Hoch in Ehren steht der afrikanische Schmied in Congo, wo er

königlicher Abkunft sein soll. Bei den Fan ist der Schmied

zugleich Priester und Medizinmann, und die kleinen, kein Eisen

produzierenden Völker am Ogowé verehren die Blasebälge der Fan in

ihren Fetischhäusern.[109] In den Kimbundaländern ist der Schmied

(Kangula) der vornehmste Handwerker; der Schmiedeobermeister

oder »Fürst der Eisenarbeiter« hat bei Hofe in Bautschi eine

der höchsten Stellen. Dagegen tritt uns die entgegengesetzte

Anschauung, welche einer Pariastellung der Schmiede gleichkommt,

bei mindestens ebensoviel afrikanischen Völkern entgegen. Der

Eisenschmied ist bei den Bari am Weißen Nil verachtet. Ausgestoßen

und verachtet sind die Schmiede (Adschwôn) bei den Dinka; diese

Verachtung ist bei den Dscholofs so groß, daß nicht einmal ein

Sklave in eine Schmiedefamilie hineinheiratet. Ausgeschlossen

aus der Gesellschaft sind die Schmiede bei den Tibbu. Jemanden

dort einen Schmied nennen ist eine Beleidigung, die nur mit

Blut abgewaschen werden kann. Das Handwerk erbt dort innerhalb

der streng geschiedenen Kaste vom Vater auf den Sohn. Der Grund

dieser Pariastellung ist hier um so schwerer zu ergründen, als,

wie NACHTIGAL ausdrücklich hervorhebt, die Schmiede mit ihren

übrigen Landsleuten desselben Ursprunges sind. Auch in Wadai nimmt

der Schmied diese Stellung ein, trotzdem ist ihr »Sultan« ein

höchst angesehener Mann, der Zutritt zum Harem des Herrschers hat

und bei dessen Thronbesteigung dessen Verwandten verschneidet.

Unter den Somal ist es die Pariakaste der Tumalod, welche das

Schmiedehandwerk betreibt.[110]

~Die europäische Parallele.~ Man mag die sogenannte Bronzeperiode

so hoch in die Zeit zurückschieben, wie man will, so wird sie doch

bei den indogermanischen Völkern Europas nicht bis in eine Periode

hineinragen, welche unsere Völker oder deren damaliges Äquivalent

auf einer niedrigeren Kulturstufe antrifft, als die Afrikaner von

heute zeigen. In vielen Stücken, das beweist die vergleichende

Sprachwissenschaft, standen sie entschieden höher als die

gegenwärtigen Neger und es liegt kein innerlicher Grund vor, daß

bei ihnen, wo Feuer und Kohle bekannt und Raseneisenerz vorhanden

war, nicht jener allereinfachste Verhüttungsprozeß stattgefunden

hat, der bis ins vorige Jahrhundert noch in Deutschland ausgeübt

wurde und in Catalonien erst vor nicht langer Zeit verschwand. Die

alte Luppenfrischerei und Stückofenarbeit ist die echte Parallele

zu dem Eisenhüttenwesen der Naturvölker.

Wenn auch bei HOMER das Eisen als mühsam dargestellt --

+poluchmêtos sidêros+ -- bezeichnet wird und nicht gediegen, wie

Gold, Silber, Kupfer, vorkommt, so ist doch seine Erschmelzung

keine mit besonderer Schwierigkeit verknüpfte Arbeit, wie die

afrikanische Eisenindustrie uns bewiesen hat. Während die Bronze,

eine Legierung aus zwei Metallen, die in den seltensten Fällen

nebeneinander vorkommen, eine weit höhere metallurgische Kunst und

die Kenntnis des Gießens und Formens erfordert, ergeben weiche

Brauneisensteine in heftigem Kohlenfeuer behandelt schon ein

schmiedbares Eisen. Zu dieser Entdeckung kann der Zufall geführt

haben, was bei der Bronze kaum denkbar ist.

Bei unseren europäischen Vorfahren müssen wir uns die älteste

Darstellung des Eisens gerade so vorstellen, wie wir dieselbe bei

den Negern kennen gelernt haben, und dieses älteste Verfahren

reichte bis in die Neuzeit unverändert herein. Die Geschichte

unseres Eisenhüttenwesens beginnt mit den Luppenfeuern, dem

Schmelzprozeß in Gruben und geht über zu den bis ins vorige

Jahrhundert gebräuchlichen Wolfs- oder Stücköfen, die von

entwickelteren afrikanischen Öfen nicht sehr verschieden waren und

gleich diesen kein flüssiges Roheisen, sondern ein ungeschmolzenes,

stahlartiges Eisen lieferten.

