Alles spricht dafür, daß der rote Fleck nur der Widerschein von

Vorgängen ist, die in größerer Tiefe stattfinden. Die Geschwindigkeit

seiner Umschwungsbewegung ist deshalb auch wesentlich geringer als die

seiner Umgebung in diesen äquatorialen Breiten. Der Fleck bleibt gegen

die Rotationsrichtung zurück, er hat eine rückläufige Bewegung auf der

sichtbaren Jupiteroberfläche.

Was mag wohl auf dem Planeten geschehen sein, als sich dieser rote

Fleck bildete? Wenn sich auf der Erde unter einer undurchdringlichen

Wolkendecke eine ausgedehnte vulkanische Spalte öffnete und Lavaströme

über weite Ländergebiete ergösse, wie es in der Tertiärzeit z. B.

von der gewaltigen Kette der Anden aus geschehen ist, so würden

außerirdische Beobachter eine ganz ähnliche Erscheinung an unserm

Erdsterne wahrnehmen. Ist solches auch dort geschehen? Wer könnte das

mit Sicherheit bejahen? Schwierigkeiten bereitet hierbei der geringe

Dichtegrad der Jupitermasse, der kaum eine feste Oberflächenkruste

voraussetzen läßt, aus der solche Eruptionen hervorgehen

könnten. Gewisse neuere Betrachtungen über den Erstarrungsprozeß

weltkörpergroßer Massen machen es indes doch wahrscheinlich, daß in

gewisser Tiefe sich eine feste Kruste bilden muß, unter der wieder

ein flüssiger und selbst gasförmiger Kern vorhanden ist. In einem

solchen Stadium könnte sich wohl Jupiter gegenwärtig befinden, und

es mag sich, wie man es auch in Urzeiten bei der Erde annimmt, eine

Scholle von kontinentaler Ausdehnung über einer sonst schon im

Erkalten und Erlöschen begriffenen Oberfläche zu neuer Glut entfacht

haben, vielleicht infolge des Absturzes eines größeren Körpers aus

dem Weltraume. Wir könnten etwa an einen kleinen Planeten denken,

den Jupiter sich aus der Schar der in seiner Nähe kreisenden

herausgegriffen hätte, um ihn als Mond dauernd an sein Reich zu

fesseln, und der dann durch besondere Störungen, etwa von einem

seiner größeren Monde, zu diesem Sturz in den Jupiter gezwungen

wäre. Jedenfalls will es mir scheinen, daß die Größe und Dauer der

Erscheinung fast zwingend auf ein kosmisches Ereignis hindeuten.

Diese Betrachtungen führen uns zu der Welt der _Monde_ hinüber, die

der große Planet um sich versammelt hat. Es sind heute acht oder neun

bekannt, die, in den verschiedensten Größen und Entfernungen ihn

umkreisend, den beobachtenden wie den theoretischen Astronomen eine der

interessantesten Mannigfaltigkeiten darbieten.

