für den europäischen Markt, von der holländischen Regierung in Java
eingeführt worden, und zwar erst seit 1835. Sie bildete einen Zweig des
„Kultur-Systems” und der Thee gehörte zu der Klasse von Erzeugnissen,
bei welchen, weil seine Herstellung bedeutende Sorgfalt erfordert, die
Vermittelung intelligenter Europäer für nöthig erachtet wurde. Die
Regierung, die zwar auch selbst Thee baute, wies geeigneten Personen das
nöthige Land an, stellte ihnen die erforderlichen Frohnarbeiter zur
Verfügung, schoss ihnen Kapital zinsfrei vor, verpflichtete dagegen die
Kontrahenten, ihr die Hälfte der Ernte zu einem bestimmten Preis zu
liefern, während ihnen über die andre Hälfte freie Verfügung zustand.
Die ersten Versuche fielen sehr ungünstig aus, der Thee war von
schlechter Beschaffenheit, die Regierung hatte grosse Verluste; die
Unternehmer richteten sich meist zu Grunde. 1849 wurden neue Verträge
abgeschlossen; die Kontrahenten übernahmen es, den Thee ohne
Zwangsarbeiter oder sonstige Hülfe der Regierung zu bauen, wogegen diese
sich verpflichtete, das Fabrikat zu einem etwas höheren Preise
abzunehmen. Sie glaubte wohl, dass ohne Zwangsarbeit wenig geliefert
werden würde, es fand aber das Gegentheil statt; die Kontrahenten, die
inzwischen den Betrieb genau kennen gelernt hatten, wussten die
Bedingungen gut auszunützen und machten glänzende Geschäfte, so dass
eine Theepflanzung zu den gewinnbringendsten Unternehmungen auf Java
gehörte. Wie gross der Gewinn gewesen sein muss, lässt sich unter anderm
daraus schliessen, dass der Vorsteher der Theepflanzung Tji-katjang,
unser Gastfreund, als einige Jahre später, nach dem Tode des Besitzers,
der Kontrakt meistbietend versteigert wurde, 600,000 Gulden bot, und
dennoch überboten wurde, obgleich der Vertrag nur noch 3 Jahre gültig
war. Zur Zeit, als die Kontrakte umgeändert wurden (1849?), erhielt man
319 ℔ Thee per Bau (1 Bau = 500 □Ruthen) zum Bruttowerth von 0,572
Gulden per ℔, 1854 dagegen 548 ℔ zum Werth von 0,821 Gulden d. h. 80%
mehr Produkt von 40% höherem Werth.[64] Die Regierung hatte von dem
grossen Fortschritt freilich keinen Vortheil, denn da der Preis, den sie
dem Fabrikanten in Java zahlte, höher war, als der Marktpreis in Europa,
trotz der hinzugekommenen Spesen, so wurde ihr das ganze Fabrikat
abgeliefert, und ihr Verlust war um so grösser, je besser die Ernte
ausfiel. Die vor Kurzem erloschenen Verträge sind daher nicht wieder
erneuert worden.[65]
Der anfänglich sehr schlechte Javathee hat sich durch Verbesserung der
Kultur und Fabrikation sehr gehoben, sein Hauptmarkt ist Holland und
Ostfriesland, er ist herber und stärker als Chinathee und steht in
dieser Beziehung dem Assamthee näher, ohne ihm jedoch an Wohlgeschmack
gleichzukommen. Nach dem Urtheil Sachverständiger wird er wohl im Stande
sein, nach Aufhören der Kontrakte seinen Platz auf dem Markt zu
behaupten und wahrscheinlich an Güte gewinnen, da das Publikum nur nach
dem wirklichen Werth, nicht nach einem mehr oder weniger genau
umschriebenen Schema zahlt.
Obgleich ich von der Bereitung des Thees nur einzelne Hantirungen mit
ansah, so möchte ich dennoch eine kurze Beschreibung des ganzen
Verfahrens geben, da es wohl nur wenig bekannt und das Produkt von so
grosser Wichtigkeit ist. Ich folge dabei einem ausführlichen Aufsatze in
der Natuurkundg. Tydsch, VII. 296.
