Zwischen 7° und 8° nördl. Br. und 28° und 29° östl. L. v. Gr.

wohnt das Volk der Djur. Ihr Land ist die unterste Terrasse des

eisenhaltigen ostafrikanischen Felsbodens; auf Hunderte von Meilen

ist dort der Raseneisenstein verbreitet, doch nur an einzelnen

Stellen sind die Brauneisensteinaggregate genügend zur Verhüttung

vorhanden. An der Hauptseriba Kurschuk Alis sah SCHWEINFURTH bei

einer solchen ausgiebigen Stelle ausgedehnte Gruben von drei

Meter Tiefe angelegt, aus welchen die Djur ein Material zu tage

förderten, welches der bei uns Rogenstein genannten Varietät am

meisten gleicht. Große Mengen von Eisenocker finden sich dazwischen

überall eingesprengt; diesen werfen die Djur weg, da sie ihn bei

ihrer Behandlungsmanier nicht zu verwerten wissen. Im März, kurz

vor Beginn der Aussaat, verlassen die Djur ihre Hütten, um teils

zum Fischfang an die Ufer der Flüsse zu ziehen, teils um sich

mit Erzschmelzen im Walde zu beschäftigen. Inmitten eines recht

holzreichen Platzes formt man die Schmelzöfen aus reiner Thonerde

und gruppiert sie nach der Zahl der sich beteiligenden Arbeiter bis

zu einem Dutzend hintereinander an schattigen, von Strauchhecken

und Dornumfriedigungen umgebenen Stellen. Das Ausschmelzen des

Erzes erfolgt mit Holzkohlen. Allein auf Kohlenbrennen verstehen

sich die Djur ebensowenig als die Bongo, weder wissen sie den Brand

unter Abschluß der Luft in Gruben, noch in regelrechten Meilern zu

bewerkstelligen; ihr ganzes Verfahren besteht darin, kleingehauene

Holzstücke schnell in Brand zu stecken und in vollen Flammen

auseinanderzuwerfen, bis das Feuer erstickt, oder sie dämpfen

das Feuer nur durch Aufgießen von Wasser; das werden dann die

Kohlen. »Mir ist nicht bekannt,« sagt SCHWEINFURTH, dem wir obige

Nachrichten über die Eisengewinnung der Djur verdanken, »ob andere

Negervölker hinter die Geheimnisse der Kohlenbrennerei gelangt

sind. Sollte das von den Djur gesagte für ganz Afrika gelten, so

könnte man hierin leicht eine Erklärung finden für die merkwürdige

Erscheinung, daß das Eisen trotz seiner ungeheuren Massenhaftigkeit

in Afrika bisher noch von keinem Volke daselbst im großen gewonnen

wurde. Allerdings fehlt es an Kalk, um steinerne Bauten aufführen

zu können.«[31] Wir werden jedoch weiter unten sehen, daß

regelrechte Meiler bei den Negern vorkommen.

[Illustration: Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach

SCHWEINFURTH.]

[Illustration: Fig. 4. Durchschnitt desselben. Nach SCHWEINFURTH.]

[Illustration: Fig. 5. Grundriß desselben. Nach SCHWEINFURTH.]

