auch verarbeitetes Meteoreisen. Als er 1818 mit JOHN ROSS den
kleinen Eskimostamm am Kap York (am Eingange des Smithsundes)
entdeckte, fielen ihm sogleich die Messer dieser Polarmenschen
auf. Er berichtet[290]: »Jeder der uns am 10. August besuchenden
Eskimos, und ich glaube jeder der uns später besuchenden, besaß
ein roh gearbeitetes Instrument, welches die Stelle eines Messers
vertrat. Der Griff war aus Knochen von 23-28 cm lang und dem
Handgriffe eines Einschlagemessers ähnlich gearbeitet; in einem
auf der Kante entlang laufenden Einschnitte sind dann eine Anzahl
plattgeschlagener Eisenstückchen, von drei bis zu sieben Stück
bei einzelnen Messern und gewöhnlich bis zur halben Länge des
Messers, eingefügt. Keines dieser Stücke war an dem Handgriffe
besonders befestigt, mit Ausnahme des die Spitze bildenden,
welches in der Regel zweischneidig und roh vernietet war (Fig.
31). In der ersten Antwort auf unsere Frage, woher sie das Eisen
erhalten hätten, wurde uns zu verstehen gegeben, sie hätten es
am Meeresufer gefunden, und wir vermuteten, es stamme von den
Beschlägen gelegentlich an die Küste getriebener Tonnen. Nur
wunderten wir uns über die Leichtigkeit, mit welcher sie ihre
Messer hergaben; sie erhielten allerdings unendlich viel bessere
Messer im Austausche gegen die ihrigen, es schien uns aber doch,
als ob sie das so zufällig erhaltene Eisen nicht so hoch schätzten,
als wir erwarten konnten. Das veranlaßte eine Diskussion unter
uns, bei welcher einige der bei der Befragung der Eskimos in der
Kajüte zugegen gewesene Offiziere bezweifelten, daß der Dolmetscher
ZACHEUS richtig verstanden worden sei; er wurde also wieder
herbeigeholt und ihm gesagt, man wünsche zu wissen, was über das
Eisen an den Messern, von denen eins auf dem Tische lag, gesagt
worden sei, worauf man ihm das, was er anzugeben hatte, ohne ihn
zu unterbrechen oder ihm einzuhelfen, sagen ließ. Er erklärte, es
sei kein englisches oder dänisches, sondern Eskimoeisen; es komme
von zwei großen Steinen auf einem Hügel, nahe an einer Gegend der
Küste, an der wir kürzlich vorbeigefahren und die jetzt noch in
Sicht sei. Die Steine seien sehr hart; kleine Stücke würden davon
ab- und zwischen anderen Steinen plattgeschlagen. Diesen Bericht
wiederholte er gleichmäßig mehrere Mal, so daß der Sinn desselben
nicht zweifelhaft bleiben konnte. Ferner brachten wir von ihm
heraus, daß er von dem Vorkommen solcher Steine in Südgrönland
nie gehört habe, daß die Eskimos ausgesagt hätten, sie wüßten von
keinen anderen Steinen außer diesen beiden und endlich, daß das
Eisen, so wie es von dem Steine losgebrochen werde, unverändert
vor uns liege und im kalten Zustande platt gehämmert worden sei.