Bei der Theefabrikation sind nur wenige Chinesen beschäftigt, in manchen
Fabriken gar keine, in den meisten zwei bis drei Individuen, die aber
dann nur in der Fabrik, nicht in der Pflanzung, thätig sind. Etwa 35
Tage nach dem Beschneiden der Sträuche, früher oder später, je nach dem
Klima, beginnt das Pflücken der Blätter, von denen sich 6-7 an den
jungen Trieben befinden. Die Pflücker der Spitzen kneifen die Spitze des
Zweiges, die Blattknospe sammt dem äussersten kaum hervorgetretenen
Blättchen ab; ihnen folgen die Pflücker der „Feinblätter”, die den
grünen Zweig unter dem dritten Blatt abkneifen, also das zweite und
dritte Blatt sammt Blattstiel sammeln; dann folgen die Pflücker der
Mittelblätter, die unter dem fünften Blatt abkneifen, mithin das vierte
und fünfte Blatt sammt Blattstiel nehmen; ist das sechste und siebente
Blatt zart genug, um verwendet zu werden, so werden sie dergestalt
abgerissen, dass ein kleines Stückchen davon am Zweig sitzen bleibt;
dies geschieht, um die in den Achseln sitzenden Knospen zu schonen, aus
denen sich Zweige für die nächste Ernte entwickeln sollen. Die eben
beschriebene Art des Pflückens gilt nur für schwarzen Thee. Zum grünen
Thee wird die Blattspitze wie zum schwarzen Thee abgekniffen, die
übrigen Blätter aber werden ohne Blattstiel abgenommen, wie oben bei dem
sechsten Blatt; der grüne Thee enthält also keine Blattstiele.[66]
Zur Bereitung des schwarzen Thees werden die eben gepflückten Blätter in
ziemlich dünnen Schichten der Sonne ausgesetzt; sehr günstig ist es,
wenn dabei ein leiser Wind weht. Die Blätter werden mehrere Male
umgewendet und durch einander geschüttet. Nach höchstens 30 Minuten, je
nach dem Wetter und der Temperatur, sind die Blätter ganz weich und
bräunlich von Farbe, sie werden dann unter Dach gebracht; säumt man
damit, so färben sie sich röthlich, ein Zeichen, dass sie an Güte
verloren haben. In dem von einem Bambusgitter umgebenen Schuppen werden
die Blätter in Haufen aufgeschüttet, es tritt Erhitzung und Gährung ein;
sobald diese einen gewissen Grad erreicht haben, gewöhnlich nach 1/2-3/4
Stunden, werden die Blätter ausgebreitet und dann von neuem gehäufelt,
dies wird vier- bis sechsmal wiederholt; sie müssen dann eine
gleichmässige bräunliche Farbe haben; an Stelle des früheren Grasgeruchs
zeigt sich schon Theegeruch.
In kleinen Mengen bringt man nun die Blätter in eingemauerte eiserne
Pfannen, die so erhitzt werden, dass nur durch Gewohnheit abgehärtete
Arbeiter im Stande sind, sie fortwährend mit der Hand darin umzurühren,
um das Versengen zu verhindern. Die durch Entwickelung von Wasserdampf
allmälig ganz feucht und weich gewordenen Blätter werden dann auf einen
Tisch geworfen und geknetet: man nimmt deren so viel, als man mit beiden
Händen fassen kann, und rollt sie zu einer Kugel zusammen, die aber
mehrere male wieder aus einander gerüttelt wird, damit die Blätter sich
nicht zu fest zusammenballen. Nach diesem ersten Kneten bleiben sie 1/2
Stunde in dünnen Lagen ausgebreitet liegen, worauf sie abermals in der
Pfanne erwärmt und wiederum geknetet werden. Diesmal werden sie aber
nicht wieder auseinander geschüttet, sondern zu Kugeln zusammengeballt,
die sich mit zwei Händen bequem umfassen lassen, und in Körben über
Kohlenfeuer getrocknet. Der Grasgeruch ist nun völlig durch das
eigentliche Theearoma ersetzt worden; der schwarze Thee ist fertig bis
auf das Sortiren, Sieben, Trocknen, Verpacken u. s. w.
