Kupfer also ist das älteste Metall der Finnen und auf Kupfer

und mit Kupfergezähen wurden die alten Bergbaue betrieben; die

ursprünglichen Sitze der Finnen lagen gleichfalls am Ural und in

Westsibirien, wo ja noch ein Teil dieses Volkes wohnt; endlich

ist der Name der Tschuden, welcher den alten Bergleuten und

Metallschmelzern Sibiriens traditionell gegeben wird, ein noch

teilweise auf die heutigen Finnen angewandter. Auch A. ERMAN ist

nicht abgeneigt, in den Tschuden finnische Völker, Vorfahren

der jetzigen Ostjaken zu sehen, deren Name aus dem tartarischen

_Uschstjak_ entstanden ist.[271] Dieses alles scheint darauf zu

deuten, daß jene alten Metallurgen finnischen Stammes waren,

wiewohl die Gründe nicht stark genug sind, um diese Mutmaßung zur

Gewißheit zu erheben.

~Kurgane und Gräber in Sibirien.~ Abgesehen von den alten Bergbauen

finden sich im westlichen und südlichen Sibirien zahlreiche Gräber

sehr verschiedener Art und, nach den reichen Grabbeigaben zu

schließen, von sehr verschiedenen Völkern und aus verschiedenen

Perioden herrührend. Sie fesselten frühzeitig die Aufmerksamkeit

der Reisenden und auch der Schatzgräber, die, nach Gold wühlend,

manches kostbare Denkmal vorgeschichtlicher Zeit zerstörten.

STRAHLENBERG, PALLAS, GMELIN, EICHWALD, RADLOFF, POGOW, MEYNIER

und EICHTHAL, DESOR und andere haben sich mit diesen Gräbern und

ihrem Inhalte beschäftigt; es existiert darüber in russischen

Fachschriften eine reiche Litteratur, die ich zu meinem Bedauern

aus Unkenntnis der russischen Sprache nicht benutzen konnte. Es

mögen daher die nachfolgenden Mitteilungen unter dem Gesichtspunkte

der Unvollständigkeit beurteilt werden.

Das Centrum der Verbreitung dieser Gräber liegt am oberen Jenisei

und seinen Nebenflüssen im Kreise Minusinsk, da wo dieser große

Fluß aus der Mongolei nach Sibirien übertritt. Entlang dem

Jenisei haben die Metallerzeugnisse jenes alten Kulturvolkes oder

jener alten Kulturvölker sich gegen Norden hin verbreitet, denn

tatarische Hirten finden in den Steppen bei Krasnojarsk am Jenisei

beim Weiden hin und wieder Bronzegegenstände mit Tierbildern,

welche in ihrer Ausführung eine weit höhere Kultur voraussetzen,

als sie unter den dortigen, jetzt bekannten Eingeborenen besteht

oder bestanden hat und die gleichfalls mit den »Tschuden« in

Zusammenhang gebracht wird. Derartige Bronzemesser zeigen am Griffe

nach DESOR[272] sehr gut ausgeführte Steinböcke, Wölfe, Elentiere,

ja Tiger oder Löwinnen, aber mit einer Art von Elefantenrüssel.

Die Gegenstände, auf denen solche Ornamente vorkommen, sind Dolche,

Beile, Piken, Meißel, gewöhnlich mit brauner, seltener mit grüner

Patina überzogen. Die Formen werden von DESOR, dem die Bronzen von

dem Entdecker, dem russischen Ingenieur LAPATIN zugeschickt wurden,

für schön und elegant erklärt.[273]

Diese Funde, welche nach ihrer artistischen Ausgestaltung auf eine

höhere Kultur schließen lassen, können nicht von den Vorfahren der

heutigen Eingeborenen jener Gegenden herrühren und wohl auch kaum

in diesen Gegenden entstanden sein, die mit einer Wintertemperatur,

in der häufig das Thermometer bis auf -40° R. sinkt, dem Aufblühen

der Künste und Gewerbe wenig förderlich waren. Sie weisen nach

Süden, nach dem Grenzgebiete gegen die Mongolei hin, wo in der That

ein schöneres Klima herrscht und die zahlreichen Gräber als Quelle

jener Funde von Krasnojarsk zu erkennen sind.