Unsere späteren Besucher bestätigten obigen Bericht mit dem
Hinzufügen eines merkwürdigen Umstandes, nämlich, daß die beiden
Steine nicht gleichartig seien. Der eine nämlich bestehe ganz
und gar aus Eisen und sei so hart und schwierig zu zerschlagen,
daß sie das nötige Metall lediglich aus dem anderen, in der
Hauptsache aus einer harten, dunklen Gesteinsart bestehenden Blocke
entnähmen.[291] Aus den abgeschlagenen Bruchstücken gewännen sie
dann kleine Eisenstückchen, welche sie so flach schlügen, wie wir
sie vor uns sähen. Der Hügel, wo das Meteoreisen vorkommt, wird
von den Eingeborenen _Sowilie_ (_Sauwilie_) genannt, abgeleitet
von _Sowie_ (_Sauwie_), dem bei den Grönländern gebräuchlichen
Namen für Eisen. ZACHEUS sagte mir, das Wort bedeute eigentlich
einen »harten, schwarzen Stein«, aus dem die Eskimos Eisen zu ihren
Messern gewannen, ehe die Dänen Eisen bei ihnen einführten, und daß
nun das Eisen, als zu gleichem Zwecke dienend, auch denselben Namen
bekommen habe. Ich meine nun, daß die nördlichen Eskimos den Namen
in ähnlicher Weise für das so zufällig von ihnen gefundene Eisen
benutzten. Der Bericht über Kapitän COOK's dritte Reise belehrt
uns, daß die Bewohner des in unmittelbarer Nachbarschaft der
Beringstraße belegenen Nortonsundes ihr von den Russen bezogenes
Eisen _Shawie_ nannten, was offenbar dasselbe Wort ist. Die
eigentümliche Farbe dieser Eisenstücke, ihre Weichheit und Freiheit
von Rost ließen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, daß sie aus
Meteoreisen beständen, wie auch seitdem die Analyse nachgewiesen
hat.«
Soweit der interessante Bericht SABINE's, der uns die nördlichen,
1818 entdeckten Eskimos im Besitze von Meteoreisenmessern zeigt,
über deren Herstellung wir genau unterrichtet werden. Würden
wir noch Zweifel hegen an der meteorischen Natur des Eisens der
Eskimomesser, so würden dieselben zerstört durch die 1870 erfolgten
riesigen Meteoreisenfunde im nördlichen Westgrönland durch
NORDENSKIÖLD, sowie das anderweitig konstatierte Vorkommen von
Meteoreisenmessern bei Eskimos.
Es scheint in diese Kategorie auch das Eisen zu gehören, welches
S. HEARNE 1772 in einem Eskimolager am Kupferminenflusse fand,
bei einem Stamme, der sonst gediegenes Kupfer zu Waffen und
Geräten benutzte. Es waren zwei kleine Stückchen, »eins 3,5 cm
lang und 90 mm breit, welches ein Weibermesser vorstellte, das
andere war nur 2,5 cm lang und 60 mm breit. Dieses letztere war
in ein Stück Elfenbein (Walroßzahn) befestigt, so daß es ein
Mannsmesser ausmachte, dergleichen in der Hudsonsbai unter dem
Namen _Mokeatoggen_ bekannt und das einzige Werkzeug sind, dessen
sie sich zur Verfertigung ihrer Holzarbeiten bedienen.«[292]
Daß die sogenannten Moundbuilder im Bereiche der Vereinigten
Staaten neben den verschiedenen oben erwähnten Metallen auch
selten das Meteoreisen benutzten, dieses zu konstatieren ist
erst in der allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des
Peabody-Museums, PUTNAM, gelungen. Er fand in einem Mound am Little
Miami (Distrikt Anderson, Ohio) eine Kupferscheibe mit Eisen
überzogen, dessen Nickelgehalt und Hämmerbarkeit den meteorischen
Ursprung bezeugten.[293]
Unser Eisen wurde in Grönland erst durch die Dänen verbreitet,
wenn auch in geringerem Maße solches den Eingeborenen schon durch
die alten normannischen Besiedler des Landes zugegangen sein kann.
Es ist dabei aber nicht zu übersehen, daß erst von der Mitte des
14. Jahrhunderts an die Eskimos von der Westküste der Davisstraße
via Smithsund nach Grönland vorrückten und mit den Normännern in
feindliche Berührung (als Skrälingar) gerieten, deren dunkle Farbe,
breite Backenknochen, Pelzkleider, Lederbote, Gerätschaften aus
Stein oder Zahn und Unbekanntschaft mit dem Eisen in den Quellen
geschildert werden.[294] Gelegentlicher Tauschverkehr brachte
im 17. Jahrhundert -- lange nach dem Eingehen der normannischen
Kolonien -- den Grönländern einiges Eisen, dessen Wert man bald
erkannte, wie denn die durch DANELL 1654 nach Dänemark gebrachten
Grönländer, welche OLEARIUS in Flensburg kennen lernte, stets
begierig nach Eisen und Messern griffen, Geld aber und andere
Dinge, wenn ihnen die Wahl gestattet war, liegen ließen.[295]
Noch zu EGEDE's Zeit (1721) waren die Pfeil- und Lanzenspitzen der
Grönländer teilweise aus Knochen und Stein und nur teilweise aus
Eisen.[296]
~Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien.~ Den westlichen
Eskimos an der Beringstraße und den ihnen benachbarten Indianern
kam die Kunde des Eisens von Asien her und zwar vereinzelt schon
vor der Ankunft der Russen am östlichen Ende der alten Welt.