Zur Bereitung des grünen Thees werden die frisch gepflückten Blätter
unmittelbar und so schnell als möglich in die angeheizten Pfannen
gebracht. Man lässt die Arbeiter nicht zu viel auf einmal pflücken, weil
die Blätter sonst leicht eine bräunliche Färbung annehmen. Nachdem sie
2-3 Minuten in der Pfanne umgerührt worden, wobei sie knistern und
knattern, werden sie schnell, damit sie nicht anbrennen, auf den Tisch
gebracht und geknetet; da sie nicht vorher an der Luft getrocknet waren,
so werden sie dabei so nass, dass die Feuchtigkeit abläuft. Die Menge
der Blätter, die man auf einmal kneten, aber nicht auf einmal mit den
Händen umfassen kann, wird gedrittheilt, um sie auszupressen; aus jedem
Drittheil formt man eine Kugel, die so fest ausgedrückt wird, dass der
grüne Saft in einem Strahl herausspritzt. Manche spülen auch diese
Kugeln in kaltem Wasser ab und pressen sie nochmals aus, um die
adstringirenden Eigenschaften zu mildern. Im Uebrigen weicht die
Bereitung des grünen Thees nur noch darin von der des schwarzen ab, dass
man jenen statt zweimal, fünfmal in die heisse Pfanne bringt und nach
jedemmal von neuem knetet, aber nicht mehr auspresst; er wird also viel
langsamer trocken, als der schwarze; andern Falls würde er seine
frische, grüne Farbe verlieren. Nach dem vierten Erhitzen in der Pfanne
enthält er nur noch wenig Feuchtigkeit und hat eine etwas schwärzliche
Farbe; die schöne bläulich grüne Farbe nimmt er bei der fünften
Erhitzung in einer nicht horizontal, sondern schräg eingemauerten Pfanne
an, wobei er 1/2 Stunde lang kräftig und schnell umgerührt wird. Er ist
dann völlig trocken. Die Spitzen der Zweige, welche auch bei dem grünen
Thee die feinste Sorte geben, werden stärker ausgepresst als die andern
Blätter, gewöhnlich auch mehrere male in reinem Wasser abgespült. Sie
werden auch, wenn sie zart und klebrig genug sind, zwischen Daum und
Zeigefinger zusammengerollt, und geben dann den „Gunpowderthee”. Das
Adstringirende, das den frischen Blättern zum Theil entzogen werden
muss, um sie geniessbar zu machen, wird also bei der Bereitung des
schwarzen Thees durch Gährung, bei der des grünen Thees durch Auspressen
und Auswaschen entfernt.
Am nächsten Morgen ritten wir den sanften Abhang des gestern erwähnten
Schuttberges hinauf bis in den Krater des Papandayan. An einer Stelle,
die die Inländer Luput nennen, konnten wir eine grosse Strecke weit eine
natürliche Treppe benutzen. Es fliesst an dieser Stelle über die
Schuttmassen ein inkrustirender sehr eisenhaltiger Bach. Die von dem
angrenzenden Wald herabfallenden Blätter und Zweige werden von dem
Wasser eine kurze Strecke weiter bewegt, wobei sie wegen der vielen
Hindernisse immer eine Richtung quer gegen den Strom annehmen; so
entsteht eine Reihenfolge kleiner Dämme, die von dem darüber
hinfliessenden Wasser durch eine Sinterkruste zu einer Treppe verbunden
werden. Schon ehe man die grosse Kraterkluft erreicht, brechen an vielen
Stellen heisse Quellen hervor, die chemische Thätigkeit nimmt immer mehr
zu und oben befindet man sich in einer Solfatara von wahrhaft riesigen
Dimensionen, eingefasst von mehrere hundert Fuss hohen senkrechten
Wänden weissgebleichten Gesteines, das in deutliche Bänke gesondert ist.