Übersicht und System in die Gräber am oberen Jenisei hat W. RADLOFF

gebracht, der die zahlreichen, verschiedenartigen Grabstätten im

Kreise Minusinsk, an dem Ufer des Jenisei, in den Steppen des

Abakan und Jüs untersuchte, sowie an den Strömen, die östlich vom

Altai herabkommen. Tumuli und Steingräber liegen unregelmäßig

zerstreut in den Uferlandschaften und begleiten in ununterbrochener

Reihe die Gestade der Flüsse. Schon ihre große Anzahl zeugt von

einem langjährigen Aufenthalte eines zahlreichen Volkes in diesen

Gegenden.

Wohl auszuscheiden von den alten Gräbern dortiger Gegend, die

gleich näher charakterisiert werden sollen, sind die jüngeren,

nicht auf der Steppenfläche verteilten, sondern entfernt von den

Flüssen in den Vorgebirgen gelegenen Gräber, die oft zu 60 bis 80

an einer Stelle sich beisammen finden und von Kirgisen herrühren.

Sie enthalten neben Skeletten Eisengerät, Kessel, auch aus Kupfer,

Messer und Pfeile aus Metall und selbst aus Knochen, kurz, eine

Sammlung verschiedenartiger Kulturgegenstände, neben welchen auch

russische Münzen aus dem 17. Jahrhundert nicht fehlen.[274]

In den älteren, an den Flüssen gelegenen Grabstätten mit

Steinsetzungen fand aber RADLOFF fast durchweg nur Kupfergeräte und

er sieht in ihnen den Nachlaß der ältesten Bewohner jener Gegenden.

Es sind dieses die bereits von PALLAS erwähnten Erdhügel oder

Kurgane, teilweise mit Steinsetzungen, welche dieser gründliche

Beobachter bereits vor hundert Jahren folgendermaßen schildert:

»Man findet in solchen durchgängig ganz deutliches und oft

noch ziemlich unverbrochenes Zimmerwerk von sehr verwestem

Lerchenholz, aus dessen Lage man sieht, daß vor die Leiche aus

ziemlich dicken, übereinander liegenden Balken, fast nach Art

der russischen Bauernstuben, ein kleines, länglich viereckiges

Behältnis zusammengefügt und mit Erde überschüttet worden ist.

