Nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Tengger-Gebirge, dessen rein

geognostische Ergebnisse hier nicht am Platz sind, besuchte ich noch den

Lamongan. In angenehmer Gesellschaft verlebte ich den Abend am stillen

Ufer des waldumsäumten von Tigern umschlichenen Klakasees und brach am

folgenden Morgen mit dem Adjudanten des Obersten v. S. auf, um den so

selten ruhenden Lamongan zu ersteigen, dessen Gipfel sich in unserm See

spiegelte. Man zweifelte sehr an der Ausführbarkeit unseres

Unternehmens. Junghuhn hatte bei seinen verschiedenen Besuchen nicht

einmal den Versuch machen können, da der Vulkan dann immer in voller

Thätigkeit war. Wir ritten zuerst SW. um den Rand des Sees herum, durch

Kaffeegärten, dann Ost, geradeaus durch dichten Wald, in welchem nur

zwei Stellen zur Anlage neuer Desas frisch gelichtet waren. Nach

zweistündigem Ritt erreichten wir mit der Grenze des Waldes ein ebenes

Lavafeld von etwa 9° Neigung, durch tiefe Sprünge vertikal zerklüftet

und mit einem dichten Teppich von schönen Flechten bekleidet, auf dem

wir bequem an den Fuss des Auswurfskegels gelangten. Er bestand an

dieser, der Südseite, aus ziemlich festem Sand, der stellenweis mit

Auswürflingen überschüttet war, die der Regen vom oberen Gehänge

herabgespült hatte. Das Aufsteigen auf diesem Boden war äusserst

beschwerlich, weshalb denn auch unsere Kulis nach ostjavascher Sitte

allmälig zurückblieben und einer nach dem andern hinter grossen Steinen

untertauchten. Alles Zureden, Schelten, Drohen brachte sie nicht wieder

zum Vorschein, so dass wir schliesslich mit unsichtbaren Zuhörern

sprachen. Mit ihnen verschwanden auch unsere Instrumente, darunter ein

Barometer. Nach einigen Stunden mühsamen Kletterns erreichten wir im

obersten Drittel des Kegels eine feste Lavabank, ohne Schlackendecke,

welche letztere wohl längst durch Regen und Wind in die Tiefe gestürzt

worden. Das Vorkommen einer solchen festen Bank an einem Abhang von mehr

als 30° Neigung war gewiss interessant! Sie gewährte uns ein ziemlich

sicheres Auftreten und reichte fast bis an den Gipfel. Nur die letzten

40' etwa bestanden aus gelbem Sand. Aus allen Spalten der Kuppe, bis auf

100' abwärts, drangen sehr heisse Wasserdämpfe; schweflige und salzsaure

waren durch den Geruch nicht wahrzunehmen. Links von uns, im W. zog sich

in NO.-SW.-Richtung eine gegen 100' breite, flache, muldenförmige,

bolusrothe Rinne auf 2/3 des Kegels hinab, an ihrem oberen Ende war die

Dampfentwickelung besonders stark. Die Spitze des Kegels war schon seit

einer Stunde in dichten Nebel gehüllt, der ganze Krater mit kondensirten

Dämpfen erfüllt; ich sah nichts als das Segment des Randes, auf welchem

ich stand. Nur einmal schimmerten zwei Felsenpfeiler durch den dicken

Nebel, deren Entfernung und Richtung auf eine grosse Dimension und

senkrechte Wände des Kraters schliessen liessen. Nachdem wir vergeblich

eine kurze Zeit auf etwas Aussicht gewartet, verkündete ein

Donnerschlag, von einigen grossen Regentropfen begleitet, den Anfang

eines Gewitters. Wir entschlossen uns zum Rückzug und verliessen ohne

Ergebniss den mühsam erklommenen Gipfel. Der Regen wurde zu einem wahren

Sturzbad; vorsichtig rutschten wir die nun glatte Lavabank hinab, wobei

uns beiden die Stöcke entfielen, die in gerader Richtung in die Tiefe

glitten. Der Sand, durch den Regen in einen schweren, schwarzen Brei

verwandelt, floss in breiten, flachen Massen träge abwärts. Die Steine,

durch das Wasser wie belebt, stürzten mit reissender Schnelle die neu

entstandenen Rinnen entlang, wie Sturzbäche, deren grösseres Volumen aus

Steinen bestand. In einer solchen, die ich wegen ihrer stufenförmigen

Sohle zum Hinabsteigen gewählt hatte, wurde ich mehrere Klafter weit

aufrecht stehend fortgerissen, ehe ich mich auf das Ufer retten konnte.

