Um einen Körper zur Analyse vorzubereiten, um ihn der Einwirkung von
Lösungs- oder Aufschliessungsmitteln zugänglich zu machen, ist in der
Regel die erste und wesentlichste Bedingung, denselben in einen Zustand
feiner Zertheilung überzuführen. Indem man hierdurch dem Lösungsmittel
viele Berührungspunkte bietet und den hindernden Einfluss der
Cohäsionskraft nach Möglichkeit beseitigt, erfüllt man alle Bedingungen,
welche erfordert werden, wenn eine Lösung vollständig und schnell zu
Stande kommen soll.
Je nach der Natur der Körper sind die Mittel verschieden, deren man sich
bedient, um den genannten Zweck zu erreichen. In vielen Fällen genügt
es, die Substanzen zu zerstossen oder zu zerreiben, in anderen hingegen
ist es erforderlich, das durch Reiben erhaltene Pulver durch Beuteln
oder Schlämmen auf den höchsten Grad der Feinheit zu bringen.
Das Stossen und Reiben geschieht in Mörsern oder Reibschalen. Als
erste Regel ist dabei festzuhalten, dass das Material des Mörsers oder
der Reibschale weit härter sein muss, als die zu pulvernde Substanz,
damit letztere nicht, oder zum mindesten so wenig als möglich, mit
Bestandtheilen jener verunreinigt werde. So kann man sich zum Zerreiben
von Salzen, überhaupt von weniger harten Körpern, der Reibschalen von
Porzellan bedienen, zum Pulvern härterer Substanzen aber (zum Zerreiben
der meisten Mineralien) sind Reibschalen von Achat, Chalcedon oder
Feuerstein unentbehrlich. Man zerschlägt alsdann in der Regel die
grösseren Stücke zuerst, mehrfach in Schreibpapier eingewickelt, auf
einer Stahl- oder auch Eisenplatte mittelst eines Hammers, und reibt
alsdann das gröbere Pulver in kleinen Portionen in dem Achatmörser, bis
es in ein unfühlbares Pulver verwandelt ist.
Bei Mineralien, von denen man nur wenig hat, überhaupt wenn Verlust
vermieden werden soll, bedient man sich zum Zerstossen eines
Stahlmörsers. Fig. 8 _ab_ und _cd_ sind die zwei leicht auseinander zu
nehmenden Theile des Mörsers. Die zu zerstossende, wo möglich schon in
kleine Stückchen zerschlagene Substanz bringt man in die cylindrische
Höhlung des letzteren _ef_. Als Pistill dient der in die Höhlung
passende Stahlcylinder _fg_. Bei der Operation stellt man den Mörser auf
eine feste Unterlage und führt mit einem Hammer wiederholt senkrechte
Schläge auf das Pistill, bis der Zweck erreicht ist.
[Illustration: Fig. 8.]
Sehr schwer zerstossbare Mineralien können, wenn sie in der Glühhitze
keinen wesentlichen Bestandtheil verlieren und an Wasser nichts abgeben,
dadurch zum Zerkleinern vorbereitet werden, dass man sie zum heftigen
Glühen erhitzt, dann plötzlich in kaltem Wasser abkühlt und endlich
nochmals glüht.
Bei dem Ankauf von Achatmörsern sehe man darauf, dass sie keine
fühlbaren Sprünge oder Vertiefungen haben. Geringe, unfühlbare Sprünge
machen die Reibschalen zwar weniger dauerhaft, im Uebrigen aber nicht
unbrauchbar.
In Säuren unlösliche Mineralien, welche auf trockenem Wege
aufgeschlossen werden sollen, müssen, wenn man auf vollständige
Zersetzung rechnen will, besonders fein zertheilt werden. Es ist dies
durch Abreiben mit Wasser, Schlämmen oder Beuteln zu erreichen. Die
beiden letzten Operationen sind nur bei vollkommen gleichförmigen
Substanzen zu empfehlen.
