Die Verhüttung ist in diesem Teile Ostafrikas eine weit rohere als

im Gazellenstromgebiet. Nach BURTON ist der Schmelzofen ein Loch

in der Erde, das mit brennender Holzkohle gefüllt wird, auf welche

man das Erz legt, dann wieder eine Schicht Kohle und so fort. Das

Gebläse wird durch die bekannten Blasebälge (Mafukutu) erzeugt,

deren Düsen aus Thon sind. Zuweilen werden fünf Paar derselben

angewendet, um eine tüchtige Hitze zu erzeugen.[56] Im Eisenlande

Usanga schichtet man den Eisensand in tiefen Gruben gar nur mit

Holz, zündet den Brand an und unterhält das Feuer fünf Tage lang.

Nach dem Erkalten der Glut findet das zusammengefrittete und mit

Schlacken gemengte Eisen sich auf der Sohle des Herdes, dieses

rohe Eisen wird im Schmiedefeuer zu kleinen Hacken verarbeitet, in

welcher Gestalt es auch in den Handel kommt.[57] Auf so niedrigem

Standpunkte nun auch hier die Gewinnung des Rohmaterials steht,

um so höher ist die Schmiedekunst im Gebiete des Kilimandscharo

entwickelt, worüber wir eine sehr genaue Schilderung des Geologen

THORNTON, Begleiter V. D. DECKEN's, besitzen. Er schreibt: »Wir

trafen den Meister innerhalb eines länglichrunden, von hoher,

lebendiger Hecke umschlossenen Hofes bei seiner Arbeit. Er zeigte

uns der Reihe nach alle seine Künste. Zuerst führte er uns zu

der außerhalb des Zaunes gelegenen Schmiede, welche in ihrer

Einrichtung wesentlich mit den Suaheliwerkstätten Sansibars

übereinstimmt. Seine Hämmer sahen aus, als ob sie von Europa

her eingeführt wären, doch versicherte uns der Mann, daß er sie

selbst gefertigt habe. Als Amboß dienten einige harte, glatte

Steine. Das Gebläse ist doppelt wirkend und besteht aus zwei

gegerbten, in Form von Säcken hergerichteten Fellen, deren jedes

an seinem unteren Ende an der Gabel eines ausgehöhlten, mit

einem Steine beschwerten Baumastes festgebunden ist, während das

obere Ende einen langen Schlitz zeigt, längs dessen zwei flache

Stöcke befestigt sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet

und emporhebt, schließt und niederdrückt, erzeugt man einen

Luftstrom, welcher durch die Gabelröhre vereinigt und in einen

Herd einfachster Art geleitet wird. Der Meister trug ein wenig

Feuer zum Ofen, legte Holzkohlen darauf und fachte die Glut kräftig

an. Dann erhitzte er mehrere Stücke altes Eisen und schweißte sie

mit Zuhilfenahme eines Schweißmittels, bestehend aus den Brocken

einer großen Muschel, zusammen. Ebenso vereinigte er mehrere alte

Messer in kleine Barren und hämmerte diese zu längeren Stücken von

vierkantigem Querschnitte aus. Zwei solche Stäbchen, an einem Ende

zusammengeschweißt, am anderen etwas auseinander gebogen und mit

einem darübergleitenden Ringe versehen, bilden eine sehr wirksame

Zange, welche zum Drahtziehen benutzt wird, wie wir sogleich sehen

sollten.«

»Der Schmied erhitzte eine Rolle dicken Draht in einem leichten

Feuer von Blättern und Stroh zu dunkler Rotglut. Während dieses

langsam brannte, richtete er sein Zieheisen her, eine weiche

Eisenplatte, deren Löcher je nach Bedürfnis durch Hammerschläge

verengt oder durch Eintreiben eines glatten Domes erweitert wurden.

