(mit Ausnahme des Opiummonopols) und macht Riesenfortschritte. Nach
Unterdrückung des furchtbaren Militäraufstandes hatten die Engländer zu
wählen zwischen dem alten brutalen Mittel, ihre Herrschaft durch
ruinöse Militärgewalt aufrecht zu erhalten, und dem kühneren,
staatswissenschaftlichen, durch Entwicklung der natürlichen
Hülfsquellen, milde Verwaltung, Schutz des Eigenthums, die Bevölkerung
an sich zu fesseln. Sie wählten das letztere, und der Erfolg ist ein
beispielloser in der Kolonialgeschichte! Eine nach dem Kriege
aufgenommene Anleihe von 100 Millionen wurde hauptsächlich auf
grossartige Eisenbahnbauten, Kanalisation, Strassenbau und ähnliche
produktive Anlagen verwendet; grosse Gebiete unfruchtbaren
Steppenlandes wurden durch Bewässerung in reichen Kulturboden
verwandelt. In den letzten Jahren vor der Revolution hatte die
Ostindische Kompanie trotz allen Monopolen und drückenden Steuern ein
jährliches Defizit von 14,000,000 £ (fast 100 Millionen Thaler); die
schweren Steuern wurden ermässigt und geben seitdem einen viel
grösseren Ertrag, so dass schon 1863 das indische Budget, nachdem 6
Millionen auf Tilgung der Staatsschuld und 31 Millionen auf öffentliche
Bauten (namentlich Strassen) verwendet worden, einen ~Ueberschuss~
ergab!
Nur durch die schnelle Anlage von Verkehrsmitteln war es Indien möglich,
so grossen Vortheil aus der Baumwollenkrisis zu ziehen. Die Indier
fühlen sich jetzt mit Stolz als britische Unterthanen und haben alle
Ursache dazu, da Alle, Weisse und Indier, vor dem Gesetz gleich sind.
Birma, das vor 40 Jahren ein Seegestade von 1200 Miles, von Bengalen bis
Junk-Ceylon besass, hat durch zwei Kriege (1825 und 1852) seine
sämmtlichen Küstenprovinzen an die Engländer verloren und ist jetzt ein
ohnmächtiger Binnenstaat. Seitdem haben sich aber Akyab, Bassein und
namentlich Rangun unter liberaler englischer Verwaltung zu wichtigen
Handelsplätzen erhoben, durch welche die grosse Reisproduktion des
Irawaddideltas erst ihren normalen Werth im Welthandel findet. Durch
einen 1865 abgeschlossenen Vertrag ist auch der Irawaddi den Europäern
geöffnet worden, der wohl bald eine der wichtigsten Wasserstrassen der
Welt werden wird, weil er die südwestlichen Provinzen Chinas direkt mit
dem Meere verbindet. Der aufgeklärte König von Siam, durch das Schicksal
Birma's gewarnt, schloss rechtzeitig (1856 und später) mit den
europäischen Mächten Verträge, die denselben das bisher verschlossene
Land eröffneten.
In Cochinchina sind die Franzosen auf ihre Weise bemüht, eine Kolonie zu
gründen; sie haben Festungen und Kasernen erbaut und machen durch ihre
Militärmacht ihren Einfluss auf Cambodia und Anam geltend. Ob sie neben
dem Ruhm für die Idee des Christenthums und der Civilisation gekämpft zu
haben, auch materielle Vortheile erzielen werden, muss die Zukunft
lehren.[37] Jedenfalls wird die Bedeutung Saigons schnell zunehmen, da
es ein äusserst fruchtbares Hinterland mit dichter, arbeitsamer
Bevölkerung hat, die bisher allen Rechtsschutzes entbehrte. Auch hier
ist bis jetzt Reis fast der einzige Ausfuhrartikel.
