Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt 128. -- Verwendun

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DIE METALLE

BEI DEN NATURVÖLKERN

MIT BERÜCKSICHTIGUNG

PRÄHISTORISCHER VERHÄLTNISSE

VON

RICHARD ANDREE.

MIT 57 ABBILDUNGEN IM TEXT.

[Illustration: Dekoration]

LEIPZIG,

VERLAG VON VEIT & COMP.

1884.

Das Recht der Herausgabe von Übersetzungen vorbehalten.

Druck von ~Metzger~ & ~Wittig~ in Leipzig.

Vorwort und Einleitung.

Die Darstellung und Benutzung der Metalle bei den sogenannten

Naturvölkern ist noch nicht im Zusammenhange und mit Rücksicht

auf den Vergleich behandelt worden. Und doch bietet dieses Thema

nicht allein vom ethnographischen und allgemein kulturhistorischen

Standpunkte aus ein hohes Interesse; auch bei der Beurteilung

prähistorischer Fragen ist es von Wichtigkeit zu wissen, wie

die primitiven Völker zur Kenntnis der Metalle gelangen, wie

sie dieselben erschmelzen und benutzen, denn hier eröffnet sich

die Aussicht, auf dem Wege der Analogie wertvolle Ergebnisse zu

gewinnen.

Wie bei so vielen ethnographischen Dingen, ist es auch auf diesem

Gebiete die höchste Zeit, zu sammeln und zu retten, was noch

vorhanden ist. Europäische und amerikanische Metalle dringen

bei erleichtertem Verkehr bis in die fernsten Erdenwinkel und

vernichten altheimische Industrien der Naturvölker. Schon erlegt

der centralafrikanische Schwarze den Elefanten mit dem Hinterlader

und die weltberühmten Damaszenerklingen von Schiras und Meschhed

in Persien werden nur noch aus russischem Eisen geschmiedet. Die

einheimische Metallindustrie der meisten Naturvölker ist auf

den Aussterbestand gesetzt, sie ist den billigeren und besseren

europäischen Erzeugnissen gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig, die

letzte Stunde naht für sie und noch, so fürchten wir, ist manche

wichtige Thatsache nicht eingeheimst, die uns Aufschluß zu geben

vermöchte über das ursprüngliche Verfahren in diesem oder jenem

Zweige der Metalltechnik. Von den Reisenden, auf deren Berichte

wir zum großen Teile angewiesen sind, ist im allgemeinen wenig

Aufmerksamkeit dem uns hier interessierenden Gegenstande zugewendet

worden, einmal, weil die hüttenmännische Einsicht den meisten

mangelt und dann, weil die Wichtigkeit der Sache für prähistorische

Fragen erst neuerdings erkannt wurde, zumal seit CHRISTIAN HOSTMANN

in seiner vernichtenden Kritik der Dreiperiodenteilung mit Erfolg

auf die Bedeutung der Metallurgie bei den Naturvölkern hinwies.

Wenige Ausnahmen abgerechnet, unter denen einer der genialsten

Reisenden der Gegenwart, GEORG SCHWEINFURTH, hervorragt, sind

wir meist auf dürftige Berichte angewiesen, die uns das Bild der

Darstellung und Benutzung der Metalle bei den Naturvölkern liefern

müssen. Wünschenswerte Ergänzungen bringen die in unseren Museen

aufgestapelten Schätze.

Sehr wohl ist der Verfasser sich bewußt gewesen, daß bei der

Behandlung der so weitschichtigen und in die verschiedensten

Wissensgebiete eingreifenden Aufgabe eigentlich nur mit vereinten

Kräften etwas vollständiges zu erreichen ist und daß ein einzelner

hier nicht zum Abschluß gelangen kann. Geognosie und Geographie,

Ethnographie, Hüttenkunde, Chemie, Prähistorie und Linguistik

-- alle diese Wissenschaften verlangen Berücksichtigung bei der

Bearbeitung unseres Themas, und wo wäre der Mann, der von sich

sagen dürfte, er beherrsche sie gleichmäßig? Da wird jeder nach

seinem Wissensstandpunkte auf Lücken stoßen. Aber doch mußte der

Anfang gemacht und das Gebäude wenigstens aus dem Rohen heraus

gestaltet werden. So gebe ich denn, was ich fand, als Beiträge,

Stoff und Grundlage für den weiteren Ausbau.

Der europäische und der semitische Kulturkreis sind in der

vorliegenden Arbeit ausgeschlossen. Was die Metalle innerhalb

derselben betrifft, so haben so zahlreiche Gelehrte sich damit

beschäftigt und die interessierenden Fragen der Lösung nahe

gebracht, daß auch nicht einmal von einer Rekapitulation die Rede

sein konnte; auch wird sich im Verlaufe der Darstellung zeigen, daß

die Einwirkung jener wichtigsten Kulturkreise unserer Erde auf die

Metallindustrie der Naturvölker eine kaum nennenswerte war, ja,

daß die letzteren, bis auf die neue, umgestaltende Zeit, fast ganz

unberührt von jenen blieben. Dagegen war es des Vergleiches wegen

geboten, die ostasiatischen und amerikanischen Kulturvölker in die

Betrachtung einzubeziehen und zu fragen, ob sie von Einfluß auf die

Metallurgie benachbarter Naturvölker waren: aber auch jene zeigen

in bezug auf die Metalle abgeschlossene Reiche mit geringen oder

gar keinen Ausstrahlungen auf die Nachbarn.

Die Metalle, welche wesentlich ins Auge zu fassen waren, sind

Eisen, Kupfer, Zinn und die Legierung aus den beiden letzteren,

die Bronze. Um diese drehen sich wichtige wissenschaftliche

Streitfragen, sie sind es, die in kultureller Beziehung vor

allen anderen in Betracht kommen, während die edlen Metalle eine

geringere Rolle spielen, auch bei ihnen sich noch kein Streit

um »Entlehnung der Kenntnis« erhoben hat, ihr Vorkommen im

augenfälligen gediegenen Zustande einen solchen auch unnötig machte.

Geographisch vorschreitend, beginne ich den Rundgang mit den

alten Ägyptern, denen neben der Bronze in den ältesten Zeiten

zweifellos das Eisen bekannt war. Daß von ihnen die Eisenkenntnis

zu den benachbarten Nigritiern gelangte, läßt sich keineswegs

mit Bestimmtheit behaupten, eher neige ich der Ansicht zu,

daß die Eisenbearbeitung ein durchaus ursprüngliches Gewerbe

der Neger ist, die ein »Eisenreich« für sich bilden, von so

ausgeprägter Entwickelung, daß neuerdings ein durch wenig Kritik

ausgezeichneter Kopf alle Eisenindustrie von den Schwarzen

abzuleiten versucht.[1] In Afrika folgte das Eisen direkt auf den

Stein und zwar entwickelte sich die Eisendarstellung im Nordosten

oder in Centralafrika, von wo sie erst spät nach dem Süden

gelangte. Kupfer, wiewohl es auch von den Negern erschmolzen wird,

ist nur auf wenige Gebiete beschränkt, von denen aus es auf dem

Handelswege verbreitet wird. Es ist höchstens gleichalterig mit dem

Eisen bei den Nigritiern, und von einer dem Eisen vorangehenden

»Kupferperiode«, geschweige denn von einer »Bronzeperiode« kann in

Afrika keine Rede sein.

