[9] Kohl führt etwas ganz Aehnliches aus Ungarn an: „Der sehr reiche

Palast des Fürsten S. in Zinkendorf wird nie verschlossen, trotz des

bedeutenden Silberschatzes. Wie dies mit der sonst so allgemeinen

Unsicherheit und den dagegen angewandten Vorsichtsmaasregeln zu

vereinigen sei, weiss ich nicht.”

[10] Diese interessante Pflanze ist über ganz Indien so verbreitet,

dass ihre Abstammung aus Amerika erst in neuerer Zeit festgestellt

worden ist. Ueber ihre oben angeführten auffallenden Eigenschaften

finden sich interessante Thatsachen in: Browne's Nat. hist. of

Jamaica p. 360, der zuerst darauf aufmerksam gemacht zu haben

scheint; Heber's useful plants of India 113, der Wight's

Illustrations of ind. bot. II 36 und Dr. Holder in Memoirs of the

Wernerian soc. III citirt; Hooker's bot. Mag. 2898. -- Humboldt hat

im Thale von Aragua bestätigende Untersuchungen angestellt;

sonderbarer Weise ist aber gerade in Venezuela, wie mir Prof.

Karsten mittheilt, von den erwähnten Eigenschaften der Pflanze

nichts bekannt, während in Barbados und Jamaica nach obigen Angaben

ebenso wie in Singapore diese Eigenschaften so allgemein gekannt

sind, dass sie häufig für wirthschaftliche Zwecke benutzt werden.

Die von Vauquelin analysirten Proben (Hooker's bot. Mag.) stammten

aus Ile de France, die eine war zum Behuf des Transports nach Europa

durch Abdampfen eingetrocknet, die andere mit einer gleichen Menge

Rum vermischt worden. „Die Aehnlichkeit des Papaya-Safts mit

thierischen Substanzen ist so gross, dass man einen Betrug vermuthen

möchte.” Vauq.

Physiologen, welche die auffallenden Wirkungen auf die Muskelfaser

näher untersuchen wollen, würden wohl am besten thun, sich genügende

Mengen des frischen Saftes in hermetisch verschlossenen Flaschen

oder Büchsen, nach Appert's Methode konservirt, kommen zu lassen;

die beste Bezugsquelle dürften die westindischen Inseln sein, wo man

in der Kunst des Konservirens durch das geschäftsmässig betriebene

Einmachen der Ananas wohl geübt, und die Pflanze allgemein

verbreitet ist. -- Diese befindet sich übrigens auch in allen

botanischen Gärten, aber gewöhnlich nur in verkümmerten Exemplaren.

[11] Besonders aber in neu entdeckten Goldländern, wo unzubereitete

Nahrungsmittel, weil sie voluminöser sind, durch die sehr hohen

Transportkosten, die oft 1 Dollar per ℔ betragen, viel theurer

werden als fertig bereitete, und wo es überdies an Händen und

Einrichtungen zur Zubereitung mangelt. Wenn die Goldgräber keine

andre Spuren zurückliessen, so könnte man ihre Stationen an den

umherliegenden leeren Blechbüchsen erkennen.

[12] In New harbour sind immer grosse Niederlagen von englischer,

australischer und Borneo-Kohle. Die Kohlen von Australien und Borneo

können bei den jetzigen Heizeinrichtungen nur mit englischer

gemischt, verbrannt werden. Die Preise sind gegenwärtig (1864):

englische 8 bis 9 Dollars, Borneo 5 bis 6, australische 4 bis 5

Dollars per Ton von 20 Ctr. engl, oder ungefähr 2000 Zollpfund. --

In Berlin kostet die Last = 18 Tonnen = 72 Scheffel = ca. 6000 Pfd.

15 bis 20 Thaler, also ca. 5 bis 7 Thaler per engl. Ton.