Die Berührungen zwischen der alten und neuen Welt sind, da wo beide
sich am meisten nähern, immer sehr mannigfaltiger Art gewesen.
Der Tauschverkehr zwischen den zu beiden Seiten der schmalen
Beringstraße angesessenen Völkern ist ein lebhafter; Lebensart und
Sitten zeigen bei den Tschuktschen der alten Welt und den Eskimos
der neuen ungemein viel Übereinstimmendes bis in die geringsten
Kleinigkeiten. »Die Amerikaner, welche wir bei Schumachins Insel
auf Amerika gesehen, sind den hiesigen Völkern (Kamtschadalen etc.)
so gleich, als ein Ei dem anderen«, schreibt der alte STELLER[297],
und der Verständigung der Asiaten und Amerikaner untereinander
steht in diesem Erdwinkel nichts entgegen. Aber auch die weiter
südlich gelegenen Küsten Nordamerikas, bis nach Kalifornien hin,
haben nachweisbar asiatische Einflüsse, wenn auch in einem weit
geringeren und keineswegs nachhaltigen Maße, erhalten. Wir meinen
die mit dem Kuro Siwo oder schwarzen Strome von Japan nach Amerika
hinübergetriebenen schiffbrüchigen Dschonken. Es sind aus dem
vorigen und diesem Jahrhundert eine große Anzahl festgestellter
Fälle dieser Art bekannt; japanische Dschonken scheiterten an den
Alëuten, ja auf den Sandwichinseln, und mit ihnen wurde stets
Eisen nach der neuen Welt gebracht. So ist es ohne Zweifel auch
in der Zeit gewesen, als Europäer noch nicht nach Nordwestamerika
gelangt waren. Hieraus erklärt sich vielleicht teilweise die
Bekanntschaft der Bewohner Kaliforniens, Oregons und der weiter
nördlich wohnenden Völker mit dem Eisen, als ihre Küsten im vorigen
Jahrhundert zuerst von europäischen Schiffen besucht wurden.
Anderseits aber, und wohl vorwiegend, kam ihnen dasselbe von Norden
her, von den Russen, welche im vorigen Jahrhundert die Länder an
der Beringsee in Besitz nahmen. Eine merkwürdige Thatsache bleibt
es auch, daß die Konjagen, eines der dort wohnenden Völker, zu
jener Zeit durch die Russen den Tabak kennen lernten[298], welcher
somit auf einem Gange rund um den Globus zu ihnen, den Amerikanern,
gelangte. Es ist aber der Tabak ein Genußmittel, das noch schneller
als das Eisen sich verbreitete, hier aber gleichzeitig mit diesem
seinen Einzug hielt. In dieser Thatsache sehen wir aber auch eine
Bestätigung dafür, daß nicht von Osten oder Süden her das Eisen
nach dem Nordwesten Amerikas gelangt sein kann; denn die Völker in
den Vereinigten Staaten, wie die Tolteken-Azteken im Süden waren
große Raucher und durch Angelsachsen wie Spanier mit dem Eisen
schon vertraut, als der Nordwesten letzteres noch nicht kannte.
Wäre das Eisen von Osten oder Süden gekommen, sicher wäre dabei
auch dem Tabakrauchen die Bahn gebrochen worden.