Vorderindien bietet ein abgeschlossenes Reich für sich. Auch hier

ist eine Steinzeit nachweisbar und eine Einführung der Metalle

von außen her nicht zu erkennen. Daß Vorderindien das Stammland

aller Bronze gewesen sein soll (WORSAAE), erweist sich als eine

willkürliche Annahme. Alte Bronzen gehören dort zu den größten

Seltenheiten; sie sind von ganz anderer Zusammensetzung als

unsere Bronzen und kommen zusammen mit Eisen vor. Vorderindien

war in alter Zeit kein »Bronzeland«, es bezog selbst im Altertum

sein Zinn aus dem fernen Abendlande, denn die reichen und näher

liegenden hinterindischen Zinnvorkommnisse waren damals wohl noch

kaum erschlossen. Dagegen deuten häufige alte Kupferfunde auf das

hohe Alter dieses Metalles in Indien, das heute dort, ebenso wie

das Eisen, noch nach uralter Art erschmolzen wird nach Methoden,

die in mancher Beziehung an jene der Nigritier erinnern, ohne daß

dabei an Entlehnung gedacht zu werden braucht. Ob Eisen, ob Kupfer

das ältere Metall in Vorderindien war -- wer vermag das heute mit

Sicherheit zu entscheiden? Zwar spricht sich die vergleichende

Sprachforschung zu Gunsten des Kupfers aus, aber die Sicherheit

ihrer Entscheidung läßt manches zu wünschen übrig. Als ein Ausfluß

der indischen Metallarbeit ragen in unser europäisches Kulturleben

die konservativen Zigeunerschmiede hinein mit uralten Methoden

und Instrumenten; ihnen ist eine besondere Betrachtung gewidmet,

welche allerdings von des sonst verdienten BATAILLARD's Phantasien,

daß nämlich die Zigeuner die Verbreiter der alten Bronzekultur in

Europa waren, nichts wissen mag.

Abermals ein selbständiges metallurgisches Reich bilden die

malayischen Völker. Ihr wohlcharakterisiertes, seit uralter Zeit

bei ihnen heimisches Verfahren der Eisenbereitung reicht von

Madagaskar bis Neuguinea und im Norden bis zu den Philippinen.

Eisen ist ihr ältestes Metall. Kupfer, das sie gleichfalls, aber

weniger darstellen, erscheint später und ebenso die Bronze.

Hinterindien, von wo die uns angehenden Nachrichten spärlich

fließen und wo das Studium der Metalle bei den hochinteressanten

Aboriginern des Innern eine dankbare Aufgabe bilden würde,

tritt uns mit prähistorischen Zeugen der jüngeren Steinzeit

in Gesellschaft von Bronzen entgegen und deutet durch die

Verschiedenartigkeit der Methoden, nach denen seine Urvölker (in

Kambodja und Birma) das Eisen gewinnen, auf eine selbständige

und ursprüngliche Darstellung desselben, ohne erkennbare fremde

Einflüsse.

Für das in seiner Kultur völlig isoliert dastehende China wird

bereits vor 3500 Jahren eine hochentwickelte Bronzeindustrie

bezeugt und Sinologen sind geneigt, der Bronze dort die Priorität

vor dem Eisen zuzuerkennen -- ob aber nicht unter dem Einflusse

skandinavischer Anschauungen? Eisen ist in der älteren chinesischen

Litteratur neben Zinn und Kupfer gleichfalls ein durchaus bekanntes

Metall und die chinesische Eisendarstellung erscheint uns noch

jetzt als eine ganz eigentümliche, von der aller übrigen Völker

völlig geschiedene und selbständige. Daß aber die Chinesen, die in

so vielen Dingen die Lehrmeister der Japaner gewesen, letzteren

auch die Eisenkenntnis übermittelt haben sollten, läßt sich kaum

annehmen: denn Japan zeigt in dieser Richtung ein ganz anderes

Verfahren als China, nämlich die Eisenschmelzung in Öfen, während

China bis zum heutigen Tage nur in kleinen Schmelztiegeln sein

Eisen gewinnt. Für China sind die prähistorischen Verhältnisse

noch wenig oder gar nicht studiert, wiewohl wir wissen, daß auch

dieses Land seine Steinzeit hatte; in Japan aber, wo Europäer

einflußreich wirken und Gelegenheit zu Studien haben, erkannte man

die große Ähnlichkeit der dortigen vorgeschichtlichen Funde mit

jenen Europas, die Übereinstimmung der zugehauenen und polierten

Steingeräte, gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch in Japan

für älter als das Eisen anspricht.

Licht beginnt sich zu verbreiten über den Norden Asiens in

prähistorischer Zeit. Nicht alle sibirischen Völkerschaften

befanden sich, als die russischen Entdecker in das Land kamen,

im Zustande der Steinzeit; einzelne Stämme verstanden es

bereits, das Eisen zu reduzieren und zu schmieden, wohl als ein

Erbteil türkischer Völker, die, aus Centralasien kommend und als

Eroberer eindringend, die Eisenkunde mitbrachten. Aber lange

vor den eisenkundigen Türkvölkern hatten vom Ural bis zum Altai

finnische Stämme, die in der Tradition als »Tschuden« fortleben,

eifrig Bergbau und Metallschmelzerei betrieben. Kupfer war ihr

Hauptmetall, das sie zu schmelzen und gießen verstanden. Neben dem

Kupfer der Tschuden und dem Eisen der Türken erhielt sich aber im

fernen Osten der alten Welt, da, wo diese sich Amerika nähert,

die Steinzeit, welche erst den erobernden Russen wich und bei den

Tschuktschen in ihren letzten Ausläufern heute vor unseren Augen

dahinsiecht.

