deren künstliche Wasserspiegel unter dem Sonnenstrahle dampften. Sorglos
lagen sie auf den Bali-balis ihrer kleinen Hütten ausgestreckt. In den
Vorhallen (Pendopo's) der Häuptlinge verstummten allmälig die Schläge
des Gamelan, unter deren sanftem, melodischem Getön die javaschen
Grossen gewohnt sind, einzuschlummern; auch der Gesang der Tanzmädchen
(Ronggengs) wurde bald nicht mehr vernommen, und nur das sanfte Girren
der Turteltauben, die in zahlreichen Käfigen vor den ländlichen
Wohnungen hängen, war mit dem Rufe eines Priesters, der von seiner
baumumgrünten Moschee herab die Herrlichkeiten Allah's und seines
Propheten verkündigte, oder mit dem Knarren einer verspäteten Pedati,
deren scheibenförmige Räder sich langsam auf der staubigen Strasse
umwälzten, gezogen von trägen Karbauen, deren Führer längst
eingeschlummert war, vielleicht das einzige Geräusch, das in den weiten
Dörfern Tasikmalaja und Singaparna erscholl. Das ganze Land lag in
tiefer Ruhe und Frieden. Die Bevölkerung hielt ihren Mittagsschlaf,
nicht ahnend, nicht träumend, dass einige Augenblicke später aus dem
Innern des G.-Gelungung „dumpf und bang” ihr -- ~Grabgesang~ ertönen
würde. Er aber ertönte. -- Es war 1 Uhr. -- Durch plötzliche Erdstösse
aus dem Schlafe geweckt, entflohen die Bewohner ihren Hütten. Ein
donnerndes, brüllendes Getöse traf ihr Ohr und Entsetzen bemächtigte
sich ihrer, als sie ihre Blicke zum G.-Gelungung wandten und eine
schwarze Rauchsäule von ungeheurem Umfange emporschiessen, sich mit
Blitzesschnelle ausbreiten, den ganzen Himmel überziehen und im Nu den
noch eben hellsten Sonnenschein in die finsterste Nacht verwandeln
sahen. -- Jetzt flohen sie bestürzt durch einander, nicht wissend,
wohin, und ungewiss ihres nächsten Looses. Noch einige Sekunden später
und ein Paar Tausend von ihnen waren begraben. Sie wurden theils bedeckt
von Schlamm, der vom Krater ausgeschleudert, in ungeheuren Massen aus
der Luft herabfiel, theils kamen sie in den Fluthen von heissem Wasser
um, das mit Schlamm und Steintrümmern vermengt, dem Krater in ungeheurer
Menge entquoll, das (als drohe eine zweite Sündfluth) zehn Minuten weit
im Umkreise Alles überströmte, alle Dörfer, Felder und Wälder
vernichtete und in einen dampfenden Pfuhl von bläulich-grauer Farbe
verwandelte, der mit Cadavern von Menschen und Thieren, mit
Häusertrümmern und zerbrochenen Baumstämmen übersäet war. Wild brachen
durch diese Schlamm- und Trümmermassen die Bäche Tji-Kunir und Tji-Wulan
hindurch; sie waren zu tobenden Fluthen angeschwollen, die Alles auf
ihrer Bahn zerstörten, alle Brücken wegspülten und weite
Ueberschwemmungen verursachten, in denen noch eine grosse Menge armer
Flüchtlinge, die sich schon gerettet glaubten, ihr Leben verloren; --
mit Menschen- und Thierleichen aller Art bedeckt, wälzten sie dann ihr
schlammiges, kochend heisses Wasser der Südküste zu, deren Bewohner, vor
diesem Anblicke entsetzt, die Flucht zu den nächsten Hügeln ergriffen.
In das Brausen der Bäche, in das Brüllen des Kraters, in das Krachen
zersplitterter Wälder, in das Knacken fortgewälzter Felsenmassen, die an
einander stiessen, und in das verzweiflungsvolle Jammergeschrei der
Tausende von Menschen, die hülflos ihren Tod vor Augen sahen, -- dröhnte
laut von oben der Donner herab, und Blitze fuhren unaufhörlich nach
allen Richtungen aus dem dichten Gewölk, das sich weit und breit über
dem Gebirge durch die schnelle Verdichtung der Dämpfe gebildet hatte.
