malayischen Gebläsen, die durch den auf und ab gehenden
Stempel charakterisiert werden, keine Ähnlichkeit, was bei
der geographischen Lage Kambodjas zu den Malayenländern wohl
zu beachten ist und darauf hindeutet, daß den Cuois die
Eisenfabrikation nicht aus dem malayischen Kulturkreise überkommen
sein kann. Ihre Gebläse sind eher nach dem Prinzipe der indischen
hergestellt, die bei Orissa beschrieben wurden; nur sind sie
größer. MOURA führt in seiner Schilderung fort:
»_Lorsque le piston descend, c'est-à-dire lorsque le cône est
aplati, l'air est refoulé par les trous du bas du cylindre et
passe dans les tuyères du fourneau. Ces tuyaux, ainsi que nous
venons de le dire, se correspondent, mais ne se touchent pas, ils
sont même distants les uns des autres de plusieurs centimètres. Le
fond du fourneau, situé en contre-bas de la ligne des trous, est
destiné à recevoir le fer en fusion. On remarque au bas de chacune
des petites faces du fourneau un trou que l'on bouche ou que l'on
dégage an moyen d'une longue tape en bois. C'est par ces trous, que
l'on débouche opportunément, que s'en va, disent les Khmers, le
>ach-dec< (ordure de fer), c'est à dire le mâchefer, la scorie._«
Auf jeder Seite des Ofens erheben sich, nach oben zu sich
ausdehnend, zwei große Schirme aus geflochtenen Bambuslatten,
welche nur dazu dienen, um die an den Gebläsen Arbeitenden vor der
Glut zu schützen. Der Ofen steht unter einem großen Schirmdach, in
welchem der »Fabrikdirektor« seine Wohnung hat. Auch steht unter
demselben ein kleiner Altar, auf welchem der Götze Visvacarma
thront, der göttliche Baumeister, und ein großer, fest in den Boden
gefügter Pfahl, dessen Spitze wie ein Feuerbüschel gestaltet ist.
Die Verehrung, die ihm gezollt wird, erinnert an den Feuerkultus,
dessen Spuren man durch ganz Indo-China findet.
Da wenige Cuois reich genug sind, um für sich allein eine solche
Eisenschmelze zu unterhalten, so vereinigt sich zu diesem Zwecke
ein ganzes Dorf oder mehrere Dörfer.
Die an den Breitseiten des Ofens angebrachten Löcher liegen hoch
genug über dem Boden des Ofens, um nicht durch die im Schmelzen
befindliche Masse verstopft zu werden; doch kommt es zuweilen
vor, daß man aus ihnen kleine Rundstücke von Eisen herauszieht,
welchen der Aberglaube der Eingeborenen ungewöhnliche Eigenschaften
zuschreibt. Die Cuois zerschneiden diese Barren und machen daraus
Amulette, die sie um den Hals oder am Handgelenk tragen, wodurch
sie sich gegen Verwundungen sicher glauben.
Die mit solchem Eisen in Saigon angestellten Versuche haben
ergeben, daß es sich gut schweißen und hämmern läßt. Der Bruch
ist feinkörnig und zackig. Es ist rein und liefert guten Stahl.
Phosphor und Arsenik kommen darin nicht vor.
~Die Eisenerzeugung in Birma~ ist von W. T. BLANFORD eingehend
beschrieben worden. Aus seinem Berichte[236] teilen wir das
Folgende auszugsweise mit. Der Beobachtungsort war Puppa (Paopa),
6-1/2 Miles östlich vom Irawadi, unter 19° 50´ nördl. Br. und
95° 20´ östl. L. v. Gr. Der Prozeß unterscheidet sich wesentlich
dadurch von den in Vorderindien angewendeten Methoden, daß
kein künstlicher Windstrom benutzt wird. Das Erz besteht aus
Brauneisensteinkonkretionen, die in den das Land bedeckenden Kiesen
gesammelt und zu haselnußgroßen Stücken zerschlagen werden. Als
Brennmaterial dient Holzkohle, besonders von dem schon wiederholt
erwähnten Salbaume. Das Holz wird in leidlich konstruierten, mit
Erde überdeckten Meilern von 4 m im Quadrat und 2 m Höhe, welche
20-30 Tage schwelen, zu Kohlen gebrannt. »Es ist auffallend,
ein so gutes Verkohlungssystem bei einer so rohen Methode der
Eisenerzeugung zu finden.«
[Illustration: Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach
BLANFORD.]