Nicht geleugnet kann werden die Einheit des Menschen in der alten

und neuen Welt. Aber die Differenzierung beider liegt so weit

zurück, daß von einer gemeinsamen Quelle ihrer beiderseitigen

Metallkenntnisse keine Rede sein kann. Oder, wenn man grundlos

diese Kenntnis von der alten nach der neuen Welt gelangen ließ,

warum dreht man, mit gleich gutem Grunde, die Sache nicht einmal

um und läßt die Inkaperuaner die Bronzelehrmeister der Asiaten

werden? Das gäbe doch Abwechselung. Auch in der neuen Welt zeigen

sich die »Metallreiche« unabhängig von einander. Eisen kannte

man im vorkolumbischen Amerika nicht, wenigstens kein künstlich

dargestelltes; aber Meteoreisen wurde wiederholt, so namentlich

von den Eskimos, benutzt und auf ähnlicher Stufe stand auch die

Anwendung des gediegenen Kupfers in Nordamerika. Es wird von

den Indianern wie weicher Stein verarbeitet und kennzeichnet

höchstens die Grenze zwischen Stein- und Metallzeit. Der große

Kulturfortschritt, die Erze mit Kohlen zu reduzieren und die

Metalle im Feuer zu behandeln, ist dreimal in Amerika gemacht

worden: in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber

selbständig und unabhängig von einander. In Mexiko war Kupfer

das Hauptmetall, seltener war Bronze und beide wurden noch

neben dem Stein benutzt, im ganzen auch, wie die spärlichen

Funde beweisen, nicht häufig. Weiter war man in bezug auf die

Bronze in Peru, wo umgekehrt die Kupfergeräte seltener sind.

Alle metallurgischen Arbeiten dieser amerikanischen Kulturvölker

wurden ohne Gebläse ausgeführt. Die Analysen der Bronzen

ergeben eine große Verschiedenheit in der Zusammensetzung und

keinerlei Übereinstimmung zwischen mexikanischen und peruanischen

Erzeugnissen.

In alle die hier aufgezählten Länder, den größeren Teil unserer

Erde, brauchten die Europäer nicht erst die Metalle zu bringen,

weil sie selbständig dort entdeckt und verarbeitet worden waren.

Das Eisen freilich haben sie in Amerika eingeführt; der Nordwesten

erhielt es ziemlich spät durch die Russen, in die übrigen Gebiete

hatten sich Spanier, Portugiesen und Briten geteilt. Den Peruanern

und Mexikanern war dasselbe nur »schwarzes Kupfer«. Metalllos war

die Südsee, deren zahlreiche Inselfluren sich über ein Gebiet von

hundert Längengraden erstrecken und wo zunächst die Spanier mit

der Verbreitung des Eisens begannen. Aber volle drei Jahrhunderte

hat hier der Prozeß der Metallverbreitung in Anspruch genommen,

denn erst das achte Jahrzehnt unseres Säkulums sah den Abschluß auf

Neuguinea, dessen Bewohner die letzten unseres Erdballes waren,

welche in die Metallkenntnis eingeführt wurden.

Überblicken wir alle Gebiete, die wir mit Rücksicht auf die

Metalle durchwandert haben, so vermögen wir wohl eine große

Abwechselung, nirgends aber die »gesetzmäßige Reihenfolge« von

Stein, Bronze, Eisen zu entdecken. Bei den Naturvölkern, die

wir jetzt in ihrem Verhalten zur Metalldarstellung zu übersehen

vermögen, ist kein Grund für die Anlegung einer solchen Zwangsjacke

vorhanden. Die thatsächlichen Verhältnisse lassen da nichts

Schablonenhaftes erkennen. Hat es doch schon an und für sich

wenig Wahrscheinlichkeit, daß alle Völker in den verschiedensten

Ländern und ganz unabhängig, ohne Verkehr mit einander, zu

derselben Reihenfolge in der Erfindung der Metalle gelangt sein

sollen: Kupfer, Zinn, Bronze, Eisen. Wir werden im Verlaufe der

Darstellung sehen, daß gediegenes Kupfer, wo es vorhanden, von

Naturvölkern im kalten Zustande zu Waffen und Geräten gehämmert

wird; auch metallisches Zinn ist durch zufälliges Ausschmelzen

bekannt geworden. Doch zur Mischung der beiden räumlich getrennten

und nur durch den Verkehr zusammengeführten Metalle, zu ihrem

kunstreichen Formen und Gießen gehört mehr, als im Durchschnitt

bei Naturvölkern verlangt werden kann. Die Bronzedarstellung ist

nicht so einfach und leicht, wie jene des Eisens, welches die

primitivsten Völker zu erschmelzen wissen, während Bronze stets mit

einem höheren Kulturgrad verknüpft ist. Daraus mag man sich die

Parallele für unsere europäischen Vorfahren ziehen, die in ihrem

primitiven Zustande sicher eher auf die Eisendarstellung, als auf

das Komponieren und Formen der Bronze verfielen.

Eine zweite Lehre, die wir aus dem Verhalten der Naturvölker

gegenüber den Metallen zu ziehen vermögen, betrifft die so

beliebten Entlehnungstheorien. Wieviel Mühe und Gelehrsamkeit

ist nicht aufgewendet worden, um die Metallkenntnis von einem

Mittelpunkt gleichsam konzentrisch ausgehen, sie durch ein Volk

zum anderen verbreiten zu lassen! Man braucht nur einmal die

verschiedenen nach und nach aufgestellten »Ursprungsquellen«

und »Lehrmeister« zusammenzustellen und man wird da auf eine

beträchtliche Anzahl Konkurrenten und auf die wunderlichsten

Widersprüche stoßen. Ich glaube, daß auf die Entlehnung und

das Übergehen der Metallkenntnis von einem Volke auf das

andere noch zuviel Gewicht gelegt wird und daß dadurch weit

schwierigere Verhältnisse künstlich geschaffen werden, als in der

That vorliegen. Ohne für viele Fälle das Entlehnen und Lernen

auszuschließen -- sie liegen zu häufig offenkundig zu Tage --,

meine ich doch, daß uns ein gesunder Polygenismus weiter bringt,

der die Metalle auch da erfunden sein läßt, wo sie in selbständiger

Weise uns entgegentreten.

~Leipzig~, im Februar 1884.

=Dr. R. Andree.=

Fußnoten:

[1] _Le fer, comme emploi industriel, est originaire d'Afrique.

En effet, c'est en Afrique seulement (!!) que nous rencontrons

des peuples sauvages, connaissant l'emploi du fer, sachant le

produire et travailler._ Dieser Satz des Herrn GABRIEL DE MORTILLET

(Bulletins de la soc. d'Anthropol. 1883. 562) zeigt wiederum die

große Oberflächlichkeit des bei uns noch ernst genommenen Mannes.

Inhalt.

Seite

~Vorwort und Einleitung.~

~Das Eisen bei den Nigritiern~ 1

Eisen den Altägyptern bekannt 1. -- Älteste ägyptische

Eisenfunde 1. -- Das Eisen in den Inschriften 2. --

Meteoreisen führt nicht zur Kenntnis des künstlichen

Eisens 2. -- Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von

Nord nach Süd 3. -- Kulturbeziehungen zwischen Negern und

Altägyptern 3. -- Altägyptische Blasebälge 4. -- Die Steinzeit

Afrikas 4. -- Historische Nachrichten über dieselbe 5. --

Traditionen aus derselben 6. -- Funde aus der Steinzeit 6.

