Die Schmelzöfen der Eingeborenen (Fig. 26), welche sehr roh und

primitiv gearbeitet sind, liegen stets in der Nähe eines Stromes.

Das gesammelte Erz wird in kleine Stückchen geschlagen und dann

durch Waschen von Erde gereinigt. Die Öfen werden 60-80 cm tief in

den Boden gegraben und die Seiten mit Steinen ausgelegt, die dann

mit Thon überschlagen werden. Auf den Boden wird alsdann Brennstoff

gelegt und darüber Erz mit Holzkohle in Wechselschichten. Das Ganze

wird oben mit einer dicken Thonlage geschlossen(?). Das Gebläse

wird mit zwei Paar Stempeln betrieben, die in hölzernen Cylindern

gehen, gewöhnlich sind letztere ausgehöhlte Baumstämme. Vom Boden

dieser Cylinder erstrecken sich Röhren aus Bambus oder aus alten

Flintenläufen in den Ofen hinein. Nachdem der Inhalt des letzteren

eine Zeitlang in Weißglut erhalten, wird er erkalten gelassen, und

aufgebrochen findet man das Eisen in Klumpen am Boden. So oder zu

Barren geschmiedet kommt es in den Handel. Der einheimische Schmied

errichtet seinen Feuerherd auf dem Flur des Hauses und benutzt dazu

die gleichen, nur kleineren Gebläse wie beim Hüttenprozeß. Der

eiserne Amboß, 14 cm im Geviert und 14 cm hoch, steckt in einem

dicken Holzblocke; Hämmer, Zangen etc. sind von Eisen.[220]

[Illustration: Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS.]

Eine Schließung des Ofens, wie ELLIS sie anführt, ist einfach

unrichtig; seine Abbildung selbst zeigt ein kleines Rohr, durch

welches die Ofengase abziehen; von wo der »Ofen« beschickt wird,

ist weder aus der Abbildung, noch Beschreibung ersichtlich;

vermutlich handelt es sich nur um eine einmalige Füllung der Grube.

~Kupfer bei den Malayen.~ Kupfer ist teils gediegen, teils in

Erzen auf verschiedenen Inseln des Archipelagus vorhanden. Die

Kupferminen von Limun auf Sumatra sind seit sehr alter Zeit

betrieben worden, auch kommt es dort und auf Timor gediegen vor,

kann daher dort auch in den frühesten Zeiten kalt zu Geräten

verarbeitet worden sein. Mit Ausnahme von Sumatra, wo ein

einheimischer Name für Kupfer existiert, gilt im ganzen Archipel

das aus dem Sanskrit stammende _tambaga_ (_tamra_, _tamraka_

bedeutet dort das dunkle Metall, es ist ein späterer Sanskritname

des Kupfers) und hieraus kann man schließen, daß die Kunst, das

Kupfer zu schmelzen und zu gießen, eine aus Vorderindien zu den

malayischen Völkern gelangte sei.

Fast alle die gegossenen Hindugötzenbilder und andere in Java

gefundenen Gegenstände bestehen aus einer Kupfer-Eisenmischung;

Waffen und Geräte für den häuslichen Bedarf wurden aber nicht

unter den javanischen Altertümern aus Kupfer gefunden. Zinn und

Zink kommen in den Mischungen nicht vor, waren auch wohl den alten

Javanern unbekannt[221], was mit der Annahme von einem späteren

Bekanntwerden des Zinnes auf Malakka stimmen würde.

Eine ausgedehnte, höchst beachtenswerte Kupferindustrie treffen

wir bei einem der nördlichsten malayischen Völker, den auch

in der Eisenbereitung erfahrenen Igorroten im Innern der

Philippineninsel Luzon. Luzon hat gediegenes Kupfer und sehr

beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen bei Mancayan im

Distrikte Lepanto, sowie im Centralgebirge zwischen Cagayan und

Ilocos. Die europäischen Unternehmungen auf Kupfer sind hier

erfolglos geblieben, dagegen haben die wilden Igorroten, die jenes

Gebirge bewohnen, schon seit Jahrhunderten und in verhältnismäßig

großer Ausdehnung den Kupferbergbau und die Kupferverhüttung hier

betrieben, was um so bemerkenswerter ist, als das Metall in jenen

Gegenden fast nur in der Form von Kiesen vorkommt, die auch in

Europa nur durch umständliches Verfahren und nicht ohne Zuschlag

verwertet werden können.

