lernten, wenn wir die Beschreibungen der Schmiede Indiens lesen;
beide stehen auf derselben primitiven Stufe. SONNERAT schreibt:
»Der (indische) Schmied führt sein Werkzeug, seine Schmiede und
seine Esse stets mit sich und arbeitet überall, wo man ihn brauchen
will. Die Schmiede richtet er vor dem Hause desjenigen auf, der
ihn berufen hat. Aus zerriebener Erde führt er eine kleine Mauer
auf, vor der er seinen Herd anlegt: hinter dieser Mauer sind zwei
lederne Blasebälge angebracht, die sein Lehrbursche wechselweise
drückt und damit das Feuer anbläßt. Statt des Amboßes nimmt er
einen Stein und sein ganzes Werkzeug besteht in einer Zange, einem
Hammer, einem Schlägel und einer Feile.«[199]
Und so wie diese indischen Schmiede, so sind ihre Abkömmlinge,
wenn man so sagen darf, unsere Zigeuner noch heute; sie ragen mit
der Art und Weise ihres Schmiedebetriebes als ein Überlebsel in
unsere Zeit herein, merkwürdig konservativ, unverändert durch die
umgebende Kultur und unbeleckt davon. Überall in Europa betreibt
der Zigeunerschmied noch heute ~sitzend~ sein Gewerbe[200], das
Handwerkszeug ist bei allen das nämliche, höchst einfache, doch
sind oft schon an die Stelle der Lederschläuche zwei europäische
alternierend benutzte Handblasebälge getreten. »Unter allen
Nahrungsarten der Zigeuner,« sagt GRELLMANN, »ist Schlosser-
und Schmiedearbeit die gemeinste, so daß man ein ungarisches
Sprichwort hat: soviel Zigeuner, soviel Schmiede, und bereits in
einer Urkunde des ungarischen Königs Ladislaus vom Jahre 1496
werden Zigeunerschmiede erwähnt. Große, schwere Dinge schmieden sie
nicht, sondern nur Kleinigkeiten: Hufeisen, Ringe, Maultrommeln,
Nägel, Messer.« Nirgends schmelzen die Zigeuner das Eisen aus,
sondern sie verarbeiten nur altes, bereits vorhandenes. »Ihr Amboß
ist ein Stein und was sie weiter gebrauchen, besteht in ein Paar
Handbälgen, einer Zange, einem Hammer, Schraubstock und einer
Feile.« Kohlen brennen sie selbst in kleinen Meilern. »Er schmiedet
nicht stehend, sondern sitzt dabei mit übereinandergeschlagenen
Beinen auf der Erde; und das darum, weil sowohl die Einrichtung
seiner Werkstatt, als seine Gewohnheit diese Stellung erfordert.
Sein Weib sitzt ihm zur Seite und bewegt die Blasebälge.«[201]
Die Zigeuner außereuropäischer Länder sind gleichfalls Schmiede
in der angegebenen Weise; so z. B. die persischen (Kauli oder
Karatschi genannt), welche außer dem Schmiedehandwerk und
der Verfertigung schöner Ketten sich auf das Verzieren der
Gerätschaften verstehen.[202]
Auch Schmelzöfen verstehen die europäischen Zigeuner in höchst
ursprünglicher Weise herzustellen, wenigstens ist dieses von
SIMSON[203] für die schottischen Zigeuner in Tweeddale und
Clydesdale dargethan worden. Die Art, wie sie Eisen zu Pflugscharen
und Bügeleisen aus solchen Öfen gießen, ist höchst einfach.