Die Expedition BERING's, auf welcher Amerika von Kamtschatka
aus entdeckt wurde, fällt in das Jahr 1741 und sehr bald darauf
begannen die Züge der russischen Pelzjäger nach den Alëuten und
dem amerikanischen Festlande. Aber nur langsam verbreiteten sich
Eisengeräte. BILLINGS fand 1790 auf Unalaschka noch Nähnadeln
aus den Flügelknochen der Möve gearbeitet und Speere mit
Knochenspitzen; ebenso auf Kadjak. Im Prinz Williamssund, wo er
ankerte, bezeugten die Eingeborenen eine starke Neigung, alles,
was von Eisen war, zu stehlen.[299] Trotzdem war hier, wie wir
erwähnten, das Eisen schon vor der Ankunft der Weißen bekannt,
wiewohl die alten Steinwerkzeuge noch vorherrschten und die
Modelle für die neuen eisernen abgaben, zu denen der Stoff von den
Bestandteilen verunglückter Schiffe entnommen wurde.[300]
Alle Stämme an der Westküste Nordamerikas zwischen 40° und 60°
nördl. Br. waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit dem
Eisen wenigstens vertraut, so fand es COOK 1778 am Nutkasund
im Gebrauche, da die Haidas es von Norden oder von japanischen
Schiffbrüchigen erhalten hatten. _It was certainly used in
British Columbia for various purposes before the coming of the
whites._[301] VANCOUVER, dessen Reise etwas später fällt, sah
bei den Indianern am Discoveryhafen der Juan de Fuca Einfahrt
Speere, Pfeile und Fischhaken von Achat oder Knochen, »doch hatten
auch einige Pfeile eine Spitze von dünnem glatten Eisen«. An der
Johnstonestraße zwischen der Vancouverinsel und dem Festlande,
fand er bei den Indianern »viele Speere mit eisernen Spitzen«,
und auch am Nutkasunde traf er 5-6 m lange Speere, die »oben eine
lange polierte eiserne Spitze« hatten; anderseits aber traf er
in derselben Region noch Lanzen mit Schieferspitzen.[302] Diesen
Übergangszustand charakterisiert auch MAURELLE, der Steuermann
BODEGA's, welcher 1775 nach Kap Mendocino an der nordkalifornischen
Küste kam. Die Waffen der Indianer »waren hauptsächlich Pfeile mit
Spitzen von Feuerstein, auch Kupfer und Eisen, welches sie, soviel
wir verstanden, von Norden her bekommen und worauf wir, an einem
Pfeil, das Zeichen G bemerkten. Den größten Wert setzten sie auf
Eisen, besonders Messerklingen und alte Faßringe«.[303]
~Eisen in Kalifornien.~ Bis hierher reicht der russische Einfluß.
Südkalifornien dagegen erhielt sein erstes Eisen aus dem spanischen
Kulturkreise, worauf noch jetzt die Funde von Eisen in alten
Gräbern deuten. CABRILLO hatte 1542 im Auftrage des Vicekönigs
von Mexiko die kalifornischen Küsten aufgesucht und damit treten
spanische Metallwaren und Waffen bei den Eingeborenen auf. Die
südkalifornischen Indianergräber bergen dieselben in Menge neben
silbernen Löffeln, Porzellantassen und Pistolenläufen, so daß über
die Herkunft kein Zweifel entstehen kann. Es ist aber aus den
Grabfunden, namentlich jenen des Isthmus von Santa Catalina, die
hohe Wertschätzung zu ersehen, welche die kalifornischen Indianer
dem neuen Metall zu Teil werden ließen. Selbst kleine Stückchen
Eisen schliff man zu in der Form wie die alten Feuersteingeräte und
befestigte sie in hölzerne Hefte, ganz nach Art dieser (Fig. 32),
wie ein Fund von Santa Cruz Island beweist; andere Eisenstücke, die
als Grabbeigaben gefunden wurden, sind höchst sorgfältig in Stoffe
oder pelzbesetzte Scheiden eingewickelt worden, deren Spuren bei
den Funden der Gräber von La Patera sich noch deutlich erhalten
haben.[304]
[Illustration: Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art
der Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S. Geogr. Surveys,
west of 100th meridian.]