Das $Abreiben mit Wasser$ geschieht, indem man zu dem in der Reibschale
befindlichen Pulver etwas Wasser setzt und die breiartige Masse so lange
reibt, bis kein Laut mehr hörbar ist. Schneller erreicht man dieses
Ziel, wenn man die letztere Operation nicht im Mörser, sondern auf einer
Achat-, Feuerstein- oder Porphyr-Platte vornimmt und mit einem Läufer
reibt. Man spült alsdann mit der Spritzflasche in eine halbkugelförmige
glatte Porzellanschale, verdunstet das Wasser im Wasserbad und mischt
den Rückstand aufs Sorgfältigste mit dem Pistill. (Man kann auch die
breiartige Masse im Achatmörser eintrocknen lassen, doch muss dies bei
ganz gelinder Wärme geschehen, weil derselbe sonst springen kann.)
Zum Behufe des $Schlämmens$ spült man die mit Wasser aufs Feinste
abgeriebene breiige Masse in ein Becherglas, rührt mit destillirtem
Wasser an, lässt etwa eine Minute ruhig stehen und giesst alsdann die
trübe Flüssigkeit von dem die gröberen Theile enthaltenden Bodensatze
in ein zweites Becherglas ab. Der letztere wird wiederum gerieben, von
Neuem geschlämmt u. s. w. Die trübe Flüssigkeit lässt man stehen, bis
das suspendirte Pulver sich zu Boden gesetzt hat, was meist erst nach
vielen Stunden der Fall ist, giesst das Wasser ab und trocknet das
Pulver in dem Becherglas.
Das $Beuteln$ wendet man statt des Schlämmens bei Substanzen an, welche
durch Wasser verändert (theilweise gelöst) werden. Man bindet das
möglichst fein geriebene Pulver in ein Säckchen von dichter Leinwand
und beutelt, zerreibt den im Beutel bleibenden Theil aufs Neue, beutelt
wieder u. s. f.
Würde man das Schlämmen oder Beuteln bei aus verschiedenen Gemengtheilen
bestehenden Substanzen anwenden, so entstünde ein sehr bedeutender
Fehler, wenn man das beim ersten Schlämmen oder Beuteln erhaltene
Pulver zur Analyse verwendete, weil dies die leichter zerreiblichen
Gemengtheile im Vergleich mit den schwieriger pulverisirbaren in weit
grösserem Verhältniss enthält, als die ursprüngliche Substanz. Da
nun beim Schlämmen und Beuteln ein Verlust an Substanz nur schwer zu
vermeiden ist und dieser sich leicht ungleichmässig auf die verschieden
feinen Partien vertheilt, so ziehe ich es vor, solchen Substanzen nur
durch lange fortgesetztes trockenes oder nasses Abreiben die nöthige
Feinheit zu geben.
Wenn es sich darum handelt, den mittleren Gehalt eines nicht völlig
gleichförmigen Körpers, also z. B. eines Eisenerzes etc. zu ermitteln,
so verwandelt man zuerst eine grössere, den mittleren Durchschnitt
darstellende Portion in gröbliches Pulver, mengt dies gleichförmig, und
verwandelt alsdann einen Theil des gröblichen Pulvers in feines. Zum
Zerschlagen und gröblichen Pulvern grösserer Erzproben etc. empfiehlt
sich am meisten ein Stahlambos. -- Der, welcher in meinem Laboratorium
gebraucht wird, besteht aus einer 85 Centimeter hohen, 26 Centimeter
im Durchmesser haltenden Holzsäule, in welche eine Stahlplatte von 20
Centimeter Durchmesser und 3 Centimeter Dicke zur Hälfte eingelassen
ist. Um dieselbe wird ein Messingring von 5 Centimeter Höhe gesetzt.
Der gut verstählte Hammer hat an der Schlagfläche 5 Centimeter
Durchmesser. Ein solcher Ambos empfiehlt sich namentlich dadurch, dass
die Stahlflächen sehr leicht blank gescheuert werden können.
§. 15.