2. $Die mechanische Zertheilung.$

Um einen Körper zur Analyse vorzubereiten, um ihn der Einwirkung von

Lösungs- oder Aufschliessungsmitteln zugänglich zu machen, ist in der

Regel die erste und wesentlichste Bedingung, denselben in einen Zustand

feiner Zertheilung überzuführen. Indem man hierdurch dem Lösungsmittel

viele Berührungspunkte bietet und den hindernden Einfluss der

Cohäsionskraft nach Möglichkeit beseitigt, erfüllt man alle Bedingungen,

welche erfordert werden, wenn eine Lösung vollständig und schnell zu

Stande kommen soll.

Je nach der Natur der Körper sind die Mittel verschieden, deren man sich

bedient, um den genannten Zweck zu erreichen. In vielen Fällen genügt

es, die Substanzen zu zerstossen oder zu zerreiben, in anderen hingegen

ist es erforderlich, das durch Reiben erhaltene Pulver durch Beuteln

oder Schlämmen auf den höchsten Grad der Feinheit zu bringen.

Das Stossen und Reiben geschieht in Mörsern oder Reibschalen. Als

erste Regel ist dabei festzuhalten, dass das Material des Mörsers oder

der Reibschale weit härter sein muss, als die zu pulvernde Substanz,

damit letztere nicht, oder zum mindesten so wenig als möglich, mit

Bestandtheilen jener verunreinigt werde. So kann man sich zum Zerreiben

von Salzen, überhaupt von weniger harten Körpern, der Reibschalen von

Porzellan bedienen, zum Pulvern härterer Substanzen aber (zum Zerreiben

der meisten Mineralien) sind Reibschalen von Achat, Chalcedon oder

Feuerstein unentbehrlich. Man zerschlägt alsdann in der Regel die

grösseren Stücke zuerst, mehrfach in Schreibpapier eingewickelt, auf

einer Stahl- oder auch Eisenplatte mittelst eines Hammers, und reibt

alsdann das gröbere Pulver in kleinen Portionen in dem Achatmörser, bis

es in ein unfühlbares Pulver verwandelt ist.

Bei Mineralien, von denen man nur wenig hat, überhaupt wenn Verlust

vermieden werden soll, bedient man sich zum Zerstossen eines

Stahlmörsers. Fig. 8 _ab_ und _cd_ sind die zwei leicht auseinander zu

nehmenden Theile des Mörsers. Die zu zerstossende, wo möglich schon in

kleine Stückchen zerschlagene Substanz bringt man in die cylindrische

Höhlung des letzteren _ef_. Als Pistill dient der in die Höhlung

passende Stahlcylinder _fg_. Bei der Operation stellt man den Mörser auf

eine feste Unterlage und führt mit einem Hammer wiederholt senkrechte

Schläge auf das Pistill, bis der Zweck erreicht ist.

[Illustration: Fig. 8.]

Sehr schwer zerstossbare Mineralien können, wenn sie in der Glühhitze

keinen wesentlichen Bestandtheil verlieren und an Wasser nichts abgeben,

dadurch zum Zerkleinern vorbereitet werden, dass man sie zum heftigen

Glühen erhitzt, dann plötzlich in kaltem Wasser abkühlt und endlich

nochmals glüht.

Bei dem Ankauf von Achatmörsern sehe man darauf, dass sie keine

fühlbaren Sprünge oder Vertiefungen haben. Geringe, unfühlbare Sprünge

machen die Reibschalen zwar weniger dauerhaft, im Uebrigen aber nicht

unbrauchbar.

In Säuren unlösliche Mineralien, welche auf trockenem Wege

aufgeschlossen werden sollen, müssen, wenn man auf vollständige

Zersetzung rechnen will, besonders fein zertheilt werden. Es ist dies

durch Abreiben mit Wasser, Schlämmen oder Beuteln zu erreichen. Die

beiden letzten Operationen sind nur bei vollkommen gleichförmigen

Substanzen zu empfehlen.

