mich erbaut, deren eine Seite die Felswand bildete. Allmälig füllte sie
sich mit allerlei Luxusgegenständen: ein Träger brachte eine
Lampenglocke, andre ein Waschbecken, Teller, Theetassen. Ein trockener
Rock und etwas zu essen wäre mir lieber gewesen; die Aussichten für die
Nacht waren etwas ungemüthlich, als zu meiner Freude noch spät Abends
der Koch erschien, der schon auf einem Halt unterwegs das Essen
zubereitet hatte. Mit ihm zugleich kam eine mit Baumwolle gestopfte
Matratze, worin ich eine unerwartet angenehme Nacht zubrachte, indem ich
ihr oberes Ende aufschnitt und bis an den Hals hineinkroch.
Bei ihrem Aufgang warf die Sonne den langen Schatten des Slamatkegels
auf die über der Ebene schwebende Wolkenschicht, aber bald wurde es
völlig trübe und die Aussicht beschränkte sich auf die nächsten Punkte.
Am nördlichen Abhang erblickt man einige kleine Seitenkrater, wie man
deren so viele am Aetna wahrnimmt. Gegen Mittag verliessen wir den
Gipfel. Am unteren Rande des Schuttkegels begegneten wir noch mehreren
Kulis mit Gegenständen, die uns gestern Abend sehr angenehm gewesen
wären. Sie hatten die Nacht im weichen Grase gelagert und kehrten nun
mit uns um. Als wir kaum die Rhinozerospfade betreten hatten, begann es
so heftig zu regnen, dass diese schmalen, Laufgräben ähnlichen Wege sich
in Bäche verwandelten. Um 4 Uhr Nachmittags waren wir wieder in Priatin.
Bei der Rückkehr nach Banjumas hatte ich das Vergnügen, unsern
Landsmann, den Oberst v. S., kennen zu lernen, der als Chef des
Geniewesens auf einer Inspektionsreise begriffen war und mir bis zu dem
Augenblick, wo ich Java verliess, unzählige Gefälligkeiten erzeigte.
Mein Bedienter war von den Strapazen der letzten Reise krank geworden;
der Resident von Banjumas nöthigte mir, als ich nach einigen Tagen
abreiste, einen der zuverlässigsten und intelligentesten seiner eigenen
Diener auf, der mich während meines ganzen ferneren Aufenthalts in Java
begleitete und überhäufte mich überdies mit Aufmerksamkeiten, deren ich
zum Theil erst nach meiner Abreise inne wurde.
Ich kann nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit nochmals der grossen
Gastfreundschaft in Java und der Art ihrer Ausübung zu gedenken, denn
sie bildet einen der hervorragendsten Züge im dortigen Reiseleben, der
in der Erinnerung um so deutlicher hervortritt, je mehr sich die andern
Eindrücke verwischen. -- Bei den Völkern lateinischer Abstammung wird
Einem im ersten Auflodern der Gefälligkeit so viel mehr versprochen, als
gehalten werden kann, dass Alles nothwendig auf eine höfliche Formel
hinauslaufen muss, die aber gerade, weil sie nichts kostet, so allgemein
ist, dass der oberflächliche Verkehr mit ihnen dadurch eine angenehme
Färbung erhält. Die Engländer, die das, was sie versprechen, auch
wirklich zu halten meinen, zaudern vorsichtig mit ihrem Entgegenkommen
und stossen expansive Ausländer durch ihre kalte Gemessenheit ab. In
Java wird die Formel der Spanier: „Sie sind in Ihrem Hause, dies Haus
ist das Ihrige”, zur Wahrheit, ohne je ausgesprochen zu werden; wie
überhaupt die unzähligen, dem Fremden erwiesenen Dienste, aus Furcht,
dass er sie ablehnen könnte, nie vorher angeboten werden. Dass der
Bediente nach den kleinen Gewohnheiten, den Lieblingsgerichten, den
Speisestunden seines Herrn ausgefragt, und dass danach die Hausordnung
abgeändert wird, ist durchaus nichts seltenes; aber nicht nur auf die
Dauer des Besuchs beschränkt sich die liebenswürdige Fürsorge;
mehreremale, wenn ich auf einem Berggipfel oder in einem abgelegenen
Pasanggrahan das tägliche Huhn mit Reis essen wollte, fand ich den Tisch
mit allerlei Leckerbissen besetzt, welche die Frau des Hauses, in dem
ich zuletzt eingekehrt war, dem Diener heimlich zugesteckt hatte.