Nach JAGOR, dem wir die Nachrichten über das Kupferhüttenwesen

der Igorroten verdanken[222], brachten dieselben in der letzten

Zeit jährlich 300 picos (à 63-1/4 kg) Kupfer, teils roh, teils

verarbeitet, in den Handel. Die Ausdehnung der unterirdischen

Erdarbeiten und die bedeutende Menge vorhandener Schlacken

weisen auf einen lange bestehenden beträchtlichen Betrieb. Die

Kupfergeräte der Igorroten waren jahrhundertelang bei den Spaniern

Manilas in Gebrauch, ohne daß diese über den Ursprung genau

unterrichtet waren[223]; höchst wahrscheinlich übten die Igorroten

schon vor der Ankunft der Spanier die Kunst, aus den Kiesen Kupfer

zu gewinnen. Man vermutet, daß Chinesen oder Japanesen ihre

Lehrmeister gewesen; jedenfalls aber ist die Thatsache, daß ein

wildes, isoliert im Gebirge wohnendes Volk in der Hüttenkunde so

weit vorgeschritten ist, von großem Interesse.

Nach den Mitteilungen des von JAGOR angeführten Oberingenieurs

SANTOS war das erzführende Gebiet von Mancayan bei den Igorroten

in größere oder kleinere Parzellen, je nach der Volkszahl der

anliegenden Dorfschaften, eingeteilt, deren Grenzen eifersüchtig

gehütet wurden. Das Besitztum eines jeden Dorfes war wiederum

unter bestimmte Familien verteilt, weshalb jene Bergdistrikte

noch heute den Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung

des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an

geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des

in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers mit Zuhilfenahme

eiserner Werkzeuge den Fels zu zerkleinern. Die erste Scheidung

des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube

Gestein blieb liegen und höhete den Boden auf, so daß bei späterem

Feuersetzen die Flamme der Holzstöße stets die Decke traf. Wegen

der Beschaffenheit des Gesteins und der Unvollkommenheiten des

Verfahrens fanden häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze

wurden in reiche und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres

verschmolzen, diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung

unterworfen, wobei, nachdem sich ein Teil des Schwefels, Antimons

und Arsens verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer

und Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln

an der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum größten Teil

abgelöst werden konnten. Die Öfen oder Schmelzvorrichtungen

bestanden aus einer runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten

30 cm Durchmesser bei 15 cm Tiefe. Eine damit in Verbindung

stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse)

von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die

unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepaßt waren, in

denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn

bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten und die für das

Schmelzen erforderliche Luft zuführten.

Wenn die Igorroten Schwarzkupfer oder gediegenes Kupfer erblasen

hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem

sie einen Tiegel aus gutem feuerfestem Thon in Gestalt eines

Helmes aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward, das Metall

in Formen zu gießen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem

der Ofen hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18-20 kg reichen

oder gerösteten Erzes und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich,

indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse, also dem Luftzuge

ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die

aus losen, zur Höhe von 50 cm übereinander geschichteten Steinen

bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene

Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe, weiße

und orangengelbe, von der teilweisen Verflüchtigung des Schwefels,

Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach Verlauf einer

Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige Säure bildete und

die Hitze den höchsten bei diesem Verfahren möglichen Grad erreicht

hatte, das Blasen eingestellt und das Produkt herausgenommen wurde.

Dies bestand aus einer Schlacke oder vielmehr aus den eingetragenen

Erzstücken selbst, die wegen des Kieselgehaltes des Ganggesteines

sich bei der Zersetzung des Schwefelmetalles in eine poröse

Masse verwandelten (und sich nicht verschlacken und kieselsaure

Verbindungen eingehen konnten, weil es sowohl an Basen, als an

der erforderlichen Hitze gebrach); ferner aus einem sehr unreinen

»Stein« von 4-5 kg Gewicht und etwa 50-60% Kupfergehalt.

Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12-15 Stunden lang in

starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein großer

Teil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben

Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und

zwar ebenfalls so, daß sie sich im Kontakt mit der Luft, die

Kohlen dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten,

nachdem sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken

ein Silikat von Eisen und Antimon und Spuren von Arsen, einen

»Stein« von 70-75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben

abhoben (Konzentrationsstein), indem sie die Abkühlungsflächen

benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse

mehr oder weniger entschwefelt war, eine größere oder geringere

Menge (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück. Die durch diesen

zweiten Prozeß gewonnenen Konzentrationssteine wurden abermals

geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte, damit sie

nicht aneinander schmelzen konnten, bevor sie das Feuer von den

Unreinigkeiten befreit hatte. Das bei der zweiten Beschickung

erhaltene Schwarzkupfer und die bei eben dieser Operation

niedergeschmolzenen Steine wurden in demselben (durch Bruchsteine

verengten und mit einem Schmelztiegel versehenen) Ofen einer

dritten Operation unterworfen, die eine Schlacke von kieselsaurem

Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte, das in Thonformen ausgegossen

wurde und in dieser Gestalt in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer

enthielt 92-94% Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre

gelbe Farbe gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben

Metalls, und das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche

entstandene Oxyd, das sich stets bildete, trotz der angewandten

Vorsichtsmaßregeln, die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit

grünen Zweigen zu peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von

Kesseln, Pfeifen und anderem häuslichen Gerät oder Schmuck dienen

sollte, die von den Igorroten mit so großer Geschicklichkeit

und Geduld ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozeß

unterworfen, der sich nur dadurch von dem vorhergehenden

unterschied, daß man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom

vermehrte, in dem Maße, als der Schmelzprozeß sich seinem Ende

näherte, was die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch

Oxydation zur Folge hatte.

~Zinn bei den Malayen.~ Bei allen Völkern des Archipelagus

wird Zinn mit dem malayischen Worte _timah_ benannt, was auf

eine gemeinsame Ursprungsquelle hindeutet. Als solche dürfte

die hinterindische Halbinsel mit den Inseln, die sich südlich

vorlagern, zu betrachten sein. Wie überall, wo Zinnerze gefunden

werden, haben dieselben auch hier eine beschränkte geographische

Verbreitung, sind aber dafür an dem Orte ihres Vorkommens ungemein

häufig.

In Hinterindien kommen die Zinnerze von 10° nördl. Br., also von

dem bekannten Isthmus von Krah an[224], bis 3° südl. Br., somit bis

zur Insel Billiton, in einem fortlaufenden Zuge vor, in welchem

die berühmten Zinnvorkommnisse von Malakka und Bangka liegen.

Gerade wie in Europa, in Cornwall, Devonshire, der Bretagne,

dem Erzgebirge und dem spanischen Galizien, sind auch auf der

hinterindischen Halbinsel die Zinnerze an den Granit gebunden.

Gold, sowie Zinn kommen dort ursprünglich in Quarzadern vor,

welche zwischen Granit auf der einen und Glimmerschiefer auf der

anderen Seite eingebettet sind. Aus diesen Originalstätten sind

sie herausgewaschen und in die Alluvionen übergegangen, die sich

zu beiden Seiten des Gebirges erstrecken, welches das Rückgrat der

malayischen Halbinsel ausmacht.[225]

Über das Alter der Ausbeutung sind wir im Unklaren. Wir haben

gesehen, daß Vorderindien im Altertum abendländisches Zinn bezog

(S. 60), daß also bis zum ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung,

in dem die Alexandriner dieses Metall nach Barygaza brachten,

es schwerlich schon in Hinterindien gewonnen wurde, daß es aber

keineswegs um jene Zeit Exportgegenstand dieses Landes war.

Aber trotzdem zwingt uns das Vorkommen hinterindischer, mit

Steingeräten vergesellschafteter Bronzen (siehe unten), ein

relativ hohes Alter für die dortige Zinnproduktion anzunehmen.

Zinn, das möge hervorgehoben werden, ist dasjenige Metall, welches

am allerleichtesten aus den Erzen reduziert werden kann. Daß

der Zufall hier der Lehrmeister gewesen sein könne, ist nicht

auszuschließen, wie wir an dem bestimmten Beispiel des Zinnes von

Bangka zeigen können. Im Beginn des vorigen Jahrhunderts herrschte

über Bangka der Sultan Badur U'din von Palembang (auf Sumatra),

unter dessen Regierung die Entdeckung stattfand, welche Kapitän

HAMILTON[226] folgendermaßen erzählt: »Im Jahre 1710 war ein Sohn

des Königs von Pullamban (Palembang) Herrscher (über Bangka), als

zufällig ein Feuer in einem Dorfe entstand; als das Feuer gelöscht

war, fand man viel geschmolzenes Metall unter dem Schutte und

dieses Metall war Zinn. Der Herrscher befahl seinem Volke, etwas in

den Boden zu graben, wo sie viel Erz fanden, das er nun mit gutem

Vorteil ausbeutete.«

So mögen die Anfänge der Zinngewinnung auch an anderen Orten

gewesen sein. Indessen fehlen mir alte Nachrichten über das

hinterindische Zinn gänzlich und erst im Mittelalter treten

bestimmte Zeugnisse über seine Verbreitung im Handel auf. So

erwähnt es der arabische Schriftsteller ABU ZEID[227] und ferner

der bekannte AL WARDI CASDIR. Im Beginne des 16. Jahrhunderts

sprechen dann LUDWIG BARTHEMA[228] und der abenteuerliche FERNAN

MENDEZ PINTO von Malakkas Zinnreichtum.

