Gegen alle lästigen Insekten aber und namentlich auch gegen die

gefürchteten Moskitos schützt vollkommen das Insektenpulver, wie es auch

von Sammlungen die Ameisen fernhält. Eine Tinktur aus 1 Theil

Insektenpulver (Pyrethrum roseum), 2 Theilen Alkohol, 2 Theilen Wasser

schützt, selbst noch zehnfach mit Wasser verdünnt, alle Körpertheile,

die damit benetzt werden, absolut gegen jeden Angriff. Auf den wegen der

Moskitos so sehr verrufenen Flüssen von Siam schlief ich oft ohne

Moskitonetz ganz nackt in meinem Boot, ohne im Geringsten belästigt zu

werden; das Summen, welches sonst jeden Schlaf verscheucht, weil es die

Nähe des zum Angriff bereiten Feindes verräth, wird zu einer harmlosen

Musik, die einen im Bewusstsein der Sicherheit um so leichter

einschläfert. So schützt Benetzung des Bartes und der Hände den Jäger

auf der Wasserjagd gegen Mücken, selbst bei der starken Transpiration im

dortigen Klima wenigstens 12 Stunden. Besonders interessant ist auch die

Wirkung auf die in tropischen Ländern so sehr zahlreichen Ameisen. Vor

den Fenstern meiner Wohnung in Albay, auf Luzon, lief ein 6 Zoll breites

Brett ringsum das ganze Haus. Auf demselben bewegten sich zwei dicht

gedrängte Züge einer schwarzen Ameise in entgegengesetzter Richtung

ununterbrochen dicht neben einander hin, so dass die Oberfläche

gleichmässig schwarz erschien. Ein handbreiter Streifen dünn gestreuten

Pulvers oder verdünnter Tinktur genügte, um sie alle zu vertreiben.

Zuerst stauten sich die Züge am Rande des Streifens, dann überschritten

ihn die Vordersten, von den Nachfolgenden gedrängt; aber schon wenige

Zoll weiter zeigten sich die Merkmale der Vergiftung; sie taumelten,

setzten sich auf die Hinterbeine, bewegten ängstlich die Vorderbeine und

starben nach einer oder zwei Minuten. Bald darauf verliessen alle das

Haus.

Auch die in den Philippinen so verbreitete Krätze wird durch Waschen mit

der konzentrirten Tinktur schnell beseitigt; -- das Jucken hört

augenblicklich auf. Die fast magische Wirkung des für Menschen ganz

unschädlichen Mittels scheint noch völlig unaufgeklärt. Es ist gleich

wirksam als Pulver, als Tinktur und als Räuchermittel. Ein befreundeter

Chemiker sagt mir, dass es ihm trotz der grössten Sorgfalt nicht

gelungen sei, ein Alkaloid oder sonst eine eigenthümliche Substanz darin

zu finden, der man die Wirkung zuschreiben könnte.

Bei meiner Rückkehr nach Malacca hatte ich Gelegenheit, einen grossen

Leichenzug zu sehen, von dem man schon lange viel gesprochen hatte. Die

Mutter eines der reichsten Chinesen war vor einigen Monaten gestorben,

und heute wurde ihr einbalsamirter Körper in die Familiengruft gebracht.

Fast die ganze Stadt betheiligte sich daran. Der Resident-Councillor und

alle Magistratspersonen folgten dem Zuge, der indessen hinter den

hochgespannten Erwartungen zurückblieb. Er bestand aus einer langen

Reihe Chinesen in weissen und blauen Trauerkleidern; einige ritten auf

Pferden, die auch mit weissen oder blauen Zeugen behangen waren. Sieben

geschlachtete Schweine und sieben Ziegen, je von 4 Kulis getragen,

folgten, um draussen verspeist zu werden. Viel feierlicher als die

Schweine sahen die Ziegenböcke aus, die bis auf die schwarze Mähne und

den schwarzen Bart ganz kahl gebrüht waren. Lärmende Musik ging dem

Sarge voraus, der in einem geräumigen Zelt von äusserst kostbar

gesticktem Seidenzeug enthalten war, ihm folgte eine grosse Masse Volk,

meist Chinesen, und zuletzt die nähern Verwandten in Sackleinen und die

Nachbarinnen im blauen Hauskleide, ein weisses Tuch über die Schulter

geworfen.