Der Boden der ungeheuren Kraterschlucht ist überall mit sublimirtem
Schwefel überzogen. An vielen Stellen sind grosse Massen desselben in
kleinen Krystallen angehäuft, an andern Stellen sind sie zu braungelben
Krusten zusammengeschmolzen, die zuweilen einen Fuss Dicke erreichen.
Auch die grossen Trachytblöcke, die jetzt frei auf dem Boden liegen,
sind mehr oder weniger zersetzt, auf allen Kluftflächen mit kleinen
Schwefelkrystallen bekleidet und lassen vermuthen, dass sie früher
relativ tiefer lagen, und dass ein grosser Theil der zu feinem Schlamm
zersetzten Kratersohle durch den Regen fortgeschwemmt worden ist.
Ein grosser Schuttwall zieht sich im Hintergrund quer von einer Seite
zur andern; man glaubt am Ende der Kraterschlucht zu stehen; hat man
aber den oberen Rand des Walles erstiegen, so sieht man jenseits alle
bereits angeführten Erscheinungen sich in noch grösserem Maasstabe
wiederholen. Im Hintergrunde erblickt man wieder einen Schuttwall, der
diesen Theil der Kluft begrenzt und hinter diesem wieder andere, und in
jedem höher liegenden Felde der ungeheuren Solfatara nimmt die chemische
Thätigkeit zu. Gegen das Ende der Kluft sah ich eine Erscheinung, die
mir noch in keiner Solfatara vorgekommen war. Der Boden war mehrere
hundert Fuss im Quadrat mit maulwurfartigen Hügeln bedeckt, die durch
gewölbte Rippen zu einem ziemlich regelmässigen Netz mit einander
verbunden waren. Beim Aufschlagen einer solchen Rippe fand sich die etwa
1/2 Zoll dicke Decke mit Schwefelkrystallen dicht bekleidet.
Wahrscheinlich war die Kruste der Kratersohle an vielen Stellen durch
die Gewalt komprimirter Dämpfe sternförmig zerborsten, so dass eine Art
von Netz entstand; wenn sich dann eine Schlammmasse darüber ausbreitete,
und durch Verdampfen allmälig plastisch wurde, so können die aus den
Spalten heraufdringenden Wasser- und Schwefelwasserstoff-Dämpfe wohl im
Stande gewesen sein dergleichen hohle Rippen zu bilden und sie mit
Schwefelkrystallen auszufüttern. An manchen Stellen brach der
Wasserdampf mit solcher Gewalt aus dem Boden hervor, dass nussgrosse
Steine im Dampfstrahle auf- und abtanzten. Kochende Schlammpfützen wie
in der Kawa-manuk waren in Menge vorhanden und der Boden in ihrer Nähe
ebenso gefährlich zu betreten. Nach Junghuhn liegt der oberste Theil der
Kraterkluft 6600' hoch und wird im Halbkreis von 700-800' hohen Wänden
überragt. Vor dem grossen Ausbruch, durch welchen die Schlucht entstand,
bildete der Berg einen geschlossenen flachen Kegel.
Wir ritten nach Tjisirupan zurück, wo wir uns von unserm Begleiter
verabschiedeten und fuhren über Trogon nach Garut, überall von
Gamelangmusik begrüsst. Der Regent war schon nach Wanaradja
vorausgegangen, wo er uns nach dem ursprünglichen Reiseplan erwartete.
