abgebildeten. Interessant ist der von MUNGO PARK erwähnte
alkalische Zuschlag aus Maisasche, welcher dazu dient, das Eisenerz
leichtflüssiger beim Schmelzen zu machen; es ist dieses das einzige
mir bekannt gewordene Beispiel dieser Art in Afrika.
Die Mandingo gelten für die vorzüglichsten Metallarbeiter in
Nordwestafrika. Häufig lassen sie sich als Schmiede unter anderen
Völkern nieder und bei den Fullahs werden Metallarbeiten meist
durch Mandingosklaven verrichtet. Sie sind auch gute Goldschmiede.
»Das Schmelzen des Goldes oder Silbers geschieht gewöhnlich in
einem thönernen Tiegel, welcher nach dem Hineinlegen des Goldsandes
ganz mit Kohlen bedeckt wird. Die Schmelze wird dann in ein anderes
irdenes Gefäß oder in ein Loch in der Erde gegossen und erst später
durch neuerliches Erhitzen geformt. Manche dieser Goldgegenstände
bestehen aus reinem natürlichen Gold, während bei anderen etwas
Bronze beigegeben wird. Die Goldsorten haben eine etwas blasse
Farbe, ungefähr so, wie die der englischen Münzen ist. Die Form der
Gold- und Silberringe ist in den meisten Fällen die spiralförmig
gewundene, wie die der Armbänder, seltener sind flache Ringe
mit eingravirten Verzierungen.«[84] Woher »die Bronze«, welche
als Zusatz verwendet wird, stamme, sagt unsere Quelle nicht.
Ist es wirkliche Bronze, kein Messing, so wird sie wohl auf dem
Handelswege von der Küste zu den Mandingos gelangt sein.
Von den Aschanti wissen wir, daß sie vortreffliche Schmiede und
Gießer sind, aber das Eisen nicht aus den Erzen zu erschmelzen
verstehen.[85]
~Eisenindustrie in Südafrika.~ Betrachten wir zum Schluß die
Eisengewinnung bei den Südafrikanern. Es sind drei verschiedene
Völker oder Stämme, mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben:
die Buschmänner, die Hottentotten und die Kaffern nebst Verwandten.
Die Buschmänner, am tiefsten auf der Skala der Afrikaner stehend,
kennen die Bearbeitung der Metalle in der Glühhitze nicht,
geschweige denn die Darstellung des Eisens. Das Rohmaterial zu
ihren eisernen Pfeilspitzen erhalten sie von auswärts und es
ist dabei charakteristisch, daß sie die Spitzen ihrer Pfeile
»mit unendlicher Mühe fast nur mittels einiger geeigneter Steine
herstellen«.[86] Sie behandeln also das Metall selbst als Stein.
Den Hottentotten ist dagegen die Bearbeitung des Eisens bekannt,
wiewohl es gerade bei ihnen (siehe oben S. 7) am spätesten
selbst dargestellt wurde und beim Auftreten der Europäer noch
verhältnismäßig selten war. Europäisches Eisen tauschten sie gern
ein, doch stellten sie, wie wir durch KOLBEN u. a. wissen, auch
solches selbst dar; unter allen Handwerkern giebt der Hottentott
den Schmieden den Vorzug. »Ich kann versichern,« sagt KOLBEN,
»daß ihre Arbeit, so wie sie selbige verfertigen, keine geringe
Geschicklichkeit erfordert. Man muß das Eisenerz suchen, schmelzen,
bearbeiten und das alles mit Steinen, statt alles Werkzeuges. Es
wird jedermann gestehen, daß die Sache nicht einmal leicht zu
begreifen ist. Wollen sie das Erz schmelzen, so graben sie ein
großes Loch in die Erde, worin man eine große Menge schütten kann.
Dieses Loch erhitzen sie, indem sie viel Holz darin verbrennen.
