Erhabene, glühst du mir wieder,
Dunkelumfangende du!
Schwankend auf deinen Säulen
und doch voller Ruhe!
O, du überschüttest mich nicht und wirst mich nicht stürzen.
Weit hast du dich gespannt und du versagst dich nicht
meinem Aufruhr!
Hintaumeln darf er unter deinen Gewölben
und sich vergeuden.
Ah, kein aufdrohendes Notgebild
zückt ihm die Zeit.
Sterne schüttest du, unzählige Geschwister
den Bränden meiner Brust,
und wo du die Säume faltest deines Mantels,
da wartet mein Träumen.
O, daß du wartest, Geduldige,
o nimmer mich zwingst
auszubrechen in die berstenden Schollen,
in saugende Klüfte
vor solchem Gefühl!
Ruhe spülst du in meine Adern und kosendes Dunkel
hast du zu einer mildladenden Pforte gestellt,
-- o nächtiges Tor! --
ohn' Ende zu schreiten, zu atmen
und hinzubreiten wie Wellengeriesel die dunkelgeballte Inbrunst
den sonnigen Spielen meines
ewigen Tags!
Frühling
Eine Trilogie
I.
Elegie
Brach uns der Flieder schon auf? O, schütteten heimliche Nächte
Duften in unseren Traum, daß er das Herz uns betört?
Sehet, wie andere Himmel schaukeln die volleren Bäume
auf ihren Blätterstolz schon selig das Strahlengewölb.
Blühen umsäumt uns lauschige Wege, und junggrüne Matten
kosen im spielenden Licht, kosen dem werbenden Wind.
Tänze aus brauendem Wohllaut heben sich lind uns zu schmeicheln.
Mädchen, dein flatterndes Haar lockt uns zur schwellenden Brust.
Weitet sich all unser Fühlen so plötzlich in lindere Räume,
hält uns ein goldenes Netz Vogelsangs heimlich umspannt?
Herz, was erschrickst du? Ermattest von so viel offener Freude?
Schauerst so einsam zurück? Nimmt dich der Jubel nicht auf?
Ach, über Nacht brach der Frühling in deine umschmerzten Gehege,
pocht nun wie feuriger Wein; wehe, du kennst ihn nicht mehr!
Hobest ihn nicht aus dem Ahnen mit spähenden tastenden Augen,
reiftest nicht gläubig hinein in seine schwellende Lust.
Mußtest in Sehnsucht und Qual die stürzenden Tage verjagen,
durftest nicht lauschen, wie lind neuer Gesang sich erschuf.
Schauer sind dir und Jubel die hetzenden Treiber der Tage,
fremd aus versäumtem Bereich fächelt der tröstende Hauch.
Triebe nicht und nicht die Knospen sahst du im lockenden Morgen
atmen und schwellen und blühn, eh sie die Sonne verriet,
daß sie in Jubel aufschäumten, als hätte sich lichtes Gewölke
mild auf dem zarten Gezweig kosend und bergend versäumt.
Sahst nicht die jubelnden Bäume hinstürmen in weitoffne Himmel!
Schriest nicht in blühenden Sturm! Wehe, es ist nicht dein Lenz!
Stehst nun, ein Fremdling, im lieblichen Segen frohlockender Gärten.
Stiegst wohl vom Berge herab, nimmer erkennt dich das Tal,
nimmer umspielt dich Willkommen der selbstgepflanzten Gebüsche,
mütterlich Raten und Tun hegt nicht den heimlichen Ort.
Blickst nun so einsam, verstoßen, auf dankbare Freude der Andern,
in ihr auflachendes Spiel lockt dich kein freundlicher Ruf.
Gehst in den Abend und schauerst vor Kühle, nun Flöten aufschluchzen
nun sich ein Mädchenlied süß noch in den Amselsang flicht.
Ah, und da kommt es dir, Armer: die Tränen hast du vergessen,
linderndes Schluchzen der Nacht, das dich den Tagen versöhnt.
Drin sich das hastende Leben rückfindet und ausruht für Künfte,
dämmernde Teiche, darin Rosen trinken den Mond.
Hast nicht die Süße des Trauerns vergönnt deiner wartenden
Sehnsucht!
Unausgeweintes Leid, mußt es nun tragen so schwer.
II.
Bacchanale
Taumelt der alte Gott über meine Erde?
Locken schneeige Brüste aus Sonnenglut,
daß ich sie küsse,
daß ich ersticke in ihrer hüllenden Lust?