Zögernd und ungern verliess ich Malacca, um einen Dampfer von Singapore

nach Borneo zu benutzen; es wurde mir schwer, mich von den lieben

Freunden zu trennen, die ich hier zurückliess und wohl nicht wiedersehen

werde.

* * * * *

Malacca, die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets, liegt 2° 14' N, 112°

O v. Gr., das Klima ist trotz der Nähe des Aequators und der geringen

Meereshöhe gesund und angenehm. Der Thermometer schwankt zwischen 17 und

24° R., der Barometer zwischen 29° 8' und 30° 3' Engl. Wie Singapore

liegt auch Malacca ausserhalb der Monsuns, daher die Sicherheit seiner

Rhede.

Die Stadt soll im zwölften Jahrhundert gegründet worden sein durch einen

Fürsten von Singapore, den wahrscheinlich die Siamesen vertrieben

hatten. Sie erhob sich schnell zu grosser Bedeutung, und war bei Ankunft

der Portugiesen 1509, der reichste Handelsplatz in jenen Meeren, viel

besucht von Schiffen aus China, Japan, den Philippinen, den Inseln des

Archipels, Vorderindien und Arabien. Namentlich hatte sie zu jener Zeit

grosse Wichtigkeit als Stapelplatz der damals in Europa so geschätzten

Gewürze. Die Stadt soll über 150,000 Einwohner gehabt haben. Die

Portugiesen machten bald nach ihrem Erscheinen diesen Zuständen ein

Ende, indem sie alle Schiffe, deren sie habhaft werden konnten,

kaperten, und Schifffahrt und Handel verscheuchten. Im Jahre 1511

eroberte Albuquerque die Stadt, plünderte, verbrannte sie und tödtete

nach der eigenen Angabe der Portugiesen den grössten Theil der

Einwohner, auch Frauen und Kinder. Die Portugiesen behielten Malacca 130

Jahre lang und machten sich unglaublicher Grausamkeiten und

Treulosigkeiten schuldig. An die Stelle des früher so blühenden Handels

trat ein drückendes Monopol. Im Jahre 1641 fielen nach mehreren

vergeblichen Versuchen Stadt und Gebiet den Holländern in die Hände,

denen es 1795 die Engländer abnahmen, aber 1818 zurückgaben. 1825 kam

Malacca abermals an die Engländer, in Folge des bereits früher erwähnten

1824 in London geschlossenen Vertrages, durch welchen die

Streitigkeiten, die aus der Nebenbuhlerschaft der Engländer und

Holländer in jenen Meeren entstanden waren, zeitweis ausgeglichen

wurden. England tauschte Sumatra gegen Malacca aus; die Holländer

erkannten Singapore definitiv den Engländern zu, und beide Mächte

verständigten sich dahin, dass die Strasse von Singapore die Grenze

ihres beiderseitigen Wirkungskreises bilden solle. Dieser Vertrag ist

aber noch fortwährend eine Quelle von Streitigkeiten. Nach der

holländischen Auslegung sind die Engländer von allen Inseln des

Archipels südlich von der Strasse von Singapore ausgeschlossen, nach

der englischen Deutung nur von den unmittelbar südlich von Singapore

etwa bis Banca gelegenen Inseln.[51]

In Bezug auf die Handelspolitik machten es die Holländer nicht besser

als ihre Vorgänger. Nicht nur der Anbau von Kolonialprodukten, sogar der

des Reises, obgleich er fast das einzige Nahrungsmittel der Bevölkerung

bildet, war zu Gunsten der Produktion Javas und der Molukken verboten,

Grund und Boden fast werthlos, Entvölkerung und Verarmung die

natürlichen Folgen so brutaler Gesetze; dennoch behielt die Stadt

Malacca immer noch einen ziemlichen Handel, als einziger Stapelplatz für

die Produkte der umliegenden malayischen Staaten. Durch das Anlegen

einer englischen Kolonie auf Pulo-pinang 1786, namentlich aber durch die

Gründung des soviel günstiger gelegenen Freihafens Singapore am Ende der

östlichen Meerenge hat sich auch dieser Handel von Malacca gänzlich fort

nach jenen beiden Punkten, besonders nach dem letzteren gezogen.