Da sind zunächst die vier sogenannten »alten« Monde, die _Galilei_

1610, also nun vor gerade dreihundert Jahren, sogleich entdeckte,

als er als erster das neuerfundene Fernrohr zum Himmel richtete. Sie

sind schon in jedem Opernglase zu erkennen, und Leute mit besonders

scharfem Auge haben sie sogar ohne optische Hilfsmittel unterscheiden

können. Dies wäre überhaupt sehr leicht, wenn nicht der strahlende

Jupiter sich in zu großer Nähe befände. Nicht immer aber sind alle

vier zugleich sichtbar, ja, es kann vorkommen, daß sich keiner von

ihnen neben der leuchtenden Scheibe seines Hauptplaneten sichtbar

zeigt. Im interessanten Wechselspiel ihrer Stellungen kann der eine

hinter den Jupiter, ein anderer vor seine Scheibe, andere wieder in

seinen Schattenkegel getreten und dadurch für uns verfinstert sein,

ganz ebenso, wie es gelegentlich mit unsrem Monde geschieht. Die

Mannigfaltigkeit der Erscheinungen wird noch durch die oft beobachteten

Vorübergänge der Schatten der Monde über die Jupiterscheibe erhöht,

so daß zur Zeit, da Jupiter für die Beobachtung günstig steht, kaum

ein Tag vergeht, an dem nicht wenigstens eines jener interessanten

Phänomene dieser Monde zu beobachten ist. So konnte man zum Beispiel

am 13./14. März 1909 nacheinander an allen vier Monden eine dieser

Erscheinungen beobachten, freilich nicht an ein und demselben Orte der

Erde zugleich, weil Jupiter nicht immer zu den entsprechenden Zeiten

für einen bestimmten Ort über dem Horizonte stand. Den Reigen begann

der Schatten des III. Mondes, der um 1 Uhr 15 Minuten nachmittags nach

Mitteleuropäischer Zeit (~MEZ~) wieder aus der Scheibe des Jupiter

trat, über die er tags zuvor gezogen war. Diese Schattenübergänge

finden immer von Osten nach Westen statt. Die Monde bewegen sich in

derselben Richtung um Jupiter, wie dieser und alle andern Planeten

um die Sonne, von Westen nach Osten. Wenn aber die Monde oder ihre

Schatten vor der Planetenscheibe vorübergehen, sind sie uns näher als

der Planet, wir sehen gewissermaßen von unten auf das System. Die Monde

ziehen hier für uns von Osten nach Westen, und nur, wenn sie hinter

Jupiter vorübergehen, verfolgen sie die andere Richtung. Um 5 Uhr 50

Minuten trat der IV. Mond, von Osten kommend, vor die Scheibe. Um 8

Uhr 40 folgte ihm sein Schatten, der sich als kleine, schwarze Scheibe

in den östlichen Planetenrand schob. Um 9 Uhr 51 Minuten trat der Mond

selbst, um 12 Uhr 56 sein Schatten wieder auf der Westseite aus der

Planetenscheibe. Um 4 Uhr 25 nachts sah man den I. Mond hinter dem

Jupiter verschwinden, und zwar auf der Westseite. Um 7 Uhr 0 Minuten

20 Sekunden erschien dann nahe dem Ostrande, doch schon etwas von ihm

entfernt, der Mond plötzlich wieder. Als er hinter Jupiter hervorkam,

war er in seinen Schatten gehüllt, aus dem er jetzt, ziemlich,

doch nicht ganz plötzlich am freien Himmel neben Jupiter wieder

aufleuchtete. 13 Minuten nach Mittag, also schon am nächsten Tage,

verschwand schließlich der II. Mond hinter dem Planeten. Derartig setzt

sich das Spiel beständig fort.

In besseren Fernrohren kann man deutlich unterscheiden, daß diese

vier Monde kleine Scheiben besitzen, daß sie keine durchmesserlosen

Lichtpunkte sind, wie die Fixsterne. Sehr deutlich erscheinen

die Schatten auf dem Planeten, wo also jeweilig ein Mond eine

Sonnenfinsternis erzeugt, als schwarze Scheiben, wenn man etwa

200- bis 300fache Vergrößerung anwenden kann. Schwieriger sind die

Vorübergänge der Monde selbst vor der Planetenscheibe zu beobachten.

Wenn Mond und Planet die gleiche Albedo hätten, so müßte der Satellit

ja dabei ganz verschwinden. Nun ist aber der Rand der Jupiterscheibe

immer beträchtlich dunkler als die mittleren Partien, was von der

Absorption des Lichtes in der Atmosphäre des Planeten herrührt. Man

erkennt deshalb die Monde häufig noch deutlich als helle Scheibchen,

wenn sie am Rande eintreten. Sie verschwinden dann aber meist bald,

um am andern Rande vor dem Austritt wieder sichtbar zu werden. Kann

man sich dies aus den vorliegenden Verhältnissen erklären, so treten

bei diesen Übergängen doch gelegentlich seltene Abweichungen auf, die

zum Teil noch der Erklärung bedürfen oder doch nur zu verstehen sind,

wenn man diesen Monden eine wechselnde Wolkenbedeckung zuspricht,

die, namentlich beim ersten Monde, einen ähnlichen äquatorialen,

helleren Gürtel aufweist, wie Jupiter selbst. Dieser Satellit ist

nämlich wiederholt doppelt gesehen worden, und zwar als doppelter,

dunkler Punkt auf dem hellen Äquatorstreifen Jupiters und hell als

Streifen, also nicht rund, auf einer dunkeln Region des Planeten.