Der Stamm wählt sich einen geschützten Ort, wo er aus Steinen,
Rasenstücken und Thon einen runden Ofen von 80 cm Höhe und 40 cm
Durchmesser herstellt, der auf der Außenseite bis oben hin
sorgfältig mit einem Mörtel aus Thon verkleidet wird. Am Boden wird
die Erde im Ofen etwas ausgehöhlt, um ihm größere Tiefe zu geben;
dann wird er mit Kohlen oder verkohltem Torfe gefüllt und das
Eisen, welches umgeschmolzen werden soll, in kleinen Stücken oben
aufgegeben. Unten ist eine Öffnung gelassen, groß genug, um einen
auf der Innenseite mit Thon ausgeschlagenen eisernen Schöpflöffel
einzuführen. Durch eine andere kleine, wenig über dem Boden
angelegte Öffnung wird die nötige Luft mit einem großen, von einem
Weibe bedienten Handblasebalg gegeben. Schmilzt das Eisen nieder,
so wird es unten in dem Schöpflöffel aufgefangen und in die bereit
gehaltenen Sandformen gegossen. SIMSON sagt ausdrücklich, daß mit
Eisen (_iron_) beschickt wird, doch ließe sich aus leichtflüssigen
Erzen gerade so gut auf solche Weise das Metall herstellen, wenn
auch nicht zum Gießen. Ob der Prozeß ein ursprünglicher bei diesen
Zigeunern oder nur ein abgelernter ist, kann nicht mehr entschieden
werden; wohl letzteres.
Eisenschmiede, Wahrsager und Musikanten sind die Zigeuner
überall; mit dem Kupfer befaßt sich aber nur eine bestimmte
Gruppe derselben in Südosteuropa, es sind dieses die (rumänisch)
Calderari genannten, also Keßler, welche von der Türkei und unteren
Donau durch Siebenbürgen und Ungarn bis zu den Karpaten und nach
Böhmen kommen. Auch das Verzinnen verstehen sie und die damit
Beschäftigten nennt man in Rumänien Spoïtori, ein Wort, dem wohl
das deutsche »Spiauter« zu Grunde liegt. Daß sie Goldwäscher (in
Siebenbürgen, der Walachei) und auch Goldschmiede sind, ist bekannt.
Von einer Gruppe kleinasiatischer Zigeuner, den Malkotsch, sagt
PASPATI[204], daß sie meistens Christen seien und sowohl in Eisen
als in Bronze zu arbeiten verständen. P. BATAILLARD, einer der
größten Kenner der Zigeuner, hat diese Notiz aufgegriffen und,
unterstützt von einigen Scheingründen, sie weiter dahin ausgebaut,
daß die Zigeuner dasjenige Volk waren, welches in Europa die Bronze
einführte. Indien allein habe Kupfer und Zinn gemeinsam, dort wäre
die Bronze entdeckt und von zigeunerischen _Commis voyageurs_ über
Europa verbreitet worden. Um diese Ansicht durchführen zu können,
läßt BATAILLARD die Zigeuner seit Urzeiten in Europa auftreten;
für ihn ist es keinem Zweifel unterworfen, daß sie die Sigynen des
Herodot sind etc.[205]
Andere Gründe -- als etwa noch die Kleinheit der Zigeunerhände
und die auf kleine Hände deutenden Griffe der Bronzeschwerter --
weiß BATAILLARD nicht beizubringen und er muß ebenso wie jene
auf Abwege geraten, welche die Bronze, wie die Metalltechnik
überhaupt, aus einer einzigen Quelle abzuleiten und mit Hilfe
von Wandervölkern über den Globus verbreiten wollen, statt einen
gesunden Polygenismus auch auf diesem Gebiete anzunehmen. Ob etwa
unsere Bronzen in ihrem Stil mit indischen übereinstimmen, an eine
so untergeordnete Frage hat der sonst hochverdiente Forscher nicht
gedacht und seine Hypothese dürfte wohl kaum zu erwähnen gewesen
sein, wenn nicht im Verfolge derselben die interessante Thatsache
zu Tage getreten wäre, daß es auch noch in Europa Zigeuner giebt,
die in Bronze arbeiten.
