der Bergkämme durch den Wald geschlagen und in Entfernungen von 25 Fuss
durch Querpfade verbunden. An den Seiten dieser Fusswege waren tiefe
Gräben gezogen und mit gesäuberter Erde gefüllt, so dass etwas erhabene
Bänke mit Rinnen zur Ableitung des Regenwassers entstanden. Die jungen
Pflanzen wurden in die lose Erde dieser Bänke gesetzt, worauf 4 starke
Pfähle in den Boden getrieben und 4 oder 5 Fuss über der Spitze der
Pflanze fest verbunden wurden. Dies sollte sie ein paar Jahre lang gegen
herabfallende Zweige, tropfendes Wasser und wilde Thiere schützen. Auf
diese Weise hatte man Tausende von Fusswegen durch die Wälder geschlagen
und mit Cinchonabäumen bepflanzt.
Junghuhn hatte den entgegengesetzten Fehler von Hasskarl begangen; man
weiss jetzt, dass sein Verfahren, die Pflanzen in den dichten Schatten
der Wälder zu setzen, ganz falsch war, da sie Luft und Licht bedürfen,
um reichlich Alkaloide zu bilden. Ebenso ist es jetzt ausgemacht, dass
die Behandlung der Samen der Grund war, warum so wenige keimten. Der
Versuch, die Pflanzen durch Stecklinge zu vermehren, gab in Java sehr
ungünstige Resultate, weil die Stecklinge viel zu gross waren. Wäre man
in Java auf die später von Mac Jvor in Ootacamund mit grossem Erfolg
angewandte Methode verfallen, zur Vermehrung sehr kleine Ableger und
Knospen zu benutzen, so könnte man dort jetzt Millionen von Calisayas
statt werthloser Pahudianas besitzen.
Der Cinchonabau begann in Java im Dezbr. 1854; im Dezbr. 1860 besass
man: 8346 C. Calisaya, 108 C. lancifolia, 939,827 C. Pahudiana, zusammen
948,281; ausserdem waren 700,264 Samen ausgesäet. Während die Holländer
nach 6 Jahren mit Ausnahme der fast werthlosen C. Pahudiana nur 8454
Pflanzen besassen, erzog Herr Mac Jvor, der Dirigent der Pflanzungen in
Ootacamund (Neilgherries) in wenig mehr als einem Jahr 9732 Pflanzen,
ohne mehrere Hundert zu rechnen, die nach Java, Kalkutta, Trovancore
gesandt wurden. Mac Jvor erlangte seine Erfolge durch eine der
beschriebenen gerade entgegengesetzte Methode; er hielt den keimenden
Samen sehr trocken, pflanzte die Sämlinge in grosser Meereshöhe und
vermied namentlich den tiefen Schatten der Wälder.
An offenen Stellen wachsen die Pflanzen gut, geben reichlich Samen,
bilden eine dicke Rinde, reich an Arzneistoffen, während sie im Schatten
von Waldbäumen dünn und schwach in die Höhe schiessen und wenig Chinin
entwickeln.[78] Es ist eine anerkannte Thatsache, dass alle
Cinchonaarten den höchsten Prozentgehalt an Alkaloiden liefern, wenn sie
in der grössten Meereshöhe wachsen, in der sie überhaupt noch gedeihen.
Die strauchartigen Pflanzen sind besonders ergiebig, wenn ihr
verkrüppelter Wuchs durch die grosse Meereshöhe des Standorts veranlasst
ist. Die Engländer haben sich daher entschlossen, die Cinchonen als
Sträucher zu kultiviren, etwa wie Zimmet, so dass jährlich geerntet
werden kann. Die holländische Methode, im Schatten hoher Waldbäume zu
pflanzen, weil die Bäume angeblich in ihrer Heimath so gefunden werden,
ist schon deshalb verwerflich, weil es 30 Jahre dauert, bis die Rinde
benutzt werden kann und sie immer sehr dünn und arm bleibt. Aber selbst
wenn sie dann reich an Alkaloiden wäre, so würde der Nutzen der
Einführung ein sehr fraglicher sein, denn die entfernte Möglichkeit
einer reichen Ernte nach 30 Jahren würde in gar keinem Verhältniss
stehen zu den enormen Ausgaben der ersten Anlage, und welcher Privatmann
möchte wohl jemals ein Produkt bauen wollen, das nur alle 30 oder 40
Jahre einen einmaligen Ertrag verspricht!