Hernach werfen sie das Erz hinein, viel Holz darüber her und
zünden dieses an. Aus diesem Loche geht ein unterirdischer Gang
oder Röhre in ein anderes niedrigeres Loch, worin das geschmolzene
Eisen läuft(?). Wenn es erkaltet, schlagen sie es mit Steinen zu
Stücken und schmieden hernach ebenfalls mit Steinen ihr Gewehr
daraus, ihre Pfeilspitzen, Assagaien und Angeln.«[87] So kurz und
roh die Beschreibung, läßt sich doch ungefähr der Prozeß verfolgen,
aber von einem »Laufen« des geschmolzenen Eisens kann keine Rede
sein, hier muß sich KOLBEN geirrt haben, auch werden wohl den
Hottentotten damals schon die Blasebälge nicht gefehlt haben.
Was die eigentlichen Kaffern, also die südlichsten der Abantu,
betrifft, so giebt FRITSCH an, daß sie das rohe Eisen aus dem
Innern, also zivilisierteren Gegenden, bezogen und daß wohl nur
ein sehr kleiner Teil bei ihnen selbst gewonnen wurde[88], was
wieder dafür sprechen dürfte, daß die Kenntnis des Eisenschmelzens
von Nord nach Süd vorrückte. Dagegen sind die Kaffern geschickte
Schmiede, deren Blasebälge nach der Beschreibung, die FRITSCH
giebt, mit jenen der weiter unten zu erwähnenden Barotse
übereinstimmen. Das Schmieden geschieht mit entsprechend geformten
Steinen, die einfach in der rechten Hand gehalten werden, auf
einem flachen Stein als Amboß, was natürlich eine unendlich
mühsame Arbeit ist. Die geschmiedeten Produkte sind sehr weich
und geschmeidig, so daß man eine dünne Assagaiklinge aufrollen
kann, ohne daß sie bricht. Das Geheimnis der geringen Neigung
zum Rosten im Vergleich mit europäischem Metall beruht einfach
darin, daß das Kafferneisen anhaltend gehämmert und dabei
angelassen ist, wodurch ein sehr widerstandsfähiges Häutchen von
einer niedrigen Oxydationsstufe auf demselben entsteht, während
europäisches Material stark erhitzt, mäßig gehämmert, dann mit der
Feile bearbeitet und vielleicht auch noch poliert wird, so daß es
eines ähnlichen Schutzes entbehrt. Die afrikanischen Waffen sind
demgemäß auch nicht blank, sondern von einer bräunlich grauen
Färbung.[89] Von den benachbarten Zulu berichtet KRANZ, daß sie
allerdings das rohe Eisen aus den Erzen darstellen, wobei sie
Blasebälge von der gewöhnlichen Form und beim Ausschmieden Steine
benutzen[90] und so auch bei den Betschuanen, die ihr Rohmaterial
aus Raseneisenstein erhalten. »Sie bauen einen Meiler(!) von Kohlen
auf ebener Erde oder in einer Vertiefung, von wo thönerne Röhren in
radiärer Richtung nach außen führen, um von allen Seiten mittels
Blasebälgen einen starken Luftstrom hineintreiben zu können. Wenige
zerkleinerte Erzstücke, welche in der Mitte aufgehäuft sind, kommen
so durch andauerndes Erhitzen allmählich zum Schmelzen und werden
in ein unreines Roheisen(!) verwandelt, welches nachher durch
Hämmern und wiederholtes Erhitzen weiter gereinigt wird.«[91]
Die Speerspitzen der Betschuanen zeigen dieselben feinen und
künstlichen Widerhaken und Ansätze, wie die der Monbuttu und
Bongo. Am höchsten stehen aber, nach HOLUB's Urteile, unter den
Südafrikanern in der Eisenbearbeitung die Völker des Marutsereiches
am mittleren Sambesi. HOLUB, der uns allerdings nicht sagt, ob
sie das rohe Material aus den Erzen erschmelzen, beobachtete bei
ihnen Blasebälge, drei Arten von Hämmern, Werkzeuge um Löcher ins
Eisen zu schlagen, Bohrer für Metall und Holz, Zangen, Amboße,
Meißel.[92] Die Form der Hämmer gleicht der europäischen; da aber
die südlicheren Völker, welche weit mehr dem europäischen Einflusse
ausgesetzt waren, solche Geräte nicht kennen und das Land am
mittleren Sambesi überhaupt erst durch LIVINGSTONE erschlossen
wurde, so würde hier kaum auf Entlehnung zu schließen sein, wenn
nicht HOLUB ausdrücklich berichtete, daß die Barotse unsere
Kugelzieher und Schrauben bereits nachahmten. Die Zange (Fig. 14)
ist dagegen wieder echt afrikanisch, wiewohl auch einen Fortschritt
aufweisend: ihr zu Grunde liegt das gespaltene durch einen
laufenden Ring weit und eng stellbare Stück Holz, doch ist sie
aus Eisen. Die Blasebälge (Fig. 13) sind zwei hölzerne Schüsseln,
oben mit Leder überzogen, von denen zwei Holzröhren ausgehen,
die zunächst in zwei Hornröhren, aus den Hörnern der Säbel- oder
Gemsbockantilope, führen und dann in eine thönerne Düse münden. Das
ganze Instrument ist 1-1-1/4 m lang.
