Von der Schönheit einer auf offenem Felde oder auf einer Anhöhe

freistehenden Bambuse, deren oben reich befiederte Halme sich bei

Windstille nach allen Seiten gleichmässig zur Erde neigen, wie die

Wassergarbe eines Springbrunnens, kann man sich nach den verkümmerten

Exemplaren in den Ecken unserer engen Treibhäuser unmöglich einen

Begriff machen. Sie übertrifft sowohl die Palme als den Baumfarn an

landschaftlicher Schönheit. Es wäre ein würdiger Versuch für einen

reichen Gartenfreund, seinen Rasenplatz mit einer Bambusgruppe zu

schmücken. Ein gemauertes, durch Röhren heizbares Becken, mit einem im

Sommer abzunehmenden Glashause würde genügen; vielleicht wären selbst

einfachere Vorrichtungen ausreichend. (Im Garten der Fürstin Butera bei

Palermo sah ich Bambusen im freien Lande, es war aber keine schöne Art.)

Rings um die Mittelgruppe könnte man niedrigere Arten mit goldgelben und

gelb und grün gestreiften Halmen setzen, deren es äusserst zierliche

giebt. Die Auswahl ist endlos; die Dicke schwankt zwischen 1 Fuss und

wenigen Millimetern, die Höhe erreicht 70-80', abgesehen von den

kletternden, welche viel länger werden; die Farbe umfasst sehr

verschiedene Töne von grün und gelb; es giebt auch gestreifte, gefleckte

und schwarze; und es trifft sich glücklich, dass gerade die schönste

aller Bambusarten im nördlichen China in einem Klima wächst, das von dem

Süd-Europas nicht allzu verschieden ist. R. Fortune, der in diesem Punkt

gewiss kompetent ist, glaubt wenigstens, dass sie in Süd-Frankreich,

Italien und ähnlichen Gegenden im Freien gedeihen möchte. Er sagt von

ihr (Residence among the Chinese pg. 189): „Die Mau-tschok ist die

schönste Bambuse der Welt -- 60-80' hoch, Stamm gerade, glatt, astlos

bis auf 20 oder 30' vom Boden, der obere, belaubte Theil so leicht und

gefiedert, dass er die Reinheit des Stammes nicht beeinträchtigt.” Wie

alle andre Arten dieser Gruppe wachsen sie sehr schnell und erreichen

ihre volle Höhe in wenigen Monaten; man sieht sie fast wachsen, wie man

zu sagen pflegt. Fortune, der häufige Messungen in den chinesischen

Bambuswäldern anstellte, fand, dass eine gesunde Pflanze 2 - 2-1/2' in

24 Stunden wächst, und zwar Nachts am schnellsten. Selbst im Treibhause

ist ihr Wachsthum enorm. Hr. Inspektor Bouché berichtet, dass eine im

freien Grunde des Palmenhauses im Berliner botanischen Garten stehende

Bambusa verticillata vom 22. Juni bis Anfang Oktober 38' emporschoss.

Vom 28. Juni bis 4. August wurde sie täglich gemessen und wuchs 10' in

38 Tagen, also durchschnittlich 3-1/2 Zoll, an einzelnen sehr warmen

Tagen aber 7, ja sogar 9 Zoll.

Bald nach unserer ersten Reise hatte ich das Vergnügen, Hrn. de Vrij

nach Tjibodas am Gedeh zu begleiten, wo die bereits mehrmals erwähnte

erste Cinchonapflanzung auf Java in 4400' Höhe von Hasskarl und Teysmann

angelegt worden war. Bei dem Gärtner in Tjipanas, das an demselben

Abhang 1100' tiefer liegt, fanden wir diesmal gute Aufnahme und

angenehme Gesellschaft aus Batavia, die sich in der hiesigen

Frühlingsluft von den Strapazen der heissen Hafenstadt erholte. Man kann

sich kaum einen angenehmem Aufenthalt denken, um Geist und Körper zu

erfrischen. Daher würde der Ort von den Bataviern noch viel zahlreicher

besucht werden, wenn nicht die sehr hohen Reisekosten und das strenge,

lästige Passwesen für sie ein Hinderniss wären.[83]