Ueber den Fortschritt der Chinakultur in Indien meldet das Athenaeum vom
6. Juni 1863: „Herr Mac Jvor hat im Vermehren und Aufziehen der
Cinchonen solchen Erfolg gehabt, dass die unter seiner Leitung stehenden
Pflanzungen jetzt in der Lage sind, Tausende von jungen aus Stecklingen
gezogenen Pflanzen[79] an öffentliche Gesellschaften abzulassen, die
sich gebildet haben, um sie für den Handel anzubauen”. Herr Howard
erklärt, dass alle von kleinmüthigen Botanikern gehegten Befürchtungen,
als würden in Ostindien künstlich gezogene Cinchonen nicht dieselben
Alkaloide enthalten, wie die in Südamerika natürlich gewachsenen, ohne
Grund sind;[80] er findet nicht den geringsten Unterschied. Herrn
Markham's Bemühungen sind also mit vollem Erfolg gekrönt worden.
Ausser auf mehreren Gebirgen Ostindiens schreitet der Anbau auch auf
Ceylon schnell fort und wird immer mehr Gegenstand der Privatindustrie,
da er grösseren Vortheil verspricht als der Kaffeebau. -- Herr de Vrij,
der die Cinchonapflanzungen in den Neilgherries im Nov. 1863 gründlich
untersuchte, theilt über Herrn Mac Jvor's Erfolge noch Nachstehendes
mit: Im April 1861 hatte M. J. 463 junge Pflanzen und 172 einen Monat
alte Sämlinge, zusammen 635. Durch Stecklinge und Knospen vermehrte er
sie so, dass ihre Anzahl am 31. Dec. 1863 277,083 betrug. Eine einzige
5' hohe Pflanze von C. Uritusinga, die Hr. Howard der englischen
Regierung geschenkt hatte, kam kränkelnd im April 1862 in Ootacamund an,
sie erholte sich Ende Mai und hatte Ende Decbr. 1863 bereits 6350 junge
Pflanzen geliefert. Mac Jvor fand ein Mittel, die Samen durchschnittlich
in 14 Tagen zum Keimen zu bringen. -- Derselbe hat Herrn de Vrij
brieflich mitgetheilt, dass er vor Ende Dec. 1865 im Stande sein werde,
zwischen 3000 und 5000 ℔ Chinarinde als Ertrag der Neddiwultum-Pflanzung
zu liefern, in welche im Herbst 1862 16000 Pflanzen ausgepflanzt wurden.
Nach dem englischen System, die Pflanzen als Sträucher auszubeuten,
verzinst sich das Anlagekapital nach höchstens 4 Jahren und giebt dann
zunehmenden Ertrag, so dass bereits viele Privatleute veranlasst worden
sind, diese Kultur für eigene Rechnung zu versuchen. Im Herbst 1861
wurde die weitere Vermehrung der C. Pahudiana auf Java durch
Regierungsbeschluss untersagt. Nach einem Bericht des jetzigen
Vorstehers der Chinakultur (Tijd. v. N. I. Febr. 1866) ist gegenwärtig
unter den Pahudianas grosse Sterblichkeit eingerissen, man scheint aber
nicht Lust zu haben, den Ausfall zu ersetzen; dagegen schlägt man
Oeffnungen in die Wälder, um den Calisayas Luft und Licht zu geben, und
ist bestrebt, diese zu vermehren; ihre Anzahl ist aber immer noch sehr
gering.
