Die in Indien angewandten Öfen, wiewohl einander nahe stehend,

zeigen doch lokale Verschiedenheiten und werden nach PERCY[182]

in drei verschiedene Arten eingeteilt. An der Westküste,

den westlichen Ghats, dann im Deccan und Carnatic ist die

roheste Form vorhanden, welche namentlich bei den halbwilden

Bergstämmen angewendet wird. Die anderen beiden Arten kommen in

Mittelindien und dem Nordwesten vor; es gleicht davon die eine den

catalonischen Feuern, die andere den Stücköfen Europas. Sie zeigen

gegenüber der ersten Form einen Fortschritt, namentlich was die

Produktionsfähigkeit betrifft.

In denjenigen Gegenden, wo die einfachste Methode betrieben wird,

ist an Arbeitsteilung nicht zu denken. Hier sammelt dieselbe

Familie das Erz, brennt die Holzkohle und macht das Eisen,

welches sie nachher auch in solche Artikel verarbeitet, wie

die Dorfbewohner verlangen. Oft ziehen die Schmelzer im Lande

umher und bauen da ihre Öfen, wo ein Begehr nach Eisen und Erz

und Holzkohle in genügender Menge vorhanden. Die in Orissa

gebräuchliche primitive Art ist von M. T. BLANFORD[183] mitgeteilt

worden; wir reproduzieren dieselbe hier auszugsweise. Die Form des

Ofens wird aus den Figg. 17 und 18 ersichtlich; sie ist typisch

für Niederbengalen. BLANFORD zeichnete sie im Dorfe Kunkerai,

dessen elende und schmutzige Bewohner Tamulen sind, also zu der

sogenannten Drawidarasse gehören. Die Leute ziehen von Ort zu Ort

und bleiben dort, so lange Erz und Holz vorhanden sind. Beginnen

diese zu fehlen oder ereignet sich ein böses Omen, so wandern sie

weiter und nur große Schlackenhalden zeugen von ihrer ehemaligen

Anwesenheit.

[Illustration: Fig. 17. Eisenofen in Orissa, Durchschnitt. Nach

BLANFORD.]

[Illustration: Fig. 18. Seitenansicht desselben.]

[Illustration: Fig. 19. Eisenofen in Orissa. Obere Ansicht.]

Die wesentlichen Teile des Ofens sind der cylindrische Schacht

und das Gebläse. An den oben offenen Schacht schließt sich ein

geneigter thönerner Trog (_c_ in Fig. 17-19), der zum Aufgeben

der Beschickung dient und von einem Holzgerüste getragen wird.