[13] Diese Laternen bestehen aus einem mit sehr feinem festem

Papiere überzogenen, melonenförmigen Gerüst von sehr feinen

Bambussplitten. Das Papier ist mit durchsichtiger Gallerte getränkt,

einem Absud der Alge Agar-agar (Plocaria tenax und P. candida), die

auf allen felsigen Küsten des Archipels wächst und in grosser Menge

von den klugen Chinesen importirt wird, während sie in Europa so gut

wie unbekannt ist. Sie vertritt in mancher Hinsicht die Stelle der

Hausenblase und des Dextrins, giebt ein schmackhaftes Gelee und

vorzügliche Appretur für Seidenzeuge und kostet in Singapore selten

mehr als 1 Dollar per Pikul. -- Schon 1859 importirte Shanghai

allein 150000 Pikul. Die im atlantischen Ozean sehr häufige

verwandte Gattung Chondros liefert das offizinelle Karagen.

[14] Der Reis, Oriza, vom arabischen eruz, ist das

Hauptnahrungsmittel aller zivilisirten Völker Ostasiens. Die weniger

vorgeschrittenen müssen sich mit einer leichter zu erlangenden, wenn

auch noch stickstoffärmeren Kost (Sago u. s. w.) begnügen. Man hat

berechnet, dass der Reis das Hauptnahrungsmittel der Hälfte des

Menschengeschlechtes sei. In Asien ist er seit den ältesten Zeiten

bekannt; die Araber brachten ihn nach Spanien und Italien, wo er

noch jetzt mit Erfolg gebaut wird. In Amerika wurde er erst Ende des

17ten oder Anfangs des 18ten Jahrhunderts zufällig eingeführt, fand

aber in den südlichen Staaten der Union Klima und Boden so günstig,

dass der Reis von Carolina bald für den besten von allen Sorten

galt. Die dort übliche Art des Reisbaues weicht von der indischen

besonders darin ab, dass man die Felder abwechselnd trocken und

überschwemmt hält. Die dadurch erzeugten Miasmen sind so

lebensgefährlich, dass die zur Arbeit in den Reisfeldern verwendeten

Sklaven sehr schnell erlagen und durch frische ersetzt werden

mussten. Singapore baut gar keinen Reis, da es aber im Mittelpunkt

der Reis erzeugenden und Reis verzehrenden Länder liegt, so ist es

ein Stapelplatz für diesen wichtigen Handelsartikel geworden, der

hier häufig billiger als in den Produktionsländern ist.

Dass von einer so lange kultivirten, so weit verbreiteten

Nutzpflanze viele Abarten entstanden sein müssen, lässt sich

erwarten. In einer öffentlichen Sammlung in Manila waren 60

angeblich verschiedene, in den Philippinen gebaute, Abarten

ausgestellt; fast ebensoviel rechnet man in Java. Nach Porter lassen

sich aber alle auf 4 Arten zurückführen, die vielleicht selbst nur

Varietäten einer Art sind: O. sativa und praecox, beide Sumpfreis;

letzterer reift 2 Monate früher als ersterer, 4 Monate nach dem

Umpflanzen, steht ihm aber an Güte und Ertrag nach. O. montana,

Bergreis, der trocken wächst, oft in beträchtlicher Meereshöhe und

in höheren Breiten, und viel mehr Kälte vertragen kann als der

Sumpfreis, weshalb man mehrere mal versucht hat, ihn in England

einzuführen, bisher aber ohne Erfolg, da er zwar reichlich Blätter,

aber keine Körner giebt; Porter führt zwar einen einzelnen Fall an,

wo man bei Windsor reife Aehren erhielt. Endlich O. glutinosa,

Kleber-Reis, der nass und trocken wächst, aber wenig gebaut zu

werden scheint. Er wird namentlich zu verschiedenen Gebäcken (kweh)

verwendet.