Nimmt man an, daß der Mond zwei dunkle Polarhauben besitzt, die von

einem hellen Gürtel getrennt sind, so kann es kommen, daß der helle

Streifen sich auf dem hellen Grunde des Planeten verliert. Die beiden

dunkeln Polhauben erscheinen dann, von dem Glanze der Jupiteroberfläche

für unser Auge durch Überstrahlung scheinbar abgerundet, als zwei

getrennte, dunkle Körper. Umgekehrt können auf einem dunkleren Grunde

die Polarhauben des Mondes gänzlich verschwinden, und es bleibt bloß

der helle Äquatorstreifen übrig. Dies sind aber alles Erscheinungen,

die nur unter günstigen Bedingungen mit den besten Fernrohren

wahrgenommen werden können. Hier war es von Interesse, davon zu

sprechen, weil sie eine Wahrscheinlichkeit dafür bedeuten, daß die

großen Satelliten des Jupiter von merklichen Atmosphären umgeben sind.

_Barnard_ (am großen Lickrefraktor) und andere haben auf den Satelliten

gelegentlich Einzelheiten wahrgenommen, die eine gewisse Konstanz zu

haben scheinen. Nichts spricht jedenfalls dagegen, daß man es in ihnen

mit wohlorganisierten Welten zu tun hat, die die alternde Sonne, ihren

Hauptplaneten, ihrerseits noch planetenartig umkreisen, indem sie von

ihr wohl auch noch merkliche Mengen von Wärme zugestrahlt erhalten.

Es sind ja auch recht große Körper, von denen der größte, der sogen.

III. (Abb. 20), mit einem Durchmesser von 5720 ~km~ (nach Barnard)

den des kleinsten unter den Planeten, Merkur, um nahezu 1000 ~km~

übertrifft. Auch der VI. Mond ist mit 5380 ~km~ noch merklich größer

als Merkur. Dann folgt der Größe nach der I. Mond mit 3950 ~km~; der

II., kleinste unter diesen vier Hauptkörpern des sekundären Weltsystems

des Jupiter, mißt immer noch 3300 ~km~. Wir haben also ganz respektable

Welten vor uns.

[Illustration: Abb. 20. Zeichnung des III. Jupitermondes.]

Eigentümliche _Lichtschwankungen_, die man an diesen Monden

wahrgenommen hat, und die periodisch mit ihrer Stellung zu uns

stattfinden, lassen kaum einen Zweifel darüber, daß ihre Oberflächen

topographische Verschiedenheiten aufweisen, und daß zugleich immer

dieselbe Seite ihrer Oberfläche dem Jupiter zugewandt ist, wie es

zwischen der Erde und ihrem Monde stattfindet. Auch theoretisch läßt

sich die Notwendigkeit dieser Sachlage nachweisen.

Verfolgen wir die Bewegungen dieser Monde um den Jupiter etwas näher,

so erkennen wir, daß sie alle in nahezu derselben Ebene stattfinden,

wie die der Ekliptik, in der sich die Planeten um die Sonne bewegen.

Deshalb stehen die Monde auch für unsern Anblick häufig nahezu in einer

geraden Linie angeordnet, und sie müssen, mit Ausnahme des IV. Mondes,

der zuweilen über oder unter dem Planeten vorbeiläuft, bei jedem

ihrer Umläufe vor und hinter den Planeten treten. Ihre Umlaufszeiten

selbst betragen in abgerundeten Zahlen 1 Tag 18½ Stunden, 3 Tage 13

Stunden, 7 Tage 4 Stunden und 16 Tage 16½ Stunden. Die Abweichung ihrer

Bahnebenen gegen die Ekliptik liegt bei rund 2°, und sie bewegen sich

in fast genauen Kreisbahnen um ihren Hauptplaneten. Ihre Abstände von

ihm betragen 420000, 670000, 1067000 und 1877000 ~km~. Der nächste von

diesen Monden ist also vom Zentrum seines sekundären Systems schon

etwas weiter entfernt als unser Mond von der Erde.