Dann hämmerte er den Draht am Ende dünner, fettete ihn gehörig ein,

steckte ihn in das Zieheisen, spannte das durchgekommene Stück in

die Zange, setzte sich auf den Boden, legte die Ziehplatte zwischen

seine Füße, zog einen langen Lederstreifen durch die Zange, faßte

diesen mit der Hand an und beugte sich schnell rückwärts, so daß

der Draht ein kleines Stück verlängert ward. Als durch mehrmaliges

Wiederholen derselben Arbeit etwa eine Fußlänge des Drahtes

verdünnt worden, stand unser geschickter Freund auf, ging an eine

zwischen Pfählen befestigte, mit zahlreichen Löchern durchbohrte

Pfoste, legte das Zieheisen in eine Kerbe hinter dieser, steckte

den Draht durch das Loch, befestigte die Zange wieder am spitzen

Ende und zog nun ein größeres Stück aus. Begreiflicherweise

erweiterte sich das Loch in der ungehärteten Ziehplatte ziemlich

schnell, und der letzte Teil des Drahtes ging mit Leichtigkeit

hindurch; es gehört also nicht wenig Mühe dazu, um eine ganze Rolle

gleichmäßig zu ziemlicher Feinheit auszustrecken.«

»Darauf sahen wir uns den feinen, auf diese Weise gewonnenen Draht

an, aus welchem die hier so beliebten Schmuckkettchen bereitet

werden. Der gefällige Künstler befriedigte unsere Neugierde, indem

er auch noch an einer solchen Kette zu arbeiten begann. Er wickelte

den feineren Draht um ein dickeres, stricknadelförmiges Eisen und

schnitt längs desselben hin die ganze Schneckenwindung mit einem

scharfen Meißel in kleinere Ringe, von denen jeder ein Gliedchen

bildet -- ganz in derselben Art, wie dies auch unsere Handwerker

thun.«

»Wir blieben wohl anderthalb Stunden bei dem geschickten Manne. Der

Baron bestellte beim Weggehen einige Kettchen, ein Schwert, ein

Paar Messer und Lanzenklingen; der Schmied nahm jedoch nur ersteren

Auftrag an und weigerte sich entschieden, Waffen zu fertigen oder

zu verkaufen.«[58]

Hier treffen wir also auf das Schweißen, das sonst wenig bei den

Negern bekannt ist; auch die Art des Drahtziehens erregt unsere

Aufmerksamkeit. Die Zange, im Prinzip dieselbe wie die Holzzange

der Bongo (Fig. 9), zeigt einen Fortschritt, indem sie aus Eisen

hergestellt ist. Was aber stark abweicht, sind die Blasebälge,

denen der trichterförmige untere Fortsatz aus Thon fehlt und die

nur aus Lederschläuchen bestehen, welche mit flachen Holzstäben,

die aneinanderpassen, am Schlitz versehen, beim Einlassen der Luft

geöffnet, beim Ausdrücken derselben geschlossen werden. Es ist

dieses eine Variation des afrikanischen Blasebalges, die nicht

vereinzelt dasteht, da MARNO aus Sennâr[59] und LIVINGSTONE[60]

aus den Hochlanden am südlichen Njassasee dieselbe abbilden. Die

Übereinstimmung mit indischen Bälgen werden wir kennen lernen.

Eine ziemlich eingehende Schilderung der lebhaften Eisenindustrie

des Volkes der Waitumba besitzen wir durch J. T. LAST.[61] Sie

wohnen in den Humbabergen zwischen 6° und 7° südl. Breite und 36°

und 37° östl. L. v. Gr. Das Ausgraben der Eisenerze und Waschen

derselben wird von Weibern besorgt, die an den Abhängen der Berge

etwa 60 cm tiefe Löcher graben, um auf einen roten thonigen Sand

zu stoßen, in welchem das Eisenerz in kleinen Stücken verteilt

liegt; es macht etwa fünf Prozent des Sandes aus. Dieser Sand

wird zu einem kleinen Bache gebracht, der über terrassenförmig

angelegte große Löcher geführt wird, die er eines nach dem anderen

durchläuft. In diese Löcher wird der erzhaltige Sand geschüttet,

um von seinen feineren Teilen durch successives Auswaschen in

denselben befreit zu werden. Es bleiben nur grober Kies und die

Erzstücke zurück, die, nachdem sie in der Sonne getrocknet sind,

mit einer Worfelschaufel (_ungo_) von einander getrennt werden.

Das so erhaltene Eisenerz (_mudapu_) wird in Säcken aus Palmfaser

an die Schmelzer verkauft. Die Stelle, wo das Erz vorkommt, ist

Eigentum des Distriktshäuptlings, der sie durch seine Leute

ausbeuten läßt. Bezahlt wird das Erz durch ein gleiches Volumen

Korn.