Nach Dr. Hooker's Berichte (Athenaeum 17. März 1866) sind von Ceylon
reife Cinchonensamen über Kew nach Jamaica, Trinidad, Mauritius, dem Kap
der guten Hoffnung, Queensland gesandt worden. In Trinidad und
Queensland werden die Calisayas schon mit vollständigem Erfolg
kultivirt. Den Holländern gebührt zwar das Verdienst, die Cinchonen
zuerst auf die östliche Halbkugel übersiedelt zu haben (ein früherer
Versuch der Franzosen, sie in Algier einzuführen, war misslungen), die
Engländer haben aber diese werthvollen Pflanzen eigentlich erst zu einem
Gegenstande des Landbaus gemacht und sie über fast alle Länder
verbreitet, in denen sie gedeihen können.
Bei einer Reise, die wir vom Malabar aus südlich unternahmen, war durch
ein Versehen des betreffenden Beamten keine Meldung vorausgegangen. Wir
fanden daher die Waldwege in ihrem gewöhnlichen Zustande. Acht Stunden
lang kletterten wir über schlüpfrige Thonrücken und erreichten
Pamorotan, das zur Frühstückstation bestimmt war, erst so spät
Nachmittags, dass die Weiterreise für heut aufgegeben werden musste.
Hier stand ein geräumiger, aber ganz verödeter Pasanggrahan, da
dergleichen Gebäude an so abgelegenen Orten nur, wenn ein Kulturbeamter
die Station besucht, für ihn eingerichtet werden. Weil wir nicht
angemeldet waren, stand alles leer. Einige Reiter, die uns begleitet
hatten, sprengten nach verschiedenen Richtungen, um etwas für unsere
Mahlzeit herbeizuschaffen; wir stiegen inzwischen das steile Ufer des
Tjilaki hinab und kletterten durch sein felsiges Bett unter riesigen
Waldbäumen umher. Diese Gegend ist sehr spärlich bevölkert. Dichter Wald
fasst den Fluss ein, der zwischen grossen Felsblöcken dahinrauscht. Es
herrschte grosse Einsamkeit, aber keine Stille. Wer plötzlich mit
verbundenen Augen dahin versetzt würde, könnte sich in der Nähe einer
grossen Fabrik glauben; so laut und gellend klang das Geräusch der
Insekten. Besonders unangenehm und alles übertönend war ein schriller
Laut, der täuschend wie das Geräusch einer Schleifmühle klang. Andere
Insekten schienen das Schnurren vieler hundert gezahnter Räder in
schneller Bewegung nachzuahmen. Das Tosen des Wassers vervollständigte
die Illusion. Nie wieder habe ich ähnlichen Lärm in einem Walde gehört.
Als wir nach kaum zwei Stunden den Pasanggrahan wieder betraten, fanden
wir Alles wie durch Zauber verändert. Das vorher so stille Gehöft war
jetzt voll Leben und Thätigkeit, und noch immer kamen neue Züge von
Kulis und trugen allerlei Gegenstände der Bequemlichkeit herbei. In den
Schuppen waren die Pferde der Häuptlinge untergebracht; auf dem Hofe
brannten mehrere Feuer, an denen emsig gekocht und gebraten wurde. Eine
grosse Anzahl Arbeiter waren beschäftigt, frisch gefällte Bambusen
vermittelst ihrer Haumesser in allerlei Möbel, Haus- und Küchengeräth zu
verwandeln. Zwei grosse bequeme Lehnstühle waren bereits vollendet, und
eben wurde die letzte Hand an einen Tisch gelegt, dessen Platte aus
Bambussplissen bestand. Als Leuchter dienten Bambusen von entsprechendem
Durchmesser, die einen Zoll hoch über einem Knoten abgeschnitten waren,
während das entgegengesetzte längere Ende in drei Theile gespalten,
auseinandergespreizt, durch Querstäbe verbunden und mit einem Stein
beschwert, den Fuss bildete. Andere Arbeiter waren beschäftigt, das Dach
auszubessern. In dem länglich viereckigen, vorher so unwohnlichen Raum,
der uns zum Aufenthalt dienen sollte, waren an beiden Enden durch bunte
Vorhänge zwei kleine Gemächer abgetrennt worden; in jedem stand bereits
ein Bett aufgeschlagen; der ganze mittlere Theil, unser Salon, war mit
weichen Pandanusmatten belegt, und sobald wir gebadet, wurde auf dem nun
vollendeten Tische ein vortreffliches Essen aufgetragen mit sehr
mannigfaltigem Dessert, worauf Kaffee mit Cognac folgte. Es war fast wie
das „Tischchen deck' dich” im Mährchen.