Da der Doktor aber heute noch in Garut zu thun hatte, so blieben wir die
Nacht im Pasanggrahan. Während wir in der Veranda Thee tranken, tanzten
vor uns auf dem Alun-alun einige Rongengs. Der Tanz war nicht ungraziös,
aber der begleitende Gesang zu gellend. Eine grosse Schaar inländischer
Zuschauer hatte sich eingefunden; sie sahen mit lebhaftem Interesse zu;
zuweilen nahmen auch Einige an dem Tanze Theil, wofür sie einige Deuten
an die Tänzerin zu entrichten hatten. Als wir zu Bette gingen, liess der
Bedana Tanz und Musik plötzlich aufhören, und Alles musste nach Hause
gehen.[67]
22. Juli. Wir fuhren auf der linken Seite des Tjimanuk durch das reiche
Thal von Trogon-Garut nach Wanaradja, wo uns der inländische Fürst mit
einem Frühstück im Pasanggrahan erwartete. Dies war das niedlichste
Dörfchen, das ich bisher gesehen. Es besteht ganz aus Bambus, die
einzelnen Häuschen sind nach den zierlichsten Mustern aus schwarzen und
weissen Bambusstreifen geflochten; die Scheunen, Einzäunungen und
Aussenhäuschen so klein und so gefällig, dass das Ganze fast wie
hübsches Spielzeug aussieht. Nach dem Frühstück ritten wir auf schönen
muthigen Pferden des Regenten, die viel arabisches Blut enthielten,
nach dem auf dem Kamm der östlichen Thalwand gelegenen „Weissen See”
(telaga bodas.) Auf bequemer Strasse, die abwechselnd durch Wald- und
Kaffeegärten führte, erreichten wir das westliche Ufer des fast
kreisrunden Wasserbeckens. Das perlweisse Wasser sticht eigenthümlich
gegen den üppigen Wald ab, der es umsäumt. Die Farbe erhält es von dem
darin suspendirten feinen Thonschlamm, den die Thätigkeit der
Solfataren am Seeboden und am jenseitigen Ufer durch Zersetzung des
Gesteins ihm zuführt. Auf einer mit einem Sonnendach versehenen, bereit
stehenden Fähre gelangten wir an das jenseitige Ufer. An vielen Stellen
des Sees brodelte das Wasser auf und verrieth durch den
Schwefelwasserstoffgeruch die vulkanische Thätigkeit auf seinem Boden.
Ich übergehe hier die vulkanischen Phänomene, die im Wesentlichen eine,
obgleich viel schwächere, Wiederholung der in der Kawa-manuk und am
Papandayan beschriebenen sind und für die meisten der Leser kein
Interesse haben. Noch schöner als der Ritt, der uns in den Wald
hineingeführt hatte, war der Rückweg, der bei jeder Wendung eine andere
Aussicht über das vom Guntur, Papandayan und Tjikorai begrenzte Thal
des Tjimanuk gewährt. Es ist ungemein fruchtbar und reich bebaut. Auf
den Reisfeldern heben sich zahlreiche Haine von Fruchtbäumen, die je
ein Dörfchen verbergen, dunkelgrün ab. Viele Paal weit ritten wir durch
Kaffeegärten, welche in dieser Meereshöhe (2000 bis 4000') besonders
gedeihen. Diese Höhenzone ist auf Java für den Europäer ein ungemein
reizvoller Aufenthalt, das Klima ein ewiger Frühling. Der Wald zeigt
sich hier in seiner ganzen tropischen Pracht, mehr noch als in der
tieferen Zone. Zwar treten die Palmen schon merklich zurück; von den
kultivirten ist nur noch die Arengpalme (Saguerus saccharifer Bl.)
häufig, aber die Calamusarten kommen hier erst recht zur Entfaltung
und durchziehen zugleich mit riesigen Lianen, deren einige schenkeldick
werden, nach allen Richtungen den Wald, die höchsten Stämme umwickelnd,
oder wie grosse Taue von Baum zu Baum gespannt. Zierliche kleine Areca-
und Pinangapalmen, oft mit schön gefärbtem Stamm und glänzend rother
Fruchttraube und Baumfarne, die bis 40' Höhe erreichen, treten hier
zuerst auf und verleihen dem Walde einen neuen Reiz. In dieser Zone
wachsen auch die Rasamala (Altingia liquidambar), Riesenbäume, deren
Höhe nach Junghuhn's, an gefällten, unter den höchsten ausgewählten,
Individuen angestellten Messungen bis 180' erreicht, während ihre
durchschnittliche Höhe 150' beträgt. Der Waldboden ist mit einem
Teppich von Lycopodien, Farnen und Kräutern bedeckt, auf welchem sich
wilde Musen, Scitamineen, Alsophilen und Ardisien erheben. Wohl keine
Zone reizt den Sammeleifer des Gärtners in höherem Maasse; die Aeste
sitzen voll Orchideen, epiphytischer Farne und Schmarotzer; hier findet
sich Alles, was den Treibhäusern schon einzeln zum höchsten Schmuck
gereicht, in grösster Fülle beisammen.