Fig. 5 zeigt den Grundriß des Schmelzofens der Djur mit vier

Zuglöchern zur Einfügung der Düsen, durch welche ein starker

Luftzug dem Boden des Ofens zugeführt wird. Vor der einen

Öffnung befindet sich die zur Ansammlung der Schlacken dienende

Grube. Fig. 4 zeigt den Ofen im Längsdurchschnitt mit der

becherförmigen Erweiterung am oberen Ende, welche zur Aufnahme des

feinzerstückelten Brauneisensteins dient, wie er in diesem Lande

massenhaft aller Orten zu tage gefördert zu werden vermag. Der

Schacht wird bis zur erweiterten Stelle mit Holzkohlen aufgefüllt

und von unten auf in Brand gesetzt. Zuletzt ist der Brand so

vollständig, daß man die Flamme hoch zur oberen Öffnung durch

die Erzmasse hindurch emporzüngeln sieht. Nach Verlauf von 40

Stunden beginnen die Eisenpartikelchen in tropfbarer Form durch

die glühende Kohlenmasse hindurchzusickern, um sich in der Grube

auf dem Boden des Gestelles zu sammeln. Die Masse wird aus einer

der Düsenöffnungen hervorgeholt und später durch wiederholtes

Hämmern mit Steinen und wiederholtes Erhitzen im Feuer im

Schmiedeofen in dem Grade von jeder Mineralbeimengung gereinigt,

bis alle Eisentropfen zu einer homogenen Masse zusammengeschweißt

erscheinen, woraus ein vorzügliches Schmiedeeisen erzielt werden

kann. Dieser thönerne Schmelzofen ist 1,3 m hoch und heißt Tundsch

(Fig. 3). Die einzelne Düse wird Atschu genannt.[32] PETHERICK,

der den Prozeß in gleicher Weise schildert, fügt hinzu, daß die

Schlacken noch gepocht und durch Waschen daraus die kleinen

Eisenkügelchen gewonnen werden. In einem Schmelztiegel werden sie

dann im Schmiedefeuer zusammengeschmolzen.[33]

Südliche Nachbarn der Djur sind die Bongo oder Dor, bei denen die

Eisenindustrie noch höher als bei jenen entwickelt ist. Ihre ganze

Kunstfertigkeit konzentriert sich auf die Gewinnung und Bearbeitung

dieses wichtigen Metalles, dessen Besitz ihnen eine gewisse

Überlegenheit über die nicht Eisen erzeugenden Dinka erteilt zu

haben scheint. Wenn die Feldgeschäfte beendigt sind, betreiben die

Bongo Eisenindustrie. Erzreicher Boden findet sich im ganzen Lande;

die Eisenarbeiter suchen vornehmlich diejenigen losen Eisenthone

auf, welche durch Hochwasser etwas gereinigt und in muldenartigen

Vertiefungen mit Humus und Thon angeschwemmt vorkommen. Diese haben

auch die zweckdienlichste Form, da es meist Körner von Eigröße bis

zu der einer Bohne sind.[34] Die Öfen der Bongo, welche sie zur

Ausbringung der Eisenerze benutzen, sind von zweierlei Art; die

eine schildert uns SCHWEINFURTH, die andere TH. V. HEUGLIN.

[Illustration: Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach

SCHWEINFURTH.]

[Illustration: Fig. 7. Grundriß desselben.]

SCHWEINFURTH schreibt: »Bei den Bongo heißt der thönerne, zur

Gewinnung des Eisens dienende Schmelzofen Berr; er ist nur 1,5

bis 1,7 m hoch und ganz aus Thon; denn zu mauern verstehen diese

Völker nicht, auch gebricht es ihnen hierzu an Kalk. Fig. 6

zeigt einen Längsdurchschnitt durch den in Gestalt einer Glocke

aufgeführten Schmelzofen. Im Innern desselben nimmt man drei

Abteilungen wahr, von denen die mittelste zur Aufnahme von

Eisenmineral und Holzkohle in abwechselnder Schichtung bestimmt

ist, die obere und die untere Abteilung dagegen mit reiner Kohle

gefüllt werden. Von der untersten, das Gestell darstellenden

Zelle ist die mittlere durch eine ringartige Verdickung an der

Innenwandung des Ofens abgegrenzt, letztere dient als Rast. Die

oberste kugelrunde Zelle steht mit der mittleren nur durch eine

zur Vermehrung des Luftzuges sehr verengte Öffnung in Verbindung.

Am Fuße des Ofens sind vier Öffnungen angebracht, durch welche die

Düsen eingeführt werden; eine fünfte ist nach Belieben mit Thon

zu verschmieren, um durch sie die in der Bodengrube angesammelten

Schlacken herauszuschaffen.« Fig. 7 zeigt den Ofen im Grundriß;

die vier eingesetzten Düsenrohre werden mit ebenso vielen

Blasebälgen in Verbindung gesetzt, um einen sehr starken, den

Verbrennungsprozeß beschleunigenden Luftdurchzug durch den Ofen zu

treiben. Das Gebläse, Borro, Fig. 8, besteht aus zwei mit Häuten

überspannten Thongefäßen. Die in den nebeneinander gestellten

Gefäßen befindliche Luft wird durch das Niederdrücken der über

ihre obere Öffnung gespannten Häute hinausgestoßen und in dem

röhrenförmigen Gefäße zu einem Strom vereinigt. Die Vereinigung der

beiden alternierenden Luftströme soll dem Mangel einer Ventilklappe

abhelfen, welche Einrichtung den Negervölkern unbekannt geblieben

ist.