Die elektrischen Entladungen waren sehr stark; ein Schlag, der den Berg

traf, warf meinen Begleiter und mich gleichzeitig zu Boden, was aber

wohl hauptsächlich unserer unsicheren Basis zuzuschreiben war. Wir

hatten nun etwa die Hälfte des Abhangs zurückgelegt und folgten einer

flachen Rinne. Die durch den Regen und Wind vom oberen Gehänge gelösten

Steine hatten hier schon solche Fallkraft erlangt, dass sie in mehr als

haushohen Bögen den Berg hinabsprangen. Von beiden Seiten gelangten sie

in unsere Mulde und bildeten ein wahres Kreuzfeuer. Zeitweis flogen sie

so dicht, dass wir darauf gefasst sein mussten, zerschmettert zu werden.

Einige wenige hatten reichlich 1' Durchmesser, die meisten waren kaum

5-6'' gross. Aber selbst den grossen vorsätzlich auszuweichen, war nicht

möglich, da sie bei jedesmaligem Aufschlagen ihre Richtung änderten. Wir

waren hier hülflos dem blinden Zufall preisgegeben, retteten uns aber

endlich auf den höher gelegenen Rand, wo wir nur selten in Gefahr kamen.

Den Umständen nach befanden wir uns wohl, mein Begleiter hatte einige

schmerzhafte Quetschungen erhalten, die ihm das Athmen sehr erschwerten,

ich war mit einer starken Kontusion und einem Loch im Bein

davongekommen. Indem wir hier einige Augenblicke ausruhten, musste ich

mir gestehen, kaum jemals ein prachtvolleres, grossartigeres

Naturschauspiel in grösserer Nähe beobachtet zu haben; der peitschende

Regen trat neben den übrigen Erscheinungen ganz in den Hintergrund. Als

wir den Fuss des Kegels erreichten, hörte der Regen auf. Mein Begleiter

hatte sich auf der ganzen Tour sehr wacker gehalten, wie es sich für

einen jungen Krieger ziemt, erklärte aber zum Schluss, dass er sich das

Studium der Geologie ganz anders vorgestellt habe und keine besondere

Neigung dafür empfinde. Gegen Sonnenuntergang erreichten wir den

Pasanggrahan, gleichzeitig mit dem Oberst, der in einem Nachen von einer

Jagdpartie zurückkehrte und uns ungläubig auslachte, als wir

behaupteten, den Gipfel des Berges erstiegen zu haben.

Beinwunden heilen in heissen Ländern ausserordentlich schwer, der Arzt

in Probolingo sagte zwar, ich habe gutes „Geneesvleesch”, unterwegs

verschlimmerte sich aber die Wunde wieder und heilte erst, nachdem ich

eine Woche in völliger Ruhe unter der Pflege eines vortrefflichen

deutschen Arztes in Plantungan zugebracht hatte. Ueberdies trat auch

jetzt die Regenzeit mit solcher Entschiedenheit ein, und mein Aufenthalt

in Java hatte so sehr die ursprünglich dafür bestimmte Zeit

überschritten, dass ich theils im Dampfboot, theils zu Lande der flachen

nördlichen Küste folgend, nach Batavia zurückeilte. Besonders bedauerte

ich, von Surabaya und seiner Umgebung bei meiner ersten Anwesenheit so

wenig gesehen zu haben, da die interessanten Exkursionen nach den vielen

Regierungs- und Privatetablissements dieser in hohem Grade

gewerbthätigen Stadt nun unterbleiben mussten. Surabaya hat bei weitem

den besten Hafen von Java; hier mündet auch der bedeutendste Fluss der

Insel und die Regierung hat dort grosse Schiffswerften und

Maschinenbauanstalten, in denen unter Leitung weniger europäischer

Offiziere alle Arbeiten von Inländern ausgeführt werden.