Gemeiniglich findet man über der von dicken Bohlen gezimmerten

Decke des Grabkellers entweder ausgebreitete Birkenrinden, welche,

wie bekannt, schwer verwesen, oder Steinfließen, welche die

morsche Decke eingedrückt haben. Der Boden des Behältnisses ist

gleichfalls mit Brettern gedielt. In solchen Behältnissen findet

man gemeiniglich die Knochen von zweien, auch wohl nur von einer

Leiche, und in einem Hügel oft mehrere, durch hölzerne Scheidewände

oder auch gänzlich durch Erdräume von einander abgesonderte

Behältnisse nebeneinander. Am Fußende findet man verschiedene mit

der Leiche beerdigte Kleinigkeiten, irdene oder auch kupferne

Kessel und Töpfchen, Überbleibsel hölzerner Geschirre und

Schöpfkellen, kupferne Werkzeuge von allerlei Art. In der Gegend

des Gürtels pflegen hirschförmige und andere Bleche des Beschlages,

die Dolche und Messer mit Spuren einer Scheide und andere kleine

Gegenstände zu liegen. Um den Kopf finden sich mit Gold überzogene

Knöpfe, Spangen und andere Spuren der beigelegten Kleidung. Man

soll sogar noch zuweilen sichtbare Stücke von golddurchwirkten

Seidenzeugen und übergebliebene Haare von Zobel- und anderen Pelzen

in den wohlerhaltensten Grabkellern angetroffen haben. Bei einigen

hat man eine Menge Hackenknochen von großen und kleinen Tieren,

die durchlöchert und abwechselnd nebeneinander gelegen, als ob

sie aneinander gereiht gewesen, oder auch viele kleine eckige

Pyramiden von verschiedener Gestalt aus Gußkupfer, die vielleicht

ein Brettspiel oder etwas ähnliches vorgestellt, gefunden. Die

Spuren der Lanzen oder auch der Ehrenstäbe, die bei männlichen

Leichen oft gefunden werden und mit Krücken von Gußkupfer

geziert zu sein pflegen, sind zuweilen mit schmalen Streifen von

geschlagenem Golde schlangenweise umschlungen. Noch finden sich

zuweilen echte Goldblättchen, die zur Zierat um den Hals oder die

Ärmel mögen gelegt gewesen sein oder womit auch die Griffe der

Dolche und die Zieratsbleche der Gürtel gleichsam nur umwickelt

scheinen. Zuweilen sind in einem Behältnisse bei ganzen Leichen

auch verbrannte beigesetzt, deren Knochen in einem Haufen beisammen

gemeiniglich nahe an den Wänden des hölzernen Grabes liegen;

auf solchen Aschenhaufen sind die Goldblättchen und andere mit

beigesetzte Kleinigkeiten zu oberst gelegt. -- Alles Kupfergerät

ist Gußwerk; von Eisen fehlen zwar in dergleichen Gräbern nicht

alle Spuren, aber es ist doch eine sehr große Seltenheit. Nur habe

ich von einem kleinen verrosteten Beile, die man sonst aus Kupfer

nicht so selten findet, und von einer Keilhaue gehört, welche

in Gestalt den jetzt bei unseren Bergleuten gebräuchlichen ganz

ähnlich gewesen seien. -- In großen Kurganen werden Pferdegerippe

mit Spuren von Sattel und Zeug über den Grabkellern in der bloßen

Erde gefunden.«[275]

Diese letzteren gehören aber offenbar in eine ganz andere Kategorie

von Gräbern, wie wir aus den Forschungen RADLOFF's erkennen. In

den Gräbern mit Kupfer- und Bronzegegenständen fand dieser nämlich

niemals Pferdeknochen in größerer Anzahl, während in den späteren

Steingräbern mit Eisen sich Pferdeskelette in Menge zeigten. Die

Steingräber mit Eisenwerkzeugen zeigten in der Form der letzteren

deutliche Nachbildungen alter kupferner Werkzeuge und Waffen.

Diese Gräber stellt RADLOFF an die »Grenze zwischen Bronze-

und Eisenperiode«. Es sind solche Gräber, wie sie PALLAS[276]

gleichfalls erwähnt, als Bestattungsplätze Vornehmer mit

zierlichem Silbergeschirre, Gold in Blechen, Knöpfen und anderen

Zieraten, mit Steigbügeln und anderem Pferdegeschirre von Eisen

mit Silber und Gold eingelegt oder überzogen und nur mit wenig

Kupfergerät. RADLOFF nimmt an, daß diese Gräber mit Eisen, mit den

seidenüberzogenen Pelzgewändern, wie er eines von 28 m Durchmesser

an der Katanda öffnete, von einem eingerückten Reitervolke

türkischen Stammes herrühren, von einem Volke, welches die älteren

Kupfer- und Bronzearbeiter vertrieb.[277]