[Illustration: Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB.]
[Illustration: Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB.]
~Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie.~ Versuchen wir es,
nach den mitgeteilten Einzelheiten ein Gesamtbild der afrikanischen
Eisenindustrie zu entwerfen, so müssen wir zunächst die Verbreitung
derselben über den ganzen Kontinent hervorheben. Der Norden kommt
für uns nicht in Betracht; hier wirkten von den Tagen des Altertums
an die Kulturvölker am Mittelmeer auf die Libyer und wurden später
mohamedanische Einflüsse geltend. Von den Ägyptern haben wir
gesehen, daß sie früh, bei ihrem Eintreten in die Geschichte, mit
dem Eisen vertraut waren, wiewohl Bronze bei ihnen das herrschende
Metall war; auch ist es nicht unmöglich, daß von ihnen die Kenntnis
der Eisenbereitung zu den Schwarzen überging, wofür oben einige
Gründe hervorgehoben wurden, auf die wir indessen nicht allzugroßen
Wert legen, da wir den Neger für vollkommen fähig halten, selbst
auf die Eisenreduktion zu verfallen, zumal sein Land weit und
breit dazu ein gutes, leichtflüssiges Material in den weichen
Raseneisensteinen liefert. Die Annahme, daß ein Fortschreiten der
afrikanischen Eisenkenntnis von Nordosten nach Süden zu stattfand,
wird gestützt durch die hohe Entwickelung des Eisenhüttenwesens bei
den Völkern am Bahr el Ghazal und die lange Zeitdauer der Steinzeit
im Süden, wo selbst noch die europäischen Entdecker begierige
Abnehmer ihres Eisens fanden und einzelne Stämme, wie z. B. die
auf der tiefsten Stufe der afrikanischen Völkerskala stehenden
Buschmänner, überhaupt die Eisenbereitung und die Schmiedekunst
noch heute nicht kennen. Im allgemeinen sind aber alle Afrikaner
wenigstens mit der letzteren vertraut und in manchen Ländern hat
sich die Eisenindustrie vergleichsweise großartig entwickelt, so
daß sie weit über den heimischen Bedarf arbeitet und im reichlichen
Maßstabe exportiert, wie in Manjema, das von CAMERON _the black
country of Africa_ genannt wird. Deutlich läßt sich in Afrika
verfolgen, wie mit der Kenntnis und der Darstellung des Eisens
das Bedürfnis nach Arbeitsteilung erwacht und verknüpft ist. Hier
entwickelt sich ein wirkliches, fast zünftiges Schmiedegewerbe,
mit großer Fertigkeit meist von besonderen Klassen oder Familien
ausgeübt, während die Töpferei, die Weberei etc. von allen
Stammesgliedern betrieben werden. Der Schmied stellt aber überall
eine besondere Klasse vor.[93]
Wenn es nun auch scheint, daß eine ungeheuere Menge Eisen in Afrika
produziert wird, so darf man doch nicht vergessen, daß dieselbe
fast nur zu Waffen und Geräten verwendet wird und »daß ein Stamm
von mehreren tausend Menschen im Laufe des Jahres noch nicht eine
Tonne Eisen verbraucht«.[94] Überall aber erkennen wir, daß diese
Industrie uralt und bodenständig, daß sie die Metallindustrie der
Afrikaner _par excellence_ ist und jedes andere Metall neben dem
Eisen zurücktritt.