Ebensowenig wie ein Windstrom wird ein Zuschlag benutzt. Die
Beschreibung der Schmelzstätte ist folgende: Ein steiler Abhang
sandigen Thonbodens von 3 bis 3,5 m Höhe wird für den Ofen gewählt,
welcher, einfach aus einem Loche besonderer Form bestehend, in den
Boden 60-80 cm von der oberen Kante entfernt angelegt, während
die Böschung hier zu einer vertikalen Fläche verhauen ist. Oft
umgeben auch drei oder vier Öfen einen kleinen Schacht. Sie sind
etwa 3 m tief und von ungleichem trapezoidalem Querschnitt, da
die Breite der Vorderwand von 50 cm an der Gicht auf 1,20 m
auf dem Boden, die der Rückwand von 30 cm auf 1,50 m anwächst,
während die Tiefe zwischen Vorder- und Rückwand von 50 cm an der
Gicht auf etwa 55 cm in halber Höhe wächst und dann schnell bis
zu 30 cm am Boden abnimmt. Die Figg. 28 und 29 sind im Maßstabe
von 1:40 nach BLANFORD's Aufnahme angefertigt. Die Vorderwand
des Ofens wird durch kreuzweis angebrachte Holzstücke gehalten,
welche ihrerseits wieder durch zwei starke senkrechte Pfähle
gestützt werden. Der untere Teil der Vorderwand ist fortgenommen,
wie dieses die Durchschnitte zeigen. Die so gebildete Öffnung
mündet in den Ofen mit einer Höhe von etwa 30 cm und in der ganzen
Breite des inneren Raumes und dient zum Austragen der Schlacke
und des fertigen Eisens. Wenn der Ofen im Gange ist, so wird diese
Öffnung mit feuchtem Thon verschlossen, in welchem etwa 20 kleine
Thonröhren (Formen) eingelegt sind. Diese Röhren werden über
runden Holzstämmchen aus feuchtem Thon geformt, dann in Stücke
von etwa 10 cm Länge geschnitten und gebrannt. Ihre Durchmesser
betragen etwa 5 cm. Sie werden in einer Linie nebeneinander,
etwa in halber Höhe der erwähnten Öffnung, angebracht. Ist der
Ofen so geschlossen, so wird brennendes Holz hineingeworfen und
darauf zwei Schwingen Holzkohle von je 25 Viss (à 1-3/4 kg) oder
39-3/8 kg geschüttet, dann folgen drei kleine Schwingen von je 10
Viss oder 15-3/4 kg. Hierauf kommt wieder eine Schwinge Holzkohlen,
dann sechs kleine Schwingen Erz, noch eine Schwinge Holzkohlen,
abermals drei Schwingen Erz und schließlich eine fünfte Schwinge
Holzkohlen. Ist das Ganze gut durchgebrannt und der die untere
Öffnung füllende Thon ganz und gar getrocknet, was etwa acht oder
neun Stunden nach Anfang der Fall ist, so wird der den Herd des
Ofens bildende Sand fortgekratzt und ein Loch von etwa 10 cm Höhe
und in der Breite des Ofens gemacht, um die Schlacke zu entfernen.
Hierauf schließt man dieses Loch wieder und öffnet es alle halbe
Stunden und wenn nötig häufiger, bis keine Schlacke mehr erfolgt.
Nach 24 Stunden ist das Schmelzen vollendet. Jetzt wird der Thon
aus der unteren Ofenöffnung ganz fortgebrochen und die Eisenmasse
entfernt. Sie hat die Form des Herdes, 1,10-1,40 m Länge, aber
geringe Breite, wiegt durchschnittlich 25 Viss, also etwa 40 kg.
Das Eisen ist außerordentlich unrein, mit Schlacke, Stücken
unverbrannter Kohle, Sand und anderen Unreinigkeiten vermischt,
wird aber nichtsdestoweniger für etwa 14 Mark pr. 150 kg verkauft.