Erst nach drei Stunden, nämlich um 4 Uhr Nachmittags, liess die
Heftigkeit des Ausbruchs nach, die sich fortwährend auf eine doppelte
Weise offenbart hatte, nämlich durch das Hervorquellen von Schlammmassen
aus dem Krater und das Herabströmen derselben und durch das
Emporschleudern in höhere Luftschichten von Schlamm, Asche und
Steinmassen, die dann als ein Alles verwüstender Regen wieder
niederfielen und auch die entfernteren Pflanzungen und Wälder, die in
etwas grösserer Entfernung lagen und dadurch auch noch verschont
geblieben waren, zerstörten. Um 5 Uhr aber war Alles vorbei. --
Zahlreiche Dörfer mit allen ihren Bewohnern, die sich drei Stunden zuvor
noch im Kreise der Ihrigen sorglos der Ruhe überliessen, oder ihre
Kinder wiegten, lagen nun begraben unter vulkanischem Schlamm und
Steintrümmern, so dass man keine Spur mehr von den Dörfern sah, und das
Terrain südöstlich vom Berge um 40-50' hoch durch die Auswurfmassen
erhöht war. Wie erschöpft von ihren Anstrengungen (gegen 5 Uhr), versank
nun die Natur in Ruhe; es wurde todtstill, und der Himmel heiter, und
der Abendstrahl derselben Sonne, die des Mittags über alle Pracht der
tropischen Vegetation, über Glück und Luxus geschienen hatte, -- jetzt
schien sie, fast spottend, über einen Schauplatz von Verwüstung, aus dem
alles Grün verschwunden war, über meilenlange, schwärzlich-graue Felder
von Schlamm und Lava, gleichsam über Schlachtfelder, welche besäet waren
mit zerknickten Baumstämmen und Cadavern von Menschen und Thieren, die
theils verstümmelt und verbrannt aus dem Schlamm hervorragten, theils in
den tobenden Fluthen des Tji-Wulan und Tji-Tandui dem Meere zutrieben.”
Das Wasser, das von den steilen Wänden des Kraters aus der Schlucht
herabfällt, fliesst in zwei tiefen Rinnen zu beiden Seiten des die
letztere ausfüllenden Schuttrückens und vereinigt sich am Ende desselben
zu einem wasserreichen Bach, Tjikunir, der in vielen Windungen durch die
Ebene fliesst und einige Meilen weiter in den Tjiwulan mündet. Der
Schuttberg ist ebenfalls reich bewachsen, namentlich mit vielen
Baumfarnen und blühenden Sträuchern; wo er aber sein Ende in der Ebene
erreicht, hört diese Vegetation plötzlich auf; nichts als Glagarohr
bedeckt die Fläche und die unzähligen kleinen Hügel, die sich aus
derselben erheben, deren durch den Ausbruch veranlasste Entstehung noch
nicht genügend erklärt ist und verschiedene Hypothesen hervorgerufen
hat. Die vulkanische Thätigkeit am Gelungung ist jetzt auf einige
Solfataren und Fumarolen beschränkt, in denen Gyps, Schwefel, Faseralaun
und Eisenchlorid gebildet wird. Auch eine Kalksinterquelle ist
vorhanden.
