mit Feuer bearbeiteten und die erhaltenen Werke bestätigen dieses
durch den Augenschein; über die Methode und die dabei angewendeten
Geräte bleiben wir aber im Unklaren, doch dürfen wir etwa annehmen,
daß das Ausschmelzen des Kupfers in derselben primitiven Weise
erfolgte, wie sie etwa heute bei den Negern ausgeübt wird.
Die alten Mexikaner verstanden es zu schmelzen, zu gießen, zu
treiben; gelötete Metallsachen sind mir nicht bekannt geworden.
Einige Andeutungen über die Art, wie die Indianer die Metalle
behandelten, giebt uns AUGUSTIN DE ZEVALLOS, der 1614 aus Granada
in Nicaragua einen Brief an König Philipp III. sandte, welcher sich
mit dem damaligen Zustande des heutigen Costarica befaßte, wo die
Eingeborenen noch in ziemlich ungebrochenem Zustande lebten. Sie
gaben im Tausch die Produkte ihres Landes, unter denen ZEVALLOS
erwähnt »Stücke Goldes in Form von Adlern, Schlangen, Kröten,
Spinnen, Medaillen, Schaumünzen und andere Machwerke, die sie in
den verschiedensten Formen anfertigen, indem sie das in Thonpfannen
geschmolzene Gold in Formen gießen«. Das Gold wurde, wie ZEVALLOS
hervorhebt, mit Kupfer legiert und die Schaumünzen (_patenas_)
wurden durch Hämmern erzeugt.[355]
Daß wir so dürftig über die Metalltechnik dieses alten
amerikanischen Kulturvolkes unterrichtet sind, liegt auch
wesentlich mit darin, daß nach der Ankunft der Spanier und nach
der Einführung des Eisens eine schnelle Vernichtung der heimischen
Metallindustrie eintrat. CORTEZ hebt selbst in seinen Berichten an
KARL V. hervor, daß nach der Konquista die Künste und bewunderten
Kunstprodukte der Eingeborenen schnell verschwanden. Diesem bald
vollständigen Verfall haben wir es auch zuzuschreiben, daß der
verspäteten Aufmerksamkeit der Beobachter vieles und wichtiges auf
dem uns interessierenden Felde entgehen mußte.
Die zuerst nach Mexiko gelangten Spanier, welche die dortigen
Gußwerke sahen, waren erstaunt darüber, und die europäischen
Goldschmiede konnten nicht genug die Arbeiten ihrer mexikanischen
Genossen bewundern, welche CORTEZ an KARL V. gesandt hatte. Die
Nachbildungen nach der Natur galten als außerordentlich treu;
gegossen waren ein Fisch, dessen Schuppen abwechselnd aus Gold
und Silber bestanden, ein Papagei mit beweglichem Kopfe und
beweglichen Flügeln; ein Affe, dessen Kopf und Füße beweglich
waren. Diese Kunst, deren Erfindung man dem Gotte Quetzalcoatl
zuschrieb, ist den späteren Indianern verloren gegangen. Auch das
Treiben mit dem Hammer verstand man, wenn auch in dieser Beziehung
die Arbeiten mit den gleichartigen europäischen keinen Vergleich
aushielten; das Kupfer wurde mit Steinen gehämmert. Gießer und
Goldschmiede bildeten in Mexiko eine angesehene Korporation, deren
Schutzgott Xipe war. Zu seinen Ehren wird im zweiten Monat ein Fest
abgehalten, bei dem man Menschenopfer darbrachte.[356]
Wenig ist, was wir vom Bergbau wissen. In Michoacan soll derselbe
sehr primitiv gewesen sein. Weiter war man im eigentlichen Mexiko,
wo die Azteken es verstanden, Stollen mit Galerien zu schlagen
und Schachte zur Kommunikation wie zur Lüftung anzulegen. Das
zerkleinerte Erz wurde, wie SAHAGUN erzählt, mit drei verschiedenen
Arten von Kräutern gemischt(!) und dann in Öfen geschmolzen.[357]
Als im Jahre 1873 SANCHEZ Nachforschungen nach der _veta de Cobre_
(Kupferader) im Cerro del Aguila im Staate Guerrero anstellte,