Die Schmelzer schlagen nun zunächst Holz, spalten dasselbe in

1,3-1,6 m lange Scheiter und häufen dieselben zu einer 1,6 m hohen,

etwa 2,7 m im Gevierte haltenden Pyramide auf, die in Brand gesetzt

und zu Kohlen gebrannt wird. Von einer meilerartigen Bedeckung

mit Erde berichtet LAST nichts. Die abgekühlten Kohlen werden

mit Binsen zu Bündeln zusammengeschnürt und so zum Schmelzplatze

gebracht. Nachdem Erz und Holzkohle (_makala_) bereit, werden die

Luftröhren (_kelwa_) und Bälge (_nuvukuto_) fabriziert; erstere

werden aus Thon über Bambus modelliert; sie sind 1,4 m lang, haben

einen Durchmesser von 6 cm und am Ende eine verstärkte Schnauze.

Der Blasebalg besteht aus einem Holzcylinder mit Röhre aus dem

gleichen Material; er ist oben mit einem Stück Leder geschlossen,

aus dem ein Stock als Handhabe hervorragt. Nun wird Feuer in einer

Grube entzündet und wenn dieses lustig brennt, wird eine doppelte

Handvoll Erz, gefolgt von Holzkohle, hineingeworfen, und so fort

unter gleichzeitigem Blasen von drei Paar Bälgen, die je von

einem Mann und Burschen abwechselnd bedient werden. Gegen Ende

des Schmelzganges wird das Erz vermindert und Kohle in größerem

Maßstabe gegeben; ist alles durchgeschmolzen, so bleibt die Masse

eine halbe Stunde ruhig stehen und alsdann werden drei Töpfe voll

Wasser über dieselbe ausgegossen. Der Prozeß ist jetzt beendigt

und der erhaltene Eisenklumpen wird mit einem dicken Seile von

Kongigras aus der Grube herausgezogen, um gänzlich abzukühlen. Der

Klumpen hat gewöhnlich 35-40 cm Durchmesser bei 50-70 cm Länge. Man

bereitet sich einen Vorrat solcher Klumpen, zerschlägt sie dann

mit einem eisernen Hammer in wallnußgroße Schirbeln und schmilzt

diese abermals mit Holzkohle, jedoch nur unter Anwendung von ~ein~

paar Blasebälgen, in einer Grube um. Die so erhaltene Luppe wird

mit einer Zange aus dem Loche gezogen und mit schweren Hämmern

auf einem Amboß aus Stein zu einer soliden viereckigen Masse

zusammengehämmert. Doch ist diese immer noch sehr porös, so daß dem

Schmiede, der dieses Eisen zu Hacken formt, noch viel Arbeit übrig

bleibt.

Auch am Njassasee, der noch in diese ostafrikanische Region gehört,

hat sich eine sehr ausgebreitete Eisenindustrie entwickelt.

Westlich von demselben »muß das Eisengewerbe schon sehr lange

betrieben worden sein, denn man kann nicht eine Viertelstunde

weit gehen, ohne auf Schlacken und zerbrochene Töpfe, oxydierte

Röhren und Reste der Schmelzöfen zu stoßen, die durch das Feuer in

Ziegelsteine verwandelt sind.«[62] Das Erz -- wahrscheinlich das

schwarze Oxyd, schreibt LIVINGSTONE -- sah wie Sand aus und wurde

durch die Öffnung in der Spitze des Schmelzofens hineingeschüttet,

vermischt mit Holzkohle. In den südlichen Hochlanden am Njassa

wird das Eisenerz »aus den Bergen« gegraben. Jedes Dorf hat dort

sein Schmelzfeuer, seine Holzkohlenbrenner, seine Schmiede. Die

Äxte, Speere, Nadeln, Pfeilspitzen, Arm- und Beinringe sind in

Betracht der einfachen Werkzeuge, welche dabei angewendet werden,

recht gut und sehr billig. Eine Hacke im Gewicht von 1 kg wird

für Kaliko im Werte von vier Pence verkauft.[63] Über die Art

des Schmiedens bei den hier wohnenden Mangandscha berichtet

LIVINGSTONE[64] ferner: »Der Hammer ist ein großer Stein, umschnürt

mit starken Bastseilen, woran Öhsen gelassen sind, welche Handhaben

bilden (Fig. 11). Zwei Stücke Rinde bilden die Zange und ein großer

in den Boden eingelassener Stein den Ambos. Der offene Blasebalg

besteht aus zwei Ziegenfellen, mit Stöcken an den Enden, welche

sich bei jedem Luftstrome öffnen und schließen.«

[Illustration: Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach

LIVINGSTONE.]