In China sind seit dem Vertrag von Tien-tsin 13 Häfen geöffnet (die auf
Hainan und Formosa einbegriffen) und der Verkehr wächst mit reissender
Schnelligkeit.[38] Englische, amerikanische und deutsche Rhederei haben
die Junken fast ganz vom Küstenhandel verdrängt, und tief ins Innere des
Reichs, den Yantsekiang hinauf, dringt amerikanische und englische
Dampfschifffahrt. Spanische, französische und holländische Schiffe,
durch schützende Tarife in ihren eignen Kolonien verwöhnt, scheinen die
freie Konkurrenz nicht ertragen zu können, und sind bis jetzt
verhältnissmässig wenig betheiligt. Russland hat an der Mündung des Amur
eine Kolonie errichtet. Alle Versuche Japans, trotz der eingegangenen
Verträge wieder in seine alte Abgeschlossenheit zurückzukehren, erzielen
das Gegentheil dessen, was sie bezwecken, da jede Vertragsverletzung
neue Zugeständnisse für die Fremden zur Folge hat. Nur Korea ist noch
ebenso verschlossen wie immer, aber der Unternehmungsgeist der Kaufleute
in Japan, Niutschwang und Nikolajewsk wird dies gewiss nicht viel länger
dulden. Die Spanier haben in den Philippinen ihre Tarife ermässigt und
neben Manila, dem einzigen Hafen, in welchem bisher der Verkehr mit dem
Auslande gestattet war, vier neue Häfen eröffnet: Sual auf Luzon, Yloylo
auf Panay, Cebu auf der gleichnamigen Insel, und Zamboanga auf Mindanao,
Durch die Gründung von Sarawak hat sich auf der N-W.-Küste von Borneo
mit ihrem Antimon- und Kohlenreichthum und ihren Sagowäldern ein
beträchtlicher Handel entwickelt und wenn auch Labuan seinen
ursprünglichen Zweck, die Seeräuber der Nord- und Westküste in Zaum zu
halten, schlecht erfüllt, so wird es durch seine reichen Kohlenlager,
die erst jetzt im Grossen ausgebeutet werden, und für 2 £ per ton nach
Singapore und Hongkong geliefert werden können, sehr zur Vermehrung der
Dampfschifffahrt beitragen.[39] In Niederländisch-Indien scheint dem
früher so gepriesenen „Kultur-System”, einem genial ausgedachten mit
Konsequenz durchgeführten System von Regierungsmonopolen im grössten
Maasstabe trotz der bedeutenden Ueberschüsse, die es jährlich dem
Mutterlande lieferte, keine lange Dauer mehr bevorzustehen, da es jetzt
ausgemacht ist, dass die Ueberschüsse nur durch die seit Jahren immer
steigenden Kaffeepreise erzielt werden. Fallen die Kaffeepreise, so
fällt das Kultursystem, durch welches bis jetzt europäischer
Unternehmungsgeist von dem ausserordentlich reichen Felde, das ihm
Niederländisch-Indien darbietet, fast gänzlich ausgeschlossen war.
Australiens Bedeutung wächst mit der nur den Goldländern eigenen
Schnelligkeit, Queensland hat fast die Nordküste erreicht, eine neue
Kolonie wird westlich vom Golf von Carpentaria errichtet; bestätigt es
sich, dass das Klima dort weniger ungünstig ist als an andern Punkten
dieser Küste, so wird sie gewiss schnell Bedeutung erlangen.
Erwägt man, dass China mit einer Bevölkerung von mehr als 400
Millionen, Japan mit 50 Millionen, Cochinchina, Anam, Siam, Birma mit
wenigstens 25 Millionen hermetisch verschlossen waren und erst jetzt in
den allgemeinen Weltverkehr hineingezogen worden sind, so lässt sich
wohl voraussehen, dass in jenen Meeren Handel und Schifffahrt einen
Aufschwung nehmen müssen, wie er in der Geschichte ohne Beispiel ist.
Kein Wunder, wenn die Seemächte bemüht sind, sich dort neue Stützpunkte
zu schaffen, um sich einen Antheil an der reichen Ausbeute zu sichern.