Das Rohmaterial zur Eisenerzeugung ist im größten Teile des
Kontinentes leicht zur Hand. »Die rote Eisenerde«, welche in den
Berichten vieler Reisenden eine Rolle spielt, ist über ungeheuere
Strecken Afrikas verbreitet. SCHWEINFURTH schildert sie aus
dem Gebiete des weißen Nil; am Ogowé wird der »Laterit« von
LENZ erwähnt, der die weite Verbreitung dieser Gesteinsart in
Westafrika auf seiner geologischen Karte[95] darstellt. M. BUCHNER
fand diese ziegelrote, die Oberfläche der Hochplateaus bildende
Erde im Innern ganz Südwestafrikas, an den südlichen Zuflüssen des
Kongo. Nach ihm ist sie wahrscheinlich ein Verwitterungsprodukt
_in situ_, aus älteren krystallinischen Gesteinen entstanden.
Der Eisengehalt, der dem Laterit die Färbung erteilt, rührt von
Eisenglanz her. Die Zusammensetzung dieses Laterits ist 80,5
Kieselsäure, 11,0 Thonerde und 4,0 Eisenoxyd.[96] DOELTER, der den
Laterit am Rio Grande studierte, giebt an, er sei Detritusmaterial,
aber ~nicht~ _in situ_ gebildet. Er hat nachgewiesen, daß unter
diesem Namen sehr verschiedene Gesteinsarten verstanden werden und
identifiziert den nordwestafrikanischen teilweise mit dem indischen
Laterit als eine braune, sehr eisenreiche, dichte, an der Luft
vollkommen harte Masse, mit eingestreuten Quarzkörnchen, welche
abgerollt sind, und eingeschlossener weißer, lehmiger Substanz.[97]
Die im Laterit eingebetteten leichtflüssigen Brauneisensteine
bilden das gewöhnliche Material. Man liest sie meist an der
Oberfläche, in Flüssen und Regenschluchten auf oder schürft nur
leicht nach ihnen. Doch sind auch Gruben bekannt, die ohne jede
bergmännische Geschicklichkeit angelegt werden und in Urua bis
10 m tief sein sollen. In Usanga am Kilimandscharo verarbeitet man
magnetischen Eisensand.
Ein Rösten dieser Erze vor dem Reduktionsprozeß ist nirgends
erwähnt und im allgemeinen sind Zuschläge zur Beschickung, wie
Kalk etc., unbekannt; nur bei den Mandingo wird ein Zuschlag von
Alkali, aus Pflanzenasche gewonnen, erwähnt. Der Neger reduziert
seine leichtflüssigen Erze einfach durch Kohlen oder gar Holz (wie
in Usanga). Die Köhlerei ist verschieden entwickelt. Bei Bongo und
Djur, die sonst sehr hoch in der Eisenindustrie dastehen, findet
eine sehr unvollkommene Verkohlung des Holzes statt. Klein gehackte
Holzstücke werden schnell in Brand gesteckt, in vollen Flammen
auseinandergeworfen und dann gelöscht. Dagegen sah CAMERON in
Urua »rauchende Kohlenmeiler« und LENZ war erstaunt, bei den Fan
und Osaka im äquatorialen Westafrika gut hergestellte, mit Erde
gedeckte Meiler zu finden, wiewohl sie die erzeugten Kohlen auch
nicht zum Ausschmelzen der Erze, sondern nur zum Schmiedefeuer
benutzen. Die Betschuanen in Südafrika brennen aber die
Holzkohlen, die sie zum Eisenschmelzen gebrauchen, in förmlichen
Meilern.[98]
Dieselben Fan, welche regelrechte Meiler bauen, reduzieren das
Eisen nach der allerrohesten, primitivsten Weise, indem sie das
Erz in immer erneuten flammenden Holzstößen ausschmelzen, wobei
ein Produkt erhalten wird, bei dem die nachfolgende Schmiedearbeit
das beste noch thun muß. Eine Stufe höher steht das Verfahren