[15] St. John, Far East II 254 meint, dass die Eingebornen von Bruni

durchaus keinen Geruchssinn haben, weil sie faules Fleisch, faule

Eier und faule Fische essen. Die Bewohner von Luzon haben aber einen

so sehr ausgebildeten Geruchssinn, dass sie z. B. in einer grösseren

Gesellschaft durch das Beriechen der Taschentücher die Eigenthümer

derselben zu erkennen vermögen und dennoch essen sie gern faules

Fleisch u. s. w.; wahrscheinlich, weil es ihnen gut schmeckt, so wie

viele Europäer stinkenden Käse und stinkendes Wild essen. Der

Begriff des Gestanks ist relativ: bei einem feinen Diner in

Singapore wurde mir die Butter ganz besonders angepriesen, „weil sie

einen sehr starken Fassgeschmack hatte.”

[16] Auch dies hat sich bereits geändert, wenigstens in China. Aus

dem Bericht des britischen Konsuls Robertson, Canton 1864, ergiebt

sich, dass nicht nur die Küstenschifffahrt und der Einfuhrhandel

immer mehr in die Hände der Chinesen übergehen, sondern dass auch

der Ausfuhrhandel dieselbe Bahn einschlägt. Bereits haben

chinesische Firmen aus Fu-tschau und andern Orten bedeutende

Theesendungen direkt nach England gemacht, und sogar im vorigen Jahr

(1863), während alle andren Firmen auf den europäischen Märkten

bedeutende Verluste erlitten, Gewinne erzielt, weil sie mit viel

grösserem Vortheil einkaufen und verkaufen können, ihr Geschäft mit

geringeren Unkosten betreiben, mit mässigerem Gewinn vorlieb nehmen,

und für eigene Rechnung statt für Rechnung ihrer Kommittenten

handeln. „Wenn sie sich auf dieser neuen Bahn erst sicher fühlen,

und Bankkredite erhalten, so wird es für Europäer hoffnungslos sein,

gegen sie zu konkurriren.”

[17] So nennt man einen harten Kalkmergel mit Eiseninfiltrationen,

die auf der helleren Grundmasse allerlei Figuren von Burgen, Ruinen

u. s. w. darstellen.

[18] Rumph, Kruydboek V. 97: „gewöhnlich 60-100 Faden lang, ja in

einigen Ländern hat man 200-300 Faden lange gemessen” (1 Faden =

6').

[19] Die Overl. Free Press, 8. Jan. 1864, giebt nach dem Java

Courant eine Uebersicht der in Java und den übrigen holländischen

Besitzungen im Archipel durch andre als natürliche Ursachen

vorgekommenen Todesfälle. Die Gesammtzahl der durch Tiger Getödteten

wird darin für Java auf 148 angegeben. Die Richtigkeit der Zahlen

vorausgesetzt, wäre dies unter Berücksichtigung der beiderseitigen

Bevölkerungen nur 1/300 so viel als in Singapore. Wären diese

Unglücksfälle in Java verhältnissmässig so häufig wie in Singapore,

so müssten jährlich dort 44,000 Menschen den Tigern zur Beute

fallen. -- Die Tabelle enthält auch noch andre interessante Data:

Java und Andere

Ursache des Todes. Madura. Besitzungen. Total.

Blitz 356 10 366

Ertrinken 948 173 1121

Sturz von Bäumen etc. 431 73 504

Tiger 148 151 299

Rhinozeros 4 -- 4

Krokodile 49 125 174

Büffel 6 -- 6

Schlangen 43 3 46

Selbstmord 127 38 165

Andre Unfälle 393 136 529

2505 709 3214.

„Nach einer Angabe der Posener Provinzialblätter wurden im

Regierungsbezirk Posen vom 1. Sept. 1815 bis Ende Februar 1816, 41

Wölfe erlegt, und noch im Jahre 1819 im Kreise Wongrowitz 16 Kinder

und 3 Erwachsene von Wölfen gefressen.” (Freytag, neue Bilder aus

dem Leben des deutschen Volkes 1862, pg. 402.)

