werden, erkennt man an dem Hauptweibe des Häuptlings Sescheke am
mittleren Sambesi. LIVINGSTONE schreibt: »Sie trug achtzehn massive
fingerdicke Messingringe an jedem Bein und drei Kupferringe unter
dem Knie; neunzehn Messingringe am linken und acht Messing- und
Kupferringe am rechten Arm. Das Gewicht derselben behinderte ihr
Gehen.«[131]
~Kupferlegierungen in Afrika.~ Bei den Altägyptern hieß das
Kupfer Chomt; es erscheint wie Silber und Blei in großen
aneinandergelehnten Platten abgebildet in der Schatzkammer Ramses
III. im Tempel zu Medinet Habu. Unter den Tributgaben, welche die
Völker Syriens und Assyriens, die Rotennu, Anaukasa, Asi u. a.
Thutmosis III. bringen, wird vorzüglich auch Kupfer in rohen
Klumpen, massiv, aber nicht raffiniert, erwähnt, welches nach Tob,
d. i. Ziegeln von ca. 2 kg, gemessen wurde.
Chomt bezeichnete aber nicht bloß das Kupfer, sondern auch
die verschiedenen Mischungen von Bronze, wie sie häufig bei
der Verarbeitung zu Gefäßen, Instrumenten und kleinen Statuen
angewendet wurden. In der That bestehen viele Gegenstände in
den europäischen Museen, die hierher gehören, nicht aus reinem
Kupfer, das sich namentlich für den Guß weniger eignet, sondern
aus mannigfaltigen Legierungen, an denen man ohne Zweifel auch die
helleren Farben schätzte. Einzelne Stücke des Berliner Museums sind
von VAUGUELIN analysiert worden. Ein Spiegel, den er untersuchte,
enthielt 85% Kupfer, 14% Zinn und 1% Eisen. Wenig verschieden
sind die Kompositionen anderer Spiegel und Instrumente; ein Dolch
enthielt »wenig Zinn«. Götter, heilige Tiere, Embleme wurden aus
Bronze dargestellt. Das Berliner Museum besitzt eine besonders
interessante Bronzestatuette des Königs Ramses II. in Osirisform
von feinster Arbeit, welche hohl gegossen ist, wohl das früheste
Beispiel von Hohlguß, da sie aus dem 14. Jahrhundert vor Christus
stammt. Außerdem finden sich in den Museen noch Instrumente
aller Art, wie Sistren, Schlüssel, Löffel, Nägel, chirurgische
Instrumente; Waffen, wie Dolche, Beile, Messer, Lanzenspitzen;
ferner Spiegel, Spangen, Gefäße, namentlich heilige Schöpfgefäße
mit ihren langstieligen Löffeln, Schalen, Näpfe und vieles
andere.[132]
Was das Alter der Bronze in Ägypten betrifft, so ist sie schon in
den frühesten Zeiten konstatiert worden. Es würde genügend sein,
sich auf die im britischen Museum noch vorhandene Zwinge des
szepterartigen Stabes Pepis, eines Königs der sechsten Dynastie
(3233 v. Chr.), zu berufen. Auch hat CHABAS bereits hervorgehoben,
daß man Gegenstände aus Bronze in Texten erwähnt findet, die man
in vor der Errichtung der großen Pyramiden liegende Zeiten setzen
darf. Sehr schöne Bronzestatuetten der POSNO'schen Sammlung werden
bis in die Zeit der sechsten Dynastie zurückversetzt; sie sind, bis
auf die angesetzten Arme, im Ganzen geformt, der Guß hohl und der
Sandkern steckt noch darinnen. Im Gießen von Bronzefiguren scheint
danach Ägypten die Priorität zu behaupten.[133]
So verhält es sich mit dem thatsächlichen Vorkommen. Dem gegenüber
aber muß hervorgehoben werden, daß in den alten Inschriften Kupfer
und Kupfergerät als aus Asien stammend, von asiatischen Völkern
gebracht, erwähnt wird, was wieder auf asiatischen Ursprung der
Bronze deuten könnte, eine Ansicht, die dadurch bestärkt wird, daß
Zinn auf den ägyptischen Denkmälern nicht nachzuweisen ist, wiewohl
es, als zur Bronze dienend, den Ägyptern bekannt sein mußte.[134]
An ~Zinn~, um Bronze darzustellen, fehlt es übrigens in Afrika
nicht und es wird sogar von den Schwarzen gewonnen. »Ein sehr
ergiebiges Zinnbergwerk ist bei Rirué (in Sokoto) im Betrieb,
von wo das geförderte Metall nach Wukari und Adamaua, sowie nach
Kano und Sokoto verführt wird.«[135] Legierungen von Kupfer
und einem anderen Metall sind erst spät von Norden her zu den
Völkern am Weißen Nil gelangt, durch die Baggara, welche das
Messing den Negern jener Gegenden zuführten, die es höher als das
selbstbereitete Kupfer schätzten. Zu SCHWEINFURTH's Zeit (1870)
war das Messing erst bis zu den Djur (zwischen 9° und 12° nördl.