-- Späte Eisenkenntnis in Südafrika 7. und auf Fernando Po

8. -- Eisenindustrie im Nilgebiete bei den Bari 8. -- Bei

den Djur 10. -- Schmelzöfen der Djur 11. -- Eisen bei den

Bongo 12. -- Eisenindustrie in Centralafrika 15. -- Bei den

Monbuttu 15. -- In Uganda 16. -- Am Kongo 16. -- Manjema,

das centralafrikanische Eisenland 17. -- Die Metalle in

Lunda 19. -- Bei den Ganguellas 19. -- Eisenindustrie in

Ostafrika 20. -- Die Raseneisenerze 20. -- Rohe Art der

Verhüttung in Ostafrika 21. -- Kunstfertige Schmiede und

Drahtziehen am Kilimandscharo 21. -- Eisengewinnung der

Waitumba 23. -- Eisenindustrie am Njassasee 24. -- Steinhämmer

25. -- Eisenmangel bei den Masai 25. -- Eisenindustrie

im äquatorialen Westafrika 26. -- Bei den Fan 26. --

Eisenindustrie in Nordwestafrika 27. -- Fremde Einflüsse in

diesem Teile des Kontinentes 27. -- Eisen als Geld 27. --

Eisen in Tibesti 28. -- In Bornu und Sokoto 29. -- In Futa

Djallon 29. -- Bei den Mandingo 30. -- Goldarbeiter der

Mandingo 32. -- Eisenindustrie in Südafrika 33. -- Mangelnde

Kenntnis bei den Buschmännern 33. -- Eisengewinnung der

Hottentotten 33. -- Eisenindustrie der Kaffern 34. -- Der

Marutse 35. -- Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie 35.

-- Uralte bodenständige Industrie 36. -- Das Rohmaterial, der

Laterit 37. -- Rösten der Erze, Zuschläge, Köhlerei 37. --

Arten des Ausbringens 38. -- Die Gebläse 38. -- Das Produkt

39. -- Die Schmiedearbeit 39. -- Fremde Einflüsse 40. --

Die Stellung der Schmiede in Afrika 40. -- Zauberkraft des

Eisens 41. -- Die europäische Parallele 43. -- Reste der alten

Eisendarstellung in Europa 44.

~Das Kupfer bei den Nigritiern~ 45

Vorkommen und Darstellung 45. -- Hofrat e Nahhas und seine

Kupferhütten 46. -- Das Katangakupfer 47. -- Weite Verbreitung

desselben 48. -- Kupfer am Binué, in Angola, Namaqualand und

Transvaal 48. -- Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege

49. -- Kupferlegierungen in Afrika 50. -- Die Bronze der

Ägypter 50. -- Alter derselben 50. -- Zinndarstellung bei den

Negern 51. -- Einfuhr von Messing 51. -- Bronzedarstellung bei

den Kaffern 52. -- Drahtziehen der Neger 53. -- Goldarbeiten

an der Goldküste 53. -- Formen und Gießen in Guinea 54. --

Priorität des Eisens 55. -- Kupferhandel 56. -- Gegenseitige

Wertstellung des Eisens und Kupfers 56.

~Das Kupfer in Vorderindien~ 58

Die Steinzeit in Vorderindien 58. -- Das Alter indischer

Bronzen 58. -- Die Quellen des Zinnhandels 59. -- Nur eine

Fundstätte von Zinn in Vorderindien 59. -- Vorderindien

bezog sein Zinn aus dem Abendlande 59. -- Zinn in Drangiana,

Chorassan 60. -- Seltenheit alter indischer Bronzen 61. --

Alte Kupfergeräte in Vorderindien 62. -- Bergbau auf Kupfer in

Indien 63. -- Die Kupferhütten von Chetri 64.

~Das Eisen in Vorderindien~ 66

Alte Eisenfunde in Vorderindien 66. -- Eisen aus den

megalithischen Denkmälern in Malabar 66. -- Die Tumuli von

Oapur 67. -- Ausgrabungen in den Barrows der Centralprovinzen

67. -- Gegenwärtige Eisenproduktion in Indien 69. -- Vorkommen

der Eisenerze 69. -- Verschiedene Schmelzmethoden 69. -- Der

Eisenhüttenbetrieb in Orissa 70. -- In Katak 72. -- In Alwar

72. -- In Firospur 73. -- In Kamaon 73. -- Eisenschmelzen der

Khasias 74. -- Eisendarstellung auf Ceylon 75. -- Priorität

des Kupfers oder Eisens in Indien 76. -- Sprachliche Gründe

für das höhere Alter des Kupfers 77. -- Der indische Stahl

(Wootz) 78. -- Alte Nachrichten über das Eisen 78. --

Eisenbenutzung auf den Andamanen 79.

~Die Zigeuner als Metallarbeiter~ 79

Indische Schmiede 79. -- Zigeunerschmiede 80. -- Schmelzöfen

der schottischen Zigeuner 81. -- Die Calderari 81. -- Die

Malkotsch 81. -- Bataillard's Ansichten über die Bronze 82. --

Die Zlotari oder Gelbgießer in Galizien 82. -- Ihre Bälge 83.

~Die Metallurgie der Malayen~ 84

Alter der Metallkenntnis bei den Malayen 84. -- Stellung

der Schmiede 85. -- Die malayischen Gebläse auf Sumatra 86.

-- Eisenschmelzen der Dajaks 87. -- Die Gebläse auf den

Philippinen und in Pegu 88. -- Schmiede der Igorroten 89. --

Schmiede auf Neuguinea 89. -- Malayisches Schmelzverfahren

und Gebläse auf Madagaskar 90. -- Kupfer bei den Malayen 91.

-- Kupferindustrie der Igorroten 92. -- Zinn bei den Malayen

95. -- Vorkommen der Zinnerze in Hinterindien 95. -- Alter der

Zinnkenntnis in Hinterindien 96. -- Zinngruben von Malakka 96.

-- Von Bangka 97.

~Die Metalle in Hinterindien~ 98

Die jüngere Steinzeit in Kambodja 98. -- Alte Bronzen in

Kambodja 98. -- Die Eisengewinnung der Cuois in Hinterindien

99. -- Eisenschmelzen in Birma 101.

~Die Metalle in China und Japan~ 103

Steinzeit in China 103. -- Alte Bronzen in China 104. --

Ting-Urnen 104. -- Shang-Vasen 105. -- Zusammensetzung der

chinesischen Bronzen 106. -- Alter der Bronze und des Eisens

in China 106. -- Die eiserne Pagode von Tai-ngan-fu 107. --

Gegenwärtige Eisenindustrie Chinas 107. -- Die Eisenschmelzen

von Schansi 108. -- Prähistorisches aus Japan 110. -- Die

Muschelhaufen von Omori 110. -- Japanische Steingeräte 111. --

Heutiger Bergbau der Japaner 111. -- Aufbereiten der Erze 112.

-- Eisenschmelzöfen in Japan 113. -- Verhältnis von Kupfer und

Eisen in Japan 114.