der Ganguellas und Ostafrikaner (nach BURTON), bei denen das
Erz in Gruben, mit Kohlen und Holz gemischt, einem Gebläsestrom
ausgesetzt ist. Zu regelrechten Schmelzöfen aus Thon -- gemauerte
Öfen kommen nirgends vor -- haben sich endlich manche Völker
emporgeschwungen, Schmelzöfen mit Rasten und Herd, von 1-1/2 m,
ja bei den Serrakoletts bis 4 m Höhe. Die Reduktion geht überall,
wie die Schilderungen ergeben, sehr leicht und verhältnismäßig
schnell vor sich; das Eisenerz formt sich unter dem Einflüsse der
reduzierenden Holzkohle und der Gebläseluft zu einem weichen, wenn
auch nicht flüssigen, zusammengeschweißten Klumpen. Das Eisen ist
nicht flüssig und kann nicht »abgestochen« werden, wie das Roheisen
unserer Hochöfen.
Die Gebläse sind allerdings sehr einfacher Natur, aber doch
stark genug, um, wenn wir STANLEY glauben sollen, ein Brausen
hervorzubringen, das eine halbe englische Meile weit hörbar ist.
Ganz Afrika kennt die Blasebälge und sie werden beim Ausschmelzen
des Eisens wie beim Schmieden von derselben fast überall gleichen,
nur wenig abweichenden Form angewendet, die ähnlich schon auf den
altägyptischen Monumenten erscheint. Die verbreitetste Form, die
vom Weißen Nil bis zu den Betschuanen im Süden reicht, besteht aus
zwei thönernen oder hölzernen cylinder- oder trichterförmigen, nach
unten zu verjüngten Gefäßen, welche in zwei Luftröhren auslaufen,
vor welche noch eine thönerne, seltener hörnerne oder eiserne
Düse gelegt ist. Überzogen sind diese Gefäße an ihrem oberen Ende
mit elastischen Häuten (oder selbst Bananenblättern), welche
abwechselnd auf- und abgezogen werden, um einen alternierenden
Luftstrom zu erzeugen. Ventile, wie bei unseren Blasebälgen,
sind in ganz Afrika unbekannt und ich lege der ganz isolierten
oberflächlichen Erwähnung derselben bei CAMERON nicht den
geringsten Wert bei. Blasebälge einer etwas anderen Art werden aus
Bornu und vom Njassasee, sowie vom Kilimandscharo erwähnt. Die
Ledersäcke derselben zeigen am oberen, mit den Händen gefaßten
Teile einen Schlitz, längs dessen zwei flache Stöcke befestigt
sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet und emporhebt, dann
schließt und niederdrückt, erzeugt man den gewünschten Luftstrom.
Solche Bälge kommen auch in Indien vor.
Das erschmolzene, weiche Eisen ist fast überall dasselbe und wird
gewöhnlich gleich von den Schmieden durch fortgesetztes Hämmern
weiter verarbeitet und gereinigt. Die Bongo unterwerfen das
kohlenstoffreiche Produkt noch einer Art von Frischprozeß und die
Luchazes im Gebiete des oberen Cubango sollen es sogar verstehen,
Stahl herzustellen. Um Feuer zu machen, verwendet merkwürdigerweise
dieser Stamm Stahl, Zunder und Feuerstein. Letzteren beziehen die
Luchazes durch die Kioko auf dem Handelswege, »während sie den
Stahl selbst aus Schmiedeeisen herstellen, das in rotglühendem
Zustande in kaltes Wasser geworfen und dadurch gehärtet wird«.[99]
Es fehlt auch nicht an einer gewissen Ökonomie beim Eisenschmelzen
der Schwarzen, wie denn von den Djur bekannt ist, daß sie durch
Pochen und Waschen der Schlacken die noch darin enthaltenen
Eisenteilchen zu gewinnen trachten.