Br.) vorgedrungen, bei den südlicher wohnenden Völkern aber noch
ziemlich unbekannt.[136] Nirgends aber findet sich in diesen
Gegenden eine Spur, daß ihre Bewohner die Bronze gekannt oder
dargestellt hätten. Wenn LIVINGSTONE[137] erwähnt, daß er von
einem Häuptling am Südende des Tanganjikasees »zum Andenken ein
Messer aus Bronze mit elfenbeinerner Scheide« erhalten habe, so
ist dieses eine isolierte, ohne jede Analogie dastehende Äußerung,
die auf einer Verwechselung beruhen kann, und der ich keinen Wert
beilegen möchte, wenigstens insoweit es sich um die Darstellung von
Bronze bei den Eingeborenen handelt. Die Ausnahme, welche ich oben
andeutete, ist aber folgende.
Als HEINRICH LICHTENSTEIN im Anfange unseres Jahrhunderts seine
südafrikanische Reise machte, kam er auch zu den südlichen
Bedschuanenstämmen, bei denen er Ringe aus Kupferdraht, wie er
sagt, fand, die durch langes Hämmern selbst hergestellt worden
waren, wie ihm halbfertige Stücke bewiesen. Das Metall dieser
Ringe aber bestand nach einer Analyse KLAPROTH's aus 93% Kupfer
und 7% Zinn. »Da nun bis jetzt,« fügt LICHTENSTEIN hinzu, »noch
kein zinnhaltiges Mineral im südlichen Afrika gefunden worden ist,
so ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Ringe noch weiter von
Norden herstammen und vielleicht von den Kaffervölkern auf ihren
Wanderungen von Alters her aufbewahrt worden sind.«[138]
Nach unserer jetzigen Kenntnis der Verhältnisse ist es jedoch
nicht notwendig, das letztere anzunehmen, denn Zinn kommt in
Südafrika vor, MERENSKY kennt zwei Fundstellen in Transvaal[139],
doch ist über die Darstellung des Metalles durch die Eingeborenen
noch nichts bekannt geworden und es muß die Quelle des Zinns
zu jener Bronzedarstellung noch erforscht werden. Dieses von
LICHTENSTEIN mitgeteilte Beispiel des Vorkommens von Bronze bei den
Südafrikanern ist nicht das einzige, da dieselbe auch bei den Zulu
beobachtet worden ist.
Dr. KRANZ, auf den ich mich wegen der Thatsache beziehe[140], nennt
die Legierung »Messing«, jedenfalls eine falsche Bezeichnung, da
es sich um ein Gemenge von Zinn und Kupfer handelt. Das Kupfer,
sagt er, verstehen die Zulu selbst aus den Erzen zu reduzieren
-- woher aber das Zinn stammt, darüber berichtet er kein Wort
und doch wäre dieses von größter Wichtigkeit zu erfahren. Wäre
dasselbe europäischen Ursprunges, dann würde diese Bronzebereitung
der Zulu auch keinesfalls als autochthone Kunst aufzufassen sein.