Es war Anfang Dezember geworden, alle Tage hatten wir starke Regen; bei

Tagal, einer kleinen Hafenstadt zwischen Cheribon und Samarang, war der

Fluss so angeschwollen, dass er kaum in seinem Bett Platz hatte. Zu

beiden Seiten der durch 1 - 1-1/2 Fuss hohe Dämme geschützten

Landstrasse waren die flachen Reisfelder (nicht künstlich bewässerte

Sawas) in Seen verwandelt, aus denen einzelne Häuser wie Schiffe

hervorragten. Der Eintritt der Regenzeit hatte grosse Thätigkeit

hervorgerufen, überall wateten hoch aufgeschürzte Frauen im Sumpf und

pflanzten Reis, Männer betheiligen sich nicht an dieser Arbeit. --

Korrespondenz, Verpacken und Versenden von Sammlungen, nahmen die

wenigen Tage bis zum Abgange des Dampfers nach Singapore fast gänzlich

in Anspruch, so dass ich von Batavia und seinen interessanten Museen nur

wenig sah.

Eine Geschichte von Java, so kurz, wie die am Schluss von Singapore und

Malacca gegebenen, würde wenig mehr enthalten, als sich in jeder

grösseren Geographie findet; eine ausführlichere liegt nicht im Plan des

Buchs. So schliesse ich denn die flüchtigen Skizzen dieses

Reiseabschnitts mit dem Wunsch, dass der Spruch: „Wer Vieles bringt,

wird Manchem etwas bringen”, sich auch hier bewähren möge.

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[52] Es scheint eine grosse Härte, den armen Frachtfuhrleuten die

schöne Strasse zu verbieten; doch ist es nicht wohl zu ändern, da

ihre aus massiven Holzscheiben bestehenden, ursprünglich runden,

durch Abnutzung aber bald vieleckig gewordenen Räder die beste

Strasse in kurzer Zeit zu Grunde richten würden. Karren mit

ordentlichen Rädern ist die Benutzung der Poststrasse gestattet.

[53] Die Zeichnung ist von Batu-tulis, etwas südlich von Buitenzorg,

aufgenommen.

[54] Trotz aller Befürchtungen steht gegenwärtig der Preis des

Chinins sehr niedrig und ist seit dem Krimkrieg fortwährend

gefallen. -- Auch hat man nach einer Mittheilung, die Prof. Karsten

erhielt, jetzt bei Loxa Cinchonapflanzungen angelegt, deren Rinde

man alle 6 Jahre zu verwerthen erwartet.

[55] Am 19. April 1865 ist er, erst 36 Jahre alt, in Balanta, an der

Ostküste von Celebes, den Strapazen und Wirkungen des Klimas

erlegen, die er als Leiter einer mehrjährigen, mit grossem Erfolg

ausgeführten Entdeckungsreise in Neu-Guinea und Gilolo erduldet

hatte.

[56] Herausgegeben von der Gesellschaft zur Verbreitung

gemeinnütziger Kenntnisse in Amsterdam.

[57] Die Arachis ist ein unscheinbares, auf dem Boden kriechendes,

krautartiges Gewächs mit langgestielten Schmetterlingsblüthen. Die

Blüthen über dem Boden bleiben unfruchtbar, gewöhnlich senkt sich

aber die Schote in die Erde und reift dort 2 bis 3 Kerne von

Haselnussgrösse. Daher der Name Grundnuss. Die Pflanze gedeiht in

allen tropischen und subtropischen Ländern und wird auch im

südlichen Europa, besonders in Spanien, gebaut, wo ihre Früchte,

geröstet, als Mandeln gegessen werden. Der Anbau dieser Pflanze

nimmt seit einigen Jahrzehnten ausserordentlich zu, veranlasst

durch die Nachfrage in Europa. Fast der ganze Export aller

Produktionsländer geht nach Südfrankreich, hauptsächlich nach

Marseille, von wo aus das daraus gewonnene Oel unter dem Namen

Olivenöl über die ganze Welt verbreitet wird. Die Fabrikation hat

dort solche Vollkommenheit erreicht, dass selbst Kenner kaum im

Stande sind, einen Unterschied zwischen dem Olivenöl und dem

Katjang-Oel zu finden. Letzteres vertritt daher das Oliven- und

Mandelöl in allen seinen Anwendungen.