Wo die Glagawildniss an die fruchtbare Ebene grenzt, erwartete mich der
Bedana von Singaparna. Ich brachte die Nacht bei ihm zu, besichtigte am
folgenden Tage, durch strömenden Regen sehr behindert, das interessante
Hügelterrain und erreichte die Fahrstrasse wieder bei Tasikmalaja. Von
hier läuft der Tjitandui nach Osten, am Südrande des grossen Sawalberges
hin, mehrere Gewässer aufnehmend, bei Bandjar führt ihm der Tjimundur,
der alle vom Ostabhang desselben Berges abfliessenden Bäche, gegen 20,
aufnimmt, so grossen Wasserreichthum zu, dass er für flache Boote schon
von hier aus den grössten Theil des Jahres schiffbar ist. Wenige Paal
weiter, bei Sindang-adji, nimmt er eine südöstliche Richtung an und
schleicht in trägen Windungen durch ein niedriges Sumpfland (Rawa) bis
Kaliputjang, wo er durch die Kalkberge, die hier den Südrand Javas
einfassen und nur von einer sehr schmalen Meerenge unterbrochen in der
Insel Nusa-kumbangan fortsetzen, zu einer mehr östlichen Richtung
gezwungen wird. Etwas weiter erreicht er den kleinen, seichten Meerbusen
Segoro-anakan, „die Kindersee”, ein hässliches, seichtes, heisses, von
Mangelsümpfen eingefasstes Wasserbecken, durch die quer davor liegende
Insel Nusa-kumbangan fast ein Binnensee. Von Tasikmalaja folgt die
Strasse dem südlichen Ufer des Tjitandui bis Bandjar. Die Gegend ist
flachhüglich, weniger bebaut und bewohnt, als die bisher besuchten
reichen Distrikte; es fehlen die Sawas, weil kein Berieselungswasser von
höher gelegenen Bergen vorhanden ist. Von Bandjar, wo die Landstrasse
ihr Ende erreicht, muss die Reise zu Wasser oder zu Pferde fortgesetzt
werden; daher fanden wir hier eine grosse Menge von Büffelkarren, welche
die Produkte der Preanger Regentschaften an die Regierungspackhäuser
abgeliefert hatten, von wo aus sie in eigens dazu erbauten, sehr flach
gehenden, eisernen Frachtschiffen stromabwärts an Bantengmati vorbei,
über die fast zugeschlämmte „Kindersee”, welche Java von der Insel
Nusa-kumbangan trennt, nach Tjelatjap verschifft werden, wo jährlich
gegen 50 grosse europäische Schiffe einlaufen, um diese Produkte nach
Europa zu bringen. Bandjar hat als Stapelplatz für den südlichen Theil
der Preanger Lande dieselbe Bedeutung, wie Tjikao (S. 138) für den
nördlichen. Was oben über die mangelhaften Verkehrsmittel der Provinz
im Allgemeinen gesagt worden, gilt in erhöhtem Grade für deren südlichen
Theil, der nicht, wie der nördliche, durch eine Kulturebene, sondern
durch eine Felsenmauer begrenzt wird, welcher kein Schiff zu nahen wagt.
Die Büffelkarren (pedati) nehmen eine hervorragende Stelle in der
Staffage javanischer Landschaften ein. Es sind viereckige Körbe mit
einem Dach, wie die Wohnhäuser der Inländer, nur viel kleiner und
zierlicher. An der vom Dach überragten vorderen Giebelseite ist eine Art
Vestibulum, in welchem der Fuhrmann sitzt, man könnte fast sagen, --
wohnt, so häuslich richtet er sich bei langen Reisen ein. Oft hockt
seine Frau neben ihm, sein Regenhut, Kochtopf und sonstige kleine
Bedürfnisse hängen unter dem Dach, an den Seitenwänden. Oben am Giebel
ist immer ein Fähnchen oder eine geschnitzte Verzierung angebracht,
häufig ein Pfauenkopf; dann ist die hintere Giebelspitze mit einem
wirklichen Pfauenschwanz geschmückt. Die an der Achse festsitzenden
Räder sind Holzscheiben und bestehen gewöhnlich aus den
strebepfeilerartigen schmalen Vorsprüngen, die den am höchsten
aufstrebenden Waldbäumen als Stütze dienen. Man begegnet Zügen von mehr
als 100 Wagen hinter einander, die unter unaufhörlichem, einförmigem
Quieken langsam fortrollen und die Fuhrleute in angenehmen Schlaf
lullen. Die Büffel bewegen sich nur langsam vorwärts und müssen häufig
gebadet werden. Deshalb wählt man zu Lagerplätzen gern Stellen, an denen
sich die Thiere im Wasser oder noch lieber im Schlamm erholen können,
während die Menschen an zahlreichen kleinen Feuern ihren Reis kochen.