Die neue auf gesunden Freihandelsprinzipien gegründete Kolonialpolitik
hat in jenen Meeren beispiellos glänzende Erfolge erzielt. Statt nach
dem Kriege grosse Gebietsabtretungen zu verlangen, die nur durch
kostspielige Militärverwaltung zu behaupten gewesen wären, begnügte man
sich in China, Japan, Siam mit dem Raum zur Errichtung von Kontoren und
Speichern, die den Regierungen nichts kosten als die Besoldung der
Konsulate. Unter solchen Verhältnissen ist Shanghai, an der Mündung des
Yantsekiang, erst 1844 den Europäern geöffnet, in 20 Jahren der grösste
Handelsplatz von ganz Asien geworden, -- nur London, Liverpool und
Neu-York übertreffen es noch an Tonnenzahl.
So schlagenden Beispielen gegenüber kann sich die eifersüchtige Monopol-
und Exklusionspolitik, wo sie noch als ein Vermächtniss aus früherer
Zeit besteht, nicht mehr lange halten. Freisinnigere, humanere
Anschauungen kommen immer mehr zur Geltung, und ihnen gehört die Zukunft
um so sicherer, als nicht Wohlwollen, sondern Eigennutz zu ihrer Annahme
zwingt. Die gegenseitige Eifersucht tritt nur noch da zu Tage, wo es
sich um Gründung neuer Kolonien handelt. Denn obgleich diese in den
ersten Jahren immer grosse Kosten verursachen und gewöhnlich, wenn sie
herangewachsen sind, nicht gern die Bevormundung des Mutterstaats
ertragen, so ist ihre Gründung für diesen dennoch ein grosser Gewinn:
die eingeborne Bevölkerung wird von Anfang an an die Produkte des
Mutterlandes gewöhnt; die Schifffahrt des letzteren, seine Industrie,
sein Handel nehmen einen grossen Aufschwung. Die Ansiedler lernen die
Hülfsmittel des Landes, die Produkte, den Geschmack der Eingebornen
kennen und leiten den Handel in eine Bahn, aus welcher fremde Nationen
gewöhnlich nur einen geringen Theil abzulenken vermögen.[40]
Die Erwartungen für die Zukunft gestalten sich aber noch viel
glänzender, wenn man einen zweiten Faktor in Betracht zieht: ein grosser
Theil der Bevölkerung der neu erschlossenen Länder war unter dem Druck
unbeschränkter Willkürherrschaft besitzlos. In China hatten Vorurtheil
und die gegen die Auswanderung errichteten Schranken die Arbeitskräfte
der ungeheuren Volksmenge so aufgestaut, dass sie wie in einem
abgeschlossenen See stagnirten und einen so geringen Werth hatten, dass
der angestrengteste Fleiss, verbunden mit der grössten Sparsamkeit und
Genügsamkeit kaum ausreichende Mittel für das blosse Leben gewährten.
Wie sehr aber werden Verkehr und Handel zunehmen, wenn diese latenten
Arbeitskräfte durch Auswanderung auf den günstigsten Boden versetzt,
unterstützt, von europäischem Kapital, das immer mehr seine Scheu vor
fernen Unternehmungen verliert, sich dem Anbau von Kolonialprodukten
widmen; dann werden Millionen von Proletariern zu Konsumenten werden.
Alles scheint darauf hinzuweisen, dass die Ausbreitung der Chinesen
wenigstens über die heissen Länder der Erde, wo Europäer nicht mit ihnen
konkurriren können, in den nächsten Jahrzehnten sehr zunehmen wird.
Ueber die indo-chinesische Halbinsel und den indischen Archipel sind sie
schon jetzt zahlreich verbreitet; langsam aber stetig dringen sie in
die Philippinen und in Niederländisch-Indien ein; die Nordküste von
Australien bietet ihnen ein neues fruchtbares Feld, das ihnen nicht, wie
in Südaustralien durch europäische Kolonisten streitig gemacht werden
dürfte. Die Zuckerproduktion von Bourbon ist hauptsächlich in Händen von
Chinesen, die meist von Bombay aus dahin gingen, in Tahiti bauen sie
jetzt Kaffee und Baumwolle. In Westindien haben chinesische Kulis schon
auf vielen Inseln die Negersklaven ersetzt; vielleicht ist ihnen auch in
den Südstaaten der Union diese wichtige Rolle vorbehalten.