Dieser Trog findet sich nur in wenigen Dörfern. Der Ofen selbst

ist roh aus thonigem Sand cylindrisch oder kegelförmig mit 7 cm

dicken Wandungen, 85 cm hoch und im Durchmesser 28 cm haltend,

hergestellt. Am unteren Teil befinden sich zwei Öffnungen, eine

vorn zur Einsetzung der Form (für die Düse), aus der auch später

das schwammige Eisen herausgezogen wird und die während des Ganges

verschmiert ist; die zweite Öffnung (_b_ in Fig. 18. 19) im

rechten Winkel zur vorigen, unter der Oberfläche des Erdbodens,

mündet in einen geneigten kleinen Graben, in welchen die Schlacke

absickert; wenn letztere erstarrt ist, wird sie gelegentlich von

einem Arbeiter mit einer Zange entfernt. »Das in Orissa angewendete

Gebläse,« sagt BLANFORD, »ist sehr sinnreich und vielleicht

ökonomischer für menschliche Arbeit als irgend eine andere Form

von Handbalgen. Die Figuren 20 und 21 zeigen Durchschnitte davon,

ersterer, wie das Gefäß mit Luft gefüllt, letzterer, wie die Luft

ausgepreßt ist. Es besteht aus einem kreisförmigen Stück von hartem

Holz, meist Mangoholz, welches roh ausgehöhlt und mit einem Stück

Büffelhaut überzogen ist, in deren Mitte sich ein kleines Loch

befindet. Durch dieses Loch ist ein starker Strick gezogen, welcher

an der Innenseite des Balges mit einem Holzknebel versehen ist, um

sein Herausgleiten zu verhindern, während das andere Ende an eine

gebogene, fest im Boden neben dem Ofen befestigte Bambusstange

gebunden ist. Dies Bambusrohr wirkt als Feder und zieht den Strick

und folglich die Hautbedeckung des Balges so hoch als möglich,

während die Luft neben dem Stricke durch das Loch in den Hohlraum

tritt. Ist der Balg so gefüllt, so stellt der Arbeiter seinen

Fuß auf die Haut, schließt dabei mit der Ferse das Loch in deren

Mitte und preßt mit dem ganzen Gewichte seines Körpers die Haut

hinab und die Luft hinaus. Letztere nimmt ihren Weg durch das

Bambusrohr, welches den Balg mit der Form des Ofens in Verbindung

setzt. Zugleich zieht er den Bambusstock an derselben Seite mit

dem Arme nieder. Es sind nun zwei derartige Bälge nebeneinander

aufgestellt, welche, vermittels Bambusröhren mit derselben Form in

Verbindung gesetzt, die Luft beim Drucke des einen oder anderen

Fußes abwechselnd und ziemlich ununterbrochen in den Ofen liefern.«

[Illustration: Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach

BLANFORD.]

[Illustration: Fig. 21. Ausgepresster Balg in Orissa. Nach

demselben.]

Man wird aus dieser Schilderung BLANFORD's, sowie aus den

Abbildungen sofort die große Ähnlichkeit, ja Übereinstimmung dieses

Gebläses mit dem altägyptischen und vielen afrikanischen Gebläsen

erkennen. Die federnden Bambusstöcke sind jedoch speciell indische

Zuthat.

FORBES WATSON, der ganz ähnliche Schilderungen von dem

Eisenhüttenwesen in Katak und Dependenzen (Orissa) entwirft, giebt

an, daß namentlich die Gegend von Talchir, Dhenkanal, Pal Lahara,

Ungul und Sambhalpur reich an Eisen sei. Das rohe einheimische

Metall wird dort zu einem Anna per Seer verkauft, was etwa acht

Pfennigen per halbes Kilogramm entspricht. Nach Dr. SHORTT ist

das in jenen Gegenden verwendete Erz ein roter Oker, mit 46%

metallischem Eisen; die Holzkohle stellt man aus Sal (_Shorea

robusta_) her. Der erhaltene Eisenklumpen wird nach dem Aufbrechen

des unteren Ofenteils (bei der Form) noch glühend mit eisernen

Zangen hervorgezogen und auf einem Ambos aus Stein (seltener aus

Eisen) ausgehämmert.[184]

Eine höher entwickelte Eisenindustrie finden wir in Alwar in der

Radschputana, südwestlich von Dehli, wo jährlich über 500 Tons

gutes Eisen von den Eingeborenen dargestellt werden. Die Öfen

sind 1,10 m hoch und werden mit 13 Maunds (260 kg) Eisenerz und

elf Maunds (220 kg) Kohlen in abwechselnden Lagen beschickt. Zwei

von Kindern und Frauen bediente Blasebälge bilden das Gebläse.

Die Düse, durch welche die Luft zuströmt, ist von Thon und heißt

»Twyere«; ist sie bis auf 5 cm Länge abgeschmolzen, so ist

dieses ein Zeichen, daß das Eisen heruntergegangen ist und sich

als Klumpen (Schori) im Herde gesammelt hat. Man bricht nun den

unteren Teil des Ofens auf und der noch rotglühende »Schori« wird

mit Keilen in zwei Hälften von je 50-70 kg zerschlagen. Diese

zwei Hälften bringt man nun nochmals in einen Ofen, wo sie zur

Weißglühhitze gebracht und dann zu Stücken gehämmert werden.[185]