Die Gärtnerei ist nicht auf die unmittelbare Umgebung von Tjipanas

beschränkt, sondern zieht sich mehrere tausend Fuss höher den Berg

hinan, wodurch es möglich wird, viele Kultur- und Zierpflanzen aus

kälteren Breiten zu bauen. Artischocken, Spargel, Tomaten und andere

feine europäische Gemüse, die in Singapore nur als Leckerbissen aus

Blechbüchsen auf die Tafel kommen, bildeten den Hauptbestandtheil der

Mahlzeiten; Erdbeeren waren in grösster Fülle vorhanden und wurden nach

andalusischer Sitte mit Apfelsinensaft gegessen. Europäische Fruchtbäume

sind zwar auch höher oben am Berge gepflanzt und tragen das ganze Jahr

Blüthen und Früchte, doch bleiben letztere meist ungeniessbar, weil den

Bäumen die unsern Wintern entsprechende Ruhezeit fehlt. Am

schmackhaftesten sind noch die Aepfel, am ergiebigsten die Pfirsiche,

die aber nur gekocht zu geniessen sind; Erdbeeren wachsen so üppig, dass

weiter oben grosse Flächen damit bedeckt sind. Nach ihnen ist ein Gehöft

in etwa 4000' Höhe Arrebe benannt; so sprechen die Malayen das

holländische „Aardbei” aus. Man kommt an mehreren Cinchonapflanzen

vorbei, die Junghuhn von Tjibodas aus hierher versetzte, nicht nach dem

Malabar, wie Markham irrthümlich angiebt. Schöne, bequeme Reitwege

führen nach verschiedenen Richtungen, -- auch bis zum Gipfel des ganzen

Gebirges, nach Junghuhn Mandellawangi, gewöhnlich aber wohl Pangerango

genannt, auf welchem jetzt ein geräumiges, heizbares Bretterhaus steht,

wo man die Nacht zubringen kann. Die Reitpferde sind billig und gut und

können unterwegs gewechselt werden, so dass selbst Damen diesen 9230'

hohen Gipfel fast ohne alle Anstrengung erreichen können. Gruppen

riesiger Rasamalas, Baumfarne und Orchideen (die köstliche Vanda

suaveolens findet sich nirgends in grösserer Fülle) folgen auf einander,

und höher hinauf leuchten schon aus der Ferne die grossen rothen oder

gelben Blüthenbüschel des Rhododendron Javanicum, das hier gewöhnlich

epiphytisch vorkommt. Vor Kandang-badak überschreitet man auf einer

Brücke einen heissen Sturzbach, der dampfend in den Abgrund fällt. Bald

darauf kommt man an einem grossen Erdsturz, einer Scene wilder

Verwüstung, vorüber: auf einem weiten Raum wächst keine Pflanze, enorme

Felsblöcke und Schutt bedecken die Oberfläche, dazwischen liegen grosse

zertrümmerte Baumstämme und eine hohe, senkrechte Wand, ohne eine Spur

von Pflanzenwuchs, zeigt den Ort, wo sich die Erde abgelöst und dass das

Ereigniss vor Kurzem stattgefunden hat. Vom Gipfel des Berges hat man

einen ausgezeichnet schönen und weiten Umblick, dessen interessantesten

Theil der grosse Gedehkrater bildet, der mit seinen terrassenförmigen

Gesteinsbänken wie ein ungeheures antikes Theater vor dem Beschauer

liegt.

Viertes Kapitel.

Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. -- Tiger. -- Kawali. --

Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch des Gelungung. --

Büffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. -- Universalmittel. --

Pfahldorf. -- Zimmet. -- Loro-kidul. -- Essbare Vogelnester und

abergläubische Gebräuche beim Einsammeln derselben. -- Kampf

zwischen Tiger und Büffel. -- Tigerstechen. -- Reise nach dem

Slamat. -- Rhinozerosse.