durchstieß ein Peon mit seiner Stange den Boden dergestalt, daß
sie völlig verschwand. Man entdeckte infolge dessen eine alte 3 m
breite und 1,50 m tiefe Aushöhlung, auf deren Boden eine reiche
Kupferader verlief. Es zeigte sich, daß man es mit einem alten
Bergbau zu thun hatte; am Hangenden entdeckte man Spuren von der
Wirkung des Feuers und 142 Schlägel aus Stein von verschiedener
Form und aus einem der Grube fremden Gesteine zeigten, womit das
Erz abgebaut worden war.[358]
In den südlichen und östlichen Nachbarländern Mexikos scheint das
Kupfer keine große Rolle gespielt zu haben. In Yukatan werden keine
Metalle gefunden und wenn dort bei den Mayas neben Pfeilspitzen
aus Feuerstein und Fischgräten solche aus Kupfer vorkamen, so muß
hierbei an den Import von Mexiko gedacht werden.[359]
Dagegen ist Nicaragua reich an Kupfer und die Insel Ometepec im
Nicaraguasee ist als der Fundort kleiner, gutgearbeiteter Goldidole
und von Figürchen aus Terracotta bekannt geworden. Auch hat man
einzelne Kupfergeräte dort gefunden; SQUIER erhielt eine Maske aus
Kupfer, welche einen Tigerkopf darstellt.[360] Aber der Ursprung
dieser Maske erscheint _extremely problematical_[361], da sie als
einziges Kunstwerk ihrer Art in dem kupferreichen Lande auftritt
und nichts anderes ihr nach Stil und Stoff verwandtes dort gefunden
worden ist.
Fußnoten:
[335] »Es ist ein in Europa weitverbreiteter Irrtum, alle
nicht bekehrten Indianer als Nomaden und Jäger anzusehen. Der
Ackerbau ist lange vor der Ankunft der Europäer in der neuen Welt
betrieben worden und ist noch zu finden zwischen dem Orinoko und
Amazonas unter den Waldschlägern, bis zu denen die Missionare
nun vorgedrungen sind.« HUMBOLDT et BONPLAND, Voyage. Relation
historique. Paris 1814. I. 460.
[336] CABEÇA DE VACA, Commentaires Cap. 44. In TERNAUX-COMPANS,
Voyages etc. pour servir à l'histoire de l'Amérique. 140. _Les
naturels -- portaient de nombreuses plaques de cuivre, qui, lorsque
de soleil frappait dessus, réfléchissaient une si vive lumière, que
cela produisait un coup d'oeil merveilleux._
[337] Drei Berichte des F. CORTEZ etc. Deutsch. Berlin 1834. 112.
[338] Die Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 49.
[339] Hist. de los sucesos de la conquista etc. Madrid 1852. 89.
[340] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London
1787. II. 368.
[341] CLAVIGERO a. a. O.
[342] PETR. MARTYR, Dec. V. Lib. X.
[343] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 663.
[344] El congresso internacional de Americanistas y el cobre entre
los Aztecas. Anales del Museo nacional de México. I. 387 (1879).
[345] Monarquia Indiana. II. 560.
[346] SANCHEZ a. a. O. 394.
[347] Notes on copper implements from Mexico. Proceedings of the
Americ. Antiqu. Soc. October 1882.
[348] Nur der spätere CLAVIGERO erwähnt das oben schon
beschriebene, _coatl_ genannte Ackerinstrument aus Kupfer mit
Holzstiel. STEFFEN (Die Landwirtschaft bei den altamerikanischen
Kulturvölkern. Leipzig 1883. 22) hebt hervor, daß die alten Quellen
hiervon nichts sagen, sondern nur von Holzschaufeln sprechen. Bis
jetzt seien noch keine Funde von anderen Ackerbauinstrumenten
gemacht worden.
[349] Revue d'Ethnographie. II. 367.
[350] Daselbst. II. 441 nebst Abbildung.
[351] Drei Berichte von F. CORTEZ an Karl V. Berlin 1834. 471.
[352] TYLOR, Anahuac. 138.