Anschließend an den Eisendistrikt von Alwar ist jener von Firospur

südlich von Dehli zu erwähnen. Hier wird in Gruben von 1,70 m Tiefe

der Hämatit, Bura genannt, gewonnen. Das Erz wird mit Steinen

in kleine Stückchen zerschlagen und dann in den Naudri oder

Schmelzofen gebracht. Dieser ist rund, kegelförmig, 2,5 m hoch,

oben spitz, unten weit. Er wird mit 13 Maunds Erz und 12 Maunds

Holzkohle in Wechsellagen beschickt. Jeder Ofen hat zwei Paar

Blasebälge, welche 18 Stunden lang kontinuierlich in Thätigkeit

sind. Dann wird der Prozeß eingestellt und am Boden des Ofens

finden sich drei Maunds unreines Eisen. Dieses wird nun wiederholt

erhitzt und gehämmert bis 1-1/2 Maund reines Eisen (_loha pakka_)

das Endresultat sind. Zum wiederholten Erhitzen braucht man noch

fünf Maunds Holzkohle.[186]

In Kamaon (Nordindien, am Fuße des Himalaya) benutzt man zur

Darstellung des Eisens einen niedrigen Herd von 56 cm Durchmesser

und lederne Schlauchblasebälge. SOWERBY, der diese Nachricht

giebt, meint, die Eisenindustrie sei hier unabhängig von Südindien

entstanden.[187]

[Illustration: Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach

HOOKER.]

Wie die Gebirgsbewohner Assams sich noch durch Ursprünglichkeit

der Sitten und Gebräuche auszeichnen und bei ihnen noch

heute megalithische Male errichtet werden, so ist auch die

Eisendarstellung bei ihnen noch eine höchst primitive, wie aus

zwei vorliegenden Berichten hervorgeht.

HOOKER hat über die Eisenschmelzen im Nonkreemthale der Khasiaberge

berichtet.[188] Danach ist das von den dortigen Ureinwohnern

verhüttete Erz Eisensand, der durch Auswaschen aus einem

Granitsande gewonnen wird. Das Erz muß sehr reichlich vorhanden

sein, da das Land überall von Waschgräben durchzogen ist und einige

große Teiche nur für diesen Zweck aufgestaut sind. Das Schmelzen

wird in sehr primitiv angelegten Holzkohlenfeuern vollführt, die

ihren Wind aus kolossalen, doppelt wirkenden Bälgen erhalten.

Diese letzteren werden von je zwei Personen getreten, wie es Fig.

22 veranschaulicht. Weder Öfen noch Flußmittel werden bei der

Reduktion angewendet. Das Feuer wird an der einen Seite eines

aufrecht stehenden Steines (ähnlich einem Grabstein) angezündet.

Durch diesen geht unten ein halbrundes Loch, in welches die Düse

mündet, welche durch ein gegabeltes Bambusrohr den Wind der beiden

Bälge empfängt, die HOOKER leider nicht näher schildert. Das Erz

wird zu zweifaustgroßen Metallstücken mit runzliger Oberfläche

verblasen.