Fünftes Kapitel.
Hochebene von Dïeng. Vulkane. Solfataren. Tempel. -- Vogelscheuchen.
-- Tempel Perot. -- Affengemeinde. -- Bad. -- Fliegende Hunde. --
Borobudor. Pavon. Mundut. -- Sultan von Jokjokarta und seine
Familie. -- Salzgewinnung. -- Karang-tritis. -- Getäuschter
Gastfreund. Landpächter. -- Indigofabriken. -- Begräbnissplatz
Imogiri. -- Tempel bei Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der
Kaiser und sein Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. --
Der alte Blücher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest
in Surakarta.
Von Banjumas führt eine schöne Strasse im Serajuthal auf der linken
(südl.) Seite des Flusses nach Bandjar-negara. Der Ort hat eine sehr
hübsche Lage. Den Hintergrund bildet eine Berglandschaft mit schönen
vulkanischen Profilen, überragt vom Sindoro und Sumbing, den beiden
Brüdern, wie sie die Schiffer nennen, die sie von der Rhede von Samarang
erblicken; im Vorgrund ziehen sich die Terrassen der Reisfelder an den
Seiten der steilsten Hügel hinan. Eine Wasserleitung, die Bandjar-negara
mit gutem Trinkwasser versorgt, überschreitet in doppelter Bogenreihe
den Fluss und sieht fast wie ein Römerwerk aus. Der Fahrweg folgt dem
Laufe des Flusses bis Wonosobo; ich setzte aber die Reise zu Pferde über
Karang-kobar und Batur nach dem berühmten Plateau von Dïeng fort. Gleich
bei Bandjar-negara führt eine malerische Bambusbrücke über den
Fluss.[92] In einem kleinen Warong daneben sah ich Yams (Dioscorea sp.)
von intensiv violetter Farbe feil bieten.
Hier beginnt die Strasse, die in Bezug auf grossartige Landschaften wohl
jede andre in Java übertrifft: zwischen Hügeln, die ganz mit Sawas
bedeckt sind, erheben sich kühne Felsen; einer derselben, der
Gunong-labet, besteht aus dem Rest einer einzigen riesigen, konzentrisch
schaligen Trachytkugel. In weiterer Ferne thürmen sich durch tiefe
Schluchten zerrissene Gebirge immer höher auf bis zum Slamat, dessen
10,630' hoher Gipfel alles überragt. Hinter Karang-kobar wird die
Landschaft noch ernster, die fast kahlen Berge zeigen ihre Modellirung
um so deutlicher. Für Reisfelder ist es hier oben zu kalt; Mais, Tabak,
Weizen und Gemüse treten an ihre Stelle. Auch Bambusen sieht man wenig
in dieser Höhe, deshalb führen hölzerne Brücken über die Bäche. Von den
Häusern sind die besseren aus Holz, die ärmeren aus Glaga, dem mehrfach
erwähnten Rohr, die Wände bestehen aus den Halmen, die Dächer aus den
Blättern.
Bei Batur (5000') betritt man im NW. die Hochebene von Dïeng, Javas
phlegräische Felder. Der Weg führt zuerst durch braune Tuffschluchten,
ganz wie bei Rom, und das Plateau ist kahl wie die Campagna. Links von
der Hauptstrasse liegt ~Kawa-dringu~, eine Vertiefung in einem
Bergabhang, der aus abwechselnden Lagen von Rapilli und Trachytblöcken
besteht, ein graubrauner Schlammsee, etwa 20' lang und 50' breit bedeckt
den Boden; die Dampfentwickelung ist so heftig, dass der Schlamm
stellenweise 4 Fuss in die Höhe geworfen wird. In geringer Entfernung,
NzO., liegt ~Telaga-dringu~, ein Wasserbecken im Boden eines alten
Kraters mit etwa 120' hohen, sanft ansteigenden Wänden. Das Wasser ist
nicht tief, selbst aus der Mitte ragen Binsen hervor. Der westliche
Abhang ist mit Gras, der östliche mit Gesträuch und Bäumen bewachsen,
die sich in Gruppen bis auf eine etwas erhabenere Felsbank in den See
hineinziehen, auf welchem viele Tauchenten den Fischen nachstellten.