[353] G. MENDOZA, Un cincel de bronce de los antiguos Aztecas.
Anales del Museo nacional de Méjico. I. 117.
[354] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 369.
[355] POLAKOWSKY, Bericht des Franziskanermönchs A. DE CEBALLOS
über die Provinz Costarica. Jahresbericht d. Ver. f. Erdkunde zu
Dresden. 1883. 123.
[356] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London
1787. I. 413.
[357] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 104.
[358] J. SANCHEZ a. a. O.
[359] BANCROFT a. a. O. II. 742. 743.
[360] SQUIER, Nicaragua. New York 1852. II. 87. 89.
[361] BANCROFT a. a. O. IV. 67.
Die Metalle bei den Chibchas.
Jener Teil der Kordillere, dessen westlichen Fuß der Rio Magdalena
bespült und der, in nordöstlicher Richtung streichend, die
Hochebenen von Bogotá und Tunja bildet, südlicher aber in den
einsam stillen Regionen des _Paramo de la suma Paz_ gipfelt, wurde
zur Zeit der spanischen Konquista von dem Chibchavolke bewohnt,
welches die Spanier irrtümlich Muyscas genannt haben. Die Kultur,
welche die Konquistadoren bei ihnen antrafen, war selbständig
entstanden, nicht in Abhängigkeit von jener Mexikos. Gold, Silber,
Kupfer und Bronze waren in beiden Hälften Amerikas unabhängig von
einander dargestellt worden. Die mexikanische Metallurgie läßt sich
vielleicht bis Nicaragua oder zum Isthmus von Panama verfolgen --
hier aber hören aztekische Einflüsse auf und ein neues Kulturreich
beginnt. So war es zur Zeit der Eroberung, doch würde es wohl nur
noch kurzer Zeit bedurft haben und die nördlichen und südlichen
Kulturvölker wären in Austausch getreten, wenn nicht die Hand
der Konquistadoren sich vernichtend und eine fremde Kultur an die
Stelle setzend, schwer auf sie gelegt hätte. Von einer Verbindung
der Chibchas und Peruaner mit den Mexikanern ist uns nichts bekannt
geworden. Die Metalle sind, das Eisen ausgenommen, hier wie da
selbständig dargestellt worden und hier wie da mehr ausnahmsweise
und neben dem die Hauptgeräte und Hauptwaffen bildenden Steine im
Gebrauche gewesen.
Zur Zeit der Konquista lebten die Chibchas in einer relativ
vorgeschrittenen Kultur, die indessen nicht auf die Höhe der
mexikanischen oder peruanischen Gesittung hinaufreichte. Ihre
Kulturstufe lag zwischen jener des polierten Steines und der ihnen
bekannten Bronze. In einem an Metallen reichen Lande wohnend, wo
das Gold sich ihnen im gediegenen Zustande leicht offenbarte,
haben die Chibchas frühzeitig die Bearbeitung der Metalle gelernt,
wie die noch erhaltenen Gegenstände beweisen. Eigentümlich im
Stile sind namentlich die häufigen Goldfigürchen, während die
Bronzen weit seltener sind. Eine solche (Fig. 48), eine rohe
menschliche Figur, in dem bekannten Stile jenes Landes ausgeführt,
12,50 cm lang, mit über der Brust gekreuzten Armen und männlichem
Geschlechtsteile, befindet sich als die einzige ihrer Art neben 13
ähnlichen Goldfiguren im Leidener Museum.[362]
LEEMANNS sagt, diese Bronzefigur sei von gleich roher Arbeit, wie
die von ihm geschilderten Goldfigürchen, und die Abbildung deutet
auf gleiche Technik. Nach LEEMANNS sind die Figuren teils mit dem
Hammer und dem Lötrohr hergestellt, teils in Formen gegossen. Die
ersteren bestehen aus einer Platte, der man die allgemeinen Formen
gegeben hat und auf welche man dann die einzelnen Körperteile und
Details aus Metallfäden aufgelötet hat.
[Illustration: Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS.]