~Die Metalle im Norden Asiens~ 114

Die Ostjaken als Eisenschmelzer 114. -- Jakutische

Eisenindustrie 115. -- Steinzeit Sibiriens 116. -- Steinzeit

in Kamtschatka 117. -- Einführung des Eisens durch die Russen

117. -- Steinzeit und Eisen bei den Tschuktschen 118. -- Die

alten Tschudenbergbaue im Ural 119. -- Dergleichen im Altai

120. -- Wer waren die Tschuden? 121. -- Kurgane und alte

Gräber in Sibirien 122. -- Bronzefunde von Krasnojarsk 122.

-- Die Kurgane am oberen Jenisei 123. -- Jüngere und ältere

Gräber 124. -- Die Türkstämme führten das Eisen ein 126. --

Sprachliche Gründe dafür 127.

~Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen~ 128

Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt 128. -- Verwendung

von Meteoreisen bei den Eskimos 129.-- Meteoreisen in den

Mounds 132. -- Einführung des europäischen Eisens in Grönland

132. -- Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien 133.

-- Japanische Dschonken vom Kuro Siwo verschlagen 133. --

Der Tabak in Nordwestamerika durch die Russen eingeführt

134. -- Eiseneinführung in Unalaschka, am Nutkasunde,

in Britisch Kolumbia 134. -- Europäisches Eisen in

kalifornischen Indianergräbern 135. -- In Gräbern in Yukatan

136. -- Die Patagonier als Eisenarbeiter 136. -- Schmiede

in Nordwestamerika 137. -- Tradition der Tinné 137. --

Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern 137.

~Das Kupfer bei den Nordamerikanern~ 139

Kupfergerät der Eskimos 139. -- Der Kupferminenfluß 139. --

Kupfergeräte der Tinné 140. -- Der Athna oder Kupferfluß 140.

-- Die alten Kupferbergwerke am Oberen See 140. -- Verfall

derselben 141. -- Verbreitung der Kupfergeräte vom Oberen See

142. -- Funde in den Mounds 142. -- Beschaffenheit der alten

Kupfergeräte 144.

~Kupfer und Bronze in Mexiko~ 145

Die Bronzegebiete Amerikas 146. -- Kultur der Mexikaner 147.

-- Kupfergeräte der Mexikaner 148. -- Die Zinngruben von Tasco

150. -- Bronze der Mexikaner 150. -- Die Metalltechnik in

Mexiko 151. -- Bergbau in Mexiko 152. -- Kupfer in Nikaragua

153.

~Die Metalle bei den Chibchas~ 153

Isolierte Kultur der Chibchas 153. -- Gold- und Bronzeobjekte

der Chibchas 154. -- Goldarbeiten von Antioquia 154.

~Kupfer und Bronze in Peru~ 155

Metallgeräte der Inkaperuaner 156. -- Kupfer 156. --

Kupfergeräte in Chile 156. -- Analysen peruanischer

Bronzesachen 157. -- Die Bronzen von Chimu 158.

~Die Verbreitung des Eisens auf den Südseeinseln~ 160

Bekanntwerden der Insulaner mit dem Eisen 160. --

Wertschätzung desselben 160. -- Eisen auf Neuguinea 162.

-- Abschluß der Eisenverbreitung über den Globus 162.

-- Archaistische Formung der neuen Eisengeräte bei den

Naturvölkern 163 -- und in prähistorischer Zeit 164. --

Sprachliche Anpassung 164. -- Wirkungen des Eisens auf die

Ozeanier 165.

Verzeichnis der Abbildungen.

Seite

Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON 4

Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER 9

Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach SCHWEINFURTH 11

Fig. 4. Durchschnitt desselben 11

Fig. 5. Grundriß desselben 11

Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 12

Fig. 7. Grundriß desselben 12

Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 13

Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 14

Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH 14

Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach LIVINGSTONE 25

Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT 30

Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB 35

Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB 35

Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON 47

Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach BROOKE 64

Fig. 17. Eisenofen in Orissa. Durchschnitt. Nach BLANFORD 70

Fig. 18. Seitenansicht desselben 70

Fig. 19. Obere Ansicht desselben 71

Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach BLANFORD 71

Fig. 21. Ausgepreßter Balg in Orissa. Nach demselben 71

Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach HOOKER 73

Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI 83

Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK 87

Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK 88

Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS 91

Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA 100

Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach BLANFORD 102

Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der Shang-Dynastie.

Nach V. RICHTHOFEN 104

Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie.

Nach V. RICHTHOFEN 105

Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE 130

Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art der

Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S.

Geogr. Surveys, west of 100th meridian 135

Fig. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte Kupfergeräte.

Nach SHORTT 143

Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach DUPAIX 148

Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM 149

Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM 149

Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach PUTNAM 149

Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS 154

Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach EWBANK 156

Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte. Nach SQUIER 159

Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben 159

Fig. 55-56. Peruanische Bronzemesser. Nach demselben 159

Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben 159

Das Eisen bei den Nigritiern.

~Eisen den Altägyptern bekannt.~ Wenn auch neuerdings Zweifel

geäußert worden sind, ob die alten Ägypter das Eisen gekannt

hätten[2], so sind doch solche Zweifel hinfällig gegenüber den

thatsächlichen Funden von altem Eisen in den Monumenten jenes

Volkes. Eisen existierte bereits vor 5000 Jahren, zur Zeit als die

große Pyramide gebaut wurde; ja, es war damals, wie LEPSIUS sagt,

»im gewöhnlichen Gebrauche«. Ein Stück davon, das beim Bau jener

Pyramide verwendet wurde, ist 1835 aufgefunden worden, eine 14 cm

lange und 5 cm breite Schabklinge, welche, luftdicht verschlossen,

sich bis auf unsere Tage erhalten hat.[3] Schon WILKINSON hat

darauf hingewiesen[4], daß in den Gräbern von Theben Fleischer

dargestellt sind, die ihre Messer an einem runden Metallstabe

schärfen, der an ihrer Schürze hängt; die blaue Farbe der Klingen

und die Unterscheidung von Bronze- und Stahlwaffen im Grabe RAMSES'

III., die einen rot, die anderen blau gemalt, lassen wenig Zweifel

darüber, daß die Ägypter der frühen pharaonischen Zeit mit dem

Gebrauche des Eisens vertraut waren, eine Beobachtung, welche in

bezug auf die polychrome Behandlung der die Metalle darstellenden

Hieroglyphen (rot = Kupfer, grün = Bronze, blau = Eisen) von

EBERS[5] und LEPSIUS bestätigt wird.

Die Inschriften belehren uns vollkommen über das Vorkommen und

den Gebrauch des Eisens in der ältesten Zeit in Ägypten. Die

Reihenfolge der Metalle und einiger Mineralien, die auf den

Denkmälern befolgt wird, ist dort: Gold, Silber, Lasurstein,

Malachit, Kupfer und Men. Dieses Men nun ist, wie Lepsius gezeigt

hat[6], die älteste Bezeichnung für Eisen. Es werden daraus Geräte

gefertigt, Helme und Panzer wenigstens teilweise, auch Waffen.