Wir verdanken diese Entdeckung dem verdienten polnischen
Anthropologen J. KOPERNICKI, welcher zigeunerische Gelbgießer im
südöstlichen Galizien an der Grenze der Bukowina auffand und ihre
Technik studierte.[206] Man nennt sie Zlotari (Plural von Zlotar,
vom slavischen _zloto_, Gold), Goldarbeiter, oder Dzvonkari (von
_dzvon_, Glocke), Glockengießer, weil sie Glocken von verschiedener
Größe für das Weidevieh gießen. Ferner stellen sie aus Bronze oder
Messing die Beile her, welche von den Ruthenen an ihren Stöcken
getragen werden, Buckeln für Gürtel, Agraffen, kleine Kreuze,
mit denen Bauermädchen am Halse sich schmücken, nadelförmige
Pfeifenräumer u. dgl. Waffen fabrizieren sie nicht, ja es fehlen in
ihrer Sprache die Namen dafür. Die Hauptsitze der zigeunerischen
Gelbgießer sind Hlinnitza am rechten Ufer des Pruth und Sadogora
bei Czernowitz. Im ersteren Orte hat KOPERNICKI sie besucht und sie
bei der Arbeit gesehen.
[Illustration: Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI.]
Zur Fabrikation benutzen sie, wie erwähnt, Bronze (_tscharkom_)
und Messing (_galbeni tscharkom_), sowie Packfong. Die Bronze
wird ausschließlich zu den Glocken verwendet. In ihrer Sprache
besitzen sie Ausdrücke für schmelzen (_te bilbel_ oder _te
bilarel_) und gießen (_te sorel_); benutzt wird altes Messing,
das sie umschmelzen und dem sie nach Bedarf Kupfer (_tscharkom_)
oder Zinn (_artschitsch_) zusetzen; Zink (_sperton_, Lehnwort)
wird wenig benutzt, dagegen ist Borax (_poroska_, also Lehnwort)
ihnen unentbehrlich. Alle diese Materialien kaufen sie in kleinen
Städten. Ihre Geräte und Werkzeuge bestehen in Graphittiegeln
(_kutschi_) und Blasebälgen (_pischod_), welche letztere nach der
Beschreibung und Abbildung (Fig. 23), die KOPERNICKI giebt, eine
durchaus altertümliche und mit der indischen übereinstimmende
Form haben. Dieser Blasebalg dient zugleich, wenn die Zlotari
ihr Gewerbe an einem anderen Orte ausüben wollen, als Reisesack.
»Dieser Sack,« berichtet KOPERNICKI, »besteht aus einem einzigen
Stücke: man zieht ein Kalb oder einen Hammel ab, indem man einen
Rundschnitt um den Körper gerade hinter den Achseln macht.[207]
Ohne die Haut zu verletzen, zieht man das Fell bis zu den Knieen
und soweit als möglich bis zum Schwanze ab. Nachdem dies Fell
so gut es angeht, gegerbt worden, um es geschmeidig zu machen,
verschließt man hermetisch die beiden Öffnungen am Eingange
der Beine, welche nun zwei seitliche Anhängsel (~cc~) bilden,
setzt eine Röhre an der Stelle des Schwanzes ein und bringt zwei
Stäbe (~bb~) am Eingange des Sackes an -- und der Blasebalg ist
fertig.« Die absolute Übereinstimmung dieses Blasebalges mit
verschiedenen in Afrika und Indien benutzten liegt auf der Hand;
er ist uraltes Besitztum dieser Zigeuner und, wie ich glaube, fast
das einzige bei dem Prozesse der Zlotari gebrauchte ursprüngliche
Stück. Was aber dann KOPERNICKI uns über das Formen und Gießen
berichtet, stimmt zugleich mit den in allen europäischen Gießereien
beobachteten Methoden überein; namentlich tragen die sogenannten
Gußkästen durchaus den Charakter wie in unseren Fabriken und
die dargestellten Glocken und Christusbilder etc. zeigen ganz
offenbar entlehnte Gestaltung. Hier ist nichts ursprünglich
zigeunerisches[208]; echt dagegen ist wieder, daß der Zlotar
sitzend arbeitet, wie dieses schon von den Zigeunerschmieden
hervorgehoben wurde.
Es ist wohl zu beachten, daß die (deutschen) Zigeuner die Metalle
vom Standpunkte des Eisens aus benennen. Eisen, _saster_, ist aus
dem Sanskrit _çastra_, einer späten Bezeichnung für dieses Metall,
entstanden; Kupfer ist ihnen _lolo saster_, rotes, und Messing
_dscheldo saster_, gelbes Eisen. Danach wäre ihnen das Eisen am
frühesten und ursprünglich bekannt gewesen. Kupfer und Messing
haben sie wohl erst in Europa kennen gelernt.