Wie schnell aus einem armen Proletariat ein arbeitsames, wohlhabendes
Volk werden kann, zeigt die neueste Geschichte Vorderindiens auf
glänzende Weise. Von den grossen Reichthümern, welche die
Baumwollenkultur während des amerikanischen Krieges nach Indien gebracht
hat, ist oft in den Zeitungen die Rede gewesen (1861: Werth der
Baumwolle: 900,000 £; 1862, obgleich das Quantum kaum grösser war:
1,500,000 £; 1863: 4,300,000 £ Times, 15. Februar 1864.) Weniger dürfte
in Deutschland von den glänzenden Ergebnissen der Theekultur bekannt
geworden sein; sie sind so überraschend, dass ich wenigstens ganz kurz
einige Daten anführen möchte:
Nach einem Bericht von Sir Robt. Montgomery (Times, 16. Februar
1865) bedecken auf den westl. Vorbergen des Himalaya, wo vor 4
Jahren nicht eine Privatpflanzung bestand, die Theegärten bereits 15
Quadratmiles, und dehnen sich immer weiter aus. Zwischen den
Eingebornen und den Engländern besteht jetzt das beste Einvernehmen.
Erstere, vor wenigen Jahren so arm, dass sie kaum Kleider hatten, um
ihre Blösse zu bedecken, zählen jetzt ihre Rupien nach Hunderten.
Sie sind aus eigenem Antrieb um Errichtung von Schulen eingekommen,
wo sie englisch lernen können, und wollen die Hälfte der Kosten
tragen. Allein im Kangsathal bauen 47 Dörfer Thee. Immer mehr
verbreitet sich der Theebau auf den Bergen, der Tabaksbau in den
Ebenen, in kleinen von den Eingebornen angelegten Gärten und bringt
allgemeinen Wohlstand unter die Bevölkerung. Diese Distrikte, die
früher der Regierung bedeutende Unkosten machten, gewähren ihr jetzt
grosse Einkünfte. Sehr viel bedeutender ist aber die Entwicklung der
Theekultur im östlichen Himalaya und in Assam (wo die Pflanze
einheimisch ist).
Nassau Lees sagt in seinem aus amtlichen Quellen hervorgangenen
Buch: „Tea Cultivation, Cotton and other agricultural experiments in
India”: Im Jahre 1862 vertheilte die Regierung gratis 89 Tons (=
199,360 ℔ Engl.) Theesamen und 2,400,000 Sämlinge, und doch deckte
diese ungeheure Menge nicht entfernt die Nachfrage.... Er fügt die
Bemerkung hinzu, die in der englischen Verwaltung jetzt als
Grundsatz gilt: Sobald der Privatunternehmungsgeist einmal
ordentlich von irgend einem Felde kaufmännischer Spekulation Besitz
ergriffen, hat die Regierung nichts mehr dort zu schaffen. Das
System der Aufmunterung ist sehr gut für den Anfang -- es kann aber
zu weit getrieben werden. Würden z. B. durch das Versprechen
kostenfreier Lieferung von Theesamen und -Sämlingen zu viele
Personen plötzlich zu Theeunternehmungen veranlasst, so könnten sehr
ernste Verwickelungen auf dem Arbeitsmarkt im westlichen Indien
stattfinden.
Es tauchen oft Pläne auf zur Kolonisation tropischer Länder durch
Europäer. Für Bemittelte, die Pflanzungen mit Eingebornen
bewirthschaften und Produkte für den europäischen Markt bauen wollen,
giebt es in Ostasien noch ein grosses, höchst ergiebiges Feld, um bei
materiellem Wohlleben ein Vermögen, im glücklichen Falle sogar
Reichthümer zu erwerben. Ganz besonders lockende Aussichten eröffnet
ihnen die Kaffee- und Theekultur, die in ziemlicher Meereshöhe betrieben
wird, ihnen also auch in klimatischer Beziehung zusagt. Für Auswanderer
im gewöhnlichen Sinne aber ist dort nichts zu machen. Den Ackerbau
versagt ihnen schon das Klima und als Handwerker oder Kleinhändler
können sie unmöglich gegen die Chinesen aufkommen, die an Fleiss,
Mässigkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, unermüdlicher Ausdauer und
rücksichtslosem Streben nach Gewinn die Europäer so sehr übertreffen.