[Illustration: Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach

SCHWEINFURTH.]

Gewöhnlich bedienen sich die Bongoschmiede als Ambos sowohl als

auch als Hammer eines glatten Gneis-Steines oder Kiesels. Zuweilen

dient statt deren ein viereckiger 0,2 m langer Eisenblock. In

jedem Falle ist die sehnige Hand des Negers der einzige Stiel

dieses plumpen Werkzeuges. Als Zange dient, wie Fig. 9 zeigt,

ein gespaltenes Stück grünen Holzes, das durch einen Ring

zusammengehalten wird. Dasselbe ermöglicht das Hervorholen der

rotglühenden Masse aus dem Schmiedefeuer und das Festhalten

derselben während des Hämmerns. Abgesehen von kleinen Meißeln,

zur Hervorbringung feinerer Stacheln und Widerhaken, fehlen den

Bongoschmieden andere Werkzeuge. Ihre mit zahlreichen Stacheln

und Widerhaken versehenen Lanzen (Fig. 10) erregten SCHWEINFURTHs

höchste Bewunderung. »Kein anderes Erzeugnis centralafrikanischer

Eisenarbeit kann diesen Meisterwerken an die Seite gestellt

werden.«[35]

[Illustration: Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH.]

[Illustration: Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH.]

HEUGLIN[36] schildert einen einfacheren Ofen, welcher mehr jenem

der Djur entspricht, aber ohne die kelchartige obere Ausbauchung

derselben. Man gräbt in die Erde ein Loch von 2/3 bis 1 m Tiefe

und 2/3 m Durchmesser, kleidet es mit Thon aus und läßt diesen

vollkommen trocknen. Dann füllt der Schmied die Grube mit Kohle

aus hartem Holz, welche er auch in Thongruben gebrannt hat,

und giebt obenauf einen Satz gut gereinigtes Erz ohne weiteren

Zuschlag von Kalk oder Quarz, welche Gesteine hier überhaupt gar

nicht vorkommen. Über den Herd, wenn man die Grube so nennen kann,

stellt man eine trichterförmige 1-2 m hohe Esse, gleichfalls von

gebranntem Thon. In den Herd führen überdies vier bis sechs schräg

angebrachte Öffnungen, in welche ebenso viele thönerne Röhren oder

Düsen eingeführt werden. Ist die Esse gehörig auf den Herd gepaßt,

sind die Fugen mit Thon verstrichen und letzterer abgetrocknet, so

giebt man von unten Feuer. Auf jedem Düsenrohr ist ein lederner

Sack befestigt, welcher als Blasebalg dient und beständig mit

der Hand oder mittels eines kleinen Stockes aufgezogen und

zusammengedrückt wird. Der Satz geht binnen weniger als einer

Stunde nieder und auf dem Grund des Ofens bleibt ein durch

Schlacken etwas verunreinigtes, stahlartiges Schmiedeeisen, welches

dann auf einem steinernen oder eisernen Ambos ausgehämmert und zu

runden Platten (Melót) oder zu Lanzen verarbeitet wird. Häufig ist

dieses Produkt aber noch nicht gar und rein genug und enthält noch

zu viel Kohlenstoff. In diesem Falle und überhaupt, wenn etwas

feinere Ware dargestellt werden soll, muß ersteres noch eine Art

Frischprozeß durchmachen. Dieses geschieht wieder in einer Grube,

die jedoch kleiner und flacher ist, als die, in welcher geschmolzen

wurde, auch fehlt hier die Esse. In diesen Frischherd münden zwei

sich gegenüberliegende Doppeldüsen, welche auch etwas Steigung

nach der Mitte des Herdes haben. Das zu reinigende Eisen liegt, in

Kohlen eingehüllt, im Herd und nun wird wieder gefeuert und mit

Handblasebälgen beständig Wind gegeben, bis die nötige Entkohlung

stattfindet und das Eisen zu schweißen beginnt. Die Eisenmenge,