Den Prozeß selbst stellt unser Gewährsmann folgendermaßen dar:
»In einem zerbrochenen irdenen Topf als Schmelztiegel wird ein
wenig Kupfer und Zinn mitten in einem Holzkohlenfeuer geschmolzen.
Vorher werden nach Art spielender Kinder Haufen oder Häufchen von
feinem Sand gemacht und mit einem dünnen Stock Löcher in schiefer
Richtung hineingebohrt, wohinein das geschmolzene Metall nachher
gegossen wird. Die so entstandenen dünnen Messingstöcke (sic!)
werden dann mit einem kleinen Hammer auf einem Stein gehämmert und
zwischendurch wieder im Feuer erweicht, bis dieselben beinahe 3 mm
dick sind. Das eine Ende wird dann durch Reiben auf einem Steine
zugespitzt und durch die auch in Europa bekannte eiserne Platte
gezogen und immer dünner, bis der Messingdraht ungefähr wie dicker
Sattlerzwirn ist.« Genau so wird der Prozeß von dem bekannten
Missionar MOFFAT, LIVINGSTONE's Schwiegervater, geschildert. Die
Ziehplatten sind sehr roh geformt aus weichem Eisen, die Löcher
sind ungleich und so wird auch der Draht sehr unregelmäßig.[141]
~Drahtziehen und Gießen in Afrika.~ Auch südlich vom Tanganjikasee
verstehen es die Neger Kupferdraht zu ziehen, zu welchem das Kupfer
aus Katanga kommt, »indem sich die Drahtzieher zu einem Teil des
Herstellungsverfahrens eines siebenzölligen Kabels bedienen«,
was eine sehr unklare Beschreibung ist. »Sie machen sehr schönen
Draht und dieser wird hauptsächlich zu Knöchel- und Beinringen
verarbeitet.«[142]
Mit dem oben geschilderten Verfahren des Tiegelschmelzens und
Barrengießens der Zulu vor Augen, wird uns auch die nachstehende,
sonst wenig klare Schilderung LIVINGSTONE's verständlich, welche
sich auf eingewanderte, am Nordgestade des Bangweolosees wohnende
Wanjamwesi bezieht. Mit den gewöhnlichen afrikanischen Gebläsen
schmelzen sie »Stücke der großen Kupferstangen in einem Tiegel,
nahezu gefüllt mit Holzasche. Das Feuer ist angemacht inmitten
vieler Ameisenhügel, in welche Höhlungen gebrochen sind zur
Aufnahme des geschmolzenen Kupfers; beim Ausgießen des Metalls
wird der Tiegel in der Hand gehalten, die durch nasse Lumpen
geschützt ist«.[143] Letzteres, weil eine Zange in unserem Sinne
den Afrikanern unbekannt ist; was die Ameisenhügel betrifft,
so scheinen sie die Rolle zu spielen wie die oben erwähnten
Sandhäufchen der Zulu.
Zur Charakterisierung der Metallindustrie Afrikas mag hier
noch erwähnt werden, daß die Neger es im Formen und Gießen zu
einer vergleichsweisen hohen Stufe gebracht haben, wenn auch
nicht in Eisen (da sie kein Roheisen darstellen) und selten in
Kupfer, sondern in Gold. Von den Negern an der Goldküste sagt
CRUICKSHANK[144]: »Sie sind erfinderische Goldarbeiter und machen
Ringe, Ketten und Broschen, welche einem europäischen Künstler
nicht zur Unehre gereichen würden. Sie formen das Gold in jederlei
Gestalt, als Tiere, Vögel, kriechende Geschöpfe und schmücken ihre
Person mit solchen Zieraten.« Den Prozeß finden wir bei BOWDICH
geschildert, der sich auf die Bewohner von Dagwumba (Dagomba,
nördlich vom Rio Volta unter 0° L. und 9° nördl. Br.) bezieht. »Um
das Modell zu machen, streicht man Wachs über ein glattes Stück
Holz neben einem Feuer, worauf ein Topf mit Wasser steht; nun
taucht man einen hölzernen Leisten hinein und macht damit das Wachs
gehörig weich. Sie brauchen ungefähr eine Viertelstunde, um das
Modell zu einem Ringe zu machen. Ist dieses fertig, so umgiebt man
es mit einer Masse von nassem Thon und Kohle, welche man ringsherum
fest andrückt, um so die Form zu bekommen, trocknet es in der
Sonne und bringt eine Art von Trichter von derselben Masse an, der
mit dem Modell durch eine kleine Öffnung in Verbindung steht, um
das Gold hineinzugießen. Ist nun das Ganze fertig, und das Gold
sorgfältig in dem Trichter verwahrt, so wird es, der Trichter nach
unten, über ein Steinkohlen(?)feuer gehalten. Denkt man, daß das
Gold gehörig geschmolzen ist, so kehrt man das Ganze um, damit
das Gold an die Stelle des geschmolzenen Wachses hereinfließt und
bricht den Thon herunter, sobald es kühl geworden, wo dann mit dem
nicht gelungenen der ganze Prozeß noch einmal vorgenommen wird.