Zu Messern u. dgl. verarbeitet, zeigt dieses Eisen ausgezeichnete
Eigenschaften. Drei Arbeiter bedienen den Ofen. Dem Ende jeder
Charge folgt sogleich eine neue, so daß gewöhnlich alle Tage ein
Eisenstück gewonnen wird.
Fußnoten:
[234] Sur les instruments de l'âge de pierre au Cambodge, par M.
CORRE. Bullet. soc. d'Anthropol. 1880. 532. -- L'âge de la pierre
polie et du bronze au Cambodge par J. NAULET. Toulouse 1879 und
Revue d'Anthropologie 1882. 676. -- Le Cambodge préhistorique par
J. MOURA. Revue d'ethnographie 1882. 505.
[235] Fabrication du fer chez les Cuois du Compong-Soai. Revue
d'Ethnographie. I. 435 (1882).
[236] Bei PERCY a. a. O. II. 508.
Die Metalle in China und Japan.
~Alter der Bronze und des Eisens in China.~ So früh und
hochentwickelt uns auch bei den Chinesen die Kenntnis der Metalle
entgegentritt, hat dieses Volk doch keine Ausnahme gemacht und
gleich allen anderen Völkern eine Steinzeit gekannt, ja es scheint,
als ob in einigen Provinzen in verhältnismäßig neuer Zeit noch
Steingeräte im Gebrauche waren. Mit Bezug auf Nan-hiu-fu in der
Provinz Kwan-tung im südlichen China heißt es: »Sie finden in den
Bergen und Felsen der Umgebung einen schweren Stein, so hart, daß
sie Beile und schneidende Instrumente aus demselben machen.«[237]
Man muß sich erinnern, daß China nicht von einer homogenen Rasse
bewohnt wird, sondern daß namentlich im Süden und Südwesten noch
verschiedene kleinere und auf tieferer Kulturstufe stehende
Völker (wie z. B. die Miaotse) eingesprenkelt sind, welche dort
als Aboriginer gelten. Unter diesen können die Steingeräte am
längsten im Gebrauche gewesen sein. Außerdem sprechen chinesische
Traditionen von dem früheren Gebrauche der Steinwaffen und
Instrumente. Fuhi, so sagen sie, machte Waffen; diese waren von
Holz. Dann kam Schinnung, der solche aus Stein machte, und endlich
Tschi-yu, der metallene darstellte.[238]
[Illustration: Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der
Shang-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.]
Was die Bronze betrifft, so tritt dieselbe uns in ihren frühesten,
an sich uralten Formen bereits so hoch entwickelt entgegen, daß ihr
ein sehr hohes Alter zugeschrieben werden muß. Neben schriftlichen
Aufzeichnungen sind Bronzegeräte die kostbarsten Reliquien des
hohen Altertums und unter diesen besonders die Ting, Urnen mit
drei Füßen und zwei Henkeln. »Die alte Bronzeindustrie,« sagt V.
RICHTHOFEN[239], »blühte insbesondere während zweier Perioden,
nämlich in den ersten Jahrhunderten der Shang- und unter den ersten
Kaisern der Tschóu-Dynastie (1766-1496 und 1100-900 v. Chr.),
soweit man die auf vielen derselben befindlichen Inschriften zu
entziffern vermocht hat.« Die Gegenstände sind ausschließlich
Gefäße, niemals tierische oder menschliche Darstellungen für
sich allein. Doch sind phantastische Anklänge an menschliche
Gesichtsbildung und an Tiergestalten in der Ornamentik deutlich
zu erkennen, wenn auch ein großer Teil der letzteren aus
Linienkombinationen hervorgeht. Die erstere Art der Verzierung
herrscht neben der zweiten in den Shang-Vasen (Fig. 30), während
in denjenigen der Tschóu-Dynastie (Fig. 30a) die letztere Form
bedeutend vorwaltet. Die ergiebigste Fundstelle der alten Bronzen
ist der Löß des Wéithales, wo man sie bei Erdarbeiten findet. Sie
sind mit einer dicken Schicht von Grünspan durchdrungenem und
dadurch gehärtetem Löß umgeben und haben die Gestalt unförmlicher
Lehmklumpen. Der Wert richtet sich nach dem Alter, der Art der
Ornamentik, der Deutlichkeit und Länge der Inschrift. Zuweilen
findet man auch goldene Gefäße. Bis hinauf in die Zeit der
Shang-Dynastie hat man das Alter einer größeren Zahl von Gefäßen
mit Sicherheit feststellen können. Weiter zurück wagt man in der
Bestimmung nicht zu gehen, wiewohl bei einigen Gefäßen ein noch
höheres Alter vermutet wird.