Hierhin gehören auch die von STRAHLENBERG[278] aufgefundenen

kleinen gegossenen Götzenbilderchen von Erz, Kupfer, Messing,

Zinn, Silber und Gold, die zu tausenden in den »alten tatarischen

Gräbern oder _tumulis sepulchralibus_« zu seiner Zeit enthalten

waren und von denen er Abbildungen giebt; dahin gehören die

Pferdezaumbuckeln, Glöckchen, die »Degen, Pfeile, Dolche und mehr

dergleichen Dinge, welche die Russen ausgegraben und die nicht

geschmiedet, sondern von Kupfer gegossen sind«. Jüngerer Zeit

gehören dann wieder jene Gräber an, aus denen Medaillen von Gold

und Silber, ganze Schachspiele von Gold und große goldene Bleche,

worauf der Tote gelegen, polierte Metallspiegel etc. ans Licht

gefördert wurden. Auf den südlichen mohamedanischen Kulturkreis

weisen ornamentierte Schalen mit kufischen Inschriften, schön

ziselierte Bronzegefäße mit darauf dargestellten Falkenjagden

hin, andere zeigen chinesischen Charakter, jedenfalls importierte

Gegenstände, während die älteren Gräber höchst wahrscheinlich

heimisches Metallgerät zeigen. MEYNIER und V. EICHTHAL, welche

die Kurgane von Gonba bei Barnaul öffneten, die gleichfalls

vom Volke den Tschuden zugeschrieben werden, sprechen sich aus

anthropologischen Gründen, zumal auf die brachykephalen Schädel der

Skelette jener Gräber sich stützend, dahin aus, daß jene Kurgane

von einem türktatarischen Volke stammen. Sie fanden Eisen und

Stoffe, wie PALLAS und RADLOFF, während Bronze vollständig fehlte

und die Zieraten aus gegossenem Kupfer bestanden.[279]

Denn das alte Volk, von dem die zahlreichen Gräber stammen,

muß massenhaft hier gesessen und seine Metallsachen an Ort und

Stelle gefertigt haben, wofür noch andere Anzeichen sprechen. Der

Mineralreichtum des dortigen Gebirges, die alten, weithin sich

ziehenden Schürfe und Baue, die Schlacken und Glätten sprechen

dafür, daß am Jenisei ein metallkundiges Volk wohnte. Doch ist der

Bergbau nur oberflächlich betrieben worden und die Gruben hören

gewöhnlich da auf, wo hartes Gestein anfängt. POPOW hat gezeigt,

daß das alte Kulturvolk am Jenisei das Schmelzen der Metalle in

kleinen Öfen ausführte, daß es das Legieren der Metalle (z. B. von

Kupfer und Silber) verstand, mit der Abscheidung des Silbers aus

dem Kupfer aber unbekannt war.[280]

Die Vermutung RADLOFF's, daß die Türken oder ein Volk türkischen

Stammes das Eisen im Altai schmolz und in Sibirien diese Kunst

verbreitete, erhält mehrfache Bestätigung. Die alten chinesischen

Geschichtswerke erzählen, daß das Eisenschmelzen im Kinschan

(Altai) durch die Türken eingeführt wurde[281], und die Sprache

zeigt uns gleichfalls die uralte Bekanntschaft der Türken mit

dem Eisen, wiewohl auch andere Metalle ihnen frühzeitig bekannt

waren. Vergleichen wir die turkotatarischen Idiome, so finden wir

bei allen gleichlautend und gleichbedeutend _temir_ für Eisen,

ein Wort, das somit einem vordialektischen Zeitalter entsprungen

und seit den ältesten Zeiten bekannt gewesen sein muß. Es geht

ohne Zweifel auf die Stammsilbe _tim, tem_, fest, dicht, stark

zurück. Aber ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kupfer, _bakir_,

_pakir_, dem die Stammsilbe _bak_, _pak_ zu Grunde liegt,

welche gleichfalls fest, hart bedeutet. Bei solcher Sachlage

läßt sich auf sprachlichem Wege die Frage, welches das erste,

dem turkotatarischen Urmenschen bekannte Metall gewesen, nicht

entscheiden.