Auch der Ackerbau obgleich jetzt von allen barbarischen Fesseln

befreit, macht doch nur sehr geringe Fortschritt und beschränkt sich

fast auf den Reisbau. Das Land ist zwar ziemlich reichlich bewässert,

wo dies der Fall ist, nicht unfruchtbar und wenn die einheimischen

Arbeitskräfte nicht ausreichen, so bietet das nahe Singapore deren in

Fülle, so wie es auch ein bequemer Markt für die gewonnenen Produkte

ist. Aber bis zur Einführung der neuen Landakte 1863, wurden Kapital

und Unternehmungsgeist von Malacca ferngehalten, weil die Regierung den

Käufern von Ländereien keine endgültigen Besitztitel geben konnte. In

neuester Zeit hat die Bereitung des Tapioka (Stärkemehl der Jatropa

Manihot) in Mehl und Perlform solchen Aufschwung genommen, dass sie

bereits mit Ausnahme des Zinns den Hauptausfuhr-Artikel der Kolonie

bildet. Dieser Erwerbszweig ist ganz in den Händen der Chinesen, wie

die Bereitung des Sagos in Singapore. Der Preis des Tapioka ist 3 Doll.

für Mehl, 4 Doll. für Perlen per Pikul, während Sago durchschnittlich 2

Doll. als Mehl, 3 Doll. in Perlen kostet. Auch mit Zuckerbau sind

einige Versuche gemacht worden, jedoch nur im Kleinen.

Von den Inländern wird Palmenzucker (djaggeri) aus Cocospalmen zum

Verbrauch in Malacca und in Singapore gewonnen; für weiteren Export ist

er nicht geeignet, da sich bei der rohen Bereitungsart der grösste Theil

des ursprünglichen Rohrzuckers in Traubenzucker verwandelt. Der bekannte

holländische Chemiker de Vrij hat gefunden, dass der Saft der in Java so

verbreiteten Arengpalmen, wenn bei seinem Einsammeln die gehörige

Vorsicht angewendet wird, um der so schnell eintretenden Gährung

vorzubeugen, keinen andern als reinen Rohrzucker enthält, der durch

einfaches Abdampfen krystallisirt erhalten werden kann. Sehr

wahrscheinlich verhält sich der Saft der Cocos-, Nipa- (s. S. 12),

Palmyra- (Borassus flabelliformis) und anderer Palmen ebenso. Zur

Gewinnung des Djaggeri wird die Blüthenscheide der Palme, bevor sie

aufbricht, zusammengebunden und ihre Spitze abgeschnitten, der

ausquellende Saft in Bambusen aufgefangen und in flachen, eisernen

Pfannen eingesotten. Ein- oder zweimal täglich wechselt man die Bambusen

und schneidet zugleich eine feine Scheibe des Blüthenkolbens ab, da sich

durch das Verdicken des Saftes an der Luft die Kanäle verstopfen (ein

Baum liefert jährlich 12-20 ℔ Zucker). Man trinkt den Palmensaft auch

frisch oder gegohren und bereitet Essig und Branntwein (Arak) daraus.

Dieser Arak schmeckt in Folge des mangelhaften Destillationsverfahrens

sehr schlecht und ist nicht zu verwechseln mit dem in Europa beliebten

Batavia-Arak, dessen Darstellung in Raffles' History of Java beschrieben

wird. Häufiger als der Saft werden die Früchte der Cocospalme

ausgebeutet, ihre Hauptverwendung ist zu Oel. -- Man versichert in

Malacca allgemein, dass eine im vollen Ertrag stehende Pflanzung das

Anlagekapital jährlich mit 100% verzinst; danach begreift man nicht,

warum nicht viel mehr Cocospalmen gepflanzt werden, wenn sie auch vor

dem 4ten oder 5ten Jahr kaum Früchte tragen und erst im 9ten oder 10ten

Jahre vollen Ertrag geben. Schliesslich verdient Erwähnung, dass man

sich in Malacca zum Pflücken der Nüsse besonders abgerichteter Affen

bedient, denen man vermittelst einer Leine, deren eines Ende an ihrem

Halsband befestigt ist, signalisirt, ob die von ihnen berührte Nuss

abgerissen werden soll oder nicht. Ich habe dies aber nicht selbst

gesehen.