welche durch einen Satz gewonnen wird, beträgt nicht über einige

Pfund, das Erz dürfte kaum 15-18% Metall enthalten. Das Erzeugnis

selbst ist gerne rotbrüchig, die Arbeit trotzdem jedoch sauber.

~Eisenindustrie in Centralafrika.~ Noch südlicher, zwischen

3° und 4° nördl. Br., wohnen die Monbuttu, das kunstfertigste

centralafrikanische Volk. Da sie Bewohner derselben roten Eisenerde

sind, welche sich vom Gazellenflusse aus über einen großen Teil von

Centralafrika zu erstrecken scheint, so nimmt das Schmiedehandwerk

unter ihren Kunstfertigkeiten eine hervorragende Stellung ein und

sie übertreffen darin alle übrigen Völker des von SCHWEINFURTH

bereisten Gebietes. Die Gewinnung des Materiales, die ventillosen

Blasebälge sind so, wie sie eben bei Djur und Bongo geschildert

wurden. Statt der Häute aber, welche die Thongefäße der Blasebälge

zum Luftpumpen abschließen, bedecken sie dieselben mit abgebrühtem

Bananenlaub, welches durch derartige Behandlung mit heißem Wasser

eine seidenartige Geschmeidigkeit annimmt. Kneifzange, Feilen und

Hämmer fehlen auch bei ihnen, doch haben sie statt des steinernen

einen eisernen Ambos. Um die geschmiedeten Waffen zu wetzen und zu

schärfen, bedienen sie sich eines feinkörnigen Sandsteines oder

einer Gneisplatte. Faustgroße Eisenklumpen bilden das Rohmaterial,

aus welchem der Künstler seine Waffen formt. »Ihre Geschicklichkeit

ist bewundernswürdig und ihre Gewandtheit, in kürzester Frist aus

solchen Klumpen Spaten und Lanzen zu formen, ohne Beispiel. Das

Meisterstück des Monbuttuschmiedes sind die feinen Eisenketten, die

als Schmuck getragen werden und welche, was Formvollendung und

Feinheit anbelangt, mit unseren besten Stahlketten konkurrieren

können. Der Prozeß des Stählens ist ihnen natürlich unbekannt und

die Härtung wird durch fortgesetztes Hämmern erzielt.«[37]

Im äquatorialen Centralafrika wiederholt sich der Eisenreichtum

und die kunstfertige Verarbeitung dieses nützlichen Metalles in

gleicher Weise, wie bei den oben in Betracht gezogenen Völkern. In

Uganda, dem Reich des Königs Mtesa, ist die Eisengewinnung samt den

nötigen Apparaten dieselbe, wie bei den eben erwähnten Nilvölkern,

doch sind von Sansibar aus hier bereits eiserne Hämmer, Zangen und

Feilen (durch die Araber) in das Land gebracht worden.[38] Schnell

greifen in Uganda, das zuerst vor 20 Jahren durch SPEKE bekannt

wurde, europäische Methoden um sich und die Waganda verstehen es

jetzt schon, Flintschloß- in Perkussionsgewehre zu verändern und

Patronenhülsen aus Messing zu gießen.[39] In der Rüstkammer des

Königs Rumanika von Karagwé, im Westen des Victoriasees, fand

STANLEY »eiserne Streitäxte von wirklich bewundernswerter Arbeit,

Speere mit doppelten Klingen, mehrere gewaltig große Klingen

mit außerordentlich scharfer Schneide, 19 cm querüber und 42 cm

lang, vorzüglich gute Speere, einige mit Klingen und Schäften

von zusammengeschmiedetem Eisen, andere mit einem kettenförmigen

Schaft und andere mit Massen kleiner starrer und scharfer Ringe,

die unten an der Klinge und am Ende des Stabes kugelähnlich

zusammengeballt sind. Es waren ferner aufgestellt: große in Eisen

gefaßte Fliegenwedel, deren Griffe bewundernswerte Probestücke

einheimischer Kunst waren, massive Messer, den Hackemessern der

Fleischer ähnlich, mit polierten Klingen«.[40]

