Kupferfluß oder Athna, der sich unter 60° nördl. Br. in den Stillen
Ozean ergießt und eine Menge gediegenes Kupfer auswirft, das
wegen seiner Geschmeidigkeit bei allen Stämmen der Nordwestküste
im hohen Ansehen stand. Die Anwohner desselben hämmerten es;
überall an der Nordwestküste trafen die Entdecker kupferne Lanzen-
und Pfeilspitzen bei den Indianern, und wenn HOLMBERG sagt, daß
die Thlinklithen dieses Kupfer zu »schmieden« verstanden, so
ist darunter doch wohl nur ein kaltes Hämmern zu verstehen, da
die Bearbeitung der Metalle im Feuer bei allen hier in Betracht
kommenden Völkern unbekannt war.[323]
Die dritte und bedeutendste Quelle des gediegenen Kupfers, das von
den Indianern Nordamerikas verarbeitet wurde, zugleich das reichste
Kupfervorkommen der Erde, ist der Native-Copperdistrikt am Oberen
See auf einem Teile der oberen Halbinsel Michigan, doch gehört hier
die Verarbeitung bereits der vorkolumbischen Zeit an.[324]
Die Auffindung der alten Kupferbergwerke am Oberen See erfolgte
1847 durch den Ingenieur S. O. KNAPP. Einer der Schachte, welchen
er untersuchte, war 8,5 m tief und mit Erde und vegetabilischer
Masse erfüllt. 5 m von der Oberfläche stieß er auf einen 2,80 m
langen Kupferklumpen, der 85 cm hoch und 60 cm dick war und über 6
Tonnen wog. Derselbe ruhte auf einem Pfahlwerk von Holzbalken, das
indessen ganz vermorscht war. Kolossale Steinschlägel, bis 18 kg
schwer, und kleine Hämmer aus Grünstein und Porphyr, die Geräte
der ehemaligen Bergleute, lagen dabei. Auch eine roh gearbeitete
Leiter aus Eichenholz und einen auf kaltem Wege hergestellten 10 kg
schweren Schlägel aus Kupfer fand KNAPP, desgleichen Holzschalen,
die bei der Entwässerung des Schachtes gedient hatten. Alle
Anzeichen, namentlich die großartigen auf den Halden wachsenden
Bäume deuteten an, daß dieses Werk schon seit langem verlassen sein
mußte. Ähnliche, bis 14 m tiefe Schachte wurden auf Isle Royal im
Oberen See entdeckt, und in der Ontonagongegend kann man auf 30
englische Meilen Entfernung die Spuren der alten Kupferbergleute
verfolgen.[325]
Wenn es auch auf den ersten Blick scheinen mag, als ob ein anderes
Volk als die Vorfahren der heutigen Indianer die Kupferbergwerke
am Oberen See betrieb und diese Ansicht in Amerika selbst die
herrschende ist[326] -- wo man ein besonderes, verschwundenes Volk
der Moundbuilders konstruiert hat --, so scheinen mir doch die von
Dr. E. SCHMIDT, der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigte,
angeführten Gründe durchschlagend, daß es die Vorfahren der
jetzigen Indianer waren, welche die Kupfergruben am Lake superior
bearbeiteten, und daß der Kupferbergbau erst nach dem Erscheinen
der Weißen (infolge auftretender Seuchen etc.) rasch einging.[327]
Dieser Verfall ist äußerst schnell eingetreten und bei den
Chippewäs der Gegenwart, die am Oberen See wohnen, ist außer
dem Wort für Kupfer (_pewabic_) nichts von dem Bergbau ihrer
Vorfahren übrig geblieben. Schon im 17. Jahrhundert, als die alten
Jesuitenväter in die Region der Seen vordrangen, betrachteten die
Indianer das Kupfer als eine Art von heiligem Stoff. »_Instead of
viewing copper as an object of every day use, they regarded it as
a sacred Manitou and carefully preserved pieces of it wrapped up
in skin in their lodges for many years and this custom has been