Dieselben Gebläse kommen bei einer zweiten abweichenden

Schmelzmethode zur Verwendung, die gleichfalls von den Khasias

angewendet, und von W. CRACROFT beschrieben wird.[189] »Man hat

große Rasenhütten gegen 7 m hoch und mit einem ringsum bis zur Erde

reichenden Strohdache. Das Innere von ovaler Form, 4,5 m und 6 m

den Durchmessern, ist in drei Abteilungen geteilt, deren mittlerer

der Schmelzraum ist. Zwei große Doppelbälge, deren Düsen abwärts

gehen, sind an der einen Seite dieser Abteilung aufgestellt; auf

denselben steht ein Mann, mit einem Fuß auf jedem, seinen Rücken

unterstützt durch zwei Bretter. In seiner linken Hand hält er einen

Stecken, welcher am Dach aufgehängt und mit zwei an den Bälgen

befestigten Stricken nach unten zu versehen ist. Die Bälge werden

sehr schnell durch eine schaukelnde Bewegung der Lenden und die

Gewalt des Beines bewegt. Die Düsen vereinigen sich zu einer Röhre,

welche unterhalb des Erdbodens von einer Art Windsammler zu dem

etwa 1 m davon angelegten Ofenherd läuft. Über dem Herde ist ein

mit Eisenbändern versehener Rauchfang von Pfeifenthon mit 56 cm

Durchmesser und etwa 1,70 m Höhe angebracht. Die untere Mündung

befindet sich an der von den Bälgen abliegenden Seite und die Esse

ist in entgegengesetzter Richtung geneigt, um die heiße Luft vom

Schmelzer ab und nach einer Öffnung im Dache zu führen. Rechts

von dem Gebläse und in gleicher Höhe mit dem obersten Teil des

Rauchfanges befindet sich ein Trog, welcher feuchte Holzkohle und

Eisensand enthält. Bei jeder Bewegung seines Körpers greift der

Arbeiter mit einem langen Löffel ein Stück Holzkohle und wirft es

samt dem anhängenden Eisensand durch die Esse des Ofens. Sobald

eine Masse geschmolzenen oder besser erweichten Eisens sich in dem

Herde gebildet hat, wird sie mit Zangen herausgeholt und mit einem

schweren hölzernen Schlägel auf einem großen als Amboß dienenden

Stein bearbeitet. Das Eisen wird dann in diesem Zustande in die

Ebenen hinabgesendet, teils zum Verkauf, teils zum Tausch.«

Dieses sind die wesentlichen primitiven Methoden der Eisenerzeugung

bei den Hindu, den Drawida und assamesischen Bergvölkern in

Vorderindien. Das Produkt ist für den Bedarf genügend und wohl

geeignet zu allen heimischen Geräten und Waffen. Ohne alle

mechanische Hilfsmittel, von den Bälgen abgesehen, wird es, nach

BLACKWELL, dem Mineral Viewer für Bombay, billiger dargestellt,

als es in Europa mit all seinen Maschinen der Fall ist. Freilich

besteht das indische Eisen nur aus kleinen Stäben.

~Eisendarstellung auf Ceylon.~ Eisenhaltige Erze sind auf Ceylon

vorhanden, nämlich rote und braune Eisensteine. Es wird jedoch

kein Bergbau darauf getrieben, sondern die Erze werden nach

Bedarf von der Oberfläche gesammelt und von Zeit zu Zeit auf sehr

einfache Weise ausgebracht. Doch hat diese einfache Eisenerzeugung

der Singalesen in der letzten Zeit sehr abgenommen, da das

englische eingeführte Eisen weit billiger zu stehen kommt, als das

einheimische. L. SCHMARDA hat die singalesische Eisengewinnung

in der Umgegend Radnapuras kennen gelernt und folgendermaßen

geschildert[190]: »Unter einem leichten Dache waren zwei Herde aus

Thon, ganz in der Form der hessischen Tiegel und auch nicht viel

größer. Durch eine Lehmwand waren sie von dem Gebläse, welches

höchst originell ist, getrennt. Ein hölzernes Gefäß ist mit einer

nassen Tierhaut, die in der Mitte ein Loch hat, zugebunden. Ein

dünner Baumstamm, ungefähr 5 cm dick, ist mit dem einen Ende an

einen Querbalken befestigt und hat an seinem freien Ende einen

Strick, welcher durch das Loch in die Haut geht und durch ein am

Ende befestigtes Stückchen Holz diese gespannt erhält. Für jeden

Herd sind zwei solcher Bälge nebeneinander, die nicht durch ein

Windrohr, sondern durch eine oben offene Rinne in den Grund des

Herdes münden. Die Blasebälge werden durch einen mit den Füßen

arbeitenden Mann in Bewegung gesetzt, indem er abwechselnd die

gespannte Haut niedertritt, wobei er mit seiner Fußsohle wie mit

einem Ventil die Öffnung des Balges schließt. Durch die allerdings

geringe Elastizität des dünnen Baumstammes, der aus der gebogenen

Lage in seine normale zurückzukehren strebt, wird die Haut wieder

in die gespannte Lage gebracht. Das Treten der Bälge geht rasch vor

sich und ist sehr anstrengend, daher sich die Arbeiter dabei alle

Viertelstunden ablösen. Die Zuschickung des Herdes war folgende:

Mit einer aus Palmblättern geflochtenen Schaufel werden glühende

Kohlen in den Grund des Herdes gebracht und mit einer Lage anderer

Kohlen bedeckt. Der übrige Raum wird durch eine Matte in zwei

Kammern geteilt; in die hintere werden Kohlen, in die vordere

die gerösteten Erze geschüttet; die Röstung derselben geschieht

im Freien durch Holzfeuer. Darauf wird nun angeblasen, indem der

Arbeiter bald den einen, bald den anderen Blasebalg niedertritt.