Ich kann nicht läugnen, dass die bisherige Art zu reisen mir

ausserordentlich gefallen hatte, und als mir im Verkehr mit den

liebenswürdigen Männern, deren Gesellschaft ich genoss, jeden Tag die

Aussicht auf neue Wunder eröffnet wurde, die das Innere der Insel bergen

sollte, wurde mein Entschluss, mich auf einen Ponyritt durch die

Preanger Lande zu beschränken, allmälig wankend. Ich liess mich ohne

grosse Schwierigkeiten bereden, die reichen Mittel zu benutzen, die mir

der General-Guvernör mit so glänzender Liberalität zur Verfügung

gestellt hatte. Junghuhn, der mir namentlich sehr zuredete, arbeitete

für mich einen Reiseplan aus, der alle Gegenstände einschloss, die mir

von besonderem Interesse waren. Die Punkte der bemerkenswerthesten

geologischen Erscheinungen bildeten darin die Hauptmomente und waren

durch solche, welche ethnologische Eigenthümlichkeiten, malerische

Landschaften, kulturhistorische Monumente, charakteristische

Vegetationsbilder, interessantes Volksleben darboten, zu einer Kette

verknüpft, die von Lembang ausgehend, sich durch den südlichen,

gebirgigen Theil der Insel zog und dann durch das flache, nördliche

Gestadeland zurücklief. Alle hervorragenden Erscheinungen, die Junghuhn

während seiner 20jährigen, oft unter grossen Entbehrungen und Strapazen

ausgeführten Wanderungen kennen gelernt, sollte ich nun, mit allen

Bequemlichkeiten versehen, an mir vorübergleiten lassen. Jedem Tag hatte

er ein besonderes Blatt gewidmet, auf dem alles Interessante der

betreffenden Strecke verzeichnet war, immer mit Hinweis auf die

entsprechende Stelle in seinem Handbuch und Anführung der Seitenzahl. Ja

sogar Erholungsstationen an schönen Kraterseen oder in hoch gelegenen

Pasanggrahans waren hinter den anstrengenderen Exkursionen

eingeschaltet. Rechne ich dazu noch die selbst für Indien fast

unglaubliche Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit, die mir ohne

Ausnahme während der ganzen Reise zu Theil wurde, so glaube ich wohl

annehmen zu dürfen, dass noch Niemand diese schöne Insel unter

angenehmeren Verhältnissen durchstreift hat. Mit jedem Tage wuchs meine

aufrichtige Verehrung für Junghuhn. Wer nicht an Ort und Stelle, sein

Buch in der Hand, das Geschriebene geprüft, wird sich keine Vorstellung

machen können von der Genauigkeit der Beschreibung und der Klarheit, mit

der die Verhältnisse aufgefasst sind. Als er die Materialien zu diesem

Werk sammelte, fand er nur geringe Unterstützung. Mit hoher,

wissenschaftlicher Befähigung, seltenem Fleiss und eiserner Ausdauer

ausgerüstet, gab ihm seine leidenschaftliche Liebe zur Natur die Kraft,

Schwierigkeiten zu überwinden, die für die meisten unübersteiglich

gewesen wären. Mein eigenes Urtheil über ihn kann wohl nicht

unparteiisch sein, darum habe ich in Obigem nur die allgemeine Ansicht

über seine Leistungen wiederholt.

Zum Abschied machte ich mit Junghuhn noch eine Exkursion auf den

Tankubang-prau, den berühmten von zwei grossen Kratern durchbohrten

Vulkan, an dessen Fuss Lembang liegt. Nach einigen Stunden erreichten

wir unsere Hütte, die an der Stelle aufgeschlagen war, wo die beide

Krater trennende Wand im Süden die gemeinschaftliche Ringmauer trifft.