Die Überreste des alten Eisenhüttenbetriebes in Deutschland sind

gar nicht so selten; sie werden mehr und mehr aufgefunden, seit

man seine Aufmerksamkeit darauf wendet. Am Hüttenberger Erzberge

in Steiermark deuten alte Halden und Schmelzgruben auf derartige

Eisenindustrie. Erst wenige Jahrhunderte sind darüber verflossen,

daß in der dortigen Gegend noch jeder einzelne Grundbesitzer

und Höfler bei seinem Hause am Erzberge kleine 2-3 m hohe Öfen

besaß, in denen mit Kohlen die den alten Erzgängen geraubten

Erze verhüttet wurden. Noch sind die alten Ofenruinen zahlreich

vorhanden. Älter als diese sind die gleichfalls vorhandenen

Gruben, die einfach in den ebenen Thalboden gegraben, mit Lehm

ausgeschlagen sind und keinen Luftkanal an der unteren Bodenfläche

zeigen. Graf WURMBRAND fand in solchen wenig reduzierten

Eisenstein, Schlacken und rohe Topfscherben.[111] Auch ganz

ähnlich gestaltete römische Schmelzgruben hat Graf WURMBRAND in

der dortigen Gegend nachgewiesen und schließlich hat derselbe

Forscher das alte Schmelzverfahren in Gruben unter Zuhilfenahme

eines einfachen Blasebalges nachgeahmt, wobei Holzkohle und

geröstetes Erz schichtenweise gelagert wurde. In 48 Stunden

reduzierte er 12,5 kg Eisen, das nach seiner Abkühlung sich gleich

zu Lanzenspitzen verarbeiten ließ.[112]

Über alte Eisenschmelzen im Posenschen, wo in der primitivsten

Weise Raseneisensteine ausgeschmolzen wurden, berichtet W.

SCHWARTZ[113], über ganz ähnliche in der Lausitz und Westfalen

Bergrat VIEDENZ[114]; ungeheuere Schlackenhaufen, Reste

prähistorischer Eisenwerke bei Ramsen in der Pfalz, fand C.

MEHLIS[115], sehr große alte Schlackenhalden, die Reste eines etwas

komplizierteren Schmelzverfahrens (mit Tiegeln), entdeckte H.

WANKEL nördlich von Brünn bei Ruditz und Habruwka.[116] MEHLIS hat

endlich auch die altrömischen Eisenwerke von Rufiana (Eisenberg) in

der Pfalz mit ihren Öfen, Düsen und Luppen wieder an das Tageslicht

gezogen.[117]

Überall war zu jenen Zeiten die Eisendarstellung in Europa nur ein

Handwerk, wie es bei den Negern betrieben wurde, keineswegs eine

Fabrikation. Die ganzen notwendigen mechanischen Leistungen, wie

die Windgebung und das Aushämmern der mit Schlacken verunreinigten,

im primitiven Schmelzofen erhaltenen Eisenluppen, wurden durch der

Hände Arbeit besorgt; von irgend welchen Maschinen ist bei unseren

Vorfahren so wenig wie bei den Negern die Rede gewesen.

Fußnoten:

[2] SOLDI in Bull. soc. d'Anthropol. 1881. 34 ff.

[3] LEPSIUS in Verhandl. Berliner Anthropol. Ges. 1873. 63. 64.

[4] Manners and Customs of the ancient Egyptians. III. 247.

[5] Zeitschrift f. ägyptische Sprache 1871. 19.

[6] Die Metalle in den ägyptischen Inschriften. 102. Abhandlungen

der Berl. Akad. der Wissenschaften 1871.

[7] WILKINSON, Manners and Customs. III. 246. It lies in the

eastern desert, between the Nile and the Red Sea, at a place called

Hammámi, and was discovered by my friend Mr. Burton, who visited it

in 1822 and found the metal to be in the form of specular and red

iron ore.

[8] LEPSIUS a. a. O. 107. 112.

[9] »Altes Eisen.« Allgemeine Zeitung, 12. Januar 1868.

[10] Das Meteoreisen in technischer und kulturhistorischer

Beziehung. Arch. f. Anthropol. XII. 297 (1880).