Der Schmied, oft noch der Wanderschmied, der durch eifriges
Hämmern das unrein erhaltene Produkt dieses primitiven Prozesses
weiter verarbeitet, bedient sich gleichfalls nur höchst einfacher
Werkzeuge. Aber gerade dadurch erregt er unsere Bewunderung, da die
von ihm hergestellten Erzeugnisse im umgekehrten Verhältnisse zu
seinen elenden Werkzeugen stehen. Die Lanzenspitzen der Bongo und
Monbuttu sind von solcher Feinheit, daß sie mit jeder europäischen
Schmiedearbeit den Wettbewerb aushalten. Den Blasebalg kennen
wir schon; er ist beim Schmiede derselbe wie beim Hüttenmann.
Der Amboß ist meist noch ein Stein, seltener ein Stück in den
Boden gelassenes Eisen; ebenso der Hammer.[100] Wir können den
letzteren in drei Stadien der Entwickelung verfolgen. Er tritt
zunächst auf als einfacher, länglicher Stein, der mit der sehnigen
Faust erfaßt wird; ein Fortschritt ist es schon, wenn er durch ein
konisches Eisenstück ersetzt und gleichfalls mit der Hand bewegt
wird. Zum Hammerstiel hat der Neger sich nirgends aus eigenem
Triebe emporgeschwungen, wohl aber lernen wir bei ihm einen nicht
uninteressanten Übergang kennen, indem der schwere Schlag- oder
Hammerstein mit einem Lederriemen umfaßt wird, an welchem wieder
Schlingen für die Hand befestigt sind (bei Serracolletts etc.) oder
mit Bastseilen, wie bei den Mangandscha. Zum Schneiden, Formen,
Spalten und Modellieren feiner Teile des rotglühenden Metalles
benutzt man einen einfachen Meißel oder in Ermangelung eines
solchen eine Lanzenspitze. Die Zange besteht im primitivsten Falle
aus ein paar Rindenstücken oder sie ist ein gespaltenes Stück
frisches Holz mit einem laufenden Ringe darüber zum Enger- oder
Weiterstellen dieser Klammer. Einen Fortschritt deutet es an, wenn
dieselbe (wie bei den Barotse) aus Eisen hergestellt wird, doch
noch genau nach dem Modell der hölzernen Zange. Das Drahtziehen
ist bei vielen Negerstämmen bekannt und hier und da wird auch das
Schweißen erwähnt.
Heute noch steht die afrikanische Eisenindustrie in ihrer alten
urtümlichen Form vor uns, doch dürften ihre Tage gezählt sein,
je mehr der schwarze Kontinent erschlossen und dem weißen
Händler zugängig gemacht wird. Sobald Berührungen mit Europäern
stattfinden, beginnen sich europäische Einwirkungen auf die
Eisenindustrie der Schwarzen einzustellen, so daß man, will
man letztere in ihrer Ursprünglichkeit kennen lernen, sich an
unberührte Stämme halten muß. Die Schmiede in Sennar haben
bereits europäische Hämmer und Zangen angenommen, und die Barotse
am mittleren Zambesi, in einer Gegend, die erst vor dreißig
Jahren bekannt wurde, kennen schon unsere Bohrer, Kugelzieher,
Feilen und Hämmer. Geht so die Ursprünglichkeit im Gewerbe durch
Fremderlerntes zu Grunde, so ist die afrikanische Eisenindustrie
an sich selbst in Frage gestellt durch das Einströmen billiger
europäischer Produkte, mit denen die heimischen Erzeugnisse nicht
zu konkurrieren vermögen.