[Illustration: BRÜCKE AUS BAMBUS U. ROTANG. WONOSOBO, JAVA.]
~Sumor-djalatunda~, Junghuhn nicht bekannt, daher auf seiner Karte von
Dïeng nicht angegeben, liegt ca. 1-1/2 Paal in gerader Linie östlich von
Batur, SSW. von Kaputschuan. Dicht dabei schneidet die Strasse
Batur-Dïeng am Kali-puti (weissen Bach), der aus der Kawa-dringu kommt
und hier am äusseren Abhang des Sumor vorbeifliesst; hier hat er schon
alles Sediment unterwegs abgesetzt, ist völlig klar, kalt und geruchlos.
Sumor (Brunnen) wird dieser Kratersee genannt, der ringsum von fast
senkrechten, üppig bewaldeten Wänden eingefasst ist. Der See, der den
Boden einnimmt, ist oval, seine grösste Länge in der Richtung von N.
nach S. beträgt gegen 100', sein Wasser ist dunkelgrün. Das ganze Becken
erinnert sehr an Telaga-warna am Megamendong, nur betritt man dies
letztere im Niveau des Wassers durch eine Spalte in der Kraterwand,
während hier das Seebecken unzugänglich ist. Die Wände sind 130-150'
hoch und ringsum geschlossen, wie der Kessel eines Brunnens. Die
äusseren Abhänge dieses Kraters bestehen an der einzigen Stelle, wo ich
sie entblösst fand, aus sehr feinen weissen Tuffen, in welchen einige
Schichten trachytischer Rapilli vorkommen.
Vierhundert Schritt östlich ist das ~Todtenthal~. Im Boden eines Kraters
mit sanft geneigten Wänden, die mit Gras und Bäumen bewachsen oder mit
Kohl und Tabak bepflanzt sind, liegt halb vergraben in der
Rapillischicht, die den Boden bildet, ein grosser, flacher Stein, der
schönste Trachytporphyr, den ich bis jetzt auf Java getroffen; dies ist
die Stelle, wo früher die Mofette (siehe S. 147, Anmerkung) am
heftigsten war. Ein paar Kulis erwarteten uns hier mit einem Hund und
einem Huhn, um zu versuchen, ob die Ausströmung des Gases hinreichen
würde, die Thiere zu betäuben; diese empfanden aber gar keine Wirkung.
Der Auftritt erinnerte lebhaft an die neapolitanischen, zum Prellen der
Fremden ersonnenen Kunststückchen in der Hundegrotte; hier war es
indessen eine uneigennützige Aufmerksamkeit des Häuptlings. Die
Ausströmungen scheinen fast ganz aufgehört zu haben, nur periodisch
bemerkt man noch Spuren, wie sich aus einigen am Boden liegenden
gebleichten Skeletten, sämmtlich kleinen Thieren angehörend, schliessen
liess. Der schönste Sonnenschein beleuchtete die Kohlfelder dieses nach
den Schilderungen des älteren Darwin so grausigen Ortes.
~Telaga-leri.~ Von üppigem Wald umschlossen, mit schön bewachsenen
Inseln geschmückt, breitet sich ein grosser Schlammsee aus, mit graugrün
schimmerndem, heftig wallendem Wasser, aus welchem hohe Dampfwolken
aufwirbeln. Durch die ringsum thätigen, das Gestein zersetzenden
Solfataren sind unzählige Buchten, Inseln und Landzungen entstanden. Der
Mittelpunkt der vulkanischen Thätigkeit liegt gegenwärtig am Ostufer,
aus dessen Sprudeln und Pfützen mehrere siedend heisse Bäche abfliessen,
so dass wir die Eier und Kartoffeln zu unserer Mahlzeit durch Eintauchen
darin kochen konnten. Mitten in dieser Verwüstung steht ein Schuppen,
zwischen dessen Dielen eine dichte Vegetation von Faseralaun
effloreszirt, der auch um denselben einen Teppich bildet. Dicht am
Ostrande, unmittelbar neben den kochenden Wassern fliesst ein klarer,
kalter, reiner Bach vorbei. Gegen Abend erreichten wir das eigentliche
Plateau von Dïeng, ein ovales, ringsum von Bergen eingeschlossenes Thal.