[11] SCHWEINFURTH, Artes africanae Taf. XIV. Fig. 5-7 und

WILKINSON, Ancient Egyptians II. 287.

[12] WILKINSON a. a. O. III. 339.

[13] Jeremias 6, 20.

[14] KLUNZINGER, Bilder aus Oberägypten. Stuttg. 1877. 13.

[15] Editio FABRICIUS. Leipzig 1883. 42.

[16] III. 49, 4.

[17] II. 19 in KARL MÜLLER's Geographi graeci minores. Par. 1855.

[18] STRABO 771. 772. ed. CASAUB.

[19] MORLANG, in PETERMANN's Mittheil. Ergänzungsband II. (122).

[20] POGGE, Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.

[21] BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika. Weimar 1870. 71.

[22] Die Steinzeit Afrikas. Globus XLI. 169 ff.

[23] Durchbohrte Steine vom Tanganjikasee beschreibt HORE in

Proc. Roy. geogr. Soc., 1882. 7. Durchbohrte Porphyrsteine, die

Zauberkraft besitzen sollen und deren ursprüngliche Verwendung den

Leuten bereits unbekannt war, LIVINGSTONE in Centralafrika. (Letzte

Reise, deutsche Ausgabe I. 271.)

[24] Sprachvergleichung und Urgeschichte. Jena 1883. 218 Anm.

[25] PURCHAS, Pilgrims I. 118. 133. 275. 417.

[26] SANDERSON im Journ. Anthropol. Instit. VIII. 17 (1879).

[27] HUTCHINSON, Western Africa. London 1858. 192.

[28] Reise im Gebiete des Blauen und Weißen Nil. Wien 1874. 33,

Taf. 2.

[29] WILHELM V. HARNIER's Reise am oberen Nil. Darmstadt 1866. Taf.

XIX.

[30] S. W. BAKER, Der Albert Nyanza. Jena 1867. I. 182.

[31] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 227.

[32] SCHWEINFURTH, Artes africanae. Leipzig 1875. Taf. II.

[33] JOHN PETHERICK, Egypt, the Soudan and Central-Africa. Edinburg

1861. 396.

[34] TH. V. HEUGLIN, Reise in das Gebiet des Weißen Nil. Leipzig

und Heidelberg 1869. 196.

[35] Artes africanae taf. V.

[36] A. a. O. 197.

[37] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 116.

[38] WILSON und FELKIN, Uganda, deutsch. Stuttgart 1883. I. 73.

[39] A. a. O. I. 89.

[40] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. I. 514.

[41] STANLEY a. a. O. II. 156.

[42] Journal Anthropol. Instit. VI. 170. LIVINGSTONE (Letzte Reise

II. 174) kam in dieser Gegend an 30 Schmelzhütten vorüber.

[43] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 291. 293.

[44] CAMERON a. a. O. I. 319.

[45] CAMERON a. a. O. I. 320.

[46] CAMERON a. a. O. II. 44.

[47] CAMERON a. a. O. II. 157.

[48] POGGE, Im Reiche des Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.

[49] O. SCHÜTT, Reisen im südwestlichen Becken des Kongo. Berlin

1881. 128.

[50] Reisen in Südafrika. Pest und Leipzig 1859. 384. 376.

[51] SERPA PINTO's Wanderung quer durch Afrika. Leipzig 1881. I.

118.

[52] SERPA PINTO I. 236. II. 31.

[53] JOS. THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. Jena

1882. II. 209. I. 227.

[54] BURTON, Lake Regions of Central Africa. London 1860. II. 312.

[55] V. D. DECKENs Reisen II. 17. 19.

[56] BURTON a. a. O. II. 312.

[57] V. D. DECKEN a. a. O. II. 19.

[58] V. D. DECKEN II. 19.

[59] Blauer und Weißer Nil. Taf. II.

[60] Expedition to the Zambezi. 113.

[61] Proceedings R. Geogr. Soc. 1883. 586.

[62] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise, deutsch. Hamburg 1875. I.

183.

[63] LIVINGSTONE, Expedition to the Zambezi. London 1865. 113.

[64] Letzte Reise I. 180.

[65] MONTEIRO, Der Muata Cazembe. Deutsch von W. PETERS in

Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. VI. 268. Berlin 1856.

[66] Proceed. R. Geogr. Soc. 1883. 531.