Die Einwohnerzahl im Kreise Wongrowitz betrug 1818 nach

Ortschaftsverzeichnissen des statistischen Bureaus: 26290; für 1819

kann sie schon wegen der geringen damaligen Volksbewegung nicht sehr

davon verschieden gewesen sein. Nimmt man an, dass in Singapore

täglich ein Mensch von Tigern gefressen wird, so giebt dies 180 für

6 Monat auf eine Bevölkerung von 100,000 oder 47,7 auf eine

Volksmenge gleich der im Kreise Wongrowitz, selbst wenn man diese

auf 26,500 schätzt; so dass in letzterem noch 1819 mehr als 2/5 so

viel Menschen von Wölfen gefressen wurden, als gegenwärtig in

Singapore von Tigern.

[20] In neuester Zeit angeblich sogar 100 Ds.

[21] Der Beweis ist jetzt geliefert worden; denn nach Cameron (Our

tropical possessions pg. 96) fand man eines Morgens in Netzen, die

in der Meerenge längs der Küste von Singapore aufgestellt waren,

eine Tigerin verstrickt und fast ertrunken. Von Singapore konnte sie

nicht hergekommen sein, da ganze Reihen dem Lande näher

aufgestellter Netze unversehrt waren.

[22] Doch ist dieser Punkt noch nicht genügend aufgeklärt. Smeathman

und andre nach ihm erzählen von einem König in der Kammer der

Königin.

[23] Das Manché'sche System, das durch Hooibrenk in den letzten

Jahren in Europa so grosses Aufsehen gemacht, war also bei den

chinesischen Gambirpflanzern schon lange in Anwendung.

[24] Die Borneo-Kompanie hat neuerdings Sagofabriken unter Leitung

eines europäischen Ingenieurs in Borneo angelegt, wo das Fabrikat an

Ort und Stelle zur Ausfuhr nach Europa fertig gemacht wird.

[25] Die Art der Gewinnung ist in Johnston's vortrefflichem Buch

„Chemistry of common life” nach Dr. Eatwell ausführlich beschrieben

und mit Abbildungen versehen, ohne Abbildungen auch in v. Bibra:

„Die narkotischen Genussmittel.” ...

[26] Das Verfahren ist ausführlich beschrieben von Dr. Little,

Journ. Ind. Arch. II, eine Uebersetzung davon giebt v. Bibra.

[27] 762,5 bis 915 Ds. per Kiste von 140 Katti; 6-1/2 bis 8 Thlr.

per Zollpfund.

[28] Im Budget Estimate 1864/65 war die Einnahme für Opium auf

8,200,000 £, die Ausgabe auf 2,254,161 £ veranschlagt; man hatte

also bei diesem Geschäft einen Reingewinn von 5,945,839 £ (über 40

Millionen Thaler) erwartet. Der wirkliche Gewinn war: 1861/62

4,909,804 £, 1862/63 6,199,198 £, 1863/64 4,525,506 £.

[29] „Die Möglichkeit einer chronischen Opiumvergiftung ist eine

über allem Zweifel erhabene Thatsache. Hammer bezeichnet die

Liebhaber des Opiums als wankend und schwankend, blass, abgezehrt,

mit gestrecktem Halse, entscharrten Leichnamen ähnlich ...

Oppenheim: Die Thätigkeit der Verdauungsorgane liegt ganz darnieder,

die Stuhlentleerung anfangs ungemein träge, oft in Intervallen von

8-14 Tagen erfolgend; später macht sie der Diarrhoe und Dysenterie

Platz. Die körperlichen und geistigen Kräfte und Fähigkeiten gehen

einem raschen Verfall entgegen. Schwindel, Kopfschmerz, Neuralgien,

Zittern der Gliedmaassen, Schlaflosigkeit, manchmal eine Art

Delirium tremens, Blödsinn, allgemeine Paralyse, Impotenz, auch

Blasen- und Nierenleiden stellen sich ein, und einem allmälig sich

entwickelnden Leiden der Lunge und des Herzens erliegen die

Opiumesser früher oder später.” (Husemann, Toxicologie S. 609.)