Das $Abreiben mit Wasser$ geschieht, indem man zu dem in der Reibschale

befindlichen Pulver etwas Wasser setzt und die breiartige Masse so lange

reibt, bis kein Laut mehr hörbar ist. Schneller erreicht man dieses

Ziel, wenn man die letztere Operation nicht im Mörser, sondern auf einer

Achat-, Feuerstein- oder Porphyr-Platte vornimmt und mit einem Läufer

reibt. Man spült alsdann mit der Spritzflasche in eine halbkugelförmige

glatte Porzellanschale, verdunstet das Wasser im Wasserbad und mischt

den Rückstand aufs Sorgfältigste mit dem Pistill. (Man kann auch die

breiartige Masse im Achatmörser eintrocknen lassen, doch muss dies bei

ganz gelinder Wärme geschehen, weil derselbe sonst springen kann.)

Zum Behufe des $Schlämmens$ spült man die mit Wasser aufs Feinste

abgeriebene breiige Masse in ein Becherglas, rührt mit destillirtem

Wasser an, lässt etwa eine Minute ruhig stehen und giesst alsdann die

trübe Flüssigkeit von dem die gröberen Theile enthaltenden Bodensatze

in ein zweites Becherglas ab. Der letztere wird wiederum gerieben, von

Neuem geschlämmt u. s. w. Die trübe Flüssigkeit lässt man stehen, bis

das suspendirte Pulver sich zu Boden gesetzt hat, was meist erst nach

vielen Stunden der Fall ist, giesst das Wasser ab und trocknet das

Pulver in dem Becherglas.

Das $Beuteln$ wendet man statt des Schlämmens bei Substanzen an, welche

durch Wasser verändert (theilweise gelöst) werden. Man bindet das

möglichst fein geriebene Pulver in ein Säckchen von dichter Leinwand

und beutelt, zerreibt den im Beutel bleibenden Theil aufs Neue, beutelt

wieder u. s. f.

Würde man das Schlämmen oder Beuteln bei aus verschiedenen Gemengtheilen

bestehenden Substanzen anwenden, so entstünde ein sehr bedeutender

Fehler, wenn man das beim ersten Schlämmen oder Beuteln erhaltene

Pulver zur Analyse verwendete, weil dies die leichter zerreiblichen

Gemengtheile im Vergleich mit den schwieriger pulverisirbaren in weit

grösserem Verhältniss enthält, als die ursprüngliche Substanz. Da

nun beim Schlämmen und Beuteln ein Verlust an Substanz nur schwer zu

vermeiden ist und dieser sich leicht ungleichmässig auf die verschieden

feinen Partien vertheilt, so ziehe ich es vor, solchen Substanzen nur

durch lange fortgesetztes trockenes oder nasses Abreiben die nöthige

Feinheit zu geben.

Wenn es sich darum handelt, den mittleren Gehalt eines nicht völlig

gleichförmigen Körpers, also z. B. eines Eisenerzes etc. zu ermitteln,

so verwandelt man zuerst eine grössere, den mittleren Durchschnitt

darstellende Portion in gröbliches Pulver, mengt dies gleichförmig, und

verwandelt alsdann einen Theil des gröblichen Pulvers in feines. Zum

Zerschlagen und gröblichen Pulvern grösserer Erzproben etc. empfiehlt

sich am meisten ein Stahlambos. -- Der, welcher in meinem Laboratorium

gebraucht wird, besteht aus einer 85 Centimeter hohen, 26 Centimeter

im Durchmesser haltenden Holzsäule, in welche eine Stahlplatte von 20

Centimeter Durchmesser und 3 Centimeter Dicke zur Hälfte eingelassen

ist. Um dieselbe wird ein Messingring von 5 Centimeter Höhe gesetzt.

Der gut verstählte Hammer hat an der Schlagfläche 5 Centimeter

Durchmesser. Ein solcher Ambos empfiehlt sich namentlich dadurch, dass

die Stahlflächen sehr leicht blank gescheuert werden können.

§. 15.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 61 / 749 题