[67] DU CHAILLU, Equatorial Africa. London 1861. 90. -- O. LENZ,

Skizzen aus Westafrika. Berlin 1878. 85.

[68] LENZ a. a. O. 274.

[69] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Deutsch. Hamburg

1799. 32.

[70] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 62. -- NACHTIGAL im Globus

XXIV. 231.

[71] Mitt. Hamburg. Geogr. Ges. 1878-79. 316. Tafel 8, Fig. 9.

[72] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 306.

[73] BASTIAN, Geogr. und ethnolog. Bilder. Jena 1873. 171.

[74] L. WILSON, Western Africa. London 1856. 304.

[75] H. BARTH, Reisen. II. 154. 157. 158.

[76] NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 457. 451.

[77] NACHTIGAL a. a. O. I. 680. Der Blasebalg wird in Bornu durch

ein Onomatopoeon: _bubutu_ bezeichnet (BARTH, Reisen II. 458).

[78] BARTH a. a. O. II. 645. III. 400.

[79] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207.

[80] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.

224.

[81] Tour du Monde. III. 388 (1861).

[82] MOLLIEN, Reise in das Innere von Afrika. Weimar 1820. 226.

[83] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 332.

[84] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.

178.

[85] BOWDICH, Mission nach Ashantee. Weimar 1820. S. 417.

[86] FRITSCH, Eingeborene Südafrikas. 434.

[87] PETER KOLBEN's Beschreibung des Vorgebirges der guten

Hoffnung. Frankfurt und Leipzig 1745. 177.

[88] FRITSCH a. a. O. 72.

[89] FRITSCH a. a. O. 71. 72.

[90] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 66.

[91] FRITSCH a. a. O. 172.

[92] HOLUB in den Mitt. der Wiener geograph. Ges. 1879. 321. 322.

[93] Nur noch die Gerberei wird bei den Mandingo von den von Stadt

zu Stadt reisenden Karrankea oder Gaungay zünftig betrieben,

während die übrigen Einwohner sich nicht damit abgeben (MUNGO

PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 330).

[94] THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. II. 209.

[95] PETERMANN's Geographische Mitteilungen. 1882. Taf. 1.

[96] Ausland. 1883. S. 850.

[97] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.

220 ff.

[98] LICHTENSTEIN, Reise im südlichen Afrika. Berlin 1812. 523.

[99] SERPA PINTO a. a. O. I. 236. Diese Art des Härtens war schon

zur Homerischen Zeit bekannt, wie aus der Stelle hervorgeht, wo

Odysseus den Polyphem blendet, Odyssee IX. 393-395:

So wie der Erzarbeiter die Holzaxt oder das Schlichtbeil

In abkühlendes Wasser mit mächtigem Zischen hinabtaucht,

Um es zu härten mit Kunst; das giebt ja dem Eisen die Stärke.

[100] Auch bei unseren indogermanischen Vorfahren bestanden die

ursprünglichen Schmiedewerkzeuge aus Stein; Beweis dafür die

Häufigkeit der Namen dieser Werkzeuge, welche aus dem Worte für

Stein (Sanskrit _áçman_ = Altslavisch _kamen_) hervorgehen. Hierher

gehören im Germanischen altnordisch _hamarr_ = althochdeutsch

_hamar_ und griechisch _+kaminos+_, Ofen. Im Sanskrit _áçman_

Hammer und Amboß.

[101] TYLOR, Anfänge der Kultur. I. 140.

[102] SCHÖNWERTH, Aus der Oberpfalz. II. 113.

[103] MANNHARDT, Baumkultus. Berlin 1875. 132.

[104] 2 Mos. 20, 25.

[105] Vergl. das Hereromärchen in BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika.

Weimar 1870. 71.

[106] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. Deutsch. Hamburg 1875. I. 183.

[107] R. ANDREE, Ethnographische Parallelen. Stuttgart 1878. 153.

»Der Schmied.«

[108] Es läßt sich historisch nachweisen, wie Schmiede und

Metallarbeiter von den Siegern in deren Land verpflanzt wurden,

wo sie, dem besiegten Stamme angehörig, nun eine Kaste bildeten.

Nebukadnezar führte die Schmiede aus Juda nach Babel (2 Kön. 24,

14) und der Inka Yupanqui brachte die Metallarbeiter des von ihm

eroberten Reiches Chimu nach seiner Hauptstadt Cuzco (SQUIER, Peru.