Von den den Chibchas verwandten und auf einer ähnlichen
Gesittungsstufe stehenden Eingeborenen des heutigen kolumbischen
Staates Antioquia wissen wir, daß sie zur Zeit der Entdeckung sehr
verschiedene Geräte und Waffen aus Stein besaßen, daß daneben aber
auch die Metallindustrie es zu einer nicht unerheblichen Ausdehnung
gebracht hatte. Man hat die gravierten Steinformen gefunden,
in denen Goldblättchen geschlagen wurden, und Meißel aus einer
Goldkupferlegierung, die hart genug zur Bearbeitung des Steines
waren. In dem goldreichen Staate sind zahlreiche Gegenstände und
charakteristische Figürchen aus Gold gefunden worden, und die
heutigen Bewohner erzählen sich, die alten Indianer hätten es
verstanden, mittels Kräutern das Gold zu erweichen und dann wie
Wachs mit der Hand zu formen. In der That verstanden sie es, das
Gold im Feuer zu bearbeiten, nicht bloß zu hämmern und zu treiben,
wie die Guß- und Lötstellen an den Figürchen deutlich zeigen; auch
wissen wir, daß VADILLO in Buritica bei den Indianern kleine Öfen,
Formen und andere Werkzeuge, um das Gold zu verarbeiten, antraf.
Bei Santa Marta hat man eine ganze Bevölkerung von Goldschmieden
getroffen, welche als _tairona_, d. h. die Schmiede, bezeichnet
wurde. Die Indianer konnten also das Gold schmelzen und gießen,
ziselieren und löten; die Geräte, welche sie hierzu benutzten,
bestanden teils aus einer Goldkupferlegierung, teils aus Stein.
Das Gold, dessen sie sich zu ihren Werken bedienten, war 12-
oder 14karätig. Die dargestellten Gegenstände sind meistens
Schmucksachen, Ohrringe und Nasenanhängsel von sehr verschiedenen
Formen und teilweise aus Filigran, sehr biegsame Gürtel,
Brustplatten, Vasen, Kelche, Haken und namentlich Figuren von
Menschen und Tieren, zumal Kröten, Eidechsen, Vögel und Fische,
niemals aber Früchte oder Blumen.[363]
Fußnoten:
[362] LEEMANNS, Congrès des Americanistes. Luxembourg 1877. II.
286. Fig. 14.
[363] Dr. POSADA ARANGO in Mém. d. l. soc. d'Anthropol. 2. série.
I. 211.
Kupfer und Bronze in Peru.
»_No tenian herramientas de hierro ni azero_«, berichtet ONDEGARDO
von den Inkaperuanern, wiewohl ihr Boden ungemein reich an Eisen
ist. Dagegen waren sie in der Kunst, andere Metalle darzustellen,
zu schmieden, zu gießen, ja selbst zu löten, weit vorgeschritten.
Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zinn waren im metallischen Zustande
bekannt.
Da für uns hier dieselben Gesichtspunkte bei der Beurteilung der
Metallkenntnisse dieses altamerikanischen Kulturvolkes maßgebend
sind, wie bei den Mexikanern, so vermögen wir auch hier nur einen
kurzen Überblick zu geben. Bergbau, wie derselbe heute noch auf den
peruanischen Kordilleren in der Nähe von Yauri, 4000 m über dem
Meere, viele tausende von Indianern beschäftigt, und zwar nach den
von ihren Voreltern vererbten Methoden, war die Hauptbeschäftigung
eines großen Teiles der Eingeborenen. Sie förderten das Erz aus
Schachten, die noch erhalten sind und bauten Öfen (_guairas_)
aus Thon, um es mit Holz und Holzkohlen zu schmelzen. Diese Öfen
hatten einfache Luftzüge, denn Blasebälge waren den Inkaperuanern
unbekannt und wurden erst durch die Spanier eingeführt.[364] Die
peruanischen Goldschmiede arbeiteten ebenso kunstvoll wie die
mexikanischen. Ihre Gußmodelle waren aus Wachs und die getriebenen
Arbeiten zeichnen sich durch große Sauberkeit und Kunstfertigkeit
aus. Die Gräber der Inkas, ebenso deren Schatzkammern, lieferten
zahlreiche Beweise künstlerischer Thätigkeit in der feineren
Bearbeitung edler Metalle, wie Halsschmucke, Armspangen, Vasen aus
reinem Gold, Spiegel aus poliertem Silber, sehr empfindliche Wagen
aus Silber, zierliche Glocken aus Silber und Bronze, gewöhnlichere
Geräte aus Kupfer und Bronze -- sie alle geben Zeugnis von der
erlangten Fertigkeit der alten Peruaner in der Metalltechnik.