Um dem Golde seine eigentümliche Farbe zu geben, umgeben sie es
mit einer Lage von feingemahlenem Ocker, den sie _Inchuma_ nennen,
und tauchen es in siedendes Wasser, worin ebenfalls Ocker und
ein wenig Salz gethan wird; hierin siedet es eine halbe Stunde,
wird dann herausgenommen und sorgfältig von allem gereinigt, was
noch daran hängen könnte.«[145] Die Schilderung ist nicht ganz
klar, was an der unbeholfenen Übersetzung liegen mag. Sehr schöne
Exemplare solcher Goldgießereien aus Aschanti besitzt das Berliner
ethnographische Museum.
Gegossen scheinen auch die seltsamen Figuren gewesen zu sein,
die STANLEY in der Schatzkammer des Königs Rumanika von Karagwé
(westlich vom Victoria Nyanza) sah. Er berichtet darüber:
»Es befanden sich daselbst ungefähr sechzehn roh aus Messing
gearbeitete Figuren von Enten mit Kupferflügeln, zehn sonderbare
Dinge aus demselben Metall, welche Elenantilopen darstellen
sollten, und zehn Kühe von Kupfer ohne Kopf.«[146] Weiteres giebt
STANLEY nicht an; jedenfalls handelt es sich hier um einheimische
Arbeit, zu der das »Messing« wohl importiert sein dürfte. -- Von
den Mpongwe am Gabon sagt WILSON[147]: _They show a good deal of
mechanical ingenuity in casting copperrings._
~Verhältnis von Eisen und Kupfer. Prioritätserwägungen.~ Ist das
Kupfer in Afrika auch nicht gerade selten zu nennen, so ist seine
Darstellung im großen doch nur auf wenige Gegenden beschränkt,
von denen aus es auf dem Handelswege über den größten Teil des
Kontinentes verbreitet wird. Hofrat e Nahhas, Katanga, Angola,
Namaqualand sind diese Hauptcentren der Kupfergewinnung. Mag das
Kupfer auch im gediegenen Zustande in Afrika vorkommen, so haben
wir doch kein Zeugnis dafür, daß es in dieser Form direkt von den
Negern verarbeitet und wie bei den nordamerikanischen Indianern
als »weicher Stein« gehandhabt wird. Im Gegenteil, überall ist
die Gewinnung des Kupfers bei den Negern eine metallurgische,
durch Reduktion aus den Erzen mittels Kohlen bewirkte. Im
allgemeinen wird dieser Prozeß, soweit er uns bekannt wurde,
gerade wie derjenige der Eisengewinnung und mit den gleichen Öfen
und Instrumenten betrieben. Das Verfahren erscheint überall so
ursprünglich und in den fernsten Gegenden gleichartig, daß an eine
Entlehnung von auswärts nicht leicht gedacht werden kann.