Können wir danach Eisen und Kupfer als gleichalterig vermuten,

so läßt sich für die Bronze nachweisen, daß sie im frühesten

Kulturstadium der Türken unbekannt war und ihnen erst von

benachbarten Völkern zugeführt wurde. Das tschagataische _[vz]es_,

altaische _jes_, stammt vom mongolischen _dzes_, wobei jedoch

hervorgehoben werden muß, daß, während mit diesem tschagataischen

Worte heute Bronze bezeichnet wird, dasselbe im Altaischen und

Mongolischen entschieden Messing und Kupfer bedeutet. Diese

schwankende Definition des fraglichen Begriffes ist an und für sich

hinreichend, um das Fremdartige dieses Metalles bei den Türken

außer Zweifel zu stellen. Ein solches Schwanken ist nicht der

Fall, wo die Wortbildung auf heimischem, festem Boden sich bewegt.

Es ist, so rekapituliert VAMBÉRY, unmöglich, bei den primitiven

Turkotataren sprachlich ein Stein-, Bronze- und Eisenalter

nachzuweisen.[282]

Fußnoten:

[250] Sammlung Russischer Geschichte. St. Petersburg 1763. VIII.

101. 188.

[251] Archiv f. Anthropol. XI. 323.

[252] J. G. MÜLLER a. a. O. VI. 540.

[253] POPOW in Zeitschr. für Ethnologie 1878. 461.

[254] V. MIDDENDORFF, Sibirische Reise. IV. 1557.

[255] Dieser Blasebalg erscheint auch bei den Völkern im

europäischen Rußland, so bei den nomadisierenden Kalmüken am

Uralflusse, die kleine Eisenarbeiten und Waffen -- trotz ihrer

nomadisierenden Lebensweise -- zu verfertigen verstehen. »Ihr

Blasebalg besteht bloß in einem ledernen Sack mit einer Röhre in

einer zwischen zwei glatten Hölzlein gefaßten Öffnung, welche sie

mit der Hand ergreifen und, indem der Sack aufgehoben wird, öffnen,

darauf schließen und den Sack zugleich niederdrücken.« (PALLAS,

Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches. St.

Petersburg 1771. I. 324.)

[256] Unter Tungusen und Jakuten. Leipzig 1882. 143.

[257] »Vor Alters war alle Gerätschaft von Eisen und anderem

Metall in Sibirien sehr kostbar. Wenn man (die Russen) zu einem

neubezwungenen Volke kam, welches entweder gar nicht oder noch

nicht zu Genüge damit versehen war, so bekam man für einen eisernen

oder kupfernen Kessel so viel Zobel und schwarze Füchse, als sich

dahinein packen ließen.« MÜLLER, Sammlung Russ. Geschichte. St.

Petersburg 1758. III. 485.

[258] Kamtschatka. 247. 320.

[259] KRASCHENINNIKOW, Kamtschatka. Lemgo 1766. 223. 225. -- ERMAN

(Reise um die Erde. III. 454) fand einen Obsidiannucleus, von

dem Spähne abgeschlagen waren, zu Maschura in Kamtschatka. Die

Bestimmung desselben war den Eingeborenen unbekannt. Er schloß

daraus, daß infolge des Verkehrs mit den metallreichen Japanern

»das sogenannte steinerne Zeitalter für Kamtschatka schon sehr

früh seine Endschaft erreicht hätte. Namentlich aber weit vor der

Ankunft der Russen«. Das steht aber im direkten Widerspruch zu

STELLER's Angabe.

[260] V. DITMAR, Über die Koriäken. Melanges russes. Tome III.

1./13. Juni 1855.

[261] Globus XXVI. 347 (1874).

[262] NORDENSKIÖLD, Umsegelung Asiens und Europas auf der Vega. II.

93. 106. 108. 110. 111. 117.

[263] NORDENSKIÖLD. I. 405.

[264] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen

Reiches. St. Petersburg 1771. I. 246.

[265] BUTENEW im Archiv f. Wissenschaftl. Kunde von Rußland. XXIV.

509.