----------

[42] Die Portugiesen in Hinterindien und China sind grösstentheils

so verkommen, dass sie Europäern oder ihren Abkömmlingen nicht

gleich geachtet werden. Auch haben sie sich in allen Stufen mit

allerlei fremdem Blut vermischt, so dass Menschen von reinem Weiss

durch alle Farbentöne von gelb und braun bis zum dunkelsten Schwarz

unter der allgemeinen Bezeichnung „Pottugih” zusammengefasst werden.

[43] Joss ist aus dem portugiesischen Dios in das eigenthümliche

Pigeon-Englisch der Chinesen übergegangen. Daher Josshouse =

Tempel, Josspaper = Goldpapier, Josssticks = Räucherstöcke, wie sie

vor den Altären verbrannt oder zum Anzünden der Cigarren verwendet

werden. Aus „tschin-tschin”, guten Tag, Gruss, und Joss wird

tschin-tschin-joss = beten. Ich hatte in Macao einen Steinmetz

gedungen, der mir ein unter einen Granitblock gefallenes Instrument

wiederverschaffen sollte. Am nächsten Morgen sollte er sich mit

mehreren Gehülfen, mit Stricken, Hebebäumen u. s. w. einstellen. Er

kam pünktlich, aber allein, zündete seine Josssticks an, verbrannte

Josspapier, kniete nieder und verneigte sich; ich hielt ihn für

toll, aber der Bediente erklärte mir: „oh no! dat very cleber ole

man, he makee chin-chin-devil-joss.” Leider half es nichts.

[44] Der in Europa Orang-utan genannte grosse Affe aus Borneo und

Sumatra wird von den Malayen nie also, sondern Mias genannt.

[45] Die ersten Proben Guttapercha wurden 1843 von Singapore nach

London durch Dr. D'Almeida gesandt, doch wird die Ehre der

Einführung gewöhnlich Dr. Montgomery zugeschrieben, der dafür eine

Prämie erhielt, obgleich seine Sendung später eintraf. Bei

gewöhnlicher Temperatur lederartig zähe, bei 56° R. knetbar, in

Wasser, Alkohol, Säuren, Alkalien u. s. w. unlöslich, fand sie

schnell grosse Verwendung, namentlich in der Telegraphie, da sie von

allen bekannten Körpern das grösste Isolationsvermögen besitzt.

Leider verändert sie sich, der Luft ausgesetzt, in einen sehr

spröden Körper, der rissig wird, Wasser durchlässt und dann nicht

mehr isolirt. In Singapore war die Substanz unter dem Namen

gitta-taban bekannt, und diente zur Anfertigung von Peitschen,

Eimern und allerlei Hausrath; durch Versehen erhielt sie in Europa

den Namen Gutta-percha (pertja), womit man in Singapore ursprünglich

ein ähnliches, aber schlechteres Produkt bezeichnete. Die Tabanbäume

(Isonandra gutta) waren bei der plötzlich gesteigerten Nachfrage

nach dem Stoff in den Wäldern von Singapore schnell ausgerottet, da

man den ganzen Baum fällen muss, um den Saft zu erhalten. Nach

Singapore wurden die Wälder der Malayischen Halbinsel und der

benachbarten Inseln Sumatra und Borneo in Angriff genommen. Die

Vernichtung der Guttabäume muss sehr beträchtlich sein, da ein

grosser Baum höchstens 10-15 ℔ des Saftes liefert; dennoch ist nur

vorübergehender Mangel, nicht gänzliche Ausrottung derselben zu

fürchten, da nach v. Gaffron, Resident in Borneo, (Natuurk. Tydsch.