Geographisch anschließend sind hier die Marawi zu erwähnen, deren

Land 1830 Monteiro und Gamitto durchzogen. Sie sammeln das Eisenerz

an der Oberfläche. »Man thut das Eisenerz in ein Thonrohr von 7 m

(40 Palmos) Höhe und 20 cm Breite, dessen untere weitere Basis

mit Kohlen angefüllt ist.« Hier liegt entschieden ein Fehler vor,

denn eine 7 m lange und nur 20 cm breite Thonröhre von Negern

hergestellt und zur Eisengewinnung dienend, wäre ein Wunder. Es

wird hier wohl ein thönerner Schmelzofen gemeint sein, wie wir

ihn schon mehrfach kennen lernten. Über dem Fußboden sind Löcher

angebracht, in welche die einfachen Fellblasebälge ihren Windstrom

ergießen. Beim Ausschmieden dienen Steine als Ambos und Hammer,

zwei Stücken Holz als Zange.[65]

Ein ostafrikanisches Volk, welches das Eisen kennt und reichlich

benutzt, aber nicht selbst darstellt, sind die Masai. T. T. LAST

berichtet von ihnen: »_There is no iron in the country, nor do the

Masai know how to work it. I have been told that formerly the Masai

used wooden swords and spears made from hard wood, but when they

came to Ugogo they laid aside their wooden arms and took those of

the Wagogo._«[66]

~Eisenindustrie im äquatorialen Westafrika.~ Aus dem Innern Afrikas

sind bis an die Westküste unter dem Äquator die kannibalischen

Gewohnheiten ergebenen Fan vorgedrungen. Sie werden wegen

vieler Übereinstimmungen in Sitten und Gebräuchen mit den durch

SCHWEINFURTH geschilderten Monbuttu in Zusammenhang gebracht. Geht

man auf ihre Eisenindustrie ein, so läßt sich diese Übereinstimmung

jedoch nur teilweise konstatieren.

Die in der Nähe der Küste ansässigen Fan haben die Eisenproduktion

jetzt schon aufgegeben, da sie das Eisen aus den europäischen

Faktoreien erhalten. Die weiter im Innern wohnenden aber wissen

dasselbe aus einem überall massenhaft vorkommenden thonigen

Brauneisenstein herzustellen. Sie graben nicht nach demselben,

sondern suchen denselben an der Oberfläche zusammen. Der Prozeß

ist ein äußerst roher und wird ohne jede Art von Ofen betrieben.

Man stapelt einfach einen großen Holzstoß auf und schüttet darauf

eine Menge des zerkleinerten Erzes; darunter legt man abermals Holz

und dann zündet man den Haufen an. Brennt der Stoß nieder, so wird

neues Holz zugeführt, bis man den Reduktionsprozeß beendigt glaubt.

Die Ausschmiedung des so erhaltenen Rohproduktes ist natürlich

eine höchst langwierige Operation. Doch die Fan sind weit

bessere Schmiede als Hüttenleute. Die Blasebälge sind nach dem

allgemein afrikanischen Prinzipe geformt, nur werden zum unteren

Teil Holzcylinder statt der Thongefäße angewendet. Die Cylinder

sind oben mit genau passenden Häuten geschlossen, an denen sich

Handhaben befinden, welche der die zwei Blasebälge Bedienende sehr

schnell auf- und abzieht. Die Luft wird durch enge Holzröhren

mit eisernen Düsen dem Schmiedefeuer zugeführt. Der Ambos der

Fanschmiede ist ein solides, in den Boden eingelassenes Eisenstück.

Statt eines Hammers, den die Fan nicht kennen, bedienen sie sich

eines 1-1/2 bis 3 Kilo schweren konischen Eisenstückes, wie die

Bongo etc. Das durch wiederholtes Durchschmieden erhaltene Eisen

ist von vorzüglicher Güte und wird von ihnen dem europäischen

vorgezogen. Die Schwerter, Messer, Lanzen- und Pfeilspitzen der

Fan zeugen von vorzüglicher Arbeit. Worin aber die Fan noch

hervorragen, das ist die Bereitung der Holzkohlen zum Schmieden in

Meilern, die mit Erde bedeckt sind, so daß darin das Holz langsam

verkohlt.[67]

Auch die Osaka weiter aufwärts am Ogowé sind gute Eisenarbeiter,

kennen die Meiler, die eisernen Amboße und die doppelten Blasebälge

genau wie die Fan. Die Schmelzöfen sind auch ihnen unbekannt. Das

Eisen gewinnen sie aus den roten thonigen Eisensteinkonkretionen,

die überall in der alles überziehenden Lehmdecke stecken.[68]

~Eisenindustrie in Nordwestafrika.~ Dieses hat verhältnismäßig

am intensivsten und längsten unter fremdem Einflüsse gestanden.