[Illustration: BÜFFELKARREN. JAVA.]
Von Bandjar wurde mein Wagen über die Kindersee nach Tjelatjap gesandt,
während ich die Reise zu Pferde auf schattigen Waldwegen am Rande des
niedrigen Höhenzuges fortsetzte, der die einförmige Rawa in SW.
einfasst. Der Ritt durch diese wenig besuchten Wälder war
ausserordentlich angenehm. Einen bemerkenswerthen Kontrast mit der
allgemeinen Ueppigkeit bildeten einige allein stehende 50' hohe dicke
Säulen, von denen einzelne grosse vergilbte Fächer herabhingen, während
sich über ihnen ein Riesen-Kandelaber erhob, auf dessen sparrigen,
horizontal ausgereckten Armen zuweilen ein grosser Nashornvogel sass,
der die daran sitzenden reifen Früchte verzehrte. Es waren die an der
Südküste so häufigen Fächerpalmen (Corypha gebanga), die nur einmal
Früchte tragen und dann, wie wahrscheinlich alle terminal blühende
Palmen, absterben. Die Menge der wilden Pfauen verkündete die Nähe von
Tigern; eine Gemeinschaft, deren Ursache noch nicht genügend
festgestellt ist. Auch Rhinozerosse und wilde Stiere (banteng) sind
hier häufig. Auf weiten Strecken fanden wir die Strasse mit
Teakbäumen (spr. Tiek), Tectona grandis L., bepflanzt. Sie wachsen
Anfangs schnell, später aber sehr langsam und sind erst nach 60 oder 80
Jahren für den Schiffbau zu gebrauchen, in welcher Verwendung sie alle
bekannten Hölzer übertreffen. Das Holz schadet dem Eisen nicht, wirft
sich nicht, ist kieselreich und ausserordentlich dauerhaft; Termiten
greifen es nicht an und es kann grün verwendet werden. Während
Telegraphenstangen in Preussen im günstigsten Falle 5 Jahre halten, sind
Teakstangen selbst in Indien unverwüstlich. Der ausgewachsene Baum ist
einer der mächtigsten Waldbäume. Im Westen von Java ist das Teak selten,
in Mittel- und Ost-Java bildet es grosse Wälder und leidet keine andern
Bäume neben sich, die ihm gern den Platz überlassen, da ihm der
schlechteste Boden gefällt.[85] Auch Gummibäume sind hier angepflanzt
worden, um später ausgebeutet zu werden. So ist die holländische
Regierung unablässig bemüht, durch den Anbau neuer Kulturpflanzen den
Werth ihrer Kolonie zu erhöhen.
[Illustration: HÄUSERGRUPPE IN EINEM GEBIRGSDÖRFCHEN. JAVA.]
Die Nacht brachte ich in einem ganz kleinen selten besuchten Dörfchen in
der Nähe des Gunong-gamping, bei armen sehr gefälligen Leuten zu. Einen
Theil desselben stellt die beiliegende Zeichnung dar; das grössere Haus
links im Vorgrund ist eine Reisscheune (lombong), sie steht auf vier
Steinen zum Schutz gegen heimliche Angriffe der Termiten, frei und hoch
genug über dem Boden, um der Luft den Durchzug durch die aus Bambus
geflochtenen Wände zu gestatten; diese laufen spitz nach unten zu,
wodurch der Regen unschädlich gemacht und das Hinaufklettern der Ratten
und Mäuse sehr erschwert wird. Am folgenden Morgen besuchte ich mehrere
geognostisch-interessante Punkte, den prächtigen Wasserfall Tjipipisan,
und gelangte Abends nach Kaliputjang, wo der Tjitandui auf den die Rawa
in SW. begrenzenden Höhenzug stösst. Von hier fährt man im Kahn nach
Bantengmati, einem kleinen, auf der NW.-Spitze der Insel Nusa-kumbangan
gelegenen Fort, dessen Kommandant, ein alter, lange in Indien dienender
Soldat, mich sehr freundlich aufnahm. Unter den wenigen Soldaten, aus
denen die Garnison bestand, waren auch mehrere Neger, die sich
anfänglich häufig krank meldeten, wodurch der Dienst sehr litt. Zum
Glück besass der alte Herr ein Universalmittel, das nie versagte. Jeder
Patient musste, bevor er nur überhaupt die näheren Umstände seiner
Krankheit vortragen durfte, ein Weinglas voll Ricinusöl unter den Augen
seines Vorgesetzten austrinken. Die Leute sträubten sich oft gewaltig,
genasen aber immer nach der ersten Dosis, wenigstens verlangten sie nie
eine zweite.