Zu diesen vier großen, seit 1610 bekannten Monden kam nun zunächst

noch ein von _Barnard_ auf der Licksternwarte 1892 entdeckter recht

kleiner Mond, der den Jupiter in einer noch engeren Bahn als der

vorher bekannte I. umkreist. Der kleine Körper, der nach seiner

geringen Lichtstärke als Sternchen 13. Größe nur einen Durchmesser

von etwa 160 ~km~ haben kann, bleibt nur etwa 1¼ Durchmesser des

Planeten oder 180000 ~km~ von seinem Zentrum oder etwa 107000 ~km~ von

seiner Oberfläche entfernt und umkreist ihn, so nahe dem mächtigen

Kraftzentrum, bereits in 11 Stunden 57 Minuten und 23 Sekunden, so

daß also seine Bewegung nicht viel hinter der eines Punktes des

Jupiteräquators zurückbleibt. Seine Bahnneigung und Exzentrizität sind

wie die der großen Monde gering.

Nach der Entdeckung dieses neuen Mondes kamen die Astronomen wegen

seiner Benennung in einige Verlegenheit. Für die vier großen Monde

hatten sich keine Namen einbürgern wollen. Die vorgeschlagenen Namen,

Jo, Europa, Ganymedes, Kallisto, sind niemals ernstlich benutzt worden.

Man begnügte sich damit, die Monde mit römischen Ziffern, als I., II.,

III. und IV. Mond zu bezeichnen. Nun war aber ein Mond, der vor den

I. gehörte, dazu gekommen. Es blieb schließlich nichts übrig als ihm

trotzdem die römische Ziffer V zu lassen, womit er seitdem allgemein

benannt wird.

Die Zahlenunordnung wurde aber noch größer, als noch weitere Monde,

nunmehr jenseits des IV., entdeckt wurden, die nun als VI., VII., VIII.

Mond bezeichnet werden müssen, so daß die Reihenfolge V., I., II.,

III., IV., VI., VII. und so weiter ist.

Der VI. Mond wurde auf photographischem Wege 1904 von _Perrine_ auf

der Licksternwarte entdeckt. Er bewegt sich bereits in so großer

Entfernung um den Jupiter, daß sein System dadurch um das Fünffache

seiner bis dahin bekannten Größe erweitert wurde. Sein Abstand beträgt

9700000 ~km~, seine Umlaufszeit 251 Tage.

Ganz in der Nähe dieses sehr kleinen Mondes umkreist noch ein anderer

den großen Planeten, der gleichfalls von _Perrine_ 1905 zuerst

photographiert wurde. Sein Abstand beträgt 11750000 ~km~, und seine

Umlaufszeit vollendet sich in 260 Tagen. Der VI. Mond mag 120 ~km~, der

VII. nur 50 ~km~ im Durchmesser halten. Beide haben eine starke Neigung

zur Ekliptik von 28 und 30 Grad und auch große Exzentrizitäten. Sie

weichen also in ihrem ganzen Wesen bedeutend von den übrigen Monden des

Systems ab.

Noch viel mehr ist dies bei dem Anfang 1908 von _Melotte_ auf der

Sternwarte zu Greenwich entdeckten VIII. Jupitermonde der Fall. Es

ist ein Sternchen 17. Größe, also selbst photographisch nur noch

sehr schwer zu erreichen. Sein Abstand vom Hauptplaneten ist nach

den letzten Bestimmungen von _Crawford_ und W. F. _Meyer_ 0,1713

astronomische Einheiten, also fast gleich dem halben Abstande des

Merkur von der Sonne, das sind 2560000 ~km~ oder das 2–3fache der

Entfernung des VI. und VII. Mondes. Die Umlaufszeit beträgt 2,3 Jahre.

Das Merkwürdigste aber an diesem Monde ist, daß er sich in umgekehrter

Richtung um den Hauptkörper bewegt, wie alle übrigen Mitglieder des

Systems, eine Erscheinung, die wir im ganzen Sonnenreiche nur noch

bei einem Saturnsatelliten, dann den Monden des Uranus und dem des

Neptun wiederfinden, also ausschließlich in fernstehenden Gebieten

des Systems. Da sonst nur noch unter den Kometen Rückläufigkeit

vorkommt, so haben wir in diesem VIII. Jupitermonde eine Übergangsform

einerseits von Komet zum Trabanten, andererseits von einem kleinen

Planeten zu einem Monde vor uns, einen »eingefangenen« Körper, der,

wie theoretische Untersuchungen von _Kopp_ und andern ergeben haben,

überhaupt keine stabile Bahn besitzen, also auch wieder zu einem

kleinen Planeten werden kann, um alsbald das System des Jupiter wieder

zu verlassen und nur noch direkt um die Sonne zu laufen. Wir erinnern

uns hier der Betrachtungen, die wir bei Gelegenheit der jupiternahen

Planetoiden angestellt haben.