continued to modern times._«[328] Sehr anschaulich hat dieses
der Jesuit ALLOUEZ in seiner Relation geschildert: »_L'on trouve
souvent au fond de l'eau des pièces de cuivre tout formé, de la
pesanteur de dix et vingt livres; i'en ay veu plusieurs fois entre
les mains des sauvages et comme ils sont superstitieux, ils les
gardent comme autant de divinités, ou comme des presents que les
dieux qui sont au fond de l'eau leur on faits pour estre la cause
de leur bonheur; c'est pour cela, qu'ils conservent ces morceaux de
cuivre envelopés parmi leurs meubles les plus pretieux; il y en a
qui les gardent depuis plus de cinquante ans; d'autres les ont dans
leurs familles du temps immemorial, et les cherissent comme des
dieux domestiques._«[329]
KARL RAU hat in seiner wertvollen Abhandlung über die
Tauschverhältnisse der Eingeborenen Nordamerikas[330] auch das
Kupfer behandelt und wir ersehen daraus, daß das ästige oder
zackige gediegene Metall vom Oberen See niemals von den Indianern
geschmolzen, sondern nur gehämmert wurde; auch verstanden sie es
nicht, dasselbe mit Zinn zu legieren und so Bronze herzustellen,
einen Fortschritt, welchen die alten Peruaner und Mexikaner
kannten. Trotzdem hatten sie in der Bearbeitung des Kupfers, wie
die daraus dargestellten und erhaltenen Gegenstände bezeugen, eine
nicht geringe Geschicklichkeit erlangt (Figg. 33-44). Bereits
die ersten Reisenden, welche Nordamerika besuchten, fanden
Kupferzieraten bei den Indianern, z. B. kupferne Ohrringe. So 1524
VERAZZANO; auf DE SOTO's Zuge sah man kupferne Äxte (1539 bis 1543)
und HENRY HUDSON fand, als er 1609 den nach ihm benannten Strom
entdeckte, daß die Indianer Pfeifen aus rotem Kupfer hatten. Als
Quelle dieser Kupfersachen wurde aber stets die Gegend im Inneren
bezeichnet, von wo aus das Metall auf dem Handelswege gekommen war.
In den Mounds sind altindianische Kunsterzeugnisse aus Kupfer
gefunden worden, welches seiner eigentümlichen Beschaffenheit nach
-- es enthält kleine Partien gediegenen Silbers -- vom Oberen See
stammen muß. Namentlich SQUIER und DAVIS[331] haben dieselben
beschrieben und abgebildet. Es sind keltartige Äxte, Meißel,
spitze Grabstichel, Armringe, Schmucksachen. Während die ersteren
alle gehämmert sind, befinden sich unter den letzteren 3-5 cm im
Durchmesser haltende runde Scheiben, sowie kleine Metallknöpfe, die
geprägt sind. Dr. RAU führt an, daß die aus Kupfer gearbeiteten
Gegenstände in den Vereinigten Staaten übrigens ziemlich selten
sind und daß auf tausende von indianischen Steingeräten kaum einige
Kupfererzeugnisse kommen. »Ihr Vorkommen erstreckt sich von den
Großen Seen bis zu den Golfstaaten und von der atlantischen Küste
bis an den Mississippi und vielleicht noch über denselben hinaus.
Nimmt man, wozu man vollständig berechtigt ist, den nördlichen
Teil von Michigan als den Punkt an, von wo aus das Metall über
diesen Flächenraum verbreitet wurde, so stellt sich die Ausdehnung
des Kupferhandels als ziemlich bedeutend dar. Die Schwierigkeiten,
welche mit der Gewinnung des Kupfers verknüpft waren, machten
dasselbe zu einem wertvollen Gegenstande, der vielleicht in
ähnlicher Weise geschätzt wurde, wie in Europa die Bronze in der
ersten Periode ihrer Anwendung.«[332]
[Illustration: Figg. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte
Kupfergeräte. Nach SHORTT.]