Die gegenwärtige Darstellung von Zinn ist überall da, wo Malayen

die Sache betreiben, noch eine höchst einfache, während anderwärts

durch Europäer und Chinesen hüttenmännische Verbesserungen

eingeführt wurden. Die berühmten Zinngruben von Malakka liegen bei

dem Dorfe Kassang und werden von tausenden von Chinesen bearbeitet.

Der Grund ist hier weit und breit aufgerissen, Schächte sind

nirgends getrieben. Die zinnführende Schicht (_wash dirt_) liegt

5,5-7 m unter der Oberfläche und soll 1,10 m mächtig sein. Ist eine

große Menge des _wash-dirt_ zusammengebracht, so wird derselbe

mit Schleußen (_by means of sluices_) ausgewaschen. Es erfolgt

das Ausschmelzen auf höchst primitive Weise. Öfen aus Thon werden

errichtet und vermittels Ruten zusammengebunden. Am Fuße jedes

Ofens befinden sich zwei, etwa 5 cm Durchmesser haltende Löcher,

durch deren eines das geschmolzene Metall abfließt, während das

andere die Zugluft -- ohne künstliche Windzuführung -- vermittelt.

Das Erz wird einfach mit Holzkohle geschichtet und dann Feuer

gegeben. Das durch die kleine Öffnung abtropfende Metall wird in

einer Erdhöhlung aufgefangen, dort ausgeschöpft und in Formen

gegossen, worauf man es nach Malakka sendet.[229]

Nach Kapitän BURN dagegen werden in den Zinnwerken von Tringanu,

Pattani, Dschohor, Lanwan, Lingie, Pahang und auch bei dem oben

erwähnten Kassang die bekannten cylinderförmigen malayischen

Gebläse angewendet, was auch annehmbar erscheint. Die Holzkohle

stammt vom Gompoßbaume, die Hochöfen sind 1,5 m hoch und aus Thon

geschlagen. Das reduzierte Metall fließt konstant in einen Trog vor

dem Ofen ab und wird dort ausgeschöpft und in Sandformen gegossen.

Das Ausbringen beträgt, je nach der Güte des Erzes, 45-60%

Zinn.[230]

Die Zinnproduktion von Bangka ist wesentlich in den Händen von

Chinesen, die unter europäischem Einflusse allerlei verbesserte

Aufbereitungs- und Verhüttungsmethoden eingeführt haben, die uns

hier nicht interessieren können.[231] Auf dem ebenso zinnreichen

Biliton begann die Ausbeute erst 1851, auch auf den Karimoninseln

bei Singapur ist sie neueren Datums.[232]

Neben dem chinesischen Betrieb der Zinngruben auf Bangka fand

früher noch ein sehr primitiver der Eingeborenen statt; sie teuften

enge cylindrische Schächte ab, gerade groß genug, um eine Person

einzulassen. Fanden sie das Zinnerzlager ergiebig, so verfolgten

sie mit Lebensgefahr dasselbe unter dem hangenden Alluvium. Da sie

die Wässer nicht zu bewältigen verstanden, legten sie ihre Schächte

nur an Abhängen an, wo keine Wasseransammlungen stattfinden

konnten. Das Ausbringen der gewaschenen Erze war so, wie es weiter

oben geschildert wurde.[233]

Fußnoten:

[209] CRAWFURD, Hist. Indian Archipelago. I. 182 und Transactions

Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4 (1866).

[210] STAMFORD RAFFLES, History of Java. London 1830. I. 192.

[211] SPENSER ST. JOHN, Life in the far east. II. 277.

[212] CRAWFURD in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4.

[213] Es mag hier an einem Beispiel gezeigt werden, wie innerhalb

eines durchaus metallkundigen Volkes sich Oasen erhalten, welche

im alten Zustande vormetallischer Zeit beharren. Der metallreichen

Insel Sumatra ist westlich vorgelagert das Eiland Engano. Die

Eingeborenen lebten dort bis vor kurzem noch in der Steinperiode.