Je länger man in diesen Ländern verweilt, um so mehr wächst das
Erstaunen über die unzähligen nützlichen Verwendungen einiger Pflanzen,
unter denen der Cocospalme und dem Bambus wohl die erste Stelle gebührt.
Aus Bambus baut der Javane sein Haus, aus Bambus bestehen alle seine
Möbel; in einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlt, aber nicht
verbrennt, kocht er auf Reisen seinen Reis an einem Bambusfeuer, wenn er
nicht etwa vorzieht, junge Bambustriebe, die ein sehr schmackhaftes
Gemüse geben, darin zu kochen.
Wie schon mehrmals angedeutet, besteht oft das ganze Gerüst des Hauses
aus Bambus; die Wände aus plattgedrückten geflochtenen Halmen; die
Dächer werden zwar gewöhnlich mit Palmenblättern oder Gras gedeckt, aber
auch mit Bambusschindeln, die wie Hohlziegel gelegt werden. Einige mit
Wasser gefüllte, von der Dachfirste paarweise herabhängende geräumige
Internodien bilden einen stets bereiten Löschapparat. Schuppen, Ställe,
Scheunen, fast sämmtliches Ackergeräth, sowie der Zaun um das Gehöft,
bestehen aus Bambus.
In einem unter dem Dach horizontal aufgehängten, an einem Ende mit einem
Loch versehenen Halm siedelt sich die kleine stachellose Biene an, die
dem Javanen das Wachs liefert, das er, wie später beschrieben werden
soll, bei dem Färben seiner Sarongs gebraucht. Zuweilen ist in einem
ganzen Dörfchen kaum ein anderes Material verwendet; der zierliche Zaun,
der es umgiebt, die Thore an beiden Enden, mit erhöhten Bänken, auf
welchen die Wache lagert, alles ist aus Bambus; neben letzterer hängt in
mehreren Exemplaren ein eigenthümliches Instrument zum Fangen der Diebe
und Bösewichte; es besteht aus zwei armdicken Bündeln dünner
Seitenzweige des dornigen Bambus, die gabelförmig an einer Stange
befestigt sind und dazu dienen, den Verfolgten am Halse zu packen.
In vielen malayischen Ländern, wo der Fluss die einzige Strasse durch
den dichten Wald bildet, erheben sich am Ufer und namentlich an den
schlammigen Mündungen Gruppen von Hütten auf Pfählen (vergl. die Ansicht
von Rochor). Wie bei den alten Pfahlbauten sind sie häufig durch eine
gemeinschaftliche Gallerie verbunden. Wenn nicht zu den Pfählen
Palmenstämme (gewöhnlich Caryota urens) verwendet sind, so besteht Alles
aus Bambus. Nirgends springt einem die Bequemlichkeit des Lebens der
Tropenbewohner mehr in die Augen, als in dergleichen Ansiedelungen.
(vergl. S. 50 unten.)
Fast die ganze mehrere hunderttausend Seelen betragende Bevölkerung der
Hauptstadt von Siam lebt in Häusern, die auf Bambusflössen schwimmen,
und in meilenlangen Reihen zu beiden Seiten des Flusses und der Kanäle
am Ufer festgemacht sind. Gefällt Einem seine Nachbarschaft nicht, so
schwimmt er mit der Ebbe oder Fluth stromab- oder aufwärts.