Dr. E. SCHMIDT, welcher sich am eingehendsten mit den
prähistorischen Kupfergeräten Nordamerikas beschäftigt hat[333],
zeigt, daß die Verbreitung derselben eine ungleiche ist: je näher
der großen Seenregion, desto häufiger werden sie gefunden, je
ferner, also nach den Küsten des Atlantischen Meeres und des
Mexikanischen Golfes zu, desto seltener werden sie. Im Innern des
Landes findet man vorzugsweise Beile, Lanzen- und Pfeilspitzen,
Messer und Pfriemen, nach der Peripherie hin überwiegen
Schmuckgegenstände, Platten, Perlen etc. Den Erhaltungszustand
schildert Dr. SCHMIDT als einen meist guten, da das Kupfer
zerstörenden äußeren Einflüssen leicht widersteht und die rotbraune
Oxydul- oder schwarze Oxydschicht es vor weiterer Zerstörung
schützen. Die Geräte bestehen aus fast chemisch reinem Kupfer,
dem nur Silber und zwar mechanisch in Schuppen- oder Körnerform
beigemischt ist. »Die Verbindung beider Metalle ist so fest, daß
es gelingt, beide zusammen zu silberplattierten Kupferplatten
auszurecken.« Daß die Geräte stets nur gehämmert und niemals
gegossen sind, wurde schon hervorgehoben, und ebensowenig war
den alten amerikanischen Kupferschmieden das Löten bekannt. Die
Versuche, welche Dr. SCHMIDT mit den alten Kupfermessern, Lanzen
und Beilen in bezug auf ihre Brauchbarkeit anstellte, ergaben sehr
günstige Resultate. Mit einem 10 mm dicken Kupferbeile bearbeitete
er Buchen- und Tannenholz, aber nach viertelstündigem Gebrauche war
nicht die geringste Scharte daran wahrzunehmen. »Als ich dasselbe
Beil dagegen an ganz weichem Stein (pariser Grobkalk) versuchte,
machte jeder Hieb starke, rauhe Scharten.«[334]
»Prähistorisch« sind diese Kupfergeräte aber nur mit Einschränkung
zu nennen. Sie sind in ihrer ganzen Art zu sehr mit jenen verwandt,
welche wir bei den weiter nördlicher wohnenden Indianern oben
kennen lernten, als daß wir auf ein weit rückwärts entlegenes Volk
schließen sollten, von dem sie stammen dürften.
Wir sehen also die Kupfergeräte und Waffen der nordamerikanischen
Indianer wesentlich aus drei verschiedenen Quellen stammen und jede
dieser Quellen beherrschte einen geographisch abgegrenzten Bezirk.
1. Vom Kupferminenflusse bezogen die Eskimos und die nördlichen
Indianer ihr Kupfer; 2. vom Athna- oder Kupferflusse die Anwohner
der pazifischen Küste von der Beringstraße bis Kalifornien; 3. vom
Oberen See die Bewohner der heutigen Vereinigten Staaten bis zum
Atlantischen Ozean und Mexikanischen Golf. Nach Westen zu scheinen
aber die Kupfergegenstände aus dieser Quelle nicht allzuweit
vorgedrungen zu sein. In der »Archäology« der _U. S. Geographical
Surveys west of the 100th Meridian_ ist nirgends von aufgefundenen
alten Kupfergeräten oder Waffen die Rede.
Soviel vom Gebrauche des Kupfers bei den nordamerikanischen
Völkern. Aber benutzten sie auch das Kupfer, so waren sie darum
doch noch nicht in die Metallzeit eingetreten, denn das Material
wurde von ihnen wie Stein behandelt. Der große Kulturfortschritt
der Behandlung der Erze mit Feuer und die Reduktion derselben durch
Kohlen, das Gießen, Schmieden, Löten war den Indianern Nordamerikas
unbekannt. Diesen finden wir aber bei den südlicher wohnenden
ackerbauenden Völkern, welche bei Ankunft der Europäer in der
»Bronzezeit« standen.
Fußnoten:
[320] S. HEARNE's Reise nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797.
117.
