 题