Indem wir über seine Fläche nach dem am jenseitigen Abhang (im Osten)
gelegenen Pasanggrahan ritten, zeigten sich in geringer Entfernung von
uns, zur Rechten, 4 kleine 20-25' hohe Tempel in einer Reihe, und ein
fünfter, kleinerer, etwas seitwärts.[93]
Auf der Südseite des Plateaus erhebt sich am Abhang eines kleinen Hügels
der mit schöner Skulptur reich verzierte Tempel Werkodoro und hinter ihm
eine trotz ihrer Entstehung durch Solfataren liebliche Landschaft:
kleine türkisblau und smaragdgrün glänzende Seen in blendend weissem
Tuffboden von einer zackigen Bergwand umschlossen. Die Sohle des Thales
von Dïeng ist an vielen Stellen versumpft, man kann aber grosse Strecken
weit auf Lavafliesen gehen, überall liegen Trümmer behauener Steine
umher. Auf den Abhängen stehen noch mehrere kleine mit Gesträuch
bewachsene Tempel, die meisten sind aber umgestürzt und bilden nur noch
Schutthaufen. Die gewaltigen Naturerscheinungen, die hier in seltener
Fülle als Vulkane, Solfataren, kochende Seen auftreten, scheinen dem
religiösen Aberglauben grossen Vorschub geleistet, die Bildung einer
mächtigen Priesterkaste begünstigt und die Gründung zahlreicher Tempel
veranlasst zu haben. Junghuhn entdeckte hier eine merkwürdige Inschrift,
von der bis jetzt nicht ausgemacht ist, welchem Volk und welcher Zeit
sie zugeschrieben werden muss. -- Ein mit dem Brahma- und Buddhakultus
und seinen Monumenten vertrauter Forscher würde gewiss hier sowohl als
weiter östlich in Java ein reiches Feld für seine Thätigkeit finden.
Die ganze Nacht hindurch wüthete ein heftiger Sturm aus Ost, der einen
Theil des Pasanggrahans abdeckte; er hielt den ganzen Tag über an und
legte sich erst gegen Abend. Der Wind war kalt und unbequem in dieser
Höhe (über 6000') und noch unangenehmer auf den Bergen, die sich aus dem
Plateau erheben und wie dieses baumlos sind. Die aus der heissen Ebene
mit heraufgekommenen Leute froren den ganzen Tag trotz der reichlichen
Bewegung; die hier oben Ansässigen aber ertrugen die Kälte sehr gut, und
völlig nackte kleine Jungen kauerten müssig vor den Häusern in
anscheinender Behaglichkeit. Wir verliessen das Kesselthal von Dïeng im
Süden und ritten an dem schönen Tempel Werkodoro und dem tiefblauen See
Telaga-warna vorbei, der etwas nach Schwefelwasserstoff roch. Bevor wir
den Vulkan Pakuodjo erreichten, sahen wir rechts von der Strasse einen
hohen Felspfeiler, Gunong-batu, von wo aus man eine schöne Uebersicht
des Pakuodjo hat, der aus einem geschlossenen Krater und einer grossen
Schlucht besteht. Der Sturm war jetzt so heftig, dass wir den Gipfel
nicht besteigen konnten. Der Boden des Kraters ist ganz flach, mit einer
hohen Erdschicht ausgefüllt, auf dem das herrliche rothe Rhododendron
Javanicum in ziemlicher Menge unter andern Sträuchern wächst. Eine
niedrige Zwischenwand führt in die daneben liegende Schlucht. Diese
streicht von S. nach N. mit steilem Fall; in der Mittellinie derselben
zieht sich ein grosser gewölbter Schuttberg herab und stürzt sich im N.