Nach dem langen Aufenthalt im Hochlande fand ich es hier erschlaffend
heiss; Moskitos waren so zahlreich, dass um alle Häuser Rauchfeuer
brannten. Ich folgte dem Nordrand der Insel, deren westliches Ende aus
Kalkklippen besteht, an denen bis zu beträchtlicher Höhe die Einwirkung
des Meeres sichtbar ist, obgleich es jetzt nur noch ihren Fuss bespült.
In diesen Kalkfelsen sind viele kleine Tropfsteinhöhlen, in denen aber
trotz allen Suchens keine Knochen aufzufinden waren. Da, wo die
Kalkfelsen aufhören, die Küste flach wird, treten Mangelsümpfe auf, die,
wenige felsige Stellen des Südrandes ausgenommen, das ganze übrige
Gestade der Kindersee mit einem breiten Gürtel einfassen und die Rawa
von Jahr zu Jahr vergrössern. Bevor wir bei Manundjaja, einer ärmlichen,
kleinen Häusergruppe im sumpfigen Walde, das Land betraten, besuchten
wir Paniteng, eines der merkwürdigen Dörfer, deren sich mehrere mitten
aus dem seichten Meere erheben. Es war nur im Kahn zu erreichen und
ruhte ganz auf Pfählen. Die Hütten bildeten ein Viereck und waren nach
Aussen durch eine Gallerie, nach Innen durch einen Hof von Bambuslatten
verbunden, wodurch in diesem Venedig eine Art Markusplatz entstand, auf
welchem Fische getrocknet wurden. Es war ein ärmliches, schmutziges
Dörfchen, aber interessant als ein Beispiel moderner Pfahlbauten.
Nach vielen vergeblichen Bemühungen von Manundjaja aus Karang-andjar zu
erreichen, wo die Rafflesia Padma auf den Wurzeln eines Cissus in
solcher Menge wächst, dass Junghuhn „keinen Schritt thun konnte, ohne
eine zu zertreten”, schifften wir uns nach Tjelatjap ein.
Nusa-kumbangan tritt mit der östlichen Hälfte seines Nordrandes so hart
an das Festland, dass der Meeresarm, durch welchen die Kindersee mit
dem indischen Meer in Verbindung steht, kaum die Breite eines
mittelmässigen Flusses hat. Die östliche Spitze biegt sich hornartig
nach Norden und schützt dadurch den am jenseitigen Ufer gelegenen
Hafen von Tjelatjap. Von hier bis zur Mündung des Kali-Seraju gen
Osten, bildet die Küste einen nach NW. gerichteten Bogen, und streicht
dann als flaches Gestadeland in fast gerader Richtung, die Provinzen
Banjumas und Bagelen im Süden begrenzend, bis Karang-tritis, im Gebiet
des Sultans von Jokjokarta. Dort hört der Strand plötzlich auf;
schroffe Felsenwände, die im Allgemeinen dasselbe Streichen
beibehalten, aber sehr zerrissen und vielfach ausgezackt sind, fassen
nun den Südrand der Insel bis zur östlichsten Spitze ein, nur einmal
durch eine sumpfige Ebene unterbrochen. Auf der ganzen Strecke giebt es
keinen Hafen mehr, kaum einen Zufluchtsort für Fischer. Die
Schifffahrtsbücher beschreiben die Südküste von Java als
„eisenumgürtet” (ironbound); kein Schiff wagt ihr zu nahen.