Für alle Arten von Gestellen, Gerüsten, Gittern, Rahmen ist der Bambus
unübertrefflich; ausser der gewöhnlichen Leiter erhält man eine etwas
weniger bequeme, aber viel tragbarere durch blosses Einhauen von Löchern
in den Halm. Er liefert ebensowohl die zierlichen Käfige für kleine
Singvögel oder Prachtkäfer, als auch die grossen, in denen bei
Festlichkeiten Tiger und Büffel kämpfen. Soll in Hongkong ein grosses
steinernes Haus gebaut werden, so führt man erst ein den äusseren
Umrissen ähnliches grösseres Gebäude aus Bambus auf, und deckt es mit
Bambus- oder Palmenblättern, unter deren schützendem Dache dann die
Arbeit, unbehindert durch Regen oder Sonnengluth, um so schneller
fortschreitet. Steinerne Theater sind, wie ich glaube, in ganz China
nicht vorhanden; selbst das Theater in Canton, das eine grosse
Zuschauermenge fasst, bestand nur aus Bambus.
Allerlei Hausrath, Stühle, Tische, Webestühle, Betten sind von Bambus;
das lange krause Geschabsel dient zum Polstern; kühlere und elastischere
Kissen erhält man, indem man eine feine Bambus- oder Rotangmatte über
zwei in ihren Mittelpunkten an den Enden eines Stabes befestigte
Scheiben straff spannt. Nicht nur die Hütte der Armen ist mit Bambus
möblirt, auch in der Wohnung des Reichen findet man ihn in Form bequemer
Schlummerstühle und in allerlei zierlichen Geräthschaften wieder. Vor
der Veranda hängen Rollvorhänge aus feingespaltenen, durch Seidenfäden
an einandergeknüpften Stäbchen, die zwar die Luft durchlassen, aber,
namentlich wenn sie dunkelgrün gefärbt sind, das Licht angenehm dämpfen.
Dort findet man auch die zierlichsten Körbchen und künstlich geschnitzte
Becher. Die lackirten Bambusdosen von Birma sind berühmt und in
Palémbang überzieht man Körbe aus dünnen Bambusspähnen mit einem Lack,
der so elastisch ist, dass man sie völlig umstülpen kann, ohne dass
Sprünge entstehen.
Ein Span von keilförmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante von der
kieselreichen äusseren Schicht gebildet wird, giebt ein sehr scharfes
Messer; bei den feinen Piña-Webereien benutzt man nie ein anderes. Auch
zu chirurgischen Operationen wird es verwendet. Dieselbe äussere Schicht
liefert aber nicht nur ein scharfes Messer, sondern auch einen sehr
wirksamen Wetzstein, um eiserne Messer zu schärfen.
In China wird das meiste Papier aus Bambus erzeugt, auch das in Europa
für Kunstdrucke so geschätzte. Bei den Pinseln, die in China die
Schreibfedern vertreten, bestehen die Schäfte aus Bambus; gröbere Pinsel
macht man sich leicht, indem man das eine Ende eines Bambussplints so
lange mit dem Hammer klopft, bis sich die einzelnen Längsfasern
trennen.[81]
Für die Jagd und den Krieg liefert der Bambus Blasröhre, aus denen
vergiftete Pfeile geschossen werden, Pfeilschäfte und Pfeilspitzen,
Lanzen, Palissaden, spanische Reiter, auch Fusslanzen (6'' bis 2' lange,
zugeschärfte Bambusspiesse, die so in den Boden gesteckt werden, dass
nur die Spitzen hervorragen, welche mit Spreu oder lockerer Erde
bedeckt, dem barfüssigen Feinde gefährliche Wunden beibringen). Der
Dornenbambus, eine bis 40' hohe, sehr dickbuschige, vielverzweigte,
überall mit scharfen Stacheln bewehrte Art, bildet einen
undurchdringlichen Wall, gegen den selbst Artillerie kaum etwas vermag,
so dass die Holländer, durch ihre Erfahrungen im Kriege gegen die Padrys
auf Sumatra belehrt, ihn jetzt immer um ihre eigenen Festungen pflanzen.