Die Schmiedekunst, sonst bei allen Malayen verbreitet, war ihnen

fremd. Seit ihnen Eisen zugeführt wird, verfertigen sie ihre

Lanzenspitzen auf kaltem Wege durch Klopfen und Schleifen aus

gewöhnlichen Messern. (V. ROSENBERG, Der malayische Archipel.

Leipzig 1878. 210.) Es zeigt dieses, wie bei demselben Volke in

unmittelbarer Nachbarschaft zwei sogenannte Kulturperioden in

derselben Zeit nebeneinander bestehen können, ein Wink, der für

die Bestimmung mancher prähistorischen Funde nicht aus den Augen

gelassen werden mag.

[214] Beschreibung der Insel Sumatra. Leipzig 1785. 190.

[215] H. EVERETT, Useful minerals of Sarawak in Journ. of the

Straits Branch of the R. As. Soc. I. 20 (1878).

[216] Nach Dr. SCHWANER's Reisen in Borneo bei PERCY a. a. O. I.

512. Die Abbildung nach TEMMINCK im Globus. XXX. 40.

[217] Voyages. London 1703. I. 331.

[218] Blätter aus meinem Reisetagebuche. Als Manuskript gedruckt.

Leipzig 1883. 275.

[219] G. WINDSOR EARL, Papuans. London 1853. 76. -- VAN HASSELT in

Zeitschrift f. Ethnologie. 1876. 171.

[220] W. ELLIS, Three visits to Madagascar. London 1858. 264.

[221] CRAWFURD, Malayan Archipelago. III. 491.

[222] F. JAGOR, Reisen in den Philippinen. Berlin 1873. 145-149.

[223] Ein von MEYEN mitgebrachter und dem Berliner Museum

übergebener, getriebener Kupferkessel der Igorroten ist bei JAGOR

a. a. O. 146 abgebildet.

[224] Nach MC CLELLAND im Journ. Asiat. Soc. of Bengal. 1842. XI.

25.

[225] DALY, The metalliferous formation of the Peninsula. Journ.

Straits Branch. Asiat. Soc. II. 194.

[226] New Account of the East Indies. II. 120. -- CRAWFURD, History

Malay. Archip. III. 451.

[227] RENAUDOT, Voyage des deux pélérins arabes. Paris 1838.

[228] RAMUSIO, Viaggi. 1613. I. 166a.

[229] J. CAMERON, Our tropical possessions in Malayan India. London

1865. 387.

[230] Kapt. BURN im Catalogue of the Indian Departement (The

international exhibition of 1862). 9 unter Nr. 162.

[231] Über die Zinnminen von Bangka vgl. CRAWFURD, Indian

Archipelago. III. 453-458. Tijdschr. vor Neêrl. Indie 1843. II.

392-419. Sehr ausführliche Schilderung, auch des chinesischen

Schmelzverfahrens in MOHNIKE, Banka und Palembang. Münster 1874.

24-49.

[232] Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. I. 134 ff.

[233] CRAWFURD a. a. O. III. 458.

Die Metalle in Hinterindien.

~Prähistorisches.~ Für Hinterindien liegen uns angehende

Nachrichten besonders aus dem unter französischer Oberhoheit

stehenden Königreiche Kambodja vor. Hier sind die prähistorischen

Zeugen einer jüngeren Steinzeit zusammen mit Bronzefunden

nachgewiesen und von hier kennen wir auch die Darstellung des

Eisens bei den wilden und halbkultivierten Völkern im Innern.

Die ersten prähistorischen Funde in Kambodja, welche dort eine

neolithische und eine »Bronzezeit« darthaten, stammen aus dem

Jahre 1879. Sie wurden durch den Marinearzt Dr. CORRE in den

Muschelhaufen von Som-ron-Sen gemacht und sind seitdem von Dr.

MOURA und anderen weiter verfolgt worden.[234] Som-ron-Sen

liegt an den Ufern des Stung Chinit, eines Zuflusses des großen

Tonli-Sapsees, und die Muschelhaufen sind namentlich aus Paludina-,

Corbicula- und Unioarten gebildet. Die Steingeräte, Beile, Meißel,

Kelte, Ringe etc. aus einer Art Amphibol sind poliert und gleichen

den verwandten europäischen Instrumenten dieser Art. Mit und

zwischen diesen Steingeräten und in denselben Muschelhaufen sind

nun auch Bronzegeräte gefunden worden: große Ringe, eine Axt mit

Dille, Pfeilspitzen, Angelhaken, Scheiben, alles dieses von ganz

verwandtem Charakter wie die europäischen prähistorischen Bronzen.