Die hintere Kammer wird mit kleinen Quantitäten Kohle fortwährend

gespeist und von Zeit zu Zeit mit einem Stück Holz durchstoßen,

um einen größeren Zug zu erzeugen. Am Ende der Feuerung, die 15

singalesische Stunden à 20 Minuten dauert, wird die Schlacke

entfernt und das Eisen bleibt als großer Klumpen im Grunde des

Herdes zurück. Die auf einmal in einen Herd gebrachte Erzmasse

enthält 20-25 kg, die gewonnene Eisenmasse 10-12 kg. Die Erze mögen

also 50-60prozentig sein. Das Eisen ist weich und gut und hat alle

Eigenschaften des Stabeisens, daher können die Schmiede es auch

unmittelbar verarbeiten.«

Der Prozeß, wie er hier geschildert wird, zeigt Ähnlichkeit mit

jenem in Orissa, namentlich ist die Art des Tretens der Blasebälge

und die Form der letzteren übereinstimmend mit dem durch BLANFORD

weiter oben beschriebenen.

~Priorität des Kupfers oder Eisens in Indien.~ Weder die heute

heimische Kupfer- und Eisengewinnung, noch die Funde aus den

vorgeschichtlichen Grabstätten in Vorderindien geben uns sichere

Antwort auf die Frage nach der Priorität des Kupfers oder des

Eisens in diesem Lande. Die Altersbestimmung der verschiedenartigen

Gräber, sowie ihre ethnographische Zuteilung in einem Lande,

das so viele Völkerstürme gesehen hat, lassen viel zu wünschen

übrig. Es bleibt somit noch die Sprache übrig, an welche die Frage

nach der Priorität und dem Alter des einen oder anderen Metalles

gerichtet werden kann. Soviel wir jetzt sagen können, ist sie noch

das relativ sicherste Auskunftsmittel, wiewohl es immer etwas

mißliches hat, daß ein einziges Wort und seine Geschichte uns für

die Aufhellung einer wichtigen kulturgeschichtlichen Thatsache

genügen sollen, für eine Thatsache, zu deren Beurteilung sonst

eine ganze Reihe von Wissenschaften herangezogen werden muß. Und

wie schwankend das Ergebnis gerade in dem hier interessierenden

Falle sein kann, darüber möge uns das nachstehende belehren: »Will

man sich,« sagt O. SCHRADER, »durch ein praktisches Beispiel davon

überzeugen, wie überaus unsicher die nur auf Etymologien beruhenden

Schlüsse über die Kultur der Indogermanen zu sein pflegen, so

stelle man sich die Urteile zusammen, welche die namhaftesten

Sprachforscher, Männer wie PICTET, SCHLEICHER, M. MÜLLER, L.

GEIGER, HEHN, BENFEY und andere, über die Bekanntschaft oder

Nichtbekanntschaft der Indogermanen mit den Metallen ausgesprochen

haben. Man wird dann finden, daß in dieser Frage nur eins sicher

ist, daß nämlich das Vorhandensein keines Metalles für die Urzeit

sicher, d. h. von allen oder den meisten Gelehrten gebilligt ist.