[Illustration: BAMBUSBRÜCKE. JAVA.]
Dem Fischer liefert der Bambus unübertreffliche Flösse, Masten,
Segelstangen, Spreitzen für Mattensegel, Reusen, Fangkörbe, Speere zum
Spiessen grosser Fische und „Ausleger”, um sein schmales Boot gegen
Umschlagen zu schützen. Zu diesem Zwecke wählt man etwas bogenförmige
Halme, die dem Boot parallel, die konvexe Seite nach unten, in
Entfernung einiger Ellen vermittelst zweier Querstangen befestigt
werden. Je nach der Stärke des Windes taucht das Rohr auf der Leeseite
mehr oder weniger tief ein und stützt das Fahrzeug. Die Verwendung des
Bambus zu Brücken geht am besten aus den Zeichnungen hervor,[82]
ausserdem aber baut man auch solche, die flossartig im Wasser liegen. In
Bambusen, deren Enden in einander gefügt sind, leitet man das Wasser
grosse Strecken weit über Berg und Thal.
Eine kletternde, sehr zähe, dünne Art liefert gespalten, allerlei feines
Flechtwerk, auch Stricke, sogar Säcke. Ja selbst Jacken machen die
Chinesen aus einer kleinen Art, indem sie die Seitentriebe von der Dicke
eines Rabenkiels in halbzoll lange Stücke schneiden, wie Schmelzperlen
auf Fäden ziehen und zu quadratischen Maschen verknüpfen. Chinesische
Stutzer tragen gern dergleichen Jacken auf dem blossen Körper, um ihr
weisses baumwollenes Gewand gegen Schweiss zu schützen. Aus
Bambusblättern bestehen die Regenmäntel der Armen und die groben
Regenschirme der Höker. Die unter dem Namen Pfefferrohr in Deutschland
bekannten Stöcke und Regenschirmstiele sind Bambus. Bei den chinesischen
und japanischen Schirmen besteht das ganze Gestell aus Bambussplissen,
und der Ueberzug aus gefirnisstem Papier.
Geht man in den Wald auf eine Exkursion, so sind die Kulis schwer zu
bewegen, Tragkörbe mitzunehmen, da eine Bambuse alles Nöthige liefert,
um Körbe, Kiepen, Tragen u. s. w. in kürzester Zeit zu flechten. Zur
Bewahrung kleiner oder flüssiger Gegenstände dienen unmittelbar die
Internodien. Auch die amtlich geaichten Maasse für Flüssigkeiten und
Körner bestehen daraus.
In einem Bambusbusch stecken Musikinstrumente für ein ganzes Orchester.
Am naheliegendsten ist die Verwendung zu Flöten und Pfeifen, Wie die
Mintras Gitarren daraus machen, ist bereits erwähnt. Auch die
abscheuliche chinesische Fidel „hii-ïeng” besteht aus Bambus. (In ein
3-4'' langes, 2'' dickes, an einem Ende mit einer Schlangenhaut
trommelartig bespanntes Rohr, welches den Körper der Geige bildet, ist
seitlich ein etwa 2' langer Bambusstock eingelassen, an dessen oberem
Ende die Wirbel für zwei Saiten angebracht sind; der Steg steht auf der
Schlangenhaut.) Ein sehr angenehmes Instrument dagegen ist das Anklong,
bestehend aus einer Anzahl Rohre von graduirter Länge, die an einem
Gestell hängen und durch Aneinanderstossen in tönende Schwingungen
versetzt werden. Logan erwähnt einer Art Aeolsharfe, die er in Naning
sah und den Triumph der malayischen Kunst nennt: „Denn was könnte
kühner und sinnreicher sein als der Gedanke, einen ganzen Bambus frisch
aus dem Walde 30-40' lang durch einfaches Einschneiden einiger Löcher
in ein musikalisches Instrument zu verwandeln.”