Von hier hätten wir einen Einblick in beide Schlünde haben müssen; aber

dichte Nebel verbargen jede Aussicht und liessen nur einige in unserer

Nähe stehende vermodernde Thibaudienstämme mit knorrigen phantastisch

ausgereckten Aesten erkennen. Aus dem Boden des Kraters, in mehr als

1000' Tiefe, hörte man das Sausen der aus den Spalten hervordringenden

Wasserdämpfe. Der links im Westen gelegene Kessel heisst Kawa-upas

(Gifthöhle), der im Osten gelegene Kawa-ratu. Der Boden des letzteren

liegt viel tiefer als der der Kawa-upas und war früher einmal von einer

grossen Menge kleiner Seen bedeckt, daher sein Name „ratu” = tausend

(Seen?). Bis auf einige kleine Schlammpfützen ist er jetzt trocken und

flach, mit einer erhärteten feinen Thonschlammkruste bedeckt, die über

ihren Ursprung durch Absetzen aus stehendem Wasser keinen Zweifel lässt.

An vielen Stellen hat der hervorbrechende Wasserdampf kleine

Schlammkegel von anderthalb Fuss Höhe gebildet, aus welchen er zischend,

wie aus einer Dampfmaschine, in einem weissen Strahle hervorbricht.

Ueberall, wo man mit dem Stock durch die dünne Kruste stösst, brechen

Dämpfe mit Gewalt hervor. An einem Wasserriss der Nordwand sieht man

eine interessante Erscheinung: die aus grobem Schutt gebildete Wand

enthält in unregelmässigen Zwischenräumen, horizontal über einander

gelagerte, aus feinen Schichten bestehende Thonkrusten, genau von

derselben Beschaffenheit wie die, welche jetzt den Boden des Kraters

bedecken. Sie zeigen die früheren Höhen des Seebodens an und auch sein

periodisches Verschwinden und Entstehen. Der gegenwärtige Kraterboden

war von dieser Stelle nicht sichtbar, mochte aber wohl 200' tiefer

liegen. Auf dem Grunde des westlichen Kessels, Kawa-upas, der über die

Zwischenwand leicht zu erreichen ist, hatte sich in der Südostecke,

gerade am Fuss des steilen Zwischenrückens, ein kleiner von oben nicht

sichtbarer See gebildet, der bei Junghuhn's letztem Besuch nicht

vorhanden war. Seine Länge betrug 135', die Breite etwa 50', er

unterspülte den Fuss der Gebirgswand; aus der dicht mit grossen

Schwefelzapfen ausgekleideten Höhle am jenseitigen Ufer brach mit

starker Entwickelung von Schwefelwasserstoff, hoch aufsprudelnd, das von

Thonschlamm und Schwefelblumen gelbgrau gefärbte Wasser hervor. Das

Metallikpapier meines Notizbuchs und das Silbergeld in meiner Tasche

bräunte sich schnell. Im westlichen Theil dieses Kraters liegt ein

zweiter von oben sichtbarer grösserer See, dessen blaugraues, stilles

Wasser durch den Kontrast mit jenem ganz lieblich erscheint. Kaum hatte

ich die Hütte auf dem Gipfel wieder erreicht, als es heftig zu regnen

begann. Junghuhn hatte unterdessen von dort aus einige photographische

Bilder beider Krater aufgenommen. --

Inzwischen war aus Batavia eine grosse Karosse mit Klapptritt und Wappen

für mich angekommen, sehr geeignet zum Visitefahren für eine alte

Generalin, aber nicht für meine Zwecke. Ich kaufte daher einen leichten

Reisewagen und verabschiedete mich nach mehreren kleineren Exkursionen

von Lembang, wo ich einige mir unvergessliche Tage zugebracht hatte, um

am folgenden Morgen selbstständig meine Reise nach Osten anzutreten.

[Illustration: BEDAJAS VON BANDONG. JAVA.]