[321] RAE in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 148 (1866).
[322] HEARNE a. a. O. 122. 123.
[323] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 135. --
HOLMBERG, Völker d. russ. Amerika. I. 27.
[324] Die geologischen Verhältnisse des Kupferdistrikts sind
geschildert im Geological Survey of Michigan. Upper Peninsula
1869-73. Part. II. Copper bearing rocks, by R. PUMPELLY. Danach der
Auszug von Dr. E. SCHMIDT im Archiv f. Anthropologie. XI. 91.
[325] CH. WHITTLESEY, Ancient mining on the shores of Lake
superior. Smithson. Contr. to Knowledge, vol. XIII. 1863.
[326] _The idea that the Indians formerly worked these mines
was abandoned shortly after their discovery. They possess no
tradition of copper mines, nor did their ancestors visited by the
Jesuit fathers in the early part of the 17th century obtain any
intelligence of mines._ SHORT, The North Americans of Antiquity.
New York 1880. 91.
[327] E. SCHMIDT, Die prähistorischen Kupfergeräte Nordamerikas.
Arch. f. Anthropologie. XI. 105.
[328] WHITTLESEY a. a. O. 2.
[329] Relations des Jésuits. Année 1667. Tome III. 8. Quebecker
Wiederabdruck von 1858.
[330] Archiv für Anthropologie. V. 1 (1872).
[331] Ancient Monuments of the Mississippi Valley. Washington 1848.
196 bis 207.
[332] RAU a. a. O. 7. Neuere Funde lassen die Geräte indessen nicht
mehr selten erscheinen.
[333] Archiv für Anthropologie. XI. 65 ff.
[334] A. a. O. 75.
Kupfer und Bronze in Mexiko.
In der geographischen Verbreitung der zu Geräten und Waffen von den
Amerikanern benutzten Stoffe lassen sich ganz bestimmte und genau
geschiedene Bezirke unterscheiden, bei denen die Kulturstufe und
das verwendete Material (je nach Ausbildung und Zeit) sich einander
decken. Im Norden, also im Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten
und im britischen Nordamerika, herrschten in der vorkolumbischen
Zeit und darüber hinaus die Geräte und Waffen aus Stein und
Knochen. Von Metallen verwendete man daneben, aber stets ohne
Anwendung von Feuer, Kupfer und meteorisches Eisen. Diese beiden
wurden, wie zuerst DANA bemerkte, wesentlich wie weiche Steine
angesehen. Von einer Feuerbearbeitung der Metalle, von einem
Vorkommen von Bronze, geschweige denn von der Herstellung von
Legierungen und künstlerischer Bearbeitung des Metalles ist keine
Rede.
Südlich von diesem eben abgegrenzten Gebiete, dessen Bewohner
unkultivierte Jäger- und Fischernomaden waren, dehnt sich das
Gebiet der Bronze aus, welches mit dem Territorium der Kulturvölker
Amerikas zusammenfällt. Die Bronze herrschte, wenn auch keineswegs
ausschließlich und im Parallelgebrauch mit anderen Materialien,
südlich von 30° nördl. Br. durch das heutige Mexiko, teilweise
Centralamerika und dann auf der Südhälfte des Kontinentes in dessen
andinischem Westen bis abermals zum 30° südl. Br. Es umfaßte
dieses Gebiet die alten Kulturstaaten Mexikos, Kolumbiens und
Perus. Was östlich und südlich von diesen lag, nahm wiederum eine
ähnliche Stellung in bezug auf die zu Waffen und Geräten verwandten
Materialien ein wie der Norden, ja stand noch tiefer als derselbe.