Bereits am 12. Juni 1852 sagte Dumas in der Société d'Encouragement:

„Olivenöl ist gegenwärtig auf einen ausserordentlich hohen Preis

gestiegen, nicht nur im südlichen Frankreich, sondern auch an den

Küsten von Italien, wo die Olivenbäume ganz verschwunden sind. Das

Oel der Arachis, deren Name fast noch ganz unbekannt, ist ohne

Zweifel eins der wichtigsten Produkte. Vor 8 oder 10 Jahren kam ein

Marseiller Haus auf den glücklichen Einfall, 4 oder 5 ℔ Katjang-Oel

nach Frankreich zu bringen, und seitdem hat die Einfuhr so

zugenommen, dass sie jetzt eine Höhe von 70 Millionen Kilogr.

erreicht. Dieser grosse Verbrauch lässt sich leicht begreifen, wenn

man in Betracht zieht, dass das Katjang-Oel fast alle Eigenschaften

des Olivenöls besitzt.” Im Journal des Débats vom 12. Oct. 1863

heisst es: Vor 20 Jahren war die Arachis von Senegambien nicht

einmal in unsern Zolllisten aufgeführt; heut werden in Frankreich

allein 500,000 Kilogr. eingeführt. Der Anbau hat so zugenommen, dass

er den Sklavenhandel auf jener Küste verdrängt hat.” Als Surrogat

für die geringen Speiseöle, an die man in Berlin gewöhnt ist, wird

aber nicht sowohl Arachis-, als das viel billigere Sesamum-Oel,

welches in noch viel grösserer Menge, namentlich von Kurratschi

eingeführt wird, verwendet.

[58] Bei Gelegenheit der Vorarbeiten für die Eisenbahn hat man einen

viel niedrigeren Pass gefunden, über welchen jetzt eine neue Strasse

mit Umgehung des Megamendong angelegt wird. Sie ist bereits bis auf

die Brücken vollendet (1865).

[59] Auch er ist bereits am 24. April 1864 in Lembang gestorben;

doch hat er sich ein bleibendes Denkmal errichtet durch sein von

Hasskarl auch ins Deutsche übersetzte Werk: Java, seine Gestalt,

Pflanzendecke und innerer Bau.

[60] Daendels hatte einen Regenten abgesetzt, weil er eine Strasse

zu steil über ein Bergjoch geführt hatte; -- aus Furcht vor einem

ähnlichen Schicksal baute ein andrer Fürst die Strasse im Zickzack

durch die Ebene.

[61] Man muss sie aber nicht, wie häufig geschieht, mit einem andern

Feigenbaum, F. religiosa, dem heiligen Baum der Buddhisten

verwechseln, der im Ganzen viel Aehnlichkeit mit unserer

Silberpappel hat und keine Seitenstämme bildet. Seine an ihrer sehr

lang ausgezogenen schwanzartigen Spitze kennbaren herzförmigen

Blätter bestehen aus einem so dichten Netzwerk fester dünner Fasern,

dass nach Entfernung der Blattsubstanz durch Mazeration und Bleichen

ein filigranartiges Skelett zurückbleibt, welches gefirnisst und

miniaturartig bemalt, jetzt häufig als Kuriosität von China

mitgebracht wird.

[62] Dike (spr.: Deik) nennt man die im flüssigen Zustand in die

Spalten der Kegelberge eingedrungene, nach dem Erkalten fest

gewordene Lava.

[63] Wie schon bei Gelegenheit der Zinnablagerungen angedeutet,

werden mit der Zeit durch Einwirkung von Wasser und Luft die

härtesten Gesteine zersetzt. Die Hauptgemengtheile der meisten

krystallinischen Gebirgsarten (nicht-krystallinische sind schon

Zersetzungsprodukte) bestehen aus Doppelverbindungen von

Thonerde-Silikaten und Alkali- (oder Kalk-) Silikaten. Erstere sind

als Thon (in reinem Zustand Kaolin) wohl bekannt. Zur Versinnlichung

der letzteren kann das künstlich dargestellte, in der Technik jetzt

vielfach angewendete Wasserglas (kieselsaures Kali oder Natron)

dienen. Erstere sind unlöslich und bleiben bei dem Verwittern des

Gesteins übrig, während die löslichen Alkali- und Kalk-Silikate

theils als solche, theils nach Einwirkung von Kohlensäure als

kohlensaure Salze durch die Gewässer fortgeschafft werden.