[Illustration: Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach
EWBANK.]
Wie das Kupfer dargestellt wurde, wissen wir nicht, und im
gediegenen Zustande kommt es im Lande nicht vor. Möglicherweise
reduzierten sie dasselbe in einem der oben angeführten Öfen oder
sie importierten dasselbe aus Chile.[365] Bis vor nicht langer
Zeit waren überhaupt nur wenige, im Museum zu Lima befindliche
Gegenstände aus Kupfer in Peru gefunden worden, einige Idole,
Stäbe von Meterlänge und Schlangen[366]; seitdem sind aber weit
mehr Kupferobjekte entdeckt worden, wie deren denn die MACEDO'sche
Sammlung, jetzt im Berliner ethnographischen Museum befindlich,
allein 48 aufweist, darunter Beile, Morgensterne, Idole,
Tierfiguren, Scheiben, Halbmonde etc.[367]
Mit ihren Eroberungen trugen die Inkaperuaner ihre Kultur auch
weiter nach Süden und auf sie dürfen auch die alten Kupfergeräte
zurückgeführt werden, welche in Chile gefunden wurden. Ein 1,60 kg
schwerer gegossener Kupferhammer (Fig. 49) stammt aus einer
Quebrada der Provinz Atacama, gelegen unter 26° 42´ südl. Br.,
nicht fern vom Camino de los Incas. Er ist viel gebraucht und, wie
Schlagmarken beweisen, durch Hämmern wieder geschärft, nachdem
die Schneide abgenutzt war.[368] Da die Peruaner das Zinn und
seine Legierung mit Kupfer, sowie die daraus für das letztere sich
ergebende Härtung kannten, so ist anzunehmen, daß die Kupfergeräte
älter als jene aus Bronze sind. Nachdem jener Fortschritt einmal
erkannt war, mußte die Herstellung von Kupferbeilen etc. von selbst
fortfallen.
In der That ist die Bronze weit häufiger verbreitet unter den
alten Funden in Peru als Kupfer und man verstand sie von so
vortrefflicher Härte darzustellen, daß sie zur Anfertigung der
schwierigen unter den Inkas ausgeführten Bauten genügte. Ein in
den alten, zur Inkazeit bearbeiteten Silbergruben in der Nähe
Cuzcos gefundener Bronzemeißel, welchen HUMBOLDT nach Europa
brachte, enthielt nach VAUQUELIN's Analyse 96 Teile Kupfer und 4
Teile Zinn.[369] Etwas anderer Art ist die Zusammensetzung des
»Morgensterns« beschaffen, den DAVID FORBES analysieren ließ und
der bei Sorata gefunden wurde. Er enthielt 88% Kupfer und 11,4%
Zinn, sowie Eisen und Silber in geringer Menge.[370] Peruanische,
aber in Chile am Flusse Maypa gefundene Bronzen enthielten
dagegen wieder, ähnlich wie der Bronzemeißel HUMBOLDT's, 6% und
5% Zinn.[371] Ein von BOUSSIGNAULT analysierter Bronzemeißel aus
Steinbrüchen, welche zum Teil das Plattenmaterial der langen
Straße von Quito nach Cuzco lieferten, bestand aus 95% Kupfer und
4,5% Zinn, sowie etwas Blei, Eisen und Spuren von Silber.[372]
Eine konstante Mischung von Zinn und Kupfer, wie wir sie als
maßgebend für Bronze ansehen (9 Kupfer, 1 Zinn), ist daher in Peru
nicht vorhanden gewesen. Die mexikanischen Bronzen zeigen eine
andere Zusammensetzung als die peruanischen, was wieder für die
Unabhängigkeit beider Bronzereiche spricht.