XVI. 224) der Baum, den es nicht lohnt, vor dem 30sten Jahre zu

fällen, schon vom 15ten Jahre an leicht keimenden Samen trägt. Auch

in Borneo sind die Versuche, den Saft durch Anbohren zu gewinnen,

misslungen; er verdickt sich in diesem Fall so schnell, dass man

fast nichts erhält, klopft man die Rinde, so bekommt man etwas mehr

(etwa 1 Katti), aber der Baum geht dann eben so sicher zu Grunde als

wäre er gefällt worden. Die in mehreren technologischen Büchern

enthaltene Angabe, dass gegenwärtig durch Einschreiten der

„Guttapercha-Kompanie” die Gutta durch blosses Anzapfen gewonnen

werde, beruht wohl auf einem Irrthum. Selbst wenn der Ertrag der

angezapften Bäume nicht ganz so ungünstig wäre, würde es schwerlich

gelingen, die sorglosen Eingebornen zur Schonung der im Walde

zerstreuten Bäume aus Rücksicht für die Zukunft zu bewegen. In

Singapore ist übrigens eine solche Kompanie nicht vorhanden, und die

Londoner Guttapercha-Kompanie beschäftigt sich nur mit Beschaffung

und Verarbeitung des Rohstoffes. Nach v. Gaffron gewinnt man 5

verschiedene Sorten, die in den Handel kommen, und 3 schlechtere

Sorten, mit denen jene verfälscht werden. Der Preis der Guttapercha

war anfänglich in Singapore 8 Ds. per Pikul, ihr gegenwärtiger in

London berechnet sich nach dem Mittel der Jahre 1859/63 auf 8,73 £.

Dass aber der Preis im Verhältniss zur Abnahme der Bäume weiter

steigen sollte, ist nicht zu erwarten, da der Stoff nicht den

ursprünglich gehegten Erwartungen entspricht. Ein gefährlicher

Nebenbuhler ist ihm in Goodyear's Ebonit, oder gehärtetem Kautschuk

erwachsen; dieser hat ihn bereits aus vielen Verwendungen verdrängt,

und wird ihn, wenn seine Dauerbarkeit sich bewährt, wohl auch als

Isolator bei den unterirdischen und unterseeischen Leitungen

(oberirdische bedürfen keiner Isolation, da trockene Luft schlecht

leitet) ersetzen. Während die Einfuhr roher Guttapercha in England

nach dem Durchschnitt der Jahre 1859/63 nicht ganz 20,000 Ztr.

betrug, werden allein in Amerika jährlich 5,000,000 ℔ Kautschuk zur

Darstellung von Ebonit verbraucht (Rother's Telegraphie), so dass

die fertige Masse durch den Zusatz von Schwefel und Magnesia auf

wenigstens 80,000 Ztr. veranschlagt werden muss.

[46] Hier könnten Professor Huxley's Anhänger ausrufen: Was kein

Verstand des Verständigen sieht, das ahnet in Einfalt ein kindlich

Gemüth.