[Illustration: Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der
Tschóu-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.]
Nicht nur nach der Seite der Ornamentik hin stand die
Bronzeindustrie zur Zeit jener alten Herrscher schon auf einer
sehr hohen Stufe, auch auf die Zusammensetzung derselben
wurde, je nach der verschiedenen Art des Gebrauches, große
Aufmerksamkeit verwendet. Zur Zeit der Tschóu-Dynastie gab es
sechs Mischungsverhältnisse für Bronze, welche in folgender Weise
verwendet wurden: 5 Teile Kupfer und 1 Teil Zinn für Glocken und
Kessel; 4 Kupfer und 1 Zinn für große und kleine Beile; 3 Kupfer
und 1 Zinn für Lanzen und Piken; 2 Kupfer und 1 Zinn für große
Messer und Säbel; 4 Kupfer und 1 Zinn (wahrscheinlich 3 Zinn) für
Messer zum Schreiben auf Bambus und Pfeilspitzen; 1 Kupfer und
1 Zinn für Metallspiegel.[240] Diese also um das Jahr 1000 v.
Chr. geltenden Verhältnisse der Bronzelegierung sind deshalb von
Interesse, weil sich unter ihnen kein einziges findet, welches
unserer eigentlichen Bronze (9 Kupfer und 1 Zinn) entspricht
und weil schon hieraus die Selbständigkeit des chinesischen
Bronzereiches erhellt, was sich auch dadurch schließen ließ, daß
die chinesische Kultur eine selbständig erwachsene, von außen her
in keiner Weise beeinflußte von Anfang an gewesen ist.
Für die Priorität der Bronze in China gegenüber dem Eisen hat sich
PFITZMAYER ausgesprochen. »In den ältesten chinesischen Werken,«
sagt er, »giebt es kein Wort für Bronze, da dieser Gegenstand durch
das allgemeine Wort _kin_, Metall, bezeichnet wird. _Thie_, Eisen,
kommt das erste Mal in dem Schu-king, Tribut des Yü (etwa 2200
v. Chr.) vor. Es findet sich unter den Gegenständen des Tributs
einer einzigen Gegend; man hält es für weiches Eisen, über dessen
Verwendung nichts angegeben wird, während von dem harten Eisen
gesagt wird, daß es zu Meißeln dient und nützlicher als Silber
ist. »Daß das Eisen,« fährt PFITZMAYER fort, »in ältester Zeit
zu Waffen oder Geräten verwendet wurde, ist mir nicht bekannt
geworden. Es scheint wie bei HOMER zu sein, wo Eisen zwar erwähnt
wird, aber fast alle in dem trojanischen Kriege gebrauchten Waffen
als kupferne (eherne) bezeichnet werden. Im Jahre 475 v. Chr.
schenkte Fu-tscha, König von U, seinem Minister U-tse-tsin ein
Schwert von Stahl und hieß ihn damit sich den Hals abschneiden.
Chinesische Nachrichten besagen: Im Altertum verfertigte man die
Waffen aus Kupfer. Zu den Zeiten des Thsin (drittes Jahrhundert v.
Chr.) ersetzte man das Kupfer durch Eisen. Alles zusammen genommen
kann ich für vollkommen gewiß halten, daß in China der Gebrauch
des Kupfers oder der Bronze demjenigen des Eisens vorangegangen
ist.«[241]
Jedenfalls wird in der älteren chinesischen Litteratur das Eisen,
neben Zinn und Kupfer, als durchaus bekanntes Metall erwähnt.
Was alte Eisenfunde betrifft, so ist mir darüber nichts bekannt
geworden. Doch möge hier der Bericht des englischen Konsuls
MARKHAM über einen alten chinesischen Eisenbau stehen, den wir mit
möglichst kritischen Augen zu lesen bitten.