über den flachen Rand. Er sieht von ferne täuschend wie ein erstarrter
Lavastrom aus, ist aber nur das Ergebniss der höher oben an den
Bergwänden thätigen Solfataren, die das Gestein zersetzen und in grossen
Blöcken oder als Schuttmassen hinabstürzen; so entsteht ein langer,
schmaler Rücken von Bergtrümmern, der durch die Wirkung des
herabrieselnden Wassers auf der stark geneigten Sohle allmälig weiter
geschoben wird. Der Boden des daneben liegenden Kraters ist viel höher
und wird durch das an seinen Wänden zersetzte Gestein immer mehr
aufgehöht, da sein Rand völlig geschlossen ist. (Mittags im Schatten
12,8°R.)
Von hier besuchten wir die am Fuss des Berges Pangonan gelegene
Solfatara Tjondro di muka, wo im Jahre 1834 ein Kontrolör in den
heissen Schlamm einsank und, obgleich schnell herausgezogen, an den
Brandwunden starb. Die Stelle ist durch einen Stock bezeichnet, der von
Zeit zu Zeit erneuert wird; die Eingebornen nennen auch wohl die ganze
Solfatara „tuwan Kontrolör punja tjelaka” (das Unglück des Herrn
Kontrolör). Sie nimmt den Grund eines alten Kraters ein, dessen Wände
fast zerstört sind und dessen Boden mit grünem Rasen bedeckt ist, mit
Ausnahme derjenigen Stellen, wo die Fumarolen thätig sind. Am Abhange
des Berges Pangonan, dicht bei Tjondro di muka, ist eine ähnliche
Solfatara, aus welcher ein grosser Schlammstrom herabgeflossen ist, der
jetzt im verhärteten Zustande auf den ersten Anblick wie ein Lavastrom
aussieht. Auch zeigt er an den Stellen, wo der Abhang steiler ist, die
eigenthümliche strickförmige Textur schnellgeflossener Laven. Verfolgt
man den Strom nach oben, so findet man auf einem flachen Absatz des
Bergabhanges neben mehreren noch kochenden Schlammseen ein entleertes
Becken mit zerborstener Wand als Ursprung des erwähnten Schlammstromes.
Der Berg Pangonan enthält zwei Krater; in den südöstlichen kann man
hineinreiten, sein Boden ist sehr versumpft, weshalb ein gleichnamiges
Dorf, das früher darin stand, verlassen wurde. Auf den flachen
Terrassen, die den Kessel fast in seinem ganzen Umfange umgeben, wurde
Mais, Tabak und Kohl gebaut, der Boden war mit Binsen und grobem Gras,
die Pfützen mit Brunnenkresse bedeckt. Von zehn kleinen Tempelchen,
welche Junghuhn's Karte auf dem äusseren Abhang angiebt, fand ich nur
noch drei aufrecht, und den Schutthaufen eines vierten. Sie sind im
Grundriss quadratisch, jede Seite von 2,25 Meter Breite und 5,34 M.
Höhe, die Eingänge 0,85 M. breit, 1,83 M. hoch. Ringsum ist der Boden
mit behauenen Steinen und zertrümmerten Skulpturen bedeckt. Der Boden
des Nebenkraters wird fast ganz von einem See ausgefüllt,
Telaga-werdoto der Junghuhn'schen Karte, die Eingebornen nannten ihn
aber Merredada. Vom Zwischenrücken übersah man die Topographie des
Berges mit einem Blick. Der Abhang des Pangonan fasst die W.-Seite des
Plateaus von Dïeng ein und grenzt im N. an die Strasse Batur-Dïeng;
jenseit derselben und des Baches Dolog, im N., erhebt sich ein anderer
erloschener Vulkan, der Pager-kendeng. Am SW.-Abhange dieses Berges
liegt das früher beschriebene Telaga-leri; ein bequemer Reitweg führt
über die Kratermauer auf den Boden des Pager-kendeng-Kraters, in
welchem sich einige Menschen in elenden Hütten aus Farnstämmen und
Glaga angesiedelt hatten. Sie leben vom Anbau und der Bereitung des
Ricinusöls und Tabaks. Die Tabakbereitung ist sehr einfach. Die grünen
Blätter werden zusammengerollt, viele Rollen über einander zwischen
zwei senkrecht neben einander befestigte Bretter gelegt, fest gedrückt
und nach und nach vorgeschoben, wobei der die Bretter überragende
Theil mit einem scharfen Messer abgeschnitten wird, wie beim
Häckselschneiden. Die Streifen sind nicht dicker als ein Zwirnfaden.