Sehr merkwürdig, aber der weiteren Aufklärung noch bedürftig ist die

Entdeckung eines vermutlichen IX. Jupitermondes von demselben _Melotte_

in Greenwich, der ähnlich wie der VI. und VII. Mond in nahezu der

gleichen Bahn mit dem VIII. zu laufen scheint, aber wesentlich heller

ist als dieser, nämlich 14. Größe. Die weitere Verfolgung muß es erst

noch herausstellen, ob hier nicht doch ein kleiner Planet vorliegt.

Dieses reiche System verlassend, treffen wir, weiter hinauswandernd,

auf ein noch interessanteres und vielseitigeres, das des

ringgeschmückten _Saturn_. Kein Anblick der Wunder des gestirnten

Himmels, selbst schon durch Fernrohre von geringer Kraft, mutet uns so

geheimnisvoll an, wie der dieses Planeten, der sich, wie ein Symbol der

Unendlichkeit, an deren Grenze er jahrtausendelang in der Erkenntnis

der Menschheit stand, mit einem ihn frei im leeren Raume umschwebenden,

breiten, leuchtenden Reif umgeben hat.

Saturn ist etwa 9,5 mal weiter von der Sonne entfernt wie wir und

umläuft sie in 29 Jahren und 167 Tagen. Die Neigung seiner Bahn gegen

die Ekliptik ist gering, 2½°, die Exzentrizität beträgt nur 0,056.

[Illustration: Abb. 21. Alte Saturnzeichnungen.]

Noch deutlicher wie beim Jupiter sieht man auf den ersten Blick,

daß die Saturnkugel stark abgeplattet ist, und zwar in der Richtung

senkrecht auf der Ebene der Ringe (denn sie stellen sich auch schon für

ein mittleres Fernrohr als mehrfach heraus). Die Ringe befinden sich

also in der Äquatorebene des Planeten. Die Kugel selbst mißt in dieser

Äquatorrichtung 123000 ~km~. Sie ist also nicht wesentlich kleiner

als Jupiter. In der Polarachse aber ist diese Abmessung um 10700 ~km~

kleiner. Nach andern Messungen ist der Unterschied noch größer, so

daß die Abplattung gleich 1/10 wird. In dieser im Durchmesser 9½mal

die Erde übertreffenden Weltkugel ist die Masse noch weniger dicht

verteilt wie in der des Jupiter. Sie ist nur noch 0,13 von der der

Erde und nur 0,7 von der des Wassers. Die gewöhnlichen Holzarten, zum

Beispiel etwa festes Tannenholz oder das Holz des Birnbaums, haben bei

gleichem Volumen die gleiche Schwere wie die durchschnittliche Masse

der Saturnkugel. Noch mehr wie für Jupiter müssen wir also für Saturn

annehmen, daß er noch keine eigentliche feste Oberfläche besitzt, und

eine dichte Wolkenhülle ständig seine Kugel umgibt.

[Illustration: Abb. 22. Ansichten der Saturnringe.]