Zwischen Tjelatjap und Karang-tritis erhebt sich aus dem Flachland, etwa
im Drittel der Erstreckung, ein ins Meer hineinragender Felsenberg
Karang-bollong, der in seiner, dem Meere zugekehrten steilen Wand die
berühmten Höhlen enthält, welche die essbaren Vogelnester liefern. Ihnen
galt mein erster Besuch.
Eine sehr gute Strasse läuft dem Strande parallel nach dem isolirt
liegenden Gebirg. Vom Meer trennt sie nur ein wenige tausend Fuss
breiter Saum von dichtem grünem Rasen, auf dem Büffel weiden, oder im
Schatten von Bambusbüschen wiederkäuen. Links von der Strasse,
landeinwärts, liegen wenige Dörfer, von kleinen Feldern umgeben; der
grösste Theil des Flächenraumes wird aber von Morästen eingenommen, in
deren Pfützen und Gräben weisse, unbedeutende Nymphaeen und
kleinblättrige Limnanthemum blühen. Auch hier waren Teakbäume
angepflanzt. Im Pasanggrahan von Adiredjo traf ich drei Landsleute von
der topographischen Abtheilung, die mit Aufnahme der Provinz Banjumas
beschäftigt war. Die Aufnahmen fanden im Maassstabe von 1:10,000 statt.
Die Triangulationen waren über ganz Java beendigt, das Ausfüllen geschah
ohne Messtisch, mit Schmalkalderscher Bussole. Ich kam an mehreren
Zimmetpflanzungen vorüber und fand auch Baumwolle in kleinen Feldern
angebaut, die aber nicht recht gedeihen will, angeblich wegen der
grossen Feuchtigkeit. In Gumpangpasir sah ich das Zimmet für den Handel
bereiten. Die Pflanze (Cinnamomum zeilanicum) wird als Strauch
kultivirt. Man schneidet die Triebe, wenn sie etwa die Grösse eines
gewöhnlichen Spazierstocks haben; jeder Baum wird jährlich acht- bis
neunmal geschnitten und liefert je 2 oder 3, im Jahre also ungefähr 2
Dutzend Stöcke. Nachdem sie gleich auf der Pflanzung von Laub und
Seitenzweigen entblösst sind, werden sie bündelweis in einen Schuppen
gebracht, wo ein Arbeiter die Rinde der ganzen Länge nach aufschlitzt
und vom Stock löst. Er sitzt dabei auf dem Boden, hält das eine Ende des
Stocks mit der Hand, das andere mit den Zehen fest; eine Frau schabt mit
einem sichelförmigen, an beiden Enden mit Handgriffen versehenen Messer
die Korkschicht von der abgelösten Rinde. Die zurückbleibende
Bastschicht, welche den Zimmet des Handels giebt, wird dann in mehreren
Lagen über einander zu 3 Fuss langen Streifen an einander gelegt, die
sich beim Trocknen von beiden Rändern aus nach der Mittellinie hin
zusammenrollen. In der Sonne werden sie vollständig getrocknet.
Zweihundert solcher Rollen bilden ein Bündel.
Der Zimmetbau ist 1825 durch die Kolonial-Regierung in Java eingeführt
und später als ein Zweig des Kultursystems in grösserer Ausdehnung
betrieben worden, hat aber statt des erwarteten Gewinns immer nur
Verlust ergeben, so dass man demnächst wohl die Pflanzungen an
Privatunternehmer verpachten wird. Die Qualität ist durch sorgfältige
Kultur sehr gehoben worden, ohne jedoch der des Zimmets von Ceylon
gleichzukommen. Nach dem Durchschnitt der letzten Jahre betrug die
Ausfuhr im Mittel etwa 200,000 ℔, beinahe ein Drittel so viel als von
der „Zimmetinsel” Ceylon. Wie der Verbrauch fast aller andern Gewürze
nimmt auch der des Zimmets eher ab als zu. Die künstliche
Vertheuerung[86] dieses ursprünglich auf Ceylon und Malabar beschränkten
Gewürzes durch das erst 1833 aufgehobene Monopol hat viel zur
Verbreitung der Cassiarinde (Cassia lignea) als Surrogat
beigetragen.[87]
Ueber den breiten, aber kurzen Kali-adiredjo führt eine Bambusbrücke,
die, auf Bambusflössen ruhend, mit der Ebbe und Fluth fällt und steigt.