Eine der Hauptfundstätten für peruanische Bronzen ist Chimu
an der Küste bei Truxillo gewesen, wo Waffen und Geräte so
massenhaft vorkamen, daß sie zentnerweise verkauft wurden. Viele
derselben gleichen in der Form europäischen Bronzekelten und
wurden wohl ähnlich wie diese benutzt. Die Abbildung Fig. 50 ist
ein Durchschnittstypus dieser Art und 22 cm lang; ganz gleiche
Ackerwerkzeuge werden heute noch in Nicaragua gebraucht, nur ist
Eisen an die Stelle der Bronze getreten; man benutzt sie zum
Umgraben des Bodens. Doch der Peruaner hatte Ackerwerkzeuge, welche
unserem Spaten in der Form näher kamen, wie Figg. 51 und 52 zeigen.
Der glatte Spaten ist 25 cm lang und 10 cm breit, der ornamentierte
30 cm lang und 10 cm breit. Auch ein Ackerwerkzeug mit gekrümmter
Schaufel (Fig. 53) ist in Chimu gefunden worden. Es ist 25 cm lang.
In großer Anzahl sind in Peru eigentümlich gestaltete Geräte
gefunden worden, welche in der Form sich stets gleich bleiben,
in der Größe aber von wenigen Centimetern bis zu einer Länge von
fast 60 cm wechseln und scheinbar aus einer dünnen, aber festen
Bronzeplatte geschlagen sind. Das untere, halbmondförmige Ende
ist stets zugeschärft, das obere, gerade abgeschnittene aber
nur gelegentlich. SQUIER hält dieses Instrument (Fig. 54) für
eine Kelle, welche bei der Anwendung des Thones beim Bau oder
in der Töpferei Verwendung fand. Als Messer der Peruaner werden
eigentümlich halbmondförmige und mit einem zuweilen ornamentierten
Stiele versehene Geräte aus Bronze bezeichnet, welche die Gestalt
von Figg. 55 und 56 zeigen.
Die häufigsten Bronzegeräte der Peruaner sind Lanzenspitzen
verschiedener Form, breit und schwer oder zierlich schlank und
leicht. Sie sind bis 50 cm lang gefunden worden, während die
Bronzepfeilspitzen 5-10 cm lang waren. Auch Morgensterne oder
Cassetêtes von der Form wie Fig. 57 haben die Peruaner aus Bronze
hergestellt.[373] Daß die Peruaner ihre Bronzekultur nach Süden
ausbreiteten, wurde bereits erwähnt. Doch sind die Bronzefunde
aus Chile, dessen Eroberung in der Mitte des 15. Jahrhunderts
durch den Inka Yupanki erfolgte, nicht häufig. Ihr Typus ist rein
peruanisch.[374]
[Illustration: Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte aus Bronze. Nach
SQUIER.]
[Illustration: Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben.]
[Illustration: Fig. 55. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.]
[Illustration: Fig. 56. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.]
[Illustration: Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben.]
Auf dem berühmten peruanischen Friedhofe von Ancon bei Lima wurden
im Jahre 1877 von dem Reisenden LEON DE CESSAC fünf Metallbänder
gefunden, die um die Schädel dort Begrabener gewickelt waren. Zum
Teil bestanden sie aus einem Gemisch von Kupfer und Gold, oder
Kupfer, Gold und Silber; eins derselben aber bestand aus Messing,
denn es enthielt 62,90% Kupfer und 32,04% Zink. Zink fehlt aber
in Peru; das Messing kann also nur durch die Spanier in das Land
gekommen sein.[375]
Fußnoten:
[364] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 444.
[365] RIVERO and TSCHUDI, Peruvian Antiquities. New York 1853. 215.
[366] RIVERO and TSCHUDI a. a. O. 222.
[367] Catalogue d'objets archéologiques du Perou. Paris 1881.
[368] THOMAS EWBANK in U. S. Naval astronomical expedition.
Washington 1855. II. 112 und Taf. VIII.
[369] Vue des Cordillères. 117.
[370] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. II. 261 (1870).
[371] EWBANK a. a. O. II. 114.
[372] Acad. des sciences de Paris. Séance du 26. Fevr. 1883.
[373] G. SQUIER, Peru. London 1877. 174 ff.