In der späteren Zeit wird das Eisen dann _tehset_ genannt und zu

Thürschlössern, Beschlägen und ähnlichen Geräten verwendet. Man

erhielt es aus Persien, von einer Insel Mas und einem Orte Bektot.

Trotzdem meint LEPSIUS, daß die Entdeckung der Eisengewinnung sehr

wohl von Ägypten ausgegangen sein könne, da das Material dazu

genügend vorkomme und auch eine alte Eisenerzmine nachgewiesen

worden sei.[7]

Eisen war ja außerordentlich früh auch bei den Nachbarvölkern der

Ägypter im Gebrauch und »es ist klar, daß auch die Ägypter es noch

viel früher, als bei jenen nachzuweisen ist, gekannt und allgemein

angewandt haben werden«. LEPSIUS sieht auch im gehärteten Eisen den

Stoff, mit welchem die Ägypter den Granit bearbeiteten, »doch ist

es sehr bemerkenswert, daß in allen Darstellungen des alten Reiches

blau gemalte Instrumente kaum nachzuweisen sein dürften«. Daraus

geht, nach ihm, wenigstens hervor, daß das Eisen im alten Reiche

sehr viel weniger im Gebrauche war und überall, wo es nicht wegen

seiner Härte unentbehrlich war, durch das Erz ersetzt wurde.[8]

Über die Prioritätsfrage zwischen Eisen und Kupfer, resp. Bronze

in Ägypten läßt sich LEPSIUS nicht näher aus, wiewohl er geneigt

scheint, das Kupfer für älter anzusehen, was auch dadurch

Bestätigung erhält, daß das Wort für Eisen durch das Zeichen für

Kupfer, einen Schmelztiegel, determiniert wird.

Die alten Ägypter kannten also das Eisen, wiewohl die meisten

Dinge des täglichen Gebrauches, die sich massenhaft in unseren

Museen befinden, von ihnen aus Bronze dargestellt wurden. Von

LAUTH ist die Ansicht aufgestellt worden, daß das erste Eisen,

welches die Ägypter zu Geräten verarbeiteten, ~meteorischen~

Ursprungs gewesen sei. Mit Anlehnung an das koptische _benipe_

(_ferrum_), in dem der erste Bestandteil das altägyptische _ba_

ist, sucht er nachzuweisen, daß letzteres Eisen bedeutet. Er

fand es mit dem Zusätze _ne-pe_, des Himmels, somit Metall des

Himmels, meteorisches Eisen.[9] So verführerisch dieses aber auch

klingt, so läßt sich hiergegen doch manches einwenden, wie denn

andere Völker, die das Meteoreisen zu Messern etc. verwendeten

(z. B. die Eskimo) dadurch auch nicht zur Gewinnung desselben

geführt wurden. Was an sonstigen Gründen gegen die Ansicht, der

Mensch sei durch die Benutzung des Meteoreisens zur Fabrikation

des künstlichen Eisens gelangt, gesagt werden kann, hat L. BECK

zusammengestellt[10] und mag hier einfach darauf verwiesen werden.

~Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von Nord nach Süd.~

Es liegt nahe die Frage aufzuwerfen: Haben die Neger von den

Altägyptern die Darstellung des Eisens erlernt? Wir wollen dieselbe

nicht absolut bejahen, da es uns ganz denkbar erscheint, daß die

schwarzen Afrikaner selbständig auf diese Entdeckung gekommen sind,

wofür die große Verbreitung und Bodenständigkeit dieses Zweiges

der Metallurgie bei ihnen spricht; aber es sind trotzdem Anzeichen

vorhanden, welche einen uralten Einfluß der ägyptischen Kultur

und damit der Eisenkenntnis auf die südlicher wohnenden Nigritier

glaubhaft machen. Wer die Abbildungen in SCHWEINFURTHs Reisewerk

und in dessen Artes africanae aufmerksam betrachtet, wird betroffen

werden über die Übereinstimmung mancher Geräte und Waffen der

Neger mit jenen der Altägypter. Da finden wir die Nugaratrommeln

bei den Dinka genau so wie auf den Monumenten; Haarnadeln und

Löffel der Bongo und der Altägypter sind fast identisch und

wie diese ehemals die Schalen der Anodontamuschel als Löffel

benutzten, so jene noch heute. Im hohen Grade auffallend ist die

Übereinstimmung eines Kundih genannten Saiteninstrumentes bei den

Niam-Niam mit einem ganz gleichen Instrumente, einem Mittelding

zwischen Harfe und Laute, bei den Ägyptern. Der guitarreartige

Resonanzboden, die harfenartig gespannten Saiten, die Wirbel, alles

ist hier wie da.[11] Harfen und Lauten stimmen ja in ihrer Form

bei verschiedenen Völkern und in verschiedenen Zeiten recht gut

miteinander überein -- das merkwürdige ist aber hier die identische

Wiederholung eines alten zwitterhaften ägyptischen Instrumentes

bei den menschenfressenden Niam-Niam von heute und es wird schwer,

hier von dem Gedanken einer Entlehnung in alter Zeit abzusehen.

Demgegenüber muß aber auch nachdrücklich hervorgehoben werden, daß

eine Menge Kultureinrichtungen, die den Negern bei den Altägyptern

zu Gebote standen, nicht adoptiert wurden; ich erinnere nur an

die Drehscheibe, die in Ägypten bekannt, bei den Negern fehlt, wie

wohl letztere aus freier Hand Thongefäße von schönster Symmetrie

bilden. Dagegen deuten wieder auf eine Anlehnung an Ägypten die

altägyptischen ~Blasebälge~, die in ähnlicher Form noch heute

über ganz Afrika verbreitet sind. Solche Blasebälge aus der

Zeit des PHARAO THUTMES III. haben sich in Abbildungen (Fig. 1)

erhalten[12]; sie wurden paarweise abwechselnd mit den Füßen

getreten und dann mit den Händen wieder aufgezogen und waren auch

bei den Hebräern im Gebrauche.[13] Die Pfeifen und Düsen daran,

sowie die einfache Herstellung aus Lederschläuchen entsprechen

ganz den weiter unten noch häufig zu erwähnenden Negerblasebälgen.

Auch bei den Schmieden im heutigen Ägypten sind sie noch im

Gebrauche.[14]

[Illustration: Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON.]

~Die Steinzeit Afrikas.~ Will man für die Nigritier annehmen,

daß sie nicht selbständig die Kunst, das Eisen herzustellen,

erfunden, so lassen sich für eine Einführung dieser Kunst noch die

Phönizier als Lehrherren oder später die Alexandriner annehmen,

welche die Ostküste und die Häfen am Roten Meere beschifften.

Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres ersehen[15],

wurden im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung (in welche der

Periplus gesetzt wird) in Adulis und anderen Küstenplätzen neben

anderen Waren eingeführt Messing (+oreichalkos+), das man zum

Schmuck und zerschnitten statt Münze gebrauchte, Kupferbarren,

»sowohl zum weiteren Schmelzen, als auch zum Zerschneiden für

Arm- und Schenkelbänder für manche Frauen« und Eisen, das zu

Lanzen gegen die Elefanten und andere wilde Tiere, wie gegen

die Feinde verwendet wird. Ebenso importierte man kleine Beile,

Holzäxte, Dolche etc., wofür dann im Tausch Elfenbein, Schildkrot

und Rhinozeroshorn gegeben wurden. Daraus ergiebt sich, daß

zu jener Periode die Metallindustrie bei den nordöstlichen

Afrikanern, den heutigen Nubiern und Abessiniern, noch nicht so

vorgeschritten sein konnte, daß sie den einheimischen Bedarf an

Metallgegenständen deckte. Daß in jenen früheren Perioden aber noch

Steingeräte bei den Afrikanern im Gebrauch waren, läßt sich aus

historischen Quellen nur spärlich belegen. DIODOROS SICULUS[16]

(erstes Jahrhundert vor Chr.) spricht von Schleudersteinen der

Libyer. Ob die Lanzen, welche dieser Schriftsteller an der

genannten Stelle erwähnt, eiserne oder steinerne Spitzen hatten,

ist nicht ersichtlich. Dagegen findet sich beim AGATHARCHIDES eine

Stelle[17], in welcher Pfeile mit steinernen Spitzen sehr genau

geschildert sind. Sie lautet: »Es bedienen sich in Kriegsgefahren

die Athioper großer Bogen, aber kurzer Pfeile; an der Spitze

des Rohrstabes ist anstatt des Eisens ein seiner Gestalt nach

länglicher Stein befestigt, der durch Sehnen festgebunden ist,

übermäßig spitz und in tödliches Gift getaucht.« STRABO erzählt

von den Sumpfbewohnern am Weißen Nil, daß sie sich »angesengter

Pfeile« bedienen, worunter wohl solche von Holz zu verstehen, die

durch Ankohlen der Spitze gehärtet sind, und von den »plattnasigen

Äthiopiern« sagt er, daß sie die Antilopenhörner als Waffen

gebrauchen.[18]

Die Steinzeit der Afrikaner läßt sich, abgesehen von diesen

historischen Nachrichten, noch auf zweierlei Art beweisen: erstens

durch die Überlebsel aus derselben, zweitens durch die Funde von

alten Steingeräten.

Zu den Überlebseln rechne ich die Kornreibsteine, die noch überall

im Gebrauche sind, die Verwendung von Steinen zu Hammer und Ambos

beim Schmieden, die Verwendung von Knochen zu Pfeilspitzen bei

den Buschmännern, die Benutzung knöcherner Schaufeln (aus dem

Schulterblatte des Elefanten) zum Ackerbau bei den Jangbara im

Westen von Gondokoro[19], die Pfeilspitzen aus hartem Holze neben

solchen aus Eisen im Reiche des Muata Jamwo.[20]

Auch Traditionen aus der Steinzeit sind noch vorhanden. In einem

Hereromärchen, das unserem deutschen »Was geschenkt ist, bleibt

geschenkt« entspricht, hat das kleine Mädchen vom Vater ein Beil

geschenkt erhalten. Damit geht es aus und trifft Burschen, die

damit beschäftigt sind, Honig auszunehmen, »und um dieses thun zu

können, mußten sie ~die Bäume mit Steinen fällen~. Und es sprach

zu ihnen: Ihr Söhne unseres Hauses, warum gebraucht ihr doch

Steine, um den Honig herauszunehmen? Weshalb sagt ihr denn nicht,

unsere Erstgeborene, gieb uns das Beil?«[21] Eine Geschichte, die

sicherlich eine Erinnerung an die Steinzeit der Herero bewahrt.

Was zweitens die Funde aus der Steinzeit selbst betrifft, so

habe ich ein reichliches Material zusammengestellt[22], welches

deren einstige Verbreitung über den ganzen Kontinent darthut. Die

Steinzeit läßt sich auch für Ägypten nicht mehr leugnen. Der ganze

Norden von der Oase Kufra im Osten bis zu der großen von Marokko

nach Timbuktu führenden Karawanenstraße im Westen weist Funde von

Steinwaffen und Geräten auf. Algerien, Marokko sind reich daran.

Sie sind aus Oberguinea, sehr reichlich aus Südafrika, aus dem

Somalland und Centralafrika bekannt, wiewohl die Berichte aus dem

letzteren noch spärlich lauten, selbstverständlich aus Mangel an

Beobachtung.[23]

Wie bei uns in Europa zeigen die Funde der Steinzeit Afrikas auch

Entstehung in verschiedenen Epochen; alte Geräte vom Typus der

Driftfunde und neuere, polierte aus anscheinend späterer Zeit

mit verschiedenen Übergängen sind vertreten. Wunderbar ist die

Übereinstimmung nach Material und Form der afrikanischen mit

den europäischen Geräten und Waffen; dieselben Äxte, Schaber,

Meißel, Speer- und Pfeilspitzen, die Sägen, Späne und Nuclei

werden gefunden; auch »Ateliers« sind vorhanden und vom Material

wird, wie anderwärts, der Feuerstein bevorzugt wegen seiner Härte

und leichten Bruchfähigkeit. Daneben sind Basalte, Grünstein,

kieselreiche Sandsteine u. s. w. benutzt.

Am allerreichlichsten sind die Steinobjekte aber in Südafrika

vertreten; hier haben wir auch die lebendige Tradition aus der

Steinzeit gefunden, hier benutzt der Buschmann noch Steingeräte

beim Ackerbau; nach allem zu schließen, hat gerade in Südafrika

die Steinzeit am längsten gedauert, ist hier am spätesten die

Kunst, das Eisen zu schmelzen, zur Ausübung gekommen. Zwar meint

O. SCHRADER[24]: »Jedenfalls muß das Eisen im südlichen Afrika am

ersten bekannt gewesen sein«, allein er weiß dafür keinen anderen

Beweis anzuführen, als daß die Bachapin, ein Kaffernstamm, alle

Metalle vom Standpunkte des Eisens _tsipi_ aus benennen, nämlich

Gold _tsipi e tseka_ gelbes Eisen, Silber _tsipi e shu_ weißes

Eisen, Kupfer _tsipi e kubila_ rotes Eisen. Dieses zeigt jedoch

nur, daß ihnen unter den Metallen das Eisen am frühesten bekannt

war, beweist aber nichts dafür, daß zuerst Südafrika das Eisen

kannte.

Gerade das Gegenteil war der Fall, wofür außer den in Südafrika

am lebendigsten vorhandenen Traditionen aus der Steinzeit und

den reichsten Funden aus derselben noch die Berichte der ersten

europäischen Händler sprechen. Die am Kap und überhaupt im Süden

wohnenden Stämme warfen sich nämlich mit Begierde auf das ihnen

zugeführte europäische Eisen, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn

die heimische Eisenindustrie irgendwie entwickelt gewesen wäre.