~Die Stellung der Schmiede in Afrika.~ Wo das Eisen im Volksmunde
auftritt und Traditionen von seinem Ursprunge erzählen, sind häufig
sonderbare Vorstellungen mit demselben verknüpft: dem Schmiede
haftet etwas geheimnisvolles an. Das neue Metall, welches bestimmt
war, den Stein zu ersetzen, ist den alten Geistern, den Elfen
und Nixen, die dem Steinalter entstammen, verhaßt und wird ihnen
gefährlich, daher man denn auch zum Schutze gegen jene Hufeisen
an die Stallthüren nagelt, was in England »noch bei der Hälfte
der Stallthüren« der Fall ist.[101] Ein Messer in den Wirbelwind
geworfen, ist in Deutschland ein Mittel, den in der Windsbraut
einherfahrenden Dämon zu verwunden.[102] Nach dem Glauben der
ägyptischen Fellahs haben die Dschinnen großen Respekt vor dem
Eisen. Sehen sie eine Sandhose kommen, so rufen sie dem darin
sitzenden Geiste zu: _Chadid ya maschun_, Eisen, o Unseliger!
und glauben sich dadurch geschützt.[103] Umgekehrt wird es in
hieratischen Dingen damit gehalten: der steinerne Altar wird aus
unbehauenen Steinen errichtet, denn das Eisen entweiht ihn.[104]
Und so ähnlich noch vielfach.
Einheimische Traditionen, welche auf den Ursprung des Eisens in
Afrika hinweisen, sind bisher wenig bekannt geworden, doch dürften
dieselben gewiß nicht fehlen. Während, namentlich in Südafrika,
sich in Sagen und Märchen noch Erinnerungen an die Steinzeit
erhalten haben[105], ist mir nur eine Stelle aufgestoßen, die vom
Ursprunge des Eisens redet. »Die Leute (im Westen des Njassasees)
sagen, die Kunst, das Eisen zu schmelzen, sei ihnen von Chisumpi
gelehrt worden, welches der Name von Mulungu (Gott) ist.«[106] Hier
weist also die Tradition auf einen höheren, göttlichen Ursprung
des nützlichen Metalles hin, wie dieses auch bei anderen Völkern
der Fall ist. Damit wird zugleich die afrikanische Eisenkenntnis
in ein hohes Alter hinaufgerückt, wofür auch andererseits die
besondere Stellung, welche die Schmiede einnehmen, spricht.
Es ist dieses jedoch nicht etwa eine spezifisch afrikanische
Erscheinung, sondern bei allen Völkern, wo es Schmiede giebt,
tritt derselbe Fall ein.[107] Die afrikanischen Schmiede sind,
unabhängig von geographischer oder ethnographischer Gruppierung,
bald verachtet, bald hochgeehrt und stets klebt ihrer Beschäftigung
etwas geheimnisvolles an, so sehr, daß sie auch, wo sie eine
Pariastellung einnehmen, mit einer gewissen Scheu betrachtet
werden. Die Erklärung, daß die Schmiede, als eine besondere Kaste
bildend, von anderer Abstammung als die übrigen Mitbewohner
eines Landes seien, wird hier nicht immer ausreichen, wennschon
dieselbe sehr oft zutrifft. Wenn ein eroberndes Volk, welches
das Schmiedehandwerk nicht kennt, in dem von ihm besetzten
Lande bereits Schmiede vorfand, welche das Metall zu bearbeiten
verstanden, so mußte es natürlich die ihm fremde, geheimnisvolle
Kunst bewundern, aber auch fürchten. Wegen der augenscheinlichen
Nützlichkeit ließ es aber die Unterjochten bei ihrem Gewerbe, zog
daraus die nötigen Vorteile, verachtete aber die Träger der ihm
ursprünglich fremden Kunst und betrachtete sie gleichsam mit Scheu
als Zauberer und Träger überirdischer Kräfte. Andererseits aber,
wenn die nützliche Kunst ein tiefer stehendes Volk von einem höher
stehenden erlernt hatte, so blieb sie und diejenigen, welche sie
erlernt, in besonderer Gunst und Verehrung; die Schmiede wurden der
bevorzugte Stand.[108]