London 1877. 170).

[109] Es möge hierzu eine indische Parallele Platz finden. Bei

den Bhils, einem der wilden Urstämme Vorderindiens, steht das

Eisen in hoher Verehrung. Lanzenspitzen oder Pflugscharen werden

an Baumzweige gehängt und diesem Eisen widmet der Bhil die

Erstlingsfrüchte der Ernte oder Teile seiner Beute. Der Ursprung

dieses Brauches soll in die Zeit der Einführung des Eisens bei den

Bhils zurückreichen. L. ROUSSELET, Revue d'Anthropol. II. 61. 1873.

[110] BASTIAN, San Salvador. 161. -- LENZ, Skizzen aus Westafrika.

85. -- MAGYAR, Reisen in Südafrika. I. 338. -- ROHLFS, Quer durch

Afrika. II. 156. -- V. HARNIER in PETERMANN's Ergänzungsheft No.

10. 133. -- PRUYSSENAERE daselbst No. 50. 25. -- MOLLIEN, Reise in

das Innere von Afrika. 49. -- NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 443.

-- Derselbe in Zeitschrift der Ges. f. Erdkunde zu Berlin. VI. 533

und XII. 43. -- HILDEBRANDT in Zeitschrift für Ethnologie. 1875. 4.

[111] Arch. f. Anthropologie. XI. 401.

[112] Korrespondenzblatt d. deutsch. Anthropol. Ges. 1877. 151.

[113] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 88.

[114] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 133.

[115] Korrespondenzblatt. 1878. 73.

[116] Mitt. d. Wiener Anthropol. Ges. VIII. 312.

[117] Korrespondenzblatt. 1883. 147.

Das Kupfer bei den Nigritiern.

~Vorkommen und Darstellung.~ Kupfer gehört in Afrika zu den nicht

selten vorkommenden, in der Ausbeute aber auf einige wenige

Lokalitäten beschränkten Metallen. Seit alter Zeit wird es im

Norden wie im Süden von den Eingeborenen erschmolzen und in den

Handel gebracht. Daß es als gediegenes Metall zur direkten kalten

Verarbeitung gelange, ist mir für Afrika nicht bekannt geworden.

Die Hauptvorkommnisse, von denen aus es auf Handelswegen weit und

breit über den Kontinent verbreitet wird, sind folgende:

Zunächst die vielfach genannte Hofrat e Nahhas im Süden von

Darfur. RUSSEGGER, der zuerst diese Kupferbergwerke erwähnt,

gab an, daß das Metall dort gediegen in Form feiner Gräupchen

vorkomme.[118] Indessen dieses beruht auf falschen Erkundigungen.

Nach den von V. HEUGLIN eingezogenen Nachrichten wird das Kupfer

dort metallurgisch gewonnen. »Die Kupfererze werden an Schluchten

gebrochen, gewaschen und in einer Vertiefung mit Kohle geschichtet.

Zwei bis drei Schafhäute dienen den Arbeitern als Blasebälge. Beim

Niedergehen des Satzes entwickelt sich eine giftige grüne Flamme.

Das Ausbringen eines Schmelzprozesses beträgt zwischen 12 bis 15

Rottel schönes Rotkupfer.«[119]

SCHWEINFURTH sah das Kupfer von Hofrat e Nahhas im Handel in der

Form geschmiedeter kantiger, sehr plumper Ringe von 2-1/2 bis 25 kg

Gewicht und in 1/2 oder 1 kg schweren, länglich ovalen Barren oder

Kuchen von ziemlich unreiner Gußmasse. Er zahlte für 40 kg 75

Mariatheresiathaler. Auch von dem kupferhaltigen Mineral erhielt

SCHWEINFURTH Proben; es bestand aus Kies- und Quarzstücken mit

Malachitbeschlag.[120] Wie weit dieses Kupfer von Hofrat in Afrika

durch den Handel verbreitet wird, erkennen wir aus der Angabe von

HEINRICH BARTH[121], daß es, über Wadai kommend, auf dem Markte von

Kano den hauptsächlichsten Vorrat ausmacht und hier in Konkurrenz

mit dem europäischen, über Tripolis importierten Kupfer tritt.