Fußnoten:
[199] SONNERAT, Reise nach Ostindien, citiert bei GRELLMANN, Die
Zigeuner. Göttingen 1787. 323.
[200] Siehe die Abbildungen bosnischer Zigeunerschmiede Tour du
Monde 1870. I. 284 und kaukasischer daselbst 1868. I. 189.
[201] GRELLMANN a. a. O. 80-84.
[202] POLAK, Persien. I. 33.
[203] History of the Gipsies. London 1865. 234.
[204] Les Tschinghianés de l'empire ottoman. 346.
[205] BATAILLARD, Sur les origines des Bohémiens und Les Tsiganes
de l'âge du bronze. Bullet. soc. d'Anthropol. 1875. 546 und 563.
[206] KOPERNICKI's ausführlicher Bericht ist mitgeteilt und mit
Bemerkungen versehen von BATAILLARD unter dem Titel Les Zlotars,
dits aussi Dzvonkars in Mém. soc. d'Anthropol. Deuxième serie. I.
499-566 und Tafel 17.
[207] Wie unser deutsches Wort »Balg« in Blasebalg bezeugt, sind
diese Instrumente bei uns auch ursprünglich nichts anderes gewesen
als die abgezogenen Tierhäute. Und so ist es auch im Russischen, wo
auch das Wort für Haut (_mjech_) dieses Gerät bezeichnet.
[208] KOPERNICKI führt die einfachen, wertvollen Thatsachen an. --
Die unhaltbare Hypothese von der Einführung der Bronze in Europa
durch die Zigeuner ist lediglich BATAILLARD's Eigentum.
Die Metallurgie der Malayen.
~Malayische Eisenbereitung.~ Die Malayen und ihnen nahe stehende
Völker sind seit sehr alter Zeit mit der Eisenschmelzung vertraut
gewesen, wie sie denn überhaupt vortreffliche Metallarbeiter sind.
Einheimischen, malayischen Ursprunges, sind die Bezeichnungen für
Gold, Eisen und Zinn in den verschiedenen Idiomen dieser Rasse, so
daß man annehmen kann, die Darstellung dieser Metalle entstamme
ursprünglich heimischer Kenntnis. Silber, Bronze und Kupfer dagegen
werden mit Sanskritnamen auf den ostasiatischen Inseln bezeichnet,
was auf Einführung dieser beiden Metalle aus Indien deutet. Doch
giebt es auf Sumatra eine heimische Bezeichnung für Kupfer, nicht
aber auf den übrigen Eilanden.[209] Die Einführung jener Metalle
aber darf in die Zeit gesetzt werden, als von Indien aus der
Brahmanismus nach Java vordrang und dort seine riesigen Tempel
errichtete, in deren Ruinen man wohl Götzenbilder, Opferschalen
etc. aus Bronze, aber keinerlei schneidende Werkzeuge und Geräte
aus dieser Legierung fand, weil letztere wohl bereits aus dem
heimischen Eisen von den Eingeborenen verfertigt worden waren.
Alles deutet darauf hin, daß Eisen früher als Bronze im malayischen
Archipel bekannt und gebraucht wurde.
Bei den verschiedenen malayischen Völkern, zumal den Javanen, gilt
das Handwerk eines Schmiedes als ein höchst ehrenvolles; in der
alten Geschichte werden die Schmiede als hoch im Ansehen stehend
und reich mit Ländereien belohnt erwähnt. So schon im elften
Jahrhundert, zur Zeit des Reiches Pajajaran, nach dessen Verfalle
800 Schmiedefamilien sich in das Reich Majapahit wandten. Nach
dessen Zerstörung im 15. Jahrhundert zerstreuten sich die Schmiede
über ganz Java, wo sie heute unter dem Namen _pandi_ bekannt sind.