Man trocknet sie zuerst an der Sonne, später über Feuer. Eine weitere
Behandlung erfährt der Tabak nicht; er wird hauptsächlich zum Kauen
verwendet, für sich allein oder mit Betel vermischt, auch macht man
Cigaretten daraus, indem man ihn in junge Seitenblätter der Nipapalme
wickelt. Am Nordostabhang liegt die Solfatara Panduh oder Sepanduh, die
wir erst bei völliger Dunkelheit erreichten. Die schwierigsten Stellen
der Strasse nach Dïeng wurden beim Schein der Fackeln zurückgelegt, die
schnell improvisirt waren, indem die Kulis im Vortrab ohne Weiteres
grosse Bündel Glaga aus den Umzäunungen rissen und anzündeten.
[Illustration: TEMPEL PEROT. JAVA.]
Leider konnte ich in Dïeng nicht länger verbleiben, da meine Ankunft in
Wonosobo bereits angemeldet war. Wir ritten in SSO.-Richtung zuerst
durch tief eingeschnittene Tuffwände nach Badak-banteng, kamen Abends
nach Telaga-mendjer, einem den Eifeler Maaren ganz ähnlichen
Wasserbecken in weissem Tuff, und am folgenden Tage nach Wonosobo. Auf
einem Maisfelde sah ich ein eigenthümliches System von Vogelscheuchen:
senkrecht gegen die Richtung eines schnellen Baches waren lange Reihen
schlanker Bambushalme in den Boden gesteckt, von deren übergebogenen
Spitzen lange in der Sonne stark glänzende Pisangblattstreifen
herabhingen. Die Spitzen der Bambusen jeder Reihe waren durch eine
straffe Schnur verbunden, die aber, wo sie den Bach überschritt, sich
bis in das Wasser hinabsenkte und ein dünnes Brett trug, das von dem
Wasser hin- und hergeschleudert wurde, und die ganze Reihe
Vogelscheuchen in Bewegung setzte.
Von Wonosobo aus bestieg ich den wegen seiner schönen regelmässigen
Kegelform ausgezeichneten Gunong-sindoro. Am Nordost-Abhang
hinabsteigend, erreichte ich spät Abends Adiredjo, wo ich bei dem Bedana
nach langem Zögern nicht sehr freundliche Aufnahme fand, da mein Besuch
nicht amtlich angemeldet war.
Ganz in der Nähe liegen zwei kleine zierliche Tempel, Perot und
Prengapus. Den Tempel Perot hat ein Feigenbaum zu seinem Postament
erwählt und mit einem Netz von Luftwurzeln umstrickt; er erhebt sich
darauf als eine dicke cylindrische Säule, die erst in 100' Höhe eine
mächtige Blätterkrone trägt. Da er bisher nie abgebildet worden, so
nahm ich eine sehr genaue Zeichnung davon auf. Am Nachmittag besuchte
ich die Quelle des Progo, der die Provinz Kadu, „den Garten von Java”,
bewässert und am Fuss von Borobudor vorbei, in den indischen Ozean
fliesst. Die schöne Quelle, die klar und sehr wasserreich aus einer mit
Farnen dicht bewachsenen Lavahöhle hervorbricht, geniesst bei den
Javanen hohe Verehrung. Kaum waren wir angekommen, als von den
umliegenden Bäumen eine Anzahl Affen (Semnopithecus maurus) herabstieg
und zutraulich dreist uns umringte. Wir fütterten sie mit Mais. Diese
Kolonie halbzahmer Affen existirt nach der später noch mehrfach
bestätigten Aussage des mich begleitenden Häuptlings schon seit alter
Zeit und überschreitet nie die Zahl 15; heute waren ihrer zwar
eigentlich 16, da eine garstige alte Aeffin ein Junges trug, das unter
dem Bauch der Mutter hing und den Kopf ängstlich hervorstreckte. Ist
das Junge aber herangewachsen, so wird es gezwungen, die Kolonie zu