Abends liess der Regent von Bandong seine Bedajas vor uns tanzen und

zeigte uns seine kostbaren Waffen. Die goldene Scheide des einen Kris

war ganz mit Diamanten besetzt; aber ausser dem sichtbaren besassen

manche Klingen einen noch höheren verborgenen Werth durch die ihnen vom

Aberglauben beigelegten Eigenschaften; es giebt Klingen, die ihren

Besitzer unverwundbar und unüberwindlich machen, andere sind hoch

geschätzt, weil sie vor Alters irgend eine berühmte That vollbracht

haben. Der obere Theil der Scheiden bestand bei fast allen aus dem

kostbaren Holze, das sich beim Absterben eines in Bantam wachsenden

Baumes, ~Tankollo~,[84] im Innern des vermodernden Stammes, auf dieselbe

Weise, wie das duftende Agalloche, bildet; es war gelb mit braunen oder

schwarzen Flecken, sogenannten Flammen, deren Gestalt und Farbe seinen

Werth bedingen. Für ein kaum handgrosses Stück, welches die Mündung

einer Krisscheide bildete, hatte der Vater des Regenten 200 Gulden

bezahlt. Einfacher, aber wegen ihrer Leistungen von dem aufgeklärten

Fürsten allen andern vorgezogen, waren zwei Jagdmesser, von der Art, wie

sie bei den bereits erwähnten Hirschjagden gebraucht werden. Diese

Klingen, welche die Rippen eines Hirsches wie dünnes Holz

durchschneiden, kommen aus dem Lande Ssalingri, dessen Eingeborne

ausserordentlich geschickt in Bearbeitung des Eisens sind. Ich fragte

den Regenten, in welchem Winkel des Archipels das Land läge? „Oh weit,

weit!” antwortete er, indem er mir das Messer reichte, das den Stempel

„Solingen” trug.

Am folgenden Tage reiste ich ab, zunächst nach dem Vulkan Tampomas. Fast

alle Tage hatten wir jetzt heftigen, lange anhaltenden Regen, obwohl wir

uns eigentlich mitten in dem trockenen Monsun befanden. Vom Tampomas

ging es nach Malembong, von bewaffneten Reitern begleitet, da es hier

viele Tiger giebt. An einer Kaffeeplantage kam uns ein Zug von 600 Kulis

entgegen, deren jeder zwei Körbe voll Kaffee trug, zusammen 75 Pfund

wiegend; die Enden der Traghölzer waren mit kleinen Fähnchen geschmückt,

manche auch mit hölzernen Glocken, deren Klang auf den schmalen

Bergpfaden an den Kuhreigen erinnerte. Nach Besichtigung einiger von

Junghuhn beschriebenen Kalksprudel und einer kleinen Kieselquelle

beschlossen wir den heissen Tag mit einem herrlichen Ritt über die mit

kurzem Gras bewachsenen Hügel, die sich hier im Westen des Tjitandui

ausbreiten. Auf muntern Bergpferden ging es im Galopp, von einer Schaar

Reiter mit Lanzen begleitet, bergauf, bergab. Unterwegs sprang ein

junger Tiger auf, und eilte lange vor uns dahin, bevor er einen Busch

fand, um sich zu verbergen. Bei Putjaran durchfurtheten wir im Angesicht

des Sawalberges den Tjitandui, in welchem die zahlreichen, nach allen

Himmelsrichtungen auseinander fliessenden Bäche dieses Berges

schliesslich ein gemeinsames Bett finden, so dass das hier bei seinem

ersten Zusammentreffen mit dem Sawal noch so unbedeutende Flüsschen,

bald nachdem es die SO-Ecke desselben Berges verlassen, schon schiffbar

wird. Wir ritten um die NW-Ecke, dann östlich bis zum schönen See

Pandjalu, der sehr fischreich und frei von Krokodilen ist, so dass man

nach Herzenslust darin schwimmen kann; in seiner Mitte liegt eine kleine

wie ein Garten gehaltene Insel.