[30] Dieselben Listen ergeben folgende interessante Thatsachen. Das

Opium kommt fast ausschliesslich aus der Türkei, aus Britisch-Indien

nichts. Das meiste geht nach den Vereinigten Staaten und Holland.

Von 110,101 ℔, die 1863 exportirt wurden, gingen 40,641 nach den

Vereinigten Staaten, 28,869 ℔ nach Holland, das Transit-Opium,

104,756 ℔, nahmen diese beiden Länder ausschliesslich, Vereinigte

Staaten 93,316 und Holland 11,440 ℔. (Das nach Holland verschiffte

Opium geht nach Java.)

[31] Dr. Thudichum giebt folgenden interessanten Aufschluss über die

in einer Landstadt von Lincolnshire jährlich verkaufte Menge Opium:

„Sieben Drogisten in der Stadt Spalding verkaufen 27 Stein 3-1/2

Pfund Opium (= 436 Zollpfund) zum Theil in der Form von Laudanum.

Die Stadt nebst dem von den Drogisten versehenen Gebiet hat 21,000

Einwohner. Dies ergiebt einen Opiumverbrauch von 127 Gran per Kopf

und Jahr. Eine geringe Menge des Opiums wird für die Schafe während

des Lämmerns verwendet. Rechnet man 27 Gran von je 127 Gran zur

Deckung dieses Bedarfs, was wahrscheinlich eine übertriebene Annahme

ist, so ergiebt sich das erschreckende Verhältniss, dass der

Opiumverbrauch im Gebiet von Spalding ungefähr 100 Gran jährlich für

jedes Individuum der Bevölkerung beträgt. Opium wird von den

Erwachsenen gegessen und den Kindern eingegeben. Die Sterblichkeit

der Kinder beträgt in diesem Distrikt 21,845, während sie in ganz

England 17,731 von 100,000 Lebenden betrug. Die Bevölkerung war in

den letzten 10 Jahren im Abnehmen. Obige Menge Opium enthält nicht

die von Aerzten verwendete Menge. Die Daten über die in Spalding

verkauften Quantitäten Opium sind von Dr. Morris aus Spalding

gesammelt und mir mitgetheilt worden.”

[32] An einer andern Stelle behauptet de Quincey sogar, 12,000

Tropfen täglich genommen zu haben. Das wäre mehr als ein und ein

Zehntel Zollpfund! -- Nach dem Formulaire d. P. rechnet man das

Gewicht von 20 Tropfen Laudanum, 75 bis 110 cgr., nimmt man als

Mittel 92,5 cgr., so erhält man 555 Gramm!

[33] Das letzte Straits' Blaubuch weist für das Jahr 1864/65

abermals eine bedeutende Zunahme des Handels von Singapore nach,

dessen Werth jetzt auf 13,000,000 £ veranschlagt werden kann. Die

Einfuhr ist auf 66,182,177 Rupien (= 44,121,450 Thaler), die Ausfuhr

auf 66,339,578 Rupien (= 44,226,385 Thaler) geschätzt worden, ein

Fortschritt gegen 1863/64 von 2,712,123 Rup. bei der Einfuhr, und

von 12,363,140 bei der Ausfuhr. Die Anzahl der in Singapore

eingelaufenen grossen Schiffe (square rigged vessels) betrug

1864/65: 1697 von 780,794 Tonnengehalt, 250 Schiffe und 152,226

Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der von Singapore 1864/65

ausgelaufenen grossen Schiffe betrug 1629 von 576,527 Tonnengehalt,

116 Schiffe und 16,453 Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der die

Häfen von Singapore, Pinang und Malacca besuchenden britischen

Schiffe hat kaum zugenommen gegen das vorige Jahr; aber die Zahl der

unter Hamburger und Bremer Flagge fahrenden hat sich mehr als

verdoppelt ... „Es ist bemerkenswerth, dass ein Achtel der

angekommenen und ein Neuntel der ausgelaufenen Schiffe unter

deutschen Flaggen fuhren.” (Wenn die in den Listen enthaltenen

Zahlen richtig abgedruckt sind, so berechnet sich die Anzahl der

eingelaufenen deutschen Schiffe fast auf 1/6 der Gesammtzahl,

nämlich 271 von 1697, und wenn man 17 östreichische Schiffe nicht

mitrechnet, auf 1/63/4 ... Ebenso berechnet sich die Zahl der

ausgelaufenen auf 1/71/2, und wenn man 10 östreichische nicht

mitrechnet, auf 1/8 der Gesammtzahl, nämlich 216 resp. 206 von

1629 ... Unter britischer Flagge liefen 860 ein, 873 aus.)