Von Norden her drang der Islam vor und er ist nun fast an der

Guineaküste angelangt; seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts reihte

sich eine Faktorei der Europäer nach der anderen vom Senegal bis

zur Goldküste aneinander und damit wurden fremde Handelsprodukte

in das Land der Schwarzen gebracht. Der uralte Karawanenverkehr

vom Mittelmeer nach dem Sudan hat wohl frühzeitig auch Eisenwaren

und Waffen bis zum Niger und Tsadsee gebracht, so daß seit langem

schon in dieser Region die heimische Eisenindustrie der fremden

Konkurrenz weichen mußte. Das europäische Eisen in Stabform wurde

Wertmesser in den Senegalländern. »In ihrem früheren Handel mit

den Europäern,« sagt MUNGO PARK von den Einwohnern derselben, »war

Eisen die von ihnen am meisten geachtete Ware. Durch dessen Nutzen,

da es die Werkzeuge des Krieges und Ackerbaues giebt, wurde ihm

vor allem anderen der Vorzug erteilt. Eisen wurde daher bald der

Maßstab, nach dem sich der Wert aller anderen Waren bestimmt.«[69]

Eisenstücke sind südlich von Wandala (11° nördl. Br.) als Münze im

Verkehr und in Bagirmi sah NACHTIGAL, wie Wurfeisen gegen Getreide

eingetauscht wurden; dieses war nämlich die einzige Münzsorte,

welche die Eingeborenen für Getreide annahmen.[70] Eisengeld, das

in Korórofa am Binué gilt, lernte FLEGEL in Danzufa kennen. Er

schildert dasselbe als eine eiserne Erdhacke ohne Stiel.[71] Es ist

gerade so, wie in dem Gebiete der westlichen Nilzuflüsse, wo bei

den Djur Lanzenspitzen, bei den Bongo tellergroße Eisenplatten die

Rolle gemünzten Geldes spielen.[72] In Boni an der Nigermündung

dient ein hufeisenförmiges Eisenstück, Igbi oder Manilla genannt,

als Münze[73]; daß dieses hufeisenförmige Eisengeld bis zum Gabon

reicht und dort bei den Mpongwe in Bündeln von acht bis zehn Stück

umläuft, wissen wir durch WILSON, der hinzufügt, es sei nicht bloß

Tauschmittel, sondern _real currency_.[74]

Wie sehr Afrika von Norden her mit europäischen Eisenwaren

überschwemmt wird, ersehen wir z. B. aus den Schilderungen des

Marktes in Kano, wo Schwertklingen aus Solingen und Rasiermesser

aus Steiermark einen bedeutenden Handelsartikel ausmachen. Mit den

Solinger Klingen werden die Tuareg der Wüste, die Haussaua, die

Fulbe, Nyffaua und Bornuaner von Kano aus versorgt. BARTH schätzt

ihre Einfuhr auf jährlich 50000 Stück, und ähnlich verhält es sich

mit den ordinären steirischen Rasiermessern.[75]

Es ist begreiflich, daß unter solchen Umständen die einheimische

Eisenindustrie leiden und allmählich verkümmern mußte. Der

Neger vermochte nicht mit der billigen ausländischen Ware zu

konkurrieren, die er mit seinen Naturprodukten ohnedies leicht

bezahlen konnte. So finden wir denn auch in Nordwestafrika

gegenüber den centralafrikanischen Ländern eine weit weniger

ausgedehnte heimische Eisenindustrie, deren Produkte sich auch

nicht in bezug auf Güte und Kunstfertigkeit mit jenen der

centralafrikanischen Neger messen können. Immerhin ist aber die

heimische Eisenindustrie in Nordwestafrika noch ausgebreitet

genug, um zu zeigen, daß sie hier so selbständig wie in anderen

Negerländern von Anfang an war. Selbst in dem mitten in der

Wüste gelegenen Lande Tibesti oder Tu wird Eisen, wenn auch in

unzureichender Menge, gewonnen und die Einwohner (Tibbu oder Teda)

verfertigen sich ihre Waffen wenigstens teilweise selbst, doch

werden die Lanzen meist aus den umliegenden Ländern eingeführt.[76]