MARKHAM, welcher von Tschifu aus die Provinz Shantung bereiste,
erzählt bei seinem Besuche der Stadt Tai-ngau-fu folgendes:
»_Outside the west gate of the city is a cast-iron pagoda in the
midst of the ruins of a temple. I was told this pagoda was erected
in honor of the empress Min, wife of the emperor Seang, 5th of
the Hea Dynasty B. C. 2146, by a succeeding emperor Shuo-kang
B. C. 2074. It is a curious old structure, 40 feet in height, and
apparently one solid piece._«[242]
Es ist diese 11 m hohe Pagode, wenn sie wirklich aus einem Stück
Gußeisen besteht, eine großartige Leistung der Technik, und würde
sich das hohe Alter, welches MARKHAM angegeben, bestätigen, so
repräsentierte dieser Bau mit der in der großen ägyptischen
Pyramide gefundenen Klinge das älteste bekannte Eisen! Mag auch
die Pagode vielleicht aus mehreren Teilen zusammengesetzt sein und
ihr Alter nicht so hoch hinaufreichen, wie dem englischen Konsul
angegeben wurde, so wird sie immerhin als ein uralter Zeuge der
chinesischen Metallindustrie dastehen. Wer die alten chinesischen
Metallarbeiten, wie sie zahlreich in unseren Museen sich befinden,
betrachtet, der erhält sofort den Eindruck, daß dieses Volk in
der Metallurgie uns bis zum vorigen Jahrhundert ebenbürtig oder
überlegen war. Sie trieben Bergbau auf Eisen, Gold, Silber, Kupfer,
Zinn, Blei und Zink. Letzteres wurde metallisch weit früher in
China als in Europa gewonnen und gegen Ende des 16. Jahrhunderts
von dort zu uns eingeführt.
~Chinesische Eisenindustrie.~ China hat noch gegenwärtig, wiewohl
ihm das Abendland vielfach Eisenwaren sendet, eine noch sehr
ausgebreitete und alte Eisenindustrie, die bei dem Reichtum an
Eisenerzen und Steinkohlen sich ganz naturgemäß entwickelt hat.
Sie ist eigentümlich durch und durch, wie fast alles chinesische,
und entbehrt bei der Herstellung des Rohmateriales der Öfen,
benutzt vielmehr dazu Schmelztiegel, wie aus den im nachstehenden
reproduzierten Beschreibungen V. RICHTHOFEN's hervorgeht, der
namentlich die Eisenwerke der Provinz Schansi studiert hat.
Schansi produziert ungefähr jährlich 1700000 Tonnen Steinkohlen,
die hier schon vor Jahrtausenden im großen Maßstabe gewonnen
wurden. Die mächtigen Kohlenfelder dieser Provinz erhalten einen
besonderen Wert durch die sie begleitenden ausgezeichneten
Eisenerze, welche man früh mit Steinkohlen verhüttete. Seit alter
Zeit ist der größere Teil von China von dieser Provinz aus mit
Roheisen und Schmiedeeisen versorgt worden und die Nachbarprovinzen
bezogen von ihr einen Teil ihres Bedarfes an Gußwaren. In den
Handel kommt das Eisen von Schansi unter dem Namen Pingeisen
und Lueisen. Die jährliche Produktion an Roh-, Schmiede- und
Gußeisen schätzt V. RICHTHOFEN auf ungefähr 160000 Tonnen im
Gesamtwert von 18 Millionen Mark. Diese Produktion ist auf einige
Plätze beschränkt, welche reiche Erze und gute Verkehrswege
besitzen, wo auch das Eisengewerbe von altersher festen Fuß faßte.
Gegenwärtig beschränkt sich diese Industrie in Schansi auf das
Verbreitungsgebiet des Anthracits, welcher für die chinesische
Schmelzmethode sich geeigneter erweist als Coaks.[243]
Bei dem volkreichen Städtchen Tai-yang ist die Oberfläche des
Dolomits voll von regellosen Aushöhlungen und in diesen finden
sich die Eisenerze angehäuft, ein Gemenge von Brauneisenstein,
Roteisenstein, Thoneisenstein und Spateisenstein. »Wohl hundert
Millionen Menschen mögen, ehe der europäische Import störend
eingriff, ihren Bedarf an Eisen aus dem Gebiet des Kreises
Föng-tai-hsiën (zu dem der Ort gehört) bezogen haben.« Dafür zeugen
denn auch die imponirenden, gigantischen Haufwerke zerschlagener,
verbrauchter Schmelztiegel.