Dies bestätigen auch die Einzelheiten, die man gelegentlich auf diesem

Planeten erkennt. Freilich sind diese längst nicht mehr so deutlich

zu unterscheiden wie beim Jupiter. Saturn ist ja an sich schon etwas

kleiner als sein Nachbar diesseits und dabei fast noch einmal so weit

von uns entfernt. Die scheinbare Scheibe des Planeten, immer ohne den

Ring, schwankt nur zwischen 15′′ und 21′′, ist also weniger als halb so

groß, wie die des Jupiter. Trotzdem sind Streifen, die wie bei jenem

parallel mit seinem Äquator die Kugel umziehen, immer sehr deutlich zu

erkennen, zuweilen auch, doch nur in besseren Fernrohren, hellere oder

dunklere Flecke, die sich dann nahezu so schnell wie beim Jupiter über

die Scheibe hinbewegen, woraus sich eine Umschwungszeit der Kugel von

nur 10 Stunden 14 Minuten ergibt. In allen diesen Eigenschaften zeigen

sich also zwischen Jupiter und Saturn Verwandtschaften, die sie von

den sonnennäheren Planeten unterscheiden, die dichter sind, eine weit

langsamere Bewegung um sich selbst und infolgedessen auch eine viel

geringere Abplattung besitzen. Dazu kommen die dichten Atmosphären,

die im Spektroskop eine verschiedene Zusammensetzung zeigen, wie die

der Erde, unter sich aber ähnlich sind. Beide Körper jenseits des

Asteroidenringes und auch die beiden folgenden, Uranus und Neptun, sind

wesentlich größer als die »inneren Planeten«, Merkur, Venus, Erde und

Mars, und haben mehr Monde um sich versammelt, (mit der Einschränkung

bei Neptun, der wohl nur zu weit von uns entfernt ist, als daß wir

seine kleineren Monde noch sehen könnten). Wir haben es also im

Asteroidenringe mit einer sehr merkwürdigen Grenzscheide zwischen zwei

wesentlich verschieden Typen von Weltkörpern zu tun.

[Illustration: Abb. 23 ~a~–~d~. Saturnbilder.]

Die _Ringe_ umgeben die Saturnkugel in einer Ebene, die ziemlich stark

gegen die Ekliptik geneigt ist. Wäre dies nicht der Fall, befänden sie

sich nahezu in derselben Ebene, in der wir uns mit Saturn (annähernd)

um die Sonne bewegen, so könnten wir sie immer nur sehr verkürzt

sehen, während sie sich für uns in Wirklichkeit oft recht weit öffnen,

wenn wir in möglichst großem Winkel auf ihre Ebene herabsehen, und

dann wieder ganz schmal werden, wenn die Erde durch ihre Ebene geht.

Es ist leicht zu ersehen, daß dieser Wechsel der perspektivischen

Ansichten des Ringsystems sich innerhalb der Umlaufszeit des Saturn

wiederholen muß. Rund alle 15 Jahre sehen wir auf die Ringe in ihrer

für uns breitesten Ansicht und allemal 7½ Jahre danach auf ihre schmale

Seite, wobei die Ringe überhaupt völlig verschwinden. Diese wechselnden

perspektivischen Ansichten machten dem Entdecker der Saturnringe,

_Galilei_, viel Sorgen, der eine Zeitlang glaubte, sein noch sehr

primitives Fernrohr spiegelte ihm falsche Bilder vor. Das war wohl

begreiflich, wenn man die Abbildung 21 ansieht, die das neuerfundene

Fernrohr nacheinander von dem wunderbaren Planeten zeigte.

In Abb. 22 sind die verschiedenen perspektivischen Ansichten

wiedergegeben, wie sie sich während eines Umlaufes des Saturn um die

Sonne darstellen, und weiterhin folgen vier Bilder des Planeten,

die ihn in besonderen Stellungen zeigen. Das erste ist ein recht

charakteristisches Bild, das schon 1874 gemacht ist und sehr schön die

eigentliche Form des Schattens auf den Ringen erkennen läßt. Dieselbe

Stellung hat sich 1903 auf 1904 wiederholt. Die drei andern Bilder

zeigen, wie der Ring dann immer schmäler geworden und Ende 1907 endlich

ganz verschwunden ist. Gegenwärtig öffnet er sich wieder mehr und mehr,

und 1914 wird er wieder voll geöffnet sein. Sehen wir ihn uns in einer

solchen Lage etwas genauer an, wozu die schematische Zeichnung 24

dienen kann.