Was durch Luft und Wasser bei gewöhnlicher Temperatur sehr langsam,

wenn auch ununterbrochen, stattfindet, wird viel schneller bewirkt

durch heisses Wasser, heisse Dämpfe und Gase, wie sie aus hier nicht

näher zu erörternden Ursachen namentlich häufig in Vulkanen und

ihrer Nachbarschaft auftreten. Ausströmungen von heissen Gasen und

Dämpfen nennt man Fumarolen, Ausströmungen von Kohlensäure Mofetten;

da dieses Gas 1-1/2 mal so schwer ist als atmosphärische Luft, so

breitet es sich am Boden aus und bildet zuweilen, an Stellen, die

gegen den Luftzug geschützt sind, so hohe Schichten, dass Thiere,

die hineingerathen, darin ersticken. Solfataren heissen die Punkte,

in deren Dampfausströmungen die schwefelhaltigen Gase vorwiegen:

Schwefelwasserstoff, durch dessen Zersetzung der die Wände

bekleidende Schwefel gebildet wird, und schweflige Säure, die sich

beide durch Zutritt feuchter Luft in Schwefelsäure verwandeln,

endlich Schwefel in Dampfform. Während Wasser und Luft in der Art

auf die Gesteine einwirken, dass unlösliche Thonerde-Silikate übrig

bleiben, vermögen die in den Solfataren sich fortwährend bildenden

starken Säuren des Schwefels die Doppel-Silikate vollständig zu

zersetzen. So entsteht aus alkalihaltigen Doppel-Silikaten Alaun

(schwefelsaure Thonerde verbunden mit schwefelsaurem Alkali), aus

kalkhaltigen Doppelsilikaten Gyps (schwefelsaurer Kalk). Alaun und

Gyps bleiben mit dem halb zersetzten Gestein und dem stets neben

ihnen gebildeten Thone gemengt, oder werden vom Wasser gelöst und an

Nebenpunkten wieder abgesetzt. Es würde zu weit führen, die Vorgänge

in den Solfataren näher in Betracht zu ziehen; daher mögen auch die

Wirkungen der häufig auftretenden Salzsäure hier unberücksichtigt

bleiben. Zum oberflächlichen Verständniss der beschriebenen

Erscheinungen in Kawa-manuk wird das Gesagte genügen. Wesentlich

dieselben Erscheinungen wiederholen sich, wenn auch in sehr

verschiedener Intensität, in allen Solfataren; ich werde daher

später nicht wieder darauf zurückkommen.

[64] Zum Verständniss dieser Werthsteigerung bei feststehenden

Preisen muss erwähnt werden, dass der Thee in 8 Sorten, 4 schwarzen,

4 grünen, von verschiedenem Werth, abgeliefert wurde, und dass die

Fabriken gelernt hatten, die theuren Sorten in grösserer Menge zu

produziren.

[65] Der Unterschied zwischen den Ergebnissen der Theekultur durch

freie Arbeiter unter Unternehmern, die für eigene Rechnung

wirthschafteten und den Resultaten, welche die Regierung durch

Zwangsarbeit unter Aufsicht von Beamten erlangte, sind so schlagend

und volkswirthschaftlich so interessant, dass ich einen kleinen

Auszug aus Dr. W. Bosch, Vrije en gedwongen Arbeid, Tydschr. v. Ned.

Ind. 1858 II 297 anführe, in welchem folgende, amtlichen Berichten

entnommene Thatsachen gegenübergestellt sind:

667 Arbeiter (freiwillige) produziren 1855 auf 560 Bau:

344,849 ℔ Thee,

also 1-1/5 Arbeiter per Bau,

517 ℔ per Arbeiter,

615 ℔ per Bau.

Der Arbeitslohn ist unbekannt. Angenommen, sie hätten das ganze

Jahr hindurch 360 Tage, à 20 Deuten, gearbeitet, dann hätte die

Bebauung gekostet 72 fl. per Bau d. h. 80% mehr als die

Regierung dafür zahlte; und gleichwohl kosten die 615 ℔ Thee,

die dafür erhalten werden, nicht mehr als 12 cents pro ℔, d. h.

nur 40 % von dem, was die Regierung dafür bezahlte; und dennoch

hat der Arbeiter bei dem Privatmann 3mal so viel per Tag

verdient, als der Arbeiter in Bagelen, selbst wenn dieser nicht

mehr als 100 Tage per Jahr zu arbeiten hätte.