Wie man aber in Europa auch beides, die Geräte aus Stein und

diejenigen aus Bronze, oft nebeneinander findet, so ist dieses

auch hier der Fall gewesen. Indo-China war bereits im Besitze des

Kupfers und der Bronze, als man noch fortfuhr, den Stein zu Geräten

zu gestalten und zu polieren.

Von wo die Bronzen kamen und ob sie älter als das Eisen hier

in Hinterindien sind, wird nicht gesagt. Doch läßt der bloße

Mangel des letzteren in den Muschelhaufen und das Vorhandensein

der ersteren noch keineswegs den Schluß zu, daß in Hinterindien

die Bronze älter als das Eisen sei. Wie die ganze Kultur der

hinterindischen Halbinsel unter dem Einflusse Chinas steht und

gestanden ist, so mag auch in früher Zeit aus diesem Lande die

Bronze nach Kambodja gekommen sein, wenn es überhaupt nötig ist,

einen Import aus der Fremde anzunehmen. Eisen wird seit »Urzeiten«

in Hinterindien dargestellt.

~Eisengewinnung in Kambodja.~ Über die Darstellung des Eisens bei

den wilden Völkern Hinterindiens besitzen wir gleichfalls einen

Bericht von J. MOURA, der sich auf Kambodja bezieht.[235] »In

den >Eisenbergen< der Provinz Compong-Soai,« sagt MOURA, »kommen

zwei Arten Eisenerz vor, welche die wilden Cuois als schweren

und leichten Stein bezeichnen. Die erste Sorte ist ergiebiger

an Eisen als die zweite, ist aber weniger geschätzt, da das

daraus erzielte Produkt unrein und zur Herstellung von Waffen

und Geräten wenig geeignet ist. Das leichte Erz ist dagegen von

besserer Beschaffenheit. Direkt mit Holzkohle in einem einfachen

Schmelzofen behandelt, giebt es eine Art von natürlichem Stahl

oder ein Gut, welches die Eigenschaften des Zementstahles besitzt.

Es wird von den Eingeborenen zur Herstellung von Beilen, Messern,

landwirtschaftlichen Geräten, Feuerstahl und sehr guten Sägen

benutzt.«

Dieses »leichte« Mineral ist ein sehr reiches Eisenoxydul mit

65-70% Metall. Die Gegend, wo die Schmelzen der Cuois stehen, ist

außerordentlich waldreich, so daß es an Brennstoff zur Fabrikation

nicht fehlt. Wenn sie eine gewisse Menge Erz gewonnen haben,

werfen sie dasselbe, um es zu rösten, in ein großes Holzfeuer und

zerklopfen es alsdann in nußgroße Stücke. Gleichzeitig brennen sie

Holzkohle (wie, wird nicht gesagt) und nun ist alles zum Schmelzen

bereit. Die Schilderung des Schmelzofens und seiner Zubehöre lassen

wir in der Originalsprache hier folgen:

»_L'appareil employé pour la fusion est des plus simples; il laisse

perdre une très grande partie de la chaleur développée et donne

comme rendement à peu près la moitié de ce qu'on obtient en Europe

avec les hauts-fourneaux perfectionnés. Cet appareil_ (Fig. 27) _se

compose d'un fourneau en terre glaise de forme parallélipipède,

ouvert par le haut. Il est percé au bas des grandes faces latérales

d'une série de trous situés sur la même ligne horizontale et dans

lesquels on passe des bouts de bambous creux disposés comme les

tuyaux de flûte de Pan. Ces tuyaux correspondent, un par un, avec

ceux d'une trompe ou machine soufflante placée de chaque côté des

grandes faces du fourneau et composée d'un cylindre creux en terre

glaise, coiffé d'un cône en cuir faisant office de piston ou de

soufflet, que trois hommes aplatissent en sautant dessus pour

refouler l'air, et qui se relève par l'effet de la détente d'un

levier en bois flexible relié an sommet du cône à l'aide d'une

corde. Ces trois hommes se tiennent debout sur une petite estrade

en bois élevée à côté du soufflet; ils sautent sur le cône ou

reviennent sur l'estrade, suivant qu'il s'agit de refouler l'air ou

de l'aspirer._«

[Illustration: Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA.]

Die Metalle bei den Naturvölkern · 第 10 / 18 段