Für religiöse Zwecke liefert der Bambus auf den Philippinen Kirchen,
Kapellen und Kreuze. (Für die Erziehung ist der Rotang beliebter und
wird stark benutzt. Das Sprichwort sagt: für jeden Indier, der geboren
wird, spriessen im Walde tausend Rotangs auf.) Die Chinesen schneiden
aus seinen knorrigen, struppigen Wurzeln phantastische Figuren für den
Tempel und den Hausaltar. Aus Bambuswurzeln bestehen auch die
eigenthümlichen Wurfhölzer in den Tempeln, durch welche die Chinesen das
Schicksal befragen, um aus der Art des Fallens auf den Erfolg einer
Unternehmung zu schliessen; in ihrer Zudringlichkeit werfen sie aber die
Hölzer so lange, bis sie endlich eine günstige Antwort erhalten.
Auch als Feuerzeug ist der Bambus in Gebrauch, und wohl allen andern bei
den Wilden üblichen Feuerzeugen vorzuziehen. Man spaltet einen recht
trockenen Halm von 2-3' der Länge nach in der Mitte, schabt aus den
inneren Wandungen die silberglänzende weiche Haut und das weiche Holz so
fein als möglich und rollt das Geschabsel zu einer losen Kugel zusammen,
die auf den Boden gelegt und mit der einen Hälfte des Halms bedeckt
wird, so dass sie oben gegen die Wölbung drückt. Von der andern Hälfte
spaltet man dann noch einen Streifen ab, so dass ein fast flaches
lattenförmiges Stück zurückbleibt, dessen eine Seite zugeschärft wird.
Mit dieser Seite geigt man auf dem Bambus, der von einem Begleiter oder
durch Pflöcke festgehalten wird, gerade über der Stelle, wo das feine
Geschabsel liegt, hin und her, indem man allmälig den Druck und die
Geschwindigkeit steigert. So entsteht ein Einschnitt quer durch die
Längsfasern, die Wärme wächst bei der starken Reibung sehr schnell, und
in dem Augenblick, wo das Gewölbe durchschnitten ist, entzündet sich das
verkohlte Holzpulver zu Funken, die in den darunter liegenden
Faserballen fallen und durch vorsichtiges Blasen allmälig zu einem
Flämmchen genährt werden. Der Versuch ist leicht anzustellen und gelingt
jedesmal, wenn alle Vorbereitungen richtig getroffen sind.
Endlich möchte ich noch einer schrecklichen Todesstrafe erwähnen, die
früher auf Bali in Gebrauch gewesen sein soll. Die Bambusen wachsen
ausserordentlich schnell und dringen mit sehr harten kieselreichen
Trieben, die wie Spitzkugeln geformt sind, aus dem Boden. Es wird
erzählt, dass man, nachdem die längeren Halme entfernt worden, den
Verbrecher horizontal über den Stumpfen aufspannte, um ihn von den
jungen Trieben durchwachsen zu lassen.
Manche Bambusarten haben sehr dicke Wände im Verhältniss zu ihrem
Durchmesser, andere sehr dünne, bei grossem Umfang. Auf dem Abhang des
Semeru (Ost-Java) mass ich sehr dünnwandige Bambusen von 70' Länge und
26'' Umfang an der Basis (Junghuhn giebt deren von 1' Durchmesser an),
die bis zur Spitze mit Wasser gefüllt waren. Diesem Wasser wird eine
besondere Heilkraft zugeschrieben. In demselben lebt ein kleines
krebsartiges Thier, das die Javanen Ikanwadr nennen, ich aber leider
nicht auffinden konnte. Noch grössere Heilkraft schreibt man den
Kieselkonkretionen zu, die sich in manchen Bambusen bilden und unter dem
Namen Tabaschir oder Bambuskampfer in den Handel kommen. Die grosse
Rolle, die der Tabaschir in der chinesischen Medizin spielt, verdankt er
wohl, wie die Bezoarsteine, seiner spontanen Entstehung. Auch als
Polirmittel wird der Tabaschir gebraucht; grosse Quantitäten gehen nach
Arabien, ihre dortige Verwendung konnte ich aber nicht ermitteln.