Auch anderwärts dieselbe Wertschätzung der ersten zugeführten
Eisenstückchen und deren Mitgabe in Gräber! In den alten
Indianergräbern von Kantunile in Yukatan fand man neben Perlen,
geschnitzten Muschelschalen, auch thönerne Vasen bis zum Rande
gefüllt mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen ein
Federmesser mit Hornschale in höchst zerfressenem Zustande. _At
the time of the conquest it was doubtless considered precious,
worthy of being buried with the heirlooms of its owner, and of
accompanying him to the world of spirits._[305]
So geht naturgemäß die Ausbreitung der Kenntnis des Eisens bei
den amerikanischen Eingeborenen mit der Entdeckungsgeschichte
Hand in Hand, sie läßt sich mit Hilfe derselben leicht weiter
verfolgen. Es erscheint hierbei aber als eine Thatsache, daß
die Eingeborenen, wiewohl sie das neue Metall kennen lernten,
nur in den seltensten Fällen selbst zur Darstellung desselben
schritten. Europa führte es ihnen in genügender Menge und billig
zu im Austausche gegen die leicht zu erhaltenden heimischen
Naturprodukte, deren schnelle und einfache Gewinnung den Antrieb
zur Selbstbereitung des Eisen hinfällig machen mußte. Es erscheint
daher auffallend und als Ausnahme, wenn MUSTERS berichtet, daß
die Patagonier es gelernt hätten, Eisenerz zu reduzieren und das
gewonnene Eisen zu Bolaskugeln zu schmieden. Diese Südamerikaner
sind nach ihm geschickte Eisenarbeiter; sie verfertigen aus jedem
Stückchen Metall, das sie durch Diebstahl, Handel oder Wraks
von der Küste bekommen, ein Messer oder Beil. Aber auf kaltem
Wege, denn sie benutzen dazu onomatopoetisch _Kikerki_ genannte
Feilen, die sie auf dem Handelswege erhalten.[306] Die Indianer
der Vereinigten Staaten haben sich nirgends -- es sei denn da,
wo sie ansässig in den Reservationen wurden -- zum Schmieden,
geschweige denn zur Herstellung des Eisens bequemt. Die _Wihinkpi_
oder Pfeile der Dakota sind jetzt mit eisernen Spitzen statt
solcher von Feuerstein versehen. Aber dieses Eisen ist europäisches
(oder nordamerikanisches) Bandeisen, einfach kalt auf Steinen
zugeschliffen.[307]
Nach ~Traditionen~ und ~Sagen~ in bezug auf das Eisen bei den
Amerikanern zu forschen, erscheint bei der Sachlage nicht am
Platze, es sei denn, daß man die Frage erweiterte und nach der
Herkunft der Metalle frage. Es fehlt nicht an Andeutungen, daß
die Metallarbeiter in ähnlicher Weise hoch geschätzt wurden, wie
in anderen Ländern. Einer alten Tradition zufolge soll bei den
Thlinkithen in Nordwestamerika ein Weib die Kunst, zu schmieden,
erfunden haben, weshalb ihr auch eine fast göttliche Verehrung zu
teil wurde. Noch zu HOLMBERG's Zeit wurde diese Kunst als Geheimnis
bewahrt und lebte als Erbteil in gewissen Familien fort.[308]
Als KITTLITZ in Sitcha war, stand eine Frau an der Chathamstreet
im besonderen Rufe als Waffenschmiedin.[309] Zwei schiffbrüchige
Seeleute wurden noch in diesem Jahrhundert von den Klatsopindianern
an der Mündung des Columbia als Sklaven gehalten _until it was
found, that one was a worker in iron, of which the Indians began to
see the value, when they made him a chief_.[310]
Ich will hier, wo ich die Darstellung der Einführung des Eisens
bei den Indianern verlasse, noch auf eine Tradition hinweisen, die
ich bei Abbé PETITOT[311] finde und die auf die Entdeckung und
Ausarbeitung des Eisens aus _fer oligiste_ durch die Tinnéindianer
hinweist. Ich kann mich indessen einiger Zweifel über diese
Darstellung nicht erwehren und glaube, daß hier »Kupfer« statt
Eisen zu lesen ist, worauf die _substance dure et rouge_ hinweist.
Die Tinné erzählen also: Einer der ihrigen gelangte an den
Lé-kota-la-délin, einen Zufluß des Mackenzie. _Il apperçut une
substance dure et rouge, semblable à la fiente de l'ours noir
frugivore; c'est pourquoi il l'appela sa-tsonne (fumées d'ours).
C'était du fer oligiste. Jusqu'alors les Dènè s'étaient servis
d'armes et d'outils de pierre; toutefois ils devaient connaître
le métal, car leur tradition dit que jusqu'à la trouvaille du
vieillard, ils n'en avaient point vu sur le nouveau continent. De
ce fer ils se fabriquèrent des aiguillettes ou alènes de la longeur
du petit doigt, qu'ils vendaient pour dix peaux d'orignal aux
Esba-t'a-ottiné de la rivière des Liards._
~Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern.~ Die
Völker Amerikas, welche durch die Spanier das Eisen kennen
lernten, nahmen mit der fremden Sache keineswegs den fremden
Namen an, sondern bildeten aus dem heimischen Wortvorrat mit
Anlehnung an die eigenen Bezeichnungen für Metall und Kupfer eine
neue zusammengesetzte Bezeichnung. In MOLINA's _Vocabulario de
la lengua Mexicana_, Mexico 1571, ist _hierro metal_ mit _tlitic
tepuztli_ wiedergegeben. _Tlitic_ wird als _cosa negra_ erklärt
und _tepuztli_ als _cobre o hierro_; wir hätten danach bei den
Mexikanern ein »schwarzes Kupfer« für Eisen.