Aus der ganz gleichen Behandlung der Kupfererze und der weichen
Brauneisensteine läßt sich eher auf eine gleichalterige Entstehung
der Kupfer- und der Eisengewinnung schließen als darauf, daß
das eine Metall vor dem anderen im Gebrauche gewesen sei. Es
deuten aber manche Umstände darauf hin, daß das Eisen in Afrika
doch früher und jedenfalls allgemeiner im Gebrauche als das
Kupfer war. Überall erscheint das Eisen durchaus urwüchsig und
Dutzende von afrikanischen Vokabularien, welche ich auf seine
Benennung durchging, zeigen echt heimische Namen. Die Geräte bei
der Darstellung sind meist ursprüngliche und in ihren primitiven
Formen auf eigene Erfindung deutend. Sind auch, wie wir gesehen
haben, »alte« Kupferwerke in Südafrika vorhanden, so fehlen doch
andererseits alte Kupfergeräte gänzlich; von Funden derselben ist
gar nichts bekannt geworden, wiewohl gerade sie -- gegenüber altem
Eisen -- sich vortrefflich erhalten. Alte Steingeräte sind aber
durch ganz Afrika nachgewiesen worden. Auf die Steinzeit dürfte
direkt die Metallzeit, eine Zeit gefolgt sein, in der ungefähr
gleichzeitig Eisen und Kupfer geschmolzen und verarbeitet wurde.
Eine besondere »Kupferperiode« vor der Eisenzeit erscheint schon
wegen der durchaus lokalen Verbreitung des Kupfers gegenüber der
ganz allgemeinen des Eisens nicht wahrscheinlich. Das Eisen wird
fast überall an Ort und Stelle gewonnen und ist in weit geringerem
Maße Handelsgegenstand als das Kupfer.
Das Kupfer dagegen findet in Afrika seine Verbreitung wesentlich
durch den Handel. Von den oben angeführten Mittelpunkten seiner
Gewinnung verbreitet es sich fast über den ganzen Kontinent,
meist aber im rohen Zustande, in Barrenform, indem die weitere
Ausarbeitung den allenthalben schmiedekundigen Völkern überlassen
bleibt, die es zu Draht ausziehen, zu den verschiedensten
Zieraten und Prunkwaffen verarbeiten, ja zu gießen verstehen,
wenn auch diese Kunst selten ist und sich zumeist auf die
Westküste beschränkt, wo sie jedoch (in Gold) anerkennenswertes
leistet. Das von Hofrat e Nahhas kommende Kupfer geht über Wadai
bis Kano, dasjenige von Katanga in Centralafrika bildet einen
höchst wichtigen Handelsartikel, der sowohl nach der Ost- als der
Westküste verführt wird. Zu LIVINGSTONE's Zeit hatten arabische
Händler in Lunda den Kupferhandel in der Hand. Ein gewisser Said
bin Habib hatte dort neben 150 Farsilahs (2625 kg) Elfenbein 300
Farsilahs (5250 kg) aus Katanga stammendes Kupfer zusammengebracht,
das weiter nach Udschidschi transportiert werden sollte. »Mit
hundert Trägern muß er vier Ablösungen haben zu einer Reise, sonst
aber die ganze Reise viermal machen.«[148] Dieses giebt eine Idee
von der verhältnismäßigen Großartigkeit des centralafrikanischen
Kupferhandels und seiner Ausdehnung.
Über die gegenseitige Wertstellung des Eisens und des Kupfers in
Afrika besitzen wir einige Andeutungen. SCHWEINFURTH[149] sagt:
»Im Verhältnis zu anderen Werten des täglichen Lebens beansprucht
das Eisen in Afrika überall einen Wert, der mindestens demjenigen
des Kupfers bei uns gleich zu achten wäre, das Kupfer daselbst
würde an Wert unserem Silber entsprechen.« LIVINGSTONE, als er in
Manjema in Centralafrika war, ließ sich durch seine Schmiede aus
Kupfer große kupferne Armbänder machen, »denn sie werden als sehr
wertvoll betrachtet und haben die eisernen Armbänder ganz aus der
Mode gebracht«.[150] In Uganda dürfen nur der König und die Großen
Speere mit Kupferspitzen tragen.[151] Und so ist es im ganzen
Kontinente ähnlich.[152]
Daß Kupfer das teurere, geschätztere Metall ist, liegt wesentlich
aber an seiner größeren Seltenheit und daran, daß es im größten
Teile des Kontinentes erst durch den Handel bezogen werden muß.