Fast alle Eigenschaften, die die Juden auszeichnen, besitzen die
Chinesen in noch höherem Maasse; auch darin sind sie ihnen ähnlich, dass
sie sich über alle Länder verbreiten, sich unter allen Regierungen wohl
fühlen, immer zu einander halten und sich überall durch Reichthum eine
hervorragende Stellung zu erringen wissen. Wie die Juden keinen Staat,
so können die Chinesen keine Kolonien gründen.
Vor 25 Jahren ging der einzige Weg nach Indien um das Kap der guten
Hoffnung. Um dieselbe Zeit, wo die erste transatlantische Linie versucht
wurde (1838), miethete eine Gesellschaft von Privatleuten einige
Dampfboote, um einen regelmässigen Dienst zwischen England, Lissabon und
Gibraltar einzurichten. Sie verlor 500 £ an jeder Reise, erhielt 1840,
als ihre Verluste bereits 30,000 £ betrugen, Korporationsrechte und den
Postdienst nach Indien und jenseits. Dies ist der Ursprung der mächtigen
Gesellschaft, deren Schiffe jetzt die Post für die iberische Halbinsel,
das Mittelmeer, Indien, China, Japan, Australien besorgen. Sie erhalten
dafür jährlich ungefähr 500,000 £ Subvention von der englischen
Regierung.[41] Die sehr hohe Subvention hielt bis vor Kurzem alle
Konkurrenz ab, so dass die Kompanie thatsächlich ein Monopol besass,
dessen Uebelstände dem Publikum sehr fühlbar waren. Erst vor wenigen
Jahren eröffnete die französische Gesellschaft der Messageries
impériales eine Konkurrenzlinie, wodurch die bisher so hohen Preise der
Peninsular- und Oriental-Company um etwa 20% fielen. Auch sind die
Schiffe seitdem nicht mehr so überfüllt und die Behandlung der
Passagiere ist rücksichtsvoller. Allem Anschein nach wird sich die neue
Linie neben der alten halten können, da die Berichte über ihren Betrieb
sehr günstig lauten. Nach dem Economist, 10. Juni 1865, hat im letzten
Jahr ihr Verkehr in China und Indien an Gütern um 26-1/2%, an
Passagieren 18%, an Kontanten 62% zugenommen.
Jetzt gehen regelmässige Dampferlinien von Singapore direkt nach
Malacca, Penang, Siam, Cochinchina, China, Borneo, Batavia, Ceylon,
engl. Birma, Vorderindien, dem rothen Meer und durch Anschluss nach
Europa, sowie nach den Mascarenen, Niederländisch-Indien, Australien,
Japan. Eine neue Linie zwischen China, Japan, Sandwichsinseln und
Californien ist soeben von der Regierung der Vereinigten Staaten
genehmigt und mit einem bedeutenden jährlichen Zuschuss ausgestattet
worden. Für Australien besteht bis jetzt nur eine Verbindung zwischen
seinen südlichen Kolonien und Ceylon, die für Singapore keine Bedeutung
hat. Aber wohl bald wird eine Linie durch die Torresstrasse im Anschluss
an die niederländisch-indische, nöthig werden.
----------
[1] Annähernd ist ein Gegenstand so viele Seemeilen über dem
Horizonte sichtbar, als die Quadratwurzel seiner Höhe in englischen
Fuss beträgt. (Raper's Navig. pg. 374.)
[2] Der als Romanschriftsteller bekannte Kapitän Marryat ist der
Erfinder dieser Telegraphie, die trotz ihrer Mängel so grosse
Dienste leistet, dass bald nach ihrem Bekanntwerden die französische
Regierung eine Verordnung erlassen hat, kraft welcher die
Versicherung aller nicht mit diesem Verkehrsmittel versehenen
Schiffe für ungültig erklärt wird. Jetzt dürfte wohl kaum noch ein
europäisches Schiff ohne Marryat's Signal-System anzutreffen sein.