Im Lande Uregga am Kongo, unter dem Äquator, fand derselbe Reisende

eine hochentwickelte Eisenindustrie mitten im Urwalde. Ein

Schmelzofen war errichtet und dabei eine Schmiede, in welcher etwa

ein Dutzend Leute arbeiteten. Das Eisenerz ist sehr rein. »Hier

sah ich die Speere von Süd-Uregga mit breiter Klinge und ebenfalls

breite Messer von allen Größen, vom kleinen, drei Centimeter langen

Taschenmesser an bis zum schweren, einem altrömischen Schwerte

ähnlichen Hackmesser.« Der Schmelzofen aus Lehm, die Blasebälge,

deren »Brausen man fast eine halbe englische Meile weit hört«,

die thönernen Düsen, das alles ist ungefähr so, wie auch weiter

oben geschildert. Dicht neben dem Schmelzofen standen aus Matten

verfertigte Säcke mit Holzkohle aufgeschichtet und dabei ein paar

Knaben, welche das Feuerungsmaterial herbeitrugen; ungefähr 2 m

weiterhin war eine kleine Schmiede hergerichtet, wo das Eisen

zu Hämmern, Beilen, Streitäxten, Spießen, Messern, Schwertern,

Draht, eisernen Kugeln mit Spitzen, Bein- und Armbändern, eisernen

Knöpfchen, Perlen etc. geformt wurde. »Die Kunst dieser Schmiede

steht in diesen Wäldern, wenn man die Abgeschiedenheit der Bewohner

in Betracht zieht, auf einer hohen Stufe der Ausbildung. Die Leute

zeigen viel durch Überlieferung fortgepflanzte Fertigkeit.«[41] Und

so ähnlich den Kongo weiter abwärts, wie aus verschiedenen Stellen

bei STANLEY ersichtlich.

In den südlich vom Kongo gelegenen Landschaften und an den

Zuflüssen dieses Riesenstromes finden wir gleichfalls eine rege

Eisengewinnung und Verarbeitung. Von Manjema sagt der Reisende

CAMERON: »_In fact this country may be called >the black country<

of Africa. I have seen foundries 50 feet long by 30 feet wide. As

many as twenty bellows are worked at one time and 150 to 200 pounds

of metal are frequently obtained in one smelting._«[42]

Das Erz wird in diesen Gegenden aus tiefen Gruben gewonnen und

ist »eine Art Hämatit«. Zerstörte alte Schmelzwerke trifft man

vielfach.[43]

Was die Einrichtung der Hütten, die Gebläse und die Schmiedearbeit

in Manjema betrifft, so gebe ich hier CAMERON's Bericht vollständig

wieder: »Jedes dieser Dörfer,« sagt er, »besaß zwei oder drei

Schmelzhütten bis zu 9 m lang und 6 m breit, mit niedrigen Mauern

und sehr hohem Dache, in der Mitte mit einer Grube von 1,5 m

Breite, 1 m Tiefe und 5,5 m Länge, an dem einen Ende etwas flacher

als am anderen und mit einem quer über letzterem, etwa 2 m von

dem flachen Ende stehenden thönernen Ofen von 1 m im Durchmesser.