4,375 Arbeiter (gezwungene) produziren 1855 auf 660 Bau:

87,312 ℔ Thee,

6-1/2 Arbeiter per Bau,

22 ℔ per Arbeiter,

132-1/2 ℔ per Bau.

6 Arbeiter per Bau angenommen, die zusammen 40 fl. 72 c.

erhalten, giebt 6,79 fl. per Arbeiter. Angenommen, dass Jeder

nicht mehr als 100 Tage gearbeitet hätte, so würde der Tagelohn

6-3/4 cents betragen, und das ℔ Thee auf 30 cents zu stehen

kommen.

Aus diesen amtlichen Angaben geht hervor, dass freie Arbeit 25mal

produktiver war als Zwangsarbeit, dass der Boden 5mal so viel trug,

dass das Produkt der Privatleute noch nicht die Hälfte kostete,

während ihre Arbeiter 3mal so viel verdienten.

[66] Nicht sowohl die Varietät des Theestrauches, als vielmehr

Boden, Lage und Klima bedingen die Qualität (ähnlich wie beim

Wein). In China giebt es Gegenden, wo nur grüner Thee fabrizirt

wird, nicht, weil man aus den Sträuchern keinen schwarzen Thee

machen kann, sondern weil der dort gewonnene grüne Thee besser

ausfällt, als der schwarze. In Java finden solche Unterschiede

noch nicht statt; man bereitet grünen und schwarzen Thee auf

derselben Plantage.

[67] Die Rongengs sind öffentliche Tänzerinnen, sie fehlen bei

keinem grösseren Feste; ihr Tanz versetzt die Eingebornen oft in

Entzücken und reisst zuweilen selbst die Vornehmsten hin, sich

daran zu betheiligen. Ihre Kunst besteht mehr im Biegen und

Wenden der Glieder als in graziöser Fortbewegung. -- „Die

Rongeng gehört dem Staat, der Oeffentlichkeit. Ueber eine Frau,

die sich als Rongeng einschreiben lässt, verliert der Ehemann

sein Recht, sowie auch ihre Eltern.” (Brumund, Indiana.) Sie

sind völlig frei bis auf die polizeiliche und ärztliche

Kontrolle.

[68] Eigentlich Kerne.

[69] Der Musang ist ein kleines Raubthier, das nur die reifsten

Früchte nascht und nur ihre fleischige Hülle verdaut. Die nur

aus Kaffeebohnen bestehenden, vom Musang ausgeworfenen, vom

Regen abgewaschenen Häufchen werden besonders gesammelt und von

den Packhausmeistern für begünstigte Kunden aufgehoben, da sie

den wohlschmeckendsten Kaffee geben. -- Der Musang befindet sich

fast in jedem zoologischen Garten.

[70] Trotz der sehr vermehrten Bevölkerung nimmt die Zahl der

Bäume ab. 1851 zählte man: 231,693,843 und 1861: 223,301,000

fruchttragende Bäume. In dem viel kleineren, besonders aber an

Arbeitskräften so viel ärmeren Ceylon hat sich die Kaffeeproduktion,

die 1850 kaum 1/4 derjenigen von Java betrug, so gehoben, dass sie

1862 schon mehr als 2/3 derselben gleichkam. Den meisten Kaffee

liefert gegenwärtig Brasilien, das allein so viel erzeugt, als alle

übrige Kaffeeländer zusammen ... 1858/59: Brasilien 346, Java 135,

Ceylon 70, alle übrigen Kaffeeländer zusammen 155 Millionen

Zollpfund, im Ganzen also 696 Millionen Zollpfund.

[71] In den Regierungspflanzungen betrug 1854/57 die Zahl der

Kaffeebäume durchschnittlich: 295,276,073, wovon 221,295,764

fruchttragende; die Ernte 962,876 Pikul oder etwas über 1/2 ℔

per Baum. -- 1828, vor Einführung des Kultursystems, erntete man

416,000 Pikul von etwa 50,000,000 Bäumen, d. h. über 1 ℔ per

Baum, im günstigsten Jahre nach Einführung des Systems (1855)

1,264,000 Pikul von 300,000,000 Bäumen, d. h. etwas über 1/2 ℔

per Baum, so dass sich die Zahl der Bäume seit 1832 zwar

versechsfacht, der Gesammtertrag aber nur verdreifacht hatte.