Die charakteristischen malayischen Gebläse, welche wir gleich näher
schildern werden, waren in jener Zeit schon im Gebrauche, wie die
Steinskulpturen in den alten Ruinen von Suku beweisen, auf denen
die Gebläse dargestellt sind.[210] Für das hohe Ansehen, in welchem
die Schmiede standen, spricht das Wort _pandi_, welches zugleich
den kundigen und gelehrten Mann bedeutet, entstanden wohl durch
die Wertschätzung, welche man dem Eisen beilegte, als es noch neu
war. Diese Schätzung hat sich lange erhalten, da bis in unsere Tage
das Eisen vielfach Geld und Wertmesser in den malayischen Ländern
blieb. In Bruni (Borneo) liefen in der Mitte unseres Jahrhunderts
neben Shirtingstreifen noch zolllange Eisenstückchen (englischen
Ursprunges) um, die jetzt aber durch englische und chinesische
Kupfermünzen ersetzt sind.[211]
In der malayischen und javanischen Sprache stimmen die Wörter für
Eisen, Amboß, Hammer, Zange, Feile, Meißel, Messer, Dolch, Schwert
überein; dieselben sind auch bei den Dajaks von Borneo gebräuchlich
und vereinzelt bis zu den Philippinen mit der malayischen Invasion
vorgedrungen.[212] Alle Mythen und Traditionen der malayischen
Völker deuten auf die Halbinsel Malakka und die Insel Sumatra
als Ausgangspunkt ihrer Rasse und da nun Sumatra sehr reich an
Eisen ist und alte Eisenschmelzen dort wiederholt, so in der
Nähe des Merapi, gefunden worden sind, auch die Eisenindustrie
dort eine alt bodenständige ist, so kann man annehmen, daß von
hier aus dieselbe sich über die Inselwelt verbreitete und zwar
bis Neuguinea im Osten, bis zu den Philippinen im Norden und
Madagaskar im Westen.[213] Es giebt für den Zusammenhang und den
gemeinschaftlichen Ursprung der Eisenindustrie innerhalb des eben
bezeichneten Raumes ein untrügliches Kennzeichen, nämlich die Art
der eigentümlichen angewandten Gebläse, welche eine Doppelpumpe
mit Stempeln darstellen, die entweder aus zwei Bambusröhren oder
zwei ausgehöhlten Baumstämmen besteht und die wir überall in den
nachfolgenden Einzelschilderungen wiedertreffen werden.
Die Eingeborenen Sumatras bedienen sich bei ihren Schmiedearbeiten
des Holzkohlenfeuers. Die Gebläse schildert MARSDEN[214]
folgendermaßen: »Zwei Bambus, etwa 10 cm im Durchmesser und 1,5 m
lang, stehen senkrecht neben dem Feuer und sind oben offen, unten
aber verstopft. Ungefähr 3-5 cm vom Boden wird in jedes ein kleines
Stück Bambus eingesetzt, welches auf das Feuer zugeht und die
Stelle der Nase vertritt. Um einen Luftstrom zu bekommen, werden
Bündel von Federn oder anderen weichen Körpern an langen Stielen
in den senkrechten Röhren auf- und niedergestoßen, wie der Stempel
in einer Pumpe. Wenn sie niederwärts gestoßen werden, so treiben
sie die Luft durch die kleinen horizontalen Röhren und da jede
derselben wechselweise auf- und niedergestoßen wird, so wird ein
beständiger Wind erhalten. Es wird dies gemeiniglich von einem
Knaben verrichtet, welcher auf einem erhöhten Gestell steht.«
Völlig gleich diesen Gebläsen, oder nur in kleinen Einzelheiten
abweichend, sind jene, welche von den Dajaks, den Eingeborenen
Borneos, benutzt werden und deren auf die einfachste Weise
hergestelltes stahlartiges Eisen _is preferred to that of European
make_.[215] Während in Sawarak der Stamm der Kayan als der
erfahrenste im Eisenschmelzen gilt, haben diesen Ruf im Südosten
die Bewohner des Distrikts Dusun Ulu, welche nach SCHWANER's
Bericht Thoneisensteine der Braunkohlenformation verhütten. Die
cylindrischen Schmelzöfen werden über einem Holzkern in einer
Form aus Rinde von Thon gestampft; sie sind 90 cm hoch und rings
von Bambusstreifen zusammengehalten. Das Innere ist gleichmäßig
cylindrisch, der Herd aber rechteckig, 40 cm breit, 60 cm lang und
20 cm tief.