Hofrat e Nahhas ist zum ersten Male im Jahre 1876 von dem

Amerikaner PURDY besucht worden, dessen Bericht[122] ich

vollständig hier wiedergeben will. »Heufrah,« schreibt er,

»liegt auf dem rechten Ufer des Bahr-el-Fertit, einem Zuflusse

des Bahr-el-Arab. Das Dorf ist von dem Flusse eine halbe Meile

(_mille_) entfernt und die im Sudan so berühmten Kupferwerke

liegen einen Kilometer südwestlich vom Dorfe. Die Mineralader ist

schon in weiter Entfernung sichtbar; sie tritt etwa 50 cm über

die Oberfläche des Bodens hervor und verläuft von Nordwest nach

Südost. Man hat hier eine etwa 140 m lange, 14 m breite und 2-3 m

tiefe Ausgrabung gemacht. Aus dieser Aushöhlung ist eine große

Menge Mineral herausgefördert worden; etwas weiter westlich hat man

einen 8,5 m tiefen Schacht abgeteuft, der eine weißliche Thonmasse

durchsetzt. Die Arbeiter benutzen nicht das ganze Mineral, sondern

nur den kupferreichsten Teil desselben, ein fast reines Karbonat

oder Bikarbonat. Die Ausschmelzung erfolgt in einfachen Thonöfen.

Die gemachten Beobachtungen berechtigen zu dem Glauben, daß man

hier eine große Menge dieses guten Minerals finden kann. Die

Minen liegen etwa 28 m über dem Hochwasser des Bahr-el-Fertit. Die

oben erwähnte Erzader ist die einzige, welche heute bearbeitet

wird. Doch findet man in einem Umkreise von 500 m unzählige

alte Schächte. Heufrah liegt unter 9° 48´ 24´´ nördl. Br. und

24° 05´ 38´´ östl. L. v. Gr. Das Land ist ringsum durchaus eben und

der Horizont nirgends von Bergen begrenzt.«

Leider erfahren wir von diesem einzigen Augenzeugen gar nichts

näheres über den eigentlichen metallurgischen Prozeß. Es wäre aber

gerade sehr wünschenswert, daß über diese primitive Ausbringung

der Kupfererze uns Kunde würde, da das Kupfer denn doch nicht

so einfach wie das Eisen darzustellen ist, wenigstens nicht das

»gare«, für die Technik verwendbare Kupfer, welches erst eine

Raffinierung durchgemacht haben muß, wie dieselbe auch in Indien

ausgeführt wird.

[Illustration: Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON.]

Ein zweites und für die Verbreitung des Kupfers in Afrika wichtiges

Vorkommen ist jenes von Katanga, welches nach CAMERON's Karte etwa

unter 10° südl. Br. und 26° östl. L. liegt. Es wird hier in großen

Mengen gewonnen und zu Stücken von 1-1/4 bis 1-1/2 kg Schwere

geformt, welche den Namen Handa führen. Sie haben die Gestalt

eines roh geformten Andreaskreuzes und messen in der Diagonale

33-35 cm, während die Arme etwa 4-1/2 cm breit und 1 cm dick

sind. Bei manchen läuft oben an den Armen ein erhabener Streifen

hin (Fig. 15). Diese Kupferminen sind noch von keinem Europäer

besucht worden, sondern nur durch Erkundigungen und durch das

Vorkommen ihres Produktes im Handel bekannt geworden. CAMERON traf

die kreuzförmigen Kupferstücke zuerst in Uguhha, westlich vom

Tanganjikasee. Je neun bis zehn Stücken davon werden übereinander

gelegt, zusammengebunden und an die beiden Enden einer Stange

gebunden, um so eine Traglast zu bilden. Während das Kupfer so

weit nach Osten geht, erreicht es umgekehrt die Westküste, wo es

nach Lux in 1-1/2-2 kg schweren Stücken in den Handel kommt. In

Kimbundu heißen diese kreuzförmigen Stücke »Uwanda«, offenbar

derselbe Name wie Handa.[123] LIVINGSTONE fand Katangakupfer

beim Cazembe. Es hatte die Form wie ein großes I; ein Barren wog

25-50 kg. In Uniamwesi (Tabora oder Kaseh, zwischen dem Tanganjika

und der Ostküste) sah derselbe Reisende das gleiche Kupfer; es hieß

dort Vigera. Daneben war aber auch das in Kreuzesform gegossene

zu finden und es wurde dort Handiplé Mahandi genannt.[124] Im

letzteren Worte haben wir das »Handa« CAMERON's wieder. Dieses

Katangakupfer ist dasjenige, welches am weitesten durch Afrika

verbreitet ist.