An der Westküste, nördlich vom Kap, traf 1598 JOHN DAVIS (an der

Saldanha Bai) auf viehzüchtende Hottentotten. Für ein Stück von

einer alten eisernen Schaufel erhielt er ein fettes Schaf oder

einen Ochsen; doch bereits sechs Jahre später, 1604, klagt NICHOLAS

DAUNTON, Kapitän des Schiffes »Pepper Corne«, daß dieser schöne

Zustand der Dinge, der Verkauf eines _beife for a piece of an iron

hoope of fourteen inches long and a sheepe for a lesser piece_ zu

Ende sei, da die Holländer _by their ouer much liberalitie_ den

Markt verdorben hätten.[25]

Das deutet doch alles auf eine späte Einführung der

Eisenschmelzkunst im Süden. Dazu nehme man die lebendige Tradition,

in der selbst von Messern aus der Rinde des Zuckerrohres die Rede

ist, welche ähnlich wie Bambussplitter benutzt wurden.[26]

Auch auf der Insel Fernando Po ist das Eisen erst durch die

Europäer (entdeckt 1471 durch FERNAO DO PO) bekannt geworden.

»Mir wurde mitgeteilt,« erzählt Konsul HUTCHINSON, »daß an einem

Orte mit Namen Bassakatu, bei Ballilipa, der König noch Steinäxte

aufbewahre. Mit diesen Geräten spaltete man Holz oder hieb die

Palmnußbündel von den Bäumen ab, ehe man dort das Eisen kannte.

Dieses Metall lernten sie zuerst im Austausch von Früchten und

Vieh gegen unsere Schaufeln kennen bei den frühesten Besuchen

europäischer Händler auf ihrer Insel. Jetzt sind sie zur Kultur

der Birminghamäxte, Messer und Beile vorgeschritten, welche sie im

Tauschhandel gegen Yams und Palmöl erhalten.«[27] Dabei hat aber

der Kontinent seit langem das Eisen gekannt.

Aus allem diesem scheint mir soviel hervorzugehen, daß die Kenntnis

der Eisengewinnung in Afrika von Nordosten nach Süden und Westen

vorrückte und ohne irgend eine Zwischenperiode der Steinzeit

folgte. In der That treffen wir auch bei den Völkern im Gebiet

des Nil und bei den benachbarten Stämmen die Eisenindustrie am

höchsten entwickelt, weil dort wohl am ältesten. Ich will es nun

versuchen, einen Überblick über den Stand und die Ausbreitung

der Eisenfabrikation in ganz Afrika zu geben, wobei ich in

geographischer Reihenfolge verfahre. Wiederholungen lassen sich

dabei nicht vermeiden, aber es liegt mir daran, das Material

zusammenzubringen, um damit auch anderen zu einem möglichst

genauen Einblick zu verhelfen. Vorausgeschickt werde mögen, daß

Eisenerze, die bei niedriger Temperatur geschmolzen werden, kein

Gußeisen liefern, sondern ein unreines Schmiedeeisen. In unseren

europäischen Hochöfen, wo eine große Hitze erzeugt wird, sickert

das ausgeschmolzene gekohlte Eisen im dünnflüssigen Zustande in

den Herd des Ofens und wird hier »abgestochen«, d. h. es läuft,

nachdem das Öffnungsloch des Herdes frei gelegt ist, in einem

Strome heraus. Das so gewonnene und in Sandformen abgekühlte Eisen

ist sprödes, nicht schmiedebares Gußeisen (Roheisen). Anders bei

dem ursprünglichen und von den Naturvölkern angewendeten Verfahren,

wo nicht so große Hitze erzeugt wird und eine andere Art Eisen

entsteht, ein nur weiches, nicht flüssiges Schmiedeeisen, das am

Grunde des Ofens mit Schlacke und Kohle vermischt als »Stück«,

»Luppe« oder »Wolf« sich absetzt und das dort herausgenommen werden

muß.

~Eisenindustrie im Gebiete des Nil.~ Den Schmied bei der Arbeit

am blauen Nil in Sennar hat MARNO abgebildet[28], doch lassen die

Zange und die Form des Hammers, beide europäischer Gestalt, hier

bereits auf fremden Einfluß schließen, da der Afrikaner sonst

erstere durch ein Stück gespaltenes Holz ersetzt und an Stelle

des Hammers einen Stein oder ein konisches Stück Eisen ohne Stiel

anwendet. Nach der von MARNO gegebenen Abbildung schließen die

Blasebälge hinten mit einer Klappe.

[Illustration: Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER.]

Bei den Bari unter 5° nördl. Br. am Weißen Nil sind die

Wanderschmiede eine verachtete Pariakaste, dennoch aber den

Schwarzen unentbehrlich. »Aus eisenhaltigem Kies, der vielfach

in diesen Ländern oberflächlich zu finden ist, wird das Roheisen

auf höchst einfache Art gewonnen; sehr primitiver Art sind auch

die Blasebälge, deren sich die Schmiede bedienen. Zwei thönerne

Gefäße, ähnlich einem Trichter, dessen sich verengernder Hals

seitwärts gebogen ist, werden auf dem Boden so aufgestellt, daß

die beiden Mündungen gegen die Feuerstelle gerichtet sind; ihre

obere breite Öffnung wird mit einem Stück durch Anfeuchten dehnbar

gemachter Tierhaut, in der Mitte mit einer Handhabe versehen, fest

zugebunden. Durch rasches Auf- und Niederbewegen dieser Haut und

das dadurch entstellende Ein- und Ausströmen der Luft durch die

Mündung am Feuer wird ein doppeltes Gebläse und die nötige Hitze

bewirkt. Das von Natur äußerst weiche, so glühend gemachte Eisen

wird von dem Schmiede auf einem als Ambos dienenden Stein mit

einem den Hammer ersetzenden zweiten Stein geschmiedet, indem er

es mit einer leichten Zange handhabt (Fig. 2). Das Stählen und

Schweißen des Eisens ist nicht bekannt.«[29] Genau so sind die

Schmiedevorrichtungen weiter östlich bei der Latuka.[30]

Hochentwickelt ist die Eisenindustrie im Bar-el-Ghasalgebiete

an den westlichen Zuflüssen des Weißen Nil, zwischen 3° und 8°

nördl. Br. und 26° und 30° östl. L. v. Gr., wo wir auf fast

durchweg eisenhaltigem Boden uns befinden. Hier läßt sich mit

einigen geringen Abwechselungen bei bald größerer, bald geringerer

Geschicklichkeit eine vorgeschrittene und im ganzen sich gleich

bleibende Weise der Eisengewinnung nach Art der alten Rennarbeit

nachweisen.

Die Metalle bei den Naturvölkern · 第 1 / 18 段