Jeder Ofen hat ein oder mehrere Öffnungen mit Thonformen für den
Wind und eine für den Schlackenabfluß. Der Wind wird vom Boden
des Cylinders durch Bambusröhren zu den Formen geführt. Die Art,
wie der Gebläsestempel in Bewegung gesetzt wird, ist aus der
Abbildung Fig. 24 ersichtlich. Das Erz wird vor dem Aufgeben mit
Holz geröstet, in kleine Stücken zerschlagen, mit der zehnfachen
Menge Holzkohlen gemischt und so in den bereits zu zwei Dritteln
mit Holzkohlen gefüllten Ofen gebracht. Das Gebläse wird dann mit
40 Hüben pro Minute angelassen. Die Schlacken sticht man von 20 zu
20 Minuten ab und unterbricht währenddem den Wind. Gegen Ende der
Operation steigert man den Wind. Es resultiert schließlich eine
Eisenluppe von 45 kg. Dieselbe wird am Boden des Ofen vermittels
hölzerner Zangen herausgeholt und mit hölzernen Schlägeln
bearbeitet. An einem solchen Stück arbeiten vier Mann einen Tag
lang. Sein Handelswert ist 3-1/2 Mark.[216]
[Illustration: Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK.]
Daß auch auf den Philippinen, die von den Malayen besiedelt
wurden, durch dieses Volk die Eisenschmelzung eingeführt wurde --
während die eingeborenen Negritos nicht zur Metallindustrie sich
aufschwangen -- geht aus der Schilderung des alten DAMPIER[217]
hervor, dem sofort die eigentümlichen Gebläse auffielen. »_Their
bellows are much different from ours. They are made of a wooden
cylinder, the trunk of a tree, about three feet long, bored
hollow like a pump, and set upright on the ground, on which the
fire itself is made. Near the lower end there is a small hole,
in the side of the trunk next the fire, made to receive a pipe,
through which the wind is driven to the fire by a great bunch of
fine feathers, fastened to one end of the stick, which, closing
up the inside of the cylinder, drives the air out of the cylinder
through the pipe. Two of these trunks or cylinders are placed so
nigh together, that a man standing between them may work them
both alternately, one with each hand._« Als Amboß dient ihnen ein
harter Stein, das Feuer wird mit Holzkohlen genährt; mit ihren
einfachen Instrumenten arbeiten sie aber, wie DAMPIER sagt, »_to
admiration_«. Sägen waren unbekannt und Bretter wurden durch
Behauen mit der Axt hergestellt.
Eine sinnreiche Abänderung, um beide Stempel durch eine Person
bewegen zu können, findet sich an den Luftpumpen, die von den
Schmieden in Rangun (Pegu) benutzt werden, wie an einem von
Dr. RIEBECK (Nr. 3709 seiner Sammlung) mitgebrachten Exemplare
ersichtlich (Fig. 25). Die Stempelstangen _aa_ sind durch einen
als Doppelhebel wirkenden, mit einfacher Schnitzerei verzierten
Querbalken _bb_ verbunden, der durch ein bei _c_ in der Mitte
angebrachtes Querholz mit einer hinter dem Gebläse stehenden festen
Wand verbunden ist. Durch Auf- und Abziehen der Stange _d_ wird die
alternierende Bewegung der Stempel bewirkt.
[Illustration: Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK.]
Wenden wir uns noch weiter nach Norden, so treffen wir auf die
Igorroten im Innern der Insel Luzon, welche gleichfalls das Eisen
nach der allgemeinen malayischen Art darstellen, wie aus den
Schilderungen von Dr. HANS MEYER[218] hervorgeht.