Die Jägernomaden des westlichen Südamerika erhoben sich niemals
über den Gebrauch der Steine und Knochen. Anfänge des Ackerbaues
waren allerdings hier (wie in Nordamerika) vorhanden[335], was sie
aber etwa an Metallen besaßen, war wenig und ihnen vom Westen auf
dem Wege entlang der großen Flüsse zugeführt. ORELLANA fand auf
seiner Fahrt den Amazonas abwärts bei den Omaguas eine kupferne
Axt, wie sie in Peru gebräuchlich war; die Guarani aus der Gegend
vom heutigen Assuncion am Paraguay führten an der Stirn einen
glänzenden Metallschmuck, als sich 1540 ALVAR NUNEZ CABEÇA DE
VACA mit einer Expedition zur Aufsuchung einer Verbindung mit dem
Hochlande der Anden in ihrem Lande befand[336], und auch dieser
Metallschmuck ist zweifelsohne aus dem Westen bezogen worden.
Auch ohne das Eisen zu kennen, waren die mexikanischen und
peruanischen Kulturvölker zu einer vergleichsweise hohen Stufe
emporgestiegen. Das Kupfer, welches sie zu härten verstanden
und die Bronze, welche sie darstellten, lieferten ihnen Ersatz
und genügten ihnen, um jene Kunstwerke zu schaffen, welche das
Erstaunen aller Konquistadoren waren. CORTEZ, in einem seiner
Berichte an Kaiser Karl V., ruft aus: »Was kann großartiger sein,
als daß ein Barbarenfürst (Montezuma) wie dieser, Nachbildungen
in Gold, Silber, Edelsteinen und Federn besaß, von allen Dingen,
die unter dem Himmel seines Gebietes zu finden sind; und zwar so
natürlich in Gold und Silber, daß es keinen Goldschmied in der Welt
giebt, der sie besser machen könnte, und die in Edelsteinen von der
Art, daß die Vernunft nicht ausreicht, zu begreifen, mit welchen
Instrumenten eine so vollkommene Arbeit gemacht sei.«[337] Im
alten Mexiko wurde der Ackerbau mit Hilfe von Bewässerungsanlagen
betrieben, alle Künste und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei,
Malerei, Bilderschrift zeigten einen verhältnismäßigen Grad
von Vollendung; die Ruinen der alten Bauten beweisen uns, daß
Meister in der Architektur hier hausten, die Verwaltung war eine
geregelte, das Hofzeremoniell ein fein durchgebildetes, und wer
an der Civilisation des alten Mexiko zweifeln wollte, den werden
die von CORTEZ mit Auffallen bemerkten Bettlergilden eines anderen
belehren, denn Bettelei kann nur da existieren, wo eine hohe
Kultur sich entwickelt hat. Die Bronzeindustrie, wie sie in Mexiko
uns entgegentritt, erscheint uns mit ihren schönen Formen, mit
ihrer guten Technik erst als ein Ausfluß der hohen Gesamtkultur
dieses Volkes. Nicht die geringste Spur und Ursache liegt aber
vor, anzunehmen, daß den Mexikanern, wie den amerikanischen
Kulturvölkern überhaupt, die Kenntnis der Bronze und ihrer
Darstellung von außen her geworden sei. Es ist ganz haltlos, wenn
WORSAAE[338] die Äußerung thut, daß bei Mexikanern und Peruanern
die gegossenen Metallgeräte »durch fremden Einfluß entstanden sein
mögen«. Es paßt ihm das Vorkommen der Bronzen in Amerika nicht
in seine unbegründete Hypothese von dem Ursprunge der Bronze in
Indien, von wo aus ihre Kenntnis in alle Welt gewandert sein soll.
Die Schilderung der Darstellung und Verwendung der Bronze bei den
Mexikanern fällt außerhalb der Grenzen, die wir uns für diese
Abhandlung gezogen haben, da wir wesentlich die sogenannten
Naturvölker beachten, und es müssen hier einige kurze Andeutungen
genügen, die zur Charakteristik der amerikanischen Metalltechnik
noch von nöten sind. Die Metalle, welche zur Zeit der Entdeckung
im alten Mexiko benutzt wurden, finden wir aufgeführt bei BERNAL
DIAZ[339]; es sind dieses Gold, Silber, Kupfer und Blei, die teils
in rohem Zustande, teils zu Schmuck geformt, unter den Marktwaren
feilgehalten wurden. Zur Herstellung von Waffen wurden aber die
Metalle nicht häufig benutzt, wiewohl solche aus Kupfer und Bronze
vorhanden sind, auch giebt es knöcherne. Die Hauptrolle spielte
hier der Obsidian, _iztli_, aus dem Schwerter, Sägen, Lanzen- und
Dolchspitzen verfertigt wurden[340], so daß hier »Steinzeit« und
»Metallzeit« zusammenfielen.