Alle Metalle werden, eins wie das andere, für die Urzeit behauptet

und geleugnet, obgleich doch die sprachlichen Thatsachen dieselben

sind und obgleich wir es hier nicht mit Dilettanten, sondern mit

bewährten Meistern der Sprachforschung zu thun haben.«[191]

MAX MÜLLER[192] ist dafür, daß in Indien das Kupfer resp. die

Bronze vor dem Eisen bekannt war. Im Sanskrit nämlich bedeutet

_ayas_, welches mit lateinisch _aes_ und gothisch _aiz_ dasselbe

Wort ist, ausschließlich Eisen. MÜLLER vermutet jedoch, daß auch

im Sanskrit _ayas_ ursprünglich Metall (= Kupfer) bedeutete und

daß diese Bedeutung von _ayas_ verändert und spezialisiert wurde,

als das Eisen an die Stelle des Kupfers trat. In Athara-Veda- und

Vajasaneyi-sanhita-Stellen wird ein Unterschied zwischen _syamam

ayas_, dunkelbraunem Metall, und _lohitam ayas_, glänzendem Metall,

gemacht, indem das erstere Kupfer, das letztere Eisen bedeutet.

Das Fleisch eines Tieres wird mit dem Kupfer, sein Blut mit dem

Eisen verglichen. »Dies zeigt, daß die ausschließliche Bedeutung

Eisen für _ayas_ erst später sich festsetzte und macht es mehr als

wahrscheinlich, daß die Hindu, wie die Römer und Deutschen, dem

Worte _ayas_ (_aes_ und _aiz_) ursprünglich die Bedeutung Metall

_par excellence_, d. i. Kupfer, beilegten.«[193]

So läßt sich also Eisen in Vorderindien gegen den Ausgang

der vedischen Periode mit Sicherheit nachweisen, dann aber

ist auch sein weitgehender Gebrauch durch die litterarischen

Quellen bestätigt. Es wird in den Vedas häufig und wie ein ganz

gewöhnlicher Gegenstand erwähnt und es scheint auch, daß die Inder

zuerst den Stahl darzustellen verstanden. Der Name des sehr frühe

bekannten Stahles Wutz (Wootz) ist aus dem Sanskrit _vadschra_,

Diamant und Donnerkeil, entstanden.[194] Bekannt ist, daß PORUS dem

ALEXANDER 15 kg Stahl, als das beste Geschenk, das er zu bieten

vermochte, übergab.[195] Wir lesen in den Vedas von Panzern aus

Eisenstahl, von glänzenden Lanzen und Helmen, von Schwertern und

Speeren, von Pfeilen mit Stahlspitzen, kurz wir sehen hier das

Eisen vor 3000 Jahren in verschiedenen Formen allgemein angewendet.

Neben der Erzeugung im eigenen Lande läßt sich auch in den ältesten

Zeiten Import und Export von Eisen in Indien nachweisen. Mit den

nördlichen Ländern stand Indien frühzeitig in regem Verkehr. Auf

dem Wege über Khotan erhielten die Inder aus dem oberen Gebiete

des Jaxartes und aus Baktrien Seide und seidene Zeuge, Gold,

Edelsteine, Pferde, Esel, Felle und Eisenwaren, trotzdem sie nicht

nur selbst vortreffliches Eisen besaßen, sondern frühe die Kunst,

es zu verarbeiten, ausgebildet hatten. Von Khotan berichten die

Chinesen, daß seine Bewohner es verstanden, das Eisen zu gießen;

ein Schreibzeug aus blauem Eisen wurde von einem Beherrscher des

Landes einem ihrer Kaiser zugesandt.[196] Auch im Mahabharata,

in dem aber Eisen selten erwähnt wird, ist die Rede von eisernen

Pfeilen (_naraka_), die aus den östlichen Ländern nach Indien

importiert wurden.[197] Vom Export vortrefflicher eiserner

Schwerter nach den westlichen Ländern hören wir beim Ktesias

(400 v. Chr.); in seiner bekannten Weise berichtet er, daß jene

Schwerter, in die Erde gepflanzt, Gewölk, Hagel und Blitzstrahlen

abwendeten und daß das Eisen dazu aus einem tiefen Brunnen

geschöpft werde, der sich jedes Jahr mit flüssigem Golde füllte etc.