»Im ganzen Distrikt hat Bugias einen Ruf wegen seiner
Eisenschmiede. Aber die Leute, die ihre Kunst als Geheimnis
bewahren, sind bisher noch von keinem Reisenden zu bewegen gewesen,
einen Einblick in ihr Schmiedehandwerk zu gestatten. Mir gelang es
nach vielem Zureden und Versprechen. Sie führten uns nach einem
Hügel abseits der Rancheria, wo unter einem Schilfdache Schmiede
bei der Arbeit waren. Nebeneinander in den Boden gerammt stehen
zwei etwa 1 m hohe ausgehöhlte Baumstämme, in die unten unmittelbar
über dem Erdboden je ein Loch gebohrt ist, groß genug, daß zwei
Bambusrohre hineingefügt werden können, die ihrerseits nach einem
ebenfalls auf der Erde liegenden Thonrohre konvergieren und durch
dieses das nötige Gebläse dem Kohlenfeuer zuführen, das vor der
anderen Öffnung des Thonrohres brennt. Das Gebläse wird durch zwei
Holzscheiben hervorgebracht, die, des dichteren Schlusses wegen,
mit Federn gefüttert in die beiden Baumstämme eingelassen sind und
an zwei Stäben als Handhaben von einem Igorroten abwechselnd auf
und ab bewegt werden, wie die Stempel zweier Dampfcylinder. Das
Gußeisen (soll wohl heißen das rohe Frischeisen?), das sie oben in
den Bergen angeblich durch denselben Mechanismus aus dem dortigen
Erz gewinnen, verwandeln sie hier durch nichts als aufeinander
folgendes Glühen, Schmieden und Kühlen in Schmiedeeisen, und dies
verarbeiten sie durch Schmieden auf Quarzsteinblöcken mit Hämmern
aus Basalt oder Quarz zu Waffen und Geräten. Die Schmiede sind
das erste mir bisher vorkommende Beispiel einer eigentlichen
Handwerkerklasse unter den Igorroten.«
Haben wir hier die malayische Art der Eisengewinnung und
Verarbeitung bis zu ihrer nördlichsten Grenze verfolgt, so finden
wir die östlichste Ausdehnung derselben in Neuguinea und zwar im
westlichsten Teile dieser großen Insel bei Doreh. Die Gebläse sind
dort identisch mit den schon geschilderten und von den Malayen
auf ihren Raubzügen nach dem westlichen Neuguinea eingeführt,
worauf auch die Sitte der Schmiede von Doreh deutet, daß sie kein
Schweinefleisch essen, was sie von den Mohamedanern annahmen. »Ihre
Schmiedekunst ist aber nicht groß und besteht hauptsächlich darin,
daß sie von eisernen Stangen Hackemesser arbeiten. Auch verstehen
sie das Eisen mit Stahl zu vermischen.«[219] Danach scheint es,
als ob sie bloß Schmiede sind, nicht aber das Metall aus den Erzen
ausbringen.
Von besonderem Interesse ist es, daß die Verbreitung der malayischen
Art der Eisengewinnung bis auf die Afrika vorgelagerte Insel
Madagaskar nachgewiesen werden kann. Sprache und Körperbeschaffenheit
der Bewohner Madagaskars deuten auf malayische Abkunft hin; aber
das Eisen heißt in der Howasprache _vi_, in den malayischen Idiomen
_besi_ -- dadurch würden wir also keine Aufklärung erhalten, wenn
nicht wieder die höchst eigentümlichen Gebläse uns durch ihre Form
belehrten, daß sie malayischen Ursprunges wären, während sie von den
afrikanischen Schlauchblasebälgen durchaus verschieden sind. Aus
diesem Vorkommen der Gebläsepumpe läßt sich aber schließen, daß die
Besiedelung Madagaskars erst stattfand, als schon das Eisengewerbe
auf den Sundainseln bekannt war. Die Gebläse sind uns hier ein
sicherer Führer als die Sprache.
Über die Einzelheiten belehrt uns ELLIS. Eisen von vorzüglicher
Beschaffenheit kommt in den Centralprovinzen rings um die
Hauptstadt vor, wo es nahe an der Oberfläche gefunden wird. Das
Ambohimiangavorgebirge ist so reich daran, daß es geradezu das
»Eisengebirge« heißt. Man hat dort selten mehr als 1/2 m tief zu
graben, um auf Eisen zu stoßen.