Die Eisenerze werden meist in Tagbauen gewonnen und auch der
Anthracit ist leicht zugängig, so daß für die Gewinnung des
Lueisens sehr günstige Bedingungen vorliegen. »Die Schmelzung
geschieht in einer großen Zahl kleiner Werkstätten. Ein
ausgeebneter und ein wenig geneigter Platz von 2,25 m Länge und
1,40 m Breite ist wie eine Tenne ausgestampft. An den beiden
Langseiten wird er von Lehmmauern begrenzt. Die vordere Seite,
nach welcher die Fläche sich senkt, ist offen, während die
vierte durch die Lehmwand einer kleinen Hütte geschlossen ist,
in welcher sich der von zwei bis vier Mann getriebene Blasebalg
befindet. (Letzterer ist nicht näher geschildert.) Der Boden ist
mit faustgroßen Stücken von Anthracit belegt. Darauf stellt man
ungefähr 150 Schmelztiegel von feuerfestem Thon, welche 35 cm hoch
sind und oben 15 cm Durchmesser haben. Die Tiegel werden mit
einem Gemenge gefüllt, das in folgender Weise bereitet wird. Das
Erz wird mit der Hand klein geschlagen und das gröbere durch ein
Sieb abgeschieden. Das feine wird mit Grubenklein von Anthracit
und kleinen Stücken eisenreicher Schlacken vermengt. Dies wird nun
in den Tiegel geschüttet. Den Raum zwischen den Tiegeln füllt man
sorgfältig mit Anthracit aus und zuletzt breitet man eine Lage des
letzteren über die Tiegelschicht aus. Darauf stellt man dann eine
zweite Schicht von 150 angefüllten Tiegeln, die auch mit Kohle
bedeckt wird. Obenauf werden alte, unbrauchbare Tiegel gelegt und
ebenso wird vorn eine Wand von horizontal liegenden alten Tiegeln
aufgesetzt. Nun wird Feuer gemacht und Luft eingeblasen. Sobald
die Hitze groß genug ist, hört man auf zu blasen, da die frei
hindurchstreifende Luft hinreichend ist, die Glut zu erhalten. Die
weitere Behandlung richtet sich danach, ob das Metall zur Bereitung
von Gußware oder von Schmiedeeisen dienen soll. Für den ersteren
Zweck werden die Tiegel aus der Glut genommen und der flüssige
Inhalt auf eine ebene Fläche ausgegossen. Man erhält dadurch ein
weißes sprödes Eisen in dünnen Scheiben. Will man Schmiedeeisen
haben, so läßt man den Haufen durch vier Tage langsam abkühlen.
Die Tiegel werden dann zerschlagen; an ihrem Boden befindet sich
das Eisen in halbkugeligen Stücken. Der Preis des so dargestellten
Eisens von beiden Arten ist etwas über drei Mark pro 50 kg.
Ein anderer berühmter Ort Schansis für Eisenindustrie ist Nantsun,
wo Gießereien, Nagelschmiede, Frischfeuer, Drahtziehereien
bestehen. Um Gußwaren herzustellen, verfährt man gerade so
wie bei der Bereitung des Roheisens, die plattenförmigen
Stücken des letzteren werden zerschlagen und mit Anthracit und
Frischschlacken gemengt, in Tiegel gefüllt, die in zwei Reihen
von je 150 übereinander gestellt werden. Ist alles in Glut, so
faßt man die Tiegel mit eisernen Zangen und gießt ihren Inhalt
in Formen. Vorwaltend verfertigt man große eiserne Kessel von
0,50-1 m Durchmesser und 15-30 cm Tiefe, die sich durch Dünne
des Metalls und Haltbarkeit auszeichnen. Außerdem wird eine
große Anzahl anderer Gegenstände für Haushalt und Landwirtschaft
hergestellt. Man wendet für sie je nach den Anforderungen an die
Eigenschaften des Eisens verschiedene Mischungen und Methoden an.