Die Völker des südlichen Kulturkreises verfuhren in ähnlicher
Weise; hier erscheint das Wort _qquillay_, _cquellay_, _quellaya_
für Eisen. Im ältesten Wörterbuche der Quichuasprache[312] ist aber
_quillay_ zugleich mit _hierro_ und _metal_ erklärt, so daß wir
auch in der Quichuasprache eine Übertragung des Begriffes Metall
auf Eisen annehmen dürfen. Freilich giebt HOLGUIN[313] _qquillay_
einfach als _hierro_ und hat für _metal o cobre_ das Wort _anta_
und _puca anta_ (rotes _anta_); daß aber in dem Worte _qquillay_
nur die Bedeutung Metall zu suchen ist, beweist uns das Aymara,
denn hier heißt[314] _hierro_ = _yauri_ und _quellaya yauri_.
_Yauri_ aber wird als _cobre_ erklärt und _quellaya_ als _hierro de
Castilla_. So ist es auch im Araukanischen[315], wo _hierro_ und
_metal_ = _pañilhue_ heißen und Kupfer speziell als _cum-pañilhue_
(rotes _pañilhue_) erklärt wird, und im _Moxa_[316], wo es heißt
_hierro_ = _tumore_; _tumore_ aber wird durch _todo genero de
metal_ erläutert.
Die Arowaken in Guiana nennen das Eisen _siparalli_ und den Stein
_siba_, woraus sich leicht das erstere ableiten läßt; wenn nun
die benachbarten Galibi für Eisen dasselbe Wort wie die Arowaken,
nämlich _siparali_ und _sibarari_ gebrauchen, für Stein aber
_topu_ haben, so erklärt sich dieses sicher dadurch, daß sie
durch die Arowaken das fremde Metall kennen lernten und dabei den
arowakischen Namen annahmen.[317]
Noch ein paar Beispiele. Der Indianer Costaricas bezeichnet
Eisen und alles, was daraus bereitet ist, mit dem Worte für
Messer, _tabé_. Danach ist ein eiserner Topf _tabé-ung_, wörtlich
Messerthongefäß.[318]
Einfacher noch behelfen sich die Tsimsian, ein Stamm der
Thlinkithen im Washington Territory, welche das Eisen mit ihrem
Worte für schwarz, _tuts_, benannten.[319]
Fußnoten:
[283] LUBBOCK, Die vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. I. 244.
[284] ACOSTA, Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1590.
199.
[285] Transact. Americ. Ethnolog. Soc. II. 164. New-York 1848.
[286] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 677.
[287] NAVARRETE, Coleccion de los viages etc. Madrid 1825. I. 98.
115. 118. -- WAITZ, Anthropologie. IV. 325.
[288] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 179. 182.
[289] PETERMANN's Mitteilungen. 1870. 326.
[290] Quarterly Journal of Science. 1819. vol. VII. 79.
[291] Hier handelt es sich also wohl um Meteoreisen und
Meteorstein, letzterer mit eingesprengten Eisenpartikeln, die von
den Eskimos benutzt wurden.
[292] HEARNE's Reisen nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 118.
[293] Bullet. soc. d'Anthrop. 1883. 438.
[294] KONRAD MAURER in Zweite deutsche Nordpolfahrt. Leipzig 1873.
I. 234.
[295] ADAMI OLEARII, Persianische Reisebeschreibung. Hamburg 1696.
88.
[296] HANS EGEDE's Beschreibung von Grönland. Berlin 1763. 124. 125.
[297] STELLER, Kamtschatka. 251.
[298] HOLMBERG, Völker des russ. Amerika. I. 132.
[299] SAUER, BILLINGS' Reise nach dem russ. Asien und Amerika.
Weimar 1803. 161. 179. 190.
[300] HOLMBERG a. a. O. I. 101.
[301] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 164.
[302] VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. 251. 283.
[303] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig
1782. III. 223.
[304] Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th
Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. Plate XV. und
Plate IV. Fig. 8.
[305] STEPHENS, Incidents of travel in Yucatan. II. 344.