Am folgenden Morgen schickte der Regent von Galu einen Wagen nebst

seinem „Pati,” einem alten würdigen Herrn, der nur meinetwegen das

Ungemach der Reise ertragen musste. Der Opziener (Aufseher) von Pari kam

zu Pferde an, stellte sich zur Verfügung und gab mir viele Auskunft über

die Kaffeepflanzungen, die wir zusammen besichtigten. Neun Paal von hier

liegt Kawali, ein wegen seiner Alterthümer bei den Inländern in grossem

Ansehen stehender Ort. Das Dorf enthält einen kleinen Tempel, zu dessen

sehr engem Eingange ein paar Stufen führten; das Innere war mit Matten

und Teppichen geschmückt, zwei Priester hockten darin und holten die

Gegenstände zu unserer Besichtigung einzeln hervor. Bei jedem Stück

machten sie einen tiefen Salam; mit derselben Ehrerbietung wurden die

Reliquien zurückgelegt, nachdem sie vorher in viele Tücher eingewickelt

worden. Es waren alte Hellebarden, Glocken, Räuchergefässe, Becher mit

erhabenen Figuren, den Thierkreis darstellend, und allerlei zerbrochenes

Gerümpel. Auch in Pandjalu werden dergleichen Alterthümer aufbewahrt.

Nicht weit vom Dorfe, in einem sorgfältig gepflegten Hain, liegen einige

Steine mit alten Inschriften (batu-tulis), die eben so wie die Reliquien

schon kopirt und beschrieben sind; und etwas weiter, im Walde, sprudelt

eine heilige Quelle, die dem Orte den Namen giebt.

Der Pati lud mich ein, Abends an einem Feste Theil zu nehmen, das

mehrere Tage dauern sollte, und liess mich beim schönsten Mondschein mit

seinem grossen Schirm abholen. Die Sonnenschirme zeigen in den

malayischen Ländern den Rang des Besitzers an, wie in Europa die

Epauletten den Rang der Offiziere. In Java werden 27 verschiedene

Rangstufen durch die Schirme bezeichnet, deren Farben durch den

General-Guvernör im Rath ebenso genau festgestellt sind, wie die

Uniformen in Europa. Die vornehmsten sind weiss mit goldenen Rändern,

dann folgt dem Range nach grün, blau, braun, in verschiedenen

Anordnungen. Nur bei den ersten 6 Stufen sind die Ränder von Gold, bei

den übrigen gelb. Auch in Siam spielt der Schirm eine grosse Rolle: der

Sonnenschirm von vielen Stockwerken über einander ist ein Attribut des

Königs und figurirt auf dem grossen Staatssiegel zu beiden Seiten der

pyramidalen Krone. -- Das Fest fand in einem grossen Bambusschuppen

statt, der durch bunte Behänge, Laub und Blumen geschmückt war. Vier das

Dach tragende Säulenreihen bildeten fünf Abtheilungen, in deren

mittlerer eine lange, mit Blumen verzierte Tafel stand. Auch hier zeigte

sich wieder viel Geschmack in der Dekoration. Die aus dicken Bambusen

bestehenden Säulen waren mit buntem Zeug bekleidet, mit Sockel und

Kapitäl aus Blättern und Blumen versehen, durch Bögen aus gespaltenen

jungen Palmwedeln verbunden, deren noch gelbe Seitenblätter wie Franzen

herabhingen. Der Zwischenraum bis zum Dach bestand aus leichtem

Gitterwerk, in welchem einzelne Blumen angebracht waren. An einem Ende

des Saals erhob sich ein um mehrere Stufen erhöhter, mit Matten belegter

Raum, seine Hinterwand war mit einem Teppich behangen, davor stand

vielleicht alles, was sich im Distrikt an kostbaren europäischen Möbeln

befand: eine altmodische Kommode, ein Glasschrank und ein paar verzierte

Spiegel; zu jeder Seite erhoben sich zwei grosse, mit rothem Stoff

bedeckte Paradebetten, an deren Kopfende eine solche Menge verzierter

Kissen aufgethürmt waren, dass sie bis zur Decke reichten. Als wir uns

zu Tische gesetzt hatten, begannen dreizehn Rongengs zu tanzen, --

soviel hatte ich noch nie beisammen gesehen. Hier hörte ich auch zum

erstenmal das Anklong (S. 178), dessen Klang so angenehm ist. Es wurde

bis spät geschmaust, und dies war der beste Theil des Festes. Die armen

Kinder, denen zu Ehren es gegeben wird, kommen weniger gut dabei fort;

denn nachdem sie am nächsten Tage im Fluss gebadet sind, werden am

dritten Tage den kleinen Mädchen die Zähne abgefeilt, am vierten Tag

findet die Beschneidung der Knaben statt. Das Feilen der Zähne und

Beschneiden geschieht auf den Paradebetten. Lange weisse Zähne können

die Malayen nicht leiden, sie vergleichen sie mit denen des Tigers.