[266] PALLAS a. a. O. II. 608.

[267] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig

1783. IV. 207.

[268] Die Kulturwörter in den westfinnischen Sprachen. 63.

[269] AHLQVIST a. a. O. 66.

[270] AHLQVIST a. a. O. 67. 70.

[271] Reise um die Erde. Berlin 1838. II. 38.

[272] Journ. Anthropol. Instit. III. 175.

[273] Bull. soc. d'Anthropologie 1873. 441 ff.

[274] RADLOFF in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1871. 83 ff.

[275] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen

Reiches. III. 386 und Tafel VII. Der hier abgebildete »Ehrenstab«

und die Glocken sind mit ziemlich gut ausgeführten Steinböcken

versehen -- alle Gußwaren zeigen eine vorgeschrittene Technik.

Diese Steinböcke (wohl Argali) sind charakteristisch für die

gegossenen Kupferobjekte der Gräber am Jenisei. Man braucht

sie aber nicht in eine wohlfeile Parallele mit Ziegen- und

Antilopenbildern auf altgriechischen Vasen und Schwertbeschlägen

der la Tène-Periode zu bringen, um ein Hauptargument dafür zu

gewinnen, daß jene Tschuden die Lehrmeister der Urindogermanen in

der Metalltechnik waren, wie dieses Prof. UNGER thut (Mitteil.

aus dem Göttinger Anthropol. Verein. 1874. I. 25). Eine solche

Analogie hat keine Beweiskraft, ebensowenig wie die hier angezogene

Spirale, da beides sich von selbst ergebende Darstellungen bei den

verschiedensten Völkern des Erdballes sind.

[276] A. a. O. II. 360-362. 384.

[277] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1882. 430 ff. -- Vergl.

den Bericht von HAWELKA über die Ausgrabungen der k. archäolog.

Kommission in Sibirien. Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. VII. 221 ff.

[278] PH. J. VON STRAHLENBERG, Das Nord- und östliche Teil von

Europa und Asia. Stockholm 1730. 313. 317. 356. 359. 399 und Taf.

III. IV und XX.

[279] MEYNIER et L. D'EICHTHAL, Les Tumuli des anciens habitants de

la Sibérie, Revue d'Anthropol. 1874. 270. 274.

[280] Mitteil. der sibirischen Abteilung der russ. geogr. Ges. II.

Heft 4 u. 5. 1872. -- Arch. f. Anthropologie. XI. 318.

[281] SCHOTT in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1883. 242.

[282] H. VAMBÉRY, Die primitive Kultur des turko-tatarischen

Volkes. Leipzig 1879. 174-177.

Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen.

~Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt.~ Sir JOHN LUBBOCK

erzählt, daß bei der Entdeckung Amerikas am La Plata eine

Völkerschaft gewohnt habe, welche mit Eisen beschlagene Pfeile

besaß; die Beschläge wurden, wie man glaubt, aus Klumpen

gediegenen Eisens gewonnen.[283] LUBBOCK führt keine Quelle für

diese Angabe an; bestätigt sich dieselbe, so kann es sich nur um

Meteoreisen handeln, das von jenen Indianern etwa ähnlich wie

von den Eskimos verwendet wurde. Dahin gehört wohl auch, was

ACOSTA von eisernen Keilen (_cuños de hierro_) berichtet, die in

Paraguay als Münze umliefen.[284] Es läßt sich sonst keine Spur von

Eisenverwendung im vorkolumbischen Amerika nachweisen. Die Mounds

des Mississippithales enthalten nach SQUIER Silber-, Kupfer-,

Stein- und Knochengeräte, aber kein Eisen ist -- von einem einzigen

Meteoreisenfunde abgesehen -- gefunden worden.[285] Nirgends

weist die Sprache der alten Kulturvölker Amerikas auf das Eisen

hin, und wo Spanier, Portugiesen, Engländer mit den Eingeborenen

in Berührung kamen, bestätigen sie überall die Unbekanntschaft

derselben mit dem Eisen. Von den Cariben schrieb 1494 KOLUMBUS, daß

sie, weil sie kein Eisen besäßen, ihre Pfeilspitzen aus Schildpatt

oder Fischstacheln herstellten.[286] Der Eindruck, welchen die

Unbekanntschaft der Eingeborenen der neuen Welt mit dem Eisen auf

die ersten Entdecker hervorbrachte, war ein tiefer, und zwei Jahre

nach der Auffindung Amerikas durch KOLUMBUS schrieb Dr. CHANCA

an das Domkapitel zu Sevilla: »_Tienen muchas ferramientas, ansi

como hachas e azuelas hechas de piedra tan gentiles é tan labradas

que es maravilla como sin fierro se pueden hacer._« Mit ihren

trostlosen Werkzeugen aus Stein und Muschelschalen verfertigten

sie Skulpturen aus Holz, Götzenbilder, kunstreich geschnitzte

Sessel und Zieraten für die Schnäbel der Schiffe. Am besten geriet

diese Industrie den kunstsinnigen Bewohnern der Insel Guanaba im

Westen von Haiti. Gold wurde als Schmuck geschätzt und in der Nase

getragen; auf Haiti verarbeitete man es zu Stangen und mancherlei

anderen Dingen, namentlich zu Marken, die mit guten Steinen besetzt

waren; auch von goldenen Kronen der Kaziken ist die Rede; doch

verstanden sie -- worauf in kulturhistorischer Beziehung viel

ankommt -- es nicht zu schmelzen, sondern nur zu hämmern.[287] Wie

findig aber die Eingeborenen Kubas sich dem neuen Metall gegenüber

zeigten, erkennen wir daraus, daß sie, wie OVIEDO (lib. VII. cap.

8) bezeugt, es verstanden, sich der eisernen Fesseln in spanischen

Gefängnissen zu entledigen, indem sie Schnüre aus den Fasern des

Henequenhanfes mit feinem Sande bestreuten und die Ketten so

durchfeilten[288] -- ein Fingerzeig dafür, wie auch manche Steine

bearbeitet wurden.

~Verwendung von Meteoreisen bei den Eskimos.~ Meteorisches Eisen

war bei den Amerikanern früh im Gebrauche und es wird namentlich

bei den Grönländern und Eskimos von verschiedenen Reisenden

erwähnt. In bezug auf den Kulturfortschritt, das Eisen aus den

Erzen geschmolzen zu haben, ist dieses Vorkommen des gediegenen

Metalles bei jenen Nordländern aber ohne alle Bedeutung. Sie

haben heute noch nicht, wiewohl sie mit dem europäischen Eisen

nun lange bekannt sind, die Darstellung desselben erlernt und es

liegt hierzu bei ihnen auch keine Veranlassung vor, abgesehen

davon, daß die Rohmaterialien, Eisenerz und Kohlen, meist fehlen.

Das Meteoreisen aber, welches die Eskimos zu Messern, Pfeilspitzen

etc. verwerteten, wird von ihnen wie der Stein gehandhabt und

verarbeitet durch einfaches Zuschleifen und Fassen in Holz oder

Knochen, gerade so wie das gediegene Kupfer bei südlicher wohnenden

Indianerstämmen.

Als 1823 CLAVERING und SABINE den nördlichsten Teil Ostgrönlands

entdeckten, trafen sie dort unter 75° nördl. Br. noch einige,

seitdem ausgestorbene Eskimos, die zum erstenmale weiße Menschen

sahen und die auch mit den Grönländern der Westküste in keinerlei

Beziehungen standen. Dieser abgeschiedene Posten besaß Harpunen und

Speere mit Knochenspitzen, doch waren einige Spitzen von Eisen,

welches allem Anscheine nach meteorischen Ursprunges war.[289]

[Illustration: Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE.]

Die Metalle bei den Naturvölkern · 第 13 / 18 段