[306] MUSTERS, Unter den Patagoniern. Jena 1873. 177. 183.
[307] Nach Exemplaren im Leipziger Museum für Völkerkunde.
[308] HOLMBERG a. a. O. I. 28.
[309] Denkwürdigkeiten einer Reise etc. I. 214.
[310] GIBBS in Contribut. to North Americ. Ethnology. Wash. 1877.
I. 237.
[311] Dictionnaire de la langue Dènè-Dindjiè. Paris 1876. XXVIII.
[312] THOMAS, Grammatica de la lengua del Peru. Valladolid (1560).
[313] Vocabulario de lengua Quichua. Lima 1608.
[314] BERTONIO, Arte y grammatica de la lengva Aymara. Roma 1603.
[315] FEBRES, Arte de la lengua general del regno de Chile. Lima
1765.
[316] MARBAN, Arte de la lengua Moxa (Lima 1701).
[317] MARTIUS, Glossaria linguarum brasiliensium. Erlangen 1863.
308. 309. 342. 350.
[318] GABB, Indian tribes of Costarica. In Americ. Philosoph. Soc.
vol. XIV. 556. 565. Philadelphia 1875.
[319] Contributions to North Americ. Ethnology. I. 148.
Das Kupfer bei den Nordamerikanern.
Ebenso wie die Eskimos das meteorische Eisen im kalten Zustande
verarbeiteten, hämmerten und meißelten, ohne daß sie es verstanden,
es zu schmieden oder gar zu gießen, so benutzten sie auch das
Kupfer; es war ihnen gleichsam ein weicher, formbarer Stein, ein
Gegenstand, der nach unserer Anschauung etwa das Übergangsstadium
von der Stein- zur Metallbenutzung fixiert. Die Eskimopfeile,
die HEARNE 1772 an der Mündung des Kupferminenflusses bei den
Eingeborenen fand, waren mit Spitzen aus Stein oder Kupfer
versehen. »Ihre Beile,« schreibt er, »verfertigen sie aus einem
dicken 10-15 cm langen und 2-7 cm breiten Klumpen Kupfer. Sie
sind an ein 30-35 cm langes Stück Holz mit Schnüren festgebunden
und werden wie ein Meißel gebraucht, indem man mit einer schweren
Keule darauf schlägt, sind aber zu leicht und stumpf, um wie
ein Beil gebraucht zu werden.« Auch »Bajonette« in Spatenform
und in Hirschhorn gefaßt, sowie Weibermesser aus Kupfer erwähnt
HEARNE.[320] Dasselbe berichtet RAE von den weiter östlich an der
Repulsebai wohnenden Eskimos. »Fast alle Geräte und Waffen dieses
Volkes waren aus heimischem Kupfer geformt, welches sie hübsch
in Messer, Dolche, Speere, Lanzen- und Pfeilspitzen gehämmert
hatten.«[321] Wahrscheinlich stammte dieses Kupfer auch vom
Kupferminenfluß, von wo es auf dem Handelswege an die Repulsebai
gelangte.
Ehe die Hudsonsbaicompagnie ihre Faktorei am Churchillflusse
anlegte (ungefähr 1720), gebrauchten die nördlichen Indianer kein
anderes Metall als das Kupfer, einzelnes Eisenwerk ausgenommen,
welches etwa am Fort York (seit 1713) von ihnen eingetauscht
wurde. Alljährlich zogen sie in großer Anzahl an die Mündung
des Kupferminenflusses, um das dort gediegen vorkommende Metall
zu suchen, aus dem sie Beile, Eishacken, Lanzenspitzen, Messer,
Pfriemen, Pfeilspitzen verfertigten. »Die vielen auf diesen Reisen
ausgetretenen Fußsteige, welche an manchen Orten auf den trockenen
Steinklippen und Bergen sichtbar sind, erregen wirklich ihrer
Anzahl wegen Erstaunen.« Noch zu HEARNE's Zeit (1772) zogen diese
nördlichen (Tinné-) Indianer das Kupfer »beinahe für jedes Werkzeug
dem Eisen vor, Beile etwa oder Eishacken und Pfriemen ausgenommen.
Zu diesen drei notwendigen Stücken aber läßt sich das Kupfer nicht
gut benutzen.« Im Tauschhandel gaben sie gleichgroße Stücken Kupfer
für Eisen.[322]