Die kleinere von den beiden Abteilungen der Grube diente als

Feuerstatt, die andere als Reservoir, in welches das Erz und die

Schlacken abflossen, während kleine Abteilungen um den Rand herum

Holzkohlen und Eisenerze enthielten. Um Luftzug hervorzubringen,

wird oft ein Dutzend Paar Blasebälge gleichzeitig in Thätigkeit

gesetzt; sie bestehen aus zwei vertikal nebeneinander laufenden

Holzcylindern mit Ventilen, die alle in ein einziges, vor der

Einwirkung des Feuers durch einen Lehmüberzug geschütztes Blaserohr

münden. Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt und mit einer in der

Mitte befestigten 80 cm langen Stange versehen; ihre Thätigkeit

wird dadurch bewirkt, daß man, mit jeder Hand eine der beiden

Stangen erfassend, diese abwechselnd so schnell als möglich auf

und ab bewegt. Auf diese Weise erzeugt man einen ausreichenden und

beständigen Luftstrom.«[44]

Da ich das CAMERONsche Originalwerk nicht besitze, vermag ich

die Übersetzung an dieser Stelle nicht zu controllieren. Höchst

auffallend ist die Erwähnung von »Ventilen«, die sonst in ganz

Afrika nicht vorkommen und die durch Entlehnung wohl schwerlich

nach dem so abgelegenen, erst neuerdings von Europäern entdeckten

und besuchten Lande (LIVINGSTONE 1871, CAMERON 1874, STANLEY 1876,

WISSMANN und POGGE 1881) gelangt sein können. Ich bin geneigt,

hier ein Versehen anzunehmen. Wenn es ferner bei CAMERON heißt:

»Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt«, so müssen darunter die

elastischen Häute verstanden werden, mit welchen, wie anderwärts,

die Cylinder oben geschlossen sind.

Was das Schmiedeverfahren in Manjema betrifft, so wird das

erschmolzene Eisen in etwa 1 Kilo schwere Stücken gehämmert, welche

die Form von zwei, an ihrer Basis mit einander verbundenen Kugeln

haben und an deren beiden Enden ein Stift vom Umfang einer dicken

Stricknadel hervorragt. In solcher Gestalt kommt das Metall in den

Handel. Als Schmiedewerkstätten dienen offene kleine Schuppen. Die

Ambosse und die schweren Hämmer sind von Stein, die leichteren

Hämmer von Eisen; an jene ist ein Strick mit zwei Schlingen

befestigt, durch welche sie gehandhabt werden; die eisernen Hämmer

aber haben gar keinen Stiel, sondern werden einfach mit der Hand

gepackt.[45]

Weiter im südlichen Kongobecken ist Urua ein Eisenland, wo

CAMERON häufig »rauchende Kohlenmeiler« und bei einigen Dörfern

Eisenschmelzen sah, die er nicht näher schildert. Das Erz wurde aus

5-9 m tiefen Gruben gefördert.[46]

Südwestlich von Urua ist Lovale, ein anderes centralafrikanisches

Eisenland, zwischen 11° und 12° südl. Br. und 20° und 21° östl. L.

v. Gr. CAMERON sah dort »einen Schmelzofen von merkwürdiger Form«,

die er leider nicht näher schildert. Das Erz findet sich in großen

Klumpen auf dem Grunde der Flüsse, von wo man es gegen Ende der

trockenen Jahreszeit mit Schleppnetzen herausholt.[47]

Von Lunda, dem angrenzenden Reiche des Muata Jamwo, erzählt uns

POGGE, daß das Eisen dort vielfach aus Kioko (weiter westlich

gelegen) eingeführt, aber auch im Lande selbst gewonnen wird. Außer

Eisen, Kupfer und dem von der Westküste kommenden Messingdraht sind

keine Metalle im Lande bekannt. Das Schmiedehandwerk in Mussumba,

der Hauptstadt Muata Jamwos, befindet sich vielfach in den Händen

eingewanderter Kiokoschmiede.[48] OTTO SCHÜTT ist bei den berühmten

Eisenerzgruben der Kioko vorbeigekommen; sie liegen am Bache

Cavemba, einem Nebengewässer des Kuilu, etwa unter 20° 25´ östl. L.

und 10° südl. Br. v. Gr., also westlich von Kimbundo. Ein dem Dorfe

Camba Humbo gegenüber befindlicher Riß enthält die Grube. Die Neger

gewinnen die aus dem Boden ragenden Blöcke oder die fast zu tage

tretenden Stücke, also auch hier wohl Raseneisensteine. Die Hütte

soll ein mehr als primitiver Frischofen sein.[49]