Von geringerer Bedeutung scheint das Kupfervorkommen und die

Kupfergewinnung im Gebiete des Binué, des großen östlichen

Zuflusses des Nigers, zu sein. ROBERT FLEGEL schreibt[125], daß

Kupfer in größeren Mengen vorkomme und verarbeitet werde in der

Gegend von Gazza, einer Stadt etwa drei Tagereisen südlich von

Ngaundere gelegen. »Ich habe selbst verschiedene Gegenstände, nach

Aussagen aus jenem Kupfer gefertigt, erworben und man erzählt, daß

zwei ganz aus Kupfer bestehende große menschliche Figuren dem Ardo

Isa, früheren Herrn von Ngaundere, als Kriegsbeute in die Hände

gefallen seien.«

Im portugiesischen Westafrika werden durch Europäer die großen

Kupferminen von Pembe in Angola ausgebeutet, die ausführlich von A.

BASTIAN geschildert sind.[126]

Großartig und seit altersher bekannt ist der Kupferreichtum von

Klein-Namaqualand, wo die Kupferminen sich über einen Flächenraum

von 8000-9000 englischen Quadratmeilen ausdehnen und wo das Erz

sich nicht nur in den Schichten der Erde, sondern reichlich an der

Oberfläche findet. Zahlreiche Aktiengesellschaften beuten dasselbe

aus.

In Transvaal findet sich häufig Buntkupfererz und Kupferlehm und

es ist von Wichtigkeit zu hören, daß hier alte Gruben in Menge

vorkommen, die früher von den Kaffern ausgebeutet wurden[127],

denn keineswegs ist die Kupferindustrie in Südafrika erst durch

die Europäer eingeführt worden. Selbst die Hottentotten stellten

dieses Metall (wie das Eisen) durch Ausschmelzen der Erze mit

Holz in Gruben dar. »Sie graben, schmelzen und polieren es mit

unglaublicher Kunst und bereiten die kleinen Zieraten davon, womit

sie sich schmücken,« sagt der alte Peter Kolben.[128]

~Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege.~ Dieses sind die

wichtigsten Vorkommnisse des Kupfers in Afrika, soweit bekannt,

und von hier hat dasselbe sich auf dem Handelswege zu den Völkern

verbreitet, die es nicht selbst erschmelzen, wohl aber, bei

der bekannten Schmiedegeschicklichkeit der Schwarzen, gut zu

verarbeiten verstanden. Die Monbuttu in Centralafrika kannten

das Kupfer bereits, ehe sie mit den von Norden vorrückenden

Mohamedanern in Berührung kamen und ihr König besaß große Massen

davon. Es stammte aus dem südwestlichen Afrika, ja vielleicht,

wie SCHWEINFURTH vermutet, aus Angola. Doch dürften die Minen von

Katanga wohl auch hierbei in Betracht zu ziehen sein. Bei diesem

Volke sind fast alle künstlichen Zieraten aus diesem Metalle

gearbeitet, welches (außer Eisen) das einzige ihnen bekannte ist.

Am häufigsten wird es in Gestalt klafterlanger, ausgezogener und

flach geschlagener Drähte angewendet, um die Handhaben an Säbeln

und Messern, die Lanzenschäfte, Bogen etc. zu umwickeln. Von

Kupfer und Eisen sind auch die agraffenartigen Klammern, welche

zur Zier an den Holzschilden angebracht sind. Lange Halsketten von

Kupfer sieht man häufig und Kupferbeschlag fehlt weder an den aus

Büffelhaut geschnittenen Ringen, noch an den dicken Gürtelriemen.

Jeder Schmuck, an dem sich Kupfer anbringen läßt, ist damit

versehen. Vornehme bestellen sich eigens aus Kupfer geschmiedete

Prunkwaffen.[129]

Und noch weit tiefer im Innern Afrikas, bei den Wavinzu am

mittleren Congo, fand STANLEY, der als der erste Weiße zu ihnen

kam, Kupfer im Überfluß. »Es war um die Speerschäfte gewunden und

umgab in Ringen ihre Beine und Arme, die Griffe ihrer Messer,

ihre Spazierstöcke und hing in Perlenform von ihren Hälsen herab,

während schrotförmige Kügelchen desselben an ihren Haaren befestigt

waren.«[130]

Die Metalle bei den Naturvölkern · 第 5 / 18 段