Eisen ist nur wegen seines massenhaften Vorkommens billiger in
Afrika, nicht wegen leichterer Arbeit. In dieser Beziehung mag
der Wert beider Metalle ursprünglich derselbe gewesen sein. Viel
Arbeit und wenig Produkt heißt es hier wie da. Es läßt sich hieraus
eine allgemeine Anschauung ableiten, die für unsere europäischen
Prioritätsfragen wohl nicht ohne Interesse ist. Das Eisen ist bei
uns überhaupt erst infolge der technischen Fortschritte in der
Neuzeit billig geworden, seit die kontinuierlich wirkenden Hochöfen
ein gießbares Roheisen liefern. Ursprünglich war es auch bei uns
so teuer wie Kupfer, vielleicht nicht viel billiger als Bronze.
Unter gleichen oder fast gleichen Preisverhältnissen wurde aber die
letztere, weil sie nicht rostete und eine schönere Farbe hatte, dem
Eisen vorgezogen. Dieses mag das häufigere Vorkommen von Bronze in
alten Funden, gegenüber den Eisensachen, teilweise mit erklären.
Wollte man die Darstellung des Kupfers und kupferner Geräte, das
Gießen und Formen, wie es in einzelnen Fällen für Afrika von uns
nachgewiesen wurde, für eine Art »Bronzezeit« dieses Kontinentes
im Sinne der skandinavischen Archäologen ansehen, so geben wir
zu bedenken, daß es bei dem primitiven Stande der afrikanischen
Kupferindustrie sich höchstens um einen ersten Akt, um die
Uranfänge einer solchen »Periode« handeln kann, abgesehen davon,
daß diese »Kupferzeit« höchst wahrscheinlich, ja fast sicher später
als die »Eisenzeit« auf afrikanischem Boden erscheint. Zur Annahme
einer »Bronzezeit«, repräsentiert durch die erwähnten Kupfergeräte,
können wir für Afrika aber auch darum nicht gelangen, weil jene
höhere Kultur und künstlerische Ausbildung bei den Negern fehlt,
die überall die entwickelte Bronzezeit -- sei es in Ägypten oder
China, in Mexiko oder Peru -- charakterisiert.
Fußnoten:
[118] HARTMANN, Skizze der Nilländer. Berlin 1865. 64.
[119] V. HEUGLIN im Ergänzungsheft No. 10 zu PETERMANN's
Mitteilungen. Gotha 1862. 107.
[120] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 389.
[121] Reisen in Nord- und Centralafrika. II. 159.
[122] Bulletin de la société Khédivale de Géographie No. 8. Mai
1880. 9 und 10.
[123] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 275. II. 121. 128. -- Lux, Von
Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 123.
[124] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 319. II. 216.
[125] Ausland. 1883. 955.
[126] San Salvador. Bremen 1859. 215.
[127] MERENSKY, Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6.
[128] Beschreibung des Vorgebirges der Guten Hoffnung. Frankfurt
und Leipzig 1745. 178.
[129] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 117.
[130] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. II. 160.
[131] LIVINGSTONE, Exped. to the Zambesi. London 1865. 184.
[132] LEPSIUS, Die Metalle in den ägypt. Inschriften. Berlin 1871.
91-102.
[133] PERROT und CHIPIEZ, Gesch. d. Kunst im Altertum. Ägypten.
Deutsch von PIETSCHMANN. 590 ff.
[134] LEPSIUS a. a. O. 114.
[135] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207.
[136] Artes africanae unter Djur.
[137] Letzte Reise. I. 237.
[138] LICHTENSTEIN, Reisen im südlichen Afrika. Berlin 1812. II.
537.
[139] Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6.
[140] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 67.
[141] WOOD, Natural History of Man. London 1868. Africa. 100.
[142] LIVINGSTONE, Letzte Reise. I. 241.
[143] LIVINGSTONE a. a. O. I. 381.
[144] Eighteen years on the Gold Coast. London 1853. II. 269.
[145] E. BOWDICH, Mission von Cape Coast Castle nach Ashantee.