Wir unterscheiden zunächst eine ganze Anzahl von ineinander steckenden

Ringen, die zum Teil deutliche Lücken zwischen sich lassen. Um uns

unter diesen zurechtzufinden, ist ein Schema eingeführt und mit

Buchstaben versehen. Wir unterscheiden dabei drei Ringe, den äußeren

hellen, den inneren hellen und den dunkeln Ring, in der Zeichnung ~A~,

~B~ und ~C~. Zwischen ~A~ und ~B~ befindet sich eine sehr deutliche

dunkle Lücke, die sogenannte _Cassinische Trennung_. Sie ist auf

dem Schema mit ~c~ bezeichnet. Ungefähr in der Mitte von ~A~ selbst

erkennt man noch eine andere, zwar viel feinere Lücke, die _Enckesche

Trennung_ oder auch die Bleistiftlinie genannt. Sie wechselt, wie

ich mit _Schiaparelli_ seinerzeit feststellen konnte, ihre Lage auf

dem Ringe, so daß sie ihn zuweilen in der Mitte schneidet, zuweilen

zu zwei Dritteln und einem Drittel trennt. Wir werden gleich noch

sehen, zu welchen interessanten Konsequenzen für die Zusammensetzung

der Ringe diese Wahrnehmung führt. Der Ring ~B~ ist der hellste und

deutlich leuchtender als die Saturnkugel selbst. Ihm folgt der dunkle

oder _Schleierring_ ~C~, der sich in den _Ansen_, den über die Kugel

hervorragenden Teilen des Ringes, deutlich vom Himmelsgrunde mit einer

scharfen Linie abhebt, also weniger dunkel als dieser ist. Über der

Kugel erzeugt er einen leichten, schleierartigen Schatten, die andern

Ringe dagegen einen ganz dunkeln. Dies sind die hervorstechendsten

Einzelheiten, die das Ringsystem meist schon in mittleren Fernrohren

darbietet. Unter besonders günstigen Bedingungen treten aber noch

mehrere andere Trennungslinien auf, so daß es kaum zweifelhaft ist, daß

das Ganze aus einer sehr großen Zahl einzelner Ringe besteht.

[Illustration: Abb. 24. Schema der Saturnringe.]

Die Dimensionen des Ringsystems sind nach _Barnard_ folgende. Es

mißt von einem Ende zum andern 277800 ~km~. Es könnten also fast 22

Erdkugeln aneinander gereiht in ihm Platz finden. Die Breite des

Ringes ~A~ beträgt 17800 ~km~; die Cassinische Trennung 3600 ~km~; der

Ring ~B~ mißt 30900 ~km~, er ist also fast noch einmal so breit wie

~A~, endlich der Schleierring ~C~ wieder nahezu ebensoviel wie ~A~,

17500 ~km~. Der Weg von seiner innersten Kante bis zur Oberfläche des

Saturn selbst ist 9500 ~km~ lang.

Angesichts dieser imposanten Breitenausdehnung muß die ungemein geringe

Dicke des Ringsystems wundernehmen. Man hat sich wiederum davon während

der letzten Verschwindungsperiode 1907 überzeugen können.

Es sind dabei verschiedene Momente zu unterscheiden. Man wolle sich

deswegen vorstellen, daß, vom Saturn gesehen, Erde und Sonne nicht

genau zu gleicher Zeit die Ebene der Ringe passieren, auch wenn sie

sich in der gleichen Richtung befinden. Der eine Himmelskörper wird

sich noch etwas über der Ringebene befinden können, wenn der andere

unter ihr steht. Sehen wir von der Erde aus die Südseite des Ringes,

während die Sonne noch über seiner Nordseite steht und also nur diese

beleuchtet, so ist der Ring für uns im Dunkeln und unsichtbar. So trat

die Erde am 17. April 1907 auf die Südseite der Ringebene, während die

Sonne noch die nördliche Seite beleuchtete. Der Ring mußte also für

uns unsichtbar werden. Am 26. Juli erst kam die Sonne auf die gleiche

Seite, und der Ring wurde nun wieder sichtbar. Aber schon am 4. Oktober

trat die Erde auf die Nordseite, die jetzt nicht mehr beleuchtet wurde.

Der Ring mußte aufs neue verschwinden, bis die Erde am 7. Januar 1908

nunmehr definitiv auf die Südseite überging, wo sie nun mit der Sonne

14½ Jahre lang bleiben und den Ring uns sichtbar machen wird. Wir

erkennen auch, daß wir innerhalb dieser Zeit der Opposition des Saturn

von 1907 zweimal genau auf die Schärfe des Ringsystems sehen mußten,

und daß die Sonne einmal diese Schärfe genau beschien.

Die Welt der Planeten · 第 7 / 10 段