Zu beiden Seiten derselben standen lange Reihen eigenthümlicher
Fischapparate: kleine Häuschen auf 15' hohen Gestellen, jedes mit einem
grossen Senknetz versehen, das vermittelst einer rohen Welle und eines
Rotangstricks aufgeholt werden kann. Gegen 5 Uhr erreichte ich Djetis,
wo ein schlechter Pasanggrahan in hübscher Umgebung am westlichen Ufer
des gleichnamigen Flusses liegt, der hier in das indische Meer fällt. Am
jenseitigen Ufer erheben sich die hohen Felskuppen von Karang-bollong.
Am folgenden Morgen fuhr ich über den Fluss, der die westliche Grenze
von Ambal des südlichen Theils der Provinz Bagelen bildet; ich traf den
Assistent-Residenten und setzte in seiner angenehmen Gesellschaft den
Weg über den Felsrücken fort, der hier die flache, fast geradlinige
Küste plötzlich unterbrechend, mehrere Paal weit ins Meer ragt. Nach
wenigen Stunden erreichten wir am jenseitigen Fuss des Berges den Ort
Karang-bollong, welcher die Beamtenwohnungen und das Magazin für die
Vogelnester enthält. In der Mitte des letzteren erhob sich ein reich
geschmücktes, der Geisterkönigin Loro-kidul, Schutzpatronin der
Nestersammler, geweihtes Bett, vor welchem Früchte, Blumensträusse,
Räuchergefässe standen; eine verzierte Kiste enthielt ihre Garderobe,
die von Zeit zu Zeit auf Kosten der Regierung erneuert wird. Loro-kidul
hat eine eigene Kammerjungfer, die zur Zeit der Lese die Göttin befragt,
ob die Nester gepflückt werden dürfen oder nicht. Die Antwort lautet
gewöhnlich bejahend, zuweilen aber auch verneinend; dann wird nach
einigen Tagen wieder angefragt, und immer noch hat Loro-kidul zur
günstigen Zeit die Erlaubniss ertheilt, vielleicht aus Furcht, durch
Eigensinn ihre Kammerjungfer zu verlieren. Die Nester werden dreimal
jährlich eingesammelt. Es war jetzt gerade die Zeit, wo mit der zweiten
Lese begonnen werden sollte. Die Leute waren beschäftigt, Bambus- und
Rotangleitern in Stand zu setzen, um vom oberen Rande der Felsenmauer
aus in die Höhlen zu steigen. Vom Meere her sind sie nicht zu erreichen.
Für die grosse Höhle Gua-gedeh sollten die Vorbereitungen den nächsten
Tag fertig sein; so hatte ich denn Gelegenheit, eine dieser berühmten
Höhlen zu besuchen, wozu ein Fremder wohl nicht leicht Erlaubniss
erhält. Die Beamten, denen der Besuch freisteht, haben ihrerseits wenig
Lust, sich dem beschwerlichen und als halsbrecherisch geschilderten Gang
auszusetzen, da sie nicht die Neugier eines Reisenden besitzen.
Auf dem Gipfel des Bergrückens, der die Thalmulde, in welcher das
Packhaus liegt, vom Meer trennt, stehen drei kleine Flaggenstöcke, von
denen, wenn die See ruhig ist, so dass man gefahrlos den Eingang der
Höhle erreichen kann, weisse, im andern Falle schwarze Flaggen wehen.
Loro-kidul war liebenswürdig, 3 weisse Fähnchen winkten von der Höhe.