[Illustration: Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach
DUPAIX.]
Was das Kupfer betrifft, so erwähnen verschiedene spanische
Geschichtsschreiber, daß dasselbe von den Mexikanern sowohl zu
Zieraten, als zu Werkzeugen verwendet wurde und als Bezugsquelle
werden die Gebirge von Zacotollan angegeben.[341] Es war nicht
nötig, dies Metall aus dem Norden, von den großen Vorkommnissen
gediegenen Kupfers am Lake superior zu beziehen, wiewohl wir
durch CH. RAU wissen, daß es von dort aus auf dem Handelswege
sehr weit verbreitet wurde. Die Mexikaner verstanden es, ihr
Kupfer derart zu härten, daß sie mit den daraus dargestellten
Beilen Bäume fällten[342], ja, man benutzte solche Beile nach
HERRERA zu Bergwerksarbeiten _en lugar del hierro, porque corta
como acero_.[343] Der Mexikaner J. SANCHEZ hat neuerdings eine
ganze Reihe altmexikanischer Kupfergeräte zusammengestellt.[344]
Die Coatl, heute _coa_ genannt, mit welcher man die Erde umgrub,
bestand aus Kupfer und hatte (nach CLAVIGERO) einen Holzstiel.
Ein kupferner Discus von 28 cm Durchmesser wurde zu Zapotlan
(Jalisco) entdeckt. _Es una pieza trabajada á martillo y cincel._
Mit letzterem war wohl die menschliche Figur in der Mitte, ein
Götzenbild mit Strahlenkrone, eingraviert. Aufsehen hat der Fund
des Kapitän DUPAIX im Anfange unseres Jahrhunderts zu Zocho
Xocotlan (Oajaca) gemacht; er entdeckte zwei große irdene Gefäße,
die 276 Stück Tförmige Kupfergeräte von 11 cm Länge und 15 cm
Breite enthielten (Fig. 44). _Este instrumenta antiguo de cobre
rojo y muy fino es de fundicion y no de martillo._ Sind es die
von TORQUEMADA erwähnten Tförmigen Münzen? Letzterer schreibt:
_En otras (partes) usaban mucho de unas monedas de cobre casi
de hechura de Tau._[345] Andere halten diese Objekte für kleine
Beile. Wie Sanchez anführt, besitzt das Museum in Mexiko auch
einige kupferne Nadeln aus alten Gräbern, kupferne Ringe und aus
einem Tumulus in Huasteca Schildkröten aus Kupfer, _formadas de
varias piezas_. Von den von verschiedenen alten spanischen Autoren
erwähnten kupfernen Lanzenspitzen der Mexikaner findet sich im
Museum aber kein einziges Exemplar.[346]
[Illustration: Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM.]
[Illustration: Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM.]
Die im Peabody-Museum befindlichen gegossenen Kupferbeile aus
Mexiko sind von J. W. PUTNAM beschrieben worden.[347] Das älteste
Stück ist eine etwa centimeterdicke Axt, 7,4 cm lang und 4 cm
breit, welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate S. Luis
Potosi stammt (Fig. 45). Diese Axt ist in einer Form gegossen und
durch Hämmerung vollendet. Mit ihr zusammen wurden Figürchen aus
Thon, zahlreiche Spinnwirtel, drei Vasen, Obsidiansplitter und ein
Steinmörser gefunden.