verlassen, wenn es nicht ein anderes schwächeres Individuum zum
Austritt zwingen kann; es werden nie mehr als 15 geduldet, so
wenigstens erzählte man mir allgemein. Die Nacht brachte ich bei einem
vornehmen Javanen, dem Regenten von Temangung, zu, und begleitete ihn
am andern Tage zu einem ächt javanischen Bade. Wir ritten 1-1/2 Paal
weit nach einem krystallhellen Quell inmitten eines Haines. Den Boden
des geräumigen Beckens, in welchem Gold- und Silberfischchen
umherschwammen, bedeckte glänzend weisser Sand. Die Aeste eines daneben
stehenden Baumes hingen ganz voll Kalongs, während Schaaren derselben,
durch einige Schüsse aus dem Tagesschlaf geweckt, in der Luft
schwirrten. Diese Kalongs, auch fliegende Hunde oder Füchse genannt,
Pteropus edulis, sind grosse obstfressende,[94] über den ganzen
Archipel verbreitete Fledermäuse. Bei Tage hängen sie oft zu vielen
Hunderten in einem grossen Baum mit der Kralle des Daumens reihenförmig
an den Aesten, den Kopf nach unten, in ihre Flügel, die 4-5 Fuss
Spannweite erreichen, wie in einen Mantel fest eingehüllt, so dass sie
aus der Ferne wie riesige Birnen erscheinen. Werden sie nicht gestört,
so setzen sie sich erst Abends in Bewegung und richten wegen ihrer
grossen Menge beträchtlichen Schaden an, wenn sie statt über die
Früchte des Waldes über die Obstgärten des Dorfes herfallen. Dr. Oxley
erzählt (Journ. Ind. Arch. 1849), dass, als er in der Strasse von
Malacca vor Anker lag, ein Schwarm dieser Thiere mehrere Stunden
brauchte, um über ihn fortzuziehen, und Logan sah sie zu Millionen in
den Mangrove-Sümpfen am Nordrand der Insel Singapore hängen. Es ist
kaum möglich durch Netze das Obst gegen ihre Verheerungen zu schützen,
denn bekanntlich ist bei den Fledermäusen der Gehör-, Geruch- und
namentlich der Fühlsinn auf eine für uns so wunderbare Weise
entwickelt, dass sie im Stande sind gewissermaassen in die Ferne zu
fühlen, und bei völliger Dunkelheit im schnellsten Fluge jedem
Hinderniss mit der grössten Sicherheit auszuweichen. Spallanzani und
mehrere Andre nach ihm, überzeugten sich davon, indem sie geblendete
Fledermäuse in hellen Räumen, in welchen nach allen Richtungen Drähte
und Fäden gezogen waren, hin- und herfliegen liessen. Man nimmt an,
dass, abgesehen von den besonderen Apparaten, mit welchen die Nasen und
Ohren vieler Gattungen zur Verschärfung des Geruch- und Gehörsinns
versehen sind, die dünne, nackte, nervenreiche Flughaut dazu dient, den
Thieren die feinsten Unterschiede in der Temperatur, der Dichtigkeit,
dem Druck, der Bewegung, den Schwingungen der Luft wahrnehmbar zu
machen, und ihnen dadurch die Nähe fester Körper zu verrathen. -- In
Java wird der P. edulis, wie mir versichert wurde, selbst von den
Eingebornen nicht gegessen, in den Philippinen scheinen ihn die
~Europäer~ zu verschmähen, obgleich sein Fleisch sehr wohlschmeckend
ist, ähnlich dem Rebhuhn.
In wenigen Stunden erreicht man Magelang, Hauptstadt der Provinz Kadu.
Der Garten des Residenten hat eine sehr schöne Lage und enthält eine
Anzahl in der Umgebung gefundener Skulpturen, darunter einen mit
kunstvollen Basreliefs bedeckten Stein in Form eines Sarkophags.
[Illustration: KALONGS. (FLIEGENDE HUNDE.) JAVA.]