Bornu ist seiner geologischen Beschaffenheit nach kein Land der

Eisenerzeugung; doch arbeiten dort die Schmiede ganz so wie bei

den übrigen Afrikanern und ihre primitiven Blasebälge sind aus

einem Ziegen- oder Schaffell hergestellt, dessen hintere Enden

sich beim Drucke durch Klappen schließen.[77] Dagegen ist

Mandara oder Wandala südlich von Bornu ein Hauptsitz vorzüglicher

Eisenindustrie, von wo schöne Sachen in den Handel kommen,

ebenso Gurgara im südlichen Bagirmi.[78] Im Reiche Sokoto finden

sich Eisenminen bei Schiri, eine Tagereise nördlich von Garo N

Bautschi, bei Fagam, zwei Tagereisen nordwestlich von der eben

genannten Stadt, bei Kirfi am rechten Ufer des Gombe, bei Bele und

Fali, sechs bis acht Stunden östlich von Kirfi; andere Orte der

Eisenerzeugung sind noch Baura, Gulda, Muta, Kagalám, Mia Biri,

Kaatana[79], doch fehlen alle näheren Angaben über die Art der

Gewinnung etc.

Nordwestafrika, zumal in den Gebieten am Senegal, dem Casamance

und Rio Grande, ist nach den Berichten der verschiedenen Reisenden

reich an Eisenerzen und an Gold. Allein die Eisenerze bilden

hier (wie anderwärts in Afrika) keine fortlaufenden Lagerstätten

in unserem Sinne, sondern sind in der eisenführenden Formation,

die sich weit über das Land erstreckt, verteilt. Die meisten

Erze gehören zum Laterit. Oft finden sich darin kleinere oder

größere Parteien, in denen das Erz, Brauneisen oder auch Roteisen

konzentriert ist und die bis 60% Eisenoxyd enthalten. Alle Erze

finden sich auf sekundärer oberflächlicher Lagerstätte, weshalb

auch von einem eigentlichen Bergbau hier schon deshalb nicht

die Rede sein kann, weil es keinen Sinn hätte, in die tieferen

Schichten zu gehen. Alles von den Eingeborenen gesammelte Erz

stammt von der Oberfläche.[80]

Die westlichen Fulbe sind gute Eisenarbeiter. LAMBERT, welcher 1860

bis Timbo in Futa Djallon vordrang, bildet aus diesem Lande einen

_Fonte du minerai de fer_ ab (Fig. 12), welcher die Form eines

kleinen Hochofens hat, giebt aber keine Beschreibung. Die Schmiede

arbeiten dort mit den Blasebälgen aus Fellen.[81]

Von den aus Serracoletts bestehenden Einwohnern des Dorfes

Langebane in Futa Djallon bemerkt MOLLIEN, daß sie alle Besitzer

von Eisenschmelzöfen seien. Er schildert aber die Öfen und

den Prozeß der Gewinnung nicht, sondern sagt nur, daß man, um

das fertige Metall zu hämmern, sich eines rundlich geformten

Granitblockes bediene. Diesen umfassen die Schmiede mit einem

Streifen Leder und an diesem Streifen sind wieder lederne Riemen

befestigt, welche der Arbeiter in die Hand nimmt; so hebt er nun

den Stein in die Höhe und läßt ihn auf das Eisen, welches auf einem

niedrigen, in der Erde stehenden Amboß liegt, herabfallen.[82]

[Illustration: Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT.]

Über das Schmelzverfahren der Mandingo sind wir durch MUNGO PARK

unterrichtet worden.[83] »Während meiner Anwesenheit zu Kamalia,«

schreibt er, »war ein Schmelzofen in geringer Entfernung von der

Hütte, wo ich wohnte, und der Eigentümer sowohl als seine Arbeiter

machten kein Geheimnis aus der Art ihres Verfahrens und erlaubten

mir recht gern, den Ofen zu untersuchen und ihnen zu helfen, den

Eisenstein zu zerstoßen. Der Schmelzofen war ein zirkelförmiger

Turm von Lehm, 3 m hoch und 1 m im Durchmesser. Er war an zwei

Orten mit einem Geflechte eingefaßt, um den Lehm zu verhindern

durch die Hitze des Feuers zu bersten und auseinander zu fallen.