Deutsch von LEIDENFROST. Weimar 1820. 415.
[146] Durch den dunklen Weltteil. I. 514.
[147] Western Africa. 304.
[148] LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 395.
[149] Im Herzen von Afrika. I. 228.
[150] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. II. 43.
[151] WILSON und FELKIN, Uganda. Deutsche Ausgabe. I. 101.
[152] LUX (Von Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 122) erzählt,
daß die Kalunda in Centralafrika dem Eisen unbedingt den Rang
vor dem Kupfer einräumen. Eiserne Armringe dürfe bloß der Muata
Jamwo (König) tragen, während der kupfernen sich jeder Eingeborene
bedienen dürfe. Daraus könnte man wohl schließen wollen, daß das
Eisen hier später als das Kupfer aufgetreten sei. Aber LUX war
nicht in Lunda und seine Bemerkung ist unrichtig. POGGE (Im Reiche
des Muata Jamwo. Berlin 1880. 145) sagt ausdrücklich, daß der Muata
Jamwo Kupfer- und Messingspangen trug, von Eisen ist keine Rede.
Eine Prinzessin (S. 140) trug Eisen- und Kupferringe.
Das Kupfer in Vorderindien.
~Die Steinzeit in Vorderindien.~ Auch Indien hatte seine Steinzeit.
Steinwerkzeuge, die mehr oder weniger unseren paläolithischen
Charakter tragen, sind von BRUCE FOOT beschrieben worden. Sie
sind in den Bezirken von Madras und Nord-Arcot gefunden, bestehen
aus Quarzit und wurden mehreremal in einer Tiefe von 1-3 m _in
situ_ angetroffen. Abbildungen veranschaulichen ihre ungemeine
Ähnlichkeit mit unseren europäischen. Auch bearbeitete Achate haben
sich in den Ablagerungen der Nerbada und in den Knochenlagern des
oberen Godavery gefunden, gleichalterig mit _Elephas insignis_,
_Hippopotamus palaeindicus_ etc.[153]
Deuten diese und andere ähnliche Funde auf ein hohes Alter des
Menschengeschlechtes in Vorderindien, so müssen die wörtlich zu
tausenden vorkommenden Cairns, Cromlechs, Kistvaens und verwandte
Steinbauten zum großen Teil in eine weit jüngere Periode gesetzt
werden. Die in ihnen beigesetzten Leichen sind teils in Skeletten
erhalten, teils verbrannt und in Urnen aufbewahrt. Grabbeigaben
kommen in beiden Fällen vor[154], und hier treffen wir sowohl auf
Eisen als auf Bronze, teils jedes Metall für sich, teils beide
vereinigt.
~Das Alter indischer Bronzen.~ Bei einem der Hauptvertreter
der Dreiperiodenteilung, bei WORSAAE, finden wir die Ansicht
ausgesprochen, daß Indien, das »an Kupfer und Zinn so reiche«, der
wahrscheinliche Ausgangspunkt der Bronzekultur überhaupt gewesen
sei. Bronze, ein künstlich geschaffenes Metall, mußte in einem an
Zinn und Kupfer reichen Lande wie Indien erfunden sein und von hier
aus läßt dann WORSAAE die Erfindung nach den übrigen asiatischen
Ländern und weiter nach Europa wandern. In Indien, so nimmt der
dänische Forscher an, seien zahlreiche durch Guß hergestellte
Geräte und Waffen aus Bronze von sehr primitiver Form gefunden
worden mit den Spuren einer an Ort und Stelle stattgehabten
Fabrikation.[155]
Allein die »zahlreichen« alten Bronzen, die in Indien gefunden
worden sein sollen, führt WORSAAE nicht an und wir möchten sehr
bezweifeln, daß sie überhaupt zahlreich vorhanden sind; auch
für die Wanderung der Bronzeerfindung von dem Centrum Indiens
über die halbe Welt (ja nach Neuguinea!!) giebt uns WORSAAE
keinerlei Beweise, und die zahlreichen »vielleicht«, »scheint« und
»möglicherweise« in seiner Auseinandersetzung bieten dafür keinen
Ersatz.