[34] Eine schmale Meerenge trennt Rhiow vom eigentlichen Bintang.

[35] Bekanntlich erfahren viele der nach monatelanger Reise in

Europa anlangenden Schiffe erst in der engen Strasse zwischen

England und der Insel Wight ihre schliessliche Bestimmung. Ohne dass

sie ihre Fahrt zu unterbrechen oder ein Boot an's Land zu senden

brauchten, theilt ihnen der Agent ihres Rheders gewöhnlich von

~Cowes~ aus durch Flaggensignale mit, nach welchem Hafen sie steuern

sollen, um ihre Ladung auf den vortheilhaftesten Markt zu bringen.

Daher kehren die meisten Schiffe aus Ost-Asien mit der Bestimmung

„Cowes for orders” heim.

[36] Nur 2 holländische Schiffe durften jährlich zwischen Decima und

Batavia verkehren.

[37] Es ist auffallend, wie wenig Franzosen bis jetzt als grosse

Kaufleute in Ostasien vorhanden sind. -- In Singapore befindet sich

nur ein einziges französisches Haus von einiger Bedeutung.

Engländer, Amerikaner und Deutsche sind es, die an der Spitze aller

grossen Handelshäuser stehen. In Saigon ist der Handel hauptsächlich

in Händen der Chinesen. Die grössten ~europäischen~ Handelshäuser

daselbst sind deutsche.

[38] 1864 betrug die Zahl der in den 13 Häfen ein- und ausgelaufenen

nicht chinesischen Schiffe 17,976 von 6,635,505 Tons. Davon gehören

2,862,234 Tons der englischen, 2,609,390 Tons der amerikanischen und

380,135 Tons der hamburger Rhederei, der Rest vertheilt sich auf 20

verschiedene Nationen. Der Einfuhrhandel von Shanghai allein stieg

(nach dem Bericht des englischen Ministers in Peking) von 41,000,000

taels in 1860, dem Jahr vor Eröffnung des Yantsekiang und der

nördlichen Häfen, auf 81,000,000 taels in 1863 (1 tael ist etwa 2

Thlr.).

[39] Nach dem Prospekt würde die neue Gesellschaft im Stande sein,

die Kohle für 25 sl. nach Singapore zu liefern, so dass ihr bei 40

sl. ein hinreichender Gewinn verbliebe.

[40] Die Wichtigkeit, den Geschmack der Eingebornen zu

berücksichtigen, wird vielleicht in keinem Lande mehr verkannt, als

in Deutschland. Häufig kommen in den ostasiatischen Handelsplätzen

grosse Kisten mit Fabrikaten an, die durchaus werthlos sind, weil

auf den Geschmack der Konsumenten, auf das Format, das Gewicht und

die Art der Verpackung gar keine Rücksicht genommen ist, wenn auch

die Waare an und für sich vielleicht die Konkurrenz aushielte. Es

ist ein sonderbarer Dünkel solcher Fabrikanten, zu glauben, dass die

Käufer sich in ihre Launen fügen sollen, und zeugt von gänzlicher

Unkenntniss der bestehenden Verhältnisse. Ueberall, wo es Frauen

giebt, sind wechselnde Moden -- selbst im Innern von Afrika. Alle

Völker, die für andere fabriziren wollen, müssen auf das

Sorgfältigste den Geschmack derselben studiren. Die Engländer haben

dies längst eingesehen und geben sich grosse Mühe, dennoch wird es

ihnen schwer, im Innern von China gegen die Konkurrenz der

amerikanischen Fabriken aufzukommen, denen es gelungen zu sein

scheint, die nationale Geschmacksrichtung mit solchem Glück zu

treffen, dass sie in gröberen Baumwollenwaaren den dortigen Markt

beherrschen.