Rund um den unteren Teil, mit dem Boden gleich, aber nicht so

tief als der Boden des Ofens, der ein wenig höher war, hatte man

sieben Öffnungen angebracht, in deren jede man drei Röhren von

Lehm gesteckt und die Öffnungen wieder so verklebt hatte, daß

keine Luft in den Ofen als nur durch diese Röhren dringen konnte,

durch deren Öffnung und Zuschließung sie das Feuer leiteten. Diese

Röhren wurden gemacht, indem man ein Gemisch von Lehm und Gras

um ein glattes Rollholz klebte, welches, sobald der Lehm hart

wurde, herausgezogen und die Röhre in der Sonne getrocknet wurde.

Der Eisenstein, den ich sah, war sehr schwer und von einer matten

roten Farbe mit grauen Flecken. Er wurde in Stücken ungefähr von

der Größe eines Hühnereies zerbrochen. Ein Bündel Holz, welches

sehr trocken war, wurde zuerst in den Ofen gelegt und mit vielen

Holzkohlen bedeckt, die man fertig gebrannt aus dem Walde brachte.

Hierüber wurde wieder eine Schicht Eisenstein gelegt und dann

wieder eine andere von Holzkohlen und so fort, bis der Ofen ganz

voll war. Das Feuer wurde durch eine der Röhren entzündet und

während einiger Zeit mit Blasebälgen, die man aus Ziegenhaut

gemacht hatte, angefacht. Die Operation ging vorerst sehr langsam

fort und es vergingen einige Stunden, ehe die Flamme über den Ofen

hinausschlug. Nach diesem aber brannte es mit großer Heftigkeit

während der ganzen ersten Nacht; und die dabei stehenden Leute

warfen von Zeit zu Zeit mehr Holzkohlen hinein.

»Am folgenden Tage war das Feuer nicht so wild, und in der zweiten

Nacht wurden einige Röhren herausgezogen und mehr Luft in den Ofen

gelassen. Die Hitze war indessen noch immer sehr gewaltig, und eine

blaue Flamme schlug einen halben Meter über die Spitze des Ofens

hinaus.

»Am dritten Tage vom Anfang der Operation wurden alle Röhren

herausgenommen, da dann die Enden mehrerer derselben zu Glas durch

die Hitze gebrannt worden; das Metall wurde aber nicht eher, als

einige Tage nachher gerührt, als das Ganze vollkommen abgekühlt

war. Ein Teil des Ofens wurde dann niedergerissen und das Eisen

lag da in Form einer großen unregelmäßigen Masse mit Stücken

Holzkohlen, welche daran festklebten. Es war klingend, und wenn

irgend ein Teil davon abgebrochen war, so sah es bei dem Bruche

körnig aus wie zerbrochener Stahl. Der Eigentümer sagte mir,

daß viele Teile dieses Kuchens nichts taugten, daß aber dennoch

hinlänglich gutes Eisen übrig war, um ihn für seine Mühe zu

entschädigen.

»Dieses Eisen oder vielmehr Stahl wird zu mannigfachen Werkzeugen

verarbeitet, indem man es wiederholt in einer Schmiede heiß

macht, deren Hitze durch ein paar doppelte Blasebälge, von sehr

einfacher Zusammensetzung unterhalten wird. Sie werden aus zwei

Ziegenhäuten gemacht, deren Röhren zusammenstoßen, ehe sie in

die Schmiede kommen und ein unaufhörliches und sehr regelmäßiges

Blasen unterhalten. Hammer, Zange und Amboß sind alle sehr einfach

und die Arbeit -- sonderlich in der Verfertigung von Messern und

Speeren -- ist nicht ohne alles Verdienst. Das Eisen ist in der

That hart und bröcklich und erfordert viel Arbeit, ehe man es

soweit tauglich machen kann, daß es dem Endzwecke entspricht.

»Die meisten afrikanischen Eisenschmiede sind auch mit der Art zu

schmelzen bekannt, in welchem Prozeß sie von einem alkalischen

Salze Gebrauch machen, welches man von der Lauge verbrannter

Maisstengel erhält, die man bis zum Trocknen hat verdunsten lassen.«

Die Metalle bei den Naturvölkern · 第 3 / 18 段