~Eisenbenutzung auf den Andamanen.~ Im Anhange zu Indien möge

hier der Behandlungsweise des Eisens auf den Andamaneninseln im

bengalischen Busen gedacht werden. Irgendwelche metallurgische

Kenntnisse besitzen die Eingeborenen, die sogenannten Mincopies,

welche man mit den Negritos zusammengestellt hat, nicht. Noch

in der Mitte unseres Jahrhunderts verharrten sie völlig im

Steinzeitalter und bedienten sich zur Herstellung ihrer Messer und

sonstiger Geräte des Quarzes. Ihr Eisen haben sie zunächst durch

Schiffbrüche und dann mit Gründung der englischen Strafkolonie

(1784) erhalten, doch wurde es kaum benutzt und Quarzinstrumente

blieben bis auf unsere Tage im Gebrauch. Auch jetzt verstehen die

Eingeborenen noch nicht, es zu schmieden, sondern sie behandeln

dasselbe ganz wie den Stein, d. h. sie hämmern es mit Steinen zu

Pfeilspitzen und schleifen es zu Messern.[198]

Fußnoten:

[174] Revue d'Anthropologie. 1880. 299.

[175] Journ. Ethnol. Soc. New Series. I. 160 und 178 nach Transact.

Literary Soc. of Bombay. 1820. vol. III.

[176] A. a. O. I. 160.

[177] A. a. O. I. 170.

[178] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 198 (1869).

[179] »_The goose_,« sagt PEARSE, »_was sacred to the early

Buddhists of India; but it is not therefore necessary to be

inferred that this barrow was erected over Buddhists. The contra

argument is just as probable, viz. that when Buddhism arose in

India the goose was then venerated._«

[180] On the excavation of a large raised Stone Circle near

Wurreegaon. Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 207-217.

[181] FORBES WATSON, A classified and descriptive catalogue of the

Indian Departement (London 1862) No. 16-123.

[182] Die Metallurgie. Deutsch von KNAPP und WEDDING. II. 490 ff.

[183] Bei PERCY a. a. O. II. 493.

[184] FORBES WATSON a. a. O. 5 unter No. 96.

[185] POWLETT, Gazetteer of Ulwur. London 1878. 81.

[186] POWELL, Economic Products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 2.

[187] The Annals of Indian Administration. Serampore 1860. IV. 69.

[188] Himalayan Journals. London 1854. II. 310. Citiert bei PERCY

a. a. O. II. 501.

[189] Smelting of iron in the Kasya-Hills. Journal of the Asiatic

Soc. of Bengal. 1832. I. 150. Citiert bei PERCY a. a. O. II. 502.

[190] LUDWIG K. SCHMARDA's Reise um die Erde. Braunschweig 1861.

421 bis 424.

[191] O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte. 208.

[192] Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache. Leipzig 1866.

I. 220.

[193] Vergl. auch O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte.

266, nach welchem Kupfer, nach den sprachlichen Beweisen zu

schließen, bereits in der proethnischen Epoche der gesamten

europäisch-asiatischen Menschheit bekannt war.

[194] LASSEN, Indische Altertumskunde. I. 238.

[195] Stahlfabrikation wird in Indien auch jetzt noch vielfach

erwähnt, selbst auf Ceylon, bei Ballangodde in der Gegend von

Radnapura wird Gußstahl, in kurze Thonröhren gegossen, dargestellt

(SCHMARDA's Reise um die Erde. I. 424). Wie dieser und andere

Stahlsorten indessen genauer beschaffen sind, ist bei dem jetzt

nach seinen Grenzen hin flüssig gewordenen Begriffe des Stahl,

nicht näher zu sagen. Erwähnenswert ist noch folgendes Urteil

POWELL's (Economic products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 1):

»_Nowhere within British Territory_ (Indiens) _is indigenous steel

procurable, at all events such steel as would be of any use in the

finer classes of manufacture. The cutlery of Nizambad and Gujrat is

exclusively manufactured with imported steel, while the interior

kinds are not steel at all, but merely polished iron._«

[196] LASSEN II. 566. 567. RITTER, Asien. V. 645. 737. 746.

[197] LASSEN II. 550.

[198] LANE FOX in Journ. Anthropol. Institut. VII. 443. -- A. DE

ROEPSTORFF in Zeitschrift d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin. 1879. 11.

Die Zigeuner als Metallarbeiter.

Die Metalle bei den Naturvölkern · 第 8 / 18 段