[47] Herr Blundell, Guvernör von Singapore, früher

Resident-Councillor in Malacca, sagt über diese Zustände:.. „Es

leidet keinen Zweifel, dass die winzigen, unmittelbar angrenzenden

Staaten alle zusammen in einem traurigen Zustande von Anarchie und

Unordnung sind, ohne feste Regierung, und weder Sicherheit des

Eigenthums noch der Person gewähren.... Die Häuptlinge, gleichviel

unter welchem Titel, sind raubgierig, bereit, sich jeder Partei zu

verdingen die ihren Namen kaufen, und ihren Einfluss benutzen

will.... Wir haben selbst in unserer Weisheit durch Prangen mit

Uneigennützigkeit sehr zu diesem Ergebniss beigetragen..... Die

Holländer hatten, wenigstens in den letzten Jahren ihrer Herrschaft

diese Länder fest im Zaum, und wenn sie auch nicht viel

zivilisirten, so hielten sie wenigsten Ruhe unter ihnen, und zogen

nicht unbedeutende Summen aus dem Zinnmonopol. Wir aber haben aus

einer nicht erklärten Ursache ein genau entgegengesetztes System

angenommen; nicht nur haben wir jeder Einmischung irgend einer Art

entsagt, sondern wir haben ihnen auch, mit der ausgesprochenen

Absicht unsere Uneigennützigkeit darzuthun, und ohne dass ein

Anspruch oder ein Verlangen danach gestellt worden wäre, einige der

reichsten Erzgebiete, die früher zu Malacca gehörten, überlassen, wo

mehrere hundert Menschen nützlich beschäftigt waren die dort

vorhandenen reichen Zinn- und Goldadern auszubeuten und wo jetzt die

wenigen diesen Arbeiten Obliegenden in immerwährender Gefahr

schweben von irgend einem winzigen Häuptling geplündert und ermordet

zu werden, der es sich in den Kopf setzt, dies Mittel zu ergreifen

um sich etwas Geld zu verschaffen..... Diese Gebiete sind auf bestem

Wege, Sammelplätze für Räuber u. s. w. zu werden, die uns

schliesslich zwingen werden, zum Schutz unserer eigenen Bevölkerung

das Land zu besetzen, was wir gerade durch unsere Uneigennützigkeit

zu vermeiden wünschten.”

[48] Als Seltenheit soll es zwar bei den Goldwäschen in Miask und

auch in Guyana gefunden worden sein. Von Schwefelverbindungen ist

nur der Zinnkies, ein sehr seltenes Mineral von St. Austle in

Cornwall bekannt.

[49] Zur gänzlichen Entfernung des Wolframs kennt man noch kein

bewährtes Mittel.

[50] Die Zinneinfuhr in Singapore, die den grössten Theil des auf

der Halbinsel gewonnenen Zinns umfasst, betrug 1865: 56098 Pikul =

3340 Tons (darunter ca. 6000 Pikul von Kalantan und Tringano).

Cameron giebt den Werth der Zinnausfuhr von Malacca 1863 auf 388357

£ an, was bei dem damals sehr hohen Durchschnittspreis von 27

Dollars per Pikul (der gewöhnliche Preis ist 22 Dollars) 3806 Tons

giebt; man kann also wohl 3500 Tons als Durchschnitt annehmen. Die

Zinnausfuhr von Pinang nach Europa und Amerika (meist Junk-Ceylon

Zinn) war für 1859-64: 40188 Pikul per Jahr = 2392 Tons. Banca

produzirte 1859-64 durchschnittlich: 169374 Blöcke und Billiton

13139, zusammen 182514 Bl. = 6114 Tons. So erhält man als die Summe

des in die drei Hauptniederlagen eingelieferten Zinns jährlich 12006

Tons, wozu noch der Ertrag von Siam und das direkt von den

Zinnländern nach China und Japan verschiffte zu rechnen ist, eine

bedeutende Menge, worüber aber genauere Angaben fehlen. Man ersieht

daraus, dass schon gegenwärtig das malayische Indien das meiste Zinn

produzirt; denn die Produktion von Cornwallis und Devon beträgt etwa

10,000 Tons. -- Vom Zollverein erzeugt nur Sachsen ca. 100 Tons,

auch in Oestreich wird etwas gewonnen. Nach Tschudi soll Bolivia das

reichste Zinnland der Welt, das Erz aber nicht zu verwerthen sein,

da es nur durch monatelangen Lamatransport aus den Bergen

herabgeschafft werden kann.

[51] Folgendes ist der streitige Artikel des Vertrages: „Art. 12.

Seine Niederl. Majestät nimmt die Einwendungen zurück, welche gegen

die Besitznahme des Insel Singapore durch die Unterthanen Seiner

Britischen Majestät gemacht worden sind. Seine Britische Majestät

verpflichtet sich indessen, dass keine Britische Niederlassung auf

den Carimon-Inseln oder auf den Inseln Batam, Bintang, Lingin oder

auf irgend einer der andern Inseln südlich von der Strasse von

Singapore gegründet, noch ein Vertrag von einer britischen Autorität

mit den Häuptlingen dieser Inseln geschlossen werden soll.

Java.

Erstes Kapitel.

Batavia. -- Buitenzorg. -- Botanischer Garten. -- Gunong Salak. --

Reisbau. -- Kultursystem. -- Warongs. -- Erdnüsse. --

Megamendong-Pass. -- Telaga warna. -- Pasanggrahans und Gasthäuser.

-- Preanger Regentschaften. -- Bandong. -- Junghuhn.