Der Apparat besteht aus 15 Flaggen: 10 für die Zahlen bis 9, 5
Indexflaggen; und dem Signalbuch. Dieses zerfällt in 6 Abtheilungen
und enthält 1. Liste der englischen Kriegsschiffe; 2. Liste der
übrigen Kriegsschiffe; 3. Liste der Kauffartheischiffe aller
Nationen; 4. Leuchtthürme, Häfen, Vorgebirge, Klippen u. s. w.;
5. Auswahl von gebräuchlichen Sätzen und Gesprächen; 6. Wörterbuch.
Fünf Abtheilungen werden durch die betreffenden fünf Indexflaggen,
die sechste durch das Fehlen einer solchen bezeichnet. Der Inhalt
jeder Abtheilung ist alphabetisch geordnet; jeder einzelne Posten
hat eine Zahl, deren Reihenfolge jener alphabetischen Anordnung
entspricht. Zahlen, in denen eine Ziffer doppelt vorkommt, werden in
diesen Reihen übersprungen, weil man sonst 20 statt 10 Zahlenflaggen
haben müsste; doch hat man Mittel für besondere Fälle jede Zahl
auszudrücken.
In den ersten 4 Abtheilungen bleibt die alphabetische Reihenfolge in
allen Sprachen dieselbe; aber nicht in Abtheilung 5 und 6. Daher
sind bei Uebertragung in fremde Sprachen in diesen beiden
Abtheilungen die Sätze einmal dem englischen Signalbuch entsprechend
numerisch, und einmal alphabetisch nach der fremden Sprache
geordnet; will man sprechen, so benutzt man diese, empfängt man eine
Antwort, so benutzt man jene Anordnung. Am interessantesten und
wichtigsten ist Abtheilung 5. Sie enthält Kompass-Richtungen,
Signale, deren sich Lootsen und Lloyd's-Agenten bedienen, um
Schiffen, die in Noth sind, Befehle zu geben, Gespräche zum
allgemeinen Gebrauch, desgl. für Schiffe, die sich auf See begegnen,
Convoi- und Eskort-Signale u. s. w. Dies ist wohl das Wesentliche
dieser Universalsprache.
[3] Einige Male bei sehr hoher See versuchte ich mit dem Kapitän die
Höhe der Wellen zu schätzen. Wir wussten, dass sie immer höher
erscheinen als sie sind und nahmen darauf Rücksicht; dennoch
glaubten wir einmal ihre Höhe nicht unter 22 bis 24' annehmen zu
dürfen. Als wir aber nachmassen, so weit dies überhaupt möglich ist,
fanden wir nur 18'. Die Art, die Höhe zu bestimmen, ist in Raper's
Navig. 5th. edit. pag. 179 angegeben, wo auch mehrere von berühmten
Seefahrern gemessene Wellenhöhen angeführt sind; die grösste ist die
von Sir Jas. C. Ross im Nordatlantischen Ozean beobachtete von 36
Fuss.