O mein Frühling du im rauschenden Zenith!
Wie brandest du rasend über uns Kleinen
und ohn Erbarmen!
Sehnend standest du auf, bis du schwanktest
in deinem Blütenrausch,
und wieder verschütten wirst du dich,
niederstürzen vom Berg deiner Trunkenheit.
Dein Vergehen noch überjubelst du
glühenden Tanzes!
O Seliger über uns allen! Hier meinen Sang
deinem höchsten Tag!
Deinem Triumphe, du Göttlicher,
beuge ich mich tief.
Klirrend dir entgegen zückt
aller Welten Blut.
Zeugung ohn' Ende und Wollust, die sie geboren,
spritzt heiß aus deinem Wahn,
aus Blütenkelchen, Dolden, Träumen, Rausch!
Magnolien verschäumen sich, und des Rhododendrons Süße
lohte deinen Küssen, erbarmungsloser Sieger, schon hin.
Sternig perlt Goldregen nieder zur Erde,
-- Umarmung der Danae! --
und dunkle Rosen ertrinken in zuckenden Orchideen
wie Tropfen Blutes.
Meere schütten sich dir aus
und über sterbenden Flieder noch stöhnt der Jasmin seine Lust.
Farben und Düfte taumeln ineinander
zu deinem tödlichen Trunke,
o reiche ihn uns!
Wir jubeln des Gifts, das in unsern Adern frohlockt,
und der treibenden Sünde.
Zerstör' uns, vernichte uns, panischer Zauber des Blutes!
Komm an, du Allbefreier! o, endlich nimm uns auf!
Deine Grausamkeit, laß sie uns küssen,
du spielende Natur!
O Bestie, wir beten dich an,
noch unterm Dolche, den du uns lachend zückst.
Erwürge uns, Rasende, immer noch
ist unser der Triumph!
Ihr berstenden Sphären, brecht los eure drohenden Gewitter!
Versengt uns! O tötet uns! Nirvana glüht!
Schon packen die Stürme in meine rauschenden Buchen,
beugen sie tief,
schon ächzen die knorrig verwurzelten Stämme
unterm düstern Firmament.
Entladung umgärt uns!
Donner brechen vor aus Himmelshöhlen,
zerschmettern die Wölbung --
o wie stehen wir hohl!
In stäubende Blütenwolken hüllen wir uns tief
und bergen uns,
bis kühlende Tropfen uns netzen --
O, Regensang lindet! --
und unser Aufruhr ergibt sich in jubelndes Schluchzen:
O du, unsre Erde!
III.
Ode
Wo ist ein Leid, so tief, daß es mich hülle!
Wo quillt ein Schicksal, das mich unterjocht!
Uns zwingt ein Drang aus übermächtiger Fülle
auf Höhen, wo der Gott im Rausche pocht.
Die Himmel öffnend, stürzt er uns entgegen.
Trieb Jubel oder Not uns auf den Grat?
Wir fragen nicht. Wir schlürfen seinen Segen
und warten demutvoll auf unsre Tat.
Denn irgendwo ist sie dem Mann beschieden;
gespiegelt schon aus Höhlen seiner Not,
formloser Traum befreiter Karyatiden,
weitoffen dem unendlichen Gebot!
O magisch Wirken, das sie heimlich bindet,
die Schwestern Eigennot und Tatenglück:
Not lischt, die sich in Taten sicher gründet,
und Tat schmilzt mündend in die Not zurück.
Wir kennen nicht des Leidens bange Süße,
des Trauerns Säumnis ist uns nicht vergönnt.
Und wo wir Lust mit stolz Entsagen büßen,
wir dulden keinen Zug, der es euch nennt.
Und schreiten herben Augs die steilen Pfade.
Gewölke Lächelns blühn zu Seiten auf.
Schon winkt in Fernen Opfers reinste Gnade
zu bändigen des Chaos rasenden Lauf.
Wir tragen dieses Erdenseins Empörung.
Donnernd stürzt Weltennot in eigne Qual.
Zerstampfe sie und lache der Zerstörung:
Auf reißt uns Wollen immer höh'rer Wahl.
Wie sich Gewalten in uns stemmen, bauschen!
Wir Trunkene des grenzenlosen Falls,
ballten wir Wehr aus dem Vernichtungsrausche?
Ah! Retter sind wir des bedrohten Alls!