Daß auch in den Kimbundaländern Eisen nicht fehlt, sehen wir aus

der Notiz bei LADISLAUS MAGYAR, daß bei Kibala und Ganda dasselbe

in guter Qualität vorkommt.[50]

Im östlichen Teile des portugiesischen Westafrika und in den

Landschaften am oberen Sambesistrome nebst dessen Zuflüssen haben

wir die Nachrichten SERPA PINTOs, welche uns beweisen, daß auch

dort eine ausgedehnte heimische Eisenindustrie angesessen ist. Die

Hüttenleute der Ganguellas (Gonzellos), südlich von Bihé, wandern

in den »kalten« Monaten Juni und Juli nach den Eisenminen und

schlagen dort ausgedehnte Lager auf. Um das Erz zu gewinnen, graben

sie Schachte von 3-3,5 m Durchmesser, nie aber tiefer als 1,5-2 m,

»höchstwahrscheinlich, weil sie kein Mittel besitzen, das Erz höher

zu heben«. Sobald sie genügend Erz zu tage gefördert haben, um für

die Arbeit des ganzen Jahres genug zu haben, beginnen sie das Eisen

auszuschmelzen. Dieses geschieht in nicht sehr tiefen Löchern,

in denen das Erz mit Holzkohle vermischt und die Temperatur

vermittels ihres primitiven Blasebalges erhöht wird, der aus zwei

30 cm breiten und 9 cm tief ausgehöhlten Holzcylindern besteht,

über welchen je ein Stück gegerbtes Ziegenfell angebracht und an

denen je ein 50 cm langer und 1 cm dicker Handgriff befestigt ist.

Der Luftstrom wird durch zwei Holzröhren in eine thönerne Düse

geleitet. Das gewonnene Eisen wird in Schaufeln, Kriegsbeile,

Pfeilspitzen, Assagais, Nägel, Messer und Kugeln für Feuerwaffen

umgewandelt, »ja sie fertigen gelegentlich selbst Feuerwaffen an,

wobei sie das Eisen mit Ochsenfett und Salz weich machen«. Sobald

das Metall in Handelsartikel umgewandelt ist, kehren die Arbeiter

mit diesen Gegenständen beladen wieder nach Hause zurück.[51]

So ist es auch bei den Luchazes zwischen 12° und 13° südl. Br. und

unter 18° östl. L. v. Gr. und bei den Luinas am oberen Zambesi.[52]

~Eisenindustrie in Ostafrika.~ Durch Ostafrika, zwischen den großen

Seen und dem Indischen Ozean, ist das Eisen in gleicher Menge wie

im Gazellenflußgebiete verbreitet, doch steht die Industrie hier

keineswegs auf der hohen Stufe wie dort. THOMSON giebt an, daß

das Erz in Ostafrika, welches verarbeitet wird, nicht in Lagern,

Adern oder Gruben vorkommt; er fand es nur in einzelnen Klumpen im

Boden oder kleine Mengen Raseneisenerz. Reichlich war letzteres

namentlich bei Muluchuchu, zwischen dem Nyassa- und Tanganjikasee,

vorhanden. »Alles im östlichen Centralafrika von den Schwarzen

erschmolzene Eisen stammt aus solcher Sumpferzquelle.«[53] Nach R.

BURTON ist auf der Route Sansibar-Tanganjikasee das Eisenerz unter

dem Namen Utundwe oder Gangue bekannt; es wird an den Flanken der

niedrigen Sandsteinhügel in Klumpen und Knollen aus metertiefen

Löchern ergraben.[54]

Anders liegen die Verhältnisse im Ugonogebirge südlich vom

Kilimandscharo, der Heimat eines vortrefflichen Eisens, welches

durch einen großen Teil von Ostafrika verbreitet ist und »höher

geschätzt wird, als das beste schwedische«. Gewonnen wird es

namentlich in dem Landstriche Usanga und zwar aus Eisensand,

der magnetischer Natur zu sein scheint. Man wäscht ihn aus den

Bächen und V. D. DECKEN glaubt, daß er aus der Zersetzung eines

eisenglimmerhaltigen Gneises entstanden sei.[55]

Die Metalle bei den Naturvölkern · 第 2 / 18 段