[4] Die Geschwindigkeit des Schiffes wird durch das Log bestimmt,
die Richtung durch den Kompass. Aus dem Abgangsort, der Richtung und
der Geschwindigkeit ergiebt sich unter Berücksichtigung
verschiedener Korrektionen der Ort des Schiffs. Das Log besteht aus
einem beschwerten Brettchen an einer Leine mit Knoten. Es wird
gewöhnlich alle 2 Stunden ausgeworfen und bleibt auf dem Wasser
liegen, während die Leine durch die Fortbewegung des Schiffes von
einer Haspel abrollt. Sobald der Nullpunkt der Leine, ein bunter
Lappen, das Wasser berührt, wird eine kleine Sanduhr umgedreht; ist
sie abgelaufen, so zieht man die Logleine ein und zählt die
abgelaufenen Knoten. Die Länge zwischen 2 Knoten verhält sich zur
Länge einer Meile, wie die Zeit, in welcher die Sanduhr abläuft zu
einer Stunde. Setzt man die Seemeile = 6080', und die Sanduhr = 30
Sek., so hat man: Länge eines Knoten: 6080 = 30:3600 = 50-2/3' und
so viel Meilen in der Stunde, als Knoten in 30 Sekunden. Obige
Methode, den Ort eines Schiffes zu bestimmen, heisst Gissung (Dead
Reckoning), sie ist aus vielen Gründen sehr unvollkommen, weshalb
zur Berichtigung auch astronomische Ortsbestimmungen gemacht werden
müssen. Zu dem Zwecke wird die geographische Breite jeden Mittag
durch eine sehr leichte Beobachtung der Sonnenhöhe und einfache
Rechnung gefunden. Längenbestimmungen aber sind besonders zur See so
schwierig und unsicher, dass sie von Handelsschiffen fast nie
angestellt werden; diese schliessen auf die Länge aus der Differenz
zwischen der Zeit des Chronometers und der Ortszeit, die auf jedem
ordentlichen Schiff einmal täglich durch Beobachtung gefunden wird;
so dass also die annähernde Richtigkeit der Länge ganz von der
Zuverlässigkeit des Chronometers abhängt. Kriegsschiffe, die immer
mehrere gute Chronometer mitführen und Mittel zu genaueren
Beobachtungen haben, pflegen unaufgefordert Länge und Breite auf
eine Tafel zu schreiben und sie vorüber segelnden Schiffen
entgegenzuhalten, damit diese ihre eigene Rechnung prüfen und
berichtigen können.
[5] Der Südwest-Monsun fängt hier gewöhnlich Mitte oder Ende April
an und dauert bis Mitte Oktober. Am beständigsten ist er im Juni,
Juli, August. Der Nordost-Monsun beginnt im nördlichen Theil der
Chinasee Ende September oder Anfang Oktober, aber im südlichen Theil
dieser See wird er selten vor November beständig. Den grössten Theil
des Oktobers herrschen leichte wechselnde Winde. Am kräftigsten und
anhaltendsten ist er im Dezember und Januar.
[6] Vielleicht auch nur mit gelbem Ocker. Gelb ist die festliche,
die Gallafarbe in ganz Ost-Asien. Javanische Brautleute reiben sich
den Körper mit gelbem Turmerikpulver ein, die Leibgarde des
Javanischen Kaisers aus Billigkeitsrücksichten mit gelbem Ocker. In
China darf ausser der kaiserlichen Familie kein Mensch in seiner
Wohnung oder in seiner Kleidung Gelb gebrauchen oder auf gelbes
Papier schreiben. Die kleinen Prinzessinnen von Siam wurden, bevor
sie sich von mir photographiren liessen, mit Turmerik eingerieben,
das ebenso wie der Reispuder der Pariserinnen, den Teint verschönert
und die Haut erfrischt. Es ist auch ein guter Schutz gegen
Hitzpickel. Die Hauptverwendung findet der Turmerik (Curcuma sp.
div.) in der Küche zu Kurries; in Europa dient er bekanntlich in der
Färberei zur Herstellung einer ebenso schönen, als flüchtigen Farbe
und zur Bereitung von Reagenzpapier.
[7] Die Punka findet man nur in den englischen Kolonien, wo sie als
sehr zuträglich für die Gesundheit gilt. Die Holländer auf Java
fürchten den angenehmen Luftzug und behaupten, nur John Bull's
dicker Schädel könne ihn vertragen. Dagegen sitzen die Holländer,
Männer wie Frauen, unbedeckten Hauptes im Freien und geniessen die
kühle Abendluft, die in Singapore so gefürchtet wird, dass man
selbst nicht gern mit blossem Kopf auf den Balkon hinaustritt. So
hat jedes Land seinen Aberglauben.
[8] Der englische General-Konsul in Rotterdam sagt in seinem
Bericht über den Handel von Niederländisch-Indien von 1861 in Bezug
auf die Gewürze Muskat und Nelken: „Die jährliche Auktion der
Handels-Gesellschaft ergab niedrigere Preise, als je erhört waren.
Dies Ergebniss war ein neuer Beweis, dass das jährlich produzirte
Quantum in gar keinem Verhältniss steht zur stetig abnehmenden
Nachfrage ... Während der letzten 10 Jahre sind die Preise stetig
gefallen.”