Wo der Wald zur Anlegung von Kaffeepflanzungen gelichtet, ist es nicht
minder schön. Breite, mit dichtem Grase bewachsene Strassen führen
durch dieselben und sind zu beiden Seiten mit Hecken blüthenreicher
Sträucher eingefasst. Heute ritten wir wohl eine deutsche Meile weit
durch eine solche Pflanzung, deren Saum zu beiden Seiten des Weges aus
üppig blühenden Rosenhecken bestand. Die Kaffeesträucher tragen zwar
das ganze Jahr hindurch Blüthen und Früchte, die eigentliche Blüthezeit
fällt aber in den Herbst. Jetzt sassen Knospen in den Blattachseln, in
kleinen Büscheln zusammen, so dass die schlanken, herabhängenden, mit
glänzend dunkelgrünen, gegenständigen Blättern dicht besetzten Zweige,
wenn sie blühen, längs der Mittellinie mit einem weissen Streifen
wohlriechender Blümchen besetzt sein müssen. Ueber den Kaffeesträuchern
schwebt in 30-40 Fuss Höhe ein leichtes, durchsichtiges Laubdach von
Erythrinen, die mit den jungen Kaffeesträuchern zugleich gepflanzt
werden, um ihnen Schatten zu geben, aber viel schneller wachsen. So hat
man zur Blüthezeit ein von scharlachrothen Blumen durchwirktes Laubdach
über einem weissen Blüthenwald. Wenige Tage nach der Blüthe setzt die
Frucht an, in sechs Monaten ist sie reif, sie gleicht dann einer
dunkelrothen Kirsche, ist aber etwas länglicher. Innerhalb der
süsslichen, fleischigen Hülle sitzen 2 Kaffeebohnen,[68] jede von einer
dünnen, zähen, pergamentartigen Haut fest umschlossen, mit den flachen
Seiten gegen einander; es sind die Samen, die längliche Vertiefung in
der Mitte der flachen Seite enthält den Keim. Nach der Ernte werden
zuerst die eingesammelten Beeren auf flachen Hürden an der Sonne
getrocknet. Um sie gegen Regen und den nächtlichen Thau zu schützen,
müssen sie unter Dach gebracht werden; oft geht den Bauern bei lange
anhaltendem Regenwetter die ganze Ernte verloren, da Bohnen, die durch
Nässe schwarz oder unansehnlich geworden, im Packhaus nicht angenommen
werden. Ist nach 5-6 Wochen die Hülle trocken, so wird sie durch
Stampfen in mit Büffelfell ausgefütterten Gruben oder in hölzernen
Mörsern abgelöst. Durch abermaliges Stampfen werden die aufs neue
getrockneten Bohnen von der Pergamenthaut befreit, eine Arbeit, die
viel Vorsicht verlangt, da zerstossene Bohnen einen grossen Theil ihres
Werthes verlieren.