Die Schweizer, die keinen direkten Seehandel treiben können, haben

es nur ihrem fleissigen Studium und grossen Takte zuzuschreiben,

wenn sie ebenbürtig mit den grössten Fabrikstaaten konkurriren. In

den Philippinen sind manche Artikel ausschliesslich in ihrer Hand.

Ein befreundetes Schweizerhaus in Manila hielt eine Anzahl

geschickter Mestizen als Musterzeichner, die der wechselnden Mode

immer auf der Spur waren und liess nach ihren Zeichnungen in der

Schweiz, in China und in Italien die Baumwollen- oder Seidenstoffe

anfertigen, die dann auch immer bei den koketten Mestizinnen den

grössten Anklang fanden. Den Languti, das in Siam gebräuchliche

Lendentuch, nachzuahmen, ist noch Keinem gelungen. Schweizer,

schottische und englische Häuser haben schon Tausende darauf

verwendet -- bisher vergeblich; die gelieferten Stoffe sind

vielleicht besser oder billiger als die einheimischen, entsprechen

aber noch nicht genau dem Geschmack.

[41] Nach dem Geschäftsbericht vom 5. Decbr. 1865 besass sie 63

Schiffe von 92,353 tons und 18,270 Pferdekraft, die im letzten Jahre

einen Weg von etwa 1,500,000 Seemeilen zurückgelegt hatten (fast in

jeder Woche 1-1/2 mal so viel als der Erdumfang beträgt).

Malacca.

Anblick von Malacca. -- Portugiesen. -- Chinesen. -- Melaleuca. --

Mission unter den Mintras und Jakuns. -- Guttapercha. -- Neuer

Pungulu in Allor-gadja. -- Rückkehr zu den Mintras. -- Ehepärchen.

-- Blasrohr. -- Pfeilgift. -- Fahrt nach Lingi. -- Der Dato von

Lingi. -- Zustände in den kleinen Malayenstaaten. -- Zinn. -- Leben

im Walde. -- Zweckmässige Kleidung. -- Insektenpulver. --

Chinesischer Leichenzug. -- Geschichte von Malacca. -- Tapioka. --

Djaggeri.

Mitte April, an einem Nachmittag, bestieg ich den ~Hooghly~, ein altes,

ausrangirtes Dampfboot, welches die ganze Kriegsmarine der „Straits

Settlements” ausmachte. In seltenen Fällen wurde es gegen Seeräuber

benutzt, hauptsächlich aber diente es dazu, die Beamten der Regierung

und die Post zwischen Malacca, Pulo-Pinang und Singapore, welche

zusammen die Niederlassung der Meerenge (the Straits Settlements)

bilden, zu befördern. Seine Geschwindigkeit überstieg nicht die einer

chinesischen Junke; auch Reinlichkeit und Ordnung liessen manches zu

wünschen übrig und waren ein fortwährender Stoff zu Klagen von Seiten

der Passagiere, die aber nicht berücksichtigt wurden, da der Kapitän ein

naher Verwandter des Guvernörs war, und Reisende nur aus Gefälligkeit

mitgenommen wurden gegen eine im Verhältniss zu den sonst in diesen

Meeren üblichen Dampfschiffspreisen allerdings sehr unbedeutende

Vergütigung, Trotz mancher kleinen Mängel war die Fahrt höchst angenehm

in herrlicher, tropischer Nacht auf spiegelglattem Meere. Am andern Tage

um 2 Uhr ankerten wir auf der Rhede von Malacca in 2 Seemeilen

Entfernung vom Lande. Wir hatten 22 Stunden gebraucht, um einen Weg von

120 Seemeilen zurückzulegen.

Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor. · 第 10 / 28 段