Seit 1840 ist die Kaffeeproduktion auf Java, einige besonders

günstige Jahre ausgenommen, stationär geblieben. Das auf Zwang

beruhende künstliche System hatte also schon nach 8 Jahren seine

Kraft erschöpft.

[72] In Arabien war der Kaffee als Getränk wohl schon Ende des 15.

Jahrhunderts bekannt; 1556 wurde das erste Kaffeehaus in

Konstantinopel, 1652 in London, 1671 in Marseille, 1672 in Paris,

1683 in Wien errichtet. Wie man darauf gekommen sein mag, die

harten, unschmackhaften Samen zu rösten und ein Getränk daraus zu

bereiten, ist durchaus unbekannt. Es ist höchst merkwürdig, dass das

Kaffeïn, das eigentlich Wirksame im Kaffee, chemisch identisch ist

mit Theïn und beliebig aus Kaffeebohnen oder Theeblättern

dargestellt werden kann, dass es ebenfalls im Paraguaythee oder Mate

enthalten ist, und dass die Pflanzen, die es liefern, ganz

verschiedenen natürlichen Familien angehören. Noch auffallender ist

es, dass gerade diese Pflanzen von halbzivilisirten, weit von

einander entfernt wohnenden Völkern zum Getränk erkoren wurden. Die

daraus bereiteten Aufgüsse regen an, ohne zu berauschen, und haben

deshalb einen höchst wohlthätigen Umschwung in der Lebensweise der

zivilisirten Völker hervorgebracht. Ihre schnelle, immer wachsende

Verbreitung ist ein erfreuliches Zeichen zunehmender Gesittung.

Nicht erfreulich, aber recht interessant ist auch „die plumpe

Selbsttäuschung der Cichorientrinker, die aus Armuth und

Unwissenheit einen Absud geniessen, der vom Kaffee nichts weiter

hat, als die Farbe. Es dürfte kaum zweifelhaft sein, dass mit der

Aufklärung des Publikums über den wahren Werth des Kaffees die

Cichorienfabriken alsbald eingehen müssten.” (Knapp's Technologie II

83.)

[73] Folgende Rezepte stammen aus sehr guten Quellen:

1. ~Allgemeines Kari-Pulver~, 2 verschiedene Sorten. Man mische

zum Pulver No. 1 die uneingeklammerten, zum Pulver No. 2 die

eingeklammerten Gewichtstheile folgender Gewürze: Koriander 48

(8), schwarzer Pfeffer 24 (8), Curcuma 19 (8), Kümmel 12 (2),

Capsicum 6 (1), Reismehl 4 (2), Cardamom 2 (1), Nelken 1 (0),

Ingwer 0 (4), Trigonella foenum graecum 0 (6).

2. ~Krebs-Sambal:~ Zu 2 Stück feingeschnittenen Zwiebeln und 2

Stück Knoblauch setze man 3 Theelöffel Balatschong (siehe

unten), 1/2 Theelöffel Curcumapulver, 1/2 Quart Krabben- oder

Krebsschwänze, lasse alles etwas braten, füge Tomaten oder

Tamarinden, Capsicum, 1/2 Tasse Kokosmilch (siehe unten) hinzu

und lasse es schmoren.

3. ~Bengal-Kari:~ Zu 3 grossen, feingeschnittenen, in Butter

gebratenen Zwiebeln setze man folgende in einem steinernen

Mörser sehr fein gestossene mit etwas Wasser angefeuchtete

Gewürze: 2 Nelken, 1 Capsicum, 2 Theelöffel Koriander, 2 Prisen

Anis, 1 desgl. Kümmel, 2 Stück Knoblauch, 1/2 Theelöffel Zimmet

und etwas Ingwer, 1 Theelöffel Curcuma. Nachdem alles etwas

gebraten, setze man 1 ℔ in kleine Stücke geschnittenes Fleisch

dazu (Rind, Kalb, Hammel, Wild, Geflügel oder Fisch), und eine

Tasse voll Kokosmilch oder guter Brühe und lasse es schmoren.

4. ~Madras-Kari:~ Man brate 2 kleine fein geschnittene Zwiebeln in 2

Unzen Butter, setze vom Karipulver No. 2 dazu und verfahre übrigens

wie bei dem Bengal-Kari, man kann auch etwas Zitronensaft

hinzufügen.

Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor. · 第 26 / 28 段