Zur Anlage einer Kaffeepflanzung wird zuerst der Wald gelichtet; da
der Kaffeestrauch aber Schatten liebt, so lässt man zuweilen eine
genügende Anzahl Bäume stehen und pflanzt zwischen den grossen auf dem
Boden liegenden Stämmen, die zu schwer für den Transport, dem
Vermodern preisgegeben werden. Das Erzeugniss dieser etwas rohen
Kulturmethode, die mit dem Reisbau in Gagas (S. 133) verglichen werden
kann, ist in Java als Waldkaffee bekannt. Gewöhnlich aber wird der
ganze Wald gefällt; die Stämme werden fortgeschafft oder verbrannt,
die Wurzeln ausgegraben, eine schwere Arbeit, die viele Hände und die
Anwendung des Büffels erfordert. Steiniger Untergrund muss vermieden
werden, weil die Pfahlwurzeln sonst nicht in die Tiefe dringen können,
und schon ganze Pflanzungen aus dieser Ursache zu Grunde gegangen
sind. In den gesäuberten Boden pflanzt man in 8-12 Fuss Abstand die in
besonderen Saatbeeten erzogenen oder aus abgefallenen Früchten
entsprossenen 12-15 Zoll hohen Sämlinge. Die besten Pflanzen sollen
aus dem vom Musang (Paradoxurus musanga) ausgeworfenen Samen
spriessen.[69] In der Regel, namentlich in weniger als 2500' hoch
gelegenen Pflanzungen, werden die gefällten Waldbäume durch besondere
Schatten gebende Bäume, gewöhnlich Dadap (Erythrina sp. div.),
ersetzt, die so gepflanzt werden, dass jeder Kaffeestrauch zwischen
4 Schattenbäumen steht, daher der Name Dadapkaffee zum Unterschied
von Waldkaffee. Die Pflanzungen müssen besonders in den beiden
ersten Jahren sorgfältig gejätet, die Bäume von schädlichen
Schmarotzerpflanzen und Thieren gesäubert werden. Auch Erdarbeiten
sind nöthig, um das Fortschwemmen des fruchtbaren Bodens durch die
heftigen tropischen Regen an den Bergabhängen zu verhindern.
Kunstgemässes Beschneiden der Zweige, worauf in Westindien so viel
Sorgfalt verwendet wird, weil es den Ertrag sehr vermehrt, findet in
Java bei den Regierungspflanzungen nicht statt. Im dritten Jahre trägt
der Baum die ersten Früchte, im vierten giebt er eine volle Ernte,
nach 12-14 Jahren ist der Ertrag so gering, dass er die Mühe des
Pflückens nicht mehr lohnt; der Boden ist erschöpft, die Pflanzung
wird verlassen und „abgeschrieben”. Um den Ausfall zu decken, müssen
daher die Beamten Sorge tragen, fortwährend neue Pflanzungen
anzulegen; ein Zuwachs derselben hat aber in den letzten 20 Jahren
nicht stattgefunden.[70] Früher wurden die abgeschriebenen
Kaffeegärten der inländischen Bevölkerung überlassen, die Regierung
fürchtete aber, dass es mit der Zeit an passenden Ländereien mangeln
würde, und lässt jetzt die verlassenen Pflanzungen brachliegen, damit
sie sich wieder erholen, d. h. damit durch allmälige Verwitterung des
Bodens wieder zur Erzeugung von Kaffeebohnen erforderliche Salze in
hinreichender Menge löslich werden. Man nimmt dazu im günstigsten
Falle 10 Jahre an, so dass nach dem jetzt bestehenden System ein
wenigstens 10 mal so grosser Flächenraum, als wirklich in Produktion
ist, zur Verfügung gehalten werden muss. Für Privatpflanzer, die nicht
unumschränkt über Arbeitskräfte und Grund und Boden verfügen können,
ist ein solcher fortwährender Wechsel unausführbar. Sie düngen daher
den Boden, wie in vielen andern Kolonien, und ernten durchschnittlich
von alten und jungen Bäumen zusammen je 1 ℔, während die Regierung
trotz des Wechselns nur 1/2 ℔ erhält.[71] Der mittlere Ertrag steht
aber in Java weit unter demjenigen anderer Kaffeeländer, wo man 2, ja
3 und 4 ℔ trockener, gereinigter Bohnen von jedem Baum erntet. Um so
auffallender erscheint es, dass gerade in Java der Kaffeebaum so
ausserordentlich vermehrt worden ist, dass auf dieser Insel, wenn man
die abgeschriebenen mitrechnet, vielleicht mehr Kaffeebäume vorhanden
sind, als in allen übrigen Kaffeeländern zusammen.