Einen zweiten Typus vertreten die 1881 zu Tlacolula im Staate
Oajaca gefundenen, aus sehr reinem Kupfer bestehenden Äxte, von
denen sechs Stück in das Peabody-Museum gelangten, die größte mißt
15 cm in der Länge und 6 cm in der Breite. Die Stärke übersteigt
nicht 8 mm, wechselt jedoch sehr, namentlich nach der durch
Hämmerung verdünnten Schneide zu, während die Axt sonst gegossen
ist (Fig. 46).
[Illustration: Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach
PUTNAM.]
Die dritte Form, welche mit den Tförmigen Äxten von DUPAIX,
die oben erwähnt wurden, übereinstimmt, wurde zu Teotitlan
del Valle zwischen Oajaca und Mitla gefunden (Fig. 47). Es
erscheint dieser Typus als Ackerbauinstrument.[348] Die konvexe
Schneide ist 14, die Länge (mit dem Stiel aus Kupfer) 16 cm --
immerhin für eine Schaufel etwas klein und eher den Schabemessern
der Gerber entsprechend. Vier, nicht näher beschriebene, von
CHARNAY mitgebrachte Kupferäxte aus Mexiko, sind im Pariser
ethnographischen Museum.[349] Letzteres besitzt auch aus der
Kollection PINART sehr hübsche mexikanische Schellen aus
Kupfer.[350] Die Kleinheit aller bisher gefundenen mexikanischen
Kupfer- und Bronzegeräte weist darauf hin, daß diese Metalle bei
den Mexikanern immerhin noch verhältnismäßig wenig häufig waren,
was auch mit der relativen Seltenheit der Funde im Zusammenhang
steht.
Als CORTEZ im Jahre 1524 dazu schritt, sich in Mexiko selbst
Geschütze zu gießen, fand er zu diesem Zwecke wohl Kupfer vor,
»aber kein Zinn, ohne welches die Stückgießerei unmöglich ist«. Nur
schwierig trieb er zu diesem Zwecke (europäische) Zinnteller und
sonstige Gefäße zusammen, aber dieser Vorrat war bald erschöpft.
Doch bald fand er unter den Eingeborenen der Provinz Tachco
(Tasco) Stückchen davon »nach Art sehr dünner Münzen«, die dort
als Geld cirkulierten und daselbst gewonnen wurden. Kurz darauf
hatte CORTEZ die Zinngruben entdeckt, die er nun von Spaniern mit
eisernen Werkzeugen bearbeiten ließ.[351] So waren also die Stoffe
zur Bronzebereitung vorhanden. Die mexikanischen Bronzen enthalten
im Durchschnitte 9-10% Zinn und sind wohl geeignet, die härtesten
Stoffe zu bearbeiten, doch sind sie nur selten, auch wurde
Bronze wenig zu Waffen benutzt. Sehr schöne, in der Stadt Mexiko
ausgegrabene Bronzebeile (neben Glöckchen und Nadeln aus dieser
Legierung) besitzt die Christy Collection.[352] Ein 98 mm langer,
oben cylindrischer, nach unten zu prismatischer, an der Schneide
schräg abgeschnittener Bronzemeißel liegt im Nationalmuseum zu
Mexiko. Die Legierung besteht aus 97,9% Kupfer, etwas über 2% Zinn
und geringen Mengen Gold und Zink. Die Anwesenheit des letzteren
Metalls läßt das Alter des Instrumentes zweifelhaft erscheinen.[353]
Als KOLUMBUS auf seiner vierten Reise 1502 bei der Insel Guanaja
(Isla de Pinos) landete, traf er auf eine yukatekische, 2 m
breite und aus einem Baumstamme hergestellte Galeere, deren
Ladung aus verschiedenen Produkten heimischer Industrie bestand,
darunter wieder eherne Glöckchen und Äxte, Tiegel mit Deckeln zum
Schmelzen des Kupfers und daneben hölzerne Schwerter mit Zähnen
von Feuerstein (Obsidian) besetzt.[354] Stein- und Metallzeit
waren hier also gleichsam an Bord vereinigt und die ausdrücklich
erwähnten Schmelztiegel für Kupfer lassen uns wenigstens einiges
von den metallurgischen Prozessen der Mexikaner ahnen.