Am folgenden Tage verliess ich den See von Pandjalu und fuhr im Wagen

des Regenten am östlichen Ufer des Tjitandui bis Indehiang, wo ich mich

von dem würdigen Pati verabschiedete, auf das westliche Ufer überging,

Abends einen Pasanggrahan erreichte und am folgenden Morgen den

Gelungung erstieg. Man reitet fünf Paal, steigt zwei Paal zu Fuss und

befindet sich am obersten Ende der grossen Schuttmasse, die sich im

Oktober 1822 in die früher hier vorhandene reiche Ebene wälzte.

Ein tiefes kesselförmiges Thal trennt diesen Punkt von der

gegenüberliegenden Bergwand, die sich fast senkrecht, wenigstens in sehr

steilem Winkel in WNW. erhebt. Mehrere Sturzbäche an derselben

erschienen in dieser Ferne, wie dünne Fäden. Das tiefe Kesselthal ist

jetzt schon wieder dicht bewachsen, namentlich machten sich hunderte

von Baumfarnen geltend. Dieser schöne ruhige, mit einigen Wasserbecken

geschmückte Grund ist der Krater des Gelungung, der 1822 die furchtbare

Verwüstung anrichtete.

Ich kann mir nicht versagen, Junghuhns Schilderung des Ausbruchs hier

folgen zu lassen (Hasskarl's Uebersetzung Bd. II, S. 111.), die zugleich

ein eben so schönes als treues Bild des javanischen Lebens giebt.

„In den Gegenden südostwärts von demjenigen Theile der Bergkette,

welche unter dem Namen G.-Gelungung bekannt ist, zwischen den beiden

Flüssen Tji-Wulan und Tji-Tandui, die beide, der erstere fast in

südlicher, der andere mehr in südöstlicher Richtung, der Südküste

zuströmen, lag ein reich bebautes und bevölkertes Land, das, eigentlich

eine Fortsetzung des Berggehänges, jedoch so sanft nach den niedrigen

neptunischen Hügelreihen des Südgebirges zu fällt, dass es füglich eine

~Fläche~ genannt werden kann. -- Es waren die fruchtbaren Ebenen und

Berggehänge der Provinz Tasikmalaja, Indehiang und Singaparna. -- Sie

waren weit und breit mit Reisfeldern bedeckt und mit Hunderten von

Dörfchen, die sich mit den Gruppen ihrer Kokospalmen zerstreut zwischen

den Feldern erhoben. Sie waren in allen Richtungen von Wegen

durchschnitten, bis zum Fusse der Bergkette hin und noch weit an den

Berggehängen hinauf, wo man zwischen blühenden Kaffeegärten wandelte.

--

Ueber die reichbegabten Fluren dieses ewig grünen Landes ergoss am 8.

Oktober 1822 die Mittagssonne ihren durch kein Wölkchen, durch keine

Nebel geschwächten Strahl. Das ganze Land schien verstummt, die

animalische Schöpfung lag in tiefer Ruhe, im schattigsten Dickicht sass

die Vögelschaar verborgen, und kaum ein Insektchen zirpte noch; die

Pflanzenwelt hatte alle ihre Blüthen aufgethan und dampfte ihre

ungerochenen Aromata empor in die Luft, welche, von aufsteigenden

Strömen bewegt, am Horizonte wellenförmig zitterte. Kein Blatt regte

sich, und kaum rauschte zuweilen der höchste Wedel einer Palme; wenn

dann und wann ein leises Lüftchen von der Küste her sich erhob.

Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor. · 第 19 / 28 段