Anfangs Juli 1858 fuhr ich auf dem kleinen Postdampfer Palémbang, der

den für die holländischen Besitzungen bestimmten Theil der Ueberlandpost

abgeholt hatte, von Singapore nach ~Batavia~. Das Schiffchen war

musterhaft gehalten, aber trotz holländischer Reinlichkeit und

französischer Küche nicht sehr angenehm, da man sich wegen der Kleinheit

desselben nirgends der durch die Feuerung sehr erhöhten Temperatur

entziehen konnte. Uebrigens war die Fahrt zwischen unzähligen schön

belaubten Inseln sehr anziehend. Wir hielten einen Augenblick vor Rhiow

auf der Insel Bintang und vor Muntok auf Banka (das die Engländer Lord

Minto zu Ehren gern Minto nennen), um Post und Passagiere auszutauschen

und erreichten nach 60 Stunden unser Ziel, dessen Entfernung von

Singapore etwas mehr als 500 Seemeilen beträgt. Die Rhede von Batavia

erschien einsam nach der von Singapore. Ein kleiner Privatdampfer kam

uns entgegen und brachte einige Kaufleute, welche die Ankunft ihrer

Briefe nicht erwarten konnten. Wir landeten am Zollhaus; die

Untersuchung des Passagiergepäcks war nur formell und wurde mit der

grössten Höflichkeit vollzogen. In hübschen, zweispännigen Wagen fuhren

wir sogleich nach Weltevreden in das Hotel des Indes, dessen glänzend

erleuchtete Veranden und Gärten an die Conversationshäuser eleganter

Badeorte erinnerten.

Im eigentlichen Batavia wohnt fast kein Europäer mehr. Die alte, früher

als ungesund so berüchtigte Stadt enthält aber noch die zum

Geschäftsbetrieb nöthigen Gebäude, öffentliche sowohl als private.

Morgens füllt sie sich mit Beamten, Geschäftsleuten, Schiffern, abends

steht sie leer, -- so sagen wenigstens die Europäer, welche die

Eingebornen, die dann allein die Strassen beleben, nicht rechnen.

Ehemals, als Batavia von Mauern und stehenden Gewässern umgeben und die

nach holländischem Muster gebauten, schlecht gelüfteten Häuser dicht

bewohnt waren, soll die Sterblichkeit, durch allerlei Excesse, besonders

im Trinken, vermehrt, furchtbar gewesen sein. Jetzt sind die Mauern

niedergerissen, die Gräben zum Theil zugeschüttet, und die Bewohner

haben sich in die südlich von der alten Stadt belegenen Dörfer

Weltevreden, Molenvliet, Rijswijk zurückgezogen; die ehemaligen

Kolonisten, die zum grossen Theil aus Glücksjägern bestanden, sind durch

Männer aus den besten Elementen des holländischen Volks ersetzt worden;

an Stelle der früheren rohen Genüsse sind Mässigkeit und die

verfeinerten Vergnügungen einer gebildeten Gesellschaft getreten; daher

hat sich der Gesundheitszustand ausserordentlich gebessert. Weltevreden

ist überraschend hübsch, besonders Abends, wenn es in vollem Putz steht;

dann sind die immer sauber gehaltenen, meist von blühenden Hecken

eingefassten Wege reichlich besprengt und mit eleganten Equipagen

bedeckt, unzählige Lichter in matten Glaskugeln glänzen in allen

Richtungen durch das Laub. Früher war das ganze Gebiet von einem Walde

eingenommen, jetzt ist es ein schöner, grosser Park, von breiten

Strassen und Kanälen durchschnitten. Unter den Häusern sind manche

Prachtgebäude, aber auch die kleinsten schimmern durch die Bäume und

Sträucher der Vorgärten so zierlich und anspruchsvoll, als wollten sie

für kleine Paläste gelten. Jedes hat einen reich erleuchteten Portikus,

der Abends gewöhnlich durch Damen in voller Toilette geschmückt ist.

Auch die Herren sieht man um diese Zeit nur im Gesellschaftsanzug,

schwarzem Tuchfrack, Glaçéhandschuhen und schwarzer Tuchhose; die

leichte, bequeme, weisse Kleidung, mit der man in Singapore in jeder

Gesellschaft erscheint, ist hier verbannt; Hüte sieht man selten, selbst

Reiter tragen gewöhnlich keine Kopfbedeckung.

[Illustration: POSTSTATION. JAVA.]

Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor. · 第 13 / 28 段