[374] MEDINA, Los Aboríjenes de Chile. Santiago 1882. 333-413.
[375] Revue d'Ethnographie. I. 74 (1882). Das große und kostbare
Werk von REISS und STÜBEL über das Todtenfeld von Ancon vermochte
ich mir nicht zu verschaffen.
Die Verbreitung des Eisens über die Südseeinseln.
DAS BEKANNTWERDEN MIT DEM EISEN. Auf den Südseeinseln verbreiteten
zunächst die Spanier das Eisen. Das tahitische Wort für dieses
Metall, welches die Eingeborenen bei COOK's Anwesenheit
gebrauchten, nämlich _yuri_, ist aus _hierro_ entstanden. Als
OLIVIER VAN NOORT im Jahre 1600 nach der Insel Guaham (Ladronen)
kam, verlangten die Eingeborenen für ihre Landesprodukte von
ihm _hierro_. Als ROGGEWEEN 1727 auf dem flachen Eilande O-Anna
eins seiner Schiffe verlor, erhielten die Südseeinsulaner
neue Eisenvorräte. So gelang es ihnen auch, die Anker, welche
BOUGAINVILLE im Hafen O-Hiddia (Tahiti) zurückgelassen, vom Grunde
des Meeres aufzufischen, und der König von Tahiti schickte ein
Stück derselben dem Könige Opuni von Borabora, als eine Seltenheit,
zum Geschenke. Die englischen Entdecker brachten große Massen Eisen
auf die Südseeinseln. Selbst die kleinsten Stückchen des wertvollen
Metalles wurden von den Insulanern mit der größten Sorgfalt
aufgehoben. Als J. R. FORSTER nach Tongatabu kam, verkaufte man ihm
einen ganz kleinen, sorgfältig in ein Heft gefaßten Nagel, der ohne
Zweifel von TASMAN (1643) stammte und sich 130 Jahre lang erhalten
hatte. FORSTER übergab ihn dem britischen Museum.[376]
Auf Neuseeland wurde das Eisen durch COOK eingeführt. Schon bei
seinem zweiten Besuche 1773 machten sich die Maori am Charlottesund
nichts mehr aus Korallen, Bändern, Papier und ähnlichen Dingen, da
sie den Wert des Eisens erkannt hatten; sie wollten Nägel und Beile
haben, die sie nun durch die Erfahrung hatten schätzen lernen.
Bei der ersten Anwesenheit COOK's dagegen hatten sie sich gegen
Eisen ganz gleichgültig gezeigt, da sie von dessen Nutzen damals
noch keinen Begriff hatten. Ebenso war es an der Duskybai, wo die
Eingeborenen Beile und Nägel, die man ihnen gab, nicht wieder aus
den Händen ließen, während sie sich aus anderen Dingen nichts
machten. Der Mann, dem COOK damals 9 oder 10 Beile und 40 große
Nägel schenkte, war »der reichste in ganz Neuseeland«.[377] Überall
stand bald das schwarze Metall in hohem Werte und auf Huaheine
erhielt COOK für wenig Eisen ganz ungeheuere Vorräte von Schweinen,
Hunden und Hühnern.[378]
Daß einzelne Stückchen Eisen auf Handelswegen sich weit über den
ozeanischen Archipel vor der Ankunft der Europäer verbreitet
hatten, wird mehrfach bestätigt. Als 1783 das Schiff »Antilope«,
Kapitän WILSON, auf den Palauinseln strandete, stahlen die
Eingeborenen, die hier zuerst mit Europäern in direkte Berührung
kamen, sofort das Eisen und setzten es an die Stelle ihrer
Muschelschneiden an den Äxten; doch ein Zeichen, daß sie den Wert
dieses Metalles schon zu würdigen wußten. Das Eisen war in der That
schon früher, wiewohl als große Seltenheit und auf unbekannten
Wegen nach den Inseln gebracht worden, denn der Fürst von Korror
trug auf der Schulter ein Beil mit eiserner Schneide, »worüber sich
unsere Leute sehr wunderten, da man hierzulande gewöhnlich Stücken
von Muscheln dazu braucht«.[379]