Diese sind das lange vererbte Geheimnis der einzelnen Fabriken.
Die Darstellung des Schmiedeeisens konnte V. RICHTHOFEN nicht
sehen; es wird dazu nur das langsam gekühlte Roheisen verwendet.
Das Produkt ist so vorzüglich, daß die Chinesen es bei gleichem
Preise dem importierten europäischen vorziehen. Drahtzieherei
und Nagelschmieden ist Hausindustrie. Die Eisenindustrie von
Nantsun muß sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr großen
Schlackenhalden, zwischen denen die Straße oft mehrere Li (à 556 m)
weit hindurchführt.
Ein dritter wichtiger Eisenindustrieplatz in Schansi ist
Shwo-fàng-tsun, wo alle Materialien billig zur Hand sind und das
Terrain sich in bester Weise für die Anlage der Eisenwerke eignet.
Das Erz, ein Gemenge von Brauneisenstein und Spateisenstein wird in
kleinen Gruben gewonnen; einige werden durch Tagebau betrieben, in
anderen erreicht man das Erz durch einen kurzen Stollen und nicht
selten sind Schachte 6-9 m tief gesenkt. Der Bauer gräbt das Erz
auf seinem eigenen Felde und verkauft es an eines der zahlreichen
Schmelzwerke. Die Hüttenwerke, nach Art der oben beschriebenen
eingerichtet, sind in Lösterrassen angelegt; nur stellt man die
Tiegel in 30 Reihen von je 11 Stück, die 60 cm hoch sind und
beinahe 15 cm Durchmesser haben. Die Beschickung und Schmelzmethode
sind wie oben angegeben.[244]
Bei Lang-tiën in der Provinz Honan wurde in früherer Zeit Eisen
geschmolzen, wie die Überreste der Schmelzwerke und die erstaunlich
großen Schlackenhalden beweisen. Sie sollen aus der Zeit der
Ming-Dynastie (14.-17. Jahrhundert) stammen. Jetzt verstehen die
Einwohner die Kunst des Schmelzens nicht mehr.[245]
~Prähistorisches aus Japan.~ Die prähistorischen Verhältnisse
Japans zeigen in vielen Beziehungen überraschende Ähnlichkeit mit
den unsrigen. Hat man auch noch keine Pfahlbauten entdeckt, so
sind doch Tumuli, Steingräber, Kjökkenmöddings, zugehauene und
polierte Steine, Bronzen und Thongefäße gefunden worden; auch
fehlen Knochen- und Horngeräte nicht. Die Funde werden meist in
den Küstenprovinzen, sowie auf den Inseln, selbst den Liukiu-
und Bonininseln, gemacht und zeigen auch in ihren Formen eine
überraschende Ähnlichkeit mit unseren europäischen Geräten und
Waffen. Besondere Aufmerksamkeit haben in der letzten Zeit die
Muschelhaufen von Omori an der Bucht von Jedo erregt, die vielfach
untersucht sind und über die wir schon eine eigene Litteratur
besitzen. Hier sind die rohesten, behauenen Formen der Steingeräte
vertreten und Metallbeigaben fehlen. Man schreibt diese Funde
der japanischen Urbevölkerung, den Ebisu, zu, Vorfahren der
heutigen Ainos, welche nach dem Norden zurückgedrängt wurden.
Dafür spricht die Ornamentierung der Thonscherben und Thongefäße
in den Muschelhaufen, welche nach MILNE _is very like that of the
modern Aino_. Eine zweite Gruppe von Funden zeigt nach HEINRICH
VON SIEBOLD weit höhere Formen. Das verwendete Gestein kommt in
Japan gar nicht oder nur spärlich vor, um so häufiger aber auf
den malayischen Inseln, in Korea und China. Die Stücke sind meist
poliert, oft auch verziert und werden in Gemeinschaft mit Bronze
angetroffen. Man nimmt an, daß sie von Djimo-tenno herrührten,
dessen Krieger Waffen aus Stein und Bronze führten und der die Aino
besiegte und nach Norden drängte.[246] Das alles erscheint wie
Ausläufer der chinesischen Kultur.